Saturday, November 28, 2009

Es driftet

Während der letzten Wochen und Monate beschleicht mich das Gefühl, als häuften sich in Blogoezese und Medien Berichte über eine gewisse "Unzufriedenheit" innerhalb der Katholischen Kirche.

Vaticarsten hat bereits im Oktober eine hübsche Zusammenfassung der unaufhörlich hin- und herfliegenden Anschuldigungen aufgelistet. Die Punkte sind allesamt würdig und recht, aber schon in der Com-Box zeigt sich, daß die Lösung gleichzeitig ferner und näher liegt, als man glauben mag:
    Ein zustimmender Kommentar: "Es darf halt kein Erstell-dir-dein-eigenes-persönliches-Christentum werden."

    Ein zweiter, ebenfalls zustimmender Kommentar: "Genau das verstehe ich unter “katholisch” - eine Kirche, in der ALLE Platz haben können, wenn sie denn wollen und an Christus glauben. Unabhängig von der Art und Weise ihrer Glaubenspraxis,..."
Man ist sich also nicht nur einig, daß die Streitereien ätzen, sondern auch, daß in der Kirche für jedermann Platz sein muß, ohne daß es einen Cafeteria-Katholizismus gibt. Aber wie soll das zu bewerkstellingen sein?

Es mag eine Zeit gegeben haben, in der viele, wenn nicht gar die meisten der Unzufriedenheitsäußerungen gegenüber der Katholischen Kirche (und hier vor allem gegenüber Papst, Episkopat und Magisterium) frei nach dem Motto "Wer keine Probleme hat, der macht sich welche" entstanden. Die Aufbruchsstimmung war da, Europa hatte sich das Katholisch-Sein noch nicht so richtig abgewöhnt, Autoritäten und Hierarchien durften - nein: mußten - angezweifelt werden, und die Früchte von fast zweihundert Jahren Umsturz und Neuerung schienen nun endlich auch in den Kirchen, den Klöstern, den Bischofspalästen und den Pfarrhäusern zu ernten zu sein. Da machen wir mit! Für eine neue, bessere Kirche! Was soll da schon schiefgehen?

Ich möchte an dieser Stelle auf einen fast drei Jahre alten Beitrag hinweisen. Lest ihn jetzt (Zauberwort: ** gefälligst! **) und kommt dann wieder.

Ja, anfangs war das sicherlich verlockend und interessant, Papst und Magisterium zu spielen. Es tat ja niemandem weh und brachte Schulterklopfen und zustimmendes Nicken von Gleichgesinnten ein. Doch das Lüftchen, welches damals den Muff von 2000 Jahren aus den Talaren wehen wollte, ist heute zu einem Hurricane angewachsen.

Dort, wo alles sich dreht und alles driftet, dort heftet man den Blick am besten auf einen Fixpunkt. Und dieser Fixpunkt ist für uns Katholiken der Papst. "WAAAAS? Nicht Christus?" höre ich. Nun, wenn ihr genau hinlest (Mt 16,18), dann erkennt Ihr, daß damit automatisch Christus gemeint ist. Und wenn Ihr genau hinschaut, dann erkennt Ihr, wie leicht die ganze Sache aus dem Ruder läuft, wenn man sich ausschließlich auf Christus beruft und Seinen auserkorenen Felsen ignoriert.

Nein, Leute. Mit der Zofferei um der Zofferei willen muß es ein Ende haben. Katholizismus und Christentum hängen in Europa so ziemlich am Tropf. Wer da immer noch mit seinem "Katholischer als Du"-Getue punkten will (sei es von rechts oder links), dem sei gesagt, daß er sich und der Kirche einen bedeutend größeren Dienst erweist, wenn er schlicht und einfach tut, was der Papst und das Kirchliche Lehramt ihn oder sie zu tun bitten. Das gilt für Laien, das gilt für Priester, das gilt für Bischöfe. Steckt Euch Eure Extratouren - seien sie konservativer oder liberaler Natur - dorthin, wo die Sonne nicht scheint und versucht wenigstens um der nächsten Generationen willen, Euren Stolz herunterzuschlucken. Der kommt, wie Ihr Euch vielleicht entsinnt, eh nicht so gut rüber, wenn Ihr einst auf der Waage steht.

Was der Papst erlaubt, das tut. Was der Papst verbietet, das laßt. Wenn Ihr jemanden erwischt, der es genau andersherum macht, verweist freundlich aber bestimmt auf die Wirklichkeit. Geht's einfacher? Wohl kaum.

[Präventives Dementi: Nicht jeder, der sich jetzt angesprochen fühlt, wurde auch angesprochen. Ich habe mir primär den Frust von der Seele geredet über Leute, die immer so tun, als hätten sie den Katholizismus nicht nur erfunden, sondern auch brav über 2000 Jahre verwaltet]

2 comments:

Nonnatus said...

"daß er sich und der Kirche einen bedeutend größeren Dienst erweist, wenn er schlicht und einfach tut, was der Papst und das Kirchliche Lehramt ihn oder sie zu tun bitten. Das gilt für Laien, das gilt für Priester, das gilt für Bischöfe."

Hervorragend! Da kann ich nur jedes Wort unterstreichen.

Ab warum gibt es in der Öffentlichkeit (ich behaupte jetzt mal die blogger szene kocht ein wenig im eigenen Saft) keine derartigen Stimmen? Oder anders gefragt, wie schaffe ich es diese Meinung im täglichen Leben zu vertreten?

Alipius said...

Ich denke, die einfachste Weise ist, diese Meinung schlicht kundzutun und bei Bedarf durch Zitate des Lehramtes zu unterstützen. Ich weiß nicht, ob und wie gut Du z.B. die Konzilsdokumente kennst. Die sind immer ein guter Entschärfer.