Monday, November 23, 2009

Herr Ratzinger?

Bei kath.net fand ich diesen Kommentar von Regisseur Peter Stein zu dieser Rede des Papstes zum Thema Kunst:
    "Ich verstehe italienisch und spreche italienisch mindestens so gut wie Herr Ratzinger. Aber deswegen kann ich mich dazu nicht äußern. Nun ist es so: Der Begriff der Schönheit ist sehr relativ. Viele Leute finden etwas schön, was andere nicht schön finden. Natürlich, ein Repräsentant einer so gewaltigen Institution wie der katholischen Kirche hat die Tendenz zur Vereinfachung und zur Simplifizierung. Wir Künstler dagegen [Die Rechte wird mit gespreitzten Fingern an die Brust gelegt] habe die Aufgabe der Differenzierung. Wir müssen Schönheit sehen, wo sie vielleicht Herr Ratzinger nicht sieht. Wir müssen auch Hässlichkeiten verteidigen als Künstler, weil sie Abbild sind der Realität, in der wir leben, die Herr Ratzinger vielleicht nicht so gerne sehen mag. Aber grundsätzlich ist es so, dass ich persönlich eigentlich gerne möchte, dass die Sachen, die ich herstelle, den Leuten ästhetisch gefallen, würde ich vorsichtig ausdrücken, und nicht genauso hässlich sind wie das meiste, was mich umgibt. Wobei das ja schon gar nicht stimmt. Uns umgibt ja unglaublich viel Schönheit. Aber nicht nur. In dieser Zwiespältigkeit würde ich das mit dem Schönheitsbegriff lieber lassen als so eindeutige Dinge sagen, die so offensichtlich der Herr Ratzinger gesagt hat."
Mann, da scheint aber jemand sauer zu sein, daß jemand anders wichtiger und bekannter ist. Vielleicht gibt's aber auch eine andere Erklärung für das prollige "Herr Ratzinger".

Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI, Pontifex Maximus, Bischof von Rom, Stellvertreter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, Oberster Priester der Weltkirche, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der Kirchenprovinz Rom, Souverän des Staates der Vatikanstadt, Diener der Diener Gottes hat sicherlich nicht die Aufgabe, sich zwiespältig zu äußern. Daher verwundert es auch nicht, daß er in seiner Rede Platon und von Balthasar zitierte, um auf die Wahrheitsverpflichtung bzw. die Wahrheitsnähe der Schönheit hinzuweisen, ergo einen Schönheitsbegriff zu präsentieren, der nichts mit jenem zu tun hat, den Stein zurückweist.

5 comments:

Elsa said...

Ja, das von der Kirche die Wahrheit vertreten wird, und zwar mit Anspruch, das gefällt doch ziemlich wenigen... Sieh es als Symptom der Zeit.
Ob HERR Stein auch den Dalai Lama als Herrn Gyatso titulieren würde?

Stanislaus said...

Och, über den Hl. Vater mit seinem weltlichen Familiennamen nebst Titel "Herr" zu sprechen, war doch noch Anfang der 90er Jahre in mancher Theologen-Fachschaft an der Universität geläufig.

meditans nugarum said...

Es ist interessant, daß Steins Äußerungen fast überall nur auf seine Titulierung des Papstes als "Herr Ratzinger" hin betrachtet werden.

Viel interessanter wäre dabei eine Diskussion über die diametral verschiedenen Vorstellungen vom Wesen der Kunst, die hier zu Tage treten: Stein propagiert Kunst als Abbildung von und Auseinandersetzung mit immanenter Realität, der Papst betrachtet sie als Abbild der metaphysischen Realität namens "Schönheit", die direkt dem Wesen Gottes entspringt.

Daß der eine mit dem Kunstbegriff des anderen nicht viel anfangen kann, ist da eigentlich logisch.

Alipius said...

Naja, ich fand, daß es da nicht viel zu diskutieren gab, weil die beiden Kunst-Vorstellungen ja tatsächlich so offensichtlich sind.

Conservare said...

Das ist mal wieder typisch deutsch.