Tuesday, February 09, 2010

He had it coming!


Gefunden im creative minority report der auch richtig feststellt, daß es schon eines ganz besonderen Präsidenten bedarf, um die Bush-Jahre wie die gute, alte Zeit aussehen zu lassen...

Das ist offenbar kein cleverer Photoshop-Job, sondern ein "echtes" Schild, was an der Interstate 35 in der Nähe von Wyoming steht.

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Der mußte natürlich auch noch...

Heiner Geißler (der mit der schönen noli me tangere-Interpretation) äußert sich gegenüber dem WDR (über kath.net):
    Der umstrittene CDU-Politiker Heiner Geißler hat am Dienstag gegenüber dem WDR wieder einmal mit der Kirche verbal abgerechnet und behauptet, dass die Kirche mit ihrer "Erziehung zu einer verklemmten Sexualität" viel Schuld an den jetzt bekanntgewordenen Missbrauchsfällen in den Jesuitenschulen habe [Eine Sache, die ich grundsätzlich nicht verstehe: Läd die Kirche weniger Schuld auf sich, wenn sie diese Männer dazu ermutigt, ihre Neigung zu Kindesmißbrauch offen auszuleben? Oder werden all die Kinderschänder plötzlich sagen "Okay, jetzt will ich mich auf einmal nicht mehr an Kindern vergreifen" wenn der Zölibat fällt? Ich meine mich zu erinnern, daß auch nicht zölibatär lebende Männer ihrer düsteren Neigung nachgehen...]. Geißler war früher einmal Novize im Jesuitenorden, allerdings hat er den Priesterwunsch unter anderem wegen des Zölibats aufgegeben.

    Der CDU-Politiker meint gegenüber dem Fernsehsender wörtlich: "Ich habe so etwas nie erlebt und von so etwas auch nie gehört, ich würde sagen, das, was da aufgedeckt wurde, ist atypisch für den Jesuitenorden. Das Neue ist, und das ist etwas Positives, dass die Führung der Jesuiten in die Öffentlichkeit gegangen ist, das muss ein Vorbild sein für die Katholische Kirche, die immer eine Vertuschungspolitik betrieben hat." Dann wettert Geißler wieder einmal gegen den Zölibat und fordert die Abschaffung. Auf Dauer sei die seiner Meinung nach "menschenverachtende Konzeption" nicht durchzuhalten [Blödsinn. Ich bin normalerweise nicht so ein "Bevor Du gegen X schreien darfst mußt Du dich aber erstmal deutlich von Y distanzieren"-Nicht-Logiker, aber in diesem Fall komme ich nicht umhin: Wenn Herr Geißler so versessen darauf ist, der Menschenverachtung hinterherzuschnüffeln, wäre es dann nicht ratsam, die Nase mal dorthin zu stecken, wo Menschen ihre Würde in der Gesäßtasche tragen, während sie sich zum Sklaven ihrer Triebe machen, nicht wenig unterstützt von den Elementen, die daran prima verdienen?].
Hmm... Er wollte mal Priester werden, hat den Wunsch aber dann unter anderem Wegen des Zölibats aufgegeben. Jetzt wettert er laut gegen den Zölibat und schiebt dessen vermeintlich schädliche Nebenwirkungen der Kirche in die Schuhe. Schwingt da so ein wenig das belastete Gewissen mit, oder lese ich zuviel zwischen den Zeilen?

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Weiter geht's!

Das Stöckchen ist angekommen und wird verarbeitet!

Curious traveller hat bereits die ganze Arbeit geleistet und wartet mit prima Antworten auf!

Katholik brainstormt noch.

Bei Stanislaus herrscht noch Ruhe, aber da wird vielleicht auch noch was kommen?! [Update: Das Stöckchen ist angekommen und in Arbeit!]

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Haben!

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Schwester Robusta

Fünf... Vier... Drei... Zwei

Kurzer Zwischenstand: Ich habe drei weitere Examen überstanden: Die Psalmen und die Bücher der Weisheit bereits am 2. Februar, Die Sakramente (Teil I) am 5. und heute Gerechtigkeit.

Das heutige Examen war sicherlich das entspannteste, kürzeste und vom Aufwand-/Nutzen-Standpunkt aus erfolgreichste aller Zeiten: Professor Williams, ein uralter, runzliger, sich in einem unvorstellbar geschliffenen und präzisen Englisch ausdrückender Dominikaner aus den USA, fühlte sich nach den ersten Befragungen ein wenig müde und schwach. Daher rief er alle acht noch außerhalb des Klassenzimmers wartenden Studenten (darunter auch mich) hinein und unterzog uns einer geschickten und superkurzen Stichwortbefragung, welche sofort aufdeckte, ob man den Stoff gelernt und verstanden hatte, oder nicht. Für mich und für alle Anderen bedeutete dies eine glatte 10 (höchte Punktzahl), da wir alle fleißig gebüffelt hatten. Der Clou: Pro Person betrug die Befragungszeit zwischen 30 und 60 Sekunden. So ein Examen laß ich mir gefallen!

Morgen Nachmittag steht noch das Ökumene-Examen an (wovor es mir ein wenig graust, weil die Liste der obligatorisch sich reinzuziehenden Literatur einfach nicht endet und ich noch durch zwei Kasper-Dokumente durch muß), und übermorgen wird zum vorerst letzen Mal geschwitzt: Die katholischen Briefe. Dann drei Tage Füße hoch und am Montag beginnt schon das neue Semester.

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Monday, February 08, 2010

Schwester Robusta

Was noch hinzukommt:

In der sich wahrscheinlich noch über längere Zeit hinziehenden Debatte um die Mißbrauchsfälle in Deutschland wird sich auf eine gewisse Art die Spreu vom Weizen trennen.

Die Medien werden dafür sorgen, daß diejenigen Herren Theologen und Kleriker, die den Skandal zur Rom- oder Papst- oder Zölibats- oder Kirchenschelte nutzen wollen, für die Öffentlichkeit laut und deutlich erkennbar werden. Da muß man nur irgendwo ein Mikrophon und/oder eine Kamera rausholen und sie werden angerannt kommen.

Diejenigen Herren Theologen und Kleriker, die lieber weder ihren gefallenen Brüdern noch dem Heiligen Vater in den Rücken fallen wollen, werden wir nicht so leicht erkennen. Aber da diese sicherlich mehr Zeit mit Beten und Buße verbringen, werden wir ihre Früchte nicht nur eher genießen können, sondern auch feststellen, daß diese Früchte (im Gegensatz zu denen der Anderen) richtig gut schmecken.

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Ohne jetzt...

... die alte Diskussion wieder ankurbeln zu wollen, möchte ich kurz noch einen Gedanken zu Hand-/Mundkommunion loswerden:



Wenn ich solche Szenen sehe, muß ich unweigerlich an ein Vogel-Junges denken, das der Mama den aufgerissenen Schnabel entgegenstreckt, um lebenswichtige Nahrung zu erhalten. In diesem Bild ist's zwar der Papa, aber die Nahrung ist umso lebenswichtiger. Ein symbolischer Grund, warum ich den Empfang der Kommunion im Knien und auf die Zunge mag.

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Das hat selbst der SPIEGEL nicht verdient...

Nur wegen eines einzigen Titelblatts wird das Magazin nun über Jahre hinweg als Schießbudenfigur belacht werden; wird nur noch diejenigen Leser an sich binden können, die beim Anblick des sich durch das Karnevals-Prälatenkostüm richtung Schritt greifenden Models in schenkelschlagendes Wiehern ausbrechen; wird von Leuten, die Informationen statt ad-hominem-Schlamm suchen bald in die Ecke der "Sun" gerückt werden (immerhin mit Ausbaufähigkeit richtung "Blitz Illu"). Die Armen!

Ach ja: Es wird in den letzten Tagen oft von den "mindestens 94" Klerikern gesprochen, die laut SPIEGEL seit 1995 unter Missbrauchsverdacht geraten sind. Diese Zahl wird dann in wirre Statistiken eingebaut, um die Kirche entweder zu entlasten oder zu beschuldigen. Ich möchte darauf hinweisen, daß der SPIEGEL schreibt:
    "... dass seit 1995 mindestens 94 Kleriker und Laien unter Missbrauchsverdacht geraten sind. "
Es scheint sich also keineswegs nur um zölibatär Lebende zu handeln. Und ein Mißbrauchsverdacht sagt ja nun erst einmal auch gar nichts.

Ich stelle mich hier an die Seite von Stanilaus und behaupte, es wäre zielführender und fairer, die Kirche im Dorf zu lassen. Moment... Was sage ich denn hier? Das Ziel einschlägiger Publikationen in Sachen "Katholische Kirche" wird natürlich durch Titelblätter wie dem obigen sehr schnell erreicht. Und da ist dann ja auch Fairness kein Argument mehr. Sorry, SPIEGEL! Du machst (innerhalb der Dir selbst angelegten Scheuklappen gesteckten Grenzen) alles richtig!

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Sunday, February 07, 2010

Auf der Anklagebank

Katholische Kirche und Katholischer Klerus stehen momentan unter Generalverdacht und sitzen auf der Anklagebank. Die Äußerungen der vergangenen Tage - sowohl der Ankläger als auch der Verteidiger - machen momentan überall die Runde.

Highlights wie "Trauen sie keinem Pfarrer" (Friedhelm Mennekes SJ) oder "Rom verkennt die Sexualität" (Hermann Häring, kath. Theologe) oder "Kein Persilschein für Priester" (Otto Kallscheuer, Katholik und ehemaliger Jesuitenschüler) wurden bereits von einem verständlicherweise nicht so gut gelaunten Stanislaus geziemend abgewatscht.

In der Tagespost äußert sich Alexander Kissler zur Debatte über Mißbrauchsfälle an jesuitischen Schulen und legt den Finger in die Wunde:
    "Der Zölibat ist im 21. Jahrhundert das am deutlichsten sichtbare Zeichen, dem die Welt widerspricht; schließlich bezweifelt er deren gesamte Logik. Da in der Spätmoderne alles Welt werden soll, da alles aufgehen soll im Ewiggleichen, im Durchschnitt und im Diesseitigen, gilt dem Zölibat ausdauernde Ablehnung. Dass er im Kern ein Hoffnungszeichen ist für die Welt, indem er das Unbedingte zur Bedingung macht einer ganz anderen Existenzform, darf die Welt sich nicht eingestehen. Der Zölibat hält inmitten all des Vorläufigen und Relativen dem Absoluten die Tür offen. Die Welt aber will mehr vom Gleichen, nichts vom Besonderen; will mehr von der Gegenwart, kaum etwas von der Zukunft und schon gar nichts aus den Tiefen der Vergangenheit. Dort reicht ihr Regiment nicht hin."
Nicht übel!

Das "Ewiggleiche" ist natürlich ein wunderbarer Seitenhieb. Letztlich ist ja nur Einer Ewiggleich! Und diesem Einen spürt der zölibatär Lebende auf eine Art nach, die natürlich in der heutigen Zeit Stein des Anstoßes ist, die aber auch aufregend ist, weil sie andere Energien freisetzt, weil sie andere Perspektiven erlaubt und weil sie auf eine schonungslose und mit Verantwortung beladene Art frei macht. Daß Priester diese Verantwortung mit Macht verwechseln und sich von dieser schon falschen Macht zu noch falscheren Taten hinreißen lassen, ist nicht die Schuld des Zölibats und nicht die Schuld der Kirche.

Ich möchte noch einmal auf einen Zusammenhang aufmerksam machen, der meiner Meinung nach nicht genügend gewürdigt wird: Humanae Vitae wurde zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, als die breite Masse ihr neuestes Spielzeug - die ungehemmte und nicht eben auf Verantwortung schielende Sexualität - grade erst zu Gitarrenklang und Dope-Schwaden ausgepackt hatte. Es wurden Kommunen gebildet, um dort "in einem kollektiven Diskurs eine neue Sexualmoral zu definieren". Also war Humanae Vitae erst einmal böseböse! Denn der Papst schien ja die lustige Versucherei bereits im Keime ersticken zu wollen! Unerhört. Leider machte diese "neue Sexualmoral" aber auch vor Kindern nicht halt. Was genau uns dies eingebracht hat, sehen wir heute. Sicher ist Kindesmißbrauch älter als die sexuelle Revolution. Aber hat schon mal jemand überlegt, inwieweit eben diese sexuelle Revolution vielleicht dafür verantwortlich sein könnte, daß Kindesmißbrauch für eine gewisse Zeit gar nicht als Kindesmißbrauch gehandelt wurde, sondern als ein Instrument der Befreiung, als eine Hilfe beim Reifeprozeß oder gar als ein Kavaliersdelikt? Ist doch klar, daß jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, die Gesellschaft mit heißem Dank und schlecht verholener Freude auf die Kirche zeigt und Kindesmißbrauch erst einmal dem Zölibat in die Schuhe zu schieben versucht. Pay-back für Humanae vitae und Ablenkung von der eigenen Sündhaftigkeit sind angesagt! Niemand ist wirklich so blöd, zu glauben, daß auch nur die Mehrzahl der Priester pädophile Neigungen hat. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Das lautstarke Anklagen lenkt einfach und bequem ab von den Fragen, die man eigentlich kollektiv an sich selbst stellen müßte.

Kissler fährt dann fort:
    "Der zölibatär lebende Priester kränkt, allein weil er ist, die Gegenwart fundamental. Sie vergilt es ihm mit Generalverdacht, Sippenhaft, Schuldsvermutung. Ebenso kränkend mag man einen weiteren, darum verschwiegenen Gedanken empfinden: Die Zeit, in der sich die nun in Rede stehenden Übergriffe ereignet haben, war der Höhepunkt einer inneren Krise der Kirche. In dieser nachkonziliaren Krise wiederum bildeten die Jesuiten die Speerspitze des Neuen. Unter ihrem von 1965 bis 1981 amtierenden General Pedro Arrupe, einem Basken, wandelten sie sich von den Prätorianern des Papstes, ihm treu und unüberbietbar ergeben, zu „des heiligen Vaters ungehorsamen Söhnen“ – so zumindest ein plakativer Buchtitel von 1991. Es waren Jesuiten, die den lockenden Seim des Marxismus und der Befreiungstheologie in sich aufsogen und den „Arbeiterpriester“ salonfähig machten; Jesuiten stemmten sich gegen die „Pillen-Enzyklika“ Pauls VI. und gegen den Pflichtzölibat, und Jesuiten wurden auch von Johannes Paul II. mehrfach zur (Kirchen-)Ordnung gerufen."
Boo-ya! Das ist einerseitst scharf geschossen, aber andererseits fast zuviel des Guten, denn hier werden die Jesuiten ja in die Sippenhaft genommen, gegen die der Autor sich wehrt. Dennoch: Kissler ist sicherlich auf einer ziemlich guten und interessanten Fährte.

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Schwester Robusta

Stöckchen sind irgendwie out...

.. aber da ich bisher nur an wenigen teilgenommen und selbst noch nie eines initiiert habe, und weil mir eben eine lustige Idee kam:

Das "Mäuschen spielen"-Stöckchen

Frage: Bei welchen 10 historischen Ereignissen wärst Du gerne dabei gewesen?

1.) Ich hätte gerne neben dem Heiligen Alipius gestanden in dem Moment, als der Heilige Augustinus nach dem "tolle, lege"-Moment japsend aus dem Garten ins Haus gelaufen kam, die Heilige Schrift an sich riß und darin las.

2.) Ich wäre gerne bei der Schlägerei während des zweiten Konzils von Ephesus im Jahre 449 (Latrozinium) dabei gewesen; nicht als Teilnehmer, sondern aus sicherer Entfernung; nicht aus Sensationslust, sondern weil man es wohl gesehen haben muß, um es glauben zu können.

3.) Ich hätte gerne am Weihnachtstag des Jahres 800 das verdutzte Gesicht Karls des Großen gesehen, nachdem Papst Leo III während der Messe in St. Peter kurz in der Sakristei verschwand, mit einer Krone wiederkehrte, sie Karl auf's Haupt setzte und ihn zum "Kaiser der Römer" erklärte (so male ich es mir zumindest in meiner Phantasie aus...).

4.) Ich hätte gerne miterlebt, wie die Welt zum Jahreswechsel 999/1000 nicht unterging.

5.) Bei der Inbesitznahme des Lateran durch Papst Leo X hätte ich ganz gerne in der ersten Reihe gesessen.

6.) Und dann wäre ich danach schnell zu Raffaello Sanzio da Urbino geflitzt, um ihm ein wenig bei seiner Arbeit an der Sixtinischen Madonna zuzuschauen.

7.) Selbstverständlich wäre ich gerne bei jeder beliebigen Planungs- und Studier-Runde dabeigewesen, die "Erzbaumeister" Lothar Franz von Schönborn mit seinen "Baudirigierungsgöttern" (Architekten) abhielt.

8.) Entweder die Krönung Ludwig des Sechzehnten oder einen der vom Kardinal de Bernis während seiner Jahre als "König von Rom" gegebenen Empfänge hätte ich gerne aus nächster Nähe miterlebt. Totale Befriedigung meiner barocken Sinnesgier und so... (Außerdem hätte ich wirklich gerne geschmeckt, ob die Speisen damals so ausgefallen komponiert und gewürzt waren, wie ich immer wieder höre).

9.) Ich wäre gerne dabei gewesen, als der französische General Haller im Jahre 1798 sich nicht mit der Plünderung des Vatikan zufrieden gab, sondern Papst Pius VI sogar seines Schnupftabaks und seines Fischerrings beraubte, um den fast 80-jährigen danach aus seiner Heimatstadt verschleppen zu lassen. Dies nur, um einen schönen Kontrast zwischen resignierender Größe und niedrigem Triumphgebahren zu haben.

10.) Das Wunder von Bern hätte ich auch ganz gerne live und vor Ort mitverfolgt.

Meine Antworten haben ein leicht christlich/katholisches Übergewicht, was man mir aber hoffentich nachsieht. Biblische Ereignisse habe ich weggelassen, nicht, weil ich sie nicht für historisch halte, sondern weil sie mir irgendwie zuviel Ehrfurcht einflößen, als daß ich es fertigbrächte, mich dorthin zu wünschen.

Und jetzt seid Ihr dran! Ich habe anhand zufällig ermittelter Zahlen aus meinem Blogroll die drei Blogoezesanen ermittelt, zu denen ich das Stöckchen rüberwerfe. Curious traveller (vom gleichnamigen Blog), Katholik (fortes fide) und Stanislaus (politisch Unpolitisches): Die Wahl fiel auf Euch. Zwanglos, versteht sich. Wenn Ihr nicht wollt oder könnt, werft das Ding weiter (bitte).

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Saturday, February 06, 2010

Schwester Robusta

Aus der Predigt Benedikt XVI...

... während der Messe zu seiner Amtseinführung:
    "Dreimal hat uns in diesen ereignisreichen Tagen der Gesang der Allerheiligenlitanei begleitet: beim Begräbnis unseres heimgegangenen Heiligen Vaters Johannes Pauls II.; beim Einzug der Kardinäle ins Konklave, und jetzt haben wir es soeben wieder gesungen mit der Bitte: Tu illum adiuva - sostieni il nuovo successore di S. Pietro. Jedes Mal habe ich auf eigene Weise dieses gesungene Gebet als großen Trost empfunden. Wie verlassen fühlten wir uns nach dem Heimgang von Johannes Paul II., der gut 26 Jahre unser Hirt und Führer auf dem Weg durch diese Zeit gewesen war. Nun hatte er die Schwelle ins andere Leben – ins Geheimnis Gottes hinein überschritten. Aber er ging nicht allein. Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht. Nun konnten wir die Heiligen aller Jahrhunderte herbeirufen – seine Freunde, seine Geschwister im Glauben. Und wir wußten, daß sie gleichsam das lebendige Fahrzeug sein würden, das ihn hinüber- und hinaufträgt zur Höhe Gottes. Wir wußten, wenn er ankommt, wird er erwartet. Er ist unter den Seinen, und er ist wahrhaft zu Hause. Wiederum war es so, als wir den schweren Zug ins Konklave gingen, um den zu finden, den der Herr erwählt hat. Wie sollten wir nur den Namen erkennen? Wie sollten 115 Bischöfe aus allen Kulturen und Ländern den finden, dem der Herr den Auftrag des Bindens und des Lösens geben möchte? Aber wieder wußten wir: Wir sind nicht allein. Wir sind von den Freunden Gottes umgeben, geleitet und geführt. Und nun, in dieser Stunde, muß ich schwacher Diener Gottes diesen unerhörten Auftrag übernehmen, der doch alles menschliche Vermögen überschreitet. Wie sollte ich das? Wie kann ich das? Aber Ihr alle, liebe Freunde, habt nun die ganze Schar der Heiligen stellvertretend durch einige der großen Namen der Geschichte Gottes mit den Menschen herbeigerufen, und so darf auch ich wissen: Ich bin nicht allein. Ich brauche nicht allein zu tragen, was ich wahrhaftig allein nicht tragen könnte. Die Schar der Heiligen Gottes schützt und stützt und trägt mich. Und Euer Gebet, liebe Freunde, Eure Nachsicht, Eure Liebe, Euer Glaube und Euer Hoffen begleitet mich. Denn zur Gemeinschaft der Heiligen gehören nicht nur die großen Gestalten, die uns vorangegangen sind und deren Namen wir kennen. Die Gemeinschaft der Heiligen sind wir alle, die wir auf den Namen von Vater, Sohn und Heiligen Geist getauft sind und die wir von der Gabe des Fleisches und Blutes Christi leben, durch die er uns verwandeln und sich gleich gestalten will. Ja, die Kirche lebt – das ist die wunderbare Erfahrung dieser Tage. Durch alle Traurigkeit von Krankheit und Tod des Papstes hindurch ist uns dies auf wunderbare Weise sichtbar geworden: Die Kirche lebt. Und die Kirche ist jung. Sie trägt die Zukunft der Welt in sich und zeigt daher auch jedem einzelnen den Weg in die Zukunft. Die Kirche lebt – wir sehen es, und wir spüren die Freude, die der Auferstandene den Seinen verheißen hat. Die Kirche lebt – sie lebt, weil Christus lebt, weil er wirklich auferstanden ist. Wir haben an dem Schmerz, der auf dem Gesicht des Heiligen Vaters in den Ostertagen lag, das Geheimnis von Christi Leiden angeschaut und gleichsam seine Wunden berührt. Aber wir haben in all diesen Tagen auch den Auferstandenen in einem tiefen Sinn berühren dürfen. Wir dürfen die Freude verspüren, die er nach der kurzen Weile des Dunkels als Frucht seiner Auferstehung verheißen hat."
Immer, wenn ich diesen Text lese, schießt mir eine Frage durch den Kopf: Wie kann es sein, daß manche Leute diesen Papst so hassen? So viel Glaube, so viel Hoffnung, so viel Liebe in so wenigen Zeilen. Das kann sogar Atheisten wenigstens Repsekt abnötigen, kann alle Christen ermutigen und sollte allen Katholiken als Beispiel dienen. Natürlich sind die unmittelbaren persönlichen Bedürfnisse und Vorstellungen immer dringender, als der Hunger der Welt nach Zeugnis und Wahrheit und Einheit. Natürlich ist es leichter, die Schuld immer erst einmal woanders zu suchen, als sich selbst die richtigen Fargen zu stellen. Aber versuchen wir wenigstens, dies zu erkennen und einzugestehen und die dahinterliegenden Motivationen ehrlich zu durchleuchten.

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Friday, February 05, 2010

Die Heilige Agatha von Catania


Fleißigen Meßgängern und aufmerksamen Zuhörern ist sie aus dem römischen Kanon bekannt, ist sie doch eine der sieben Heiligen Märtyrinnen, die dort genannt werden: Felicitas, Perpetua, Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia, Anastasia.

Ich weiß nicht mehr, wann und wo ich die erste bildliche Darstellung der Heiligen Agatha sah. Ich weiß aber, daß ich noch recht jung war und über die Legende der Heiligen nichts wußte. Und - unschuldig und ahnnugslos, wie ich war - dachte ich, daß diese Heilige irgendetwas mit dem Bäcker-Gewerbe zu tun hat, da ich die beiden Brüste, die sie auf einem Tablett trug, für Törtchen hielt...

Heute weiß ich natürlich ein wenig mehr über die im Jahre 250/251 während der Verfolgung durch Decius umgekommene und schon bald nach ihrem Tod auch außerhalb ihrer sizilianischen Heimat verehrten Märtyrin. So richtig witzig fand ich das nicht, als ich irgendwann erfuhr, daß man der tapferen Dame die Brüste abgeschnitten hat.

Im Heiligenlexikon findet Ihr die Legenda Aurea der Heiligen, mit dramatischer Sprache, einer Petrus-Erscheinung, klassischer Abstrafung des heidnischen Bösewichts und einer wunderbaren Präfation des Heiligen Ambrosius:
    "Selige, hochberühmte Jungfrau, die da zum Lob des Herrn ihr Blut durfte ausgießen, du bist mit doppelter Zier geschmückt, in deinen Leiden geschahen alle Wunder, und der Apostel des Herrn kam und heilte dich. Also wardst du Christo vermählt gen Himmel genommen; deinen irdischen Überresten ward hohe Ehre zuteil, der Engel Chor verkündete die Heiligkeit deiner Seele und deines Landes Befreiung".
Meine kindliche Phantasie wurde übrigens dann später gerechtfertigt, als ich erfuhr, daß aus Catania eine Leckerei stammt, welche sich "minni di virgini" (Jungfrauenbrüste) nennt und ausschaut, wie eine übergroße belgische Praline mit einem Knübbelchen obendrauf. Diese "minni" gehen natürlich auf die Heilige Agatha zurück.

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Schwester Robusta

Jaaaaaaaaaa!

Virtuelle Plop-Folie!

Seit 1996 online und ich entdecke es erst heute!?!?!?!?!

Einfach auf dieser Seite unterhalb der Google-Ads und der Zeile "I know this is the only reason you came" auf "Pop some virtual bubblewrap now!" klicken und los geht's!

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Weil's grade mal wieder so aktuell ist...

Auszug aus der Predigt von Papst Benedikt XVI während der ersten Vesper zum Hochfest der Heiligen Apostel Petrus und Paulus in der Basilika St. Paul vor den Mauern, 28. Juni 2009:
    Paulus wünscht sich von den Christen einen mündigen Glauben, einen erwachsenen Glauben. Der "mündige Glaube" ist in den letzten Jahrzehnten zu einem verbreiteten Schlagwort geworden. Aber man versteht häufig darunter eine Haltung, die sich nicht mehr von der Kirche und ihren Hirten belehren läßt, sondern selbst aussucht, was man glauben und nicht glauben will – einen selbstgemachten Glauben also. Und man versteht darunter den "Mut", gegen das kirchliche Lehramt zu sprechen. Aber Mut gehört dazu in Wirklichkeit nicht, weil man dabei immer des öffentlichen Beifalls sicher sein kann. Mut gehört viel eher dazu, zum Glauben der Kirche zu stehen, auch wenn er dem "Schema" dieser Weltzeit widerspricht. Diesen Nonkonformismus des Glaubens nennt Paulus einen erwachsenen Glauben. Es ist dies der Glaube, den er sich wünscht. Das Mitlaufen mit den Winden und Strömungen der Zeit nennt er hingegen kindisch. So gehört es zum Beispiel zu einem mündigen Glauben, für die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens vom ersten Augenblick an einzustehen und damit dem Prinzip der Gewalt von Grund auf, gerade auch in der Verteidigung der wehrlosesten menschlichen Geschöpfe entgegenzutreten. So gehört es zum erwachsenen Glauben, die lebenslängliche Ehe zwischen einem Mann und einer Frau als die Ordnung des Schöpfers anzuerkennen, die Christus von neuem wiederhergestellt hat. Der mündige Glaube läßt sich nicht von Strömungen herumwerfen. Er widersteht den jeweils gerade wehenden Winden. Er weiß, daß diese Winde nicht der Heilige Geist sind; daß der Geist Gottes sich in der Gemeinschaft mit Jesus Christus ausspricht und zeigt. Aber auch hier bleibt Paulus nicht bei der Verneinung stehen, sondern führt uns zum großen Ja. Den reifen, wirklich mündigen Glauben beschreibt er positiv mit dem Wort: sich "von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten" (vgl. Ef 4, 15). Das neue Denken, das uns der Glaube schenkt, richtet sich zuallererst auf die Wahrheit. Die Macht des Bösen ist die Lüge. Die Macht des Glaubens, die Macht Gottes ist die Wahrheit. Die Wahrheit über die Welt und über uns selbst wird sichtbar, wenn wir auf Gott hinschauen. Und Gott wird uns sichtbar im Antlitz Jesu Christi. Im Hinschauen auf Christus erkennen wir ein weiteres: Wahrheit und Liebe sind untrennbar. In Gott ist beides unteilbar eins: Gerade dies ist das Wesen Gottes. Deshalb gehören für den Christen Wahrheit und Liebe zueinander. Die Liebe ist der Beweis für die Wahrheit. Daran werden wir immer wieder gemessen werden müssen, daß Wahrheit Liebe wird und Liebe uns wahr macht.
"Wahrheit und Liebe sind untrennbar." Es gibt Katholiken, die ihren Glauben ernst nehmen und so präsentieren, wie sie ihn als Wahrheit sowohl gelehrt bekamen als auch erkannt haben. Die müssen sich manchmal vorwefen lassen, lieblos oder unchristlich zu sein. Da diese Vorwürfe (zumindest da, wo sie an mich direkt adressiert sind) immer von Leuten kommen, die entweder mit Christus nichts am Hut haben, oder sich Christus so zurechtbasteln, bis er in den eigenen Lebensentwurf paßt, leuchtet es ein, daß man in dieser Ecke zwar Wahrheit und Liebe kennen mag, aber den Zusammenhang zwischen beiden nur unzulänglich erkennt.

Für diese Leute wird dann die Wahrheit, wenn sie ein wenig schmerzt, lieblos und die Liebe, wenn sie nicht bedingungslos "Ja und Amen" sagt, unwahr.

Dem kann man nur entgegensteuern, indem man trotz allem fest bei der Katholischen Wahrheit steht, aber diese nicht hysterisch hinaustutet, sondern mit Selbstbewußtsein, Sanftmut und vernünftigen Argumenten untermauert. Je nach persönlicher Vorliebe und Beichtfrequenz darf man sich aber gegen bösen Willen, schaden anrichtende Dummheit, Verleumdung und Beschimpfung schon entsprechend wehren. Eine Kirche, ein Klerus, eine Katholische Christenheit, die nur noch Punching Ball ist, macht sich lächerlich. Daher ist es legitim, bei ganz groben Verstößen gegen den gesunden Menschenverstand oder den guten Geschmack, auch mal dem "Schema dieser Weltzeit" seine Grenzen aufzuzeigen.

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Thursday, February 04, 2010

Das tut natürlich auch dem SPIEGEL weh...

Das in diesem Artikel angesprochene Gleichstellungsgesetz, über welches in England nachgedacht wurde, ist erst einmal auf Eis gelegt. Gleichstellungsministerin Harriet Harmann hat einen Rückzieher gemacht.

Der SPIEGEL online glänzt folglich mit der Schlagzeile "Britische Regierung kuscht vor dem Papst".

Der Protest des Papstes war, ebenso wie die damit verbundenen Befürchtungen, berechtigt. Zündstoff - vor allem für diejenigen, die lieber auf Knopfdruck maulen, als mal kurz darüber nachzudenken, daß hier einfach ein Mann Stellung bezieht, wo er als Papst Stellung zu beziehen hat - gibt's natürlich trotzdem:
    Der Labour-Europaabgeordnete Stephen Hughes zeigte sich dagegen empört. "Als Katholik [???] bin ich von dem Verhalten des Papstes entsetzt", sagte er. "Religiöse Führungsfiguren sollten Ungleichheit ausmerzen und nicht bewahren [Mal davon abgesehen, daß religiöse Führungfiguren keineswegs den Auftrag haben, in der Gesellschaft Ungleichheit auszumerzen, gefällt mir Hughes' Wortwahl ziemlich gut: Kann sich irgendwer an eine Instanz in der jüngsten und jüngeren Vergangenheit (sagen wir mal so bis zurück zur Vendee) erinnern, in der das "Ausmerzen" der angeblichen "Ungleichheit" nicht mit mindestens einer gewaltigen Beschränkung der Freiheit, wenn nicht gar einem Massaker einherging?]." Statt das britische Recht zu kritisieren, sollte der Papst sicherstellen, dass die bestehende EU-Rechtsprechung im Vatikan angewandt wird [** prust **... Also ehrlich. Ja, komm', her mit der Abtreibgunsklinik im Vatikan].

    Der Menschenrechtsaktivist [Wann haben wir eigentlich die nächste Unwort-Wahl?] Peter Tatchell erklärte, die Bemerkung des Papstes sei ein "verschlüsselter Angriff" auf die Rechte von Frauen und Homosexuellen [Als Hans-Dampf in jeder politisch korrekten Gasse und Fähnchen-in-den-Wind-Hänger par excellence entgeht Tatchell natürlich das Detail, daß hier ein ganz und gar nicht verschlüsselter Appell vorliegt].
Es paßt übrigens wie die Faust auf's Auge, daß der englische Schauspieler Ricky Gervais ("Office"-Erfinder und modern-missionierender Atheist) jüngst meinte, daß es zu viele nutzlose, arme Menschen mit ungewollten Kindern gäbe und daß man doch bitte Frauen sterilisieren solle, wenn sie dumme, fette Gesichter haben, oder in Leggings rumlaufen, Chips essen und eine Kippe im Mundwinkel haben. Immer wieder erstaunlich, daß das Ablehnen Gottes auch soviel Ablehnung gegenüber den Menschen produzieren kann. Halt... Moment... Gar nicht erstaunlich! Die Kinder der "nutzlosen, armen Menschen" sind ja nur von Gervais' Warte aus ungewollt. Der hat erst einmal selbst keine Kinder ("Zu viel Streß") und will wahrscheinlich auch, daß nur Savile-Row-Kunden mit Fachhochschulabschluß und einer Vorliebe für 26 Jahre alten Single Malt Kinder bekommen. Jaja... Die schöne Gleichheit... Das wird 'ne tolle Welt, wenn die Kirchen erst einmal mundtot gemacht sind!

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Ping!

Jetzt sind Elsa und ich ja schon seit geraumer Zeit in Sachen "80er-Mucke" unterwegs, aber wenn ich mich recht entsinne, so haben wir einen unserer damaligen Lieblings-Stile noch nicht richtig gewürdigt. Also mache ich jetzt mal fix einen Ausflug in die Abteilung Dark Wave/Goth!

Bereits 1983 gründete Ronny Moorings die niederländische Band (Clan of) Xymox. Die Klammern stehen da, weil die Band zwischendurch auch mal nur Xymox hieß. Man unterschrieb beim damaligen Kult-Label 4AD (Dead can Dance, Cocteau Twins, Throwing Muses, Breeders, Pixies...) und durfte im Jahre 1987 einen Song zum hausinternen Sampler "Lonely is an Eyesore" beitragen. Und da dieser Song mitsamt Video so schön wiedergibt, was es heißt, damals Goth gewesen zu sein, stelle ich ihn jetzt mal vor: Hier sind Clan of Xymox mit "Muscoviet Musquito"



Zugegeben: Das ist heut nicht mehr ganz mein Fall. Zuviel Maschine, zuviel Shoegazing, zuviel Haarspray. Aber damals fand ich es natürlich ober-klasse!

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Schwester Robusta

Was mich besonders bedrückt...

... wenn ich von Kindesmißbrauch durch katholische Priester höre oder lese (und auf fortes fide wurde ein ähnlicher Gedanke bereits angesprochen):

Abgesehen von dem Raubbau an den Kinderseelen und dem Schaden für den Ruf der Kirche und der Priester, stimmt mich dies furchtbar traurig: Ich mag Kinder! Ich mag Kinder vom Babyalter bis zum Rüpelalter. Kinder sind witzig, neugierig, niedlich, begeisterungsfähig, originell, frech, kumpelhaft. Man kann mit ihnen so schön normal, unverstellt und unverkrampft sein. Man kann vernünfig mit ihnen reden und wenn man es geschickt anstellt, dann merken sie, auch ohne daß man es ihnen sagt, wenn sie versuchen, zu sehr wie ein Erwachsener und zu wenig wie ein Kind zu sein. Kinder zeigen einem die Grenzen auf, wenn sie es übertreiben, denn man muß und wird sich immer wieder daran erinnern, daß man selbst einmal ein Kind war und auch ganz schön nerven konnte. Ich komme mit Kindern gut zurecht und Kinder kommen mit mir gut zurecht. Ich freue mich jetzt schon auf jede Arbeit mit Kindern, welche mein künftiges pastorales Gewusel umfaßt.

Aber: Wenn ich jetzt diese (bei Stanislaus gefundene) Karikatur aus der Süddeutschen sehe...


... oder mir Geschichten von befreundeten US-Priestern anhöre, die 2003 im Auto mit offenem Fenster durch eine Stadt fahren und dann von einer Frau, die neben ihnen an der Ampel zu stehen kommt, angebrüllt werden: "Laß Deine Scheiß-Hände von unseren Kindern!", dann finde ich das zutiefst frustrierend.

Den Frauen und Männer, die etwas hysterisch reagieren, mache ich weniger einen Vorwurf. Klar ist es dumm anzunehmen, daß jeder katholische Priester ein Kinderschänder ist. Es ist ja schon dumm, zu glauben, die Mehrheit sei es. Aber diese Frau war wahrscheinlich selbst Mutter und ein wenig in Panik. Wenn sie nur eine chronische Kirchenhasserin war, die eine prima Gelegenheit zu moralischer Entflammung ergriff, dann wäre ihr auch ohne Kindesmißbrauch früher oder später etwas eingefallen. Geschenkt.

Wenn aber dann eine große deutsche Tageszeitung mal eben Sippenhaft appliziert und zum munteren Halali auf Soutanenträger bläst, dann ist das nichts weiter als Vergiftung. Ich werde künftig genug Probleme haben. Ich kann Jungen oder Mädels stundenlang auf dem Rücken tragen, kann ihnen tröstend über den Kopf streichen oder ihnen anspornend einen Klaps auf's Gesäß gebenkenn, ohne daß es jemals zu einer anderen Perversität kommen könnte, als zu der, die der geneigte Zuschauer dann vielleicht in seinem Hirn spinnen will.

Natürlich steht der Katholische Klerus besonders unter der Lupe. Erstens ist die Kirche nun mal intensiver mit moralischen Fragen beschäftig und jeder ihrer Priester fällt daher - zurecht - für die Öffentlichkeit tiefer. Zweitens ist Kolleg- oder Seminar- oder Vatikan-Schmuddel natürlich auch viel interessanter, weil aus einer Welt stammend, von der man eigentlich ja ohnehin nichts weiß und die daher einerseits so eklig elitär scheint, aber andererseits auch so schön mysteriös und irgendwie verrucht, daß man da hinter den geschlossenen Türen ohnehin ALLES vermutet. Wenn dann noch eine große deutsche Tageszeitung der gleichen Meinung zu sein scheint, dann ist man dazu auch irgendwie abgesichert.

Und dann soll der Herr Alipius in ein paar Jahren hingehen und sich den Lütten gegenüber ganz normal verhalten, sich mit Herz und Seele auf sie einlassen, sie für den Glauben begeistern und sie zu strammen, kleinen Katholiken heranziehen. Ja, klar. Wahrscheinlich gibt es dann schon in jeder Pfarre eine(n) Vertreter(in) von "Priest Watch", der/die einen erst an der Schwelle des Schlafzimmers wieder aus den Augen läßt.

Schönen Dank, ihr kinderschändenden Säcke!

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Wednesday, February 03, 2010

In den Augen der Fremden

Inmitten
unbeholfener Routinen
imitierender Schritte
und gehemmter Gedanken
eine Erinnerung an

ein Stückchen Schokolade
ein Schaukeln auf den Knien
eine Gutenachtgeschichte
eine Geborgenheit

und die Welt
wie ich sie endlich wieder kenne
spuckt aus
eine zufällige Anmut
eine unbeabsichtigte Choreographie

einen Weg nach Hause

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Schwester Robusta

Ich halt's im Kopf nicht aus!

Aus der presse-online:
    Unruhe in Linzer Diözese: Bischof fordert Aussprache

    Eine "Laieninitiative" plant den "großen Befreiungsakt". Die Kirchenführung sei "unfähig", die Kirche habe den Sprung ins dritte Jahrtausend verpasst, so Obmann Herbert Kohlmaier im "Presse"-Gespräch.

    LINZ(chs). Die Diözese Linz kommt nicht zur Ruhe: Nach den umstrittenen Aussagen des konservativen Pfarrers Gerhard Maria Wagner zum Erdbeben in Haiti ist in Oberösterreich erneut ein Kirchenstreit entbrannt. Stein des Anstoßes: Wagner, der bereits 2005 den Hurrikan Katrina als "Strafe Gottes" bezeichnet hatte, verwies nun in einem Interview im Zusammenhang mit dem Erdbeben in Haiti auf den dort verbreiteten Voodoo-Kult.

    Wagner, der im Vorjahr als Linzer Weihbischof verhindert wurde, hat sich damit einmal mehr den Ärger von Bischof Ludwig Schwarz zugezogen. Dieser will den Windischgarstner Pfarrer nun zu einer "Aussprache" unter vier Augen laden. Thematisieren dürfte er bei diesem Treffen auch die Aussagen Wagners Mitte Jänner – als dieser vor einer "stillen Kirchenspaltung" warnte und öffentlich "Missstände" in der Linzer Diözese anprangerte. Die Kirche ist inzwischen um Schadensbegrenzung bemüht: Es sei "völlig unangebracht und unverantwortlich", Naturkatastrophen als Strafe Gottes zu deuten, so die offizielle Stellungnahme.

    Den kircheninternen Kritikern der "Laieninitiative" ist das zu wenig – sie nutzen die Chance, die Kirchenführung frontal anzugreifen: Diese sei "unfähig", die Kirche habe den Sprung ins dritte Jahrtausend verpasst, so Obmann Herbert Kohlmaier im "Presse"-Gespräch. Schuld daran sei Papst Benedikt XVI., der die Kirche "ruiniere". Die Laieninitiative plane im März vor internationalem Publikum den "großen Befreiungsakt": Es sei, so Kohlmaier, dringend an der Zeit, "das Schicksal der Kirche in die Hand zu nehmen".
Und von der Seite nachrichten.at:
    Weniger als Einzelmeinung denn vielmehr als Ausdruck des "unerträglichen Zustandes" in der katholischen Kirche sieht im Gegensatz dazu Herbert Kohlmaier Wagners Aussagen. Gemeinsam mit zwei weiteren ehemaligen VP-Spitzenpolitikern, Erhard Busek und Andreas Khol, hatte Kohlmaier mit der Gründung einer "Laieninitiative" bereits zu Beginn des Vorjahres auf eine Kirchenreform gepocht: Dem Priestermangel sollte etwa mit der Wiedereinsetzung verheirateter Priester und der Aufhebung des Pflichtzölibats entgegengewirkt werden.

    Die neuerliche Aufregung um Pfarrer Wagner ist für Kohlmaier nur die Spitze des Eisbergs. Mit der umstrittenen – und letztlich gescheiterten – Bestellung Wagners zum Linzer Weihbischof habe sich gezeigt, dass "das römisch-katholische System korrupt und völlig daneben ist". Änderungen oder gar Besserungen seien nicht in Sicht: Papst Benedikt XVI. "ruiniert" die Kirche, indem er diese wieder in die Vergangenheit zurückführe. "Es ist so, wie wenn man gegen eine Mauer läuft", wird Kohlmaier noch deutlicher: "Die katholische Kirche ist ein absolutistisches System, das von weltfremden Leuten regiert wird". Sie habe sich von einer Volkskirche zu einer "Großsekte" entwickelt.

    Kohlmaier kündigte daher eine weitere Aktion – einen "kircheninternen Befreiungsakt" – an.
Hier der Wortlaut des Wagner-Interviews, so wie ich ihn fand:
    Kurier: "Sie meinten, dass die auffallende Häufung von Naturkatastrophen eine Folge geistiger Umweltverschmutzung sein könnte ..."

    Wagner: "... Na, lassen wir das weg. Sie sprechen jetzt sicher Haiti an, oder?"

    Kurier: "Genau."

    Wagner: "Ich halte fest: Das ist eine ganz große Tragödie, die einen schmerzen muss."

    Kurier: "War dort kein strafender Gott am Werk?"

    Wagner: "Das weiß ich nicht. Gott lässt sich nicht in seine Karten schauen. Aber es ist schon interessant, dass in Haiti 90 Prozent Anhänger von Voodoo-Kulten sind."
Und hier ein Auszug aus einem Interview, welches Pfarrer Wagner der Tagespost gab (via kath-net):
    Tagespost: "Aktuell gibt es Aufregung um eine Aussage von Ihnen in der Sonntagsausgabe der Zeitung Kurier. Auf die Frage, ob bei der Naturkatastrophe in Haiti ein „strafender Gott am Werk“ gewesen sei, sagten Sie: "Das weiß ich nicht. Gott lässt sich nicht in seine Karten schauen. Aber es ist schon interessant, dass in Haiti 90 Prozent Anhänger von Voodoo-Kulten sind." Also doch ein strafender Gott?"

    Wagner: "Ich habe zunächst meine Trauer und mein Erschrecken zum Ausdruck gebracht. Ich habe das Wort Strafe nicht in den Mund genommen, aber ich lade ein, über einen MÖGLICHEN Zusammenhang von Sünde und Unglück nachzudenken. Da gibt es schon im Alten Testament einige Hinweise, die uns diesen Zusammenhang bedenken lassen. Im Neuen Testament auch, wenn ich an das Gleichnis vom Feigenbaum denke. Wir können den Zusammenhang zwischen Sünde und Unglück nicht einfach ausschließen. Wir müssen biblisch und katholisch argumentieren, über diesen Zusammenhang nachzudenken. Auch das Fatima-Geheimnis macht uns das deutlich. Aber Gott entzieht sich unserem Zugriff. Mich hat erschreckt, dass auf Haiti 80 Prozent katholisch sind, aber angeblich mehr als 80 Prozent zugleich diesem Voodoo-Zauber anhängen. Das erschüttert mich. Für mich steht die Frage im Raum, was Gott hier vorhat und wie er uns Menschen führt."
Okay... Ein katholischer Priester glaubt an den möglichen Zusammenhang zwischen Sünde und Unheil (ohne dabei das Wort "Strafe" zu benutzen). "Offiziellen" Stellungnahmen zufolge scheint das Modell des "großen Uhrmachers" bevorzugt zu werden. Wir haben zwar einen Gott, aber der ist nicht allmächtig, und falls er es doch sein sollte, ist er wenigstens so gnädig, nicht in das Geschick seiner eigenen Schöpfung einzugreifen. So oder ähnlich kommt es zumindest bei mir an.

Natürlich ist die Angst vor einem öffentlichen Aufschrei berechtigt. Es gibt immerhin Leute, die blöd oder gemein genug sind zu glauben, daß die Kirche in Haiti nicht helfe. Diese Leute werden natürlich Wagners Aussagen nur auf eine Art und Weise verstehen: Mitleidlos, unchristlich, menschenverachtend, sich über das Leid anderer erhebend, wenn nicht gar lustig machend. Daß für einen gläubigen Menschen ein Zusammenhang wie der von Wagner angedachte zumindest im Bereich des Möglichen liegt, darf nicht einmal gedacht, geschweige denn gesagt werden. Denn das Leid ist ja heutzutage nicht mehr das, was man gemeinsam mit Christus aufopfert um seine auf Erden pilgernde Schar zu heiligen. Das Leid ist nicht mehr Gottes Initiative, um Gutes hervorzurufen. Nein, das Leid ist heutzutage für die Leidenden oft sinnentleert, so daß nicht wenige sich versucht fühlen, es offentlich auszuschlachten. Bei Katastrophen wie auf Haiti geschieht dies natürlich nicht. Ich denke hier eher an die "Leidenden", die sich von RTL und Konsorten vor die Kameras zerren lassen, um Anklage auf Anklage zu häufen. Dies führt zu einem zweiten schlimmen Aspekt: Die, die nicht leiden, sondern zuschauen, benutzen oft ihre helfende Initiative, um selbst moralisches und öffentliches Kapital daraus zu schlagen. So wird das Leid - eigenes oder fremdes - zu einer Meßlatte für eine hausgemachte Moralvorstellung und wird nie bis zu der Frage führen "Welche Möglichkeiten tut Gott hier auf?"

Entsprechend auch die Reaktion der Laieninitiative: Mir wird schlecht... Ernsthaft: Mir wird wirklich schlecht, wenn ich darüber nachdenke, was diese Leute im Schilde führen, wenn sie von einem "großen Befreiungsakt" bzw von einem "kircheninternen Befreiungsakt" reden und meinen, es sei an der Zeit "das Schicksal der Kirche in die Hand zu nehmen". Hier liegt offenbar (und mit viel gutem Willen, denn all dies ließe sich ebensogut der Gier nach Wichtigkeit, Öffentlichkeit, Deutungshoheit und Schweinwerferlich zuschreiben) ein Leid an der Kirche vor. Und geht man jetzt hin und fragt sich, was Gott sich wohl dabei gedacht hat und auf welche Weise man dieses Leid nicht nur aufopfern sondern auch für die Einheit der Kirche gewinnbringend in Energie umsetzen kann? Nein. Dieser selbstverliebte, jede Spaltung kaltlächelnd zugunsten seiner Wichtigkeit in Kauf nehmende, rüpelhafte, ahnungslose Teil des Kirchenvolkes hat seit Gründung von "Wir sind Kirche" nicht das Geringste zur Erhaltung oder Stärkung der katholischen Identität oder Einheit beigetragen. Magisteriumsferne, manchmal abgefallene, immer publicity-süchtige Theologen und Priester füllen die Seiten der WsK-Publikationen mit den Forderungen, die sich aus ihrer ganz persönlichen Version des Katholizismus ergeben und gehen davon aus, daß sich automatisch die gesamte Kirche bis hinein in die Ordinariate und die Kurie dem zu beugen hat. Tut man dies nicht, werden Daumenschrauben angesetzt, wird geheult, gedroht, verleumdet, gezickt, gemacht und getan. Dies in jede Richtung, nur nicht in die des Einlenkens; nur nicht in die, die wenigstens vermuten lassen könnte, man interessiere sich für die Einheit der Kirche.

Aber, klar: Der Papst ist es, der die Kirche ruiniert. Das römisch-katholische System ist korrupt und daneben. Die Kirche ist absolutistisch, wird von weltfremden Leuten regiert und hat sich zu einer Großsekte entwickelt.

Im Englischen gibt es den schönen Spruch: "It takes one to know one", was ungefär soviel bedeutet wie "Man muß selber ein (X) sein, um ein (X) erkennen zu können". Selten zuvor habe ich diesen Spruch mit solcher Präzision ins Schwarze treffen sehen wie im Falle dieser Laieninitiative. Allerdings nur zur Hälfte. Denn das ruinöse Agieren, die Korruption, das absolutistische Getue, die Weltfremdheit und die sektenartigen Einschwörungen seitens der Initiative werden von ihr ja nur auf die Kirche übertragen, weil man meint, die Absichten des Papstes oder der Kurie oder der Bischöfe seien ebenso schädlich und spalterisch wie die eigenen.

Ich bitte daher... Nein, ich fordere daher jeden katholischen Laien und Priester guten Willens in Oberösterreich, in Östrereich, in Europa, in der Welt dazu auf, seine Stimme gegen solche Zerstörungsversuche zu erheben und jedermann sanft aber zäh und bestimmt zur Einheit einzuladen. Die Kirche war nie eine Cafeteria und wird nie eine sein. Sie wird nie soweit gehen können, all das, was wir auf Erden für erstrebenswert halten, gutzuheißen. Aber sie ist und bleibt das Schiff, auf dem wir gemeinsam unserem großen Ziel entgegensegeln. Wer dieses Schiff auf Grund laufen lassen will, nur weil ihm seine Koje zu unbequem scheint, der hat nicht alle Sprossen an der Leiter.

Ich entschuldige mich vorbehaltlos für diesen Ausbruch, aber ich versichere Euch, daß er reinigender Natur war.

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Englands Atheisten machen mobil

Via kath.net:
    Atheisten in Großbritannien planen Protest gegen Papstbesuch

    Der Anlass: Benedikt XVI. hat ein geplantes britisches Gleichstellungsgesetz als Verstoß gegen das Naturrecht kritisiert.

    London (kath.net/KNA) Atheisten in Großbritannien haben zu Protesten gegen den geplanten Papstbesuch im September aufgerufen. Anlass ist die Kritik von Benedikt XVI. an einem geplanten britischen Gleichstellungsgesetz, in dem das Kirchenoberhaupt einen Verstoß gegen das Naturrecht sieht. Für einen Widerspruch will die Nationale Säkularistengesellschaft (NSS) laut britischen Medienberichten vom Dienstag unter anderem Lobby-Gruppen für Homosexuelle, kirchliche Missbrauchsopfer, Feministen und Abtreibungsbefürworter mobilisieren.

    NSS-Präsident Terry Sanderson beklagte den Berichten zufolge, dass britische Steuerzahler 20 Millionen Pfund (23 Millionen Euro) für einen Besuch zahlen sollten, bei dem der Papst «Diskriminierung fördern» werde. Der Erzbischof von Westminster, Vincent Nichols, verteidigte hingegen im Radiosender BBC das Recht das Papstes, seine «begründete Meinung» zu äußern.
Daß Atheisten gegen einen Papst-Besuch protestieren wollen, halte ich nicht unbedingt für unnormal oder verwerflich. Die Liste der Lobby-Gruppen liest sich allerdings ein wenig seltsam. Mit kirchlichen Mißbrauchsopfern sind sicherlich die Opfer von sich an Kindern vergehenden Priestern gemeint und nicht Mißbrauchsopfer, die der Kirche angehören. Daß diese mit der Art und Weise, wie die Kirche dieses Thema über lange Zeit hinweg behandelt hat, nicht zufrieden sind, ist klar. Daß sie daher protestierend wenn schon nicht beim Papst vorstellig werden, so doch wenigstens während des Papst-Besuches auf ihre Situation aufmerksam machen wollen, leuchtet auch ein. Aber warum glauben Atheisten, daß diese Opfer sich automatisch unter dem Sammelbegriff "Atheist" wiederfinden wollen (ein Frage, die sich auch bei den anderen aufgezählten Lobbygruppen stellt)?

Ist hier der unterstellte Gedankengang tatsächlich "Wenn die Kirche dies und jenes nicht erlaubt und dies und jenes nicht verhindert, dann gibt es keinen Gott?" Dann sind wir ja wieder beim alten Spielchen, wo man ebensogut sagen kann "Wenn die Kirche dies und jenes tut, dann gibt es einen Gott!" So ziemlich jedermann/frau dürfte erkennen, daß dies Humbug ist.

[Hier ließe sich natürlich auch ein Gedankenspiel machen: Wenn diese angeblichen Atheisten tatsächlich so funktionieren, dann scheint es ihnen ja eher um die Kirche als um Gott zu gehen. Die sich aufdrängende Frage: Machen diese Leute vielleicht von der uns von Gott geschenkten Fähigkeit, ihn zu erkennen, zuviel Gebrauch und sind daher eigentlich gar nicht so sehr von seiner Nicht-Existenz überzeugt sondern eher von ihrer eigenen Sündhaftigkeit, gegen die aktiv anzugehen ihnen aber der Mut oder der Glaube fehlt, weswegen sie dann lieber projizieren und sich die Rosinen aus dem Kuchen der (vermeintlichen) Kirchenskandale rauspicken um ihr Gewissen mit der guten, alten "Die Kirche ist aber so böse"-Nummer zu beruhigen?]

Natürlich sind die Menschen in der heutigen säkularisierten, alles relativierenden Welt leicht dazu zu verleiten, beim Atheisten-Protest mitzumachen. Mit geschickt gestreutem, antikirchlichen Code ("Diskriminierung fördern") wir die Fährte zur Atheisten Show-Bühne gelegt, und nicht Wenige werden angesichts der lauernden Öffentlichkeit und Medienpräsenz gerne mitwirken. Dieses Ködern, dieses Instrumentalisieren ist schäbig, aber es wird wirken. Der Papst kann nur - wie Erzbischof Nichols sagt - seine aus päpstlicher Sicht begründete Meinung dagegensetzen. Eine begründete Meinung allerdings riecht sehr nach Argumenten und Ratio und ist daher in einer Welt, in der Emotionen Trumpf sind, irgendwie unfair (Sagte ich bereits an anderer Stelle schon einmal. Werde ich künftig wahrscheinlich auch noch öfters sagen müssen).

Wenn man auch davon ausgehen darf, daß sich die Protestierenden in England nicht auf ein so niedriges Niveau wie "Ein Papamobil für die Themse" herablassen werden, so ist doch Vorsicht geboten: Einerseits werden die Atheisten mit ihren "Lobby-Gruppen" in den Monaten bis zum Papstbesuch sich nicht scheuen, sekündlich das Wort "Diskriminierung" in den Mund zu nehmen. Andererseits droht in England Christen, die im öffentlichen Dienst tätig sind, mittlerweile schon Entlassung, wenn sie einen Kreuzanhänger tragen.

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Der Heilige Blasius

Um den Heiligen Blasius rankt sich eine dieser farbenfrohen, ereignisreichen und auch schrecklich brutalen Legenden aus der Zeit der verfolgten Kirche. Das ökumenische Heiligenlexikon berichtet:

"Nach der Legende soll Blasius sich wegen der Christenverfolgung in einer Höhle versteckt haben, wo er von wilden Löwen, Tigern und Bären bewacht wurde. Vögel trugen ihm Nahrung zu, er segnete wilde Tiere und heilte ihre Verletzungen. Die Jäger fanden kein Wild mehr, da sich alle Tiere zu Blasius geflüchtet hatten. Aus dieser Einsiedelei heraus habe er sein Bistum geleitet. Eine arme Frau, die durch Blasius' Gebet ihr vom Wolf geraubtes Schwein zurück erhalten hatte, ernährte ihn, brachte Schweinskopf [eines der Attribute des Heiligen] , Brot und Kerze [ein weiteres Attribut], für ihn hatte sie das wieder erlangte Schwein geschlachtet. Sie erhielt den Auftrag, jährlich in seinem Namen eine Kerze zu seinem Gedächtnis zu opfern.

Christus offenbarte Blasius dann eines Tages, dass die Stunde seines Martyriums gekommen sei. Er wurde trotz seiner tierischen Leibwache verhaftet und vor den Statthalter Agricola gebracht, weigerte sich aber, die Götterbilder anzubeten, und wurde ins Gefängnis geworfen. Im Gefängnis soll er einen Jungen, der eine Fischgräte verschluckt hatte, durch sein Gebet vor dem Erstickungstod gerettet haben. Durch seine Standhaftigkeit erbittert, ließ der Statthalter ihm mit eisernen Wollkämmen
[ein drittes Attribut] die Haut zerfetzen. Sieben Frauen sammelten sein Blut, wurden auch festgenommen und mit Kämmen gemartert; als der feurige Ofen, in den sie geworfen werden sollten, vor ihnen erlosch, wurden sie enthauptet. Nun wurde Blasius mit zwei Gefährten in einen Teich geworfen, er machte das Kreuzeszeichen über dem Wasser, Christus erschien, und trockenen Fußes schritten sie an Land. Die Heiden aber, die es ihnen gleichtun wollten, ertranken. Vor der Hinrichtung betete Blasius darum, dass alle, die ein Übel an der Kehle oder sonst ein Siechtum haben, Erhörung fänden, wenn sie in seinem Namen um Gesundung bäten. Eine Stimme vom Himmel versicherte ihm die Gewährung dieser Bitte. Mit den beiden Gefährten wurde er enthauptet."

Wie gesagt: Bunt, aber auch grausam! Heute morgen bin ich nicht hier, bei den Mexikanern, zur Messe gegangen, sondern in Il Gesu. Da wir hier in Rom sind, gibt's natürlich von so ziemlich jedem Heiligen irgendwo eine Reliquie. In Il Gesu haben sie eine vom Heiligen Blasius. Jetzt bin ich also wieder Blasius-gestärkt und hoffe, daß ich während der nächsten 12 Monate seltener von Erkältungen heimgesucht werde, als in den vergangenen (insgesmt vier Mal). Im letzten Jahr hatte ich allerdings auch keinen Blasius-Segen bekommen...

In Düsseldorf, bei meinem damaligen Haus- und Hof-Geistlichen, wurde noch so richtig auf alte Schule gemacht. Da hatte ich während des Blasius-Segens die Flammen der Kerzen so nahe links und rechts am Ohr, daß mir immer ein wenig Angst und Bange wurde. Aber schön warm war's...

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