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Saturday, June 19, 2010

Sam Harris...

...sieht in den Religionen im Allgemeinen und im Islam im Speziellen eine große Gefahr für die derzeitige Gesellschaft und setzt sich für einen rationalen und vernünftigen Zugang zu Ethik und Spiritualität ein, ohne deren Notwendigkeit grundsätzlich in Abrede zu stellen. Er kritisiert dabei besonders, in Anlehnung an die berühmte Schrift "Why I am not a Christian" von Bertrand Russell, die monotheistischen Religionen und jede andere Form von unfundiertem, blinden Glauben - welchen er mit seinem Buchtitel The End of Faith (zu Deutsch: Das Ende des Glaubens) direkt angreift. Er argumentiert, dass die Political Correctness in den Tagen des fundamentalistisch motivierten islamischen Terrorismus ausgedient habe und man "über gewisse Dinge ehrlich und offen sprechen müsse, zum Beispiel, dass der Koran und die Bibel eine immense Ansammlung lebensfeindlichen Gequassels enthielten".

Sam Harris schrieb auch dies:
    The link between belief and behavior raises the stakes considerably. Some propositions are so dangerous that it may even be ethical to kill people for believing them.

    (Die Verbindung zwischen Glauben und Handeln erhöht den Einsatz in beträchtlichem Ausmaß. Einige Behauptungen sind so gefährlich, daß es sogar ethisch sein könnte, Menschen dafür zu töten, daß sie diese glauben)
Die Bibel enthält eine immense Ansammlung lebensfeindlichen Gequassels...

Harris eilte - nachdem man ihm aufgrund der aus seinem Buch "The End of Faith" zitierten Sätze Vorwürfe machte - natürlich schnell zur Brandstselle und versuchte, diese Aussagen zu rechtfertigen. Sie seien aus dem Kontext gerissen, habe er doch vor dieser Textstelle lang und breit dargestellt, wie sehr religiöser Glaube das Verhalten bestimmt und wie sehr diese Tatsache gewisse Glaubensinhalte gefährlich macht.

Wie soll das aber in der Realität aussehen? Harris sagt schließlich nicht, daß es ethisch sein könnte, Menschen zu töten, die im Begriff sind, sich und 200 andere Menschen in die Luft zu sprengen, weil sie von den gefährlichen Inhalten ihres Glaubens zur Tat übergehen. Er sagt, es könnte ethisch sein, Menschen zu töten, nur, weil sie diese Dinge glauben.

Dies ist ein gewaltiger Unterschied. Einem Selbstmordattentäter mit einer Tonne Sprengstoff an der Hüfte und dem Finger am Auslöser darf man wohl schon eine Kugel zwischen die Augen setzen, wenn dadurch die Explosion verhindert werden kann. Der fiebert dem Tod ja ohnehin entgegen. Aber jemandem, der glaubt, er käme ins Paradies, wenn er die richtigen Leute mit sich in den Tod reißt, alleine wegen dieses Glaubens zu töten, enthüllt exakt jene hysterische Ungelassenheit, die Harris den Anhängern der monotheistischen Religionen vorwirft.

Hinzu kommt: Heute werden die Leute zum Abschuß freigegeben, die an das bombenstarke Martyrium für ihren Gott glauben, da die Vergangenheit gezeigt hat, daß sie viel zu viele unschuldige Menschen mit sich in den Tod reißen. Morgen sitzt dann der gesamte, sich gegen die Abtreibung aussprechende Episkopat eines Landes auf dem elektrischen Stuhl, weil irgendwo irgendwann mal ein durchgeknallter "Christ" einen Abtreibungsarzt getötet hat.

Hier noch ein kuscheliges Harris-Zitat:
    I hope to show that the very ideal of religious tolerance (born of the notion that every human being should be free to believe whatever he wants about God) is one of the principal forces driving us toward the abyss.

    (Ich hoffe, daß ich zeigen kann, daß das Ideal der religiösen Toleranz (aus der Vorstellung geboren, daß jeder Mensch die Freiheit haben sollte von Gott zu glauben, was er will) eine der Hauptkräfte ist, die uns dem Abgrund zutreibt.)
Machen wir uns nichts vor: Nicht nur zwischen Harris' Zeilen, sondern direkt und unverblümt in seinen Texten läßt sich eine Aufforderung zum Massenmord herauslesen, die selbst in der bösen, finsteren, religiösen Schmuddelliteratur (Koran, Bibel...) ihresgleichen sucht.

Denn es bleibt die Frage: Wer sagt, wann und wo Schluß ist, wenn sich - nach Ausschluß Gottes - die Wissenschaft der Moral breitmacht? Harris selbst muß doch aufgrund seines Interessengebietes wissen, daß manche Menschen sich selbst von den Geboten Gottes nicht aufhalten lassen, wenn es um Mord und Totschlag aus niederen Beweggründen geht. Wie soll es erst aussehen, wenn diese Gebote, die heute von vielen Menschen rigoros eingehalten werden (sei es wegen der Furcht des Knechtes (Angst vor Strafe) oder der Furcht des Sohnes (Angst, den liebenden Vater zu beleidigen)), aus der immerwährenden, unveränderlichen "Hand" Gottes gerissen und den unsteten, ständig zugunsten eigener Projekten gegen die Projekte anderer anrennenden Menschen übergeben werden?

Thursday, May 27, 2010

Ich komme grade von einem ausgedehnten Semester-Abschluß-Mittagessen...

... und habe ein gewisses Maß roten Weins und grünen Digestivs im Blut. Man verzeihe mir also diesen Ausflug:


"Es gibt keinen Gott!"

Hähä... Das steht ja sogar in der Bibel! Psalm 53: "Es gibt keinen Gott!"

Hmm... Okay... Hier ist der ganze Vers: "Die Toren sagen in ihrem Herzen: Es gibt keinen Gott"

"Etwas" und "nichts" gegen "Existenz" und "Nicht-Existenz"...

Das ist der Punkt, an dem die Argumentation der "modernen" Atheisten mich immer öfter ratlos zurückläßt.

Ich öffne meinen Kofferraum, schaue hinein und rufe: "Hey! Da ist kein Ersatzreifen im Kofferraum!" Ich erhebe den in rein physischen Begriffen zu verstehenden Anspruch, daß so etwas wie ein Ersatzreifen sich in diesem Moment im Kofferraum nicht findet. Die Aussage umfaßt den modalen Anspruch, daß so etwas wie ein Ersatzreifen sich im Kofferraum befinden könnte. Es wäre durchaus möglich, daß da ein Ersatzreifen im Kofferraum ist, aber in diesem Moment ist eben keiner da.

Ich erwische die "modernen" Atheisten immer häufiger dabei, daß sie hingehen und den Satz "So etwas wie Gott gibt es im Universum nicht" ebenso verstehen, wie Derjenige, der in den Kofferraum guckt und keinen Ersatzreifen sieht: Das physische Objekt "Gott" existiert nicht im physischen Raum "Universum". Dies ist ein kategorischer Fehler.

Niemand kann "Existenz" leugnen, da alles um uns herum existiert. Aber all das physisch Seiende um uns herum ist kontigent. Es existiert, aber es existiert nicht notwendigerweise. Es könnte ebensogut nicht existieren, es hat einmal nicht existiert und es wird eines Tages auch nicht mehr existieren.

Wenn aber alles, was um uns herum ist, kontigent ist; wenn alles, was ist, einmal nicht war und irgendwann auch nicht mehr sein wird, dann stellt sich die Frage, wo es denn herkam? Egal, wie viele physische Dinge man nennen kann, welche Ursache für die Existenz anderer physischer Dinge sind: Irgendwann kommt man an einen Punkt, wo ein erstes physisch Seiendes in die Welt getreten sein muß, von welchem alles andere physisch Seiende sein Sein hat. Aber ein physisch Seiendes kann nicht Ursache seiner eigenen Existenz sein, denn dies bedeutet, daß es sich selbst machte, was wiederum bedeutet, daß es existiert haben muß, bevor es sich machte.

Da alles physisch Seiende kontingent ist und ein erstes physisch Seiendes sich nicht selbst geschaffen haben kann, muß am Anfang ein metaphysisch Seiendes stehen, ein nicht kontingent Seiendes, ein notwendig Seiendes, ein Aus-sich-Seiendes. Wenn man auch von diesem Aus-sich-Seienden behaupten will, daß es nicht existiert, so sollte man dennoch vermeiden, diese Aussage in physische Begriffe zu packen. Denn es gibt keine Verstehensebene, auf welcher eine Aussage über einen individuellen, physischen Stand der Dinge eine gültige Aussage über die Existenz oder Nicht-Existenz eines metaphysischen Aus-sich-Seienden mit sich bringt.

Immer dort, wo Atheisten Euch mit blumigen Beispielen aus der physischen Welt kommen, die metaphorisch belegen sollen, daß es keinen Gott gibt (Spaghettimonster, Teekanne etc.), dort begehen sie diesen kategorischen Fehler.

Monday, April 19, 2010

Dawkins-LOL



[HT: Mark Shea]

Meine Lieblingsstelle: "It's ok, we'll just pretend to read it"

Unterhalb des Videos gibt es eine ganze Reihe wertvoller Links, unter anderem zu einem Dawkins-Statement aus dem Jahre 2006, welches so gut ist, daß ich es einfach mal übersetze:
    "Mißbrauch von Kindern durch Priester ist heute gleichbedeutend mit sexuellem Mißbrauch, und ich fühle mich verpflichtet, einleitend das gesamte Thema "sexueller Mißbrauch" in das richtige Verhältnis zu setzen und aus dem Weg zu schaffen. Schon Andere haben festgestellt, daß wir in einer Zeit der Hysterie bzgl Pädophilie leben, einer Mob-Psychologie, die an die Hexenverfolgungen in Salem im Jahr 1692 erinnern... Alle drei Internate, die ich besuchte, hatten Lehrer angestellt, deren Zuneigung zu Jungs die Grenzen der Angemessenheit überschritten. Das war in der Tat abstoßend. Dennoch: Sollten sie nun - fünfzig Jahre später - von Rächern oder Anwälten gejagt werden wie Kindermörder, fühlte ich mich verpflichtet, sie zu verteidigen, selbst als eines ihrer Opfer (ein peiniches aber ansonsten harmloses Erlebnis).

    Die Römisch Katohische Kirche hat einen schweren Anteil an dieser rückblickenden Schande zu tragen. Ich mag die Römisch Kathoische Kirche nicht, aus allen möglichen Gründen. Aber ich mag Unfairness noch weniger und ich kann nicht anders, als mich fragen, ob diese eine Institution in diesem Punkt nicht unfair dämonisiert wurde, besonders in Irland und Amerika... Wir sollten uns über die beachtliche Kraft des Gedächtnisses im Klaren sein, falsche Erinnerungen heraufzubeschwören, besonders, wenn es von skrupellosen Therapeuten und Söldner-Anwälten dazu angestiftet wird. Die Psychologin Elizabeth Loftus hat großen Mut bewiesen als sie angesichts boshafter Eigeninteressen demonstrierte, wie leicht es für Leute ist, Erinnerungen auszubrüten, die essentiell falsch sind, die aber für das Opfer ebenso real scheinen als echte Erinnerungen. Das ist so kontraintuitiv, daß Juries leicht von aufrichtigen aber falschen Erinnerungen beeinflußt werden."
Vergleiche ich dieses Statement mit den neueren Auswürfen Dawkins', so erkenne ich einen Mann, der entweder berauscht von der eigenen Größe oder zerknirscht durch die Tatsache, daß die Kirche immer noch existiert, auf seinen eigenen, persönlichen Abgrund zurast.

Monday, April 12, 2010

Als Betthupferl...

... gönnt Euch bitte diesen Kommentar von Gerald Warner, in welchem er der vereinten Heulsusenfront von Dawkins, Hitchens, Thatchell (und wie die selbsternannten Weltverbesser nicht alle heißen) hübsch einen vor den Bug knallt.

Tuesday, March 16, 2010

Das Atheisten-Wrack

Bei Paul erfuhr ich, daß Richard Dawkins während der Global Atheist Convention in Melbourne den Papst einen "Nazi" nannte.

Ich ging dann mal forschen und fand diesen Artikel in der Herald Sun. Ich will nicht sagen, daß der Autor vor dem Atheisten-Hohepriester kotaut. Ich will eher sagen, daß, wenn der Autor noch tiefer hineinkriecht, Dawkins wahrscheinlich Haargel schmeckt.

Oh! Die Tapferkeit! Das Wagnis! Dawkins "schonungslose Offenheit", mit denen er Katholiken (Christen kommen in dem gesamten Artikel komischerweise überhaupt nicht vor) wie Muslimen gleichermaßen angeht, sieht so aus: Der Papst wird mit einem Nazi verglichen. Vor allzu heftiger Beleidigung des Islam wird gewarnt, denn "es bringt nichts, den Kopf abgeschlagen zu bekommen".

Perfekt, Junge! Pick dir die raus, die es im Laufe der Zeit tatsächlich gelernt haben, auf "wagemutige Provokationen" und stumpfsinnigste Beleidigungen mit Sanftmut statt mit Bannstrahlen zu reagieren, trample auf ihnen herum und demonstriere so, wie gewaltsam und nutzlos die Religion ist.

Un-vor-stell-bar.

Thursday, February 04, 2010

Das tut natürlich auch dem SPIEGEL weh...

Das in diesem Artikel angesprochene Gleichstellungsgesetz, über welches in England nachgedacht wurde, ist erst einmal auf Eis gelegt. Gleichstellungsministerin Harriet Harmann hat einen Rückzieher gemacht.

Der SPIEGEL online glänzt folglich mit der Schlagzeile "Britische Regierung kuscht vor dem Papst".

Der Protest des Papstes war, ebenso wie die damit verbundenen Befürchtungen, berechtigt. Zündstoff - vor allem für diejenigen, die lieber auf Knopfdruck maulen, als mal kurz darüber nachzudenken, daß hier einfach ein Mann Stellung bezieht, wo er als Papst Stellung zu beziehen hat - gibt's natürlich trotzdem:
    Der Labour-Europaabgeordnete Stephen Hughes zeigte sich dagegen empört. "Als Katholik [???] bin ich von dem Verhalten des Papstes entsetzt", sagte er. "Religiöse Führungsfiguren sollten Ungleichheit ausmerzen und nicht bewahren [Mal davon abgesehen, daß religiöse Führungfiguren keineswegs den Auftrag haben, in der Gesellschaft Ungleichheit auszumerzen, gefällt mir Hughes' Wortwahl ziemlich gut: Kann sich irgendwer an eine Instanz in der jüngsten und jüngeren Vergangenheit (sagen wir mal so bis zurück zur Vendee) erinnern, in der das "Ausmerzen" der angeblichen "Ungleichheit" nicht mit mindestens einer gewaltigen Beschränkung der Freiheit, wenn nicht gar einem Massaker einherging?]." Statt das britische Recht zu kritisieren, sollte der Papst sicherstellen, dass die bestehende EU-Rechtsprechung im Vatikan angewandt wird [** prust **... Also ehrlich. Ja, komm', her mit der Abtreibgunsklinik im Vatikan].

    Der Menschenrechtsaktivist [Wann haben wir eigentlich die nächste Unwort-Wahl?] Peter Tatchell erklärte, die Bemerkung des Papstes sei ein "verschlüsselter Angriff" auf die Rechte von Frauen und Homosexuellen [Als Hans-Dampf in jeder politisch korrekten Gasse und Fähnchen-in-den-Wind-Hänger par excellence entgeht Tatchell natürlich das Detail, daß hier ein ganz und gar nicht verschlüsselter Appell vorliegt].
Es paßt übrigens wie die Faust auf's Auge, daß der englische Schauspieler Ricky Gervais ("Office"-Erfinder und modern-missionierender Atheist) jüngst meinte, daß es zu viele nutzlose, arme Menschen mit ungewollten Kindern gäbe und daß man doch bitte Frauen sterilisieren solle, wenn sie dumme, fette Gesichter haben, oder in Leggings rumlaufen, Chips essen und eine Kippe im Mundwinkel haben. Immer wieder erstaunlich, daß das Ablehnen Gottes auch soviel Ablehnung gegenüber den Menschen produzieren kann. Halt... Moment... Gar nicht erstaunlich! Die Kinder der "nutzlosen, armen Menschen" sind ja nur von Gervais' Warte aus ungewollt. Der hat erst einmal selbst keine Kinder ("Zu viel Streß") und will wahrscheinlich auch, daß nur Savile-Row-Kunden mit Fachhochschulabschluß und einer Vorliebe für 26 Jahre alten Single Malt Kinder bekommen. Jaja... Die schöne Gleichheit... Das wird 'ne tolle Welt, wenn die Kirchen erst einmal mundtot gemacht sind!

Wednesday, February 03, 2010

Englands Atheisten machen mobil

Via kath.net:
    Atheisten in Großbritannien planen Protest gegen Papstbesuch

    Der Anlass: Benedikt XVI. hat ein geplantes britisches Gleichstellungsgesetz als Verstoß gegen das Naturrecht kritisiert.

    London (kath.net/KNA) Atheisten in Großbritannien haben zu Protesten gegen den geplanten Papstbesuch im September aufgerufen. Anlass ist die Kritik von Benedikt XVI. an einem geplanten britischen Gleichstellungsgesetz, in dem das Kirchenoberhaupt einen Verstoß gegen das Naturrecht sieht. Für einen Widerspruch will die Nationale Säkularistengesellschaft (NSS) laut britischen Medienberichten vom Dienstag unter anderem Lobby-Gruppen für Homosexuelle, kirchliche Missbrauchsopfer, Feministen und Abtreibungsbefürworter mobilisieren.

    NSS-Präsident Terry Sanderson beklagte den Berichten zufolge, dass britische Steuerzahler 20 Millionen Pfund (23 Millionen Euro) für einen Besuch zahlen sollten, bei dem der Papst «Diskriminierung fördern» werde. Der Erzbischof von Westminster, Vincent Nichols, verteidigte hingegen im Radiosender BBC das Recht das Papstes, seine «begründete Meinung» zu äußern.
Daß Atheisten gegen einen Papst-Besuch protestieren wollen, halte ich nicht unbedingt für unnormal oder verwerflich. Die Liste der Lobby-Gruppen liest sich allerdings ein wenig seltsam. Mit kirchlichen Mißbrauchsopfern sind sicherlich die Opfer von sich an Kindern vergehenden Priestern gemeint und nicht Mißbrauchsopfer, die der Kirche angehören. Daß diese mit der Art und Weise, wie die Kirche dieses Thema über lange Zeit hinweg behandelt hat, nicht zufrieden sind, ist klar. Daß sie daher protestierend wenn schon nicht beim Papst vorstellig werden, so doch wenigstens während des Papst-Besuches auf ihre Situation aufmerksam machen wollen, leuchtet auch ein. Aber warum glauben Atheisten, daß diese Opfer sich automatisch unter dem Sammelbegriff "Atheist" wiederfinden wollen (ein Frage, die sich auch bei den anderen aufgezählten Lobbygruppen stellt)?

Ist hier der unterstellte Gedankengang tatsächlich "Wenn die Kirche dies und jenes nicht erlaubt und dies und jenes nicht verhindert, dann gibt es keinen Gott?" Dann sind wir ja wieder beim alten Spielchen, wo man ebensogut sagen kann "Wenn die Kirche dies und jenes tut, dann gibt es einen Gott!" So ziemlich jedermann/frau dürfte erkennen, daß dies Humbug ist.

[Hier ließe sich natürlich auch ein Gedankenspiel machen: Wenn diese angeblichen Atheisten tatsächlich so funktionieren, dann scheint es ihnen ja eher um die Kirche als um Gott zu gehen. Die sich aufdrängende Frage: Machen diese Leute vielleicht von der uns von Gott geschenkten Fähigkeit, ihn zu erkennen, zuviel Gebrauch und sind daher eigentlich gar nicht so sehr von seiner Nicht-Existenz überzeugt sondern eher von ihrer eigenen Sündhaftigkeit, gegen die aktiv anzugehen ihnen aber der Mut oder der Glaube fehlt, weswegen sie dann lieber projizieren und sich die Rosinen aus dem Kuchen der (vermeintlichen) Kirchenskandale rauspicken um ihr Gewissen mit der guten, alten "Die Kirche ist aber so böse"-Nummer zu beruhigen?]

Natürlich sind die Menschen in der heutigen säkularisierten, alles relativierenden Welt leicht dazu zu verleiten, beim Atheisten-Protest mitzumachen. Mit geschickt gestreutem, antikirchlichen Code ("Diskriminierung fördern") wir die Fährte zur Atheisten Show-Bühne gelegt, und nicht Wenige werden angesichts der lauernden Öffentlichkeit und Medienpräsenz gerne mitwirken. Dieses Ködern, dieses Instrumentalisieren ist schäbig, aber es wird wirken. Der Papst kann nur - wie Erzbischof Nichols sagt - seine aus päpstlicher Sicht begründete Meinung dagegensetzen. Eine begründete Meinung allerdings riecht sehr nach Argumenten und Ratio und ist daher in einer Welt, in der Emotionen Trumpf sind, irgendwie unfair (Sagte ich bereits an anderer Stelle schon einmal. Werde ich künftig wahrscheinlich auch noch öfters sagen müssen).

Wenn man auch davon ausgehen darf, daß sich die Protestierenden in England nicht auf ein so niedriges Niveau wie "Ein Papamobil für die Themse" herablassen werden, so ist doch Vorsicht geboten: Einerseits werden die Atheisten mit ihren "Lobby-Gruppen" in den Monaten bis zum Papstbesuch sich nicht scheuen, sekündlich das Wort "Diskriminierung" in den Mund zu nehmen. Andererseits droht in England Christen, die im öffentlichen Dienst tätig sind, mittlerweile schon Entlassung, wenn sie einen Kreuzanhänger tragen.

Friday, January 29, 2010

Mein Zugang zur Wirklichkeit ist...

kath.net berichtet: Ein studentischer Debattierclub hatte am Mittwochabend zur "Bayreuther Debatte" in die dortige Universität geladen. Drei Gegner und drei Fürsprecher der Religion traten in jeweils achtminütigen Reden gegeneinander an. Die Gegner hatten dies zu sagen:
    Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung betonte, daß Religionen verantwortlich seien für die Geschichte der Unmenschlichkeit: Hexenverbrennungen, Antisemitismus, Weltkriege, Missbrauch von Heimkindern, Unterdrückung von Frauen. Zudem bemerkt er, er brauche keine Dogmen, nur den rationalen Zugang zur Wirklichkeit.

    Mina Ahadi, atheistische Exil-Iranerin: "Ich hasse Religion!

    Paul Schulz, promovierter evangelischer Theologe und bekennender Atheist, "Kirchenrebell": "Religionem esse delendam [Religion muss zerstört werden]!"
Okay, Ahadi und Schulz lassen aufgrund ihrer geschickten Wortwahl ja dankenswerter Weise erst gar keinen Zweifel aufkommen, wo nun Haß und Zerstörungswillen nisten.

Schmidt-Slomon versucht es mit dem Runterrasseln der alten Anklagepunkte, schießt aber damit dann leztlich ein Eigentor, wenn es um den "rationalen Zugang zur Wirklichkeit" geht. Schließlich ist ja nicht die Religion für die von ihm aufgezählten Übeltaten verantwortlich, sondern von der Religion motivierte bzw. fehlgeleitete Menschen. Trotzdem wird alles, was diese Menschen taten DER RELIGION angelastet. Doch was ist mit all dem Guten, das im Namen der Religion getan wird? Ist es nicht so, daß man dies auch anerkennen muß? Ist es nicht so, daß man dies (rationaler Zugang zur Wirklichkeit) dann ebenfalls der Religion zuschreiben muß? Natürlich ist es so. Doch dann hat man bestenfalls und mit viel gutem Willen gegenüber den Religionskritikern ein Unentschieden. Da das Gute, was Menschen überall auf der Welt im Namen der Religion tun, von ihren Kritikern hartnäckig und konsequent ignoriert wird, kaufe ich Schmidt-Salomon den rationalen Zugang zur Wirklichkeit nicht ab. Ich sehe hier lediglich eine fanatische Verblendung, die prima in einen Schundroman über die spanische Inquisition paßt, aber nicht in den Debattier-Club einer Universität.

Hier sind die Stimmen der Befürworter von Religion:
    Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sagt, daß das Leben mit der Religion gut tue und dazu befähige, Gutes zu tun. Er spricht vom menschenfreundlichen Gott, von Christen im Widerstand gegen Hitler und von Ehrenamtlichen, die sich aus christlicher Überzeugung für ihren Nächsten einsetzen.

    Dei Islamwissenschaftlerin Rabeya Müller antwortet auf Schmidt-Salomon, daß die Abwesenheit von Religion nicht zur Abwesenheit von Gewalt führe.

    Andrea Fischer von den Grünen erklärt, sie begreife den Glauben als Auftrag, Liebe weiterzugeben und räumt ein: Natürlich haben Religionen auch Falsches getan. Sie selbst, sagt die Katholikin, habe auch Probleme mit ihrer Kirche, glaube aber.
Sehe ich das nur durch die Brille des gläubigen Katholiken, oder erscheinen hier die Stimmen der Befürworter der Religion tatsächlich als die einlekenden und vernünftigeren?

Tuesday, January 19, 2010

Fast...

RichardDawkins.net wirbt für religionsfreie Wege, Katastrophenopfern zu helfen. Warum man dies tun sollte? Ist doch klar:
    "Wenn Sie an Non-Believers Giving Aid spenden, helfen Sie, dem Mythos entgegenzutreten, dass sich nur die Religiösen um ihre Mitmenschen kümmern."
Die Verzweiflung wird mittlerweile fast greifbar. Für mich schimmert da so ein Gschmäckle durch, daß diese Form der Hilfe für Haiti - die mit dem gut sichtbaren "Atheisten"-Aufkleber - in erster Linie aus einem Grund wichtig ist: Sie erlaubt den Atheisten, sich in ein tolles Licht zu rücken. Und zwar nicht als einfache Spender. In dieses tolle Licht stellt sich schließlich jede Organisation, deren Name mit Haiti-Hilfe in Verbindung gebracht werden kann. Nein die Atheisten wollen augenscheinlich dastehen als Spender, die sich durch die Hilfe mindestens auf die gleiche Stufe stellen wie andere Organisationen, wenn nicht gar diesen den Rang ablaufen.

So löblich, notwendig und einfach toll die Spendenaktion ist, durch dieses Detail bekommt sie einen sehr faden Beigeschmack.

Friday, December 11, 2009

Köhler erntet Kritik

Wollte ja eigentlich nichts dazu sagen. Aber nachdem Stanislaus mutig eröffnet hat, fühle ich mich nicht mehr so allein und werde auch mal fix einen Kommentar zur Kritik des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IKEA IBKA) an Bundespräsident Horst Köhler los.
    Bundespräsident Köhler zeichnet unkritisches Idealbild der Bibel

    Kritik an den Aussagen von Bundespräsident Horst Köhler zur Bibel übt der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA). "Die Bibel ist ein vielschichtiges und in Teilen sogar inhumanes Buch", sagt Rudolf Ladwig, Zweiter Vorsitzender des IBKA [Der Autor übersieht hier (entweder absichtlich oder weil er als Konfessionsloser bzw. Atheist von der Bibel zu sprechen gewohnt ist wie ein Blinder von der Farbe) den Fortschritt von Alten Bund zum Neuen Bund: non enim sub lege estis, sed sub gratia — "Denn ihr lebt nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade." (Römer 6,14)]. "Den Anspruch, auch in der heutigen Gesellschaft ethische Orientierung zu bieten, kann sie nicht einlösen." [Ein einziges klitzekleines Beispiel oder Argument zugunsten dieser Aussage hätte mir schon gereicht, um die Kritik ansatzweise Ernst zu nehmen]

    Köhler leiste letztlich fundamentalistischen Strömungen Vorschub, die ein wortgläubiges Bibelverständnis vertreten ["Letztlich" kann hier nur verstanden werden als "wenn wirklich jede andere Lesart der Aussage des Bundespräsidenten nach gründlicher Prüfung als völlig undenkbar abgelehnt wurde"]. "Kritik und Aufklärung haben stets mit der Philologie des Religiösen angefangen. Die historisch-kritische Methode konnte so eine von Vorgaben weniger beeinflusste Sicht auf die Bibeltexte möglich machen. Nun hat der Bundespräsident eine naive und idealisierende Sicht der Bibel als Sammlung vermeintlich kindgerechter Erzählungen propagiert. Und dies ausgerechnet in einer Einrichtung, welche sich der neutestamentlichen Textforschung verschrieben hat, wo die Bibel also als religionsgeschichtliches Quellenwerk behandelt wird", kritisiert Rudolf Ladwig [Klar, was hier gespielt wird: Eine entschärfte Variante von "Der Feind meines Feindes ist mein Freund". Als ob Ladwig im Normalfall auch nur im geringsten daran denkt, sich das Institut für Neutestamentliche Textforschung ins Boot zu holen].

    "In einer pluralistischen Gesellschaft kann ein persönlicher Rekurs auf eine religiöse Textsammlung keinerlei Verbindlichkeit beanspruchen." Maßstab für einen Bundespräsidenten habe zudem die Verfassung zu sein. [Fritte! Wo erhebt Köhler denn Anspruch auf Verbindlichkeit? Dieser ließe sich doch höchstens aus seiner Vorbildrolle als Bundespräsident ablesen. Verfassung und Bibel lassen sich zudem prima unter einen Hut bringen, wie ein Blick in die Präambel des Grundgesetzes vom 29. September 1990 beweist].

    Laut Medienberichten erklärte Bundespräsident Horst Köhler bei der 50-Jahr-Feier des Instituts für Neutestamentliche Textforschung der Universität Münster, die Bibel biete Orientierung und habe Antworten auf Fragen wie die nach den richtigen Maßstäben des Handelns. Ferner sagte er, Bibeltexte könnten ein wertvoller Beitrag für die frühkindliche Erziehung sein [Klingt für mich so, als fürchtete der IBKA, den Kleinen könnte die Religion schmackhaft gemacht werden, bevor man sie in die Finger kriegt].
Ich bin irgendwie überhaupt nicht von dieser Kritik überzeugt. Stanislaus beendet des Ganze mit einer schönen Pointe, die ich hier mal frech reinkopiere, weil sie einfach so gut ist:
    Daß dabei ausgerechnet die historisch-kritische Exegese als Steigbügelhalter für Atheisten fungiert, ist mal wieder ein Eigentor des Deutsch-Katholizismus.

Friday, November 27, 2009

Real-Satire

Via pro:


Kinder auf Atheisten-Plakat kommen aus christlicher Familie



An vier verschiedenen Stellen in Großbritannien hängt in den letzten zwei Novemberwochen das Plakat der "Britischen Humanistischen-Vereinigung": in Belfast, Cardiff, Edinburgh und in London. Darauf sind zwei strahlende Kindergesichter zu sehen, und sie bitten den Betrachter: "Bitte kleb mir kein Etikett auf. Lass mich erwachsen werden und für mich selbst entscheiden." Gemeint ist die Religion: Im Hintergrund sind Begriffe wie "katholisches Kind", "protestantisches Kind", "muslimisches", "marxistisches" oder "anarchistisches" Kind zu lesen.

Kinder, die durch gläubige Eltern "gelabelt" werden, bekämen Probleme, so die Aussage der Plakataktion der "Humanisten". Denn sie würden sozial ausgegrenzt und würden weniger über andere Religionen lernen [Ja, klar. Dann doch lieber garnichts über keine Religion lernen. Das scheint ja wohl das Ziel der 'Humanisten' zu sein. Immerhin lautete deren Bus-Slogan: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott". Jetzt so zu tun, als sei es ein Jammer, wenn Kinder nicht alles über alle möglichen Götter lernen, ist doch der Gipfel der Heuchelei]. Ein Kind, dem man sage, es gehöre dieser oder jener Religion an, könne "andere Optionen" ausblenden oder ihnen "feindlich" gegenübertreten, sind die Initiatoren überzeugt [Sorry, aber bei dem Missionierungsdrang, den die Atheisten momentan an den Tag legen, glaube ich kaum, daß ein Kind von atheistischen Eltern sich in der Frage 'Gott oder nicht, und wenn ja, welcher?' völlig ungestört und unvoreingenommen entscheiden kann]. Schließlich schaffe es eine "negative Gesinnung" gegenüber dem Glauben anderer, wenn man sie religiös erziehe [Ich denke nicht, daß Kinder von ateistischen Eltern so erzogen werden, daß sie gläubigen Menschen gegenüber eine durchgehend positive Gesinnung haben]. "Das Versehen eines Kindes mit einem Etikett hat zur Folge, dass es seinen Glauben für immanent wahr und den Glauben anderer Religionen für unterschiedlich und anders hält" [Hmm... Ob das daran liegen mag, daß der Glaube anderer Religionen unterschiedlich und anders ist?], erklärt die Webseite der Organisation. Das "Labeln" von Kindern komme einem Zwang gleich, denn es nehme den Kindern die Möglichkeit zu wählen [Okay, und wo genau sind 'humanistisch', atheistisch oder religionslos keine Etiketten?].

Außerdem sei es eine "Bedrohung", denn es berge das Risiko, dass sich Kinder von ihren Eltern trennten, falls das Kind den Glauben seiner Eltern ablehne [Och Mädels, bitte! Es gibt Dutzende von Gründen, warum Eltern und Kinder sich zoffen und sich trennen. Wollt Ihr in Zukunft auch Plakate aufhängen, auf denen junge Mädchen davor gewarnt werden, einen Punk-Bassisten mit nach Hause zu bringen, sich die Haare zu färben oder sich ein Tattoo oder ein Piercing zuzulegen? Das Trennungsszenario klingt sehr unglaubwürdig. Christliche Eltern werden ihr Lüttes in der Regel nicht so einfach vor die Türe setzen, wenn es morgen nach Hause kommt und erklärt, es sei jetzt Atheist]. Weitere "Gefahren" berge die Religion selbst: "Gericht und Höllenfeuer etwa, mit dem Unglaube verknüpft wird" [Wie? Was? Moment...: Die Religion birgt die Gefahr des Gerichtes und des Höllenfeuers? Also sind Gericht und Höllenfeuer real? Also gibt es einen Gott? Aber Gericht und Höllenfeuer gelten trotzdem nur für getaufte Christen?].

Richard Dawkins, Autor mehrerer Bestseller, darunter "Der Gotteswahn", und Vizepräsident der Britischen Humanistischen-Vereinigung, finanzierte die Aktion mit [Überraschend...]. Zusätzlich ruft die Organisation weiterhin zu Spenden auf. Die "Buskampagne", wo Busse mit der Botschaft "Es gibt keinen Gott" durch das Land fuhren, sei gut angekommen, sind die Atheisten erfreut. "Viele Menschen haben großzügig für diese Botschaft gespendet." Dadurch ermutigt, beschlossen die Initiatoren, eine weitere Plakataktion durchzuführen. Die Humanisten sammeln weiter Geld, um die Arbeit gegen religiöse Erziehung und gegen so genannte "Glaubensschulen" fortsetzen zu können [Gegen, gegen, gegen... Das alte Programm der Atheisten: Nicht aufbauen, sondern niederreißen]. Schulen also, die nach ihrer Meinung für Kinder entscheiden, welcher Religion sie angehören sollen. Das Spendenziel sind laut ihrer Webseite 30.000 britische Pfund (33.000 Euro). Bislang seien rund 18.000 Euro gesammelt worden.

Die britische "Times" berichtete am Wochenende, das Plakat mit den lächelnden Kindern sei eine fast ;-) "perfekte Werbeanzeige für den neuen Atheismus", den Dawkins und seine Vereinigung so propagierten. "Wäre sie nur nicht so weit entfernt vom Atheismus, wie sie es nur sein kann", fügt die Zeitung hinzu. Denn Charlotte (8) und Ollie (7), die auf dem Plakat abgebildet sind, gehören einer Familie mit klaren christlichen Überzeugungen an, fand das Blatt heraus. Der Vater, Brad Mason, sei unter evangelikalen Christen in Großbritannien so etwas wie eine Berühmtheit, so die "Times": Er ist der Schlagzeuger des bekannten christlichen Sängers und Lobpreisleiters Noel Richards. Mittlerweile betätigt sich Mason als Webdesigner und Fotograf und vertreibt seine Bilder über Foto-Agenturen. Und so stellte er auch die Fotos seiner lachenden Kinder beim Internetportal "istockphoto.com" online. Dort fanden die Atheisten sie und benutzen sie für ihre Anzeige gegen religiöse Erziehung.

Der Vater sagte gegenüber der "Times": "Es ist irgendwie witzig, denn offenbar suchten sie nach Fotos von Kindern, die glücklich und frei aussehen. So kam es, dass sie sich Kinder von Christen aussuchten. Das ist Ironie. Die Humanisten wussten offenbar nicht, aus welchem Hintergrund diese Kinder kommen. Offenbar war etwas Besonderes in ihren Gesichtern. Also fanden sie, sie seien offenbar glücklich und frei, ohne dass sie wussten, dass es Christen sind. Das ist ein Kompliment. Ich vermute, das zeigt, dass wir unsere Kinder auf gute Art und Weise aufgezogen haben und dass sie glücklich sind."

Auch Gerald Coates, Leiter des "Pioneer"-Kirchennetzwerkes, dem Mason und seine Familie angehörten, bevor er nach Dorset umzog, sagte: "Ich finde es lustig, dass die glücklichen und befreiten Kinder auf dem Atheisten-Poster in Wirklichkeit Christen sind."

Die Britische Humanistenvereinigung erklärte, ihr sei es egal, ob die abgebildeten Kinder einen christlichen Hintergrund hätten. "Das ist ein Punkt unserer Kampagne", sagte Andrew Copson, Direktor des Bereiches für Erziehung bei der Atheisten-Organisation, "Menschen, die uns kritisieren, weil wir sagen, Kinder in religiösen Familien könnten nicht glücklich sein oder Kinder sollten keinerlei Kontakt mit Religion haben, sollten sich die Zeit nehmen, unsere Anzeigen zu lesen. Die Botschaft ist, dass das 'Labeln' von Kindern mit der Religion ihrer Eltern die Rechte der Kinder und ihre Autonomie verkennt [Ja, das Recht auf's Himmelreich gibt's nun in der Tat nicht, was in unserer Zeit des permanenten gleichzeitigen Anklagens Anderer und des Einklagens eigener Rechte natürlich skandalös ist. Aber das ist kein Grund, den Kleinen nicht frühzeitig den Weg dorthin zu ebnen]. Wir sagen, dass Religionen und Philosophien - und 'humanistisch' ist eines der Label, die auf unserem Poster stehen [Okay, wenigstens sind sie sportlich] - jungen Kindern nicht umgehängt werden sollten [Und darf ich meinen Kindern denn Fleisch zu essen geben? Darf ich sie medizinisch behandeln lassen? Darf ich ihnen einen Namen geben? Darf ich sie als Buben oder Mädchen etikettieren?]."

Das Weblog "Atheism is dead" ("Atheismus ist tot") mokierte sich in einer Kritik zur Plakataktion darüber, dass Richard Dawkins selbst ein Jugend-Sommerlager unterstütze, das jährlich von Atheisten organisiert wird. Dort wird den die 8 bis 17-Jährigen das atheistische Gedankengut vermittelt [War doch klar. Jede(r) soll für sich selbst entscheiden, es sei denn, ich entscheide für ihn oder sie]. Nach Vorbildern in den USA und Kanada gibt es seit vergangenem Jahr nun auch in Großbritannien atheistische Sommercamps: das humanistische Jugend-Ferienlager "Camp Quest UK". Die Veranstalter wollen nach eigenen Angaben eine "gottlose Alternative" zu den überwiegend christlichen Sommercamps bieten. In diesem Jahr, dem "Darwin-Jahr", war beim "Camp Quest" in der englischen Grafschaft Somerset vor allen die Evolution Thema. Autor Dawkins unterstützt das Ferienlager durch eine Stiftung. Die Veranstalter versichern, dass ihr Camp "frei von religiösen Dogmen" ist [Mal abgesehen von den Dogmen des Atheismus].

Monday, November 02, 2009

Brauch ich das?

Nett: Heute nur zwei Stunden Vorlesung gehabt. Morgen auch nur zwei. Und Mittwoch früh geht's ab nach Klosterneuburg. Wir haben Kapitel und da muß der Herr Alipius natürlich anwesend sein.

Das frühe Vorlesungsfrei kam heute schwerst gelegen, denn mittlerweile sind die Regenwolken aufgezogen, deren mild-nasse Gabe mich auf dem Heimweg mal wieder ohne Schirm überrascht hätte.

Jetzt habe ich so ein bißchen in Semester-Lektüre herumgeblättert und auch mal kurz 'nen Zug durch die bloggende Gemeinde gemacht. Und irgendwie tauchte ein paar Mal wieder der gute, alte Atheismus auf. Oder besser der schlechte, neue Atheismus. Beim eben erst verlinkten Paul stieß ich auf einen Artikel über Christopher Hitchens, in dem auch Dinesh D'Souza erwähnt wird. Solcherart angeregt stolperte ich dann googlend durch ein paar Christen- und Atheisten-Foren und sitze jetzt leicht schmunzelnd und nicht eben klüger vor meinem Laptop.

Diesen Christen-Atheisten-Smackdown, brauch ich den überhaupt? Im Grunde passiert da doch nicht viel. Da treffen sich mit schöner Regelmäßigkeit Intellektuelle und Menschen, die sich dafür halten bzw. als solche etikettiert werden, debattieren ein wenig herum, und danach klopfen sich dann Christen und Atheisten in ihren jeweils eigenen Foren auf die Schulter, daß der X es dem Y mal wieder gezeigt hat und daß der Y ja total unlogisch argumentiert und nur mit alten Hüten um sich wirft und falsche Prämisse hier und ad hominem dort undsoweiterundsofort...

Glaube und Vernunft, Faith and Reason, Fides et Ratio: Die Beiden sind meiner Meinung nach eh nicht zu trennen. Atheisten, die sich ganz auf die Wissenschaft berufen, mögen in ihrem Vorgehen empirischer sein. Aber vernünftiger sind sie deswegen noch lange nicht. Nur, weil die Existenz Gottes sich im wissenschaftlichen Sinne nicht beweisen läßt, bedeutet dies nicht, daß die Schlüsse, die der an Gott glaubende Mensch aufgrund seiner Prämissen zieht, weniger vom Verstand geleitet sind als die eines Physikers.

Das ist doch das alte Ammenmärchen, mit dem man die Leute einfangen will: "Nur Schafe brauchen einen Hirten! Denkt gefälligst für euch selbst! Benutzt euren Verstand!" Ich will mich nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen, aber wenn ich mir die Kommentare mancher Atheisten anschaue, dann stehe ich relativ als ein Verstandesbenutzer da. Okay, dasselbe gilt für die Kommentare mancher Christen, aber die stehen in dieser Kategorie außen vor, da an sie ja eh der Vorwurf ergeht. Plus: Die Dawkins- und Hitchens-Wiederkäuer kommen mir auch sehr oft vor wie Schäfchen, die zappelnd auf den nächsten Tropfen Weisheit von den Lippen ihres Hirten warten.

Ich für meinen Teil will meinen Glauben auch gar nicht zu sehr "verwissenschaftlichen" oder "verkopfen". Es gibt genug Atheisten, die irgendwann doch ihren Weg zum Glauben finden. Da spielt Gottes Gnade eine nicht geringe Rolle. Und wenn ich vielleicht auch nicht zu den tumbsten Vertretern des stramm-überzeugten Katholizismus gehöre, so ist es mir in der Regel immer lieber, ich kann den Leuten mit meinem Glauben, mit ein wenig Selbstironie und mit einem nur begrenzt unerträglichen Charakter ein Vorbild sein, als daß ich ihnen bis auf's letzte Iota auseinanderklamüsere, warum denn nun zwingend der Glaube an Gott die einzige Straße zum Ziel ist. Denn an der nächsten Ecke steht ja dann schon wieder der Atheist, der ihnen genau das Gegenteil verkaufen will. Und in diesem Tornado der Überzeugungen kann meiner Meinung nach nur derjenige einen Eindruck hinterlassen, der den Leuten auch mal ein wenig Leine läßt, ihnen andererseits aber immer eine Tür offenhält und der ihnen vor allem klarmacht, daß er nicht Gott ist (eine Routine, die viele der posaunigen Neo-Atheisten häufig nicht beherrschen), sondern nur an ihn glaubt und damit nicht übel fährt.

Sprich: Ich denke, es ist besser, häufig für Atheisten zu beten als ständig mit ihnen zu debattieren. Zeugnis ablegen muß man natürlich trotzdem und immer, denn es gibt viele verwirrte und unentschlossene Individuen, nach denen die lauten Gottesleugner nur zu gerne ihre Netze auswerfen.

Thursday, June 04, 2009

Atheisten...

... kommen mir natürlich besonders gelegen, wenn ich nicht nur für Theologie allgemein, sondern, wie im Moment, für Christologie büffele. Übermorgen steht das Examen an, aber meine Rübe droht jetzt schon zu platzen.

Daher schnappe ich mir jetzt mal (angeregt von Elsa) die Herren Atheisten, bzw. deren Aussagen zum Thema Atheismus und lege eine lockere Sparringseinheit hin, um nicht einzurosten.


Unterwegs durch Berlin mit einer atheistischen Stadtrundfahrt - Ein Hintergrundbericht von Karsten Huhn

Berlin (kath.net/idea)

Bis zum 18. Juni rollt ein Doppeldecker mit der Aufschrift "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott" durch 25 deutsche Städte. Weil die Verkehrsbetriebe von 17 Großstädten es ablehnten, Fahrzeuge mit der Atheistenwerbung einzusetzen, entschloss sich die "Buskampagne" selbst auf Tour zu gehen.

Organisiert wird sie vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (etwa 600 Mitglieder) sowie der Giordano-Bruno-Stiftung (etwa 1.600 Freunde und Förderer). Begleitet wird sie von einem Bus des evangelikalen Missionswerks "Campus für Christus" mit der Aufschrift "Und wenn es ihn doch gibt..." idea-Reporter Karsten Huhn war beim Start in Berlin dabei.

Zwölf Uhr mittags vor dem Roten Rathaus in Berlin. Zwei Männer stehen sich gegenüber. Der eine ist Carsten Frerk, Chefredakteur des Humanistischen Pressedienstes und nach eigener Aussage "Gottvater" der atheistischen Buskampagne. Der andere ist Andreas Bartels, Projektleiter des christlichen Missionswerkes "Campus für Christus". Zu beobachten ist ein erster Gesprächsversuch.

Bartels: "Wir haben ja viel gemeinsam."

Frerk: "Um die Fronten gleich mal abzuklären: Ihre Kampagne ist eine feindliche Übernahme. Sie klauen alles von unserer Seite. Ich sehe keine Gemeinsamkeiten zwischen uns." [Ganz klar: Ohne Religion wäre die Welt friedlicher]

Bartels: "Wir haben viel gemeinsam: Ein offener Atheist wird eher angefeindet. Das ist bei einem bekennenden Christen auch eher der Fall als bei jemandem, der lau ist."

Frerk: "Bekennende Christen werden als ein bisschen blöd angesehen – wie kann man nur direkt an die Bibel glauben [Weiß nicht, ich hab's mal indirekt versucht, aber das AI-Interface war irgendwie noch nicht ganz ausgereift]? Wir Atheisten gelten eher als grimmig oder böse [:-D]. Wir haben sogar überlegt, den Slogan zu nehmen: 'Mama, hol die Wäsche rein, die Atheisten kommen.' [Weiß jemand, wie mah ein "Gähn"-Emoticon macht?]. Wir denken übrigens darüber nach, ob sie nur in einem Abstand von drei Kilometern hinter uns herfahren dürfen." [Ähh, okay, tut das. Und laßt mich nach der Fahrt wissen, was ihr entschieden habt :-D]

Bartels: "Wenn Sie solche Schritte erwägen – tun sie’s."

Frerk: "Wir gucken uns jetzt mal an, wie Sie sich verhalten. Wir fahren keinen Kuschelkurs. Ich muss nicht alle Menschen lieben [In der Tat. Denn Du bist kein Christ. Die müssen nämlich alle Menschen lieben. Zwar tun sie's nicht immer, aber wenigstens haben sie ein Wort, an welchem sie sich immer wieder messen müssen und welches auf ewig bestand hat (Sprich: Welches nicht sekündlich umdefiniert wird, wie bei denen, wo der Mensch Gott ist)]."

Jetzt aber schnell in den Atheistenbus! An Bord sind drei Dutzend Sympathisanten [Dann doch so viele...], zwei Kamerateams vom ZDF und RTL, drei Fotografen und ein paar Schreiber. Platz wäre für 93 Personen. Ohne die Journalisten wäre der Bus ziemlich leer. Es ist ein Doppeldecker, wie ihn die Berliner Verkehrsbetriebe verwenden, Baujahr 1991, 204 PS. Er ist 11,53 Meter lang und mit einem Cabriodach ausgestattet.

Zugelassene Höchstgeschwindigkeit: 70 Stundenkilometer. Reiseführer der "kostenlosen atheistischen Stadtrundfahrt" ist Michael Schmidt, Politologe, Jugendbildungsreferent und antifaschistischer Stadtführer. Er beginnt mit Franz Naunyn, Berliner Oberbürgermeister von 1848 bis 1850, Märzrevolutionär und Mitglied einer freireligiösen Gemeinde. Aha!

Doch schon stockt der Bus: 5.000 Tamilen demonstrieren heute vor dem Rathaus gegen die Politik in ihrer Heimat Sri Lanka. "Man könnte sarkastisch sagen: Gott ist kein Atheist und hat uns die Tamilen auf den Hals gehetzt, damit wir unsere Route nicht fahren können", sagt Reiseführer Schmidt. "Aber da wir nicht daran glauben, gehen wir davon aus, dass das ein dummer Zufall ist." [Ja, wie dann ja überhaupt alles ein dummer Zufall ist (was die Kategorisierung des Phänomens 'Atheistenbus' natürlich noch einfacher macht)]. Die Tamilen versperren die Straße, außerdem ist die Stadt grün-weiß, weil Werder Bremen im Pokalfinale steht. Der Bus schaukelt langsam voran.

Aufklärung, Freidenkertum und Humanismus sind die Grundlagen der säkularen Bewegung, erklärt Schmidt. Der Mensch steht im Mittelpunkt und kann sein Leben auch ohne Gott gestalten [Ein Recht, welches sich jeder dumme Zufall gerne herausnehmen darf. Und wenn's dann doch in die Hose geht (siehe gottlose Regime), dann findet sich schon irgendwo ein Sündenbock oder wenigstens eine Exkulpationsmaschinerie nach dem Motto "Das hat mit Atheismus ü-ber-haupt-nix zu tun"]. Der Bus steht im Stau und schafft etwa 100 Meter in der Minute. "Das ist totaler Mist", schimpft Schmidt. Er müsse einige Punkte von der Reiseroute streichen.

Drei Wochen soll der Bus unterwegs sein. Von Berlin geht es nach Rostock, Schwerin und Hamburg, weiter ins Münsterland, in den Ruhrpott, ins pietistische Württemberg und ins katholische Bayern, schließlich wieder nach Berlin. 50.000 Euro soll der "Heidenspaß" kosten, 42.000 Euro sind an Spenden schon eingegangen.

Es ist kurz nach halb eins. Der Bus befindet sich immer noch am Alexanderplatz. "Ich bin in der Zwickmühle", klagt Schmidt. "Stadtrundfahrt heißt ja, dass man das Medium ernst nimmt und wirklich da war. Sonst hätte man das ja auch im Park machen können." Schmidt referiert die Theodizeefrage: "Warum lässt Gott das zu?". Dann jammert er wieder: "So schöne Pläne und dann kommt die Realität. Leider haben wir keinen Hubschrauber." Der Bus schiebt sich langsam am Alexanderplatz vorbei.

Am Rosa-Luxemburg-Platz spricht Schmidt über die atheistische Jugendweihe, den Lebenskundeunterricht und den Internationalen Freidenkerbund. Und er erwähnt, dass die Schrift "Kirche und Sozialismus" der Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands Rosa Luxemburg (1871-1919) in der DDR nie erscheinen durfte. Der Bus hält kurz an einem roten Klinkerbau in der Danziger Straße. In dem ehemaligen Schulgebäude haben heute die "Jungen Humanisten" [Die "Ju-Hus"] ihren Sitz. Schmidt erzählt von den ersten weltlichen Schulen und vom Moral- statt Religionsunterricht in der Weimarer Republik. Ethik oder Religion? Die Diskussion gab es also schon vor 80 Jahren.

Und die Berliner? Die nehmen den Bus und seine Botschaft kaum wahr. Die Hauptstädter sitzen im Biergarten, lümmeln sich auf einer Wiese oder bummeln über Flohmärkte. Ein echter Atheist braucht keinen Atheistenbus.

Nächster Halt: Friedhof Pappelallee. Alle steigen aus. Am Ausgang des Friedhofs steht: "Schafft hier das Leben gut und schön, kein Jenseits ist, kein Aufersteh'n." Angelegt wurde der Friedhof 1848 von Berlins freireligiöser Gemeinde. Die Gemeinschaft verzichtet auf Wunder und Bekenntnisse. Ihr Programm waren Menschenrechte, Toleranz und Humanismus. Einst hatte die Gemeinde 4.200 Mitglieder. Irgendwann gab es eine Abspaltung. Und heute? Da passiert nicht mehr viel. Man betreibt Traditionspflege, es gibt Schautafeln und Broschüren – und etwa 40 Aktive. Schmidt erklärt noch das Grab einer Frauenrechtlerin und eines Sozialdemokraten, dann geht es zurück zum Bus. "Das war ja fast so langweilig wie in der Kirche", sagt ein Mitreisender, der der Giordano-Bruno-Stiftung angehört. [Nein, das war so langweilig wie auf einer Atheistenbus-Rundfahrt].

Das spürt auch Philipp Möller, der Pressesprecher des Atheistenbusses. Möller, 28, Grundschullehrer, Sohn eines katholischen Kirchenmusikers, ist eine Stimmungskanone. "Willkommen in unserem wunderschönen Atheistenbus", begrüßt er die Reisegruppe. Möller erzählt die Geschichte der Buskampagne. In allen Städten Deutschlands wurde die Werbung abgelehnt, also musste ein eigener Bus her.

Gott ist für Möller ein unsichtbarer Babysitter, Evangelikale sind durchgeknallte Christen, und das Leben nach dem Tod ist ein Produkt, das von den Kirchen vermarktet wird. "Mit Seide stopft man keinen groben Sack", [Richtig. Mit Seide kleidet man katholische Bischöfe ein] sagt Möller. "Deshalb braucht es Leute wie Richard Dawkins, die messerscharf argumentieren." [Time out: Ich glaube sofort, unbesehen und ohne Zweifel, daß ein Möller einen Dawkins für messerscharf hält. Man sollte aber hier nicht einen kompetenten Naturwissenschaftler zu einem irgendwie ansatzweise befähigten Atheismus-Denker hochstilisieren. Dawkins hat das große Problem, daß er seine Kategorien nicht verlassen kann. Er argumentiert von seinem Piedestal aus und bezieht Dinge in die Argumentation ein, die er nur von dieser Position aus kennengelernt hat. Er hat sicherlich bedeutend seltener, wenn überhaupt, jemals diesen Zweifel verspürt, der an gläubigen Menschen nagt, sie dazu bewegt, sich ernsthaft mit der Frage "Was wäre wenn..." auseinanderzusetzen, um dann zu erkennen, daß "Wenn" nicht existiert und daß man getrost auf Gott vertrauen darf. Dawkins weiß unterhaltsam zu polemisieren und halbwegs interessante Gedankenspiele zu präsentieren. Aber er hat metaphysisch kaum etwas zu bieten und kreist daher in der Regel um sich selbst. Messerscharf? Vielleicht in seinem Metier]. Der englische Evolutionsbiologe und Bestsellerautor ("Der Gotteswahn") steht hinter der Ursprungsidee der atheistischen Buskampagnen in Großbritannien.

Möller sehnt sich nach einem religionsfreien Leben. [Hey, Schätzchen! Das kannst du gerne haben und das scheinst du ja auch schon zu haben. Das respektiere ich gerne, wenn du irgendwann lernst und respektierst, daß es Menschen gibt, die sich nach einem atheistenbusfreien Leben sehnen. 'Aber ich muß ständig mit den Auswirkungen und Folgen der Religion leben, während die Christen nie wirkich mit Atheismus konfrontiert werden. Da ist der Bus nur gut und recht!' Pustekuchen. Du lebst mit den Auswirkungen der Religion als kultur-, indentitäts- und sinnstifendem Phänomen: Das Glockengeläut, das dich nervt; die Fronleichnamsprozession, die dir eine Straße versperrt; das Wort zum Sonntag, welches die nachfolgenden Sendungen um unerträgliche zehn Minuten nach hinten drängt; die Steuergelder, die nicht nur für Kirchenbauten und Pfaffengehälter, sondern auch für skandalöse Pompösitäten wie einen Papstbesuch verschleudert werden: All diese Dinge sind logische Folgen einer Konstellation, in der Menschen sich über positive Indikationen zu einem gemeinsamen Gut bekennen, einem Gut, dessen positive Auswirkungen auch den Spitzen einer Demokratie noch wertvoll genug erscheinen, um Kohle reinzustecken. Ihr Atheisten nervt mit eurem Dagegensein andererseits nur rum und langweilt, wie alle Menschen, die sich nur über das definieren, was sie nicht wollen. Aber das muß wohl so sein. Lautete der Slogan: "Ich bin für ein atheistisches Leben", dann könntet ihr euch dieses Leben ja selbst einrichten und damit zufrieden sein. Aber dann fiele der schöne medienwirksame Aspekt weg, der Öffentlichkeit garantiert und somit - ohne Gott muß man seinem Ego schon etwas mehr bieten - die Wichtigkeit]. "Ich stelle mich ja auch nicht in meine Klasse und sage eins plus eins ist drei – das steht so in meinem 2.000 Jahre alten Mathebuch." [Ja, Dawkins wirkt momentan in der Tat messerscharf. Daß eins und eins zwei sind liegt daran, daß, wenn man eine Menge X einer zweiten Menge X hinzufügt, sich die Zahl der in der Menge enthaltenen Objekte verdoppelt. Daß ist eine Tatsache, die schwer debattierbar ist. Wenn Gott sich dem Menschen offenbart, dann läßt er ihm zugleich die Freiheit, dieser Offenbarung und der mit ihr angebotenen Gnade entsprechend zu handeln. Zwei verschiedene Paar Schuhe. Daher sage ich auch nicht, daß Atheisten 'als ein bißchen blöd' angesehen werden, sondern denke eher, daß sie in der Regel halt noch einige Jährchen vor sich haben, in denen noch viel passieren kann]. Wer weiter glauben möchte, kann das selbstverständlich gerne tun – an das fliegende Spaghettimonster, an Kobolde, an was auch immer.

Wer glaubt, soll aber drei Regeln einhalten: [1] Glauben ist keine Wahrheit [Die nächste Lachnummer. Was ist denn dann Atheismus, wenn Atheismus sich gegen Objekt und Motiv des Glaubens richtet?]. [2] Und er darf nicht an Kinder weiter verkauft werden. [3] Übt Euch schleunigst in Toleranz! [4] Religion ist Privatsache. Sie muss privat finanziert und vom Staat getrennt sein. Wenn diese drei [?] einfachen Regeln ['Übt euch schleunigst in Toleranz' ist eine Regel?] eingehalten würden, gäbe es auch keine Buskampagne. Die Mitfahrer klatschen Beifall. Mittlerweile ist die Reisegesellschaft im Wedding angekommen. Zu besichtigen ist nun ein Krematorium, Berlins erste Leichenverbrennungsanstalt. Sie wurde 1912 auf Initiative der freireligiösen Gemeinde eröffnet.

Vor dem Krematorium kommt es zu einem kurzen Scharmützel zwischen Möller und einem Christen, der bis dahin inkognito an der Busfahrt teilgenommen hat. Die Diskussion wird schnell hitzig; es geht um nicht weniger als um die Gottesfrage. Es fällt schwer, den Überblick zu behalten. Schließlich sagt Möller: "Auf diese Diskussion will ich mich nicht mehr einlassen." Alles marschiert zurück zum Bus. Möller zündet sich eine Zigarette an.

Sein Kampfgeist ist jetzt geweckt. Auf dem Weg zum Bus schleudert er eine Sentenz nach der anderen heraus: - Hätte die Kirche die Wissenschaft weiter so unterdrückt, würden wir heute alle mit 15 an Schnupfen sterben, weil wir nicht geimpft sind [Die Kirche hat die Wissenschaft nicht unterdrückt, sondern ihr nur Einhalt geboten, wo wissenschaftstheoretische Prozesse nicht eingehalten wurden oder wo eine Antwort direkt dem Glauben widersprach. 'Ja, aber man kann doch nicht einfach Menschen verurteilen oder gar töten, nur weil sie einem widersprechen!' Ja, das haben die Priester und Mönche und Nonnen während der Französischen Revolution, im Spanischen Bürgerkrieg und im kommunistischen Rußland wohl auch gedacht. Diese allerdings starben 200 bis 350 Jahre nach Bruno und somit in einer Zeit, in der die selbsternannten Förderer der Menschenrechte, der Demokratie und der Toleranz es doch eigentlich hätten besser wissen müssen]. - Theologie ist die Lehre von Gott, also die einzige Wissenschaft ohne Gegenstand [Nun ja, selbst wenn es eine Wissenschaft ohne Gegenstand wäre, so brächte sie doch immerhin noch größere Denker hervor, als diese Salon-Atheisten jemals sein werden]. - Wenn die Leute die Bibel wirklich lesen würden, gäbe es fast nur noch Ungläubige [Wenn die Leute diese Statements lesen, gibt's bald gar keine Ungläubigen mehr]. - Vielleicht sollten wir mehr Bibeln verteilen [Aber hallo!]. - Religion bringt den Menschen Frieden. Wer das nicht glaubt, wird gemobbt. [Oooccchhhh! Die armen, gemobbten Atheisten! Marginalisiert, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, weggeschlossen und wie Aussätzige behandelt! Naja, wahrscheinlich braucht es auch hier den Glauben. Von Märtyrern höre ich jedenfalls in der Regel immer erst nachdem sie verhaftet, weggesperrt, gefoltert und getötet wurden].

Die Kirchen haben zu viel Einfluss, beklagt Möller. Gehälter und Aktivitäten werden zum Großteil vom Staat bezahlt. Die Kirchen liegen auf den Taschen aller, zugunsten der wenigen, die sie noch besuchen [Es profitieren bedeutend mehr Leute davon, als nur die Messbesucher]. Reiseführer Schmidt kommt noch mal zu Wort. Er zitiert Karl Marx' "Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie". Die Arbeiterbewegung habe nun nicht mehr in der Kirche sondern im Sozialismus ihr Heil gesucht. Aber da hört kaum noch einer zu.

Der Bus fährt nun Richtung Bertolt-Brecht-Haus. Der Dichter wird als Prophet einer atheistischen Welt angekündigt.

Das ist also alles, was der Atheismus zu bieten hat: Einen Friedhof, ein Krematorium und das Brecht-Haus. Es ist halb vier, der Bus nähert sich wieder dem Ausgangspunkt am Roten Rathaus.

Möller weist auf den Bus der Konkurrenz hin. "Und wenn es Gott doch gibt...", steht darauf. "Wenn es Gott doch gibt, dann haben wir alle am Lebensende ein ziemlich großes Problem", sagt Möller [Das habt ihr jetzt schon]. "Aber vielleicht will Gott ja auch, dass wir nicht an ihn glauben." [Klar. Wer sich mit der Materie nicht beschäftigt, der wird auch keine Probleme damit haben, Gott als ein Wesen zu betrachten, welches nicht will, daß man an ihn glaubt].


Abschließend möchte ich Euch noch ein Photo zeigen, welches ich heute zufällig auf flickr gefunden habe:


Diese drei spaßigen Herren sind am Angelicum unterrichtende Dominikaner. Zwei Schweizer, ein Deutscher. Ich habe bei ihnen Metaphysische Theologie, Religionsphilosophie, Ontologie, Epistemologie, Geschichte der Philosophie im Mittelalter und zeitgenössische Philosophie studiert. Sie zeichnen sich nicht nur durch einen tiefen und unprätentiösen Glauben aus sondern auch und vor allem dadurch, daß sie alle drei höchst gebildet und intelligent und grenzwertig genial sind. Zudem besitzen sie Sinn für Humor und ausgesprochen angenehme Charakter. Man könnte jeden von ihnen morgens um drei Uhr wecken und unvorbereitet zu einer Diskussion mit Dawkins schicken, und sie würden ihm im Halbschlaf die Socken ausziehen ohne ihm die Schuhe zu öffnen. Denn sie haben nicht den theologischen oder religiösen Tunnelblick sondern sind auch in den Wissenschaften gut unterrichtet und grundsätzlich offen und neugierig. Diese Männer sind drei lebende Gründe, warum meine Liebe zu Gott und zur Kirche während meines Studiums noch einmal einen kleinen Schub erhielt.

Friday, May 01, 2009

Das heutige "Google Quotes"-Gadget

    "Frag einen tiefreligiösen Christen ob er lieber neben einem Moslem wohnen würde, der vielleicht oder vielleicht auch nicht grade einen Terroranschlag plant oder neben einem Atheisten, der ihm vielleicht oder vielleicht auch nicht zeigt, wie er zu Hause sein kabelloses Netzwerk anlegen kann. Auf der Vorurteils-Skala sehen Atheisten in letzter Zeit gar nicht so übel aus."

    Scott Adams

Diese sich durch die Hintertüre der eingepeitschten Political Correctness einschleichende Doppeltäuschung ist nicht unelegant. Daher ein wenig Licht ins Dunkel:

Ein Moslem, der einen Terroranschlag plant, ist leider in Europa mittlerweile bittere Realität. Ebenso ist die Existenz eines Atheisten, der einem Christen das Netzwerk installiert, denkbar. Allerdings: Der Moslem, wenn er an einer Bombe bastelt, welche vorzugsweise z.B. inmitten einer Schar U-Bahn fahrender "Kreuzritter" hochgehen soll, handelt als Moslem (wenn auch als fehlgeleiteter). Der Atheist, wenn er dem Christen hilft, handelt als hilfsbereiter Mensch.

Natürlich ist nicht jeder Moslem ein Terrorist. Aber jeder Moslem, der einen Terroranschlag plant und ausführt, tut dies, weil er Moslem ist.

Natürlich ist nicht jeder Atheist ein hilfsbereiter Techno-Freak. Aber kein Atheist, der einem Nachbarn bei der Installtion eines drahtlosen Netzweks behilflich ist, tut dies, weil er Atheist ist.

Sunday, January 11, 2009

Perfektes Timing!


Leserin Rafaela hat einen Link zu diesem Bild geschickt, welches eine schöne Antwort auf den "Atheisten-Bus" ist. Ich hatte auch schon überlegt, was man denn so als Gegen-Bus auf die Reise schicken könnte. Schade, daß es sich bei dem Photo nur um eine Montage handelt. Vielleicht sollten die Bischofskonferenzen mal in die Taschen greifen...

Saturday, January 10, 2009

Deppen

"Probablemente Dios no existe. Deja de preocuparte y goza de la vida." ("Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Hör auf, Dich zu sorgen und genieße das Leben.")

Nachdem diese von Atheisten gesponsorte Bus-Werbung bereits in Großbritannien für Aufregung gesorgt hat, wird sie nun auch in den Großstädten des einst katholischen Spanien bald einige öffentliche Verkehrsmittel zieren.

An dem Spruch ist so vieles falsch. "Wahrscheinlich gibt es keinen Gott"? Klar, wenn es wahrscheinlich ist, dann glaube ich es doch sofort! "Hör auf, Dich zu sorgen..."? Denn der Glaube an Gott ist stets Sorge. Daher bin ich zusammen mit meinen Mitbrüdern und all den Studenten am Angelicum ja auch immer so traurig und verzweifelt. "... und genieße das Leben."? Weil mein Leben, bevor ich erkannte, wer Gott ist und was er bewirkt, wirklich ein reiner Genuß war, und weil jetzt, wo ich an Gott glaube, irgendwie alles so farblos, freudlos und leer ist.

Wer auf diesen Rattenfängermüll reinfällt, ist wirklich selber Schuld (und verdient daher umso mehr unsere Gebete).

Thursday, January 08, 2009

Die lustigen Religionen

Irgendwo zwischen Pasolinis hysterisch-verzweifelter Gesäß-, Geschlechtsteil- und Kopulationsfixiertheit und Charlotte Roches sekreteschmatzender Seelenschau haben sich die olympischen Spiele des fleischlichen Tabubruchs in einen simplen Wettlauf um Schlagzeilen und Umsatzzahlen verwandelt. Und spätestens seit den Filmen der Saw- und Hostel-Reihen, welche der in der realen Welt verachteten Folter quasi-pornographischen Status verliehen, ist auch auf dem Blut-, Gewalt- und Eingeweide-Sektor nur noch die krassere Form gefragt und nicht mehr der Inhalt, der nachdenklich stimmt, sich konsumkritisch zeigt oder wenigstens die Gemetzel ins Lächerliche zieht.

Bill Maher könnte mit seinem Film "Religulous" (= religion + ridiculous) nun neue Standards für schleimig-herablassenden Elitär-Atheismus setzen, dem in Zukunft dann (abhängig von den Besucherzahlen) weitere artgleiche Werke folgen. "Religulous" ist eine "Dokumentation", die mit der Technik der "Sabotage-Interviews" arbeitet: Mahers Name wird den Interviewpartnern nicht bekanntgegeben, und die Interviews werden angeblich für eine Dokumentation mit dem Titel "A Spiritual Journey" aufgenommen. Maher zieht also los und holt sich diverse fromme Wundertüten vor die Kamera, vor allem evangelische US-Christen. Aber auch die Mormonen, der Vatikan, das Judentum und (hört, hört) die Moslems kriegen ihr Fett ab. Das Ganze ist als Comedy angelegt, mit witzigen Voiceovers, entsprechender Musik und schneller Schnittechnik. Da "Borat"-Macher Larry Charles Regie führt, kommt der Film auch optisch nett daher und verführt an nicht wenigen Stellen in der Tat zum Schmunzeln.

Der Film hat aber einige Probleme. Da ist erst einmal seine Unehrlichkeit. In den Interviews wird Interesse geheuchelt, doch Maher walzt dann später herablassend und arrogant über die Statements seiner Gesprächspartner hinweg und wirkt dabei (vor allem im plötzlich todernsten "Religion muß sterben, damit die Menschheit leben kann"-Finale) nicht weniger dogmatisch predigerhaft als die Leute, gegen die er angehen will, was schon die zweite Schwäche des Streifens ausmacht. Hinzu kommen das vollkommene Ignorieren aller positiven Effekte der Religionen (vor allem des Christentums (vor allem des Katholizismus)) und die schon bekannte illegitime Argumentation, die auf einem Mißverständnis des Gottesbegriffes beruht. Beispiel: Maher fragt einen christlichen Opi, ob er an den Weihnachtsmann glaubt. Natürlich nicht. Ist ja auch klar, meint Maher, denn wie kann ein einziger Mann im Laufe nur eines Tages Millionen von Geschenken durch Millionen von Schornsteinen liefern. Findet der Opi auch. Selbstverständlich ist es bei einem Mann, der gleichzeitig das Gebets-Gemurmel von einer Milliarde Menschen hört, ganz anders, wirft Maher darauf ein. Wer Gott so denkt, der ist natürlich aus der Atheisten-Ecke auch nur schwer wieder herauszukriegen. Aber er sollte nicht meinen, er liefere mehr als Appelle an niedere Instinkte. Leider muß es auch nicht mehr sein, denn - zurück zu Porno und Gewalt - mehr scheint nicht gewollt.

Thursday, December 18, 2008



Diese Karikaturen von einer atheistischen Webpage lungern schon seit längerem auf meiner Festplatte herum. Jetzt, wo Weihnachten sich nähert, scheint es mit opportun, zwei bis drei Worte dazu loszuwerden.

Die Message ist klar: Wer an Christus glaubt ist doof, unvernünftig, unlogisch etc.

Fern sei es mir, mit einer getippten Karikatur in gleicher WWährung zurückzuzahlen und somit unter dem Deckmantel der künstlerischen Verpflichtung zum Übertreiben und Verzerren eine Art legitimierter Polemik zu betreiben.

Die Frage, die sich zumindest mir stellt, ist nicht, ob Atheisten blöde sind, sondern ob es in Ordnnung ist, gläubigen Christen, allen voran den Priestern, dieses Etikett anzuheften.

Kurze Antwort: Nein

Längere Erklärung:
1.) Wer den Glauben an Christus nur als eine Art "Krücke" verwendet (solche Leute soll es geben), die ihm dabei behilflich ist, auf zwei Beinen zu stehen, der unterscheidet sich meinem Empfinden nach nicht von einem Atheisten, der seinen Nicht-Glauben als Krücke benutzt, um die auf ihm lastende Verantwortung gegenüber Gott und die damit einhergehende Verpflichtung gegenüber der Kirche tragen zu können (solche Leute soll es auch geben).
2.) Wer an Christus glaubt, ohne sich ständig auf die ganz großen Grübeleien einzulassen und ohne auf Fragen wie "Wenn Gott allmächtig ist, wieso...?" oder "Wenn Gott gut ist, warum...?" eine Antwort zu wissen, der ist ja nicht notwendigerweise dümmer als jemand, der nicht an Christus glaubt und ebenfalls nicht viel grübelt und nur auf wenige Fragen eine Antwort weiß.
3.) Wer an Christus glaubt und der Meinung ist, sein Glaube verbiete ihm das Denken oder das kritische Hinterfragen, der hat immer noch eine gute Chance, im Paradies zu landen, kann aber - wenn's schief läuft - natürlich auch von fiesen Möppen zu allelei Schindluder angestiftet werden. Wer nicht an Christus glaubt und der Meinung ist, seine Peer-Group oder das TV-Gerät verbieten ihm das Denken oder das kritische Hinterfragen, der kann auf jeden Fall ebenso zu Schindluder angestiftet werden.
4.) Wer an Christus glaubt und sich Gedanken darüber macht, inwieweit dieser Glaube sich auf eine Art rechtfertigen läßt, die auch Menschen ohne Glauben gegenüber haltbar und von ihnen nachvollziehbar ist, der ist im Zweifelsfall mindestens ebenso klug oder gebildet wie ein Atheist, schlägt er sich doch mit dersselben Problematik herum, nur unter anderem Vorzeichen. Vielleicht ist er sogar klüger, denn es ist häufig einfacher, mit negativem Vorzeichen zu agieren und zu sagen "Gottes Existenz und X schließen einander aus", als zu demonstrieren, daß Gottes Existenz und X sich zusammenfügen lassen.

Also: Irgendwie sehe ich das nicht, daß Christen dümmer sind.

Tuesday, August 19, 2008

Schönheit oder Der Atheist und die Lust am Wegmachen

Michael Newdow, Doktor und Anwalt aus den USA, hat vor einigen Jahren endlich einen Weg aus der Anonymität und Belanglosigkeit hinein in die befriedigende Welt der Blitzlichter und Fernsehkameras gefunden: Atheismus! Sein letzter Coup: Er startete eine Petition, deren Ziel es ist, das "In God We Trust" von den Dollarscheinen zu entfernen. Es gibt sogar eine Internet-Abstimmung bei NBC. Dort stand es gestern noch 52:48 gegen Gott. Heute sind wir bei 59:41 für Gott. Aber selbst, wenn das Ergebnis wieder kippen sollte, darf man eines nicht vergessen: Die NBC-Klientel ist in der Regel ultraliberal, voll mit der Zeit gehend und total aufgeklärt, Du. Sprich: Hier stimmen nicht nur Atheisten für ihre Causa, sondern auch moderne Christen, die glauben, der Aufdruck auf den Geldnoten widerspräche der Trennung von Kirche und Staat.

Wäre ich ein US-Standup-Comedian, setzte ich mein Programm jetzt ungefähr so fort:
    "And... Atheists!"

    [Schmunzeln]

    "You've heard of atheists, right?"

    [Gekicher]

    "Boy, what's up with them?"

    [Gegacker]

    "I mean..."

    [Gebrüll]
Naja, leider hab ich's bei meiner werten Leserschaft nicht ganz so leicht, daher noch einmal eine patentierte Alipius-Breitseite mit offiziellem Torquemada-Gütesiegel auf unsere atheistischen Mitbrüder und Mitschwestern. Thema heute:


Schönheit oder Der Atheist und die Lust am Wegmachen

Bei den Atheisten muß immer irgendetwas wegradiert, fortgekratzt, versteckt, kaputtgemacht oder weggehängt werden. Gottesbezug in Präambeln, Bibeln in Gerichtssälen, Kruzifixe in Klassenräumen, "In God We Trust" auf Banknoten, Kirchliche Feiern auf öffentlichen Plätzen: Wegwegwegwegweg.

Etwas seit Jahrhunderten Bestehendes soll aus dem Weg geräumt werden, weil eine lautstarke Minderheit dieses Bestehende auf Kollisionskurs mit ihrem Programm sieht. Zur Verteidigung heißt es dann oft, daß man schließlich auf ein Utopia hinarbeitet. Gut marxistisch wird argumentiert:
    "Es kann dies natürlich zunächst nur geschehen vermittelst despotischer Eingriffe ..., durch Maßregeln also, die ... unzureichend und unhaltbar erscheinen, die aber im Lauf der Bewegung über sich selbst hinaustreiben und als Mittel zur Umwälzung ... unvermeidlich sind."

    (Manifest der Kommunistischen Partei, II. Proletarier und Kommunisten)
Keine Lust am Aufbau, keine Lust auf Kooperation, keine Lust auf Erhalten, keine Lust auf Toleranz: Das alleine ist natürlich schon verdächtig.


Aber es kommt noch dicker: Warum ist die erhabenste Kunst, die wir im Abendland haben, die Christliche (um nicht zu sagen, die Katholische)? Warum gibt es keine schöneren Gebäude, als romanische Dome, gotische Kathedralen und spätbarocke Wallfahrtskirchen? Warum sind die heiligen Textilien und die Gewänder der Priester so edel und schön? Warum verbreiten die Skulpturen, die Gemälde, die Ornamentik und sogar das Mobiliar der Zeit der Re-Katholisierung Europas einen so unwiderstehlichen Hauch von Lebensbejahung, Feierlichkeit und Optimismus? Warum ist auf allen Heiligenbildern der Mensch als Mensch dargestellt? Sicher, der Katholik als solcher will in der Regel lieber aufbauen als zerstören, sei es als Individuum mit seinen Händen oder sei es als Teil einer Gemeinschaft mit Herz und Seele. Aber es steckt mehr dahinter: Der Katholik liebt sowohl die Vielfalt der Schöpfung als auch die Möglichkeiten der Kunst und des Handwerks. Kurz: Er liebt die Schönheit. Und die Schönheit ist - wie das Gute und das Wahre - von Gott. Nicht nur dies: Die Schönheit ist - wie das Gute und das Wahre - objektiv. Sicher, jeder Mensch hat die Möglichkeit aufgrund eines persönlichen Vorzugs jedes beliebige Ding als schön oder gut oder wahr zu empfinden. Das bedeutet aber nicht, daß es nicht in jedem Ding selbst das Schöne, das Wahre und das Gute gibt. Und dieses Schöne, Wahre und Gute in den von Gott geschöpften Dingen ist mit ihrer Essenz verbunden, mit ihrem So-sein-wie-sie-sind, wenn man so will. Der Mensch ist daher schön, weil er Mensch ist. Und als Mensch ist er geschaffen, ist er ein Kunstwerk. Er ist ein Geschöpf Gottes, welches alleine wegen seines Geschöpfseins schön ist. Was die Akzidenzien betrifft, gibt es natürlich Vorzüge, die in verschiedene Richtungen gehen: Der Eine mag blondes Haar, der Andere schwarzes, der Dritte mag rotes. Der Eine mag blaue Augen, der Andere grüne, der Dritte mag braune. Der Eine mag schmale Nasen, der Andere breite, der Dritte mag gebogene. Der Eine mag zarte Körper, der Andere mag fleischige, der Dritte mag muskulöse. Das alleine beweist, daß nicht eine bestimmte Art von Mensch schön ist, sondern der Mensch als solcher.

1.: Der Mensch als von Gott ex nihilo geschaffen ist schön, wahr und gut. Seine Schönheit, seine Wahrheit und sein Gutsein sind mit seinem Menschsein direkt und intrinsisch verbunden, da Gott nichts schöpfen kann, was nicht schön oder wahr oder gut ist.


Aber ist ein Paar Hosen, ein Stuhl oder ein Gebäude oder irgendein von Menschenhand geschaffenes Ding in seiner Essenz als Hose, Stuhl, Gebäude oder Ding auch sogleich schön? Nicht immer. Dem Menschen fehlt die Perfektion des Schöpfers. Der Mensch muß auf die Essenz des von ihm geschaffenen Gegenstandes achten, um ihm Funktionalität zu verleihen. Er muß auf die Akzidenzien des Gegenstandes achten, um ihn schön zu machen. Schön ist ein filigran gearbeiteter, vergoldeter Armsessel. Schön ist die aus elfenbeinfarbenem Porzellan gefertigte Figur einer Harfe spielenden jungen Dame. Schön ist ein weitläufiger Saal mit spiegelndem Parkett und schimmernden Marmorsäulen. Schön ist ein dunkler, gotischer Kreuzgang mit uralten Epitaphen an den Wänden. Schön sind schwere Vorhänge aus Seidenatlas, die sich bei geöffnetem Fenster leicht im Winde blähen. Schön sind geschliffene Edensteine, in denen sich Kerzenlicht bricht. In unzähligen Geschichten und Gedichten haben über die Jahrtausende hinweg Schreiber all diese Dinge gelobt. Aber: Der eigentlich Poet ist Gott. Wir lesen nur sein Gedicht. Denn alles, was ich soeben beschrieb, geht ja auf Gott zurück. Er hat das eine, große, unvergleichlich schöne Werk geschaffen, aus welchem wir die Grundstoffe für unsere handwerklichen und künstlerischen Aktivitäten beziehen. Wenn wir den Kokon einer Raupe abkochen und dann daraus Seidenfäden gewinnen, dann lesen wir bereits Gottes Gedicht. Die himmelblauen Polsterbezüge, die smaragdgrüne Weste, die scharlachrote Tapete und das senfgelbe Ballkleid, die dann aus der Seide gefertigt werden, sind bereits als unsere unbeholfene Nachahmung des Schöpfungsaktes die hingerissenen Seufzer der Anerkennung von Gottes Werk.

2.: Kunstwerke als vom Menschen aus Gottes Schöpfung fabriziert, sind wahr, weil sie real sind. Sie sind gut, weil sie quasi-schöpferisch sind. Sie sind schön, wenn der Mensch in seinem Schaffen sich seines Geschöpfseins bewußt ist und in kindlicher Naivität den Vater zu imitieren versucht.


Die Schönheit von Gottes Schöpfung ist uns Beweis seiner Existenz und eine stete Erinnerung an unser Ziel. In ihr erkennen wir einen Abglanz des Paradieses, des einzig wirklichen Utopias, des Himmelreiches. Die Schönheit der von unseren Händen geschaffenen Werke ist die Bestätigung, daß wir einst wirklich Anteil an Gott haben können. In ihr erkennen wir den festen Glauben, die beständige Hoffnung und die übergreifende Liebe des gefallenen aber nicht liegen gebliebenen Menschengeschlechts.

3.: Schöne Dinge zu schaffen bedeutet zu beten.


Schönheit in einer atheistischen Gesellschaft? Ein Phänomen so wahrscheinlich wie Spitzenfußball in Düsseldorf. Ein Konzept so beruhigend wie die Begegnung mit einer fünffachen Bärenmutter samt Anhang irgendwo in einem weiten, stillen Wald.

Friday, October 26, 2007

Das haut ja irgendwie nicht hin

Piergiorgio Odifreddi ist nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Autor. Als Wissenschaftler ist er Mathematiker und Logiker. Als Autor hat er jüngst ein Buch veröffentlicht, wleches den Titel trägt "Warum wir nicht Christen sein können (und noch weniger Katholiken)".

Ja was denn nun? Ist der Mann Logiker, oder hält er die Meinung aufrecht, daß man eine Sache weniger als nicht sein kann?

Naja, wahrscheinlich ist ihm da die Publicity-Gier in die Quere gekommen. Schließlich muß man fix entscheiden und darf nicht allzu lange nachdenken, wenn es darum geht, sich in den Atheisten-Markt einzukaufen, solange die Aktien noch steigen. Mich amüsiert diese Panik irgendwie.


Interessant ist auch das Cover von Richard Dawkins "Der Gotteswahn", welches jetzt also endlich auch von deutschsprachigen Nachdenkern dekonstruiert werden kann. Da gibt es auf dem Titel gleich ein Zitat:
    "Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, daß wir die Welt nicht verstehen."
Vergessen wir mal den zweiten Teil, der ja ohnehin nicht stimmt. Interessant ist Folgendes: Ein Grund, warum atheistische Wissenschaftler Gott ablehnen, ist die Tatsache, daß man nicht beweisen kann, daß Gott NICHT existiert. Das gilt als wissenschaftlich unseriös. Somit ist Gott aus dem Rennen. Somit darf man als Wissenschaftler aber als erste Prämisse auch nicht wählen "Es gibt keinen Gott". Schließlich läßt sich seine Nicht-Existenz ja nicht beweisen. Also muß man von den Effekten auf die Ursache schließen. Ein Effekt wäre der Glaube bzw. die Religion. Da wird munter im Namen Gottes herumgemetzelt und außerdem glauben die ja an so Zeug wie Jungfrauengeburt und Transsubstantiation. Und die Pfaffen besitzen die Kühnheit, uns auf ein besseres Leben nach dem Tod zu vertrösten, damit wir hier auf Erden bloß nicht zu viele unbequeme Fragen stellen. Also sind wir Gegner der Religion. Also gibt es keinen Gott. Merkt Ihr was? "Ich bin ein Gegner des Schmerzes, also gibt es keinen Körper" könnte man analog sagen. Oder - ganz mutig: "Menschen tun im Namen Gottes Gutes. Also gibt es einen Gott". Hier müßte man dann allerdings die Größe besitzen, das Gute und nicht das Böse den Ausschlag geben zu lassen.

Dawkins kommt mit vielen netten Anekdoten daher. So verschlechterte sich z. B. in einem Test nur der Gesundheitszustand von Krankenhausinsassen, denen man sagte, daß man für sie bete. Den Anderen ging es viel schneller viel besser. Klar, wenn ich im Krankenbett liege und mir jemand sagt, daß er für mich betet, dann werde ich wahrscheinlich auch ein wenig zappelig, was sich nicht notwendigerweise positiv auf meine Genesung auswirken muß. Schönen dank für die Menschenversuche übrigens.

Russell's Teekanne wird auch bemüht. Dies ist eine ungeschickte Parabel, aber auch ein Hinweis darauf, woran es im Disput mangelt: Die Kirche hat sich nie wirklich prinzipiell gegen die Wissenschaft gesträubt. Schließlich wurden - mit der Ausnahme von Bologna - die ersten wissenschaftlichen Fakultäten in Europa an kirchlichen Lehrinstituten eröffnet. Galileo hat nicht deswegen Probleme bekommen, weil er die Gedanken des Kopernikus (der übrigens Domherr war und dessen heliozentrisches System bei vielen Prälaten auf großes Interesse gestoßen ist) aufgegriffen und verbreitet hat, sondern weil er sich - entgegen einer Absprache mit der Kirche - dazu entschloß dieses Weltbild als das Neue, das Richtige, das Einzige anzupreisen, bevor es bewiesen werden konnte. Die Kirche konnte und wollte der Wissenschaft nie die Existenz absprechen. Wenn es in den Ring ging, dann nur, um bestimmten Auswüchsen vorzubeugen oder entgegenzusteuern. Die Atheisten haben es da leichter. Sie tun so, als existiere Gott nicht und können deswegen auch ganz anders operieren, weil sie einfach einen Teil der Realität ausblenden. Stellt Euch folgende Situation vor: Zwei Fußballfelder. Auf dem Einen spielt sich ein Team von Theologen, Seminaristen, Dorfpfarrern und Kardinälen warm. Auf dem Anderen steht Richard Dawkins und schießt ununterbrochen die Kugel in ein leeres Tor. Dann ruft er zum anderen Feld hinüber: "Ey, Ihr Flaschen! Macht mal die Socken scharf! Es steht 32 zu Null für mich!"

Russel's Teekanne besagt Folgendes: Sollte ich behaupten, daß irgendwo zwischen Mars und Erde eine Teekanne um die Sonne rotiert, die so klein ist, daß sie selbst von unseren besten Mikroskopen nicht wahrgenommen werden kann, so könnte niemand meine Behauptung widerlegen. Sollte ich aber hinzufügen, daß das Bezweifeln meiner unwiderlegbaren Behauptung eine unerträgliche Anmaßung des menschlichen Verstandes ist, dürfte man mich zurecht des Verzapfens von Unsinn bezichtigen. Sollte aber die Existenz einer solchen Teekanne in alten Büchern bestätigt, sonntäglich von den Kanzeln als heilige Wahrheit verkündet und in den Verstand von Schulkindern eingeflößt werden, so wäre die zögerliche Annahme der Existenz dieser Teekanne ein Zeichen von Ekzentrizität, welches den Zweifler entweder zu einem Platz auf der Psychiater-Couch oder - in früheren Zeiten - einem Interview mit dem Inquisitor berechtigt.

Hübsch. Russel sieht - wie Dawkins - nur das eigene Spielfeld. Er blendet komplett die Realität (oder für ihn wenigstens die Möglichkeit) aus, daß ein Gott keine Teekanne ist, sondern ein Wesen, welches nicht nur in alten Büchern und von Kanzeln verkündet wird, sondern welches auch und vor allem dazu in der Lage ist, sich den Menschen zu offenbaren, wie es ja mehr als einmal geschehen ist.

Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, daß Atheismus nichts weiter ist, als eine Verengung der Vision. Aber eine hübsche Neben-Einnahmequelle: Wenn ein Kardinal sich zur Evolution äußert und dabei ungeschickt vorgeht, lacht die Welt. Wenn ein Wissenschaftler den schriftlichen Nachweis metaphysischer Defizite in polemisch-populistischer Formulierung als Hunderttausender-Auflage auf den Markt schmeißt, dann frißt man ihm aus der Hand.