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Sunday, May 30, 2010

Dreifaltigkeitssonntag


Die Dreifaltigkeitsikone von Andrei Rubljow (1360 - 1430) ist ein Klassiker.

Ich kenne dieses Kunstwerk schon seit 25 Jahren, seit es mir im Kunstunterricht zum ersten Mal begegnete. Schon damals wurde allerdings - streng säkular - das Bild einzig auf seine Komposition hin untersucht, allgemein für cool befunden und schon ging's weiter mit dem nächsten Gemälde.

Was sich in dieser Ikone wirklich tut, das wurde mir erst viel viel später bewußt. Und welche der dargestellten Engelsfiguren nun welche Person der Heiligen Dreifaltigkeit darstelt, das ist bis heute offenbar schwer umstritten.

Daher werde ich hier jetzt auch (erst einmal) keine eigene Interpretation liefern, sondern Euch, liebe Leser, um Eure Deutung bitte. Dabei braucht ihr keine Angst zu haben: So ziemlich alle Kombinationen sind bereits einmal vertreten worden, Ihr wißt also in fast jedem Fall immer ein paar Kunst-Analytiker und Theologen auf Eurer Seite.

Ich werde die eingehenden Interpretationen sammeln und später geballt posten, weil ich das Thema wirklich fesselnd finde und so eine Sammlung von Deutungen vielleicht ganz interessant werden könne. Auf geht's!

Allen Lesern wünsche ich aber auf jeden Fall noch einen schönen Dreifaltigkeitssonntag und somit die Gnade Christi, die Liebe des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes!

Tuesday, February 02, 2010

Zum heutigen Fest...

... eine am römsten-interne Mini-Linkrutsche:

Einmal mit mehr Text.

Einmal mit mehr Bild.

Thursday, November 19, 2009

Der Hymnus der heutigen Vesper

Den find' ich ganz besonders schön...
    O Gott, in deiner großen Macht
    hast du, was aus den Wassern kam,
    teils in die Flut zurückgesandt,
    teils hoch erhoben in die Luft.

    Die Fische tauchtest Du ins Meer,
    die Vögel warfst du hoch ins Blau,
    und was dem gleichen Schoß entsprang,
    ist nun getrennt nach Art und Ort.

    O Herr, wir sind in Jesu Tod
    wie in die Flut hineingetaucht:
    Steh gnädig deinen Dienern bei,
    die Wasser tauft und Blut entsühnt.

    Gib, daß uns Kleinmut nicht erdrückt,
    nicht Hochmut überheblich macht.
    Zerbrich nicht das gebeugte Herz,
    das stolze schütze vor dem Sturz.

    Dies schenk uns Vater voller Macht,
    und du sein Sohn und Ebenbild,
    die ihr in Einheit mit dem Geist
    die Schöpfung zur Vollendung führt. Amen.
UPDATE! Claudia bat um die lateinische Version des Hymnus. Und der Bitte komme ich natürlich gerne nach:
    Magnæ Deus potentiæ,
    Qui fertili natos aqua
    Partim relinquis gurgiti,
    Partim levas in aëra.

    Demersa lymphis imprimens,
    Subvecta cælis erigens:
    Ut stirpe ab una prodita,
    Diversa repleant loca.

    Largire cunctis servulis,
    Quos mundat unda Sanguinis,
    Nescire lapsus criminum,
    Nec ferre mortis tædium.

    Ut culpa nullum deprimat:
    Nullum efferat iactantia:
    Elisa mens ne concidat:
    Elata mens ne corruat.

    Præsta, Pater piisime,
    Patrique compar Unice,
    Cum Spiritu Paraclito,
    Regnans per omne sæculum.

Sunday, May 24, 2009

Christi Himmelfahrt

Nicht am 40. Tag des Osterfestkreises, also an einem Donnerstag, sondern erst am darauffolgenden Sonntag (also heute) wird hier in Italien das Hochfest Christi Himmelfahrt gefeiert. Denn ausgerechnet in Italien ist Himmelfahrt kein gesetzlicher Feiertag.


Dieses Himmelfahrt-Gemälde von Pietro Perugino ist interessant: Erstens zeigt es diese zwar knüffigen aber auch spukigen Puttenköpfe mit Flügeln, die ich irgendwie nie so recht kapiert habe. Zweitens steht der Heilige Paulus nicht mit nach oben, sondern mit zur Seite gerichtetem Blick da, so als wolle er sagen "Nett, daß ich mit aufs Bild durfte, aber zum Zeitpunkt der Himmelfahrt war ich noch Saulus und das alles ging mich eigentlich noch gar nichts an (es sei denn verfolgungstechnisch)".

Monday, April 27, 2009

Psalm 123 (122)

Ich erhebe meine Augen zu dir,
der du hoch im Himmel thronst.

Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn,
wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin,

so schauen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott,
bis er uns gnädig ist.

Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig,
denn übersatt sind wir vom Hohn der Spötter,

übersatt ist unsere Seele von ihrem Spott,
von der Verachtung der Stolzen.



Ist für manche Leute der Glaube heutzutage so schwierig, weil das Konzept "Herr" bzw. "Herrin" so negativ vorbelastet ist. Schließlich sind wir allesamt gute Demokraten und eine Herrschaft - welcher Art auch immer - kommt uns daher nicht in die Bude (Es sei denn, es handelt sich um unsere eigenen, alltäglichen Mini-Herrschaften, über die wir - Deutschen Duodezfürsten des 17./18. Jahrhunderts ähnlich - eifersüchtig wachen). Knechte und Mägde jedenfalls sind wir schon mal gar nicht, also bleib weg mit dem Kram!

Herrschaft ist - wie ich schon einmal an anderer Stelle sagte - immer in Relation zu sehen zu dem, welchem einzig der Titel "Herr" zukommt. Und ER herrscht in Liebe, mit Liebe, durch Liebe. Wie sehr uns weltliche "Herren" auch immer nerven oder gar quälen mögen: Sie pervertieren dadurch in keiner Weise Seine Bedeutung und Rolle als Herr. Sie beweisen lediglich, daß sie diese Bedeutung nur unzureichend - wenn überhaupt - verstanden haben.

Wenn nur ER Herr ist, so sind wir alle Knechte und Mägde. Echte Knechte und Mägde. Keine Möchtegern-Herren, wie all jene, die seit Menschengedenken entweder nett gekrönt regierten und regieren, mit flotten Diäten bedacht leiteten und leiten oder aus schicken Chefsesseln heraus Order gaben und geben, und die dabei in vielen Fällen ihr fiktives Herrsein über ihr reales Knechtsein triumphieren ließen und lassen.

Stolpert nicht in die gleichen Fallen. Verliert nicht die am Ende auf Euch wartende Krone, nur weil ihr jetzt schon herrschen könnt oder weil ihr jetzt noch nicht Knechte und Mägde sein wollt.

Wednesday, March 25, 2009

Verkündigung des Herrn

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
Denn für Gott ist nichts unmöglich.

Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.

Danach verließ sie der Engel.
(Lk 1,26-38)



Zum heutigen Hochfest habe ich mal aus dem schier unerschöpflichen Angebot wunderbarer Motive, welche die Künstler vergangener Jahrhunderte uns hinterlassen haben, eine kleine Auswahl getroffen:


Bernardino Pintoricchio (c. 1454-1513). Dieses Fresco kann man in der Cappella Baglioni der Kirche Santa Maria Maggiore in Spello bewundern. Ich tat dies schon damals im November, als wir einen Tagesausflug nach Spello machten. Man darf aber in der Kirche nicht photographieren, also mußte ich ein wenig online suchen. Man beachte den heranbrausenden Heiligen Geist!


Schön sind die verschiedenen Gabriel-Vorstellungen, welche die Künstler hatten. Aus dem Clare College in Cambridge kommt dieses Bild, das den Erzengel über einer demütigen Maria schwebend zeigt.


Bei Botticelli hingegen kniet Gabriel vor der Mutter Gottes.


Bei Philippe de Champaigne begegnet man sich auf Augenhöhe.


Ein zweiter Philippe de Champaigne, der wegen der barocken Rotwangigkeit und der frohlockenden Nackedeis natürlich mit in diesen Beitrag mußte.


Bei Caravaggio hat die Begegnung zwischen Maria und Gabriel schon beinahe etwas Unheimliches.



Schlicht und flügellos kommt Gabriel auf dieser Illustration aus dem Buch 'Figures de la Bible' von 1728 daher.

Die Gestik ist auf allen Darstellungen prächtig und aussagekräftig. Mir gefällt sie auf diesem Gemälde von Federico Fiori Barocci besonders gut.


Bei dieser Darstellung der Verkündigung von Andrea del Sarto haut mich die Komposition vom Hocker.


Und ein Leonardo darf natürlich in einer solchen Sammlung auch nicht fehlen.

Sunday, March 15, 2009

Alles, was mein ist, ist auch dein

Ich habe eine Online-Version des schönen Rembrandt-Gemäldes gefunden, welches die Heimkehr des verlorenen Sohnes zeigt. Und da diese Geschichte im Evangelium vom gestrigen Tag erzählt wurde und ich heute via olifant einen guten Kommentar der Seite Evangelium Tag für Tag dazu fand, will ich dann doch das Schmuckstück mal zeigen:



Meine eigenen Gedanken zum verlorenen Sohn habe ich vor zwei Jahren bereits einmal veröffentlicht. Wer also Lust auf einen Trip in die Vergangenheit hat...

Tuesday, February 03, 2009

Psalm 138

Ich will dir danken aus ganzem Herzen,
dir vor den Engeln singen und spielen;

ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin
und deinem Namen danken für deine Huld und Treue.

Denn du hast die Worte meines Mundes gehört,
deinen Namen und dein Wort über alles verherrlicht.

Du hast mich gehört an dem Tag als ich rief;
du gabst meiner Seele große Kraft.

Dich sollen preisen, Herr, alle Könige der Welt,
wenn sie die Worte deines Mundes vernehmen.

Sie sollen singen von den Wegen des Herrn;
denn groß ist die Herrlichkeit des Herrn.

Ja, der Herr ist erhaben;
doch er schaut auf die Niedrigen,
und die Stolzen erkennt er von fern.

Gehe ich auch mitten durch große Not:
du erhältst mich am Leben.

Du streckst deine Hand aus gegen meine wütenden Feinde,
und deine Rechte hilft mir.

Der Herr nimmt sich meiner an.
Herr, deine Huld währt ewig.
Laß nicht ab vom Werk deiner Hände!

Tuesday, January 06, 2009

Erscheinung des Herrn

Das Fest der Erscheinung des Herrn wird in der Katholischen Kirche am häufigsten mit der Anbetung der Weisen in Verbindung gebracht. An diesem Tag werden aber auch die Taufe Jesu im Jordan und sein erstes Wunder während der Hochzeit zu Kana betrachtet. Sowohl die Benedictus-Antiphon der Laudes als auch die Magnificat-Antiphon der Zweiten Vesper weisen darauf hin:
    "Heute wurde die Kirche dem himmlischen Bräutigem vermählt: Im Jordan wusch Christus sie rein von ihren SÜnden. Die Weisen eilen m it GEschenken zur königlichen Hochzeit. Wasser wird in Wein gewandelt und erfreut die Gäste. Halleluja" [Benedictus]

    "Drei Wunder heiligen diesen Tag: Heute führte der Stern die Weisen zum Kind in der Krippe. Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit. Heute wurde Christus im Jordan getauft, uns zum Heil. Halleluja." [Magnificat]
Die Melodie der Magnificat-Antiphon ist eine meiner liebsten im ganzen Jahr. Normalerweise bin ich zum Fest auch noch im Stift, so daß ich bei der gesungenen lateinischen Vesper mitträllern kann. Ich war aber irgendwie überzeugt, daß in diesem Jahr die Vorlesungen schon wieder am 5. Jänner beginnen, daher bin ich schon in Rom...

Für Euch gibt's jetzt noch eine schöne "Epiphanie" von Diego Velázquez:

Monday, June 09, 2008

Nerv!

Gerd Lüdemann ist evangelischer Theologe. Gerd Lüdemann bezeichnet sich selbst nicht mehr als Christ, ist aber "aus beruflichen Gründen" ($ € klingel € $) immer noch Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche. Gerd Lüdemann stürmt in diesen Tagen durch diverse Weblogs. Denn Gerd Lüdemann weiß: " Das Grab des Gekreuzigten war nicht leer."

Schön.

Die Argumentation geht ungefähr so: Paulus schrieb 1 Kor circa 55. Das erste Evangelium (Markus, wie die Gelehrten mittlerweile bestimmt haben) stammt ungefähr aus dem Jahr 70. Paulus zitiert in 1 Kor 15:3-8 eine Bekenntnisformel:
    "Vor allem habe ich euch überliefert, was ich selbst empfangen habe. Christus ist der Schrift gemäß für unsere Sünden gestorben. Er wurde begraben und ist der Schrift gemäß am dritten Tage auferstanden. Er ist dem Kephas erschienen, dann den Zwölfen, hierauf fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch am Leben sind. Einige davon sind entschlafen. Sodann ist er Jakobus und darauf sämtlichen Aposteln erschienen. Zu allerletzt ist er auch mir erschienen, der ich doch gleichsam eine Mißgeburt war."
Das Erscheinen Jesu war aber nur eine Vision. Jetzt war für den ersten Evangelisten - 15 Jahre nach Verfassung des Korintherbriefes - guter Rat teuer, als es um die Frage ging, wie Christus denn den Leuten erscheinen konnte.
    "Ach, komm, was soll's. Ich schreib einfach, daß das Grab leer war!"
Ergo: Der Auferstehungsglaube wurzelt in einer Vision, nicht in der Entdeckung eines leeren Grabes und schon gar nicht in der Begegnung mit einem wieder zum Leben erstandenen Leichnam.

Ich gestehe, daß ich trotz begonnenem Studium natürlich immer noch ein theologischer Waisenknabe bin. Trotzdem grübele ich halt mal ein wenig herum.

Erstens paßt mir folgender Satz aus dem Lüdemann-Artikel überhaupt nicht:
    "Diese von Paulus zitierte Bekenntnisformel, die in die allererste Zeit der Urkirche hinabreicht, liefert eine wichtige Einsicht: Auslöser des Auferstehungsglaubens war eine Erscheinung, ein "Sichtbar-Werden" Jesu vor Kephas. Das heißt: Kephas hat Jesus in einer Vision gesehen. Eine Vision ist ein Vorgang im menschlichen Geist und Produkt der eigenen Vorstellungskraft, obwohl Visionäre es regelmäßig anders einschätzen. Sie empfangen von außen Bilder, die Vision wirkt auf sie mit der vollen Kraft einer objektiven Tatsache."
Bull! Wenn ein Flugzeug durch die Wolkendecke bricht, wird es vor meinen Augen sichtbar, und mein Verstand sagt "Hey! Guck mal! Flugzeug!". Wenn meine Vorstellungskraft als Produkt ein durch die Wolken brechendes Flugzeug liefert, wird mein Verstand ebenfalls sagen "Flugzeug!" Wieso sollte die Erscheinung Jesu als Auferstandener in die Kategorie "Produkt der Vorstellungskraft" und nicht in die Kategorie "Realität" gehören? Das ist doch nur die Meinung des Autors, die hier ohne weiteren argumentativen Unterbau serviert wird.

Plus: Nur weil nicht sofort alle Welt sich an die Griffel stürzte und das Evangelium von Leben, Leiden, Tod und Auferstehung Christi niederschrieb, muß das noch lange nicht heißen, daß die leibliche Auferstehung nicht stattgefunden hat. Vielleicht ging es den Aposteln und den ersten Christen zuerst einmal um das Verbreiten des Wortes. Mensch, die Jungs und Mädels mußten damals doch praktisch aus dem Häuschen gewesen sein. Da lief doch garantiert 99% der Geschichte auf "Haste schon gehört"-Basis. Angesichts der erwarteten unmittelbaren Parusie war es außerdem sicherlich zielführender, herumzureisen und anweisende und ermunternde Briefe zu schreiben, als Evangelien zu verfassen. Als dann mit Parusie irgendwie doch nichts gebacken war, mußten selbstverständlich die Ereignisse schriftlich festgehalten werden. Kurzer Check bei der mündlichen Tradition: "Wie war das mit der Auferstehung? Wieso konnte Christus den Leuten erscheinen? Ach, klar: Das Grab war leer."

Jetzt sitzt da ein knurriger Theologe herum und ist angefressen, weil nicht irgendjemand so nett war, die leibliche Aufertehung unseres Herrn zu einem gefälligst opportunen Zeitpunkt schriftlich festzuhalten. Doof.

Mußte das Grab leer sein, damit Paulus glaubwürdig erscheint oder erschien Christus dem Petrus, den Zwölfen, 500 Brüdern, Jakobus und Paulus, weil das Grab leer war? Mußte das Grab leer sein, weil man doch sooo sehr auf das Reich Gottes gehofft hatte und nach der Kreuzigung einfach nicht klein beigeben wollte, oder legte Thomas seine Hand in die Wunde, weil das Grab leer war?

"Weißt" du noch, oder glaubst Du schon?

Saturday, April 12, 2008

Worte des Ewigen Lebens

Evangelium nach Johannes 6,60-69:
    Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?

    Jesus erkannte, daß seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben.

    Jesus wußte nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.

    Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.

    Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?

    Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.
Zu meinen Lieblingsstellen in den Evangelien gehören die Petrus-Auftritte. Der Menschenfischer, der nie so recht das Maß zu finden scheint und bein genauren Hinsehen die Extreme doch erst dann wählt, wenn sie ein "Mehr" an Jesus versprechen ("Dann, Herr, nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und das Haupt"). Der Fels, der Christus dreimal die Liebe zusagt und ihn dreimal verleugnet. Der Apostelfürst, der aus Eifer den Heiland nicht seinen Weg gehen lassen will und sich dafür gar ein "Weiche von mir, Satan!" einfängt. Ihr seht, Papstkritik ist so alt wie das Papsttum ☺. Und sie kam schon aus bedeutenderem Munde als das moderne Durchschnittsgejammere.

Im heutigen Evangelium begegnen wir Petrus, dem Durchblicker. Wie schon bei Matthäus in der Gegend von Cäsarea Philippi ("Du bist Christus, der Sohn des Lebendigen Gottes") weiß Petrus auch im Johannes-Evangelium, was Sache ist: "Du hast Worte des ewigen Lebens. Du bist der Heilige Gottes".

Christus wußte , was er tat, als er sein Vermächtnis in Menschenhand gab. Und es ist natürlich kein Zufall, daß derjenige, der ihn so innig liebte und ihn doch so schmählich verleugnete Ihn als Sohn des Lebendigen Gottes identifiziert, der Worte des ewigen Lebens hat. In Petrus finden wir, was die Kirche ist. Sie, der mystische Leib unseres Herrn und die Gemeinschaft aller Gläubigen, liebt Christus. Und dennoch kann sie es nicht in Perfektion tun, denn wenn auch die Kirche als Kirche unantastbar und heilig ist, so ist sie in ihren Gliedern doch sündhaft und menschlich. Und dennoch sagte Christus zu Simon: "Tu es Petrus!".

Und ich denke es jedes Mal staunend, wenn ich Benedikt XVI sehe: 'Tu es Petrus! Auch zweitausend Jahre später noch!'

Wednesday, April 09, 2008

Die Neuen!

Jetzt gibt's also seit einem Monat einen Katalog von "Sieben Neuen Todsünden". Sollte man zumindest denken, wenn man sieht, wie die internationale Presse und die Internet-Foren und -Blogs auf das Interview von Bischof Girotti, Kopf der Apostolischen Pönitentiarie, im Osservatore Romano reagieren.

Daß es keine neuen, vom Vatikan offiziell veröffentlicheten, sieben neuen Todsünden gibt wird schon dann ersichtlich, wenn man sich die verschiedenen im Internet und in Zeitschriften auftauchenden Listen anschaut. Da ist mal von "Prostitution", mal von "Abtreibung" die Rede. Das "Erzeugen von Armut durch Ansammlung von übermäßigen Reichtum" ist mal eine Sünde, mal ist es in zwei aufgeteilt. "Moralisch fragwürdige Experimente" ist ein Punkt, den ich bisher nur in einer englischen Übersetzung fand, in welcher dafür der "Kindesmißbrauch" fehlte. Mal ist der "Gebrauch von Drogen" eine Todsünde, mal der "Mißbrauch von Drogen" etc...

Bischof Girotti hat in dem Interview nicht jeden Punkt erschöpfend erklärt, so daß nun natürlich die üblichen Verdächtigen Gewehr bei Fuß stehen und dem Vatikan vorwerfen, er fände den Hunger in der Welt ganz spitzenmäßg, da er sich gegen "Genmanipulation" ausspricht. Das ist Kirchenkritik auf dem Level von "Pius der Zwölfte war Antisemit, weil der Vatikan nur 500.000 Juden half und nicht allen". Und genau deswegen ist es so gefährlich. Denn den nur zur Hälfte gebildeten aber zur Gänze in die bunte Welt der Sünden eingetauchten Individuen der Neuzeit ist jede Fehlinformation oder Halbwahrheit oder blanke Lüge über die Kirche recht, so lange sie nach politisch korrekter Moralkeule klingt und deswegen kein genaueres Hinschauen oder Nachdenken erfordert.

Da hat der gute Bischof der Kirche keinen großen Dienst erwiesen. Lieber hätte er einfach noch mal auf die seit dem 6. Jahrhundert bestehenden sieben Todsünden hinweisen sollen. Denn Hochmut, Geiz, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei und Faulheit haben weder ihren Reiz noch ihre Gefährlichkeit verloren.

Friday, March 14, 2008

Alles gelogen?

Harki hat in seinem Tagschattenbuch das hier zu denken gegeben:
    Ihr lieben Beter, Ihr irrt Euch.

    Es gibt keine Gottesmutter, es gibt keine Heiligen. Ihr betet zu Hirngespinsten – und Ihr wißt das auch. Ihr habt – sozial arrondiert und satt – Euer sympathisches Refugium gefunden. Gut. Aber Ihr wißt letztlich, daß es auf Trug und auf einem gewissen Arragement mit Euch selbst beruht.

    Ich wißt vor allem und ganz selbstverständlich, daß niemand der Erlösung bedarf. Wovon denn? Die Taten der Menschen verdienen weder den Himmel noch die Hölle. Daß das Erbsündengerede Unfug ist, wißt Ihr selbstverständlich auch.

    Ich finde den Katholizismus sehr überzeugend, was mich aber stört, ist, daß man tatsächlich so tun muß, als hielte man diese ganze Legendmär vom Dreifaltigen Gott doch irgendwie für wahr. Daß man sich einreden muß, Jesus sei für uns gestorben, was er natürlich nicht ist. Natürlich wurde er von einer Jungfrau geboren, natürlich ist er auferstanden. Nur „für uns“ gestorben, das ist er eben nicht. Warum denn? Weshalb?

    Man muß sich bemüht und eifrig und gläubig geben, und das macht man eben nicht. Warum kann man nicht einfach bei den Riten mitmachen, und gut ist’s?
Ich fühle mich irgendwie zur Stellungnahme aufgefordert und hingerissen.

Ich habe das Tagschattenbuch heute zum ersten Mal besucht (Danke für den Tip, Scipio!) und habe absichtlich keine weiteren Einträge in Harkis Blog gelesen, weil ich vorläufig das Thema so behandlen möchte, wie ich es auffand.


Also ran an den Speck:

Phänomenologisch finde ich das Ganze nicht haltbar: Die gläubigen und regelmäßig praktizierenden Katholiken, die ich kenne, lassen in ihren Gesten, in der Art, wie sie ihre katholisches Leben leben und im Reden über ihren Glauben eine Überzeugung durchschimmern, die der eines Gelsenkirchener Fußball-Anhängers in nichts nachsteht. Würdest Du (Hi, Harki!) dem Fan eines südamerikanischen Clubs ins Gesicht sagen, er wüßte, daß sein Verein nicht existiert, nur weil Du von diesem Verein zwar schon gehört, aber noch keine tiefgreifenden persönlichen Erfahrungen mit ihm gemacht hast? Warum also behauptest Du, Katholiken wüßten, daß es keine Gottesmutter und keine Heiligen gibt? Weil Deine empirische Basis einen solchen Schluß zuläßt ("Von 1000 befragten Katholiken gestanden 763 heimlich und unter vorgehaltener Hand, sie wüßten, daß Maria und die Heiligen nicht existieren"), oder weil Du sie nur vom Hörensagen kennst?

Ich weiß nicht, ob Du häufig katholische Messen besuchst. Immerhin ist Dir das Phänomen der sozial arrondierten und satten Katholiken bekannt. Aber wie äußert sich für Dich dieses Phänomen? Hast Du andere Menschen darüber berichten hören? Hast Du es selbst erlebt? Wenn ja, was verleitete Dich zu dem Schluß? Ein Gähnen während der Wandlung? Nasenbohren während der Predigt? Eine generell uninspirierte Haltung? Angenommen, diese Äußerlichkeiten verdienen die Etiketten "Sozial Arrondiert" und "Satt": Sind sie schon Beweis dafür, daß die betreffenden Personen wissen, daß es weder eine Gottesmutter noch Heilige gibt?

Es scheint Dir ja primär um die Erlösungsfrage, um die Erbsünde und um das "für uns gestorben" zu gehen und im Kielwasser dieser Fragen um das Gebet. Vielleicht empfindest Du das Gebet als Demütigung, vielleicht als überflüssig ("Eine barmherzige Gottesmutter soll gefälligst, auch wenn ich nicht bete, für mich bei ihrem Sohn in die Bresche springen"). Ziel des Gebetes ist es allerdings nicht, Maria oder Gott in dem Sinne zu ändern, daß sie Dir plötzlich gewogen sind. Ziel des Gebetes ist, in Dir selbst die Änderung zu bewirken, die es letztendlich ermöglicht, daß Du die von Gott Dir ununterbrochen angebotene Gnade empfängst. Es ist wahr: Das Gebet reißt eine weite Lücke in die Mauer, die uns von Gott trennt. Aber nicht, damit Gott dann durch diese Lücke Dir die Brathähnchen in den Mund fliegen lassen kann, sondern damit Du in einem Akt des Glaubens hinlangst und dankend die Gande aufnimmst. Du kannst Gott nicht auf der Ebene der Gefühle berühren. Gefühle gelten in letzter Instanz immer objektiven materiellen Realitäten, zu denen Gott nicht zählt. Auch auf Verstandesebene läßt Gott sich nicht antasten, denn unser Intellekt berührt nur die Ideen, die Konzepte, die wir von Gott haben. Es bedarf der göttlichen Tugend des Glaubens, um mit Gott so in Kontakt zu treten, daß danach auch die Hoffnung von negativen Indikationen gereinigt und die Liebe in die rechten Kanäle gelenkt wird.

Naja, das waren meine fünf Pfennig an Weisheit.

Saturday, March 01, 2008

Der Zöllner

Das heutige Evangelium (Lk 18,9-14):
    Einigen, die sich für gerecht hielten und die anderen verachteten, trug er dieses Gleichnis vor:

    "Zwei Menschen gingen in den Tempel, um zu beten. Der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich gerade hin und betete also bei sich: 'O Gott, ich danke dir, daß ich nicht so bin, wie die anderen Menschen: wie die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner da. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich erwerbe.'

    Der Zöllner aber blieb weit hinten stehen und wagte nicht einmal, die Augen zum Himmel zu erheben; er schlug an seine Brust und betete: 'Gott, sei mir Sünder gnädig!'

    Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, jener nicht. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden."
Dies ist für mich eine der ganz kniffligen Stellen in der Heiligen Schrift. Die Warnung, sich nicht selbst zu erhöhen, leuchtet natürlich ein, auch wenn es hin und wieder ziemlich verlockend ist. Ich kenne die Situationen, in denen ich mich mit einer "Puh! Zum Glück bin ich nicht so, wie..."-Attitüde erwische. Es geschieht nicht oft, und seit ich mich für das Ordensleben entschieden habe passiert es immer seltener. Aber es passiert. Und das ärgert mich. Es ärgert mich vor allem deswegen, weil ich auch die Zöllner-Nummer kenne. Ich knie oft genug da und bitte Gott, mit väterlicher Güte auf den kleinen Sündenbengel zu blicken.

Zwischen diesen beiden Polen muß ich nun ein Feld abstecken, in dem die Erkenntnis meiner Sündhaftigkeit nicht dazu führt, daß ich anderen, nicht weniger sündigen Menschen, nicht im rechten Augenblick die rechten Worte sage. Andererseits darf meine Bereitschaft zu brüderlicher Zurechtweisung natürlich auch nicht dazu führen, daß ich am Ende wieder dastehe und sage "Zum Glück bin ich nicht so, wie..."

Die Geschichte ist hochkompliziert, weil ich natürlich mit Konzepten daherkomme, die heutzutage immer weniger Menschen bewußt sind, die immer weniger Menschen interesieren und von denen immer mehr Menschen glauben, daß sie damit ja eh nichts zu tun haben.
    "Sünde? Ich doch nicht!"

    "Christus? Ach, irgendwie glauben wir doch alle an den gleichen Gott!"

    "Das Kreuz? Zu schwer!"

    "Beten? Als ob das hilft!"

    "Moral? Aber ich bin doch nett und tu keinem was!"
Hier einen Zugang zu finden ist schwierig. Auch hier besteht ein Spannungfeld. Es reicht von einer zu großen Laxheit meinerseits um des lieben Friedens willen bis zum "fundamentalistische Spaßbremse mit Katholiban-Gütesiegel"-Dolch, der mir hin und wieder zwischen die Rippen gedrückt wird.

Für mich ist die Frage daher, wie ich in einer Gesellschaft, in der die Entchristianisierung rapide voranwalzt, den Menschen noch grundlegende katholische Prinzipien vermitteln kann. Der offensichtlichste Punkt, an dem sich der Hebel ansetzen läßt, ist wohl die Freiheit. Womit ich gleich das nächste ausgehöhlte Konzept ins Spiel bringe. Dann fehlt nur noch die Liebe, und die Verwirrung ist komplett. Seufz. Wahrscheinlich ist der beste Ansatz in der Tat, meine eigene Sündhaftigkeit zu kennen, fleißig daran zu arbeiten ein etwas gottgefälligerer Mensch zu werden und gleichzeitig verbal immer wacker aber duldsam unter den Neo-Heiden zu wüten. Bei so vielen reifen Früchten muß es doch irgendwann eine reiche Ernte geben.

Sunday, February 17, 2008

Gedanken zum Gehorsam

"Non serviam!" - "Ich werde nicht dienen!"

So schrie Satan, als er sich entschied, daß eine Unterwerfung für ihn nicht in Frage kommt. Wohin ihn das gebracht hat, wissen wir. Er ist jetzt Fürst. Er gibt die Anweisungen. Er dient nicht, sondern lässt dienen. Es läuft also alles bestens für ihn.

Oder nicht?

Es drängt sich mir schon die Frage auf, ob es das wert war. Alle Autorität stammt von Gott. Ebenso alles Sein und mit dem Sein alles Gute, alles Wahre, alles Schöne und alles Eine. Wer heute auf einem Thron sitzt, wer heute eine Regierung leitet, wer heute über eine Firma, ein Heer, ein Team oder eine Familie herrscht und sich nicht ständig vor Augen ruft, wer der Urheber jeglicher Autorität ist, kann schnell in eine von zwei Fallen tappen: Er oder sie lassen entweder die Demut vermissen, die man zum vernünftigen Leiten braucht, weil er oder sie vergessen, sich im Urquell der Autorität zu spiegeln, um so ihre Kleinheit zu erkennen. Oder sie verzweifeln an der eigenen Kleinheit und verdrängen die Macht, weil sie nicht wissen, daß alles, was von Gott kommt, gut ist und er, wenn er uns Macht gibt, nicht will, daß wir sie verleugnen, sondern daß wir verantwortungsvoll von ihr Gebrauch machen.

Natürlich sieht es am Empfänger-Ende der Macht ähnlich aus: Hier gibt es Leute, die zu glauben scheinen, daß einem Machthaber mit dem Amt auch gleich eine verherrlichte Person geschenkt wurde. Diese Menschen verlieren somit das eigentliche Ziel aus den Augen und betreiben Personenkult, wo nüchterne Folgsamkeit genügte. Das kann denn soweit gehen, daß der Gehorsam ins Groteske wächst und schwere Schäden anrichtet. Oder wir finden Leute, die das Prinzip des Befehlens und Gehorsams als solches schon als eine Zumutung empfinden und pauschal jede Order hinterfragen, wenn nicht ablehnen. Dies nicht etwa, weil diese Order zweifelhaften Inhaltes wären, sondern einfach weil es Order sind.

Ich muß mich glücklicherweise mit der Machtausübung noch nicht herumplagen. Wenn ich einmal Gemeindepfarrer werden sollte, dann sieht es wahrscheinlich schon anders aus. Aber das ist erst einmal Zukunftsmusik. Dringender ist die Frage des Gehorsams, denn im August, so Gott will, werde ich meine Ewigen Ordensgelübde ablegen. An diesem Tage werde ich dann auch Gehorsam schwören. Sollte ich das? Kann ich das? Darf ich das?

Ja, ja und noch einmal ja.

Gehorsam ist nicht niedrig, er ist nicht eines Menschen unwürdig, er ist nicht anrüchig und nicht unkultiviert. Er ist nicht reserviert für Menschen, die eine bröcklige Persönlichkeit haben und die meiste Zeit geleitet werden müssen. Er ist, wenn man ihn von Gott ableitet und mit dem Rest der göttlichen Botschaft richtig versteht, heilsam und notwendig und dem Ungehorsam vorzuziehen.

Denn ebenso wie der falsch verstandene Gehorsam, vielleicht gar noch mehr, kann auch der Ungehorsam schwere Schäden anrichten. Sicher, er sieht irgendwie nach Freiheit aus. Aber wenn man näher herangeht, dann kann er ganz oft nach Selbsterhöhung und Schrankenlosigkeit stinken. Dann sagt er einem auf einmal gar nicht mehr: "Sei nicht gehorsam. Tu nicht dies oder jenes" sondern "Was fragst du mich? Ich habe auch keine Ahnung. Du bist jetzt dein eigener Herr, also mach einfach, was Du willst!"

In solchen Situationen verliert sich der innere Kampf in hohlem Triumphgelächter. Dann gibt es kein Zureiten des natürlichen Appetits mehr, keinen Verzicht auf das schnelle Gute zugunsten des ferner liegenden aber länger anhaltenden Besseren. Hierin liegt die Erhabenheit echten und wahren Gehorsams: Es ist keine blöde Abtötung des eigenen Willens, sondern ein langsames aber stetiges Erheben des Geistes in andere, letztlich göttliche Regionen. Wer hat es uns denn vorgemacht, wenn nicht unser Herr, als er sagte: "Doch nicht wie ich will, sondern wie Du willst." Es geht ja nicht um rein äußerliche Akte der Unterwerfung. Das kriegt jeder Hund hin. Es geht vor allem um die Zügel der inneren Bedürfnisse. Diese müssen in guten Händen liegen, damit die eigenen Wünsche nicht nur geopfert werden, sondern die so gewonnene Energie und Zeit tatsächlich zum Erreichen des größeren Zieles eingesetzt wird.

Für mich ist Gehorsam wirklich kein Problem. Allerdings nicht, weil ich ohne Weisungen nicht wüßte, wohin ich den nächsten Schritt lenken sollte. Aber als Mensch bin ich wirklich zu schwach oder zu feige oder mir selbst gegenüber zu unehrlich, als daß ich nicht ständig und immer wieder in die Versuchungs-Falle tappte. Da bin ich dankbar für einen Gott, der mir ein paar Leitplanken auf die Straße gestellt hat, für eine Kirche, in deren Licht diese Leitplanken Tag und Nacht bestens zu sehen sind und für eine Gemeinschaft, in der immer mindestens einer die Augen offen hat, um mir mal ein kurzes Wort der Warnung zuzurufen, wenn ich die Augen wieder überall habe, nur nicht auf dem Weg.

Aus dem Brief des Heiligen Apostels Paulus an die Philipper, Kapitel zwei, Verse 6 bis 8:
    "Habt die Gesinnung in euch, die in Christus Jesus war. Er, der in Gottesgestalt war, erachtete sein gottgleiches Sein nicht für ein Gut, das er mit Gewalt festhalten sollte. Vielmehr entäußerte er sich, nahm Knechtsgestalt an und wurde den Menschen gleich. Er erschien im Äußeren als Mensch, erniedrigte sich und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze."
Hier findet sich eine der großen Lektionen des Kreuzes. Achtet den Gehorsam daher nicht gering. Und tut ihr es doch, so achtet auch euer Kreuz gering, reißt es von den Altären und Wänden und zertrampelt es auf dem Boden.

Es werden vielleicht einmal Augenblicke kommen, in denen mein Instinkt sich gegen Gehorsam wehrt. Dann werde ich aufs Kreuz schauen und wissen, daß Gehorsam weder niedrig noch gemein noch unwürdig ist. Denn ER war nicht niedrig, nicht gemein, nicht unwürdig. ER war und ist das Vorbild aller, die gehorchen.

Sollte es nicht zu denken geben, daß ER, der verlacht, verachtet und gekreuzigt wurde, weil er gehorsam war, über den herrscht, der ein eigenes Reich sein eigen nennen kann, weil er ungehorsam war?

Friday, February 01, 2008

Sorry!

Ich habe momentan keine Zeit, mich vernünftig um den Blog zu kümmern (ist es "der" Blog oder "das" Blog? Bei diesen neudeutschen Wörtern kriege ich die Artikel nie hin). Das Studieren nimmt mich voll in Anspruch (Nächste Woche: Vier Examen in fünf Tagen. Na servus!)

Da wir aber morgen das Fest der Darstellung des Herrn feiern, und da die Stelle im Neuen Testament, von der wir dieses Fest ableiten, eine meiner Lieblings-Erzählungen in der ganzen Heiligen Schrift ist, werde ich nun erstens eben diese Stelle (noch einmal) posten und zweitens noch einige gemalte Interpretationen der Geschichte springen lassen.

Hier also erst einmal der Text (Lukas 2,22-40):
    Dann kam für sie der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:

    Nun läßt du, Herr, deinen Knecht,
    wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
    Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
    das du vor allen Völkern bereitet hast,
    ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
    und Herrlichkeit für dein Volk Israel.


    Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, daß in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.

Und hier die Bilder:


Francesco Francia (1450-1517): Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, uns in allem gleich, außer in der Sünde. Hier sieht man's ganz deutlich: "Mama, ich will aber nicht zu dem fremden Mann mit dem Riesenbart!" - "Schhh! Der ist ganz freundlich und möchte dich nur mal kurz halten!"


Philippe de Champaigne (1602-1674): Hier finde ich die Komposition besonders schön (auch wenn das Jesusknäblein für einen acht Tage alten Säugling etwas groß geraten ist).


Ikonig wurde die Geschichte natürlich auch umgesetzt (weiß aber nicht, von wem).


Das ist natürlich ganz großes Kino: Rembrandt (1606-1669) zeigt Simeon als einen Greis, der die Situation voll im Griff hat und - während er Jesus lässig hält - Maria wohl grade behutsam über das Schwert informiert.


Keine Ahnung, wer das fabriziert hat. Aber das Bild mußte mit in den Beitrag, weil die Nase des Jesusknaben einen Extrapreis für 100%-ige Babynasigkeit verdient.


Okay, das war's erstmal. Wenn ich die Examen überstanden habe, melde ich mich wieder.

Ciao,
Alipius

Thursday, December 20, 2007

Weihnachten?

Aber Momentchen mal! Jeder weiß doch, daß Weihnachten nur ein ursprünglich heidnisches Fest war, daß von den Christen gehijackt und neu aufgewärmt wurde!


Oder doch nicht? (via Mark Shea)

William Tighe, Fachmann für Kirchengeschichte am Muhlenberg College, Pennsylvania:
    Das heidnische Fest der Geburt der unbesiegten Sonne (sol invictus) - eingeführt von Römischen Kaiser Auralian am 25. Dezember 274 - war mit ziemlicher Sicherheit ein Versuch, eine heidnische Alternative zu einem Datum zu kreieren, welches bereits für Römische Christen von einiger Bedeutung war.
Und tatsächlich: Berichte, die Jesu Geburt mit dem 25. Dezember assoziieren sind älter als Berichte, die sich auf ein heidnisches Fest berufen. Nochmal Tighe:
    Das "Handbook on Biblical Chronology" von Jack Finegan (Hendrickson, 1998 revised) zitiert eine Referenz im Brief des Hippolytus von Rom drei Jahrzehnte bevor Aurelius sein Fest implementierte: Hippolytus schreibt, daß Jesu Geburt acht Tage vor den Kalenden des Januar stattfand, das bedeutet, am 25. Dezember.
Tighe sagt, daß bereits im zweiten und dritten Jahhundert Christen versuchten, das Datum von Jesu Geburt und Tod für den liturgischen Kalender festzulegen, zu einer Zeit also, als Weihnachten noch gar kein Fest war.

In der frühen Kirche gab es eine gewisse Unruhe, nicht in Bezug auf Jesu Geburtstag, sondern in Bezug auf die Frage nach dem Datum des historischen Karfreitags und Ostersonntags. Es endete damit, daß der Osten sich schließlich für den 6. April, der Westen aber für den 25. März entschied. Tighe weiter:
    Hier müssen wir einen Glauben ansprechen, der im Judaismus zur Zeit Jesu weit verbreitet gewesen sein muß aber, weil er in der Bibel nirgendwo beschrieben steht, heute bei Christen in Vergessenheit geraten ist. Es handelt sich um die Idee des "integralen Alters" der großen Jüdischen Propheten, die Idee, daß diese Propheten am gleichen Tag im Jahr starben, an dem sie auch geboren oder emfangen wurden. Die frühen Christen wandten diese Idee auf Jesus an, so daß der 25. März bzw. der 6. April dann nicht mehr nur die Tage seines Todes, sondern auch die Tage seiner Geburt bzw. seiner Empfängnis waren. Die Festlegung des 25. März setzte sich schnell als Datum der Empfängnis gegenüber der Annahme einger Christen aus dem ersten Jahrhundert durch, welche glaubten der 25. März sei das Datum der Geburt.
Entsprechend das Fest Mariä Verkündigung am 25. März. Die Länge einer Schwangerschaft beträgt im Durchschnitt neun Monate.

Wie konte es aber "allgemeines Wissen" werden, daß Weihnachten nur ein aufgewärmtes Heidenfest ist? Im 17. und 18. Jahrhundert krallte sich dieser Verdacht so richtig in das Bewußtsein seiner Klientel. Paul Ernst Jablonski, ein Duetscher Protestant, wollte zeigen, daß die Feier von Jesu Geburt am 25. Dezember einer der vielen von der Kirche des vierten Jahrhunderts durchgeführten "Paganisierungen" der Christenheit war; eine von vielen "Degenerationen", welche die reine apostolische Christenheit in den üblen Tümpel des Katholizismus verwandelte.

Im Julianischen Kalender von 45 v. Chr. fällt die Wintersonnwende auf den 25. Dezember. Jablonski nahm daher einfach an, daß dieser Tag für die Heiden eine große Bedeutung hatte, noch bevor die Christen auf das Datum aufmerksam wurden. Jablonski beginnt seine Ausführungen aber eben nur aufgrund dieser Annahme, nicht aufgrund von Beweisen. Er sah eine Übereinstimmung zwischen der Wintersonnwende und dem Weihnachtfest und schloß daraus, daß das "sol invictus"-Fest älter ist als Weihnachten.

Jean Hardouin, ein Benediktinermönch und Zeitgenosse Jablonskis, forderte die Annahme des Deutschen nicht heraus, sondern sprang vielmehr auf den Wagen auf und versuchte nur zu demonstrieren, daß die Kirche heidnische Feste übernahm ohne dabei die Heilige Schrift zu paganisieren.

Auf diesen beiden Autoren, Jablonski und Hardouin, basiert der ganze Mythos, das Weihnachtsfest sei nur ein geklautes Heidenspektakel. Tatsache ist aber, daß der 25. Dezember im römisch-heidnischen Festkalender vor Aurelian keine Rolle spielte. Es gab zwei Sonnentempel in Rom, die ihre Weihefeste am 9. bzw. 28. August hatten. Beide Kulte gerieten im zweiten Jahrhundert in Vergessenheit, als östliche Sonnekulte in Rom Anhänger fanden. Keiner dieser Kulte besaß feste, die mit Sonnwenden assoziiert waren.

Wichtig für uns ist, daß wir uns nicht in Nebensächlichkeiten verlieren und dabei das Offensichtliche übersehen. Wir sollten uns weder von der Frage ablenken lassen, ob die Christen denn nun richtig lagen, als sie den 25. Dezember als Geburtstag Jesu festlegeten, noch sollte uns die Tatsache verwirren, daß die Bibel nirgendwo in schrillpinken Lettern den 25. Dezember als den Geburtstag unseres Heilandes verkündet.

Die Frage ist nicht "Haben die frühen Christen den Nagel auf den Kopf getroffen?" Die Frage ist "Worum ging es ihnen, als sie das Datum festlegten?" Wenn man sich damit beschäftigt, sieht man gleich, daß sie nicht von Diana, Isis, Sonnenanbetung und dergleichen abgelenkt wurden, sondern daß sie sich intensiv mit dem Bericht von Christi Tod auseinadersetzten und dabei eine jüdische (nicht heidnische) Lehre über denTodestag jüdischer (nicht heidnischer) Propheten verwendeten. Die frühen Christen hatte nichts weniger interessiert als die Frage wann und wie heidnische Priester ihren Anbetungen im Tempel der Diana in Ephesus vornahmen. Sie waren eingebettet in die Schrift und in Details jüdischer und christlicher Geschichte und Tradition und kümmerten sich nicht darum, was Isis-Groupies wohl denken mögen.

Die Christen nahmen höchstens eine Anpassung vor, als Aurelius seinen Zug machte. Sie setzten ihn Matt, indem sie ihm nicht gestatten, ein Copyright auf die Sonne zu beanspruchen. Sie gaben die Sonne Ihm zurück, der sie geschaffen hat. Sie wußten schon lange bevor Aurelius seine Karten aufdeckte, daß Christus die "Sonne der Gerechtigkeit" und das "Licht der Welt" ist. Was sie auf keinen Fall taten war, Schriftstellen über Jesus zu nehmen und sie auf Apollo anzuwenden bzw. zu Apollo aufzuschauen, damit er ihnen etwas von Jesus erzählen möge.

Saturday, December 08, 2007

Die Immaculata


    Gott ist also Vater der geschaffenen Dinge, Maria die Mutter der neugeschaffenen. Gott ist Vater, der alles begründete, Maria die Muter, die es wiederbegründete. Denn Gott zeugte den Sohn, durch den alles geschaffen ist, Maria gebar ihn, durch den alles gerettet wurde. Gott zeugte den, ohne den überhaupt nichts ist, Maria gebar den, ohne den nichts so ist, wie es sein sollte.

    Anselm von Canterbury

Einen schönen Festtag Euch allen!

Sunday, November 18, 2007

Die lange Nacht

Hier an der Piazza San Salvatore in Campo liegt eine ziemich heruntergekommene Kirche, die von äthiopischen Katholiken genutzt wird. Da ist schon an handelsüblichen Sonntagen schwer was los, denn die Messe dauert gute zweieinhalb Stunden. Nach der Messe gibt's auf der Piazza dann immer einen Instant-Flohmarkt, zu dem Händler ihre Waren auf den Kühlerhauben der geparkten Autos ausbreiten und anbieten. In der Regel sind das Heiligenbildchen, Kernzenhalter und die weißen Tücher, in die die Äthiopier sich während der Liturgie hüllen.

Naja, heute haben die Äthiopier einen Mega-Festtag. Ich weiß allerdings nicht, wer oder was genau da gefeiert wird. Jedenfalls ging es gestern am frühen Nachmittag schon mit Gesängen und Getrommel in der Kirche los. Und es hörte nicht auf! Im Gegenteil: Nachdem Nachmittag, Abend und Nacht hindurchgesungen und -getrommelt wurde, verlegte man das Fest gegen fünf Uhr in der früh für eine halbe Stunde und eine Prozession um den Block nach draußen. Das war dann ziemlich gespenstig, weil die Frauen während des Singens immer wieder mal in ein kollektives "Yih-Yih-Yih-Yih" verfallen. Dieses Geschrei entspricht genau dem Klang, von dem ich immer annehme, er sei der Letzte den ich hören werde bevor mir ein Sarazenensäbel die Rübe vom Hals schlägt. "Schweißgebadet" trifft's so halb. Mit der korrekten "Was interessiert mich die religiöse Tradition, ich will schlafen!"-Attitüde schrillte dann auch von irgendwoher eine recht aufgebrachte Dame ein dreifaches "BASTA!" aus dem Fenster, welchem natürlich nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Viel geschlafen habe ich in dieser Nacht nicht.

Heute morgen gegen acht Uhr ging dann der Hauptgottesdienst los und seit circa elf Uhr tummelt sich das Volk auf dem für diesen Tag von Autos befreiten Platz. Es ist ganz schön was los, und das Auge isst auch mit, denn - wie Ihr auf den beiden Fotos sehen könnt - die Äthiopier mögen's nicht nur weiß, sondern auch bunt.




Sunday, October 21, 2007

Das heutige Evangelium

Lukas 18,1-8:
    Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, daß sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:

    In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.

    In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie läßt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.

    Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?
Als ich jüger war mußte ich immer grinsen, wenn ich mit vorstellte,wie ein altes Mütterchen zu einem abgebrühten und harten Richter kommt und ihm mal eben kräftig eine einschenkt, weil er wochen- oder monatelang nicht auf ihre Bitten gehört hat. Ich verstand natürlich auch damals schon, daß es mit Gott so nicht funktioniert.

Oder nicht direkt.

Denn mit jeder Sünde, die wir begehen, verletzen wir nicht nur uns, sondern auch Christus, der ja sowohl Tod und Sünde besiegt hat. Wenn wir beten und nicht sogleich erhört werden und uns dann aus Ungeduld, aus Wut, aus einem unbestimmten Rachegefühl oder auch, weil wir denken, daß wir das alles schon irgendwie alleine schaffen, zur Sünde herablassen, so schlagen wir damit auch Christus ins Gesicht. Und das ist nicht gut. Wir werden dann zu Adam und zur Schlange in einer Person. Wir gehorchen nicht und rechtfertigen uns im gleichen Atemzug: "Nein, keine Panik, du wirst schon nicht sterben." Und was daraus wurde, das weiß vielleicht noch der Ein oder Andere.

Wenn wir bitten, wird Gott geben. Das hat der Herr uns versprochen und das habe nicht nur ich in meinem Leben mehr als einmal erfahren dürfen. Man braucht manchmal ein wenig Geduld, man muß manchmal die Dinge richtig interpretieren. Was man aber immer braucht ist Glauben. Dann fallen einem die Dinge, um die man bat, oft mit rosa Schleifchen umwickelt direkt vor die Füße. Je weniger Glauben, desto weniger Gebete. Je weniger Gebete, desto seltener zeigt sich die helfende Hand Gottes. Sagt nicht: "Ey, erst mal ein Wunder, und dann schauen wir mal mit dem Beten und dem Kirchgang und der Beichte und so." Glaubt an Gott, vertraut auf Gott und bittet Gott. Dann wird Euch gegeben.

Alles Liebe,
Alipius