Thursday, November 26, 2009

Tod, wo ist dein Stachel?

Nachdem ich heute die feine Letzte-Worte-Sammlung auf conservare gelesen hatte, fiel mir wieder ein Artikel aus der Zeit vom vergangenen Donnerstag ein. Dieser trägt den Titel "Die neue Sichtbarkeit des Todes" und weist mit folgendem Teaser auf:
    "Tod und Trauer sind ein öffentliches Ereignis geworden, nicht nur im Fall des Torhüters Robert Enke. Bedeutet dies das Ende der Verdrängung oder ist es der Anfang der Banalisierung?"
Der Artikel konjugiert dann die ganze "alte" Todesverdrängung und die "neue" Sichtbarkeit des Todes durch, liest sich angenehm, stellt Fragen, findet Antworten und knallt dann plötzlich frontal mit dem Kopf gegen die Laterne, wenn es heißt:
    "Damit kein Mißverständnis entsteht: Niemand sollte sich ein Urteil darüber anmaßen, welche Geste und welche Sprache einen Trauernden tröstet, welches Gedicht, welche Melodie, welche Religion oder welche Post-Religion ein Leid "sagbar" macht."
Hier wird dann plötzlich mit offenen Karten gespielt: Nicht der Tod ist es, der uns beschäftigt, sondern das Sterben als Vorspiel zum Tod und der Verlust als sein Effekt. Beides jedoch, Sterben und Verlust, ist ebenso unumgänglich, wie der Tod - neben dem Atmen und dem Kater am Morgen danach - zu den natürlichsten und normalsten Dingen gehört. Und genau dieses Bewußtsein für die Unumgänglichkeit und für das Normale fehlen heute.

Wer die Zitate auf dem conservare-Blog liest, der wird schnell erkennen, wie gerechtferting und gar nicht anmaßend das Urteil ist, daß der christliche Glaube beim mit den Katholischen Sakramenten versehenen Menschen nicht nur ein Sterben in quasi-eckhartscher Gelassenheit (in Bezug auf den Willen Gottes) ermöglicht, sondern auch den Hinterbliebenen echten Trost gibt.

Was den Tod betrifft: Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er existiert. Wenn ein Mensch gestorben ist, ist er tot. Es ist dann ein Toter. Aber "Der Tod"...? Wer oder was soll das sein? Sicher, man kann sagen, der Tod sei der Verlust des Lebens und Sterben der Übergang vom Leben zum Tod. Aber gehen wir denn nicht von einem Leben ins nächte, nämlich in das der ewigen Glückseligkeit (entweder direkt oder nach geziemender Läuterung) bzw. in das der ewigen Gottesferne?

Oder ist "Der Tod" das Gespenst des letzten Zweifels? Ist er die Angst vor dem "Was wäre, wenn...", kurz bevor man für immer die Augen schließt? Ist er die Leere, die für einen Augenblick gähnt, während der Körper entschläft und der Geist ein letztes Mal zuckt?

Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, daß ich mich mein Leben lang fest an meinen Gott halten will und einst in meinem Katholischen Glauben sterben möchte. Denn nur so, den Blick aufs Kreuz geheftet, an welchem mein Heiland hängt und hinter dem bereits der Glanz des Heeres der Engel und der Schaar der Heiligen aufgeht, die mich - nach wieviel Zeit im Fegefeuer auch immer - einst begrüßen werden, werde ich den "Tod" fragen können: "Wo ist dein Stachel?"

3 comments:

kalliopevorleserin said...

"Tod und Trauer sind ein öffentliches Ereignis geworden..."
ist meiner Meinung nach falsch. Über Tod und Trauer wird unsäglich viel gefaselt und weniges Sinnvolle geschrieben und gesagt (beispielsweise hier). Aber öffentlich waren beide früher mal, als das Sterben im Haus, nicht im Krankenhaus, und im Beisein der Familie üblich war.
Meine Erfahrung aus einem Altenpflegeheim: Mir wurde strikt untersagt, mit Bewohnern über das Thema Tod zu sprechen - auch dann, wenn Leute Angst vorm Tod oder Sehnsucht nach ihm hatten, oder wenn gerade jemand auf der Station gestorben war. Ein aberwitziges Verbot, an das ich mich nicht hielt - und typisch für unsere Zeit, in der von sehr vielen das ewige Leben bei Gott als weltfremde Spinnerei abgetan wird und das ewige Leben auf der Erde allen Ernstes von einigen Ärzten als erstrebenswertes Ziel diskutiert wird.

Conservare said...

Schön, dein Artikel! Besonders der Schluss: Tod, wo ist dein Stachel?

Dabei ist mir wieder diese Angstwelle über die Schweinegrippe im Zusammenhang mit der Heiligen Kommunion in den Sinn gekommen.
Wenn man das ganze aufdröselt, so bleibt doch nur noch zu fragen: Wäre es schlimm, wenn man sich durch die Hostie, die den Leib Christi in sich birgt, infiziert - ja gar an diese Krankheit stirbt? Woher wissen wir denn, dass wir - wenn wir keine Kommunion empfangen oder diesen "Hostien-Hygiene-Spender" benutzen - nicht einen Tag oder zwei Jahre später an einen Autounfall oder durch Mord sterben werden?

http://de.wikipedia.org/wiki/Totentanz

und es erscheint mir als nicht nebensächlich, in das Abendgebet auch eine Bitte für eine gute Sterbestunde einzubauen.

Ich denke der Tod ist mehr Sinnbild als Realität. Das Wort "der Tod" deckt für die meisten Menschen einfach den Bedarf an Erklärungen über dieses Mysterium des Überganges in das ewige Leben.

Es ist also ein neutrales Wort.

Yon said...

In dem Altenpflegeheim, wo ich ab und zu mal ausgeholfen hab (Spital zum Hl. Geist), gab es ein Sterbekruzifix, das in einem Notfall eilig geholt wurde, daran erinnere ich mich, und die Pflegeschwestern der Station waren vollzählig bei der Frau, die im Sterben lag. Danach wurde im Gemeinschaftsraum gemeinsam mit den Bewohnern nach der Mitteilung ein Vaterunser und ein Ave Maria gebetet. Ich war damals noch nicht katholisch, aber für mich war das eine sehr stimmige Art, mit dem Sterben umzugehen.