Tuesday, March 09, 2010

"Das ist mein Leib"

Von Leuten, die dem katholischen Verständnis der Eucharistie etwas skeptisch gegenüberstehen, höre ich immer wieder mal so etwas wie "Ach, das hat der doch nur so gesagt!", wenn von "Das ist mein Leib" die Rede ist. Der "Leib" sei hier nur symbolisch gmeint. Schon Zwingli hüpfte durch jede Menge rabulistischer Reifen, um zu demonstrieren, daß das im Griechischen Original von Christus gewählte "ist" in "Nehmt hin und esset, das ist mein Leib (Λάβετε φάγετε, τοῦτό ἐστιν τὸ σῶμά μου)." eigentlich "repräsentiert" bedeutet. Das Brot ist die Realität, der Leib ist eine symbolische Ebene, so meinen manche.

Wer hier widersprechend streng synthetisch-semantisch vorgehen will und nur untersucht, welcher sich bietenden Realität welcher Name gegeben wurde oder welche gegebene Realität mit welchen Worten beschrieben ist, der kann schnell in eine Sackgasse laufen. Denn wenn man darauf bestseht, daß Jesus schließlich "ist" sagte und nicht "symbolisiert" und es somit dann eben auch sein Leib "ist", den er uns gibt, dann kann man als Antwort zu hören kriegen, daß Jesus auch sagte "Ich bin die Türe" (Johannes 10;9) und daß dies offensichlich symbolisch gemeint war, da Jesus schließlich kein 2 Meter hohes, 1 Meter breites Stück Holz war.

Man kann aber immer auf das Johannes-Evangelium verweisen. Dort heißt es in 6;51: "Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, wird ewig leben. Das Brot, das ich geben werde, das ist mein Fleisch für das Leben der Welt (καὶ ὁ ἄρτος δὲ ὃν ἐγὼ δώσω ἡ σάρξ μού ἐστιν ὑπὲρ τῆς τοῦ κόσμου ζωῆς)."

Hier wird, wie in den drei Einsetzungeberichten der synoptischen Gospel, "ἐστιν" verwendet. Aber hier ist das Brot die symbolische Ebene. Und der Leib (bzw das "Fleisch", wie es bei Johannes heißt) ist die Realität: "Das Brot, daß ich geben werde, das ist mein Fleisch für das Leben der Welt."

Ist dieser Satz nicht eine überzeugende und glaubwürdige Vorbereitung auf die Ereignisse im "Oberen Gemach", die dann von den Synoptikern geschildert werden? Sagt nicht dieser Satz bereits aus, was es eigentlich ist, das die Jünger beim letzten Abendmahle empfangen?

3 comments:

Florian said...

Ich hab mal in einer Predigt gehört, dass Jesus mit "Das ist mein Leib für euch" eigentlich sagen will "Das bin ich für euch", weil es im Aramäischen keine entsprechende Wendung für "Das bin ich" gibt. Hätte er also als Kind eine Fensterscheibe eingeschossen (ich weiß, ist nur minimal anachronistisch), und Maria hätte die Kinners gefragt, wer's war, hätte Jesus auch gesagt "Das war mein Leib". Ist da was dran?

Alipius said...

Keine Ahnung! Ich beherrsche (leider) weder hebräisch noch aramäisch, habe aber von dieser Geschichte bisher noch nichts gehört. Ich frag mal die Tage an der Uni herum.

Aus dem Stehgreif würde ich aber mal behaupten, daß man - selbst, wenn es keine entsprechende Wendung für "Das bin ich" geben sollte - wahrscheinlich auf die simnple Frage "Wer war das?" immer noch mit einem simplen "Ich" antworten konnte. Es sei denn, das schlichte "Ich" existierte wirklich nicht und im Aramäischen wurden Sätze formuliert wie "Mein Leib beugt sich vor, damit mein Leib meinem Leib meines Leibes Schuhe anziehen kann."

Klaus said...

Zum diesem Thema schreibt Simone Weil (1909-1943), von der ich die Liebe zu den katholischen Sakramenten wieder gelernt habe:

«Die Mysterien des katholischen Glaubens sind nicht so beschaffen, dass sie von allen Teilen der Seele geglaubt werden sollen. Die Gegenwart Christi in der Hostie ist auf andere Weise Tatsache, als die Seele Pauls in Pauls Körper gegenwärtig ist [beides ist übrigens dem Verständnis völlig unfaßbar, doch nicht auf die nämliche Weise]. Die Eucharistie soll demnach kein Gegenstand des Glaubens für jenen Teil meiner selbst sein, der auf die Erfassung des Tatsächlichen gerichtet ist. Hierin liegt das Teil Wahrheit des Protestantismus. Aber diese Gegenwart Christi in der Hostie ist kein Symbol, denn ein Symbol ist die Verbindung einer Abstraktion mit einem Bilde, etwas, das der menschlichen Vernunft als Vorstellung einsichtig ist, es ist nicht übernatürlich. Und hierin haben die Katholiken recht, nicht die Protestanten. Nur der Teil unserer selbst, der für das Übernatürliche geschaffen ist, soll diesen Mysterien zustimmen.
Der Anteil der Vernunft – jenes Teiles unserer selbst, der bejaht und verneint, der Behauptungen aufstellt – ist einzig die Unterwerfung. Alles, was ich als wahr begreife, ist minder wahr als diese Dinge, deren Wahrheit mir unbegreiflich ist, die ich aber liebe…»
Und weiter:
«Hört man eine Musik von Bach oder einen gregorianischen Choral, so schweigen alle Fähigkeiten der Seele und recken sich aus, dieses vollkommen Schöne zu erfassen, jede auf ihre Weise. Unter anderen auch die Vernunfteinsicht: sie findet hier nichts zu bejahen oder zu verneinen, aber sie wird gespeist.
Soll nicht auch der Glaube eine Zustimmung dieser Art sein?
Man erniedrigt die Mysterien des Glaubens, wenn man sie zu Gegenständen der Bejahung oder Verneinung macht, während sie ein Gegenstand der Beschauung sein sollen.»
Zitiert aus: Simone Weil, Schwerkraft und Gnade, Kösel 1981