Wednesday, March 24, 2010

Auch, wenn nicht mehr "NS" draufsteht...

... ist trotzdem noch "Kampagne" drin!

Habe grade diesen Kommentar von Andreas Püttmann zu Zölibat und Zander gelesen. Vor dem Hintergrund von Aussagen wie...
    Dass Kriminalstatistiker den Täteranteil katholischer Geistlicher bei etwa einem Promille sehen, interessiert nicht in der monomanischen Massenaufgeregtheit von „uns allen“, die „nur ein Thema“ umtreibt. Hauptsache, „wir“ sind uns einig, wer die Schuldigen sind und wieso sie schuldig werden mussten: Der Zölibat gebiert eben Kinderschänder.
... kehrte ich dann nochmals zur Bischof-Müller-Frage zurück.

Natürlich war der vermeintliche NS-Vergleich für "uns alle" ein gefundenes Fressen, gestattet er doch, die Aufmerksamkeit genau zu dem Zeitpunkt von Thema wegzulenken, an welchem vielleicht die ersten Leute beginnen könnten, Verdacht zu schöpfen, was den Umgang der Medien mit der Kirche und den Priestern betrifft.

Man muß als Kirchenvertreter schwer geschädigt sein, wenn man bzgl des Kindesmißbrauchs nur eines im Sinn hat: Alle Schuld von den Priestern und den etwas schnarchnasigen Bischöfen fernzuhalten.

Man ist nicht weniger geschädigt, wenn man glaubt, ein vermeintlicher NS-Vergleich macht die mit ihm transportierte Aussage automatisch ungültig.

Wenn gewisse Leute es schaffen, den Hirtenbrief des Papstes schon vor seinem Erscheinen zu verdammen; wenn die Stimmung so gelenkt wird, daß trotz anderslautender Zahlen die Mehrheit einen Kinderschänder automatisch mit der Kirche in Verbindung bringt; wenn die Medien es nicht nur fertigbringen, dem Mob auf der Straße Aussagen wie "an die Wand" und "Rübe ab" zu entlocken, sondern dann diese Aussagen auch noch senden; wenn wir mittlerweile so weit sind, daß Priester auf offener Straße angespuckt werden, dann kann ich über Leute, die meinen, es findet keine (vornehm ausgedrückt) Kampagne gegen die Kirche statt, nur den Kopf schütteln.

Es genügt eine uninformierte Mehrheit, um den heilsamen Stachel, welchen die Kirche für das moralisch welke Fleisch der Gesellschaft darstellt, als Giftspritze auszulegen. Der antikirchliche Rent-a-Mob weiß es in der Regel einfach nicht besser. Natürlich könnte man von "aufgeklärten" Menschen des 21. Jahrhunderts verlangen, daß sie mal die Hintern von der Couch kriegen und sich darüber informieren, was wirklich Sache ist. Ich vermute aber mal, daß selbst dort, wo das Hirn schon in die Schuhe tropft, noch ein Rest von Intuition vorhanden ist, welche einem sagt: "Wenn Kirche gut, dann ich Sünder!" Da hört man natürlich lieber weiterhin auf die Einflüsterer, die aus der Ecke kommen, wo man noch so richtig was zu verlieren hat, wenn die Botschaft der Kirche wieder ernster genommen wird. Es ist der ewig alte Teufelskreis...

1 comment:

Conservare said...

Die "aufgeklärten" Menschen geben sich in der Öffentlichkeit noch eine Prise dümmer, damit sie die Unaufgeklärten an sich binden können und für ihre Zwecke instrumentalisieren können. So eben die wenigen Steuermänner, die eine ganze Gesellschaft aufhetzen können.