Saturday, April 24, 2010

Die Bekehrung des Heiligen Augustinus

Die Augustiner feiern am 24. April die Bekehrung ihres Ordensvaters. Hier ein alter Text aus meinem Zweitblog, den ich vor dreieinhalb Jahren dazu schrieb. Es sind größtenteils Auszüge aud den Bekenntnissen mit wenigen, kurzen Anmerkungen.

Das achte Buch der Bekenntisse des Heiligen Augustinus ist für mich nach wie vor das wuchtigste. Augustinus, im Verstande eigentlich bereits von der Wahrheit des Christentums und der Notwendigkeit der Katholischen Kirche überzeugt, braucht noch den letzten Tropfen ins Herz, der dann das Faß endlich überlaufen läßt. Und im achten Buch geschieht es schließlich. Sein Landsmann Pontician besucht ihn und Alypius in Mailand und erzählt vom Mönchsvater Antonius und von der Bekehrung zweier kaiserlicher Offiziere. Diese Erzählungen kamen exakt zur richtigen Stunde. Denn nun schwingt Augustinus sich auf:
    "Du aber, o Herr, wandtest mich während seiner Rede zu mir selbst zurück, zogest mich hinter meinem Rücken hervor, hinter dem ich mich versteckt hatte, um nicht auf mich achten zu müssen, und stelltest mich dann vor mein eigenes Angesicht, damit ich sähe, wie häßlich, entstellt und besudelt ich sei, wie voll von Flecken und Geschwüren. Ich sah es und erschauderte; doch wohin sollte ich vor mir fliehen? Und versuchte ich, den Blick von mir hinwegzuwenden, so war jener immer wieder mit seiner Erzählung da, und wiederum stelltest du mich mir gegenüber und maltest mir mein Bild vor meinen Augen, "auf daß ich meine Sünde fände und haßte". Ich kannte sie zwar, aber ich übersah sie, verbarg sie und wollte sie vergessen."
Augustinus, bisher parallel zu seiner geistlichen Entwicklung immer nach geistigen Ehren strebend und das Weltliche alles andere als verneinend, erkennt, wo die eigentlichen Früchte liegen.
    "In diesem gewaltigen Aufruhr meines Innern, den ich aus aller Kraft mit meiner Seele in der Kammer meines Herzens hervorgerufen hatte, gehe ich verstörten Gesichtes und Sinnes zu Alypius und rufe: "Wohin lassen wir es kommen? Was hast du vernommen? Ungelehrte stehen auf und reißen das Himmelreich an sich, und siehe da, wir mit unserer Gelehrsamkeit, wir wälzen uns in Fleisch und Blut herum! Oder schämen wir uns, ihnen nachzufolgen, weil sie vorangegangen sind? Sollen wir uns nicht lieber schämen, wenn wir ihnen nicht wenigstens nachfolgen?" Solcherlei sprach ich, ich weiß nicht was alles: in meiner Aufregung riß ich mich von ihm los, während er wie angedonnert mich anstarrte und schwieg."
Augustinus läuft - gefolgt von Alypius - in den Garten hinaus und erlebt dort, nach einem Durchleuchten der gleichzeitigen Schwäche und Kraft des Geistes, einem Exkurs gegen die Manichäer und einem inneren Ringen zwischen Geist und Fleisch folgendes:
    "Als ich so in tiefschürfender Betrachtung mein ganzes Elend aus seinem geheimen Grunde hervorzog und vor die Augen meines Geistes stellte, da erhob sich ein gewaltiger Sturm, der einen ungeheuren Tränenregen mit sich führte. Und um ihn auch in Worten sich völlig austoben zu lassen, stand ich auf und ging von Alypius weg; denn die Einsamkeit schien mir zum Weinen geeigneter. So weit ging ich fort, daß mir seine Anwesenheit nicht mehr lästig sein konnte. Denn so war damals meine Stimmung, und jener fühlte es. Ich hatte wohl einige Worte gesprochen, deren Ton tränenschwer klang, und so war ich aufgestanden. Er blieb also, wo wir gesessen hatten, vor Staunen ganz außer sich. Ich aber warf mich, ohne zu wissen wie, unter einem Feigenbaume auf den Boden und ließ meinen Tranen freien Lauf; und wie Ströme brach es aus meinen Augen hervor, dir ein wohlgefällig Opfer; zwar nicht mit denselben Worten, aber doch in demselben Sinne sprach ich zu dir: "Und du, o Herr, wie lange noch?" "Wie lange noch wirst du zürnen bis zum Ende? Sei unserer vorigen Missetaten nicht eingedenk!" Denn ich fühlte, wie sie mich festhielten, und stieß die Klagelaute aus: "Wie lange noch? Wie lange noch: Morgen und immer wieder morgen? Warum nicht sogleich? Warum soll diese Stunde nicht das Ende meiner Schande bedeuten?" So sprach ich und weinte in der größten Bitterkeit meines Herzens. Und siehe, ich höre da aus dem benachbarten Hause die Stimme eines Knaben oder eines Mädchens in singendem Tone sagen und öfters wiederholen: "Nimm und lies, nimm und lies." Sogleich veränderte sich mein Gesichtsausdruck, und aufs angestrengteste begann ich nachzudenken, ob etwa die Kinder bei irgendeinem Spiele etwas Derartiges zu singen pflegten, aber ich entsann mich nicht, jemals solches gehört zu haben. Da hemmte ich den Strom meiner Tränen und stand auf; konnte ich mir doch keine andere Erklärung geben, als daß eine göttliche Stimme mir befehle, die Schrift zu öffnen und das erste Kapitel, auf das ich gestossen, zu lesen. Denn ich hatte von Antonius gehört, daß für ihn bestimmend gewesen sei eine Stelle im Evangelium, auf die er zufällig gestoßen war, gleich als ob ihm die Worte gälten: "Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach" - und daß er sich auf diesen Ausspruch hin sogleich zu dir bekehrt habe. Daher kehrte ich eiligst auf den Platz zurück, wo Alypius saß; denn dort hatte ich die Briefe des Apostels liegen lassen, als ich aufgestanden war. Ich griff nach ihnen, öffnete sie und las für mich das Kapitel auf das zuerst meine Augen fielen: "Nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Zank und Neid; sondern ziehet den Herrn Jesum Christum an und pfleget nicht des Fleisches in seinen Lüsten." Ich wollte nicht weiter lesen, es war auch nicht nötig; denn bei dem Schlusse dieses Satzes strömte das Licht der Sicherheit in mein Herz ein, und alle Zweifel der Finsternis verschwanden. Dann legte ich den Finger oder ein anderes Zeichen auf die Stelle, schloss das Buch und machte mit bereits ruhiger Miene dem Alypius Mitteilung von dem Vorfalle. Er aber tat mir kund, was in ihm vorging und was ich natürlich nicht wußte, auf folgende Weise. Er bat, die Stelle einsehen zu dürfen; ich zeigte sie ihm, und er las noch über meine Stelle hinaus. Was folgte, wußte ich nicht. Es folgte aber: "Des Schwachen aber im Glauben nehmet euch an". Dies bezog jener, wie er mir eröffnete, auf sich. Durch diese Ermahnung wurde er nur noch bestärkt; ohne Zaudern und Unruhe trat er meinem Entschlusse und meinen guten Vorsätzen bei; entsprachen sie doch so ganz seinen Sitten, in denen er sich schon längst zu seinem größten Vorteile von mir unterschied. Dann gingen wir zur Mutter und erzählten ihr; groß war ihre Freude. Wir erzählten ihr, wie es sich zugetragen: sie jubelte und triumphierte und pries dich, der du die Macht hast, mehr zu tun, als was wir bitten oder verstehen; sah sie doch, daß du mir weit mehr gegeben, als sie in ihrem Jammer und ihrem tränenreichen Seufzen für mich zu erbitten pflegte. Denn du hast mich zu dir bekehrt, so dass ich nun auch kein Weib mehr begehrte noch sonst etwas, worauf die Hoffnung dieser Welt gerichtet ist. Ich stand nunmehr mit ihr auf dem Richtscheite des Glaubens, auf dem du mich ihr vor so vielen Jahren gezeigt hattest, "Und du hast ihre Trauer in Freude umgekehrt" und zwar in weit reicherem Maße, als sie selbst es gewollt hatte, und ihre Freude war viel köstlicher und keuscher, als wenn sie sie in leiblichen Enkeln gesucht hätte.
Ich wünschte, ich könnte zu diesem Text ein paar schlaue Zeilen verfassen. Doch scheint mir in diesem Moment, wo ich hier sitze und tippe, schon dieser Wunsch alleine lasterhaft. Ich verbeuge mich innerlich immer und immer wieder vor der ungebremsten Kraft des frühen Christentums und ich muß gestehen, daß ich nicht selten mit ein wenig Wehmut auf diese Zeit blicke. Gäbe es doch heute in den Menschen auch noch diese Klarheit, diesen Mut, diese Einsicht, dieses vereindende Wissen, welches da sagt: "Jesus Christus ist der Herr; in Ihm und in keinem anderen ist das Heil (vgl. Apg 4,12). Er ist derselbe gestern, heute und immer (vgl. Hebr 13,8)."

Ich habe hier die Übersetzung von Alfred Hofmann verwendet. Schöner, kraftvoller und dem Original ein wenig näher findet Ihr den Text in der Übersetzung von Josef Bernhart.

5 comments:

Elsa said...

Ungeheuerlich, wie du hier mit dem Atheismus von Prominenten mal wieder die Kirche angreifst ... Ich weiß wirklich nicht mehr, was wir noch mit dir machen sollen. Du wirst langsam zur Last für die Blogoszese!

:-)))

Alipius said...

Ja, ich bin böse! ;-D

Conservare said...

>>Gäbe es doch heute in den Menschen auch noch diese Klarheit, diesen Mut, diese Einsicht, dieses vereindende Wissen, welches da sagt: "Jesus Christus ist der Herr; in Ihm und in keinem anderen ist das Heil (vgl. Apg 4,12). Er ist derselbe gestern, heute und immer (vgl. Hebr 13,8)."<<

Da liegt die Lösung nahe, selber so ein Mensch zu werden / zu sein.

Tschakka!

Nein, Gottes Segen ist viel wichtiger als alles Tschakka dieser Welt...

Gottes Segen wünsch ich dir :-)

Alipius said...

Das ist lieb, danke!

Yon said...

"...einem Exkurs gegen die Manichäer..."
So viel Zeit muss sein! :D

Ich kann Dir bloß zustimmen, was Deine Bemerkung zur Glaubenskraft der Alten Kirche angeht, dieses "schamlose Pathos" der Heiligenviten, wenn ich das so nennen darf, reißt mich immer total mit, und dann weiß ich gar nicht mehr, wohin mit meinem Tatendrang.