Saturday, April 24, 2010

Beweine mich, ich bin ein Opfer!

Mit dem "Terrorismuspräventionsgesetz" hat die österreichische Regierung dieser Tage ein Gesetz verabschiedet, bei dem schon das "Gutheißen terroristischer Aktivitäten" bis zu zwei Jahre Haft bedeuten kann. Strafbar wird zudem die Teilnahme an sogenannten Terror-Camps.

Nicht nur dies: Auch der Tatbestand der Verhetzung wurde in dem Entwurf neu definiert. Derzeit ist nur die Hetze gegen Kirchen, Religionsgemeinschaften sowie Ethnien (also Rassismus) und Staaten unter Strafe gestellt. Künftig wird auch die Hetze aufgrund des Geschlechts, der Behinderung, des Alters oder der sexuellen Orientierung bestraft. Außerdem ist nicht mehr nur die pauschale Hetze gegen Gruppen strafbar, sondern auch der Aufruf zur Gewalt gegen Einzelpersonen. Der Strafrahmen bleibt unverändert bei bis zu zwei Jahren.

Im Leben ergeben sich aus jeder nur erdenklichen Situation Konsequenzen, angenehme und unangenehme, selbstverschuldete und nicht selbstverschuldete. Diese Konsequenzen können Rechte oder Pflichten sein, die Einen selbst oder Andere betreffen. Was auch immer sie sein mögen: Man muß sich über die Konsequenzen im klaren sein aber auch über den Handlungsspielraum, den sie bieten. Ich will diesen Handlungsspielraum hier tatsächlich mal als eine Art Bewegungsraum begriffen wissen. Dann kann man sich bewegen, bis man den Bewegugsraum eines anderen Menschen kreuzt. Und dann heißt es, Entscheidungen zu treffen. Im Ideal- und Normalfall wird ohne großes Getue geschickt aneinander vorbeimanövriert. Es kann auch zu unerwarteten, freundlichen Interaktionen kommen. Es kann aber auch Ärger geben. Entweder war dieser Ärger schon geplant oder vorprogrammiert (bei einem Banküberfall oder wenn man auf Leute trifft, die so etwas wie Berufsa****löcher sind), oder er ergibt sich aus dem Moment (eine Diskussion wird zu hitzig oder man hat einfach einen schlechten Tag erwischt und ist etwas dünnhäutig). Und wenn es Ärger gibt, dann sind verletzende Worte nicht fern. Und dann muß man Entscheidungen treffen. Akzeptiere ich den Ärger als Konsequenz der Situation, in welcher ich und der Andere sich momentan befinden, oder mache ich den Ärger zur Situation selbst? Wenn ich den Ärger als Konsequenz akzeptiere: Bin ich bereit, meinen Mann zu stehen und gleichzeitig persönliche Attacken erst einmal nur so persönlich zu nehmen, wie die Situation es eben ratsam erscheinen läßt? Wenn ich den Ärger zur Situation mache: Bin ich bereit, die Konsequenzen, die sich aus dieser neuen Situation ergeben, zu tragen? Wenn nicht, dann lasse ich den Platz, an welchem ich selbst zu stehen hätte, um für mich und meine Interessen einzustehen, leer. Und dann nimmt diesen Platz ein Anderer ein, jemand, der es ermöglicht, daß ich als Opfer dargestellt werde.

Wenn man sich die tatsächlichen Opfer in der heutigen Zeit betrachtet, dann wird schnell ersichtlich, welch Büchse der Pandora in Österreich geöffnet wurde. Denn die berechtigten Klagen der Leute, denen irgendeine Art tatsächlicher physischer oder seelischer Gewalt angetan wurde und wird, ist bereits heute manchmal kaum noch zu hören aufgrund der Dauer-Arien vermeintlicher "Opfer", die sich plärrend in die von den Mainstream-Medien hingehaltenen Geräte entladen, weil irgendwo ein Priester die Ehe als eine Verbindung von Mann und Frau definiert, weil irgendwo Leute mit Migrationshintergrund stereotyp dargestellt werden oder weil irgendwo ein Cartoon den falschen Religionsgründer in der falschen Situation zeigt.

[Ja, das TITANIC-Cover hat mich aufgeregt. Aber ich habe weder eine Klage eingereicht, noch zu Boycott aufgerufen. Ebenso, wie ich es für eine Selbstverständlichkeit halte, daß ich auf meinem Blog den Machern dieses Schundes meine Meinung geigen kann, ebenso werde ich mit Klauen und Zähnen für das Recht von Karikaturisten kämpfen, meine Religion lächerlich zu machen. Christus hält das locker aus, die Kirche auch. Es ist ja nicht so, daß man die Kirche und ihre Verteidiger heute nie und nirgendwo zu sehen und zu hören bekommt. Diejenigen, die sich also von einer solchen Karikatur negativ beeinflussen lassen (z.B. zum Kirchenaustritt), tun dies, wenn auch nicht unbedingt mit einem wohlinformierten Gewissen, so doch aus freiem Entschluß und sagen, daß sie lieber dem Wolf, als dem Hirten folgen]

Wenn jetzt in diesen Chor der "Opfer" noch diejenigen einstimmen dürfen, die man als "Hausfrau", "Brillenschlange", "Grauhaariger" oder "Kachel" bezeichnet hat, dann sind die Weichen gestellt in eine Zukunft, in der die endgültige Entmannung unserer Gesellschaft versinnbildlicht werden wird durch das immerwährende Sich-Festklammern am Rockzipfel von Mama Staat.

5 comments:

Ulrich said...

Ist es dann auch verboten zusagen: Ich glaube das, was im Katechismus steht?

Alipius said...

Hmm... Naja... Man läuft ja in manchen europäischen Ländern Gefahr, den Job zu verlieren, wenn man einen Kruzifix-Anhänger trägt. Somit ist die Frage eigentlich gar nicht so unbrechtigt. Dennoch glaube (hoffe) ich, daß man mit positiven privaten Aussagen über den eigenen Glauben fürs Erste noch davonkommen wird... ;-)

Le Penseur said...

@Rev.Alipius:
... ebenso werde ich mit Klauen und Zähnen für das Recht von Karikaturisten kämpfen, meine Religion lächerlich zu machen.

Für diese Haltung lüpfe ich anerkennend meinen Hut! Plus Verbeugung!

Leider viel zu selten heute!

Conservare said...

Naja... privat halt... eine Privatreligion für Privatmenschen... Missionsverbot...

so hört sich das zumindest für mich an. Aber ich bin mir sicher, es wird auch dann noch Leute geben, die lieber 2 Jahre in den Knast gehen, als sich den Mund verbieten zu lassen.

Hui, da kommen wir wieder in biblische Zeiten.

Alipius said...

@ Le Penseur: Danke!

@ Monika: Ja, schau'n wir mal...