Thursday, April 22, 2010

Aus der Abteilung...

... "Komm, schnell! Bevor die Empörungs- und Austritts-Welle abschwillt und wir mit anti-kirchlichen Rührstückchen den schnellen EURO nicht mehr optimieren können!" kommt heute dieses Titelblatt der aktuellen Ausgabe von profil (Österreichs SPIEGEL, aber ohne die glänzende Vergangenheit):



Die Kinder können wirklich nichts dafür, daß ihr Vater katholischer Piester ist. Aber die meisten (wenn nicht alle) ihrer Mütter wußten schon vor der Zeugung, welchem Beruf der Vater ihrer Kinder nachgeht. Hier hätten zwei reife, erwachsene Individuen die Gelegenheit gehabt, eine moralisch richtige Entscheidung zu treffen. Beide haben versagt. Aber, klar: Beide sind natürlich Opfer des Zölibats. Mehr noch: Sie zeugten ein Kind, welches somit automatisch auch Opfer des Zölibats ist.

Und wenn die Liebe zur Frau dann tatsächlich so heftig und unwiderstehlich in das Leben des überraschten Priesters eingedrungen ist, dann gibt es ja immer auch den Laienstand. Jeder geweihte Priester weiß, was er gelobt hat. Jede Frau, die sich mit einem Priester einläßt, weiß, wo der Haken ist.

Es besteht ein Unterschied zwischen "verleugnen" und "keine öffentlichen Lobeshymnen singen". Die Kirche weiß sehr wohl um ihre gefallenen Hirten. Sie sieht nur keinen besoneren Nutzen darin, diese Geschichten auch noch tränenwirksam aufzubereiten, um den pauschal "in der heutigen Zeit" gegen den Zölibat eingestellten Medienopfern auch noch Futter zu liefern.

Solange der Zölibat in der Öffentichkeit nur aus der Lende und nicht vom Glauben her gedacht und diskutiert wird, werden solche Titel weiterhin reißenden Absatz finden. Ein weiteres, gigantisches Aufgabenfeld für uns künftige Priester.

9 comments:

Le Penseur said...

Kurz vorab:

Für meinen Teil stehe ich dem Zölibat weitgehend kritisch-ablehnend gegenüber. Ich verkenne nicht, daß er für isolierte Einzelaspekte des Priestertum (z.B. in der Frage der Wahrung des Beichtgeheimnisses, der Möglichkeit einer Versetzbarkeit "ad nutum", der Erschwerung des Nepotismus u.ä.) seine gewisse Berechtigung hat.

Umgekehrt zeitigt er ebenso unübersehbar gravierende Probleme (Abschreckung geeigneter Kandidaten, Entstehen von Sexualneurosen, Triebsublimierung in teils höchst problematischer Weise u.ä.).

Doch ungeachtet dieser meiner Meinung zum Zölibat muß ich bestätigen: "Opfer des Zölibats, von der Kirche verleugnet" ist schlicht und einfach bullshit (sorry)!

Natürlich wissen die von einem Priester geschwängerten Frauen praktisch immer, daß er ein Priester ist. Mittlerweile ist durch die allgemeine Verfügbarkeit und Akzeptanz von Verhütungsmitteln davon auszugehen, daß die Priesterkinder auch nicht "passiert" sind, sondern (wenigstens seitens der Frau) durchaus mit Wissen und Willen, wenigstens aber mit "billigendem Inkaufnehmen" (dolus eventualis, die der Jurist sagt) gezeugt wurden.

"Volenti non fit injuria" (wenn ich schon mit Latein um mich werfe, dann darf auch dieser alte Rechtsgrundastz nicht fehlen ;-) — also ist die darum wissende Frau kein "Opfer des Zölibats".

Sind nun die Kinder solche "Opfer"? M.E. ebenso nein, da die Zeugung ja auf einer freien Entscheidung der Mutter beruhte (die Verwaltigungsopfer von Priestern wollen wir mal außen vor lassen — sie dürften ja höchst selten sein).

Zusammengefaßt: eine, wie üblich, hinterfotzige Schlagzeile, die nur der Stimmungsmache dient.

Typisch Profil halt ...

Anonymous said...

Lieber Alipius,
in der aktuellen Tagespost-Print - Ausgabe findet sich im Artikel "Im Internet wird die Kirche aggressiv angegriffen" der Satz : "Die Seite 'amrömsten' mit dem dümmlichen Motto 'Katholischer als ein Taufschein, aber nicht päpstlicher als der Papst', wirbt mit einem Video des britischen Schriftstellers und Schauspielers Stephen Fry, in dem der ... " usw. usf.

Offenkundig schlecht recherchiert...

Lg v. Stefan

Marcus, der mit dem C said...

Die für die Zeitung wichtigste Wahrheit ist auf dem Titelblatt unten links zu finden, direkt über dem Barcode.

Braut des Lammes said...

Recht hast du, vielen Dank für diesen Beitrag. Im Januar hat offenbar ein Emeritus der Universität Linz den Zölibat für menschenrechtswidrig erklärt – ein weiterer Gipfel offenbarer Seltsamkeiten.

Alipius said...

@ Le Penseur: Danke für die Stellungnahme (trotz ablehnender Haltung ggü. Zölibat)!

@ Stefan: Ja, da hat wohl jemand nur geguckt und nicht gelesen (oder gelesen und nicht verstanden).

@ Marcus: ;-)

@ Braut de Lammes: Bizarro-World halt.

Yon said...

Wie hübsch die mit der Bezeichnung "traumatisiert" um sich werfen. Das musste wohl unbedingt noch rein, schließlich gings ja um Kontakte mit Priestern, die ja per se traumatisch sind. Solche Begriffe kann man gar nicht genug trivialisieren, finde ich.
Oh mann...

Anonymous said...

Wenn wir schon bei den Glanzpapier-Postillen sind, die in Österreich auf die lesende Welt losgelassen werden, dann gleich einmal ein Kommentar für Kunden österreichischer Trafiken:
- Profil - hat kein Format.
- Format - hat kein Profil.
- Und in News steh'n keine Nachrichten ...

Zwetschgerich

Conservare said...

Absolut lächerlich.

Und was die Tagespost angeht: Die wird immer seltsamer.

Jetzt ist Showtime - habe ich ja gesagt.

Und ich denke man muss nicht immer seine Privatmeinung zum Zölibat abgeben, wenn man das ganze objektiv diskutieren möchte, aber das scheint auch so ein Rufer in der Wüste zu sein.

Mann mann mann... wann hören manche Leute endlich mal auf, die Kirche zu bevormunden?

Conservare said...

Achso, sorry! Ich habe überlesen, dass "profil" der österreichische "Spiegel" ist... na klar, da kann man nun wirklich keine Objektivität erwarten. Wer auch immer dahinter stecken mag... das ist kein Journalismus, sondern emotionale Bauernfängerei.