Tuesday, April 27, 2010

Alipii

Also, es macht sich ja schon bezahlt, wenn man als Stift auch ein Bildarchiv hat. Unseres ist momentan noch reichlich chaotisch, weil es nur teilweise katalogisiert ist. Trotzdem gelang es mir, Bilder der beiden anderen Klosterneuburger Chorherren zu finden, die im 20sten Jahrhundert den Ordensnamen Alipius gewählt hatten.

Beim Ersten war es gar nicht so einfach:


Dies ist Herr Alipius Wollenik, mein direkter Namensvorgänger. Er verstarb in den 80er Jahren. Er war ein ganz großer Photo-Freund und hatte ständig seine Kamera dabei. Man sagt ihm nach, er sei ein wenig eitel gewesen und hätte sich auch immer hüsch selbst ablichten lassen. Aber es dauerte trotzdem einige Zeit, bis ich in seinem Nachlaß endlich ein Portrait von ihm fand.


Beim nächsten Herrn Alipius verlief die Bildersuche bedeutend einfacher:


Denn der Hwst. Hr. Alipius Linda war von 1937 bis 1953 Propst unseres Stiftes. Daher haben wir natürlich eine ganze Menge Photos von ihm.



Hier seht ihr den künftigen Prost als jungen Kleriker.



Dies ist der frischgebackene Herr Prälat in der Cappa Magna, auf welche unsere Pröpste seit der Ernennung unserer Stiftskirche zur Basilika (1936) ein Anrecht haben.



In der Stiftskirche, pontifikalenderweise



Mit Theodor Kardinal Innitzer, dem Wiener Erzbischof



Dies ist das einzige Farb-Photo, das ich bisher von Propst Alipius finden konnte.

Alipius Linda und seine Chorherren hatten unter den Nazis nicht viel zu lachen. Nach einer Hetzkampagne in den Medien (Tenor: "Die bösen reichen Pfaffen saugen dem Volke das Blut aus") wurde das Stift 1941 enteignet und die Chorherren rausgeschmissen. Nur zwei durften im Stift bleiben, um die Gemeinde pastoral zu betreuen. 1944 wurde der Klosterneuburger Chorherr Roman Scholz von den Nazis hingerichtet, weil er mit dem Widerstand zusammengearbeitet hatte. Ein Jahr später wurde Pfarrer Alois Kremar in seinem Pfarrhof von russischen Soldaten erschossen, weil er sich zwischen diese und einige Frauen und Mädchen gestellt hatte, die bei ihm Zuflucht suchten. Nach dem Krieg fand man das Stift glücklicherweise unbeschädigt und ungeplündert vor. Propst Alipius stand der Gemeinschaft noch für acht Jahre vor und manövrierte das Stift Klostereuburg geschickt und unauffällig durch die Zeit der kommunistischen Besatzung Niederösterreichs, welche 1955 endete.

3 comments:

Anonymous said...

"Hier seht ihr den künftigen Prost als jungen Kleriker."
Herrlicher Tippfehler! Bitte nicht korrigieren!

Alipius said...

Huch (* erröt **)! Wie peinlich!

Aber stimmt: Es ist lustig, also lasse ich es so stehen.

Florian said...

"pontifikalenderweise" ist das genialste Adverb seit langem! :-D