Saturday, January 09, 2010

Irgendwie...

... hängt ja doch alles miteinander zusammen.

Hier erst einmal ein Auszug aus einem Text, den Bischof Richard Williamson (ja, genau DER Richard Williamson) in Eleison Kommentare CXVIII veröffentlicht hat (via Karmelblume):
    Über ein Drittel der wahlberechtigten Iren stimmte letzte Woche offenbar für materiellen Wohlstand und Konsum, was in Irland bis zum Beitritt zur EU im Jahre 1973 unbekannt war. Im Gegensatz dazu steht das gläubige katholische Staatsoberhaupt Portugals von 1932 bis 1968: Dr. Salazar. Er wußte, daß es im Leben, in der Politik und sogar in der Wirtschaft nicht um Billigflüge zu goldenen Stränden geht; vielmehr bevorzugte er für sein Land „Armut, aber Unabhängigkeit“ – vor allem Unabhängigkeit von den internationalen „Bankstern“ (Banken-Gangster). Deren abscheuliche Medien brandmarkten Salazar prompt als „Faschistischen Diktator“, doch das portugiesische Volk folgte ihm gerne nach – denn es war ja die Wiederbelebung ihrer katholischen Frömmigkeit durch Fatima (1917), welche Salazar überhaupt erst an die Macht gebracht hatte.

    Doch nur 16 Jahre nach seinem Tod trat Portugal der EU bei. Der Vormarsch der Feinde Gottes in der heutigen Welt scheint wirklich unaufhaltsam zu sein. Jeder Versuch, sich ihrem Streben zum Antichrist zu widersetzen, gleicht mehr und mehr dem Bild einer Sandburg, die der herannahenden Flut standhalten möchte. Wenn sie gut gebaut ist, wie das Portugal unter Salazar, überdauert sie ein paar Augenblicke – doch einige Augenblicke später verschwindet auch sie unter den hereinbrechenden Wellen. Ganz Europa bindet sich selber in die gottlose Neue Weltordnung ein – und das alles für Fußballspiel und Strandurlaub.
Ganz hohes und überspitzt formuliertes Drama natürlich. Und ich weiß, daß da draußen jetzt ein paar Leser sitzen, die sich denken: 'Hmmm... Wenn's vom Williamson ist, dann ist's mit Sicherheit falsch und dann darf man noch nicht einmal so tun, als denke man drüber nach.' Sei's drum. Die werden ja zum Darüber-Nachdenken nicht gezwungen.

Als nächstes das Wochenthema der neuen ZEIT: Was ist jetzt gefährlicher - Terrorismus oder Sicherheitswahn? Hier wird gleich auf Seite 3 erklärt, daß die neuen Nacktscanner nicht allzuviel bringen werden, weil die Terroristen am Ende doch immer den stärkeren Willen und die größere Kreativität besitzen. Glaube ich nur zu gerne. Hinzu kommt natürlich das Horrorszenario einer immer weiter eingeschränkten (wenn nicht gefährdeten) Freiheit des Bürgers.

Drittens eine Schlagzeile, die ich heute im Internet fand: Im Jahr 2011 wird die Zahl der Fluggäste weltweit 2,75 Milliarden erreichen.

Und dann sind wir ja schon wieder bei Williamson und dem Körnchen Wahrheit und der Frage, was Freiheit denn nun eigentlich ist. Ist Freiheit nur das Nicht-nackt-gescannt-Werden? Ist Freiheit der Zwofuffzich-Flug zum Komasaufen nach Malle, zum Weekend-Shopping nach New York oder zum Champions-League-Endspiel nach Rom? Ist Freiheit materielle Sicherheit? Ist Freiheit körperliche Unversehrtheit? Ist Freiheit die des Anderen oder die meine?

Nicht nur für fanatische Islamisten, sondern auch für übereifrige Polizisten existiert die Freiheit des Anderen erst einmal nicht. Das hat zum Beispiel Blogger-Kollege Frank vom Orden des Leibowitz in den vergangenen Wochen leidvoll erfahren müssen. Wer die Gruselgeschichte noch nicht mitverfolgt, kann sich (in chronologischer Reihenfolge) hier, hier, hier und hier informieren. Herzliche Grüße von hier. Ich denke oft an Euch und diese Scheiß-Situation.

Frank und seine Familie waren in diesen grausamen Momenten alles andere als frei. Sie waren Opfer der Willkür, Gefangene im eigenen Haus, gedemütigt vor den Augen der Ihren. Und doch: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich das Leben für sie irgendwann wieder auf normale Bahnen begeben. Für einen Guantanamo-Häftling wird dies nicht so leicht. Der wird nach monate- oder jahrelanger Haft und vielleicht auch Mißhandlung nicht so ohne weiteres in ein normales Leben zurückkehren können, vor allem dann nicht, wenn er durch die Erfahrung radikalisiert wurde oder auch schon vorher radikalisiert war. Dann läuft er aus der physischen Haft Guantanamos direkt in den psychischen Würgegriff der Gotteskrieger-Gehirnwäsche.

Und hier beginnt sich für mich eine erkennbare Form herauszuschälen. Freiheit ist in doppelter Hinsicht beides: Erstens das "Etwas dürfen/können/wollen" für sich selbst UND dazu das "Etwas zulassen" für den Anderen. Zweitens die materielle und die geistige Freiheit. Das sind - Mathematiker haben's schon durchschaut - vier Kombinationsmöglichkeiten. Und unter diesen Vieren ist Eine, die mir unterrepräsentiert scheint und bei deren Betrachtung ich das Minenfeld betrete, auf welchem ich Bischof Williamson eingeschränkt Recht geben muß: Es gibt einfach nicht genug Menschen, die die geistige Freiheit für sich selbst in Anspruch nehmen dürfen/können/wollen.

Ist es nicht so, daß es viel zu viele Leute gibt, die schon zufrieden die Segel streichen, wenn die Miete gezahlt ist, wenn der nächste Urlaub am sonnigen Strand winkt, wenn die Manolo Blahniks passen, wenn das Chateaubriand schmeckt, wenn der Sex gut ist und wenn sie grundsätzlich wieder einmal davongekommen sind? Ist es darüber hinaus nicht so, daß es viel zuviele Leute gibt, die nur einmal kurz den Finger anfeuchten, ihn in den Jetstream des von den Meinungsmachern und Deutungshoheitlern entfachten Wortsturms stecken und ihn beruhigt nickend wieder einziehen, wenn sie sich vergewissert haben, daß die alten Urteile und Vorurteile noch gelten?

Wenn man Williamson's Aussage "Lieber Armut und Unabhängigkeit als Wohlstand und EU-Sklaverei" entschärft und auf ein nüchternes Maß zurechtstutzt, bleibt dann nicht die Wahrheit, daß der materielle Wohlstand und die praktisch uneingeschränkte Verfügbarkeit aller nützlichen und nutzlosen Produkte den Menschen irgendwie den Saft aus den Lenden nimmt? Schaut Euch doch mal die vermeintlich "Andersdenkenden" an, wie sie sich stolz und laut präsentieren. Selbst das, was sich heutzutage als progressiv, aufgeklärt und emanzipiert hinstellt ist doch meistens nichts als abegelutschter, kleinbürgerlicher, dünkelhafter Mief, wie z.B. die jünst hier abgewatschte Autonome Antifa Freiburg oder die Amadeu Antonio Stiftung mit ihrer Aktion "MUT gegen rechte Gewalt/1000 Kreuze in die Spree".

Wenn es etwas gibt, das ich nicht bin, dann ist es ein Weltverschwörungstheoretiker. Dennoch hege ich hin und wieder mal den finsteren Gedanken, daß die Leute, die wirklich die Macht haben und die wirklich entscheiden, was geht und was nicht geht, genau die Leute sind, die uns alle zu braven, kleinen, hechelnden, schwanzwedelnden Konsumenten heranziehen wollen, denen hin und wieder mal ein Protest-Knöchelchen zugeworfen wird, damit sie die Eintönigkeit ihres Alltags in streng abgesteckten Grenzen für kurze Zeit durchbrechen können und sich so das Gefühl erhalten, irgendwie authentisch zu sein.

Und es wäre so einfach grade diesen Bann zu brechen, denn unsere Herrchen sind ja selbst Opfer der eigenen Kombinationsmöglichkeit: Sie dürfen/können/wollen nur eins, nämlich die materielle Freiheit für sich selbst. Nichts wäre leichter, als die eigene geistige Freiheit zu nutzten und diesen Menschen ein kollektives "Nein!" entgegenzuschleudern.

"Nein!": Wir rennen nicht am Sonntag in die Malls, denn der Sonntag ist uns heilig!

"Nein!": Wir fliegen nicht in der Billigdose nach Ägypten, denn dort werden Christen verfolgt!

"Nein!": Wir schauen uns eure Doku-Soaps nicht an, denn sie sind peinlich und erniedrigend!

"Nein!": Wir finden Geiz nicht geil, sondern sündhaft!

"Nein!": Wir kloppen nicht auf dem Papst herum, denn wir wollen lieber so unbeliebt sein wie er, als so langweilig wir ihr!

Naja, Ihr seht schon, meine Perspektive ist dezidiert katholisch. Das bißchen Unfreiheit sei mir aber gestattet, erlaubt ER es mir doch heute, wo ich tatsächlich zufühlen beginne, daß ich körperlich nicht mehr so jung bin wie vor 20 Jahren, mich im Geiste und im Herzen frei zu fühlen wie ein 18-Jähriger.

3 comments:

curioustraveller said...

Ach ja, deine dezidiert katholische Sicht kann ich mir im Großen und Ganzen auch als Protestant zu eigen machen. Kaum zu glauben, wie man sich unter dem Etikett "Freiheit" versklaven lassen kann.

Das Problem mit dem kontemporären Freiheitsbegriff ist meiner Wahrnehmung nach, dass "Freiheit" und "Autonomie" miteinander verwechselt werden. Freiheit als Abwesenheit jeder Form von Zwang gibt es nicht - und der biblische Freiheitsbegriff ist immer mit Verantwortung verbunden, was ihn für die oben angesprochene Spezies ausgesprochen unattraktiv macht.

Es gibt ein nettes Chorlied mit der Zeile "Freiheit ohne den Vater ist nur eine Illusion. Einer knechtet uns immer - wirklich frei macht nur Jesus, Gottes Sohn! Eine viel belächelte und verspottete Liedzeile - und doch so wahr, wenn man genauer hinschaut...

Alipius said...

Laß ihnen den Spott und Freu Dich über die Freiheit!

Schön, daß Du auch in diesem Jahr wieder mitliest!

Conservare said...

Die echte Freiheit findet man nicht da draußen in der Welt - die Welt gibt uns keine Freiheit und sie wird uns nie Freiheit geben können. Die Freiheit kommt nur und ausschließlich von Gott.

Und was die Weltverschwörung angeht - lieber Alipius - so muss man nur einmal dem Gestank des Geldes folgen und dort, wo es am meisten stinkt, sitzen auch jene die am meisten Macht ausüben können. Es ist einfach so: Ohne Geld ist auch für den Christen in der Welt kaum etwas möglich. In Deutschland ist es besonders krass, man darf hier nicht einmal den Bärlauch aus dem Wald sammeln und muss ihn unbedingt im Laden kaufen. Man darf auch die Früchte an den Feldrainen nicht ernten, sondern muss eine Ernte bei der Gemeinde anmelden und bezahlen.

Letztendlich wird der Mensch versklavt und die Natur wird vom Menschen abgeschnitten, genauso wie das Naturrecht beschnitten wird. Mit dem Vorwand die Natur vor dem Menschen zu schützen, errichtet man Reservate. In Wirklichkeit will man verhindern, dass die Völker sich von ihrem eigenen Land, dass ihnen Gott gegeben hat, ernähren können.

Schau nach Afrika. Wie kann es sein, dass wir aus Afrika Tonnen um Tonnen Bananen und Orangen bekommen und dennoch so viele Menschen dort verhungern, noch bevor sie AIDS bekommen, obwohl man in großen Teilen Afrikas fast drei mal im Jahr ernten könnte?

Das ist auch mitunter der Grund, weswegen ich meine Unterstützung an Vereinen wie WWF ect. abgesägt habe. Seit Neuestens gibt es da diese Umwelt-Suchmaschine, wo die Werbe-Euros in das WWF fließen. Mit diesem Geld will man dann den Regenwald Quadratmeter für Quadratmeter abkaufen. Die Frage ist: Wenn eines Tages dem WWF und Co. die besten Waldstücke der Welt gehören, darf dann auch noch das Volk vor Ort diesen Wald "frei" nutzen, oder muss es darauf teure Steuern zahlen???

Usw.

Ja, ich weiß, das klingt alles nach Verschwörung. Aber ehrlich gesagt: Ich habe kein Vertrauen in eine Welt, wo man aus der "freiwilligen" Abtreibung ein Geschäft macht und wo man Gott jeden Tag verhöhnt, während man den Speichel anderer Religionen leckt.

Es gibt zahllose solcher Beispiele.


Liebe Grüße, Gottes Segen und einen schönen Sonntag wünsche ich dir!