Friday, January 29, 2010

Mein Zugang zur Wirklichkeit ist...

kath.net berichtet: Ein studentischer Debattierclub hatte am Mittwochabend zur "Bayreuther Debatte" in die dortige Universität geladen. Drei Gegner und drei Fürsprecher der Religion traten in jeweils achtminütigen Reden gegeneinander an. Die Gegner hatten dies zu sagen:
    Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung betonte, daß Religionen verantwortlich seien für die Geschichte der Unmenschlichkeit: Hexenverbrennungen, Antisemitismus, Weltkriege, Missbrauch von Heimkindern, Unterdrückung von Frauen. Zudem bemerkt er, er brauche keine Dogmen, nur den rationalen Zugang zur Wirklichkeit.

    Mina Ahadi, atheistische Exil-Iranerin: "Ich hasse Religion!

    Paul Schulz, promovierter evangelischer Theologe und bekennender Atheist, "Kirchenrebell": "Religionem esse delendam [Religion muss zerstört werden]!"
Okay, Ahadi und Schulz lassen aufgrund ihrer geschickten Wortwahl ja dankenswerter Weise erst gar keinen Zweifel aufkommen, wo nun Haß und Zerstörungswillen nisten.

Schmidt-Slomon versucht es mit dem Runterrasseln der alten Anklagepunkte, schießt aber damit dann leztlich ein Eigentor, wenn es um den "rationalen Zugang zur Wirklichkeit" geht. Schließlich ist ja nicht die Religion für die von ihm aufgezählten Übeltaten verantwortlich, sondern von der Religion motivierte bzw. fehlgeleitete Menschen. Trotzdem wird alles, was diese Menschen taten DER RELIGION angelastet. Doch was ist mit all dem Guten, das im Namen der Religion getan wird? Ist es nicht so, daß man dies auch anerkennen muß? Ist es nicht so, daß man dies (rationaler Zugang zur Wirklichkeit) dann ebenfalls der Religion zuschreiben muß? Natürlich ist es so. Doch dann hat man bestenfalls und mit viel gutem Willen gegenüber den Religionskritikern ein Unentschieden. Da das Gute, was Menschen überall auf der Welt im Namen der Religion tun, von ihren Kritikern hartnäckig und konsequent ignoriert wird, kaufe ich Schmidt-Salomon den rationalen Zugang zur Wirklichkeit nicht ab. Ich sehe hier lediglich eine fanatische Verblendung, die prima in einen Schundroman über die spanische Inquisition paßt, aber nicht in den Debattier-Club einer Universität.

Hier sind die Stimmen der Befürworter von Religion:
    Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sagt, daß das Leben mit der Religion gut tue und dazu befähige, Gutes zu tun. Er spricht vom menschenfreundlichen Gott, von Christen im Widerstand gegen Hitler und von Ehrenamtlichen, die sich aus christlicher Überzeugung für ihren Nächsten einsetzen.

    Dei Islamwissenschaftlerin Rabeya Müller antwortet auf Schmidt-Salomon, daß die Abwesenheit von Religion nicht zur Abwesenheit von Gewalt führe.

    Andrea Fischer von den Grünen erklärt, sie begreife den Glauben als Auftrag, Liebe weiterzugeben und räumt ein: Natürlich haben Religionen auch Falsches getan. Sie selbst, sagt die Katholikin, habe auch Probleme mit ihrer Kirche, glaube aber.
Sehe ich das nur durch die Brille des gläubigen Katholiken, oder erscheinen hier die Stimmen der Befürworter der Religion tatsächlich als die einlekenden und vernünftigeren?

3 comments:

Raphaela said...

Das war aber jetzt schon eine rhetorische Frage, gell? Denn was die selbsternannten anti-Religions-Kreuzzügler heutztutage so von sich geben (Kinder religiös zu erziehen = Kindesmißbrauch usw.) hat tatsächlich nicht mehr viel mit Ratio zu tun.

Alipius said...

8-D

Raphaela said...

Tja, steht ja schon im Psalm,nicht wahr: initium sapientiae timor Domini. Ohne letzterem war's mit ersterer wohl noch nie so wahnsinnig weit her! :D