Sunday, January 17, 2010

(Nichts) Neues vom N"C"R...

Schon im November hat der National "Catholic" Reporter folgendes Editorial veröffentlicht. Weil es so wunderbar symptomatisch ist, will ich es Euch nicht vorenthalten [Übersetzung hausgemacht]:
    Nostalgie ist nicht der Weg in die Zukunft

    Es ist ein offenes Geheimnis, daß kraftvolle Mächte [oder "machtvolle Kräfte"... Weiß nicht... Im Zweifelsfall immer das, was mehr nach Darth Vader klingt] an der Spitze der Kirche gegen die durch das Konzil in Bewegung gesetzten Veränderungen eingestellt sind und während der vergangenen 40 Jahre still aber emsig daran arbeiteten, das Vollbrachte zurückzuschrauben. Die Rückentwicklung wird üblicherweise in Orwellschen Kirchen-Sprech eingebettet, welcher das Konzil lobt, auch wenn dessen Errungenschaften umgekehrt werden. Manchmal wird in diesem Parallel-Universum auch das Argument gebracht, daß auf dem vier Jahre dauernden Treffen der Bischöfe der Welt eigentlich nichts passierte, was der Kirche und ihrer Mission eine neue Ausrichtung gab [Schon in diesen drei Sätzen stimmt eigentlich nichts. Erst einmal gibt es nirgendwo ein "Geheimnis", sondern nur für jeden einsehbare, von alternden Hippies allerdings mißachtete, vatikanische Dokumente, zu denen auch nicht wenige Konzilsbeschlüsse gehören. Zudem sind die "kraftvolle[n] Mächte an der Spitze der Kirche" nicht etwa das Schreckgespenst, zu welchem sie im folgenden hochhysteriert werden sollen, sondern ein zu begrüßender Normalfall. Wenn die Spitze unserer Kirche keine Kraft und Macht hat, dann können wir sie ja auch gleich abschlagen und uns in 100.000 "katholische" Denominationen aufteilen. Ganz so, wie Christus es wollte: "Ut non unum sint". Das "Kirchen-Sprech"-Argument ist natürlich nur ein leicht durchschaubarer Kunstgriff aus der Schule der 68er-Bigotterie, mit welchem die eigenen Methoden (Verneblung und Simplifizierung der Realität durch Anwendung von Code) dem Anderen untergeschoben werden soll. Die "Nichts passiert"-Nummer ist mir fremd. Die Tradis sagen, es sei zuviel passiert, die Hippies sasgen, es sei zu wenig passiert. Ich kenne niemanden, der sagt, es sei nichts passiert].

    Dann kam Fanc Kardinal Rodé, Präfekt der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens, der als Leiter der Untersuchung der U.S. Frauenorden zu Berühmtheit kam ["Berühmtheit" ist im Original "notoriety", kann also auch mit "traurige Berühmtheit" oder "schlechtem Ruf" übersetzt werden]. Es wird an anderer Stelle in dieser Ausgabe [des N"C"R] aus einem Gespräch zitiert, welches er im September 2008 gab und in welchem er die Probleme des Konzils einer fehlgeleiteten "Hermeneutik" oder Interpretation zuschreibt, welche er "Hermeneutik des Bruches und der Diskontinuität" nennt [Interessant, wie hier die Gänsefüßchen gesetzt werden. "Hermeneutik des Bruches" stammt von Papst Benedikt XVI (Weihnachtsansprache Dezember 2005). Daß das Wort "Hermeneutik" bei seiner ersten Verwendung in Gänsefüßchen gesetzt wurde, ist ein ziemlich klar zu erkennender Versuch, das dem durchschnittlichen Wortschatz eines N"C"R-Lesers sich entziehende Wort als eben jenen Kirchen-Sprech abzustempeln, mit welchem der Vatikan vermeintlich Nebelvorhänge erschafft. In diesem Detail offenbart sich eigentlich schon die ganze Verlogenheit und Hilflosigkeit dieser Truppe: Sie nehmen für sich irgendeine Deutungshoheit in Anspruch, obwohl sie die entscheidenden Dokumente (wie ja von mir schon häufiger und seit langem beklagt) nur auszugsweise oder vom Hörensagen kennen. Auch dürfen sie davon ausgehen, daß ihre Leser mit Begriffen wie "Hermeneutik" nur begrenzt etwas anfangen können (implizieren zumindest die Kommentare auf N"C"R). Anstatt dort durch Aufklärung Abhilfe zu schaffen, was ja Arbeit bedeutet und Gefahren birgt (da diese Konzils-Dokumente alle ziemlich überzeugend sind und dem Ein odere Anderen den "Geist des Konzils" nachhaltig austreiben könnten) wird einfach ein Code entwickelt, der erstens diejenigen desavouiert, die gemäß der Dokumente handeln und zweitens die zu mobilisierende Meute so schnell auf die Barrikaden bringt, daß sie keine weiteren Fragen stellt. Orwell? Guck mal, wer da spricht!].

    Dies ["Hermeneutik des Bruches"] ist eine etwas elaborierte Weise zu sagen, daß man glaubt, auf dem Konzil sei nichts passiert [** prust ** Was für ein Eigentor! Ein Kurienkardinal, Präfekt der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens, bedient sich einer Aussage des Papstes über das Konzil, in welcher der Heilige Vater seine Sorge mit der Entwicklung der Dinge zum Ausdruck bringt. Und warum zitiert der Kardinal? Weil er glaubt, auf dem Konzil sei nichts passiert!]. Man muß Rodé zugutehalten, daß er in Kommentaren jüngeren Datums seinen Ton ändert. In seiner letzten Erklärung ist das Problem nicht mehr die Interpretation, sondern das Konzil selbst. In seinem Gespräch mit John Allen (N"C"R), schreibt er dem Konzil muskulöse Absichten [?] zu und erkennt, daß seine Dokumente die Sprache bedeutenden Wandels enthalten. Wie könnte er sonst die schockierende Anklage vorbringen, daß das Konzil "die größte Krise in der Geschichte der Kirche" hervorgerufen hat, die erste "wirklich globale Krise" der Kirche [Weil er eben nicht glaubt, daß auf dem Konzil nichts passiert sei. Weil er niemals etwas sagte, was diese Unterstellung rechtfertigt. Weil er die heutige Realität an dem, was auf dem Konzil passierte und formuliert wurde, prüfte und zu einem nicht befriedigenden Ergebnis kam]?

    Ohne Zweifel sprach er auch für andere Kurienmitglieder, die öffentlich niemals eine solchbarsche Aussage machen würden [Nette Vermutung, aber natürlich "ohne Zweifel"].

    [Ab jetzt wird's richtig dumm] Was aber findet der Kardinal so desaströs? Zu was sähe er uns gerne zurückkehren? Möchte er in die Tage zurück, in denen die Kirche die Trennung von Kirche und Staat verdammte? Möchte er, daß wir Religionsfreiheit wieder verdammen? Seit dem Konzil haben drei Päpste das Prinzip der Religionsfreiheit als ein fundamentales Menschenrecht aufrechterhalten, eine Aussage, die vor 1965 undenkbar gewesen wäre. Vielleicht ist er gegen nostra aetate, die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen. Vielleicht möchte er, daß wir zurückkehren zu den Tagen in denen wir den Juden in unseren Gebeten und Predigten mit offener Feindschaft begegneten. Oder empfindet er, daß Modernität und Ökumene die Kirche so infiziert haben, daß wir zurückkehren sollten zu den Tagen, in denen Katholiken nicht das Begräbnis eines Freundes besuchen durften, wenn es in einer protestantischen Kirche stattfand oder in denen wir für den Besuch eines nicht-katholischen College die Erlaubnis des örtlichen Bischofs benötigten? Möchte er zu der päpstlichen Verdammung der Gewissensfreiheit im 19. Jahrhundert zurückkehren [Irre, oder? Diejenigen, die dem Kardinal unterstellen, er glaube, auf dem Konzil sei nichts passiert, schlüpfen hier (aus Berechnung oder tatsächlich aus mangelnder Intelligenz) in die Rolle des Ignoranten, indem sie so tun, als sei nach dem Konzil nichts passiert und als seien die oben angesprochen Punkte notwendigerweise die einzigen Veränderungen, die ein Kardinal gerne rückgängig gemacht sähe. Sie tun so, als läge die Landschaft der US-Frauenorden nicht in Ruinen, als hätten Happy-Clappy-Weichspüler-Messen und peinlich-anbiedernde Kleinkinder-Liturgie auch für mindestens Jugendliche (manchmal gar Erwachsene) nicht zu einer erschreckenden Respekt- und Ahnungslosigkeit gegenüber den Sakramenten im allgemeinen und der Eucharistie und dem Bußsakrament im besonderen geführt, als hätte eine mit Ökumene verwechselte Beliebigkeit nicht die Lehre der Katholischen Kirche in manchen Gegenden bis zur Instabilität ausgehölt und untergraben. Dafür wird aber die ganze Spekulation mit dick Schmalz unterlegt (Begräbnis eines Freundes, Juden mit offner Feindschaft begegnen). Es ist genau diese emotionsbefrachtete Doppelzüngigkeit so ziemlich aller Schreiköppe linksliberaler Provenienz, die mich mit schöner Regelmäßigkeit an der Vernunftbegabung des Menschen zweifeln läßt]?

    [Und aus der Abteilung "Das muß aber unbedingt auch noch mit rein":] Oder ist er verstimmt, daß die meisten es nicht vorziehen sich so wie er mit königlichem Staat zu schmücken, mit den Metern aus Seide der Cappa Magna, mit den Baldachinen und Thronen und dem ganzen Rest - begleitet von seinen Hofschranzen, jungen Klerikern in Spitzenhemden, Biretten und altmodischen, mit Gold und Juwelen bestickten Paramenten - und dabei in einer toten Sprache zu reden, mit dem Gesicht zuur Wand und dem Rücken zu den Leuten? [Muß man nichts zu sagen, außer vielleicht, daß Rode meines Wissens nach die Cappa bisher nur einmal trug, auf Bitte des ICRSP (und somit kaum von "vorziehen" gesprochen werden kann) und daß natürlich die Schleppen eigentlich noch viel zu kurz sind ;-)].

    Das alles war die vorkonziliare Kirche. Welche Elemente hätte er gerne wieder zurückgebracht? [Tja, Konzils(aner)kenner wüßten nun natürlich, daß z.B. die Cappa oder goldbestickte Gewänder in der Tat vorkonziliar sind, aber eben auch nachkonziliar.]

    [Und jetzt Obacht!] Oder möglicherweise bedauert er die Tatsache, daß Laien heute überall nicht nur Zugang zu den Schriften sondern auch zu den Konzilsdokumenten haben und daher mit Autorität sagen können, daß diese Version der Kirche, die sich auf eine dünne Kultur der Nostlagie verläßt, für die Zukunft keine Versprechen macht [Ernsthaft: Man könnte sich das nicht einmal ausdenken, wenn einem 300.000 Euro für eine gute N"C"R-Persiflage geboten werden. Daß einzige, was der Kardinal bedauert, ist, daß kein Schwein den Zugang zu besagten Dokumenten fruchtbar nutzt, sondern daß alle sich lieber als Richter, Mahner, Opfer und Heuler aufspielen].

    Gegen diese Kultur kann das Volk Gottes mit Überzeugung sagen, daß unsere weltweite Kirche in sorgfältiger Überlegung entschieden hat, vorwärts zu gehen, nicht zurück und daß die Autoren dieser Veränderungen überzeugend geschrieben haben von der Notwendigkeit neuer und inklusiverer Wege, wie wir uns als Katholiken des 21sten Jahrhunderts aufführen müssen [** mit offenem Mund vor dem Bildschirm sitz **].
Es sind genau solche Schmierereien, die wir immer und überall als das entlarven müssen, was sie sind. Denn wenn wir schon von "Verfolgung" reden wollen, sollte uns dies klar sein: Die Verfolgung, die die Katholische Kirche aus ihren eigenen Reihen erfährt, ist um nichts unschädlicher als die, die ihr die Welt und deren Fürst entgegenbringt.

3 comments:

Anonymous said...

Die Entscheidung darüber, ob sich etwas oder jemand "katholisch" nennen darf, steht nach dem Kirchenrecht dem ordinarius loci zu. Läuft in betreff des N"C"R ein Aberkennungsverfahren? Wenn nein, warum nicht?

Zwetschgerich

Conservare said...

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Mit dem Gesicht zur Wand? Achsoooo....

deswegen: Weil wir ja Gottes Volk sind und das bedeutet inoffiziell "Genauso wie Gott".

Tote Sprache - nun ja... sie hat sich bewährt, diese tote Sprache. Länger als Deutsch z.B.

Ach was rege ich mich überhaupt noch auf. Dieser Verfasser des Artikels ist offensichtlich nicht gewillt seine reaktionäre 68-er Meinung zu ändern.

Anonymous said...

Na Gott sei Dank sehen das die jungen Theologen wieder ganz anders und gehen mit Papst Benedikt gerne an das Werk, das letzte der 21 Konzilien in einer Hermeneutik der Tradition und Kontinuität zu lesen und lehren!!

http://blog.messainlatino.it/2010/01/interpretazione-in-continuita-dei-testi.html