Wednesday, January 20, 2010

Ich studiere in diesem Semester Ökumene!

Der Kurs nennt sich "Ecumeni-call Awareness". Als ich den Titel zum ersten Mal las, befürchtete ich natürlich das Allerallerschlimmste. Jedoch: Der Kurs ist spitze! Professoressa Rossi ist in ihrem Fach oberkompetent, kennt die entsprechenden Dokumente quasi auswendig und ist immer auf dem neuesten Stand, was die Entwicklungen in der Ökumene betrifft.

Jetzt hat Super-Margot mit ihrem jüngsten Papst-Statement ja nur so mittelviel Zustimmung eingefahren. Kann ich auch verstehen. Wird ja langsam öde.

Ökumene der Profile, das bedeutet nicht das ständige Rumnörgeln am Anderen. Das schafft kein Profil. Da wird immer ein fliehendes Kinn bleiben. Dann lieber ein- oder zweimal klipp und klar sagen, wo die Kuh weidet (Dominus Jesus, 2000; responsa ad quaestiones de aliquibus sententiis ad doctrinam de ecclesia pertinentibus, 2007), so wie der damalige Präfekt und heutige Heilige Vater. Das gibt dann zwar Munition für jahrzehntelages Beleidigtsein und Zurückballern, aber es schafft auch Klarheit. Sicher, diese Klarheit kann man dann nicht einfach auf Knopfdruck auch von den Brüdern und Schwestern in den von uns getrennten Kirchen und Gemeinschaften verlangen. Aber die müßten doch trotzdem verstehen, daß diese "Och, menno!"-Attitüde ihnen selbst nichts bringt, weil darauf doch höchstens noch notorische Papst- und Kirchenhasser reinfallen. Und ob es jetzt - rein vom ökumenischen Standpunkt - soooo toll ist, die zum umgarnen, weiß ich auch nicht.

Die Reaktion auf das Dokument aus dem Jahre 2007 der heutigen Ratsvorsitzenden der EKD lautete damals:"Nach unserem Verständnis ist Kirche da, wo das Evangelium verkündet und die Sakramente evangeliumsmäßig verwaltet werden". Das wär doch zum Beispiel schon mal ein wunderbarer Ansatz für Gespräche...

12 comments:

doc_mouse said...

"Das Sterben sei ein intimer und zarter Prozess und gehöre nicht in die Öffentlichkeit, so Käßmann. Sie hätte bei der Geburt ihrer vier Töchter auch keine Kamera dabei haben wollen." Aber dafür bei Ihrer Scheidung, Ihrer Krebserkrankung etc. pp., die Sie jeweils brutalstmöglich in ihrer Schwarte ausgebreitet hat....

Elsa said...

Die Russen ahnen ja nicht mal im Ansatz, was sie sich erspart haben ...

Conservare said...

Naja... wenn ich in meiner katholischen Kirchenzeitung solche Brocken lesen muss wie: "keine Rückkehrökumene" ... dann danke ich recht schön. Das kann einem das Aussprechen des Begriffs "Ökumene" so langsam echt vermiesen.

Aber was sage ich - mir hängt das Wort leider schon zum Halse heraus. Überall hört man es, aber jeder hat eine andere Auffassung davon. Also sollte man vielleicht erst einmal - bevor man dialogisch miteinander verkehrt - den Begriff "Ökumene" für alle verbindlich klären. Alles andere sind doch nur Spielchen. Keine Butter bei die Fische, sondern Ausflüchte. Dabei wäre die Aufklärung zumindest schon die erste Miete.

Ich für meinen Teil brauch keine Ökumene, die mir weis machen will, dass die Katholische Kirche seit 2000 Jahren auf dem falschen Dampfer ist und immer noch den richtigen Weg sucht, deswegen zusammen mit der Evangelischen Seite einen "Mittelweg" suchen muss. Aber genau so wird es mir an jeder Ecke in christlichen und unchristlichen Medien vermittelt.

Ich finde das es jetzt erst mal gut genug ist, wenn wenigstens die Christen zusammen kommen, die an das heilige Altarsakrament glauben. Hey, was will man in so einer Welt wie heute mehr? Allein die Annäherung zwischen Ost und Westkirche ist ein riesen Meilenstein und dann noch die Sache mit den Anglikanern!

kalliopevorleserin said...

Ich bin sicher, der Prozentsatz sowohl an Schafsköppen wie auch an richtig bösen Leuten ist bei Katholiken und Protestanten gleich.
Darin, daß das Sterben nicht in die Öffentlichkeit gezerrt werden soll, wie leider bei dem vorigen Papst geschehen, gebe ich Frau Käßmann recht. (Nebenbei, auch in vielem anderen - die Adresse zum Steinigen ist auf meiner Webseite ersichtlich, los, Mitkatholiken, traut euch was.)
Daß damals bei einem sehr alten Menschen, dessen Weiterleben nur noch Weiterleiden bedeutete, von vielen Katholiken um genau dies Weiterleben gebetet wurde, befremdete mich. Zumal wenn man glaubt, daß nach diesem Leben was Besseres kommt.
Übrigens, wer absolut kein gutes Haar an den Protestanten läßt, darf nie wieder Bach hören. Da bin ich knallhart. *fg*

Alipius said...

Zumindest mein Austausch mit den Leuten, die damals in Rom waren und dem Papst beim Sterben begleiteten, zeigt, daß sie nicht für sein Weiterleben sondern für ein gutes Ende gebetet haben.

Eben wegen des Prozentsatzes schaue ich auch nicht auf die Quantität der auf der jeweiligen Seite sich aufhaltenden Schafsköppe und bösen Leute sondern auf die Qualität ihrer Aussagen. Und da hat die Landesbischöfin momentan massiv Bringschuld.

Und - ja - Bach will ich natürlich schon weiter hören dürfen. Andererseits ist es ja zum Glück nicht so, daß ich KEIN gutes Haar an den Protestanten lasse. Ich finde zum Beispiel Bach ganz prima ;-)

Elsa said...

Das Gute ist, ich komme hervorragend ohne Bach aus. Und für was die Leute gebetet haben, lässt sich natürlich so eindimensional, liebe kalliope, nicht pauschalisieren. Ich steinige dich schon nicht. Ich steinige niemanden, der den Eindruck erweckt, differenzieren zu WOLLEN.
Aber dein Gedanke zum Beten für das Weiterleben des Papstes könntest du an Frau K. mailen, damit könnte sie demnächst wieder brillieren ...
:-)
Außerdem widerspricht sich der ganze Quark zunehmend. Denn natürlich möchte Frau K. nicht das Sterben und das Alter und die Krankheit und den Tod aus der Öffentlichkeit verdrängt haben. Sagt sie dann. Wenn es grad nicht um den Papst geht.
Tatsächlich ist es so, wie Alipius andeutet: Man würde einfach intellektuell mehr erwarten von dieser Frau. Den Politikern "Konzeptlosigkeit" in Bezug auf Afghanistan vorzuwerfen und selbst mit dem Spruch "Mehr Fantasie für den Frieden" in der Sache aufzutreten, das ist ein Niveau in einer öffentl. Debatte, an das ich mich noch nicht gewöhnt habe. Dass einige Protestanten das auch noch gut finden, zeigt mir, dass man sich daran gewöhnen kann. Ich muss einfach nur stärker wollen.

curioustraveller said...

"Nach unserem Verständnis ist Kirche da, wo das Evangelium verkündet und die Sakramente evangeliumsmäßig verwaltet werden"

Puuhh, mit solchen Aussagen wäre ich an Frau Käßmanns Stelle angesichts der homiletischen Realität vieler evangelischen Kirchen aber seeehr vorsichtig ...

Conservare said...

Ich wüsste nicht, dass man JP II gefilmt hat, während er gestorben ist.

Diese Aussage von Frau Kässmann ist einfach platt und verlogen Punkt

Elsa said...

Das öffentliche Leiden ist nicht mit dem eigentlichen Sterben JP gleichzusetzen. Gestorben ist er hinter verschlossenen Türen im Apostolischen Palast. Allerdings hatten sich zu dem Zeitpunkt schon circa 3 Millionen Leute, vor allem junge Leute, in Rom versammelt, um ihn mit ihrem Gebet zu begleiten.
Bei MIR war es so, dass ich zunächst abgestoßen war, da saß er und konnte nur noch gurgeln und wollte den Menschen doch etwas sagen (in der Zeit vor dem Sterben, die letzten Bilder), warum hört das nicht auf - na klar, weil ich es nicht sehen wollte. Aber JP war ein beinharter Kämpfer, er hat den Faschisten die Stirn geboten, er hat den Kommunisten die Stirn geboten, er hat seiner Krankheit die Stirn geboten, denn er hatte eine Botschaft: Schaut hin! Habt keine Furcht! Körperliches Leiden ist nicht das Schlimmste was euch passieren kann! Da gibt es mehr! Und ich bin unterwegs nach dort! Als ich das endlich erkannt hatte, hatte ich auch viel vom christlichen Glauben verstanden, was mir vorher nicht möglich war. Wenn das sogar mir als Heidin damals möglich gewesen ist, sollte es doch für eine führende geistliche Person einer christlichen Kirche ebenfalls möglich sein, einen spirituellen Zugang im Sinne JP2 zu seinem letztem öffentlichen Auftreten zu finden?

Alipius said...

Sehr schön Elsa! Danke!

Elsa said...

Keine Ursache. Ich denke gerne an diese Tage zurück. Da hat es gewaltig gekracht bei mir innen drin. Deshalb bin ich auch so furchtbar angesäuert.
Ich glaubte gar nicht an Jesus Christus und fand mich irgendwann in einer riesigen, wundervollen Gemeinschaft von katholischen und christlichen (und nichtchristlichen!) Betern wieder, ich hatte eine Kerze an und betete irgendwas, weiß nicht mehr, das ging wirr durcheinander und dazu immer die Bilder von den singenden Menschen auf dem Petersplatz, das Ave Maria!. Zum ersten Mal war ich Teil einer Gemeinschaft, der ich doch gar nichtmal angehörte. Einfach verbunden. Durch diesen unheimlich wagemutigen Mann (der viele dadurch bekehrt hat, nicht nur mich! Weil er sich selbst in die Waagschale warf.) Und es war auch nicht wie am 11. 9.01, wo man dauernd mit der Trauer und der Wut oder dem aufkeimenden Hass zugleich zu kämpfen hatte. Sondern rundum richtig, gut, und liebevoll und inspirierend und schön und tröstlich zugleich.
(Wieso schreib ich eigentlich so viel?)
:-)

Alipius said...

"(Wieso schreib ich eigentlich so viel?)"

Weil Du's immer noch spürst! Ist doch ein gutes Zeichen!