Saturday, June 19, 2010

Sam Harris...

...sieht in den Religionen im Allgemeinen und im Islam im Speziellen eine große Gefahr für die derzeitige Gesellschaft und setzt sich für einen rationalen und vernünftigen Zugang zu Ethik und Spiritualität ein, ohne deren Notwendigkeit grundsätzlich in Abrede zu stellen. Er kritisiert dabei besonders, in Anlehnung an die berühmte Schrift "Why I am not a Christian" von Bertrand Russell, die monotheistischen Religionen und jede andere Form von unfundiertem, blinden Glauben - welchen er mit seinem Buchtitel The End of Faith (zu Deutsch: Das Ende des Glaubens) direkt angreift. Er argumentiert, dass die Political Correctness in den Tagen des fundamentalistisch motivierten islamischen Terrorismus ausgedient habe und man "über gewisse Dinge ehrlich und offen sprechen müsse, zum Beispiel, dass der Koran und die Bibel eine immense Ansammlung lebensfeindlichen Gequassels enthielten".

Sam Harris schrieb auch dies:
    The link between belief and behavior raises the stakes considerably. Some propositions are so dangerous that it may even be ethical to kill people for believing them.

    (Die Verbindung zwischen Glauben und Handeln erhöht den Einsatz in beträchtlichem Ausmaß. Einige Behauptungen sind so gefährlich, daß es sogar ethisch sein könnte, Menschen dafür zu töten, daß sie diese glauben)
Die Bibel enthält eine immense Ansammlung lebensfeindlichen Gequassels...

Harris eilte - nachdem man ihm aufgrund der aus seinem Buch "The End of Faith" zitierten Sätze Vorwürfe machte - natürlich schnell zur Brandstselle und versuchte, diese Aussagen zu rechtfertigen. Sie seien aus dem Kontext gerissen, habe er doch vor dieser Textstelle lang und breit dargestellt, wie sehr religiöser Glaube das Verhalten bestimmt und wie sehr diese Tatsache gewisse Glaubensinhalte gefährlich macht.

Wie soll das aber in der Realität aussehen? Harris sagt schließlich nicht, daß es ethisch sein könnte, Menschen zu töten, die im Begriff sind, sich und 200 andere Menschen in die Luft zu sprengen, weil sie von den gefährlichen Inhalten ihres Glaubens zur Tat übergehen. Er sagt, es könnte ethisch sein, Menschen zu töten, nur, weil sie diese Dinge glauben.

Dies ist ein gewaltiger Unterschied. Einem Selbstmordattentäter mit einer Tonne Sprengstoff an der Hüfte und dem Finger am Auslöser darf man wohl schon eine Kugel zwischen die Augen setzen, wenn dadurch die Explosion verhindert werden kann. Der fiebert dem Tod ja ohnehin entgegen. Aber jemandem, der glaubt, er käme ins Paradies, wenn er die richtigen Leute mit sich in den Tod reißt, alleine wegen dieses Glaubens zu töten, enthüllt exakt jene hysterische Ungelassenheit, die Harris den Anhängern der monotheistischen Religionen vorwirft.

Hinzu kommt: Heute werden die Leute zum Abschuß freigegeben, die an das bombenstarke Martyrium für ihren Gott glauben, da die Vergangenheit gezeigt hat, daß sie viel zu viele unschuldige Menschen mit sich in den Tod reißen. Morgen sitzt dann der gesamte, sich gegen die Abtreibung aussprechende Episkopat eines Landes auf dem elektrischen Stuhl, weil irgendwo irgendwann mal ein durchgeknallter "Christ" einen Abtreibungsarzt getötet hat.

Hier noch ein kuscheliges Harris-Zitat:
    I hope to show that the very ideal of religious tolerance (born of the notion that every human being should be free to believe whatever he wants about God) is one of the principal forces driving us toward the abyss.

    (Ich hoffe, daß ich zeigen kann, daß das Ideal der religiösen Toleranz (aus der Vorstellung geboren, daß jeder Mensch die Freiheit haben sollte von Gott zu glauben, was er will) eine der Hauptkräfte ist, die uns dem Abgrund zutreibt.)
Machen wir uns nichts vor: Nicht nur zwischen Harris' Zeilen, sondern direkt und unverblümt in seinen Texten läßt sich eine Aufforderung zum Massenmord herauslesen, die selbst in der bösen, finsteren, religiösen Schmuddelliteratur (Koran, Bibel...) ihresgleichen sucht.

Denn es bleibt die Frage: Wer sagt, wann und wo Schluß ist, wenn sich - nach Ausschluß Gottes - die Wissenschaft der Moral breitmacht? Harris selbst muß doch aufgrund seines Interessengebietes wissen, daß manche Menschen sich selbst von den Geboten Gottes nicht aufhalten lassen, wenn es um Mord und Totschlag aus niederen Beweggründen geht. Wie soll es erst aussehen, wenn diese Gebote, die heute von vielen Menschen rigoros eingehalten werden (sei es wegen der Furcht des Knechtes (Angst vor Strafe) oder der Furcht des Sohnes (Angst, den liebenden Vater zu beleidigen)), aus der immerwährenden, unveränderlichen "Hand" Gottes gerissen und den unsteten, ständig zugunsten eigener Projekten gegen die Projekte anderer anrennenden Menschen übergeben werden?

3 comments:

Yon said...

Ich versteh das nicht, das muss doch mit nem Mindestmaß an Denkarbeit den Leuten schon selber auffallen, oder nicht?

Alipius said...

"...mit nem Mindestmaß an Denkarbeit..." => Problem erkannt...

Anonymous said...

Naja, im Koran stehen aufforderungen zum Massenmord. Und Mohammed hat die auch durchgeführt.

Johann