Tuesday, June 15, 2010

Pfingstbewegte Puppenkiste

Das Maß ist voll!
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    Die Veranstaltung begann mit einem Paukenschlag, als Pfarrer Mayr, der im Internet verantwortlich für die Pfingsterklärung zeichnet, Bischof Mixa erneut mit dem Verdacht eines möglichen sexuellen Missbrauchs in Verbindung brachte und Richtung Mixa ausrief: "Solche Leute trifft der Zorn Gottes!" Mixa könne "unmöglich zurückkehren", weil es "möglicherweise" sein könne, dass er sexuell übergriffig geworden sei [Bis hierhin alles comme il faut. Einem Pfingstbewegten darf man es nicht verübeln, daß jemand, der möglicherweise etwas getan hat, in seinen Augen bereits den Zorn Gottes verdient. Daß die Vorwürfe des sexuellen Übergriffes mittlerweile vom Tisch sind, ist da auch nicht relevant, da der Heilige Geist schließlich nicht überall weht und bevorzugt jene erleuchtet, die seinen Namen shanghaien und ihn sich vor den Karren spannen. Aber was jetzt folgt, daß ist schon eine ganz neue Qualität von "wie jetzt?"]. Dem widersprach der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen heftig. Ein solcher erneuter Verdacht würde all jenen in die Hände spielen, die behaupteten, Mixa sei Opfer der Medien geworden [Ah, okay! Wir lassen also nicht von der Praxis des Rufmordes ab, weil es eine Sünde ist, die den Anderen massiv in seiner Würde verletzt, sondern weil es den falschen Leuten in die Hände spielt WOW!]. Ihm zufolge habe nicht der unzutreffende Verdacht des sexuellen Missbrauchs, sondern die "lange Kette von Verfehlungen" zum Fall Mixas geführt: die Unwahrheit in der Frage, ob er Kinder geschlagen habe, die Probleme in der Lebensführung, dass er also Kunstgegenstände für haarsträubende Preise aus Geldern der Waisenhausstiftung bezahlt habe [Gibt es hierzu bereits irgendwelche klaren Aussagen? Immerhin steht in der Augsburger Allgemeinen vom 17.4.: "Mixa hat das Geld zurückgezahlt und sich nicht bereichert"], dass er sich in Widersprüche verstrickt habe, dass er die Opfer mit juristischen Schritten bedroht habe [Hoffentich bedroht er dieses Mal die Täter, nämlich all jene, die ihm immer noch sexuellen Mißbrauch anhängen], sowie die vielen Kirchenaustritte [... bzw. Erpressungsversuche] und die Frustration über all das selbst von bischofstreuen Pfarrern.

    Pfarrer Mayr unterstellte, der Papst habe bisher "das Böse" in der 68er Generation und im Konzil gesehen [WTF?], habe aber jetzt erklärt, dass "das Böse" aus der Mitte der Kirche komme [Hier ist mal ein Pfarrer, der sich so richtig mit "dem Bösen" beschäftigt hat. Wir sind alle dazu berufen, das Böse zu unterlassen und das Gute zu tun. Aber wir sind eben Menschen und als solche einer Unzahl von Verführungen ausgesetzt, die uns immer wieder dazu verleiten, etwas Böses zu tun. Vielleicht muß man ein abgehobener Pfingstbewegter sein, um sich "das Böse" so sehr aus der Distanz anschauen zu können, aber die Rufmord-Nummer weiter oben läßt da Zweifel aufkommen].

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    [Es folgt ein weiterer, glänzender FAIL der Augsburger Allgemeinen, dieses Mal präsentiert vom Moderator der Podiumsdiskussion, Alois Knoller] Als vorrangiges Problem betrachtet der frühere Regionaldekan, dass "Mixa mit seinen Freunden in unserer Kirche immer noch gegenwärtig ist"; jene hätten eine Hoffnung auf Wiederherstellung der alten Zustände, und dies blockiere die Diözesanleitung. Diesen "bestimmten Freunden aus der näheren Umgebung von Mixa" empfehle er, dass sie sich "entweder von Mixa distanzieren oder freiwillig zurücktreten". Hierauf warf der Moderator ein, man könne ja nicht, wie in der Reformation, den, den man für ungläubig oder irrgläubig halte, erschlagen, dies seien "zu viele" [Ooohhh-kay! Wir erschlagen sie nicht, weil es Mord ist, sondern weil es zu viele sind]. Auch in der Ökumene, so Mayr, habe Mixa Schaden angerichtet; dessen Buch „Selbstverständlich katholisch!“ hätten gewiss nur „seine Freunde“ gelesen. „Tiefe Verwundungen“ seien nicht nur von Bischof Mixa, sondern „auch von seinen Freunden, die überall in den Pfarrgemeinden verteilt sind“, ausgegangen. Hier müsse eine Art „Versöhnungskommission“ nach dem Vorbild Südafrikas [Sach ma, träum' ich eigentlich oder was ist hier los? Jetzt herrschen in der Diözese Augsburg also schon Zustände, die nach Lösungen aus dem Kampf gegen die Apartheid rufen lassen?] die Heilung befördern. Eine der ersten Maßnahmen müsse auch sein, wieder eine Frau in die Ordinariatssitzung zu entsenden; schließlich sei ja eine Frau "erstes Opfer" von Mixa geworden.

    Die Augsburger "Pfingsterklärung" sei keine "Kirchenvolkserklärung", sondern eine "Gottesvolkserklärung", bemühte sich Mayr, der umstrittenen Erklärung eine theologische Dignität zu verleihen. Sie enthalte die Verpflichtung zu neuem Anfang und zu innerer Heilung. Versöhnlich meinte Mayr zum Schluss, man solle nach dem Wort handeln: ... "Im Notwendigen Einigkeit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem aber die Liebe". Allerdings unterteilte Mayr zuvor die beiden sich gegenüberstehenden Lager in solche, die "das Heil im Rückwärtsgang" suchten, und solche, die "das Heil vom Herrn" ersehnten – letztere hätten "Visionen", erstere hingegen "Revisionen" [Gut, nur so zum Spaß akzeptiere ich mal die Prämisse: Es gibt zwei sich gegenüberstehende Lager, von denen das Eine das Heil im Rückwärtsgang sucht und das Andere das Heil vom Herrn ersehnt. Und jetzt - und diesmal im Ernst - erkläre ich das für groben Unfug. Hier erst einmal die korrekte Formulierung der einen Seite (das "Rückwärtsgang"-Lager): Diese Leute schauen auf die Veränderungen, die stattgefunden haben, schauen auf das was ist und auf das was sein mag und sehen dann zu, daß sie das, was zu behalten sich lohnt, nicht verlieren. Eine Definition des "Heil vom Herrn"-Lagers spare ich mir und frage stattdessen, wie um alles in der Welt man glauben kann, daß sich im ersten Lager nicht haufenweise Leute finden, die ebenso ihr Heil vom Herrn erhoffen? So, wie Mayr das darlegt, beschreibt er zwei getrennte Hälften. Und das ist einfach nicht der Fall. Für mich ist allerdings nicht unwahrscheinlich, daß sich auf der "Heil im Herrn"-Seite nicht wenige Leute finden, die man vielleicht besser in die "Heil in der Selbstbestätigung/in der Medienpräsenz/im Opferstatus/in der Selbstgerechtigkeit/in der Verwirklichung der eigenen Projekte um jeden Preis"-Schublade stecken sollte]. Ein künftiger Bischof, der "eine Autorität" sein solle, müsse einfordern, "dass wir auf der Linie des Zweiten Vatikanischen Konzils eins sind" [So etwas kann man nicht erfinden. Das ist real Leute! Das ist keine Übung!]. Denn in der Zeit zwischen zwei Konzilien hätten wir nichts anderes. Den Rat aus dem Publikum, einen Bischof von einer Wahlversammlung wählen zu lassen, hielt Mayr für einen guten Vorschlag für die Zukunft [Die Wahlkampf-Plakate für seinen Wunschkandidaten liegen wahrscheinlich schon gedruckt bei ihm zu Hause].

    Die Grünenpolitikerin Ulrike Gote sah die Ursache für sexuellen Missbrauch im kirchlichen Tabu der Sexualität inklusive des Zölibates, im Zwang zu einer falsch verstandenen Loyalität, in der kirchlichen Männergesellschaft und letztlich in der Struktur der katholischen Kirche als solcher. Kirche müsse sich öffnen, transpartenter und demokratischer werden. Für die katholische Politikerin reicht es nicht, dass man die Priesterausbildung verbessert; ihre Forderung nach Frauenordination wurde mit großem Applaus des Publikums quittiert [Ich sehe mich grade vor meinem inneren Auge bei dieser Podiums-Diskussion. Auf meinen Knien ein kleines Zettelchen mit acht mal acht Kästchen. In jedem Kästchen ein Schlagwort aus dem Repertoire der linkskatholischen Reinigungstruppe, die den mystischen Leib unseres Herrn von unten säubern will: "Hmm... 'Zölibat': Check!... 'Männergesellschaft': Ah, Mist! Bei mir steht 'Männerverein'!... 'Struktur': Check!... 'Transparent': Check!... 'Demokratisch': Check!... Komm schon! Los, nur noch eins!... 'Frauenordination': Check!... BINGO!"].

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    Primäre Aufgabe der Kirche sei für Gote soziale Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, verantworteter Umgang mit Biotechnik und Atomenergie und dergleichen [Und schon ist alles klar: Die Kirche als ein kuscheliger Feel-good Sozialverein. Kein Wort von Christus, kein Wort von Erlösung, kein Wort von Umkehr. "Heil vom Herrn"? Ja, klar...].
Es geht dann noch weiter mit mehr Frauenordination, mit ein paar Einwürfen von protestantischer Seite, mit Krisengeheul, mit Kotaus vor den Medien, mit Neuanfang usw. Markus Günther war immerhin katholisch genug, sich ein wenig unbeliebt zu machen:
    Der dem Publikum aber offenbar zu lehramtstreu denkende Spitzenjournalist erregte mit seinem Bekenntnis dazu, dass katholische Bischöfe eben nicht durch das Volk oder das Bistum, sondern durch den Heiligen Stuhl ernannt würden, deutlichen Unmut bei den Teilnehmern [Ja, da haben die Türsteher wohl nicht aufgepaßt]. Auch oblag es ihm, die Zuhörer daran zu erinnern, dass die Kirche kein Verein, sondern von Jesus Christus gestiftet worden sei.
Okay! Danke, liebe Augsburger Puppenkiste! Jetzt aber dann bitte den Vorhang!

6 comments:

Tarzisius said...

frau gote setzt sich momentan auch für die abschaffung der konkrdatslehrstühle ein.

Veni Sponsa said...

Voilà.
http://veni-sponsa.blogspot.com/2010/06/der-blaue-eimer.html

Es ist verdient!

simon said...

Herzlichen Dank für Deine so treffenden Kommentare. Da es mein Heimatbistum ist, fehlen mir momentan, ehrlich gesagt, die Worte...

Sponsa Agni said...

Simon: Dito.
Ganz genauso. Da kann man als Augsburger nix mehr sagen.
Traurig, nur traurig.
Alipius - einfach nur genial treffend! Wenn´s nur nicht so traurig wäre...

Laurentius Rhenanius said...

Mein lieber Alipius,
was tun sich da für Abgründe auf. Ich kann nicht glauben, mit welchem Haß hier gehandelt und gesprochen wurde und wird. Alles sehr wenig heilig aber dafür um so menschlicher.
Ich bin sprachlos!

Danke für Deinen Kommentar und Glückwunsch zum hochverdienten blauen Eimer.

Conservare said...

Glückwunsch zum blauen Eimer :-) der macht ja ordentlich die Runde und das freut mich sehr.

Was ich noch sagen wollte: Leidet Frau Gote etwa auch an Realitätsverlust?

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Primäre Aufgabe der Kirche sei für Gote soziale Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, verantworteter Umgang mit Biotechnik und Atomenergie und dergleichen
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ich dachte nämlich bisher immer, dass dies die Aufgaben der GRÜNEN-Partei ist.