Monday, June 14, 2010

Lacher der Woche!

Titelt die Süddeutsche heute: "Mixa lebt in einer Phantasiewelt"

Gaaaaaaaaaaanz genau, lieber Herr Helmut Mangold, Vorsitzender des Augsburger Diözesanrates (von welchem dieser Spruch stammt). Denn Bischof Walter Mixa war es, der in völlig verwirrtem Zustand - ganz versunken in seine Phantasien - auf dem Weg zur Staatsanwaltschaft war, um sich dort selbst des sexuellen Mißbrauchs anzuklagen. Nur durch die heldenhafte Unterstützung seiner Amtsbrüder und den unermüdlichen Einsatz der Mainstream-Medien gelang es, den Ärmsten gerade noch abzufangen und ihm einen Maulkorb zu verpassen. Wußte doch von Anfang an jeder, daß der gute Bischof sich nie und nimmer an Kindern vergreifen würde und daß so eine Selbstanklage seinem Ruf doch irgendwie arg schaden könnte. Schlimm, wenn jemand so den Bezug zur Realität verliert...

Was ist geschehen? Bischof Mixa ist wieder in das Bischofpalais in Augsburg eingezogen. Nicht mit der Brechstange, sondern gemäß dem Kirchenrecht (CIC 402). Das wurmt natürlich nicht wenige. Vor allem den Pfingstbewegten dürften die Feuerzungen nur so aus den Nasen und Ohren schießen.

Naja, die Süddeutsche ist ja auch nur halbdoof und weiß, daß so ein Einzug ins Palais alleien noch nicht so richtig zieht. Daher wird nicht nur die ganze Geschichte um Veruntreuungs- und Prügelvorwürfe nochmals aufgekocht, es kommt auch noch Alkoholismus in den Mix, ein "'offenes Geheimnis', von dem auch andere Bischöfe wüssten."

Bilde ich mir das nur ein, oder ist Journalismus schon seit Jahren nur noch daß, wovon "die Rede ist", was "man empfindet", was "vorgeworfen wird", was "angeblich, mutmaßlich, womöglich" ist?

Was ist eigentlich so schrecklich an Fakten? Das Warten? Der mangelnde Kick? Die mageren Verkaufszahlen? Das Risiko, sich nur in begrenztem Maße selbstgerecht bis höhnisch äußern zu können, wenn es am Ende nicht so dicke kommt, wie erhofft?

Wenn Süddeutsche und Co. jetzt auf dem Weg sind, der BILD den Platz streitig zu machen, wohin verzieht die sich dann? Und wird irgendwann in den Medien mal jemand auf die ganz abgefahrene Idee kommen, es mit Seriosität zu versuchen?

12 comments:

Elsa said...

Der BILD muss man mittlerweile zu gute halten, dass sie in Kirchenfragen ein wönziges Bisschen ausgewogener berichtet als alle anderen.

christian said...

Stimmt (fast) mit der BILD. Aber wenn man ehrlich ist: War Journalismus (von Hochphasen abgesehen) jemals etwas anderes als die Fortsetzung des Dorfklatsches mit anderen (professionelleren) Mitteln. Es geht um Unterhaltung, und die Informationspolitik der Kirche bietet natürlich enormen Boden für Gerüchte.

Veni Sponsa said...

"Vor allem den Pfingstbewegten dürften die Feuerzungen nur so aus den Nasen und Ohren schießen."

Ich stellte es mir - zu später Stunde noch an der Schreibtischarbeit - bildlich vor und werde jetzt mit einem breiten Grinsen schlafen gehen. Kollege (naja, sobald das Theologicum bestanden ist ;o) )- das ist eine Gabe der Formulierung... Und: Glückwunsch zur bestandenen Prüfung.

Marcus, der mit dem C said...

Lieber Alipius,

Du schreibst, dies von den Medien übernehmend, was ich Dir in keiner Weise zum Vorwurf mache, daß Bischof em. Mixa wieder in den Bischofspalais eingezogen ist. Mir fehlt hierzu der Beweis, daß er erst mal ausgezogen ist aus dem Palais, oder das Bistum als Vermieter während seiner Abwesenheit eine Art Zwangsräumung vornahm.

Es wurde allenthalben berichtet, daß Bischof em. Mixa sich in Behandlung befände und Urlaub mache. Dazu packe ich nur das, was ich dafür brauche und räume nicht gleich die ganze Wohnung aus. Eine Räumung des Palais durch das Bistum wäre in meinen Augen nur dann gerechtfertigt gewesen, wenn bereits ein Nachfolger auf der Matte stünde dort einzuziehen und Bischof em. Mixa gesundheitlich nicht in der wäre, seinen Umzug in seinen Altersruhesitz selbst zu leiten. Ansonsten hat er mindestens das Recht, in angemessener Frist seine "Zelte" dort abzubrechen. Die sich medial äußernden Augsburger scheinen immer zu vergessen, daß Bischof em. Mixa weder straf- noch kirchenrechtlich in irgendeiner Weise verurteilt ist. Die Verurteilung in ihren Köpfen bzw. ihrer Einbildung zählt "nu mal naut"! Sie vergessen außerdem, daß das Wohnen im Palais nicht dem Sitzen auf der Cathedra im Dom entspricht, auch wenn sie das so fühlen, und es sie arg schmerzt, daß sie den Stuhl nicht nach eigenem Gusto (vulgo: Intrige) neu besetzen können. Der Rest ist die Angst, daß der Kirchenrechtler Gero Weishaupt recht haben könnte, wenn die Medienberichte über den Ablauf stimmen, daß in Folge der Rücktritt ungültig ist, wegen Zwang und die Annahme des Rücktritts wegen Irrtum/Täuschung des Papstes über die Freiwilligkeit des Rücktrittsangebotes.

Ich bin mir für die Person des Bischof Mixa nicht sicher, ob ich ihm einen Rekurs der Entscheidung wünsche, wenn die Gründe dafür gegeben sind, sie aufzuheben. Denn es ist offensichtlich, daß erschreckend viele des Augsburger Sprengels, die nötige Achtung entgegenbringen, und lieber der Wahrheit ledig werden, denn ihn weiter wirken zu lassen. Bezeichnend für die wahren Hintergründe ist die Aussage bezüglich des möglichen Kandidaten Prälat Inkamp, wie ich bereits bei mir schrieb, daß man dann ja gleich Mixa hätte behalten können.

Alipius said...

@ Marcus: Klar, das kann man natürlich mißverstehen mit dem "wieder eingezogen". Ich habe, als ich das schrieb, wohl an meine eigene Situation gedacht. Ich sage auch oft, daß ich bald wieder ins Stift "einziehe", obwohl ja meine ganzen Sachen noch da sind.

Für die Medien und die Mixa-fressende Öffentlichkeit ist es ja übrigens auch ganz egal, ob er straf- oder kirchenrechtlich verurteilt ist. Hauptsache, die Straße und die Schlagzeile haben bereits geurteilt.

Und ich bin mir auch nicht so sicher, ob Bischof Mixa in Augsburg je wieder einen Fuß auf den Boden kriegen wird. Dazu bräuchte er immens breite Unterstützung im Kirchenvolk und beim Klerus und auch eine Presse, die plötzlich den "Ehre"-Virus hat uns sich sagt: "Vielleicht warten wir mal auf ein paar Fakten, bevor wir weiter mit Dreck schmeißen".

Marcus, der mit dem C said...

"Denn es ist offensichtlich, daß erschreckend viele des Augsburger Sprengels, *die nötige Achtung entgegenbringen, und lieber der Wahrheit ledig werden, denn ihn weiter wirken zu lassen."

Da ist mir unterwegs hier* ein "ihm nicht" verloren gegangen. Aber aus dem Kontext war ja klar, daß ich nicht davon ausgehe, daß er heiß und innig empfangen werden würde.

Mea culpa für den kleinen Fehlerteufel.

Ich hatte das mit dem Ein- und Ausziehen deswegen betont, weil es in der Presse so rüberkommt, als wäre der Palais die erste Okkupation in Vorbereitung der Wiederaneignung des Bischofsstuhles. Ich mußte mich ab und zu vergewissern, ob da nicht grad von der Hafenstraße oder einem Berliner Stadtviertel berichtet wird.

Ceterum censeo, visitatio necesse est!
(Hoffe das stimmt so^^)

Alipius said...

@ Marcus: Ja, das mit der nötigen Achtung hatte ich mir schon so gedacht.

Sir Thomas Morus said...

Die Augsburger Puppenkiste... äh... "Pfingstbewegung" läuft Amok:

http://www.kath.net/detail.php?id=27044

Arminius said...

Das Augsburger Trauerspiel ist noch lange nicht beendet. Kath.net hat die Veröffentlichung von Auszügen aus internen Gesprächsprotokollen angekündigt. Da wird jetzt schon der eine oder andere Schweißtropfen auf der Stirn eines Sünders stehen.

Johannes said...

Das Vorgehen der Süddeutschen find ich nicht lustig. Das ist Stürmer-Stil. Fehlen nur noch die passenden Karikaturen.

Stegi said...

eher doch " ...visitatio esse facendam."

bin mir aber auch nicht sicher.

Stegi said...

korrektur:
"...vistitaionem esse facendam."