Saturday, June 12, 2010

Langsam fallen die Masken...

Vor drei Wochen nahm ich die Augsburger Pfinsterklärung mal ein wenig unter die Lupe. Das eine positive Statement, welches ich mir im Fazit entlocken konnte, war: "Noch wird in der Pfingsterklärung "erwartet" und nicht gefordert". Ich hätte es natürlich besser wissen müssen (und tat es auch; ich hab nur darauf gewartet, daß die Realität nachzieht).

Jetzt ist es soweit: Kath.net brachte gestern dies: Augsburger Moraltheologe meint: Römische Kurie ist völlig untauglich

Logo: Dieser Moraltheologe namens Klaus Arntz ist "Pfingsterklärer". Er trat im Rahmen einer Veranstaltung des Presseclubs Augsburg auf, zusammen mit Pfarrer und Co-Pfingsterklärer Dekan Helmut Haug.

Und was hatten die Herren so zu bieten? Nach den üblichen Vorwürfen ("vordemokratisches Verhalten") und Befehlen ("...den Worten müssen Taten folgen", "Überhaupt müssten sich sämtliche kirchlichen Mitarbeiter, die an der bisherigen Mixa-Linie mitgewirkt hätten, von ihren bisherigen Praktiken distanzieren. Es müsse eine Umkehrbewegung von ihnen verlangt werden, damit man mit ihnen weiterarbeiten könne.") kommen dann einige schön entlarvende Zeilen:
    Die „Pfingsterklärung“ hätten viele als befreiend empfunden: die „stickige Luft“ sei heraus, man könne wieder atmen [Okay, ich habe ja auch nie behauptet, mit Gemeinplätzen sein kein Eindruck zu schinden]. Jetzt müsse man „das Eisen schmieden, solange es heiß ist“ [ÜS: Schnell noch unsere Nasen in die Kameras hängen, bevor schon wieder kein Hahn mehr nach uns kräht]. In der Kirche, die unter einem evidenten Demokratiemangel leide, müsse man Konsultationsprozesse erzwingen [Denn merke: Nur, wo erzwungen wird, dort ist Demokratie!].

    Auch auf weltkirchlicher Ebene sieht Arntz Reformbedarf: „Die römische Kurie ist für das 21. Jahrhundert völlig untauglich“. Das römische Kriterium für einen Bischofskandidaten, stets Priesterkleidung zu tragen, bezeichnete Arntz als lächerlich [Dieses "Kriterium" entspringt wohl eher der Phantasie eines notorischen Priesterkleidungs-Verweigerers, der sich eine Rechtfertigung zurechtbastelt, welche immerhin bei Seinesgleichen ziehen mag. In der Realität gibt es genügend Bischöfe, die dieses "Kriterium" als ein Hirngespinst entlarven].

    In der Priesterausbildung müssten ganz neue Wege gegangen werden; sie dürfe nicht exklusiv bei Regens, Subregens und Spiritual liegen, sondern müsse unter Mitwirkung von Laien, auch von Frauen, erfolgen. Es gehe auch darum, diese „männerbündnerischen Systeme“ zu irritieren [Oh, hell no! Diese kecke Rebellen-Lingo ("irritieren") reicht ja schon, um mich abwinken zu lassen. Schöner Trick. Denn beinahe hätte ich vergessen, das Vorangehende zu würdigen. Hier zeigt sich ziemlich deutlich, welches Bild von der Kirche dieser Moraltheologe hat. Wer künftige Priester nicht von Regens, Subregens und Spiritual ausbilden lassen will, sondern auch von Laien und Frauen, der versteht einfach nicht, worum es bei diesem Beruf geht. Nein: Der versteht nicht einmal, worum es bei der Kirche geht. Wer im Jahre 2010 immer noch nicht verstanden hat, was es mit dem Reich, welches nicht von dieser Welt ist, auf sich hat, der nimmt den Mund ganz schön voll, wenn er die römische Kurie als untauglich für das 21ste Jahrhundert erklärt].

    Arntz betonte vor allem die Bedeutung der Medien beim Sturz Mixas. Wenn er Bischof von Augsburg wäre, würde er der Süddeutschen Zeitung und ihren Redakteuren die „Ulrichsmedaille“, die Ehrenplakette des Bistums Augsburg, verleihen. Man könne der Presse dankbar sein, denn „wir wären nicht in der Lage gewesen, diesen Druck aufbringen zu können“. [Das spare ich mir mal jeden Kommentar...] Vom Domkapitel erhofft sich Arntz eine Umkehr und Distanzierung; hier gebe es bereits hoffnungsvolle Gespräche [Uäh! Muß ich mir jetzt Sorgen machen, oder beschwindelt Arntz sich hier nur selbst?].
Dekan Haug setzt dann noch einen drauf:
    Er selbst trage keine Priesterkleidung, weil sie für ihn nicht passe, wie er Kirche verstehe [Ich! Ich! Ich!]. Eine Beamtenkleidung schaffe Distanz und gebe vor, dass jemand etwas ist [Wow! Dieser Mann hat in der Weihe den unauslöschlichen Charakter des Sakraments empfangen und muß seine "Identität" daran aufhängen, daß er keine Priesterkleidung trägt? Unglaublich...]; wir sollten aber als Menschen Menschen begegnen [Ja, denn es bringt dem spirituell dürstenden Europa unendlich viele Vorteile, wenn die Wenigen, die noch mit Spaß ihrer Arbeit nachgehen und tatsächlich gerne im Gewerbe sind, ihre Priesterkleidung ablegen. Ich will als Priester Menschen begegnen, denn - ob man es glauben mag oder nicht - auch ein Priester ist ein Mensch, womit die Anforderung des Dekans auch dann erfüllt wird, wenn ich nicht mit Jeans und T-Shirt durch die Gegend gurke]. Auch die leutselige Art Mixas, Seminaristen um sich herum zu scharen, kritisierte Haug [Denn das war ja ein Bischof unter Seminaristen, nicht etwa ein Mensch unter Menschen. Also: Wenn man als Zivilkleidung tragender Priester loszieht, dann ist man Mensch unter Mensch. Wenn man als Bischof einen guten Draht zu seinen Seminaristen pflegt, dann ist man was? Jäger unter Opfern? König unter Schleimern? Herr unter Knechten? Es drängt sich das Gefühl auf, daß Leute wie der Dekan schlicht nicht dazu in der Lage sind zu verkraften, daß irgendwer irgendetwas ist, am wenigsten sie selbst. Solche dünnhäutigen Flimmflämmchen als Priester haben wir in der heutigen Zeit natürlich dringend nötig. Nebenbei: Gab es da nicht diese Geschichten, Mixa sei mit den Seminaristen auch mal in die Sauna gegangen? Da sollte aber ganz fix das Herz bei Dekan Haug höher schlagen, denn noch weniger Priesterkleidung bzw noch mehr "Mensch unter Menschen" geht ja nun kaum]. Es bestehe die Gefahr, Menschen an sich und seine Person zu binden [Klar, und hätte Bischof Mixa sich nicht regelmäßig um seine Seminaristen gekümmert, dann hieße es jetzt, er sei ein kühler, distanzierter Kirchenfürst gewesen]. Den Zuhörerinnen und Zuhörern schlug Haug im Übrigen den „zivilen Ungehorsam“ vor [Schönen Dank auch! Egal, wie viel der Papst tut, um die Chriten enger aneinander zu binden und Türen zu öffnen: Er kann sicher sein, daß irgendwelche mediengeilen Nasen in deutschsprachigen Ländern munter für weitere Spaltungen sorgen werden].
Pfingsterkärung my ass!

14 comments:

Sir Thomas Morus said...

Bravo, Alipius, ein ausgezeichneter Kommentar! Ich fordere jetzt auch etwas: Dieser Beitrag m u s s mit dem "Blauen Eimer" ausgezeichnet werden!

Alipius said...

Danke! Ich weiß gar nicht, ob es den Blauen Eimer noch gibt...

Zagorka said...

Suuper! Definitiv "Blauer Eimer"!

Ich wäre ja schon gespannt, Deine zukünftigen Predigten mitzubekommen...;-)

Tarzisius said...

Merke: Es gibt Männer, Frauen und Laien!

Yon said...

Ich dachte grad: Schade, dass die Typen nicht Papst sind, sonst könnte man sich wenigstens von ihnen abspalten.

outis said...

Lieber Alipius, es gibt noch ein paar Leute, die den Glauben ernst nehmen. Als "umgekehrter" gehöre ich wohl dazu. nach langen Jahren war ich neulich noch einmal beichten, weil es mir ein Bedürfnis war, und weil ich reichlich Anlass zu schlechtem gewissen hatte. Ojojo-der Priester in Zivil, der erst herbeigeklingelt werden musste, obwohl es laut Pfarrbrief zu dieser Zeit Beichtgelegenheit geben sollte, schien peinlich berührt von meinem Anliegen und zog eine Art Therapiesitzung mit mir durch, mit dem Ziel, die "Chiffren" Buße und Sünde aus meinem Kopf auszutreiben. Ich bekam zwar eine Lossprechung, aber nicht ohne den Hinweis, diese Lossprechung bewirke nicht er, oder etwa Gott, sondern ich selbst. Wovon soll- ohne den Mann zu verurteilen, das ist alles nicht so leicht heute- der jemanden überzeugen, wenn er offensichtlich selbst an das gespendete Sakrament nicht mehr glaubt? Ist so etwas überhaupt gültig? Ich fühlte mich jedenfalls nicht ernst genommen. Bitte mach's besser.

Scipio said...

Danke!!!

Könnten die Katholiken dort nicht schon mal üben und zuallererst ihrem Dekan ungehorsam sein? Und die Theolügen ins Leere laufen lassen? Das würde auch zeigen, wie selbstlos die beiden und die anderen Pfingsterklärer wären. Und wie ernst sie es mit der Demokratie meinen.

Anonymous said...

Ich übe mich in "spirituellem Ungehorsam" und ignoriere diesen Herrn Wie-hieß-der-nochmal? völlig, komplett und zu 100 %. Als mündiger Laie muß ich mir von priesterlichen Schleimern dieser Art aber schon garnichts bieten lassen.

Ein ordentlicher Christ soll vor seinem Gott aufrecht knien und sich nicht vor irgendwelchen Mikrophonträgern verbeugen!

Alipius said...

@ outis: WIE BITTE? Gott bewirkt nicht die Lossprechung? Streng genommen ist die Form bei der Beichte: "Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des + Vaters und des + Sohnes und des + Heiligen Geistes." Wenn nicht wenigstens der letzte Satz fiel... Naja. Der Priester könnte sich dann immer noch damit rausreden, daß er tun wollte, was die Kirche tut und sich nur in der Form vertan hat, aber so, wie es klingt, trifft nicht einmal dies zu.

@ Scipio: Schöne Idee! Ich befürchte, mit der umsetzung wird's nicht rso recht funktionieren.

@ anonymous: Ein ordentlicher Christ darf sich auch mal vor einem Würdenträger verbeugen, wenn er weiß, daß er das Amt ehrt, nicht den Mann.

Arminius said...

In Linz ist im vergangenen Jahr ein Dechant unangenehm aufgefallen, der die Fronleichnamsprozession mit einem Dönerbrot in einer Grillzange durchführte. Von demselben Kaliber scheint dieser augsburger Dekan zu sein.

Ist ein Dechant eigentlich dasselbe wie ein Dekan? Gehört eine gewisse Affinität zu Heräsien zu den Einstellungsvoraussetzungen dieser Ämter?

outis said...

@Alipius, das hat er natürlich gesagt. Aber er schien von dem Konzept der Sünde nicht sonderlich überzeugt. Er schien letztlich nicht zu wissen was ich überhaupt von ihm will. Ich zweifle daran, ob ich vor einiger Zeit in dieselbe Kirche zurückgekehrt bin, der ich vor längerer Zeit den Rücken gekehrt habe.

Alipius said...

@ outis: Na, da mach Dir mal keine Sorgen! Die Kirche als mystischer Leib Christi ist stets dieselbe. Man muß sich nur immer auf die Marotten der Priester einstellen und mit ihnen zurechtkommen. Nicht imme reinfach, gebe ich zu, aber letzten Endes lohnt es sich dann doch sehr.

Elsa said...

Achso, natürlich war das der Blaue Eimer!
Ganz geschwisterlich verteilt sogar!

feline said...

@otis, ich habe auch so meine Erfahrungen gemacht und mir dann gesagt dass ich nur noch Priester aufsuche, bei denen ich mir sicher bin, das diese die katholische Lehre vertreten. Sicherlich ist das nicht immer angenehm, aber es gibt Klarheit.