Tuesday, February 23, 2010

Unnötig!

Liebe kath.net-Redaktion,

ich schaue schon hin und wiedr mal ganz gerne bei Euch vorbei, weil's einigermaßen katholisch und auch oft informativ ist. Mir entgeht bei meinen Besuchen natürlich nicht ein gewisser Hang zur Überdramatisierung und Polarisierung, aber das macht mir persönlich nicht so viel aus. Ich schneide dann einfach im Geiste den Wildwuchs ab und versuche, zum Kern durchzudringen.

Die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann ist am vergangenen Samstag betrunken am Steuer erwischt worden (hier im focus nachzulesen). Daß Ihr dies nun für eine Umfrage mit dem Titel "Soll Käßmann zurücktreten?" mißbraucht, finde ich schäbig. Der momentane Stand der Umfrage ist:
  • Ja = 62%
  • Nein = 24%
  • Mir egal = 14%
Käßmanns Blutalkoholwert lag laut focus bei ungefähr 1,3 Promille. Sollte dieser Wert bestätigt werden, läge absolute Fahruntüchtigkeit vor. Der Bischöfin droht dann ein Ermittlungsverfahren. Käßmann selbst zeigt Reue: "Ich bin über mich selbst erschrocken, dass ich einen so schlimmen Fehler gemacht habe", sagte die EKD-Ratsvorsitzende. "Mir ist bewusst, wie gefährlich und unverantwortlich Alkohol am Steuer ist. Den rechtlichen Konsequenzen werde ich mich selbstverständlich stellen."

Ich bin natürlich einigermaßen verblüfft, um nicht zu sagen entsetzt, daß Käßmann sich diesen Ausrutscher leistete, aber ich finde ein hämisches Nachtreten der Marke "Weg mit der!" reichlich fies, unchristlich und auch heuchlerisch. Angenommen, Bischof Mixa wäre an Käßmanns Stelle: Die Tatsache alleine wäre für uns Katholiken schmerzlich genug. Fändet Ihr es dann schön, wenn sich irgendwo im Internet Protestanten als Richter aufspielten? Nein, fändet Ihr nicht. Ihr wärt eher ein wenig niedergeschlgen, vielleicht auch peinlich berührt. Warum müßt Ihr dann jetzt eine solche Niedergeschlagenheit bei Protestanten erzeugen?

Liebe Grüße,

Euer (Noch-)Leser Alipius

17 comments:

Stegi said...

Ähm....wie kommst denn nun ausgerechnet auf Mixa?

Alipius said...

Nur so. Es ist nicht so, daß ich es grade ihm besonders zutraue. Aber er ist ja recht schlagzeilenträchtig, also paßt's.

Ulrich said...

Ich weiß sicher, dass Mixa einen Fahrer hat ;)

Anonymous said...

Finde ich auch. Die Umfrage kann man sich sparen.

Ist doch sympathisch, wenn sich Bischöfin Käßmann mal die Kante gibt. Sie sollte dann halt nicht mehr Auto fahren.

CAECILIA - Notizen zur Kirchenmusik said...

Danke, Alipius.
Die Aktion, insbesondere das Verhalten des Admins darin, hat mich heute Morgen sehr befremdet.

Allerdings nicht zum ersten Mal. Leider!

CAECILIA - Notizen zur Kirchenmusik said...
This comment has been removed by the author.
Johannes said...

Danke für diese profilierte Stellungnahme... ich hatte es eben mit unserem Dekan über das Thema, er wurde von der Presse zu einer Stellungnahme gebeten, und fragt sich, wieso er darüber ein Richter sein sollte.

curioustraveller said...

Auch wenn ich selbst nicht zu Käßmanns Schäfchen gehöre und der Geschichte relativ unbeteiligt zuschauen könnte:

Tiefe Hochachtung vor Deinen Worten!

Gottes Segen!

Alipius said...

@ Ulrich: ;-)
@ anonymous: Ja, Flossen vom Steuer, wenn der Pegel steigt!
@ caecilia + johannes: Gerne!
@ curioustraveller: Danke!

Tiberius said...

Seh ich genauso!

Phil said...

Ich stimme voll zu: Ich halte von Frau Käßmann als Amtsperson nicht viel, aber mehr störte mich, mit was für einer Geilheit am moralischen Empören manche Internetkreise darüber herfielen. Sicherlich soll sie gerade in ihrer Funktion als Landes"bischöfin" ein Vorbild sein, sicher ist es falsch und fahrlässig, betrunken sich ans Steuer zu setzen, aber eines ist auch sicher: auch sie ist eine Sünderin!

Und wir Katholen sollten sowieso schweigen: gabs nicht vor ein paar Jahren in Österreich den Fall mit dem Bischofsvikaren, der betrunken in der Sauna war? Überhaupt, wir Katholiken sind an der Perfektion alkoholischer Getränke Dank diverser Brauereien nicht ganz unschuldig.
Überhaupt - fällt mir gerade ein: Wenn die Klöster nicht so viel Bier und teilweise auch andere Alkoholika erfunden hätte, wäre Frau Käßmann nüchtern gewesen! Also ist, wie immer, die katholische Kirche an allem Schuld.

Stegi said...

Aber das ist schon der Hammer:
http://www.meinhandschuhfach.de/index.php?id=122

Wasser predigen, Wein.....äh...räusper.

scheinheilig.

Stegi said...

noch besser:

http://achim-achilles.de/news/interviews/margot-kaessmann

muss man lesen, bemerkenswert, fast prophetisch.

Alipius said...

@ phil: Das kommt natürlich noch erschwerend hinzu ;-)

@ stegi: "Zum Glauben gehört, den Atem zu spüren" => "Würden sie bitte mal kurz hier reinpusten?"
:-D

Conservare said...

mal abgesehen davon was ihr alles schon geschrieben habt...

so wichtig ist die EKD nicht, als das man jetzt als Katholik auch noch den Rücktritt einer protestantischen Vorsitzenden fordern müsste.

Das ist es, was ich nicht verstehe.
Wieso stimmen Katholiken darüber ab, wer bei den Protestanten zurücktreten soll und wer nicht? Selbst wenn es nur fiktiv ist, sehe ich darin unter mehreren Gesichtspunkten eine falsche Botschaft vermittelt.

Also ich brauch das nicht.

ultramontanus said...

So, wie die Polizei das Verhalten der Frau Käßmann auf der Wache schildert, muss sie an diese Mengen Alkohol gewöhnt sein.

Die geschiedene Frau Käßmann saß übrigens nicht allein in ihrem Phaeton, sondern hatte eine männliche Begleitung. Mich würde mal interessieren, wozu sie den Samstag Nacht mit zu sich nach Hause kutschieren wollte. Wenn man dann auch noch überlegt, aus welchem Viertel Hannovers sie gekommen ist, werden mir die teilweise sehr verhaltenen Reaktionen aus der evangelischen Ecke ziemlich verständlich.

kalliopevorleserin said...

Mir tut es leid um Frau Käsmann. Sie hat eine Riesenblödheit begangen, weiß das, steht dazu und ist entsetzt davon. Und jetzt schmeißt die Meute mit Dreck.
Natürlich ist das nichts Besonderes: die Meute quittiert Blödheiten immer so. Aber es tut doch jedesmal weh, und wenn es sich bei der Meute dann auch noch um Menschen handelt, die sich so richtig fromm finden, denke ich nicht zum ersten Mal: Kirche ist wohl nicht so ganz das geworden, was sie sein sollte.