Saturday, February 13, 2010

Die Sünde

Bei commentarium catholicum stieß ich auf das neue SPIEGEL-Titelblatt, welches den "Triumph der Sünde" verkündet (und das nur eine Woche nach den Scheinheiligen. Respekt!).


Wie der SPIEGEL das Thema behandelt wird, mag die Illustration erahnen lassen: Ein zartes Geschöpft mit langem Hals legt - von welcher Lust auch immer ergriffen - mit geschlossenen Augen und erlöstem Lächeln das Haupt in den Nacken.

Da muß nicht unbedingt eine Sünde vorliegen. In anderem Kontext könnte die Dame sich zum Beispiel über das auf ihr Gesicht fallende Sonnenlicht freuen oder ergriffen ihrer Lieblings-Arie lauschen.

Für den SPIEGEL entspricht diese Miene aber wohl dem Gefühl, welches einen ergreift, wenn man Wollust, Habgier und anderen Versuchungen erlag. Dies halte ich für einen Fehlgriff und schlage daher eine neue Illustration vor:



Ungefähr so attraktiv, aufregend und begehrenswert ist die Sünde.

9 comments:

Elsa said...

Junge Junge Junge ...

Junge Junge ...

Was werden deine Leser im Vatikan dazu sagen *gg*

Die prallhüpfende Titte ist vielleicht noch einen Tick zu ansprechend und begehrenswert. Ich glaube, im Mittelalter (?)oder irgendwann mal halt, ist man da auch konsequent zu solchen faltigen Hautschläuchen übergegangen, die bis zum Nabel hingen ...
Und du weißt ja, ich bin ja nicht so sonst, aber jetzt hätte ich schon gerne noch eine männliche Variante des Ganzen :-)

Alipius said...

He-heh!
Die Illu ist nicht von mir. Die habe ich irgendwann mal im Netz gefunden und es gab leider keinen entsprechenden Kerl dazu. Sorry!

Ach ja: "faltige Hautschläuche"? (** mageninhaltdortzuhaltenversuchwoerhingehört **)

kalliopevorleserin said...

Männlich und etwas subtiler: Straßburger Münster, südliches Seitenportal der Westfassade: Fürst der Welt.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6d/Dos_Tentateur_2489.jpg

Anonymous said...

"... habe ich irgendwann mal im Netz gefunden" - haha, der war gut! :-) Helene hätte es nicht schöner sagen können.

Uralte_Sage said...

Die Sünde ist durchaus attraktiv, aufregend und begehrenswert, sonst besäße sie nichts, womit sie die Seele korrumpieren könnte. Sie hat noch nicht mal Stacheln und im Idealfall eine etwas höhere Stirn als diese Dame. Andrerseits auch wieder nicht, denn die Titel des Spiegels waren immer schon sündig und die Titelillustrationen fast immer Todsünden, denen sollte man nicht noch freiwillig auf die Sprünge helfen Alipius ;)

Alipius said...

@ anonymous: Hat sie auch nicht.

@ Uralte Sage: Das vermeintliche "Gut", welches wir erblicken, ist attraktiv, aufregend, begehrenswert. Wir tun viel - oft zu viel - um es zu bekommen. Dies stürzt uns dann in die Sünde, welche selbst keineswegs attraktiv, aufregend oder begehrenswert ist. Beispiel: Paradies/Apfel.

Conservare said...

Wir Menschen sind dazu verpflichtet, der Versuchung zu widerstehen. Wenn wir dann versagen und sündigen, sollen wir das sofort bereuen. Bereuen wir aber nicht, dann überlässt Gott uns unserem Schicksal. Er lässt uns die natürlichen Konsequenzen unserer Sünden erfahren.
Wenn wir dann immer noch nicht bereuen - durch Verzicht oder Umkehr -, lässt Gott uns in der Sünde verharren, wodurch eine Gewohnheit heranwächst, die den Verstand verdunkelt und den Willen schwächt. Sind wir der Sünde erst einmal auf den Leim gegangen, dann werden unsere Werte auf den Kopf gestellt: das Böse wird zum dringendsten ,,Gut", zu unserer tiefsten Sehnsucht, das Gute erscheint uns als ,,böse", weil es uns von der Befriedigung unserer sündhaften Begierden abzuhalten versucht. Jetzt wird die Reue fast unmöglich, denn Reue bedeutet ihrem Sinn nach Abekehr vom Bösen und Umkehr zum Guten. Jetzt hat der Sünder gut und böse für sich gänzlich umdefiniert. Jesaia sagt von solchen Sündern: "Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen" (Jes 5,20).

(Scott Hahn, das Mahl des Lammes)

Uralte_Sage said...

Ach so. Sicher, die Sünde ist nicht selber das Begehrenswerte. Doch es sind ja nicht nur die schmackhaften Speisen, die gula, Völlerei, zur Sünde machen, sondern der Reiz, sie sich auch dann noch einzuverleiben, wenn der Hunger schon gestillt ist. Als genußvoller Vorgang. Sprich, im Sündigen selbst liegt, nicht allein, aber auch, etwas Attraktives. Weshalb sollte man sonst davon sprechen, ihr zu widerstehen? Man entsagt doch keiner Sache, die unattraktiv, langweilig und wertlos ist. Gut, das ist meine Laienerfahrung. Als gehorsamer Katholik verschließe ich natürlich nicht meine Ohren gegenüber dem, was die Kirche lehrt.

Alipius said...

Du hast völlig Recht in dem, was Du sagst. Es ist die Versuchung, die das in den Dingen selbst liegende Attraktive, Aufregende und Begehrenswerte uns vor Augen führt. Dieser Versuchung gilt es zu widerstehen. Nicht immer, aber in den Fällen, wo ein Nachgeben zur Sünde führt.

Ich wollte mich nur gegen das leider verbreitete Fehlurteil aussprechen, an der Sünde sei irgendetwas toll. Du hast es auch sicherlich nicht so gemeint, wie ich ja Deinem zweiten Kommentar entnehmen konnte.