Saturday, February 20, 2010

Jetzt also auch meine Heimatstadt...

Düsseldorfer Gerichte hängen Kreuze ab. Begründung: "Es kam vor, daß sich im Schwurgerichtssaal ein Angeklagter beschwert hat."

Und wer spricht sich unter anderem gegen diese Maßnahme aus? Der Islamrat!

Da ruft selbst eine Einrichtung, die streng genommen vom kollektiven Identitäts- und Geistes-Selbstmord Europas profitierte, den Kindern Warnungen zu. Aber die Kleinen sind natürlich schon viel zu high von den Jubelstürmen der politisch korrekten Vorreiter und Schierlingsbecher-Mixer, als daß sie auf dieses tolle Gefühl verzichten wollen, welches sich ausbreitet, wenn an den Scheuklappen vorbei die Rufe dringen, die einen als wahnsinnig progressiv, multikulturell und tolerant auszeichnen.

6 comments:

Anonymous said...

Daß die Kreuze im Gericht abgehängt werden, ist natürlich bedauernswert. Aber welchen Anspruch können wir Christen in dieser Hinsicht noch stellen? Wenn formal noch 2/3 der Deutschen einer christlichen Kirche angehören, aber nur ein Bruchteil davon noch praktiziert?

Für mich ist das ein weiteres Zeichen des Endes der Volkskirche. Viele (auch "Kulturchristen") wollen das nicht wahr haben, aber dieser Prozess scheint unaufhaltsam. Wer sich das Ergebnis dieses Prozesses anschauen möchte, braucht nicht weit gehen: In der ehemaligen DDR ist es in seiner ganzen Tristheit zu betrachten.

Stephan

Alipius said...

Klar, so betrachtet ist das natürlich richtig.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Hätte ich im Laufe der vergangenen Jahre auch nur einmal ansatzweise das Gefühl gehabt, die Leute, die zwar "Christen" sind, sich dem Verfall der christlichen Kultur, Tradition und Lehre aber nicht entgegenstellen, täten dies mehrheitlich, weil sie aus einem wohl informierten Gewissen und nach ehrlicher Selbstprüfung operierten, dann ließe ich noch mit mir verhandeln. Leider ist es aber doch so, daß fast immer nichts weiter als Bequemlichkeit und ein Mangel an Information bzw. ein Überschuß an Fehlinformation dahintersteckt. Und das ist mir zu billig, als daß ich nicht weiterhin für den Erhalt auch von Kruzifixen in Gerichtsräumen kämpfen werde.

Aber klar: Gleichzeitig müssen die beiden großen Kirchen - pardon my french - endlich wieder Eier zeigen (metaphorisch, hier ist z.B. durchaus auch Bischöfin Käßmann gemeint), Position beziehen, aus der kirchensteuergepolsterten Kuschelcke kommen, gute Katechse und Apologetik anbieten und die Lügen, die über das Christentum und die Kirchen erzählt werden, beständig als das entlarven, was sie sind.

magdi said...

Warum soll eigentlich in einem Gerichtssaal ein Kreuz hängen?
Auch als Katholikin kann ich das, ehrlich gesagt, nicht ganz nachvollziehen.
Kirche und Staat sind getrennt, auch wenn die Trennung nicht bedeutet, dass keine Kooperation stattfindet (z.B. siehe Religionsunterricht). Aber der Staat ist weltanschaulich neutral und da müssen in Gerichtssälen und auch in Klassenzimmern keine Kreuze hängen.

Alipius said...

Aus der Präambel des Grundgesetzes der Bundesrepulik Deutschland: "Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen..."

An diese Verantwortung grade in einem Gerichtssaal zu erinnern, halte ich nicht für einen Nachteil. Kirche und Staat mögen getrennt sein, aber ein Staat, der sich so auf die Verantwortung vor Gott beruft, spielt mit einem Kruzifix im Gerichtssaal nicht den Kirchen in die Hand, sondern bleibt sich selbst treu.

Religion ist übrigens nur als Folge eine Weltanschauung. An erster Stelle steht die göttliche Offenbarung. Wird diese angenommen und verstanden, erwächst die Weltanschauung. Somit kann der Staat meinetwegen vorgeben, weltanschaulich neutral zu sein, aber er ist gut beraten, nicht so zu tun, als sei die Verantwortung vor Gott nur so dahergesagt.

magdi said...

Ok, dass Argument mit der Präambel kann ich nachvollziehen.
Aber dummerweise leben wir nun mal in einer Welt, in der unsere Religion und Weltanschauung nicht mehr von allen Menschen geteilt wird.
Versteh mich nicht falsch, ich fände es auch super, wenn es in Deutschland unn Europa einen Konsens gebe, der unsere Verantwortung "vor Gott und den Menschen" zuließe. Nur leider ist das nicht so. Und da wir ne Verantwortung eben auch "vor den Menschen" haben, die nicht mehr alle Christen oder überhaupt religiös sind, finde ich es vom Staat nicht richtig, dass er sich so positioniert.
Ich bin sicher dafür, das Politiker oder auch Richter sich ihrer christlichen Verantwortung bewusst sind und danach handeln, aber in einem Gerichtssaal muss deswegen noch lange kein Kreuz hängen. Es erweckt, meiner Meinung nach, nur zu leicht den Anschein der Parteilichkeit und auch Abwertung anderer Religionen und Weltanschauungen.
Und ich kann als Christ davor nicht die Augen verschließen, dass es hier in Deutschland diese gibt. (Was wiederum jetzt nicht bedeutet, dass ich nicht von der unbedingten Wahrheit meines Glaubens überzeugt bin.)

Alipius said...

Ich denke nicht, daß das Aufhägnen eines Kruzifixes in einem Gerichtssaal andere Religionen automatisch abwertet oder gar dazu verleiten will, die Augen vor ihrer Existenz zu schließen. Unsere Gesellschaft ist bereits von anderen Religionen so stark geprägt, daß es ohnehin unmöglich ist die Augen (oder die Ohren - je nachdem wie nahe der Muezzin ruft) davor zu verschließen.

Ich denke eher von der positiven Seite her, daß der Staat, wenn er Kruzifixe in Gerichtssälen aufhängt, zu seinen Wurzeln steht. Und diese sind in Europa immer noch christlich. Daß diese christliche Weltanschauung hier nicht mehr von allen Menschen geteilt wird, ist für mich kein Grund, die Kruzifixe abzuhängen. Denn ich halte es für eine falsche Form des Mitleids, wenn man vorauseilend eine vermeintliche Verletzung der Gefühle Andersdenkender verhindern will und dabei seine Wurzeln verleugnet. Und es sind ja offenbar auch nicht alle Anhänger anderer Religionen von den Kruzifixen so schockiert, wie die Stellungnahme des Islamrates zeigt.

Oder anders herum: Jemand, der sich über ein Kruzifix beschwert ist doch nicht minder parteilich, als ein Staat, der sich dieses Symbol als kleinen, mahnenden Luxus leisten will. Warum aber dann ausgerechnet einer sich beschwerenden Minderheit nachgegeben werden soll, leuchtet mir nicht ein. Es gibt - zumindest meiner Meinung nach - Bereiche, in denen muß und kann der Staat nicht auf jede einzelne Befindlichkeit Rücksicht nehmen.