Friday, February 19, 2010

Nachtrag zum Küngschen Spin-Kick

Gestern verwies ich bereits auf das Interview, welches Professor Hans Küng der französischen Zeitung La Vie gab.

Jetzt erfuhr ich durch einen Kommentar, daß auch
    ...Prof. em. Pottmeyer aus Bochum ... bei einer Veranstaltung der Wolfsburg am Essener Dom vor ein paar Wochen augenscheinlich kein größeres Problem [hatte] als die pösen pösen Kurienprälaten, die sich erdreisten ... hin und wieder mal die Cappa Magna tragen."
Hinzu kommen zwei weitere Berichte im National "Catholic" Reporter, Kommentare von anderen Theologen (oft natürlich auch solchen, die sich dafür halten) und schäumende ad-hominem-Orgien auf diversen "aufgeklärten" katholischen Weblogs, welche allesamt in die gleiche Richtung gehen.

Hier in Rom ist die Tradi-Szene ganz gut besetzt. Die FSSP-Pfarre Santa Trinità dei Pellegrini liegt bei mir um die Ecke. Da geht's hin und wieder auch mal schwerst pontifikal zur Sache. In Rom aber ist die Cappa Magna nach wie vor nicht anzutreffen, da sie 1969 mit der Instruktion ut sive sollicite aus dem Vatikan und der Ewigen Stadt verbannt wurde.

Auch bei den ersten Verdächtigen, die einem beim Begriff "Tradis" so einfallen, wird keineswegs immer der nachtragbare rote Teppich ausgepackt, wenn hoher und höchster Besuch ansteht. Beim Institut Christus König in Gricigliano ist es zum Beispiel so, daß man schlicht den betreffenden Prälaten fragt: "Wollen Eure Eminenz...?" Und je nach Antwort gibt's dann eben die Cappa oder auch nicht.

Ich habe aber niemals gehört oder gelesen, daß Besucher eines Pontifikalamtes im außerordentlichen Ritus sich über das Nicht-Vorhandensein einer Cappa beklagten und zu dem Schluß kamen, daß erstens die Messe nicht gültig war und zweitens nun die gesamte Kirche in großer Gefahr schwebt. Ist die Cappa da, ist es gut; fehlt sie, ist es überhaupt nicht schlimm. Die Stimmen nach einem solchen Ereignis sind immer positiv. Die, die dabei waren, äußern sich hinterher auf Blogs, in Foren oder auch im Gespräch sehr begeistert und zufrieden.

Wenn aber andererseits ein Kardinal oder ein Bischof sich einmal (oder auch zweimal oder dreimal oder noch häufiger) eine Schleppe überwerfen läßt, dann wird diese Tatsache dem armen Prälaten für den Rest seines Lebens nachgetragen (** pun intended **). Dann wird, wenn es den Namen vor dem geneigten Publikum zu schänden gilt, einfach ein entsprechendes Photo dem durch Worte alleine offenbar nicht überzeugenden Artikel beigefügt. Und dann erschallt plötzlich auf liberal-katholischer Seite die Totenklage über eine von gammliger Korruption, absolutistischer Selbsterhöhung und schmatzender Prunkentfaltung dahingeraffte Kirche.

Jetzt beantworte mir doch bitte irgendwer mal schnell die Frage: Bei wem genau läßt eine ungesunde Fixierung auf Dinge wie eine Cappa Magna oder eine dreimeterfuffzich hohe Mitra einen Mangel an spirituellem Ernst, nüchterner Theologie und gefestigtem Glauben erkennen?

5 comments:

Johannes said...

Als 1968 ff. (da hab ich schon gelebt!) trug ich bei kühlem Wetter einen WeltkriegsII Mantel meines Vaters mit gefühlt einsfuffzig breiten wattierten Schultern, wahlweise einen amerikanischen Armeeparka, der so aussah, als hätte er mehrere Jahre Vietnamkrieg durchgemacht nebst einer rotgoldenen MaoZeDongPlakette von gefühlt 50cm Durchmesser, alternativ hautenge Jeans, brasilianische Stiefeletten BauchfreiTShirt und auf Taille genähte BuWeMoleskinjäckchen nebst schulterlangen Wallewallehaaren. Papa bekam fast einen Herzinfarkt und die Mädchen fanden es ganz tollr. PapaKüng und Konsorten (theleftwingwackoohnthefringeyouknow) kriegen halt Schaum vorm Mund, wenn einer eine Cappa trägt. Ob wohl die Cappaträger ein bißchen ein bißchen Provogeist im Blut haben?

Alipius said...

Schließe ich grundsätzlich nicht aus. Es wäre vielleicht ein wenig fies, aber die Cappa ist natürlich auch ein hervorragendes Instrument, um die Leute, die auf eine solche "Provokation" reinfallen, aus den Löchern zu locken...

Alipius said...

P.S.: Das hätte ich ja zu gerne mal gesehen (Dich in der von Dir beschriebenen Kluft).

Johannes said...

ÖH. Da gibt es leider keine klassischen Familienfotos, sondern mehr gerasterte Pressefotos mit eher wüsterem Umfeld. Da wäre auch noch die grüne Lederjacke (Emblem der sogenannten Lederjackenfraktion) sowie eine schwarze Jeansjacke mit aufgetackerten silbernen fünfzackigen Sternen. Dann noch das weiße fernöstliche Batisthemd durchsichtig, daß mir mal die Bezeichnung "römischer Lustknabe" eingebracht hat mit passendem schneeweißen Beinkleid (passend für den hippiemäßigen Auftritt im Grüneburgpark) Süß! Is mir ja als 3facher Großvater heute irgendwie peinlich.

Alipius said...

Woah! Weißes Batisthemd mit passendem Beinkleid? Hammer!