Friday, February 12, 2010

Neues aus der Abteilung "Wir basteln uns ein Weltbild"

[Nachtrag: Angeblich haben vergleichbare Aktionen in England in den vergangenen Jahren nur wenig Publikum gezogen. Allerdings richteten diese Aktionen sich ganz allgemein gegen den Papst. Jetzt wird mit der "Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Faschismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit"-Nummer versucht, möglichst vielen Menschen, sofern sie für solche Rent-a-Mob-Aktionen zugänglich sind, eine Gelegenheit zu geben, sich als Opfer darzustellen und ein wenig Medien-Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen]


Über Fr. Z bin ich auf diese widerliche Kampagne gestoßen. Anläßlich des geplanten Papst-Besuches in England machen am 14. Februar die Kämpfer für ein säkulares Europa mobil. Man will sich vor der Westminster Cathedral treffen und dann bis vor die Italienische Botschaft ziehen.

Der bei winkender Medienpräsenz und zu erwartenden Schlagzeilen immer mit einer Klinikpackung Tempo unterm Arm in den Startlöchern stehende Aktivist für alles, was sich nicht rechtzeitig auf einen Baum retten kann, Peter Tatchell, ist einer der Organisatoren des Protestes und wird auch am Sonntag eine Rede halten.

Wie diese Rede auschauen wird, kann man sich leicht denken, wenn man sich die Seite der Kampagne anschaut: "Beendet den Kreuzzug des Vatikan gegen die Rechte von Frauen und Schwulen" lautet der realitätsnahe Einstieg. Wartet! Es wird noch besser: "Wir sind gegen Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Faschismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit" heißt es in der Pro/Contra-Liste. Dann wird einem noch untergeschoben, der Papst habe "in der Vertuschung von Kindesmißbrauch durch Priester eine Schlüsselrolle gespielt". Wer dann noch sitzen kann, der wird mit der "Rehabilitierung" von Holocaust-Leugner Williamson und der geplanten Heiligsprechung Pius XII, der aber doch "zum Holocaust geschwiegen hat" endgültig weggeblasen.

Ich will - Stichwort Holocaust - gar nicht intensiv der Frage nachgehen, was genau mit Katholiken geschieht, die an den Prinzipien ihres Glaubens festhalten wollen, wenn radikale, irrationale Anpeitscher und Demagogen wie Tatchell in Europa das Szepter schwingen.

Ich will aber Tatchell mal fragen, wie es denn bei der im Text beschworenen gigantischen Macht des Vatikan über Gedanken und Seelen der Menschen möglich ist, daß heutzutage Schwule und Lesben in den meisten europäischen Großstädten ihre Paraden abhalten können und dabei häufig ein Gebahren an den Tag legen, welches nicht nur älteren Damen den Atem verschlägt, während Angestellte im öffentlichen Dienst in England mit Entlassung rechnen müssen, wenn sie einen Kreuzanhänger tragen oder ein Gebet für einen Patienten sprechen, ohne vorher mit dessen Anwalt verhandelt zu haben. Tatchell jammert über die Versuche von Vatikan und Kirche, anderen Leuten ihre Moralvorstellungen aufzuzwingen. Was er und Konsorten tun, ist um keinen Deut besser. Im Gegenteil: Es ist heuchlerisches Gewäsch machthungriger Aktivisten, natürlich hervorgerufen durch genau das schlechte Gewissen, welches ich drei Artikel zuvor angesprochen habe.

Denn schließlich lautet die Parole der Protestler nicht "Gegen den Papstbesuch in England". Sie lautet: "Keinen Papst! Keinen Vatikan!" Der Papst muß ganz verschwinden, mit ihm der Vatikan und am besten gleich die ganze Katholische Kirche. Denn die Wahrheiten, die man aus dieser Richtung zu hören bekommt, sind viel zu unbequem, sitzen viel zu tief und wühlen das Gewissen viel zu sehr auf, als daß man sie hinnehmen könnte.

Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Faschismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit...

Das alleine müßte genügen, um die Katholiken Englands, allen voran die Bischöfe, in Alarmbereitschaft zu versetzen und für kluge Gegendarstellungen und friedliche Parallelaktionen zu sorgen. Diesem Lügenpack unwidersprochen die Gosse zu überlassen ist gefährlich. Lebensgefährlich.

2 comments:

Paul Miller said...

So sehr ich Ihr Entsetzen Teile, lieber Alipius, so sehr spüre ich andererseits schon fast Erleichterung, wenn die Dinge so weit kommen. Dann kann wenigstens niemand mehr so tun, als wäre nicht Krieg (und ich meine Krieg, nicht "Kulturkampf").

Wie Peter Kreeft sinngemäß auch meint, müsse erst wieder Märtyrerblut fliessen, bevor die Kirche im Säkularen Westen ihren Weg findet. Dass es in Deutschland so weit kommen muss, will ich freilich nicht hoffen...aber das von Innen ("unten") Zerfressen unserer Kirche ist fast genauso unterträglich.

Alipius said...

Ja, es wird vielleicht wirklich bald eine Zeit kommen, in der man ganz andere Zeichen und Zeugnisse von uns verlangt.