Wednesday, May 12, 2010

Man muß kein Feind der Aufklärung sein...

... um in diesen Zeiten bei Verstand zu bleiben. Aber es hilft.

Denn:
  • Wer sich beständig weigert, aus dem Tümpel der Berichterstattung über die Katholische Kirche die anderthalb Körnchen Wahrheit herauszufischen, die eine Aktivierung der grauen Zellen rechtfertigen...

  • Wer jede gegen einen katholischen Prieter oder Bischof gerichtete Anschuldigung bereits als eine Verurteilung betrachtet und die gesamte Strecke, welche normalerweise zwischen diesen beiden Punkten liegt, aus der Realität ausklammert...

  • Wer nach Schlagzeilen wie "Homosexualität, Alkohol und Gewalt: Rom lässt Mixa fallen" sich schon gar nicht mehr dafür interessiert, auf welch groteske Art hier die Übereinstimmung des Verstandes mit der Sache erzwungen werden muß...

  • Wer von des Papstes gefrorener Seele spricht und gleichzeitig definieren will, wer hier dem Herzen der Kirche näher ist...

  • Wer meint, sich noch auf dem rechten Weg hin zu einer "zukunftsfähigen Kirche" zu befinden, nachdem er Konzepte wie mitbrüderliches Denken und Handeln, Großmut, Geduld, Fairness und Standhaftigkeit gegenüber dem Widersacher über Bord geworfen hat...

  • Wer sich erlöst glaubt, weil endlich der Sündenbock gefunden ist, den man zur Vergebung der eigenen Sünden und zur Erlangung der eigenen Erlösung genüßlich von der hohen Warte der eigenen, selbstgemachten Moral kreuzigen kann...

  • Wer meint, die Papstworte "Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von äußeren Feinden. Sie wurde von den Sünden innerhalb der Kirche geboren" bedeuten, daß es keine höchstinteressierten Kreise gibt, welche die Mißbrauchsfälle instrumentalisieren...

  • Wer die finstere Realität der Sünde innerhalb der Kirche schon beinahe zelebriert, während er sich jeden Hinweis darauf verbittet, daß auch nur der Begriff der Sünde oder gar die Realität von Beichte und Vergebung auf irgendeine Weise für sein Denken, Reden und Handeln relevant ist...

  • Wer freudig auf Seite Eins in haushohen Lettern anklagt und verschämt auf Seite Dreitausend bekannt gibt, daß es dann wohl doch nicht so war...
... der ist gut beraten, keine Fragen zu stellen und gewissen Tatsachen den Zugang zu seinem Vertand zu verwehren. Solche Leute könnte eine tatsächliche Aufklärung kirre machen.

3 comments:

Le Penseur said...

@Rev. Alipius:

Sie mögen die Aufklärung nicht, die mit dem schönen Barock-Rokoko in der Kirche aufgeräumt hat und dröge Langeweile verbreitete ...

Nun, ich mag die Aufklärung trotzdem, weil es damals z.B. erstmals vernünftige Diözesangrenzregulierungen in Österreich gab, Pfarren nach örtlichem Bedarf gegründet wurden und nicht wegen der zufälligen Stiftung eines Grafen aus der Ottonenzeit irgendwo in der Wildnis lagen, aber dichtbevölkerte Gebiete fast priesterlos blieben, weil für neue Stiftungen kein Geld da war, verlotterte Klostersinekuren aufgehoben wurden, etc. etc.

Bei diesem Dissens will ich es bewenden lassen (obwohl ich annehme, daß Sie diese positiven Seiten der Aufklärung durchaus erkennen!) — nur:

Was zum Kuckuck hat die arme Aufklärung mit der derzeitigen Pressekampagne zu tun?!

Alipius said...

Oha! Das tut mir Leid, da liegt ein Mißverständnis vor!

Was ich ausdrücken wollte ist Folgendes: In der heutigen Zeit - angesichts der etwas wilden Berichterstattung der Mainstream-Medien über die Kirche - wäre eine neue Aufklärung wünschenswert (diese Idee macht grade auf einigen katholischen Blogs die Runde), welche die Leute dazu bewegt, nicht nur stur den Schlagzeilen zu vertrauen, sondern auch mal selbst ein wenig nachzuforschen, den Grips zu benutzen und unter Umständen eine ganz andere (und häufig der Realität nähere) Sicht der Dinge zu bekommen.

Und von dieser Aufklärung spreche ich, wenn ich sage, daß man, wenn man weiterhin unbeschadet und gemütlich und im Besitze dessen, was heute so als Verstand durchgeht, leben will, diese nicht an sich heranlassen sollte. Die Leute drehen doch durch, wenn ihnen plötzlich klar wird, in welch begrenztem Maße man den Medien trauen sollte.

Gegen DIE Aufklärung bin ich nur begrenzt. Ich fand sie eigentlich - unter anderem auch wegen der von Ihnen angeführten Gründe - nicht allzu verdammenswert ;-)

Was also DIE Aufklärung mit der derzeitigen Pressekampagne zu tun hat ist, daß hier mal wieder die gute, alte Doppelzüngigkeit durchschimmert, die einerseits die Errungenschaften der Aufklärung nicht hoch genug loben kann (wenn's z.B. gegen die Kirche geht), aber andererseits kein Problem damit hat, einen großen Teil der Bevölkerung zu manipulieren oder gar im Dunkel zu halten (wenn's z.B. gegen die Kirche geht).

Sprich: Ich gebe nicht der Aufklärung die Schuld, sondern nur der ungenügenden Art, wie ein Teil ihrer Ideale umgesetzt wird.

kalliopevorleserin said...

Kants schöne, leicht verständliche Definition der Aufklärung wird leider (mir unbegreiflicherweise) gern dahingehend mißverstanden, daß jedes Nachfragen, jede Recherche, kurz jede kleinere Form der Forschung, als unmündig verschrien wird - und erst recht jedes Eingeständnis, daß man nicht alles weiß. Da die lautesten Schreier zwar nicht am ehesten Recht haben, aber am meisten gehört werden, kommt so das Wort "Aufklärung" in Mißkredit.

Ein weiterer schöner Satz des Königsbergers:
"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

Verleumdung oder auch nur Oberflächlichkeit kann m.E. niemals Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung werden.