Tuesday, May 25, 2010

Willkommen in der Realität...

... gemäß Hollywood.

Die größte Gefahr für das seelische Heil von High School Kids ist das Christentum!

Der Film "Easy A" kommt im September in den USA in die Kinos. Der Plot: Nachdem eine kleine Lüge über den Verlust ihrer Jungfräulichkeit in der Schule bekannt wird, stellt das saubere High-School-Mädchen Olive plötzlich fest, daß ihr Leben Parallen zu dem von Hester Prynne in "Der scharlachrote Buchstabe" aufweist, welches sie grade in der Schule behandelt. Sie gab vor, mit einem schüchternen schwulen Bub geschlafen zu haben, damit dieser bei den Jocks und Studs besser aussieht. Andere Jungs, die nicht zu den "Coolen" gehören, bitten nun um denselben Service. Bald wird Olive wegen ihres vermeintlichen Lotterdaseins von einer Gruppe christlicher Schüler gemobbt...

Matt vom Creative Minotiry Report stellt genau die Fragen, die mir auch durch den Kopf schossen, als ich neulich den Trailer sah [ÜS meine]:
    Ich frage Euch: Wer wird an einer wirklichen High School eher verspottet? Das Mädchen, das den neuen Geschwindigkeits-Rekord für das Stülpen eines Kondoms über ein Stück Obst erzielt, oder das Mädchen, das absichtlich an dem Tag zu Hause bleibt, an dem der Teilzeit-Massagetherapeut eine Versammlung für Viertklässler abhält?

    Jeder normale Mensch kennt die Antwort auf diese Fragen. Unglücklicherweise ist Hollywood nicht normal. Dann anscheinend, gemäß dem Film, ist das größte Problem, das High School Kids beeinträchtigt, das Christentum, welches einen jungen Mann Angst macht, sich zu outen und ein Mädchen für vorehelichen Sex stigmatisiert. Was glaubt Hollywood eigentlich, in welchem Jahr wir leben? 1610?
Legion...

Agora...

Easy A...

Nur drei anti-christliche (und dabei nicht besonders originelle oder übermäßig an der Realität interessierte) Filme der letzten zwölf Monate, die mir grade spontan einfallen. Auch Hollywood wird in den Culture Wars künftig immer noch ein Stückchen gröber und plumper agieren.


Ach ja: Flüstert doch mal an einer beliebigen US-High-School als Katholik einem für seinen etwas anrüchigen Lebensstil bekannten Mädchen so etwas zu wie: "Kehre um und glaube an das Evangelium"...

7 Sekunden danach:




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3 comments:

Le Penseur said...

Kleiner Einspruch: Amerika ist wirklich anders. Sie beurteilen das hier m.E. aus einer europäischen Perspektive, und die ist halt weitestgehend entchristlicht und promiskuitiv (das kann man mit Recht bedauern, aber es ist eben so). In Amerika hingegen ist sehr wohl noch eine breite Strömung von Aufrechterhaltung puritanischer Fassaden präsent, wie mir von Leuten, die drüben leben durchaus glaubwürdig berichtet wurde. Solche Bekannte (Hauptwohnsitz Minnesota, ererbtes Haus in Wien wird für Ferien besucht) waren z.B. recht erstaunt, daß bei den Nachbarn die Tochter (Studentin)mit ihrem gleichaltrigen Freund in der Souterrainwohnung "einfach so" zusammenlebt. Das wird in Wien wohl niemand besonders auffällig finden, wäre aber in Minneapolis kaum denkbar.

Ich gebe Ihnen recht: Hollywood verzeichnet die Realität, und die PC-Betulichkeit, die allein aus Ihrer Schilderung des Plots trieft, ist schwer auszuhalten — aber dennoch: Amerika ist anders, und insofern sind Ihre Schlüsse nicht ganz zutreffend.

Alipius said...

Was den Einfluß puritanisch/christlicher Inhalte auf das Familienleben in den USA betrifft, bin ich nur unzureichend informiert, halte aber Ihre Schilderung für absolut plausibel.

Andererseits habe ich nun im Laufe der vergangenen fünf Jahre am Angelicum unzählige Professoren aus den USA kennengelernt. Die erzählen manchmal ein wenig von daheim. Und da sieht man schon, daß diese puritanischen/christlichen Inhalte von den Jugendlichen bei Betreten des Schulgebäudes an der Garderobe abgegeben werden und man dann für die Dauer des täglichen Schulbesuchs ein Verhalten an den Tag legt, welches den Film Lügen straft. Klar, auch das ist nur Hörensagen, aber ich sehe andererseits nicht, warum die Profs solche Geschichten erfinden sollten.

Marcus, der mit dem C said...

Die USA sind ein großes Land und man kann das Verhalten im Bible-Belt nicht mit dem Verhalten in Städten wie NYC, Boston, LA etc in einen Topf werfen.

Berücksichtigen würde ich auch, daß die amerikanische Rechtstradition auf der aus England aufbaut. Und dort bekommen christliche Missionare schon mal von Polizisten die Androhung einer Verhaftung wegen hate crimes, wenn sie bei ihrer Mission nicht mehrheitlich islamische Stadtviertel meiden.

Ein interessantes Phänomen, daß ich bisher beobachten konnte, ist, daß Aufgeklärtheit häufiger mit Nestbeschmutzung denn mit kritischer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einhergeht. Letzteres würde eine differenzierte Sicht auf etwas verlangen, daß sich doch so platt karikieren läßt.

Da die Avantgarde immer vorwegschreitet, so stellt sich die Frage, wo ist sie denn schon, wenn die Gesellschaft am Abgrund angekommen ist?