Wednesday, May 19, 2010

Drewerhüttl - Hasenmann

"Keiner hat das Recht zu gehrochen!" (Hanna Arendt)

In diesem Satz fehlt die Fortsetzung "..., wenn...".

Und genau dies macht es Gotthold Hasenhüttl leicht, solche Gemeinplätze zu formulieren:
    Eine katholische Hierarchie heute ist korrupt, wenn sie die Eucharistie, die Symbol der Liebe Christi ist, missbraucht, um andere Menschen, etwa evangelische Christen, auszuschließen.

    Alle Gesetze, Gebote und Institutionen, für so »heilig« man sie halten mag, haben nur Sinn, wenn sie für den Menschen da sind und solidarische Gemeinschaft fördern.

    Nicht der Gehorsam, sondern der zivile Ungehorsam kann heilen, denn es ist besser, ein Gesetz zu brechen als ein Herz.
So erschienen heute in der ZEIT, jeder Wochenzeitschrift, über deren aktuelle (12. Mai) Printausgabe heute bereits berichtet wurde. In eben dieser Printausgabe findet sich übrigens auch eine Werbe-Anzeige für Hasenhüttls Buch "Christen gegen Christen". Versteht mich nicht falsch: Es ist in der heutigen Zeit wohl ein nicht mehr wegzudenkendes Phänomen, daß der Entzug der Lehrerlaubnis automatisch den Freifahrtschein für kuschelige Betroffenheitsprosa bedeutet. Aber sollte man den Werken nicht wenigstens ehrliche Titel geben?

"Ich gegen die Kirche"

"Was würde Jesus sagen? Die Antwort darauf gibt's nur hier!"

"Mein persönlicher Angriff auf das Magisterium (mit Rückendeckung der durch die MSM weichgeschossenen Öffentlichkeit)"

"Drewemann hat sich mit so etwas 'ne goldene Nase verdient! Ich probier' das jetzt auch mal!"

"Wohlfühl-Hier-und-Jetzt statt Himmelreich"

"Gehorcht wird hier nur Einem: Mir!"

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, aber ich denke, Ihr wißt, was ich meine (und habt vielleicht sogar noch besser Ideen für einen alternativen Titel?).

3 comments:

kalliopevorleserin said...

Zwar finde ich es falsch und albern, hier von Korruption zu sprechen.
Aber ich sehe tatsächlich keinen zwingenden Grund gegen eine gemeinsame Feier des Abendmahls. Der Unterschied zwischen Sein und Bedeuten muß wirklich nicht zum Krieg und zur Trennung führen.

Anonymous said...

Warum schreibt die Dame nicht: Keiner hat die Pflicht zu gehorchen?

Was für ein „hinterhältiger Hintersinn“: Wenn man keine Rechte mehr hat, bleibt einzig die Pflicht. Also nicht die Freiheit zu gehorchen, sondern die Pflicht zum Gehorsam. Ja – genauso so kennen wir den Bolschewismus, der die Freiheit in die Notwendigkeit umlügt.

Selbstverständlich habe ich jedes Recht auf Gehorsamkeit. Nur eben keine Pflicht. Dieses Recht reicht genauso weit, wie es mein Gewissen – vor Gott - verantworten kann, die Pflicht hingegen macht Gehorsam zu Absolutum, in der ich keine Wahlfreiheit mehr habe.

Alipius said...

@ claudia: Niemand redet davon, daß es Krieg geben soll und die Trennung war seitens der Katholiken sicherich nicht gewünscht.

@ anonymous: Ahrendt wollte mit dem Satz die Leute zum Nachdenken bringen, die sich mit "Ich bin nur meinen Befehlen gefolgt!" rausreden wollen. Das Zitat wird natürlich immer aus dem Zusammenhang dargestellt und kann damit in der Tat zu dem Widerspruch führen, daß man die moralische Pflicht zu haben scheint, demjenigen zu gehorchen, der sagt, man habe kein Recht zu gehorchen.