Tuesday, May 18, 2010

Forderungen an den Papst

Auf der linkst-katholischen Seite Open Tabernacle stellt William Lindsey zehn Forderungen (und zwar wirklich "Forderungen" - der Tonfall ist mehr als arrogant und dreist) an den Heiligen Vater. Hier die Highlights (Übersetzung meine):
  1. Entschuldigung bei und Rehabilitation von mehr als 100 Theologen, die Benedikt selbst zum Schweigen brachte, als er dem Heiligen Offizium vorstand [Scherz... Da steht natürlich "der Kongregation für die Glaubenslehre"]. Eingeständnis, daß der Vatikan ungerecht und grausam war gegenüber Theologen, welche zum Schweigen gebracht wurden, denen man das Lehren verbat und denen man im Verlauf dieser Handlungen eine gerechte, offene Anhörung verweigerte [Benedikt XVI, weltweit als Kindergarten-Theologe bekannt, hatte als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre natürlich nicht den geringsten Schimmer von der Materie und hat in der Regel Theologen die Lehrerlaubnis entzogen, weil ihm der Schnitt ihrer Anzüge nicht gefiel].

  2. Wiedergewinnung der Arbeitskraft und des Talents dieser vom Geist geführten [Von welchem Geist genau, wird leider verschiwegen...] Individuen, deren Gaben von der heutigen Kirche besonders gebraucht werden, wenn sie ihre momentane Krise erfolgreich überwinden will und kreativ [röchel...], fruchtbar - mit evangelischer Absicht - der Postmoderne begegnen will.

  3. Eine besondere Entschuldigung für die hinterhältigen Attacken auf die Befreiungstheologie, welche diese notwendige Bewegung in den Glaubensgmeinschaften der Entwicklungsländer dezimiert haben. Rehabilitation besonders jener Theologen, deren prophetisches Zeugnis auch von westlichen Theologen mit ihrem Mangel an Aufmerksamkeit für strukturelle Ungerechtigkeit und ihrer Fixierung auf Themen wie Abtreibung und Homosexulität dringend benötigt wird

  4. Wiedereröffnung der Debatte über Frauenordination [** gähn ** ... Hmm...? Was...?].

  5. Wiedereröffnung der Debatte über Sexualethik [** schnarch ** ... Echt...? Zur Abwechslung mal...?].

  6. Abschaffung des vor-modernen, undemokratischen Prozesses, mit welchem in Rom die Arbeit von Theologen überprüft wird. Abschaffung des Prozesses der Entgegennahme geheimer Berichte über "unorthodoxe" Theologen, die darauf nach Rom gerufen werden, um auf geheime Anklagepunkte [Wir klagen dich jetzt an, aber die Punkte sind geheim...] zu antworten, von denen sie vor ihrer Anhörung nichts wußten. Öffnen der Anhörungen für die Öffentlichkeit und Erlaubnis der Angeklagten, einen Anwalt zu den Anhörungen mitzubringen - fells diese überhaupt weiterbestehen [Übersetzung: Die Theologen können nicht so ahnungslos sein, daß sie von einer Einladung in den Vatikan total überrascht sind. Es fehlt ihnen aber die Zeit, die larmoyanten WsK-Massen zu mobilisieren und sie zahlreich vor Ort als 'Zeugen des Geistes' auftreten zu lassen. Mit den gestellten Forderungen wird sich das schnell ändern, so daß nüchterne, theologische Eröterungen sich bald in einen emotional überfrachteten Zirkus verwandeln werden, in denen ganz viel Betroffenheit und ganz wenig Ahnung herrscht].

  7. Aussendung eines starken Signals, daß die Länge der Cappa Magna eines Hierarchen kein offensichtliches Zeugnis für dessen Tugend, dessen theologischen Scharfsinn oder dessen Eignung für ein hohes Amt in der Kirche ist. Wenn Benedikt XVI Kardinal Pell zum Haupt der Bischöfe weltweit [Das steht da so, kann ich nix für] macht, wie glaubwürdige Berichte aus Rom bestätigen, sendet er der Kirche und dem Klerikern die Botschaft, daß seine Worte in Portugal nur nette Worte waren aber nicht mehr. Pell ist ganz besonders unqualifiziert - ganz besonders falsch - für diese Position [Wie kommt der Autor nur zu diesem Schluß...?]. Er hat den Weg vorgegeben in der Prozession immer länger werdender Cappae Magnae [Say what now? Pell läßt sich zwei- oder dreimal mit der Cappa erwischen, und schon weiß unser theologisch hochgebildeter Autor, daß da pastoral etwas ganz im Argen liegen muß? So erheiternd das ist: Aber da muß doch noch etwas mit Substanz kommen, um das Prädikat "besonders unqualifiziert" zu rechtfertigen...]. Seine Weigerung, sich mit seiner lesbischen Cousine - einer ehemaligen Nonne - zu treffen, oder wenigstens den [offenen] Brief, in welchem sie ihn vor Jahren um einen Dialog über die kirchliche Unterdrückung von Schwulen und Lesben bat, zu beantworten, untergräbt seine Glaubwürdigkeit als Führer der Bischöfe weltweit im 21. Jahrhundert total [Es gab eine Antwort auf den Brief: Kardinal Pell gab ein Statement ab, in welchem er erklärte, daß er die Lehre der Kirche unterstützt. Er würdigte den Diskussionsbeitrag siner Cousine, bedauerte aber den Weg, den sie eingeschlagen hat. Die Anklage soll hier also nicht das Ausbleiben einer Antwort sein, sondern das Geben einer falschen Antwort].

  8. Zugänglich werden für das Volk Gottes. Mit ihnen gehen. Ihnen zuhören. Und das ohne etepetete Fummel und Würde. Hirte sein. Jesus, den guten Hirten, als persönliches Vorbild nehmen [Uff! Danke für diesen wertvollen Rat! Da wäre Papst Benedikt XVI niemals drauf gekommen!].

  9. Von jedem Bischof in der Welt verlangen, daß er sich ebenso verhält.

  10. Umwandlung der Kälte in den theologischen Abteilungen katholischer Universitäten und Eingeständnis, daß es ein Akt gravierenden Übels [Im Original steht dort "act of grave evil"] war, auf den Gaben herumzutrampeln, die der Kirche von vielen Laien angeboten wurden, die nach dem Konzil den theologischen Studienprogrammen zuströmten, mit Enthusiasmus und der großen Hoffnung, der Kirche im theologischen Amt dienen zu können. Doch dann fanden sie sich während des Pontifikats Johannes Paul des Zweiten - mit Benedikt als theologischem Wachhund - negativer Kontrolle und Bedrohungen ausgesetzt, als sie ihrer Berufung als Theologen folgten. Die Folgen dieser Säuberungsaktion [Extra-Punkte für Fingerspitzengefühl in der Wortwahl] waren für die Kirche extrem schädlich. Diese Verkühlung umzukehren könnte viel dazu beitragen, den Prozeß, in welchem man die Kern-Probleme im Herzen der Mißbrauchs-Krise ansprechen will, in Gang zu bringen - ehrlich und transparent.
Kann man eigentlich kaum noch etwas zu sagen. Aber - um ein altes, aber meiner Meinung nach schönes Mem mal wieder zu Ehren kommen zu lassen - hier ist mein Gegenargument, ganz nah am Niveau und an der Logik der Forderungen:

9 comments:

Ulrich said...

Was machen wir bloß ohne dich, Alipi!
Bleibe uns erhalten!
Sonst könnten wir doch den ganzen Schmarrn hier nie ertragen ...

Zu 6. Hw. Küng hat sich darüber beschwert, dass der Prozess in Rom böse ist. Das meinen die wohl.

Anonymous said...

wie bist du denn auf deren site geraten?

Uralte_Sage said...

Ich stimme Ulrich durchaus zu. Aber manche von unserem Heiligen Vater zu seiner Zeit als Chef der Glauibenskongregation restringierte linke Katholiken wie Leonardo Boff stammen eben aus Ländern, in denen zwei Prozent der Bevölkerung über fünfzig Prozent der Agraranbaufläche kontrollieren und wo es nicht nur als Teenie zum guten Ton gehört, links zu sein, sondern wo "Linkssein" eine geschätzte Technik auch später noch des Sichselbsttreuseins darstellt unter lateinamerikanischen Katholiken, die doch nur zu gerne sich mit "Europa", dem Imperator in Rom, der Tradition und einem wirklich auch mit dem Herzen nachvollziehbaren Gemeinsinn im Gottesvolk ausgesöhnt wissen möchten. Wie kann man ihnen dabei helfen?

curioustraveller said...

Junge, Junge ... ein "Best of" der Mottenkiste...

Alipius said...

@ Ulrich: Locker bleiben! Ich bleib' Euch ja erhalten...

@ anonymous: Weiß ich nicht mehr genau. Ich bin auf englischen Weblogs rumgehüpft und ein paar Links gefolgt und plötzlich war ich da...

@ Uralte_Sage: Ja, die Befreiuungstheologie ist sicherlich das brisanteste Thema in den Forderungen, weil es durchaus seine Berechtigung aber eben auch seine Gefahren hat.

@ curioustraveller: Ich weiß! Ich klopfe mir jetzt noch den Staub aus den Klamotten...

Eugenie Roth said...

Werter Herr Alipius,

Sie haben Sich 10 blaue Eimer verdient. Oder gibt's die schon nicht mehr?

+ u!!!

Anonymous said...

Kurze Frage: Wer ist der abgebildete Kardinal in der Cappa Magna?

Gruß
Ein treuer Leser

Alipius said...

Das ist Dalmazio Kardinal Minoretti, Erzbischof von Genua zwschen 1925 und 1938.

Anonymous said...

Ich habe nach Nr. 3 aufgehört zu lesen, aber bei Nr. 10 noch einmal einen kurzen Blick auf den Wunschzettel geworfen. "Gaben, die der Kirche von den Laien dargeboten werden" - dazu zwei Kommentare: Erstens werden diese Gaben natürlich nicht der Kirche, wie sie jetzt besteht, dargeboten, sondern nur und ausschließlich der Kirche, wie sie sich nach den Wünschen dieses Herrn ... wie war noch der Name? zu verändern hat; und zweitens, wenn wir schon beim Stichwort "Gaben" sind: "Timeo Danaos et dona ferentes" ...

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