Saturday, May 22, 2010

Ich stehe zu Petrus!

Momentan kircht es ja wieder einmal von unten, daß einem Hören und Sehen vergeht.

Die Laieninitiative, die Pfingsterklärung, der Ökumenische Kirchentag, die Herren Hasenhüttl und Bittlinger, Margot "Comeback des Jahres" Käßmann und auch die große alte Dame des Aufbegehrens, "Wir sind Kirche", wissen alle ganz genau, woran es vor allem (um nicht zu sagen "einzig") der katholischen Kirche fehlt und wie man das alles wieder hinbiegt.

Zwischen den Zeilen liest man bei den in "heiterer Umsturzlaune" [DIE ZEIT vom 20.5. (No. 21)] Versammelten, welches "rebellische Einverständnis" [ibid] sie zusammenschweißt:
    "Wir pfeifen auf amtskirchliche Vorschriften! Wir denken unabhängig von Rom!" [ibid]
Dies alleine macht schon schauern. Erstens sehe ich hier in der Tat "Unabhängigkeit" von Rom. Ob diese aber tatsächlich Produkt eines genuinen, ehrlichen Denkprozesses ist und nicht eine Reaktion auf den vermeintlich süßeren Flötenklang, wage ich zu bezweifeln. Zweitens enthüllt sich hier eine Vorstellung von "Ökumene" oder auch "Reform", die weniger ein Zusammenführen der getrennten Brüder und Schwestern zum Ziel hat, sondern eher eine weitere Spaltung, ein Sich-Profilieren, ein Sich-Anbiedern, ein Heischen zustimmender Blicke und anerkennenden Raunens, einen Sonnenbrand hervorgerufen von Scheinwerfer-Dauerbestrahlung.

Aber wie kommt z.B. ein Herbert Kohlmaier (Laieninitiative) dazu, solche Sätze zu schreiben:
    "Die Männer, die prachtvoll in Rom residieren, begehen Verrat an Jesus. Die Kirche erlag der Versuchung rücksichtsloser Macht und begründet sie wahrheitswidrig: Der einfache Fischer Petrus sei der "erste Papst" gewesen und durch seine "Einsetzung" die Kirche samt Ämtern und Vorrechten zur alleinigen Stellvertretung des Herrn befugt. Widerspruch sei Ungehorsam gegenüber Gott selbst – welch ungeheuerliche Anmaßung!"
Da die schäbige Standeskrieg-Keule ("... die prachtvoll in Rom residieren,...") ebensogut Ausdruck von Neid sein kann, wie ein ernst gemeintes und ernstzunehmendes Statement zur Güterverteilung in unserer Welt, lasse ich sie mal außen vor. Auch den Nachweis, daß sie weniger "Verrat an Jesus" üben ("... daß ale Eins seien: so wie du, Vater, in mir bist un ich in dir bin, daß sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast." (Johannes 17;21)) als der Vatikan, bleiben die Leute von der Laieninitiative schuldig.

Wie aber steht es mit der wahrheitswidrigen Begründung des Petrusamtes?

Matthäus 16;18.19: "Ich sage dir: Du bist Petrus; auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was immer du auf Erden binden wirst, das wird auch in den Himmeln gebunden sein, was immer du auf Erden lösen wirst, das wird auch in den Himmeln gelöst sein."

Johannes 21;17: Er fragte ihn noch ein drittes Mal: "Simon, des Johannes Sohn, liebst du mich?" Da wurde Petrus traurig, daß er zum dritten Mal ihn fragte: "Liebst du mich?" Er sprach zu ihm: "Herr, du weißt alles, du weißt auch, daß ich dich liebe." Und Jesus prach zu ihm: "Weide meine Schafe!"

Petrus wird von Christus mit Vollmachten ausgestattet: Er kann binden und lösen. Er wird auch beauftragt: Weide meine Schafe!

Dort, wo Schafe geweidet werden, ist der Weidende üblicherweise ein Hirte. Eine Schafsherde verschwindet nicht einfach über Nacht. Alte Schafe sterben, kleine Lämmer werden geboren. Die Herde besteht. Was geschieht, wenn der Hirte das Alter spürt und den Tod ahnt? Setzt er sich hin und überläßt die Herde dem nächstbesten Interessierten, der vorbeikommt und wahrscheinlich nicht die geringste Ahnung von der Arbeit eines Schäfers hat? Oder zieht er sich zurück, auf daß die Wölfe unter den Schafen ihr Unwesen treiben können? Nein. Er bestellt einen Nachfolger, der die Arbeit weiterführt. Er gibt ihm ein paar Ratschläge, bringt ihm die wichtigsten Dinge bei und schwört ihn darauf ein, immer ein wachsames Auge auf die Herde zu haben, sie sicher zu leiten und Gefahren von ihr fernzuhalten.

Wie sieht nach Meinung von Leuten wie Kohlmaier die ideale frühe Kirche aus? Genau so, wie die Kirche, die sie nun zu schaffen versuchen: Sie hat keinen Hirten, sondern nur Schafe. Unter diesen gibt es einige besonders Kühne, die sich auf die Hinterläufe stellen und mit den Vorderläufen den Hirtenstab zu halten versuchen. Und im Gebüsch hockt bereits das Wolfspack, lacht sich scheckig und bindet sich die Servietten um die Hälse.

"Verrat an Jesus"?

Möglicherweise.

Denn ich kann mir nicht vorstellen, daß unser Herr, der mit Worten nun nicht eben ungeschickt umging, sich wünschte, daß seine Herde aus Tausenden von vermeintlichen Hirten besteht und Millionen von Schafen, die unsicher und verwirrt zwischen diesen hin und her eilen, weil sie nicht wissen, welche der sie beständig lockenden Stimmen eigentlich noch die Inhalte des Herrn transportiert, der einst den ersten Hirten einsetzte.

Ich setzte alles auf Petrus und seine Nachfolger. Wer noch?

12 comments:

Marcus, der mit dem C said...

Besser sich zu bergen in der Kirche des Herrn, als auf Menschen zu bauen!

Meine Wahl fällt klar auf Petrus und seine Nachfolger, die über die Zeiten die Kirche vor mannigfaltigen Häresien geschützt haben.

Roger said...

Ja das tue ich auch!

Raphaela said...

*handheb*

Ich. Denn der Fels, auf der sein Auftraggeber seine Kirche bauen wollte, heißt nun einmal Petrus.

aikaterina said...

Ebenfalls.

Hab "am roemsten" übrigens in meine Blogliste mit aufgenommen, mit Anzeige der aktuellsten Überschrift. Wenn das nicht ok sein sollte, einfach Bescheid geben, dann mach ich das rückgängig.

Alipius said...

@ aikaterina: Das ist nicht nur okay, ich habe mich auch schon "revanchiert" und Dich auf am römsten verlinkt.

Le Penseur said...

Es wird niemanden, der mich kennt, verwundern, wenn ich hier ein skeptisches "Naja, ich eigentlich nicht!" in die papalistische Runde werfe ... ;-)

Alipius said...

Nö, sei Ihnen auch gegönnt und nicht verübelt.

Maria Magdalena said...

Lieber Alipius,
das hat man usn seinerzeit so in der Schule gelehrt:
Die historisch-kritische Exegese hat herausgefunden undf unumstößlich bewiesen, dass die beiden Zitate Matthäus 16;18.19: "Ich sage dir: Du bist Petrus; auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen [...]" und Johannes 21;17 dem Herrn nur in den Mund gelegt wurden. Das sind politisch bedingte nachträglich verfälschte Äußerungen, die Jesus nie so getan hat. Denn es steht fest, dass er so etwas wie die Kirche nie wollte. Im Gegenteil: Jesus war überzeugt, dass die Welt ohnehin in Bälde untergehen würde. Damit ist er als Scharlatan und Lügner entlarvt.
Soweit mein Religionsunterricht, a. d. 1975 in einer deutschen Bischofsstadt.

Und Du willst ein Theolog sein, und weißt all' dies nicht? Ich hab's brav gelernt - aber mich dann doch eher an der Exegese meines Großvaters orientiert.

Eugenie Roth said...

Herr, wohin sollen wir gehen, Du hast Worte des ewigen Lebens! (Sorry, keine Bibel da. Wer mag nachschlagen?)

Alipius said...

@ Maria Magdalena: Das ist genau das Problem mit der "Bibelkritik" (die ich grundsätzlich weder ablehne noch als Wurzel allen Übels betrachte): Man muß sich voher darüber im klaren sein, wie weit es gehen kann und darf. Wer will sich ernsthaft anmaßen, nachzuweisen, welche Worte unseres Herrn ihm in den Mund gelegt wurden und welche nicht? Wenn da die Dämme einmal brechen, dann ist alles möglich. Dann brauche ich nur noch zwei Jahre Studium und zehn Jahre berufsfreie Zeit, um in einem Buch zu demonstrieren, daß Jesus eine Kirche der Fürsten und der Untertanen wollte und all das Gerede von Barmherzigkeit, Brüderlichkeit und Nächstenliebe ihm nur von ein paar Proto-Hippies in den Mund gelegt wurde.

Florian said...

@Eugenie Roth: Joh 6, nach einer der wunderbarsten Stellen des Neuen Testaments... *schwelg*



Und ja, mich kannste auch einreihen in die papalistische Runde ;-)

Ein Priester hat es mal so formuliert: Christus hat die Kirche auf Petrus, den Felsen gegründet, und nicht auf Petrus, den Wackelpudding. Ist eigentlich ziemlich einleuchtend, nicht wahr :D

Benedetta said...

Ich bau auf Petrus den Fels!
Unverschämtheit, was da geschrieben wird, Verrat an Jesus...kopfschüttel..