Wednesday, May 19, 2010

Man könnte es sich nicht ausdenken...

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT darf Danny Le Rouge gleich auf Seite 4 verkünden, warum Rot-Grün eine Koalition mit der Linken eingehen sollte.

Auf Seite 12 weiß dann Thomas de Maizière: "Der Zölibat ist falsch". Diese Aussage darf praktischerweise auch gleich als Überschrift des gesamten Interviews mit ihm und Annette Schavan herhalten.

'Hmmm... fehlt eigentlich nur noch ein kräftiges Nachtreten in Richtung Bischof Mixa...' dachte ich mir. Und - siehe da - die ZEIT ist überaus großzügig. Ja, sie hört einfach nicht auf, zu geben: Gleich auf der ersten Seite des Feuilleton findet sich in der rechten Spalte ein Artikel mit der seltsamen Überschrift "Huhu!". Auf halber Höhe des Artikels ein Bild von Bischof Mixa mit Sonnenbrille. Was einen ansonsten erwartet, ahnt man, wenn man den Teaser liest:
    Diese Sonnenbrille: Bischof Mixa spielt Max Frischs "Brandstifter"
Eher amüsiert ('Wie verdreht muß man denn denken, um zu dem Schluß zu kommen? Das wird ja interessant!') als entrüstet warf ich mich ins Vergnügen...
    Im Grunde hätte man alles wissen können. Welcher Bischof trägt schon solche Sonnenbrillen, mal blau getönt, bald rosarot verlaufend, und wenn, warum [Dieses 'warum?' sollte man sich merken...]? Und wie kam Walter Mixa zu der merkwürdigen Aussage, daß an dem Sittenverfall in der katholischen Kirche ausgerechnet die Libertinage der Achtundsechziger Schuld trage [Was hat der Bischof denn außerdem noch gesagt? Schaun wir mal: "Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt. Besonders progressive Moralkritiker..." hätten sogar eine Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert. Ja, lieber Autor, ihr hattet den Cohn-Bendit doch in der Hütte! Wenn ihr euch wirkich so sehr dafür interessiert, wie der Herr Bischof zu seiner 'merkwürdigen' Aussage kam, hättet ihr doch nur beim Roten Danny ein wenig nachbohren müssen...]?

    Mit dem Fall des Augsburger Bischofs Walter Mixa verhält es sich wie mit der Fabel, die Max Frisch in seinem Theaterstück Biedermann und die Brandstifter erzählt. Dort warnen die Brandstifter unablässig vor sich selbst, nur der Biedermann möchte nichts hören und sich partout als vorurteilsfreier und vorbildlicher Zeitgenosse [!] profilieren. Dieser Bidermann waren wir [Genau! Denn wenn es einen Bereich gab, der in den vergangenen Wochen dadurch positiv auffiel, daß er absolut vorurteilsfrei und vorbildlich ist, dann waren es die Mainstream-Medien und die von ihr ferngesteuerte Öffentlichkeit]. Auch unsere vorbildliche liberale Öffentlichkeit [LOL! Wie gesagt: Die ZEIT hört einfach nicht auf, zu geben und zu geben und zu geben...] wollte sich auf keinen Fall von dem Auftreten des Bischofs verschrecken lassen. Genauer gesagt und näher noch an dem Theaterstück: Die Öffentlichkeit hat sich erschreckt, wollte ihrem Reflex aber nicht nachgeben, sondern den Bischof lieber als reaktionär verbockte Figur sehen, die sich vielleicht sogar schlechter machte, als sie war [.. und nicht etwa durch MSM-Hysterie schlechter gemacht wurde]. Erst heute, da Details seines Privatlebens bekannt werden, beginnen wir zu ahnen, daß er die satanische Wirkung der sexuellen Emanzipation mutmaßlich an sich selbst beobachten mußte [Zwei Worte in diesem Gefasel sind wahr: "Satanische Wirkung". Beim Rest hilft nicht mal mehr der Alkohl. Die Presse bläst - nicht erst seit Losbrechen der Mißbrauch-Lawine - Bischof Mixa in verzerrenden Berichterstattungen und halben Zitaten zum Monster auf, die dankbar nickende, 'liberale' Öffentlichkeit speit ihren Haß und ihre Ignoranz in die Kommentarbereiche von Online-Nachrichten und die Leserbrief-Spalten von Print-Produkten... Aber wir wollten ihn doch eigentlich nur als reaktionären Sündenbock haben. Und jetzt gibt es Vorwürfe wegen sexuellen Kindesmißbrauchs? Ja mei! Was ist da nur schief gelaufen...:].

    Wahrscheinich wollte er immer nur sagen, schaut mich an, wenn ihr über den Sittenverfall in der Kirche klagt. Aber wir haben ihn nicht angeschaut. Wir wollten die Kirche lieber reaktionär als verdorben. Wir haben nicht einmal die Sonnenbrillen zur Kenntnis genommen, die sont nur von Boutiquenbesitzerinnen in der Provinz getragen werden. Wir haben glaubwürdig demonstriert, dass wir keine Vorurteile kennen, nicht einmal gegen Moden in der Augsburger Provinz. Was sollte der arme Mann, der unablässig auf sich aufmerksam machte, da noch machen? Es blieb ihm nichts anderes übrig, als das ganze Gebäude der Kirche anzustecken, wie es Max Frischs Brandstifter mit dem Haus ihres Gastgebers tun, damit der Biedermann endlich einsieht, wen er, vorbildlich tolerant und vorurteilsfrei, bei sich zu Gast hatte [Zurück zum "warum?". Der völlig vorurteilsfreie Autor möchte uns also sagen, daß wir die Leute besser anhand der von ihnen getragenen Sonnenbrillen einschätzen sollen, anstatt auf andere Realitäten (oder auch mal DIE Realität) zu achten. Und er erklärt uns auch gleich, warum Leute wie Bischof Mixa solche Sonnenbrillen tragen. Die Ausgabe der Zeit ist vom 12. Mai. Von den Mißbrauchsvorwürfen gegen Bischof Mixa ist nicht mehr viel übrig. Seine Sonnenbrillen trägt er sicherlich noch immer. Mal schaun, welchen Strick man ihm aus dieser Tatsache als nächstes drehen will].
Danke, liebe ZEIT! Selten ist es einem vergönnt, einen Text zu lesen, der so vorurteilsfrei daherkommt und einen zudem noch mit den ganz einfachen Lösungen versorgt, die wir alle die ganze Zeit übersehen haben: Es liegt alles an der Sonnenbrille!

Hey! Liebe vorurteilsfreie Journalisten! Ihr habt doch hoffentlich nicht vergessen, daß der Papst rote Schuhe trägt, oder? Da tun sich doch ungeahnte Möglichkeiten auf...

4 comments:

Eugenie Roth said...

Lieber Römster,

wie wär's mit einem blauen Eimer? Oder gibt's den schon nicht mehr?

Alipius said...

Doch den gibt's offiziell wohl schon noch. Aber ertens darf man den sich nicht selbst verleihen und zweitesn ist er vielleicht auch schon wieder "out", weiß nicht...

Johannes said...

Du liest die Zeit? Tapfer, tapfer.

Ulrich said...

Hä? Der Name de Maizière kommt von den nach Preußen ausgewanderten frz. Hugenotten.
Der Herr scheint nicht wirklich katholisch zu sein, da fragt man sich schon ...

http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/biografien/M/maiziere_thomas.html

Ich finde übrigens, dass man im Islam [beliebiges Spezifikum] abschaffen sollte.