Wednesday, May 26, 2010

"Ja, wir sind kritisch...!"

"... und wir sehen keinen Grund warum wir unsere Kritik nicht in holprige Verse stopfen sollten!"

Nun muß man fairerweise sagen, daß nicht alles, was auf "Hallo Rom!" getextet und gereimt wird, so schlecht oder dreist ist, wie manche es vielleicht befürchten oder auch erwarten. Es sind nette Wünsche dabei, feundliche Anregungen, neugierige bis ernste Fragen und sogar Bitten für das Wohl der Priester.

Andererseits findet man natürlich auch die alte 08/15-Kirchenkritik aus dem WsK-Satzbaukasten nöliger, drohender, über die Realität der Kirche nur unzureichend informierter, aber dafür mit sehr viel eigenen Bedürfnissen ausgestatteter Aufklärer: Die "Machtgier" darf nicht fehlen; die Messen sollen "cooler" werden; "einmischen" soll man sich; "Sei mutig, denke neu!" wird der Christ aufgerufen; "Glaubst Du, Jesus stand auf Hierarchie?" fragt man in Rom nach und rät: "Hör auf Gottes Willen, auf das was in der Bibel steht"; "Liebe" muß selbstverständlich auch ein Thema sein, gipfelnd in der Erkenntnis: "Du darfst uns nicht verbieten, wen wir lieben dürfen und wen nicht!" Ja, auch der unfreiwillige Humor kommt nicht zu kurz, aber "verbieten" klingt natürlich noch autoritärer als "vorschreiben".

Daß manche Teilnehmer an dieser Aktion es sich denkbar einfach machen, erkennt man an Zeilen wie: "Hallo Rom, ist es dir egal, wenn überhaupt kein Mensch dich schätzt und braucht?" oder "Warum könnt ihr nicht in unsrer Sprache beten? Und einfach mal etwas Neues probieren!"

"..., wenn überhaupt kein Mensch dich schätzt und braucht?"

...

"... überhaupt kein Mensch...

...

"Wir wollen Rom jetzt bitte genau SO haben und nicht anders. Weil es aber SO nicht ist, brauchen wir es auch nicht und schätzen es nicht. Weil WIR es nicht brauchen und schätzen - und da wir immerhin der Nabel der Welt sind - braucht und schätzt es auch niemand sonst."


"Warum könnt ihr nicht in unsrer Sprache beten? Und einfach mal etwas Neues probieren!"

Hä? War von denen überhaupt mal einer in letzter Zeit in einer Jugendmesse? Oder wollen die uns hier durch die Blume sagen, daß sie lieber mehr Andacht, Ehrfurcht und gregorianischen Choral hätten? Denn was sonst könnte heute noch für Jugendliche als "etwas Neues" durchgehen? Ich meine, es ist doch nun wirklich bis auf Pole-Dancing- und Wodka-Eyeballing-Messen so ziemlich alles durch.

Hier ist ein verrückter, neuer Gedanke: Wir nehmen mal alle die Heilige Schrift und den Katechismus und die wichtigsten Konzilsdokumente in die Hand. Wir tauchen hinab in die geheimnisvollen Relitäten unseres Glaubens und machen uns mit den daraus sich ergebenden Notwendigkeiten vertraut. Wir erkennen, daß zum Christsein nicht nur die sofortige Erfüllung aller sich aufdrängenden Bedürfnisse und sukzessive das Umschneidern der Kirche in einen Tante-Emma-Laden gehört, sondern auch Geduld, Verzicht, ja, sogar Gehorsam, ja - sogar das Kreuz. Wir vergessen mal für ein Stündchen, mit wem wir gerne zu welcher Musik in welchen Klamotten mit welchen für Brot und Wein einstehenden Substanzen gerne eine Messe simulierten. Stattdessen schauen wir auf Christus, bei welchem immer noch all unsere Wünsche nach Einheit zusammenlaufen. Dann überlegen wir uns, ob wir lieber versuchen wollen, dan Nachweis zu erbringen, daß die Worte "Kirche" und "Fels" unsrem Herrn hinterhältigerweise von den Autoren der Heiligen Schrift in den Mund gelegt wurden, ober ob Er - Herr der Zeit - uns besser kennt als wir uns selbst, und Er uns daher Seinen mystischen Leib unter der Leitung Seines impulsiven, nicht immer hochgradig geschickten, aber ihn liebenden Apostles zurückließ.

Wer fragt, was Jesus wollte, der liest "Weide meine Schafe!". Aber er sucht vergeblich nach "Ach, macht doch, was ihr wollt!"

Also, liebe Dichter, Texter, Denker, Reimer und Sänger: Bittet, fragt, fordert und klagt. Aber vergeßt die Einheit der Kirche nicht. Helft, das Gewand der Braut Christi zu flicken und untersteht Euch, es noch weiter zu zerfetzen!

[HT an Ulrich, auf dessen Blog ich auf die Aktion aufmerksam gemacht wurde]

6 comments:

Le Penseur said...

Pole-Dancing-Messen ... also daran könnte ich mich schon gewöhnen ;-)

(*geschwind wegduck*)

Sarah said...

Stöhn...ja, im Grunde können die einem ja echt nur leid tun....Was bitte schön ist Wodka-Eyeballing?

Alipius said...

@ Le Penseur: Ich muß doch sehr bitten... ;.)

@ Sarah: Man setzt sich die Öffnung einer Wodka-Flasche auf das geöffnete Auge. Angeblich gibt das einen sofortigen Mega-Rausch. Gravierende Sehbehinderungen als Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen.

spero said...

Wodka-Eyeballing? Junge, Junge, Junge manchmal bin echt erstaunt mit welchen Abgruenden des menschlichen Daseins du vertraut bist ;-)
Aber vielleicht muss man das als angehender Priester ja auch :-)

Alipius said...

@ spero: Du ahnst nicht mal die Hälfte... Die Kids heutzutage... (seufz)

Ulrich said...

@Alipi: Als heutiges Kid stimme ich unumwunden zu ... aber von Alk-Exzessen habe ich glücklicherweise nicht die Mega-Ahnung ...