Sunday, May 30, 2010

Dreifaltigkeitssonntag


Die Dreifaltigkeitsikone von Andrei Rubljow (1360 - 1430) ist ein Klassiker.

Ich kenne dieses Kunstwerk schon seit 25 Jahren, seit es mir im Kunstunterricht zum ersten Mal begegnete. Schon damals wurde allerdings - streng säkular - das Bild einzig auf seine Komposition hin untersucht, allgemein für cool befunden und schon ging's weiter mit dem nächsten Gemälde.

Was sich in dieser Ikone wirklich tut, das wurde mir erst viel viel später bewußt. Und welche der dargestellten Engelsfiguren nun welche Person der Heiligen Dreifaltigkeit darstelt, das ist bis heute offenbar schwer umstritten.

Daher werde ich hier jetzt auch (erst einmal) keine eigene Interpretation liefern, sondern Euch, liebe Leser, um Eure Deutung bitte. Dabei braucht ihr keine Angst zu haben: So ziemlich alle Kombinationen sind bereits einmal vertreten worden, Ihr wißt also in fast jedem Fall immer ein paar Kunst-Analytiker und Theologen auf Eurer Seite.

Ich werde die eingehenden Interpretationen sammeln und später geballt posten, weil ich das Thema wirklich fesselnd finde und so eine Sammlung von Deutungen vielleicht ganz interessant werden könne. Auf geht's!

Allen Lesern wünsche ich aber auf jeden Fall noch einen schönen Dreifaltigkeitssonntag und somit die Gnade Christi, die Liebe des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes!

7 comments:

Eugenie Roth said...

Habe darüber mal eine prima Sendung in EWTN gehört. Leider schon viel zu lange her, versuche es aber trotzdem, kurz:
Links, ganz in Gold gekleidet der VATER. Denn Gold ist ein so edler Stoff.
In der Mitter der SOHN, als einziger gekleidet wie damals ein Mensch gekleidet war.
Rechts der HEILIGE GEIST. Was der Pater aber zur grünen Farbe des Gewandes gesagt hat, weiß ich leider nicht mehr. Meine Deutung (in Anlehnung an Hildegard von Bingens "viriditas", Grünkraft oder verständlicher ausgedrückt Jugendkraft): Der weht wo er will, der kräftigt und stärkt (den Glauben).

simon said...

Lieber Alipius,

Dir auch ein gesegnetes Dreifaltigkeitsfest! Da unsere Pfarrkirche eine Dreifaltigkeitskirche ist, hängt auch eine Kopie dieser Ikone in ihr und wird von den Gläubigen sehr verehrt.
Mir hat einmal ein orthodoxer Priester erklärt, dass die Mittlere der drei Personen Christus darstellt, da diese als einziger um die Schulter ein Stolaähnliches Band trägt als Symbol seines Priestertums und die rechte Hand auf die Schale mit der Speise hindeutet, Zeichen für die hlgst. Eucharistie.
Wer jedoch Gott Vater und Gott der Heilige Geist ist, ist mir auch unbekannt.
Jedenfalls ist es ein herrliches Bild zu einem wunderbaren Glaubensgeheimnis! :-)
Liebe Grüße,
Simon

U.I.O.G.D. said...

Aus einer holprigen Mitschrift einer Michael Ernst - Vorlesung (Salzburg/ Heiligenkreuz): Geometrische Elemente: der Mittelpunkt liegt in der Mitte bei der Schale; es gibt außen herum verschiedene Kreisbahnen, z.B. die Hände, die Gesichter;
Ein weiteres Element ist das Dreieck;
Inhaltlich: das Spiel der Blicke: der rechte in den Kelch, der mittlere in das Herz des linken, der rechte in das Herz des rechten
Farbe: blau = alle drei, Farbe des Himmels, aber jeder trägt es anders; die Flügel zeigen dass Gott Licht ist;
Alle drei sitzen auf Thronen, alle haben einen Stab in der Hand (königliches Zepter); sie tragen alle den klavus (Band auf der Tunika); der Baum (die Eiche von Mamre) verneigt sich vor dem Schöpfer; die drei sitzen beim Mahl;
Wer ist wer:
Prof. Ernst: mitte Vater; rechts Sohn, links Geist
In der Mitte der Wichtigste; er trägt auch die rote Tunika, Farbe der Könige;
Links der Geist, rechts der Sohn: bei beiden sind die Füße sichtbar, als Sendung in die Welt,
der linke trägt das Himmelsblau am verborgensten, das rot die Farbe des Feuers etc.;
der Sohn
der Vater fragt: wen soll ich senden; seine Hand zeigt auf den Sohn, der Geist zeigt Zustimmung; der Sohn trägt das grüne Obergewand als Zeichen der Menschheit; er blickt auf den Kelch und zeigt nach unten zur Erde; der Sohn trägt das Zepter auf der Schulter (Kreuz...)
jede Person opfert sich der anderen auf;
der Tisch steht auf der Erde; er ist Hochzeitstisch, Grab und Altar;
in der Mitte des Altars, ein Reliquienschrein (aber bei den Orthodoxen gibt es keine Reliquien in den Altären, nur bei der lateinischen Kirche);  als Wunsch für die Einheit der Kirche
der Kelch: der Inhalt kann nicht genau bestimmt werden, da die Originalikone mehrfach restauriert und übermalt wurde; es könnte das „Mandylion“ sein (das Antlitz des leidenden Christus), Christus schaut in den Kelch und es spiegelt sich sein Gesicht

tradi.nl said...

auf www.tretyakovgallery.ru steht eine ausfuehrliche beschreibung und deutung.

Anonymous said...

Obwohl an sakraler Kunst eigentlich sehr interessiert, muss ich leider gestehen, dass mir die Ikonen der Ostkirchen gewöhnlich nicht viel sagen.
Eine grosse Ausnahme bildet diese Darstellung der Dreifaltigkeit, jedoch nur wegen ihrer eigentlich untypischen Komposition. Dass hier die Dreifaltigkeit mittels 3 Engeln dargestellt sein sollte (deren Zuschreibung an die 3 göttlichen Personen offenbar nicht so eindeutig erkennbar ist), erschien mir etwas gar gefährlich polytheistisch..
Nun aber fand ich das Bild mit einem bedeutsamen Vergleich hier erklärt: http://www.newliturgicalmovement.org/2010/05/trinity-sunday-and-hospitality-of.html - und es fiel mir wie Schuppen von den Augen!
Alle scheinen es zu wissen und niemand hat es mir je gesagt, dass nämlich hier die wunderbare Szene der 3 Gäste bei Abraham dargestellt ist! Jetzt ist alles klar, jetzt kann ich das Bild in jeder Hinsicht würdigen und schätzen!
thysus

Alipius said...

@ thysus: Das ist'n Ding! Damals im Kunstunterricht wurde die Eiche von Mamre auch nicht erwähnt, aber ich hab's dann doch irgendwann rausgefunden.

Rubens Rübenlese said...

Auf das Absoltue Übermeisterwerk der Filmkunst "Andrej Rubljow", von Andrej Tarkovsij muss man wohl nicht extra hinweisen, ich tus aber trotzdem! Seine ganze immense genialität gewinnt der Film ja aus dieser Ikone, obwohl erst nach drei extrem intensiv menschlichargen und guten und am ende nach mord, schweigegelübde etc erlösten stunden im Finale des Films die Ikonen Vorkommen! Die Grundfrage ist nach klappentext wenn ichs richtig im Kopf habe: Wie konnte jemand in einer ZEit, in der in Russland Bruder gegen Bruder kämpfte und fast alles im argen lag, jemand kommen und diese schönste aller Ikonen machen, den tiefsten Ausdruck der Brüderlichkeit? Die Geschicht ist fiction, aber einfach eines der Besten Filmischen Sachen, die je gemacht wurden. Übrigenst hab ich in einem Seminar beim oben genannten Prof. Ernst eine Lange Szene des Films, die Russische Passion, zum Thema mir genommen! und es war toll darüber was zu erarbeiten!
hier gibts den film mit engl. subt.
http://www.youtube.com/watch?v=7-Pd9kKoY0A