Monday, May 10, 2010

Ehrlich...

... ist das noch das Sacrum Collegium oder schon ein Hühnerhaufen?

Kardinal Saraiva übt Kritik an Schönborn
    In einem Interview mit der katholischen Webseite "Pontifex" gab Saraiva Martins, Ex- Präfekt der Heiligsprechungskongregation, zu, dass man stets die Wahrheit suchen müsse und dass Schönborns Absichten ehrlich seien. Der Wiener Erzbischof habe jedoch "der Kirche keinen guten Dienst erwiesen". Seine über die Medien verbreiteten Vorwürfe gegen Sodano würden der Öffentlichkeit den Eindruck einer von internem Streit zerrissenen Kirche geben, was absolut nicht der Fall sei.

    Schönborn hätte laut Saraiva Martins andere Wege wählen können, um seine Kritik zum Ausdruck zu bringen. "Jetzt besteht die Gefahr, dass der Brand sich noch mehr ausbreitet", da Schönborn einen ehemaligen vatikanischen Staatssekretär und den Doyen des Kardinalkollegiums angegriffen habe. Es sei unangebracht, öffentlich eine Person zu kritisieren, die "die Einheit der Kardinäle" repräsentiere.
Hochwürdigste Eminenzen, bitte!

Im Umgang mit den Medien während der letzten Wochen und Monate immer noch nichts gelernt? Hmmm...?

Noch ein wenig Schuldzuschieben und In-die-Startposition-Bringen für welches hohe Amt auch immer (und sei es das des vorübergehenden Medien-Darlings)? Noch ein wenig Mißbrauch des Mißbrauchs des Mißbrauchs?

Nur zu!

Da draußen sitzt ja nur eine ganze Welt, die sich in die Hosen macht vor Lachen, wenn sie sieht, daß selbst das Kollegium, welches, wenn durch irgendetwas, dann durch seine Würde, seine Gelassenheit und seine Liebe zur Kirche ("usque ad sanguinis effusionem") sich wohltuend von den Mainstream-Medien abheben sollte, diese nun noch mit hausinternen Geschichtchen füttert darüber, wer wem an den Haaren gezogen hat.

Die Spielregeln scheinen komplex und schwer durchschaubar, aber, Hochwürdigste Eminenzen, sie arbeiten im Vatikan, da sollte man solches doch gewohnt sein!

Bescheidene Bitte: Etwas mehr Contenance!

5 comments:

simon said...

Danke, Alipius. Du sprichst mir aus der Seele.
In den letzten Wochen ist nicht nur die Contenancce, sondern auch das "sentire cum ecclesia" sowas den Bach hinunter, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Von der christlichen Liebe, an der die (Medien-)Welt die Jünger Christi erkennen soll, ganz zu schweigen - und das vor allem bei Würdenträgern der hl. Kirche, von der niedrigsten bis zur höchsten Weihestufe.

Florian said...

Dass es "absolut nicht der Fall sei", dass die Kirche innerlich zerstritten ist, darüber hab ich nur herzlich lachen können. DAS nenn ich realitätsfremd!


Ansonsten geb ich Dir Recht. Wenn sich noch nicht mal Kardinäle untereinander vertragen können, wer soll's dann können :-/ ?

Veritas-Eternitas-Amor said...

Und genau das ist es, was die Menschen sehen und hören. Da kann man reden und handln wie man will, diese Sachen machen vieles wieder kaputt und veranlassen die Menschen, sich abzuwenden :(

kalliopevorleserin said...

Wenn sich noch nicht mal Kardinäle untereinander vertragen können, wer soll's dann können?

Kardinäle sind ja nicht höhere Wesen, sie haben nur ein höheres Amt. Gott hat ihnen dazu den Verstand gegeben, aber benutzen müssen sie den Verstand schon selber, und das ist für Kardinäle genau so schwer wie für alle anderen Menschen auch.

Und genau wie Kardinäle müssen andere Christen sich auch teilweise Mühe geben und Disziplin aufbringen, wenn es ums Vertragen geht...
Beispielsweise so: In eine Gemeinde gehen, über die man sich aus Grund aufs äußerste geärgert hat, die aber nun mal die nächstgelegene katholische Gemeinde ist... und sich beim Friedensgruß freuen, daß man von genau einer Frau angelächelt wird. Den Gram über die sehr uninspirierte Predigt möglichst schnell vergessen.

Oder so: In einer anderen Gemeinde bei allem Zorn über Gehässigkeit selbst unter Christen einfach mal Freude empfinden, weil es a) die Kirche gibt, b) hier die Predigt so richtig gut war und c) der Priester sein Amt treu und gut versieht, obwohl er nur noch ganz mühsam am Rollator vorwärtskommt. Verschmerzen, daß er nicht singen kann (und es trotzdem versucht).

Die Probleme, die man mit der Kirche im Allgemeinen und der Heimatgemeinde im Besonderen hat, in aller Ruhe mit einem klugen und geduldigen Beichtvater besprechen.

Das ist jetzt ein sehr spezieller Tip, und Kardinäle kommen darin nicht vor. Aber ich fand es ganz praktikabel so.

Es streiten sich übrigens nicht alle Kardinäle der katholischen Christenheit, sondern nur einige, und die tun es auch noch meist mit recht zivilisierten Mitteln. Seit dem 12. Jh. sind die Methoden innerkirchlicher Auseinandersetzungen jedenfalls deutlich humaner geworden.

Florian said...

@kalliopevorleserin:

Natürlich sind die Eminenzen keine höheren Wesen, aber auch nicht erst seit gestern mit der christlichen Lehre vertraut. Gerade weil sie sich um den Glauben verdient gemacht haben, könnte man davon ausgehen, dass das keine 08/15-Machtmenschen sind, denen die anderen egal sind. Ist wohl aber nicht so.

Der letzte Satz jedenfalls macht das wieder gut ;-)