Tuesday, December 01, 2009

Sonntagsurteil

Karlsruhe hat nun also der Klage der beiden "großen" Kirchen teilweise stattgegeben, was bedeutet, daß die Berliner Geschäfte nicht an allen vier Adventssonntagen geöffent haben dürfen.

Schön und gut...

Aber was werden die beiden "großen" Kirchen mit dem Teilerfolg machen? Klar, den Sonntag zu heiligen halte ich natürlich für eine ausgesprochen gute Angelegenheit. Doch fängt diese Heiligung des Sonntags ja nicht bei der Arbeitszeit an. Ist es nicht eher so, daß das Arbeiten am Sonntag erst dadurch verhandelbar und möglich wurde, daß sich das Bewußtsein für einen im christlichen Sinne würdig verbrachten Sonntag schon lange vorher aufzulösen begann?

Die Chefs und Wichtigheimer aus Industrie und Handel werden jetzt auf die Palme gehen und gegen die Kirchen wettern, so nach dem Motto "Ich predige nicht in deinen Kirchen, also versuche Du nicht, meinen Laden zu schmeißen!" Und nicht wenige (nämlich diejenigen, die den Sonntag schon zu würdigen meinen, indem sie nicht panisch, sondern gemächlich shoppen gehen) werden ihnen Recht geben.

Es hilft alles nix: Um das wieder hinzubiegen, werden wir erst einmal ein paar Generationen von Christen hochpäppeln müssen, die wieder kapieren, was der Sonntag eigentlich ist: Der Tag des Herrn (ist übrigens im Italienischen sonnenklar: "domenica")!

[Update: Sehe grade, daß Stanislaus zum Thema ähnliches zu sagen hat]

6 comments:

Stanislaus said...

Schön, wenn wir Blogger wieder mal einer Meinung sind ;-)

Johannes said...

Wenn ich mal als Jurist etwas zu sagen dürfte: Zwar haben die katholische Kirche und die evangelische Nicht-Kirche gegen die Aufweichung des Sonntagsschutzes geklagt, entschieden haben die Richter aber nicht im Hinblick auf religiöse Rechte und Pflichten, sondern im Hinblick auf Art. 2 GG und Art. 6 GG (Menschenwürde, Schutz der Arbeitenden, Schutz der Familie) Die Argumentation der Kirchen war ihnen daher reichlich wurst.

Maria Magdalena said...

Die Urteilsbegründung ist mir herzlich egal - Hauptsache, das Ergebnis stimmt. Und da bin ich ganz zufrieden.

Anonymous said...

Der Sonntag ist kein christlicher Feiertag, auch wenn er mittlerweile zum christlichen Brauchtum gehört. Gott ruhte am Sabbat und nicht am Sonntag. Der Sonntag war ursprünglich ein heidnischer Feiertag: das Fest der Sonne, der Sonnentag, an dem die Heiden Apollo huldigten. Auch seine Einführung 321 hatte keine genuin religiösen sondern mehr soziale Gründe, schon deshalb, weil die Sonntagsruhe für alle Bürger unabhängig von ihren religiösen Überzeugungen galt. Viele christliche Gemeinden, die am Sabbat festhalten wollten, sahen sich in diesen Zeiten staatlichen Verfolgungen ausgesetzt.

Ich bin kein Feind der Sonntagsruhe, aber die Begründung des Gerichtes entspricht dem Wesen dieses Tages besser, als die Argumente der Kirche. Man kann nur davor warnen, den Tag mit religiösen Argumentationen zu überfrachten, weil dahinter der Sinn des Sonntages verschwindet. Dass der Tag für Christen ein Tag des gemeinsamen Gebetes und der inneren Einkehr ist, soll uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass er lediglich ein guter und traditionsreicher Brauch ist, der vor allem dem Armen und Abhängigen zugute kam und noch heute zugute kommen sollte. Es war nämlich nicht nur ihr einzig arbeitsfreier Tag der Woche, sondern ihnen standen an diesem Tage auch besondere Sonntagsprivlegien zu. In einem guten ostpreußischen Haushalt beispielsweise, gab es an diesem Tag nicht nur ein Fleischgericht und diverse Süßspeisen fürs Gesinde, sondern am Abend auch drei Flaschen Schwarzbier für jeden Bediensteten. Das war zu jener Zeit Luxus pur und jeder konnte sich glücklich schätzen, der unter einer solchen Herrschaft diente.

Nein, ich will nicht in diese Zeiten zurück, sondern nur an die Wurzeln eines Tages erinnern, dessen ursächlichen Sinn wir heute aus den Augen verlieren und dabei Gefahr laufen, dass wir in barbarische Zeiten zurückfallen.

Alipius said...

Der Sonntag wurde von Kaiser Konstantin im Jahr 321 als gesetzlich geschützter Ruhetag eingesetzt, stimmt. Allerdings hatten schon vorher die frühchristlichen Gemeinden das Sabbatgebot auf den Sonntag als ersten Tag der Woche übertragen, erstens in Erinnerung an die österliche Auferstehung Christi, zweitens um neu hinzugekommene Gläubige von Sonnenkult-Feiern abzuhalten (wie auch Papst Johannes Paul II in Dies Domini schreibt). Somit hat der Sonntag als generisch religiöser Gedenktag (zurückzuführen auf den Festtag des babylonischen Gottes Schamasch) sich für uns zu einem spezifisch Christlichen Festtag entwickelt, und das Lob wurde nicht mehr der Sonne sondern dem wahren Licht - Christus - zuteil.

Ich halte den Sonntag daher für bedeutend mehr als einen "guten und traditionsreichen Brauch" und kann ehrlich gesagt keinen anderen ursächlichen Sinn erkennen als die Möglichkeit, wenigstens einen Tag der Woche zu heiligen. Daß man auch den Armen und Abhängigen das Leben etwas leichter macht, ist eine feine Sache, muß aber für uns Christen nicht notwendigerweise eine Frage des Wochentages sein. Die Menschenwürde, der Schutz der Arbeitenden und der Schutz der Familie muß ohnehin in ein christliches Umfeld eingebettet sein, sonst sind wir wieder in der Zeit des toten Buchstabens des Gesetzes und nicht in der Zeit des neuen Bundes der Gnade.

kalliopevorleserin said...

Der Berliner Bürgermeister (SPD, aber was ist an folgendem noch S?) läuft jetzt Sturm, weil das unglaublich wichtige "Shopping" am Sonntag nicht mehr so leicht ist.

Wenn der Sonntagsschutz ganz aufgehoben wird, hat das zwei Dinge zur Folge. 1. gibt es über kurz oder lang keine Sonntagszulage mehr für die Schwestern, Pfleger, Feuerwehrleute usw., die für den Rest der Menschheit am Sonntag arbeiten. 2. - und noch schlimmer - werden Familien an keinem Tag der Woche mehr einen ganzen Tag fürs Familie-sein haben. Weil Mama von Sonntag bis Donnerstag arbeitet, Papa von Mittwoch bis Sonntag, und die Kinder von Montag bis Freitag in die Schule gehen.
(An alle, die der Meinung sind, dann brauche ja auch nur ein Elternteil zu arbeiten: In den meisten Familien sind die Einkommensverhältnisse so, daß dann auch nur ein Kind eine gute Ausbildung bekommen kann.)