Sunday, December 13, 2009

Die Heilige Lucia


Nachdem am vergangenen Wochenende ja schon der Heilige Nikolaus dem Sonntag den Vortritt lassen mußte, erwischt es heute die Heilige Lucia. Sie gehört mit der Heiligen Barbara und dem Heiligen Nikolaus zu den beliebtesten Advents-Heiligen und ihre Legende ist gar schauerlich-schön:
    Nach der Legende gelobte Lucia schon als Kind ewige Jungfräulichkeit, aber ihre Mutter Eutychia wollte sie verheiraten. Lucia zögerte die Verlobung hinaus. Als die Mutter erkrankte, unternahm Lucia mit ihr eine Wallfahrt nach Catania zum Grab der Agatha. Gebet und Erscheinung heilten die Mutter, die ebenfalls Christin wurde. In einem Traumgesicht erschien Agatha der Lucia, verwies sie auf die Kraft ihres Glaubens und sagte ihr ein ihr ähnliches Schicksal wie das eigene voraus. Zurückgekehrt kündigte Lucia die abgesprochene Eheschließung, mit ihrem Vermögen und mit Unterstützung ihrer Familie gründete sie eine Armen- und Krankenstation, denn die wundersam geheilte Mutter unterstützte nun ihre Tochter. Berichtet wird auch, dass Lucia ihren Glaubensgenossen Lebensmittel in die Verstecke brachte. Damit sie beide Hände frei hatte zum Tragen der Speisen, setzte sie sich einen Lichterkranz aufs Haupt, um in der Dunkelheit den Weg zu finden.

    Ihren Verlobten wies Lucia nun ab, er erfuhr zudem vom Verschenken des Erbes und überantwortete Lucia dem Präfekten. Der wollte sie ins Dirnenhaus bringen lassen - ähnlich der Agatha - aber ein Ochsengespann und tausend Männer waren nicht imstande, die Gefesselte von der Stelle zu bewegen. Weder ein Zauberer noch rund um sie entzündetes Feuer und über sie gegossenes siedendes Öl konnten ihr etwas anhaben. Da stieß man ihr ein Schwert durch die Kehle; mit durchschnittenem Hals betete sie laut weiter und verkündete den nahen Frieden des Christenreiches, da Maximian gestorben und Diokletian vertrieben sei. Weitere Legenden berichten, dass sie ihre schönen Augen ausgerissen und sie auf einer Schüssel ihrem Verlobten geschickt habe, doch habe ihr Maria noch schönere Augen wiedergegeben. Lucia starb erst, nachdem ein Priester ihr die Hostie gereicht hatte.

In Skandinavien ist die Heilige Lucia schwer beliebt. Dort wird am 13. Dezember immer ein Mädel dazu auserkoren, die Heilige darzustellen. Ihr wird dann ein Kranz aus Kerzen auf den Kopf gesetzt. Diesen Brauch gibt es auch in Teilen der USA, vor allem in Staaten, die viele Einwanderer aus Skandinavien haben, wie z.B. Minnesota.

Hier noch ein besonders schönes Altarbild:

Madonna mit Kind und der Heiligen Lucia von Ludovico Mazzanti aus der Kathedrale San Lorenzo in Viterbo. Abseits der von den Hauptpersonen gebildeten Diagonalen ist ganz schön was los: Unten rechts kokelt das Fegefeuer. Ein Putto präsentiert die Märtyrer-Palme, während hinter ihm ein Zweiter die Augen der Heiligen auf einem goldenen Teller trägt. Ganz links unterhält sich eine Dame mit einem Totenschädel und ihr zu Füßen lugt ein Putto in ein Gefäß. Was da drin ist, wüßte ich schon gerne.

14 comments:

Stegi said...

Ich bekomme allmählich Probleme bei diesen Heiligenlegenden- das Märchenhafte ist ja offenbar.

Florian said...

Der Putto mit dem Krug scheint wohl auch etwas neugierig zu sein... *g*

Alipius said...

@ stegi: Aber wo beginnt und wo endet das Märchenhafte? Bei einem Paar ersetzter Augen? Bei einer leiblichen Auferstehung? Bei der Schöpfung?

@ florian: Eben! Und läßt mich hier aber zappeln und sagt mir nicht, was da drin ist!

kalliopevorleserin said...

Ich finde ja, der fragliche Putto hat einen Alkoholikerblick... *schnellwegrenn*
Ähnlich wie Märchen kleiden Legenden Wünsche, Sehnsüchte und Ängste in pralle Bilder, übertreiben die zugrundeliegende Wirklichkeit maßlos - um Wirkliches zu erklären. Probleme mit Legenden habe ich selten, solange man mich nicht zwingt, sie wörtlich zu nehmen. Aber solchen Zwang behaupten ja nur Leute, die noch nicht mal aus kunsthistorischem Interesse eine Kirche betreten würden.

Stegi said...

@Alipius- die Frage gebe ich an Dich zurück!

Alipius said...

Okay, und ich laß' mich auch gerne zu einer Antwort hinreißen, wenn Du vorlegst, bzw. die möglicherweise einfachere Frage beantwortest, was Du mit dem "Märchenhaften" meinst, wenn Du es auf Inhalte unseres Glaubens beziehst. Die reichen ja immerhin von wüsten Heiligenlegenden (die zu glauben man auch nicht verpflichtet ist) bis hin zu fest stehenden Definitionen oder grundlegenden Lehrmeinungen (die man als Katholik schon eher glauben sollte).

Stegi said...

Mir gehts nicht um Dogmen, sondern um eigenhändig ausgerissene Äuglein und dergleichen- nun, jedem ist klar, dass das Erfunden ist- jetzt komm ich mit nem Sprichwort daher..."wer einmal lüg....ähm....räusper...." man muss sich nicht wundern, wenn einige zu zweifeln beginnen.

Die historische Existenz der Katharina von Alexandria wird mittlerweile sogar angezweifelt.

Ob die frommen Heiligen-Märchen-Erfinder der Kirche im Nachhinein einen Bärendienst erwiesen haben bleibt fraglich.

Es bleibt mir also frei, die schauerlichen Details zu glauben oder nicht- nur, wer bitte sagt mir, wieviel ich denn überhaupt für bare Münze nehmen soll. Wo ist die Grenze?

Alipius said...

Es stimmt: Es wird nicht verlangt, daß der Gläubige jedes Detail einer Heiligenlegende glaubt. Allerdings nicht, weil man es als eine erfundene Schwindelei anzusehen hat, der die Unmündigen aufsitzen, während die Weisen und Klugen sie ablehnen (Mt 11,25 ;-), sondern weil die Katholische Kirche zwischen sehr zentralen und weniger zentralen Glaubenswahrheiten unterscheidet.

Sprich: Wenn Heiligenlegenden für dich schwer zu glauben sind, ist das ein geringeres Problem, als wenn Du Dich z.B. gegen die Inhalte des Glaubensbekenntnisses, gegen die Existenz der Engel oder die Lehre von der wahren menschlichen und göttlichen Natur Jesu Christi wehrst.

Grundsätzlich ist "religiöse/gläubige Zustimmung" (obsequium religiosum) immer dort gefordert, wo die Kirche eine Wahrheit als direkt von Gott als wahr geoffenbart (de fide credendam) oder als vom Magisterium unter Beistand des Heiligen Geistes als wahr erklärt (de fide tenendam) definiert. Wie tief dies in Heiligenlegenden hineinspielt, kann ich momentan nicht sagen, da ich mich mit diesem Thema noch nicht beschäftigt habe. Ich weiß aber immerhin, daß kein Gläubiger verpflichtet ist, ein Detail wie herausgerissene Augen als im buchstäblichen Sinne wahr anzunehmen. Also keine Panik! Du solltest Dich nur davor hüten, vom vermeintlichen Wahrheitsmangel solcher Episoden auf kirchliche Dogmen zurückzuschließen.

Stegi said...

Na, das hilft doch mal weiter, danke!

Warum es aber zentralere und wenigere "zentrale" Wahrheiten geben soll, ist mir nicht klar.

wahr ist wahr, falsch ist falsch, oder irre ich mich?

Alipius said...

Nein, Du irrst Dich nicht. Beide, eine zentrale und eine weniger Zentrale Wahrheit sind wahr.

Stegi said...

Wenn alles, was wahr ist, gleichwahr ist, wieso hat dann nicht alles, was wahr ist den per se gleichen Stellenwert in der Beachtung als Wahrheit?
Oder anders gefragt- wieso gibt es Wahrheiten, die als wahr unbedingt zu akzeptieren sind (bis hin zum Dogma, und weswegen gibt es nicht so "zentrale" Wahrheiten, die nur eventuell zu akzeptieren, respektive zu glauben sind?

Korbinian said...

"Ganz links unterhält sich eine Dame mit einem Totenschädel und ihr zu Füßen lugt ein Putto in ein Gefäß. Was da drin ist, wüßte ich schon gerne."

Duftende Öle - es handelt sich um das Salbgefäß, denn die Dame ist Maria Magdalena, zu erkennen an ihren langen, offenen Haaren, dem Totenschädel, und eben dem Salbgefäß.

Stegi said...

@korbinian

nicht zu vergessen das im Vergleich zu den anderen Damen einer Bildkomposition die hl. Magdalena...ähm sagen wir mal "etwas offenherziger" dargestellt wird.
Gerne auch mit offenem, ungebändigtem Haar, was in der Vorstellung unserer Votfahren als anrüchig und unanständig gesehen wurde.

Korbinian said...

Für die Römer und Rom-Besucher auf diesen Seiten: Mazzanti ist ein zu unrecht in Vergessenheit geratener Maler, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorwiegend für die Jesuiten arbeitete. Als kleiner Mazzanti-Spaziergang in Rom besonders zu empfehlen: Die Fresken im linken Querschiff von S. Ignazio (Mariä Himmelfahrt, Christi Geburt und Darstellung im Tempel, alle 1720), die qualitativ den Vergleich mit Pozzos Deckenfresko im Hauptschiff nicht zu scheuen brauchen; in S. Andrea al Quirinale in der ersten Kapelle links ein Altarbild der Madonna mit Kind und den Hl. Ignatius, Francesco Borgia, und Luigi Gonzaga sowie in der zweiten Kapelle links zwei Lateralbilder mit dem Hl. Stanislas Kostka, alle 1721-25; und in S. Apollinare (damals das Germanicum) in der ersten Kapelle rechts ein Altarbild mit dem Hl. Luigi Gonzaga, ca. 1745.