Saturday, September 13, 2008

Nix wie hin!

Eigentlich wollte ich ja noch einen ganzen Haufen selbstgeschossener Bamberg-Photos posten. Leider war ich gestern beim Säubern meiner Digicam ein wenig schlampig und hab erst mal sauber den Großteil der Urlaubsbilder von dieser Woche in den Orkus geschickt. Jetzt zeige ich Euch halt noch das, was übrig (und nicht verwackelt) ist und poste dazu noch einige Bamberg-Bilder, die ich aus Büchern gescannt habe.



Dies sind zwei der Motive von den schicken Nebel-Photos von vorgestern, einige Stunden später bei strahlendem Sonnenschein aufgenommen.


Kein Bamberg- (oder Franken-) Urlaub ohne Jubelputten: Diese Beiden freuen sich in der Michaelskirche.


Das Schöne an einem Urlaub in Bamberg ist, daß ich jedesmal etwas Neues entdecke. Diesmal waren es diese völlig außer Kontrolle geratenen Mucke-Putten im Speisezimmer des Schlosses Weißenstein in Pommersfelden. Dort darf man zwar nicht photographieren, aber ich hatte Glück und fand genau dieses Motiv in einem Schloßführer.


Bei soviel kindlichem Übermut kann die Heilige Kunigunde natürlich nur milde-mütterlich lächeln.



Diese beiden Prachtbauten gehörten ein und demselben Herrn, und zwar nicht etwa dem Herrn Fürstbischof, wie man denken könnte, sondern einem seiner hohen Beamten, einem Mann namens Johann Ignaz Tobias Böttinger. Er ließ sich in der Judengasse eines der schönsten Barock-Bürgerhäuser Deutschlands bauen (das Böttingerhaus, oben) und ungefähr zwei Wegminuten weiter - am linken Regnitzarm - noch ein bescheidens Partyhäuschen (die Villa Concordia, unten) mit Garten und Anlegeplatz, sodaß die Gäste gleich vom Boot in den Trubel steigen konnten.



Das Zisterzienserkloster Ebrach, zwischen Würzburg und Bamberg gelegen, gehörte zum Hochstift Bamberg. Wenn's in der Bischofsstadt geschäftlich etwas zu tun gab, dann übernachtete man im Ebracher Hof. Oben seht Ihr den "alten Ebracher Hof" aus dem späten Mittelalter, unten den "neuen Ebracher Hof" aus der Barockzeit. Der Neue wurde einfach vor den Alten gebaut, damit man nicht ein schönes Gebäude für ein anderes abreißen muß.


Dies ist der Turm der "oberen Pfarre", einer sehr großen und sehr schönen Kirche. Im Hintergrund sieht man auch noch den Turm der "Altenburg", was - denke ich mal - eine alte Burg sein wird (Ich war selbst noch nicht da).


Dies ist der Rosengarten der "Neuen bischöflichen Hofhaltung". Neu heißt hier Ende des 17. Jahrhunderts. In diesem Garten kommen nicht nur Rosenfreunde auf ihre Kosten (48 Sorten, herrliche Farben, köstlicher Duft) sondern auch Vogelliebhaber. Das Gartencafe wird belagert von einem ganzel Rudel knüffiger Spatzen. Die sitzen ganz nah bei den Tischen und schauen dann mit Dackeblick so lange hoch, bis man ihnen ein paar Kuchenkrümel hinwirft, die dann im Affenzahn eingeatmet werden. Die ganz Gierigen und Mutigen kommen sogar manchmal und picken einem ein paar Krümel aus der Hand, wenn man sie lange genug hinhält.


Eine der schönen alten Gassen in der Nähe des Domes.


Zum Abschied ein kleines Panoramabild.


Also, wer jetzt nicht denkt "Bamberg? Kenn ich nicht, muß ich aber hin!" der soll sich bittschön mal was schämen!

Friday, September 12, 2008

"Pro"-Choice

Die Masken kommen also langsam runter: Dieser englischsprachige Artikel berichtet von kanadischen Ärzten (Ärzte: Ihr wißt schon... Die mit dem Eid...), die sich "sorgen", daß das Beispiel der Kandidatin für das US-Vizepräsidentenamt, Sarah Palin, ihr mit Down-Syndrom diagnostiziertes Baby auszutragen, andere Mütter dazu bringen könnte, im Falle einer ähnlichen Diagnose eine Abtreibung zu "meiden" obwohl sie nicht die gleiche finanzielle "Unterstützung" für ihr Kind aufbringen können.

Klartext: "Mist, wir verlieren nicht nur Kohle, weil weniger abgetrieben wird, sondern am Ende muß auch noch die ganze Gesellschaft draufzahlen, weil sich so eine Irre dazu entscheidet, ihre Mißgeburt auf die Welt zu bringen."

"Pro-Choice" heißt für die Wahl. Und als ich das letzte Mal nachgesehen habe, war die Entscheidung, ein behindertes Kind nicht abzutreiben, genau dies: Eine Wahl. Wie es scheint die Falsche. Der "Wir dreh'n uns um uns selbst"-Preis des Monats geht damit eindeutig nach Kanada.

Viel-zu-Kurzurlaub

Ich war mit Herrn Daniel von Montag bis Donnertag in Bamberg. Wir wollten nach der ewigen Profeß für ein paar Tage irgendwohin. Ich hatte Bamberg vorgeschlagen. Daniel kannte die Stadt noch nicht, wollte sie aber unbedingt kennenlernen, entweder, weil ich ihn im Laufe der letzten vier Jahre so neugierig gemacht habe, oder weil er einfach wollte, daß der Herr Alipius jetzt mal endlich die Brotluke zumacht so von wegen "Schönste Stadt Deutschlands, mindestens!"

Fast fünf Jahre war ich nicht in Bamberg, also war das Wiedersehen beinahe schon sowas wie tränenfeucht. Und ich habe auch erst in den viel zu kuren drei Tagen gemerkt, daß mir die Stadt wirklich ein wenig gefehlt hat. Also habe ich beschlossen, künftig vielleicht wieder meinen alten Rhythmus aufzunehmen und - wenn's geht - einmal pro Jahr drei oder vier Tage in meiner immer noch mit uneinholbarem Vorsprung auf Platz eins liegenden Lieblingsstadt zu verbringen.

Daniel war auch sehr beeindruckt. Nicht nur von der Stadt Bamberg und dem reizenden fränkischen Umland, sondern auch von der Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen und von Deutschlands schönstem Schloß, der Barockpraline Weißenstein in Pommersfelden.

Erste Photos gibts unten, Reisedetails und mehr Bilder vielleicht später, jetzt muß ich mich erst mal in Klosterneuburg wieder unauffällig in die Mischung kippen.

Alles Liebe,
Alipius

Warum ich Bamberg liebe




Saturday, September 06, 2008

Banner zu verschenken

Aus gegebenem Anlaß:



    "Inzwischen haben sich einige rechtskatholische Blogger zu einer Aktion »Katechismus für Bittlinger« zusammengefunden..."

Rechte Wange, linke Wange, rechte Wange, linke Wange...

Aus dem christlichen Nachrichtenportal idea:
    N e u D e l h i (idea) – Die Gewaltwelle gegen Christen im indischen Bundesstaat Orissa nimmt kein Ende. Hinduistische Extremisten gehen von Ort zu Ort, vertreiben Christen, zerstören Kirchen und christliche Sozialeinrichtungen, stecken Häuser von Christen in Brand und vergewaltigen Nonnen.

    Nach Schätzungen christlicher Organisationen sind bis zu 100 Personen ums Leben gekommen. Mindestens 200 Dörfer wurden bereits von Hindu-Extremisten heimgesucht; 50.000 Menschen wurden vertrieben und 4.000 Häuser sowie 60 Kirchen, christliche Schulen und Kinderheime zerstört. Aus Angst vor weiteren Übergriffen verstecken sich Tausende Christen im Dschungel. 13.000 befinden sich in Notaufnahmelagern. Etliche christliche Einrichtungen wurden unter Polizeischutz gestellt.

    ...

    Die Übergriffe waren nach der Ermordung des extremistischen Hindu-Führers und Christengegners Swami Laxmanananda Saraswati am 23. August ausgebrochen. Inzwischen hat sich das Zentralkomitee der verbotenen „Kommunistischen Partei Indiens – Maoisten“ zu der Bluttat bekannt. Hindu-Extemisten machen jedoch weiterhin Christen für den Mord verantwortlich. ... Im Hintergrund der Auseinandersetzungen stehen große Zahlen von Übertritten zum Christentum unter diskriminierten Hindus aus niedrigen Kasten oder von Kastenlosen.
Wow! 21. Jahrhundert? Was ist das denn?

Neues aus der Reihe "Ich wär so gerne eine Religion, schaffs aber nur zu einer totalitären politischen Vereinigung für simpel gestrickte, zornige, junge Männer, denen man leicht weismachen kann, sie seien zu kurz gekommen und müßten die Schuld dafür dringend bei jemand Anderem suchen"?

Oder eine weitere Folge von "Religionsfreiheit ist, wenn ich mir die Freiheit nehme über Konversionen zu lamentieren und gleichzeitig deine Kirche abbrenne"?

Ernsthaft: Wer will solche Tiere eigentlich streicheln?

Friday, September 05, 2008

Und noch ein Neuer!

Schick! Schon wieder habe ich ein neues Katholisches Blog gefunden (aber nicht entdeckt - stelle grade fest, daß Tiberius schneller war):

fortes fide wird von einem anonymen Priester Gottes geführt und läßt sich sehr gut an.

Wednesday, September 03, 2008

Mensch Meier!

Da ist man mal ein paar Wochen nicht im Internet, sondern postet nur hin und wieder mal ein paar Sätzchen und Bildchen auf "am römsten" und schon hat man den Trend verpaßt!

Katechismus für ... , nein, nicht Käßmann, das war schon. Der Nachhilfebedarf (bzw. das Informationsvakuum) findet sich dieses Mal bei Clemens Bittlinger. Der ist nicht nur evangelischer Pfarrer sondern angeblich DER evangelische Liedermacher. Im Mai dieses Jahres hat er auf dem Katholikentag in Osnabrück einen Song zum besten gegeben, in welchem er es fertigbringt, alle antikatholischen, antiklerikalen und antipäpstlichen Klischees und Halbwahrheiten zu 08/15 Gitarro-Sülz mit menschelndem "Rolf und seine Freunde"-Duktus aufzulisten. Problem: Es war offenbar KEINE Satire.

Stattdessen war es eine Beleidigung des Heiligen Vaters, des gesunden Menschenverstandes und des an gepflegten 80er-Indie-Rock gewöhnten Ohres. Und ich liege grade bei übermäßiger Nacht-Hitze wach und hab Bock auf Mische. Also komm' her, Mensch, Clemens, du...

Die Geschichte ist natürlich auf so ziemlich allen anständigen Katholischen Battle-Blogs schon durch. Aber vielleicht gibt's ja unter meinen Lesern noch ein oder zwei, die noch nicht zu "Mensch, Benedikt" Tränen (aus welchem Grund auch immer) vergossen haben. Daher hier der Text des Liedes (alles [sic!]):
    "Mensch Benedikt, ich würde gerne ein paar Schritte mit dir gehen, denn ich hätte zwei, drei Fragen und kann vieles nicht verstehn: Du bist Chef einer der Kirchen, du gehörst zum Christentum,..."
:: zehennägelaufrollspür ::
    "... nun ich frag mich was hat folgendes mit Christus denn zu tun?

    Du warst doch bei den Indianern in Lateinamerika, Du kennst die Missionsgeschichte und der Christen Größenwahn."
"Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du wurdest geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erworben aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern und du hast sie für unsern Gott zu Königen und Priestern gemacht; und sie werden auf der Erde herrschen." (Offb. 5,9-10) Größenwahn? Wir lesen die Bibel nicht nur, wir glauben ihr auch.
    "Wie kann einer da wie du vor den Indios stehn und behaupten ihre Väter hätten Christus still ersehnt."
Klaro: Die Indios wären natürlich lieber weiterhin ihrer Tradition verhaftet geblieben, um von feindlichen Stämmen gekidnapppt und bei Tempeleinweihungen zu Hunderten bei lebendigem Leibe entherzt zu werden. Immerhin gibt Bittlinger in einem Interview zu, den Augustinus-Zusammenhang ("... donec requiescat in te.") erkannt zu haben. Aber die Popularität, die Selbstgerechtheit und der rollende Rubel waren da wohl - echt christlich - das stärkere Motiv.
    "Warum schmähst du andre Christen? Warum suchst du offen Streit und sagst: „Ihr seid keine Kirche, weil ihr fehlerhaft seid?“ Wer im Glashaus wirft mit Steinen endet schnell im Scherbenmeer und auch viele Katholiken decken diesen Stil nicht mehr.
Wer sucht denn hier offen Streit? Der Papst hat lediglich unterstrichen, daß Christus eine Kirche gegründet hat, seinen mystischen Leib, dessen Haupt er ist. Weggerannt sind damals schließlich diejenigen, die später in der Augsburger Konfession (Artikel 7) auch durchblicken ließen, tatsächlich eine Kirche, wie sie bis zu diesem Zeitpunkt verstanden und gelebt worden war, nicht zu wünschen, ergo aus Katholischer Sicht keine Kirche sein zu wollen, ergo keine Kirche zu sein.
    "Mensch Benedikt, ich würde gerne ein paar Schritte mit dir gehen, denn ich hätte zwei, drei Fragen und kann vieles nicht verstehn: Du bist Chef einer der Kirchen, du gehörst zum Christentum...,"
:: zahnfleischsichlösenfühl ::
    "... nun ich frag mich was hat folgendes mit Christus denn zu tun?

    Du verbietest die Kondome auch den Armen dieser Welt, förderst damit AIDS Verbreitung, auch wenn dir das nicht gefällt."
Sorry, nicht nochmal. Der Drops ist gelutscht, und wenn Bittlinger es nicht wahrhaben will, bitte, dann nicht.
    "Zwischendurch schaffst du die Vorhölle für ungetaufte Babies ab – hast du im Ernst davor geglaubt, dass der Herrgott so was hat?"
Geil, oder? Er schafft es nicht nur, die Pace zu halten, er wird Zeile um Zeile besser! Wenn der Papst eine ohnehin nie offizielle Kirchenlehre auf Eis legt, ist er der große Zampano, der nur "fiat" sagen muß und es passiert. Wenn der Papst versucht, die Matrix mit ein paar unangenehmen Wahrheiten über die Katholische Lehre aufzumischen, ist sein Wort einfach nur unzeitgemäßes Gelabere, welches bei den ganzen Aufgeklärten eh keine Frucht tragen wird.
    "Und da wir, die armen Laien so wieso kaum was verstehn, hören wir demnächst lateinisch, wenn wir in die Messe gehn."
Jetzt neu! Nach jahrzehntelangem strengstem Verbot wird die lateinische Sprache - Dank sei Benedikt - endlich wieder in der Liturgie eingesetzt. Tröte. Ernsthaft: Merkt Ihr was? "Wir, die armen Laien"? Hatte ich nicht schon mal an anderer Stelle vermerkt, wie sympathisch mir Leute sind, die - anstatt Inhalte zu kommunizieren - sich selbstgefällig und marktschreierisch in einem diffusen Gefühl der Verletztheit und des Marginalisiertseis suhlen?
    "Mensch Benedikt, ich würde gerne ein paar Schritte mit dir gehen, denn ich hätte zwei, drei Fragen und kann vieles nicht verstehn: Du bist Chef einer der Kirchen, du gehörst zum Christentum, ..."
:: hirnindieschuhetropfenspür ::
    "... nun ich frag mich was hat folgendes mit Christus denn zu tun?

    Jesus sagte: „‚das Reich Gottes bricht bald auf der Erde an!’ Leider kamen nur die Kirchen …“ Und der Kampf um Macht begann. Jener Priester, der das sagte, wurde exkommuniziert, denn in Rom und auch woanders wird man nicht gern demaskiert."
Jener Priester, Alfred Loisy, hat sich im 19. Jahrhundert nicht nur von der Kirche, sondern auch vom Christentum verabschiedet. Exkommuniziert hat er sich automatisch selbst. Blöd: Christus sagte auch: "Du bist Petrus..." Aber klar: Ohne Selektion und mit Tradition wäre Bittlinger heute entweder strammer Katholik oder mundtoter Protestant.
    "Mensch Benedikt, ich würde gerne ein paar Schritte mit dir gehen, denn ich hätte zwei, drei Fragen und kann vieles nicht verstehn: Du bist Chef einer der Kirchen, du gehörst zum Christentum,..."
:: gleichgewichtssinnverlier ::
    "... bitte sag mir, was hat dies und mehr mit Christus noch zu tun."
Nö, sagt er nicht. Ökumene macht Papa nur mit Kindern, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Sorry.


Die kreative und nicht faule katholische Blogger-Szene hat bereits eine Seite eingerichtet, die es Bittlinger-mäßig so richtig krachen lässt. Auf "Mensch Clemens" wird erstens der oben angesprochene Katechismus an den Mann gebracht. Zweitens haben Katholiken, die über den in "Mensch, Benedikt" verzapften Unsinn ähnlich entsetzt sind wie ich, die Möglichkeit, sich dort ein Banner runterzuladen, um mit stolzgeschwellter virtueller Brust ihre Verbundenheit mit dem Heiligen Vater und der Una Sancta zu demonstrieren. Schaust Du rechts in der Spalte!


Als Betthupferl hier noch ein Auszug aus dem Interview:
    "Ich glaube Jesus wollte niemals den Apparat Kirche – weder katholisch noch evangelisch oder sonst wie. Wenn man die Evangelien liest, gewinnt man doch sehr schnell den Eindruck, dass Jesus mit seiner baldigen Wiederkunft gerechnet hat und mit ihm auch die ersten Christen."
Und hier wird es kriminell. Daß auf gut neuzeitliche Art die eigene Vermutung über das Bibelwort gestellt wird, ist bereits ein Klassiker. Daß aber Jesus "mit seiner baldigen Wiederkunft gerechnet" habe, schlägt dem Faß den Boden aus. Alles, was Gottsein bedeutet, ist im Vater. Alles, was Gottsein bedeutet, ist im Sohn. Alles, was Gottsein bedeutet, ist im Heiligen Geist. Soll ich nach Lektüre des Bittlinger-Satzes davon ausgehen, daß Christus - allwissend und allmächtig - mal einen kurzen Blackout geschoben hat, was den Zeitpunkt seiner Wiederkunft betrifft. "Äh, sorry, ich hatte ursprünglich eigentlich mit übermorgen gerechnet, aber der Heilige Geist hat mich informiert, daß es vor 2008 wohl nicht hinhaut und Papi hat's auch bestätigt..."

Traurige Pointe der Geschichte: Auf dem Katholikentag haben einige hundert "Katholiken" dem Barden angeblich Standing Ovations gegeben. Traurig nicht nur wegen der einigen hundert Messer in den Rücken des Heiligen Vaters, sondern auch und besonders wegen der entsetzlichen Uninformiertheit oder Gleichgültigkeit gegenüber dieser Papstkritik auf dumpfem Schenkelschlag-Niveau.

Unerfreuliche Geschichte. Gute Nebenwirkung: Ich habe jetzt abgeladen und fühle mich mal wieder so richtig freigemeckert.

Grüße aus...

Hab ich Euch noch gar nicht verraten: Die letzen drei Posts habe ich aus Salzburg geschrieben, wo ich mich seit zwei Tagen aufhalte.

Salzburg ist schön. Besonders die Altstadt links der Salzach hat es mir angetan. Ihr sehr sie hier in zwei verschiedenen Panorama-Überblicken, einmal von Kapuzinerberg aus...


... und einmal vom Mönchberg aus...


... fotografiert.

In dieser Stadthälfte herrscht architektonischer Klerikalismus-Overkill vom allerfeinsten: Kirchen, Klöster, Domherrenhöfe, Bischofsresidenzen, Barock und mittelalterliches Gassengewirr noch und nöcherst. Also jubelt hier meine tiefschwarze Pfaffenseele natürlich himmelhoch. Bonus: Die durch die Bauten vermittelte Stimmung muß sich irgendwie nachhaltig auf die Gemüter der Touristen (aller drei Millionen) niederschlagen. Wie sonst ist es zu erklären, daß, wenn ich - bei gefühlten 56° C Außentemperatur - in Schwarz und mit Kollar und Sonnenbrille um die Ecke spaziert komme, sofort jedes Bermudashort, jede Hawaii-Bluse, jeder Radlerhelm, jede Sandale, jede Baseballkappe, jede Digicam und jeder Stadtplan aus dem Weg springt, als sei ich eine sechsspännige Galakutsche, in welcher der Herr Fürsterzbischof höchstdaselbstpersönlichst zum Autodafé geschaukelt wird. Ich glaube, ich muß mal wieder meinen Pomp-o-matic justieren.

Ja, Salzburg also... Hmm... Was soll ich sagen? Bamberg ist natürlich nach wie vor die Nummer eins. Aber Salzburg ist eine der Städte, die es locker auf Platz zwei schaffen können, wenn mir mal irgendwann vergönnt sein sollte, die ganze Herrlichkeit ohne Touris und den für sie aufgezogenen Klimbim zu erleben.

Alleine schon die Fassade des im Zweiten Weltkrieg leider brutalst und schäbigst zerbombten Domes ist ausgesprochen imposant:



Dann gibt es hier ein ganz drolliges Zusammenspiel von Berg und Bau, wie zum Beispiel diese halbe Kapelle auf dem Friedhof der Erzabtei St. Peter...


... oder diese drei Fenster, die mal einfach so aus der Bergwand lugen:



Ich bin dem Ganzen nicht weiter nachgegangen. Es soll sich um Katakomben oder so etwas handeln. Was auch immer es ist, es wird dort keine vergoldeten Stuckaturen oder feiste Putten geben, daher bin ich dann gleich in die Kirche der Erzabtei gegangen.




Das letzte Bild ist leider ein wenig unscharf, aber ich mußte es einfach posten. Diese beiden ausgelassen feiernden Himmelsbötchen über dem Scholastika-Altar in der Abteikirche gehören ganz klar auf einen der vorderen Plätze meiner "Die wildesten Jubelputten"-Liste

Seit August...

... ist ein schönes, neues, Katholisches Blog im Netz. Ich hab's jetzt erst gemerkt, weil ich (erröt und schäm) in den letzten zweieinhalb Monaten im Grunde, wenn überhaupt, dann nur gebloggt habe, aber nie Zeit hatte, mal bei den Anderen reinzuschauen.

Naja... Schaut Euch mal um auf "mater amata".

Und überhaupt...

... muß ich jetzt endlich mal einen ganz herzlichen Dank loswerden an all die lieben Leser, die mich im Laufe der letzten beinahe drei Jahre mit ihren Glückwünschen, Segenswünschen, Gebeten, Meinungen, Vorschlägen usw. begleitet und unterstützt haben.

Also: Charly, Klaus, Hildegard, Thomas, Tiberius, Claudia, Peter Stein, Stegi, Bee, Gregor, Berolinensis, Petra, Raphaela, Scipio, Elsa, Roland, die Damen und Herren im Forum "roma antiqua", alle AnonymInnen (außer dem Einen, Ihr wißt schon...) und alle, die ich jetzt zu nennen vergaß: Euch allen ein großes dickes liebes herzliches ehrliches fröhliches kommafreies...

Alipius, der can. reg.

Hallo!

Endlich habe ich mal ein paar Minuten Zeit, mich um meine Leserschaft zu kümmern...

Also, am 28. August habe ich zusammen mit Mitbruder Herr Daniel meine ewigen Ordensgelübde abgelegt. Das war dann also meine Hochzeit mit dem Stift und entsprechend auch der schönste und wichtigste Tag meines Lebens.

Familie und Freunde waren da, haben gratuliert, sich mit mir gefreut und mich durch ihr ganz selbstverständliches Hinnehmen meines neuen Lebenswegs mich erneut in dem bestärkt, was ich tue.

Hier einige wenige Bilder. Ich hoffe noch auf granatenmäßiges Material, das mir aus Deutschland zugeschickt wird. Dann gibts noch ein bißchen mehr Augenfutter.


"Wir bitten, in dieser Gemeinschaft auf Lebenszeit dem Herrn dienen zu dürfen."


Der Herr Prälat legt mir die Mozzetta an.


Fertig sind zwei Klosterneuburger Kapitulare...

Friday, August 22, 2008

Die Mainzer Favorite

Es ist mal wieder Schönborn-Zeit auf am römsten. Und heute stelle ich Euch ein besonderes Schmankerl vor: Die Favorite bei Mainz, der Erholungspark des Lothar Franz von Schönborn, welchen er während seiner Jahre als Kurfürst zuerst anlegen ließ und dann reichlich und gerne nutzte.

Die Anlage lag südlich der Stadt, gegenüber der Mainmündung, zwischen dem zur Straße ausgebauten Ufer und winigen Weinbergen, zu denen sie sich leicht ansteigend hinzog. Die Steigung wurde in Terrassen verwanddelt, auf denen sich bald so Einiges abspielte.


Auf dieser Gesamtansicht sieht man, daß der Garten aus drei Teilen bestand. Der Nördlichste verlief in seiner Gestaltung noch parallel zum Ufer, die beiden Anderen im rechten Winkel dazu. Es gab wohl irgendwann eine Planungsänderung, was mich bei Lothar Franz von Schönborn nicht wundert, griff er als musische Natur doch gerne mal gestaltend in seine Bauvorhaben ein. Das südliche Drittel ist eine kleine Verbeugung vor dem französischen Schlößchen Marly bei Versailles. Über vier Terrassenstufen hinweg sind staffelförmig auseinandergezogen auf drei der Stufen je zwei Pavillons oder "Kavaliershäuser" angeordnet, die den Blick beinahe wie bei einem Bühnenprospekt auf die Orangerie ziehen, welche auf der vierten Stufe steht. Da in einer Orangerie Pflanzen übernachten, mußte für den Kurfürst selbst noch ein Häuschen her, in welchem er sein Haupt betten konnte. Ihr seht es als kleines Winkelschlößchen am südlichen Rand der Anlage.

Hier einige "Risse" der Favorite von Salomon Kleiner, der die Anlage zwischen August 1723 und Februar 1724 aufnahm:









Ihr habt schon gemerkt, daß ich in der Vergangenheitsform von der Favorite schreibe. Als die französischen Revolutionstruppen Mainz 1792 eroberten, wurden die Bauten der Favorite geplündert und verwüstet. Ein Jahr später wurde die gesamte Anlage radikal zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Mainz war neben Koblenz Hauptaufenthalt der Emigranten gewesen und das Volk wollte wohl, wie im Schloß Schönbornslusst bei Koblenz-Kesselheim, sein Mütchen an den Schauplätzen der Feste der geflohenen Pariser Aristokratie kühlen. Zudem stand die Anlage wohl auch irgendwie der Verteidigung der Stadt im Weg. Schade. Die ebenfalls verschwundenen alten Gärten im Schloß Seehof waren zwar größer und als Gesamtwerk einheitlicher, aber ein so schönes Nebeneinander von Gärten, Wasserspielen und Architektur wie in den beiden unteren Dritteln der Favorite, habe ich noch nicht gesehen. Mann, echt, mußten die denn einfach alles immer kaputtmachen? Wüstlinge!

Thursday, August 21, 2008

Mehr Kanoniker-Chic

Mitte Juni hatte ich schon mal auf die farbenfrohen und textilreichen Chortrachten der Spanischen Domkapitel hingewiesen. Jetzt habe ich in Belgien auch noch ein ganz anständiges Modell ausfindig gemacht:

Dort tragen viele Domherren diese schöne Soutane- Rochett- Umhang-Combo mit einem besonders auffälligen, da gestreiften Pelzbesatz. Gefunden wird diese Tracht unter anderem in Gent (Das Bild oben ist aus einem Genter Museum).


Getragen werden diese Gewänder offenbar noch in Namur, wie man auf diesem Gruppenphoto des Domkapitels sieht.


Hier ein Gemälde, welches einen "Kanoniker von St. Niklas" zeigt. Keine Ahnung, wo St. Niklas liegt und ob es eine Kathedrale oder eine Stiftskirche ist. Hat jemand eine Ahnung?

Tuesday, August 19, 2008

Schönheit oder Der Atheist und die Lust am Wegmachen

Michael Newdow, Doktor und Anwalt aus den USA, hat vor einigen Jahren endlich einen Weg aus der Anonymität und Belanglosigkeit hinein in die befriedigende Welt der Blitzlichter und Fernsehkameras gefunden: Atheismus! Sein letzter Coup: Er startete eine Petition, deren Ziel es ist, das "In God We Trust" von den Dollarscheinen zu entfernen. Es gibt sogar eine Internet-Abstimmung bei NBC. Dort stand es gestern noch 52:48 gegen Gott. Heute sind wir bei 59:41 für Gott. Aber selbst, wenn das Ergebnis wieder kippen sollte, darf man eines nicht vergessen: Die NBC-Klientel ist in der Regel ultraliberal, voll mit der Zeit gehend und total aufgeklärt, Du. Sprich: Hier stimmen nicht nur Atheisten für ihre Causa, sondern auch moderne Christen, die glauben, der Aufdruck auf den Geldnoten widerspräche der Trennung von Kirche und Staat.

Wäre ich ein US-Standup-Comedian, setzte ich mein Programm jetzt ungefähr so fort:
    "And... Atheists!"

    [Schmunzeln]

    "You've heard of atheists, right?"

    [Gekicher]

    "Boy, what's up with them?"

    [Gegacker]

    "I mean..."

    [Gebrüll]
Naja, leider hab ich's bei meiner werten Leserschaft nicht ganz so leicht, daher noch einmal eine patentierte Alipius-Breitseite mit offiziellem Torquemada-Gütesiegel auf unsere atheistischen Mitbrüder und Mitschwestern. Thema heute:


Schönheit oder Der Atheist und die Lust am Wegmachen

Bei den Atheisten muß immer irgendetwas wegradiert, fortgekratzt, versteckt, kaputtgemacht oder weggehängt werden. Gottesbezug in Präambeln, Bibeln in Gerichtssälen, Kruzifixe in Klassenräumen, "In God We Trust" auf Banknoten, Kirchliche Feiern auf öffentlichen Plätzen: Wegwegwegwegweg.

Etwas seit Jahrhunderten Bestehendes soll aus dem Weg geräumt werden, weil eine lautstarke Minderheit dieses Bestehende auf Kollisionskurs mit ihrem Programm sieht. Zur Verteidigung heißt es dann oft, daß man schließlich auf ein Utopia hinarbeitet. Gut marxistisch wird argumentiert:
    "Es kann dies natürlich zunächst nur geschehen vermittelst despotischer Eingriffe ..., durch Maßregeln also, die ... unzureichend und unhaltbar erscheinen, die aber im Lauf der Bewegung über sich selbst hinaustreiben und als Mittel zur Umwälzung ... unvermeidlich sind."

    (Manifest der Kommunistischen Partei, II. Proletarier und Kommunisten)
Keine Lust am Aufbau, keine Lust auf Kooperation, keine Lust auf Erhalten, keine Lust auf Toleranz: Das alleine ist natürlich schon verdächtig.


Aber es kommt noch dicker: Warum ist die erhabenste Kunst, die wir im Abendland haben, die Christliche (um nicht zu sagen, die Katholische)? Warum gibt es keine schöneren Gebäude, als romanische Dome, gotische Kathedralen und spätbarocke Wallfahrtskirchen? Warum sind die heiligen Textilien und die Gewänder der Priester so edel und schön? Warum verbreiten die Skulpturen, die Gemälde, die Ornamentik und sogar das Mobiliar der Zeit der Re-Katholisierung Europas einen so unwiderstehlichen Hauch von Lebensbejahung, Feierlichkeit und Optimismus? Warum ist auf allen Heiligenbildern der Mensch als Mensch dargestellt? Sicher, der Katholik als solcher will in der Regel lieber aufbauen als zerstören, sei es als Individuum mit seinen Händen oder sei es als Teil einer Gemeinschaft mit Herz und Seele. Aber es steckt mehr dahinter: Der Katholik liebt sowohl die Vielfalt der Schöpfung als auch die Möglichkeiten der Kunst und des Handwerks. Kurz: Er liebt die Schönheit. Und die Schönheit ist - wie das Gute und das Wahre - von Gott. Nicht nur dies: Die Schönheit ist - wie das Gute und das Wahre - objektiv. Sicher, jeder Mensch hat die Möglichkeit aufgrund eines persönlichen Vorzugs jedes beliebige Ding als schön oder gut oder wahr zu empfinden. Das bedeutet aber nicht, daß es nicht in jedem Ding selbst das Schöne, das Wahre und das Gute gibt. Und dieses Schöne, Wahre und Gute in den von Gott geschöpften Dingen ist mit ihrer Essenz verbunden, mit ihrem So-sein-wie-sie-sind, wenn man so will. Der Mensch ist daher schön, weil er Mensch ist. Und als Mensch ist er geschaffen, ist er ein Kunstwerk. Er ist ein Geschöpf Gottes, welches alleine wegen seines Geschöpfseins schön ist. Was die Akzidenzien betrifft, gibt es natürlich Vorzüge, die in verschiedene Richtungen gehen: Der Eine mag blondes Haar, der Andere schwarzes, der Dritte mag rotes. Der Eine mag blaue Augen, der Andere grüne, der Dritte mag braune. Der Eine mag schmale Nasen, der Andere breite, der Dritte mag gebogene. Der Eine mag zarte Körper, der Andere mag fleischige, der Dritte mag muskulöse. Das alleine beweist, daß nicht eine bestimmte Art von Mensch schön ist, sondern der Mensch als solcher.

1.: Der Mensch als von Gott ex nihilo geschaffen ist schön, wahr und gut. Seine Schönheit, seine Wahrheit und sein Gutsein sind mit seinem Menschsein direkt und intrinsisch verbunden, da Gott nichts schöpfen kann, was nicht schön oder wahr oder gut ist.


Aber ist ein Paar Hosen, ein Stuhl oder ein Gebäude oder irgendein von Menschenhand geschaffenes Ding in seiner Essenz als Hose, Stuhl, Gebäude oder Ding auch sogleich schön? Nicht immer. Dem Menschen fehlt die Perfektion des Schöpfers. Der Mensch muß auf die Essenz des von ihm geschaffenen Gegenstandes achten, um ihm Funktionalität zu verleihen. Er muß auf die Akzidenzien des Gegenstandes achten, um ihn schön zu machen. Schön ist ein filigran gearbeiteter, vergoldeter Armsessel. Schön ist die aus elfenbeinfarbenem Porzellan gefertigte Figur einer Harfe spielenden jungen Dame. Schön ist ein weitläufiger Saal mit spiegelndem Parkett und schimmernden Marmorsäulen. Schön ist ein dunkler, gotischer Kreuzgang mit uralten Epitaphen an den Wänden. Schön sind schwere Vorhänge aus Seidenatlas, die sich bei geöffnetem Fenster leicht im Winde blähen. Schön sind geschliffene Edensteine, in denen sich Kerzenlicht bricht. In unzähligen Geschichten und Gedichten haben über die Jahrtausende hinweg Schreiber all diese Dinge gelobt. Aber: Der eigentlich Poet ist Gott. Wir lesen nur sein Gedicht. Denn alles, was ich soeben beschrieb, geht ja auf Gott zurück. Er hat das eine, große, unvergleichlich schöne Werk geschaffen, aus welchem wir die Grundstoffe für unsere handwerklichen und künstlerischen Aktivitäten beziehen. Wenn wir den Kokon einer Raupe abkochen und dann daraus Seidenfäden gewinnen, dann lesen wir bereits Gottes Gedicht. Die himmelblauen Polsterbezüge, die smaragdgrüne Weste, die scharlachrote Tapete und das senfgelbe Ballkleid, die dann aus der Seide gefertigt werden, sind bereits als unsere unbeholfene Nachahmung des Schöpfungsaktes die hingerissenen Seufzer der Anerkennung von Gottes Werk.

2.: Kunstwerke als vom Menschen aus Gottes Schöpfung fabriziert, sind wahr, weil sie real sind. Sie sind gut, weil sie quasi-schöpferisch sind. Sie sind schön, wenn der Mensch in seinem Schaffen sich seines Geschöpfseins bewußt ist und in kindlicher Naivität den Vater zu imitieren versucht.


Die Schönheit von Gottes Schöpfung ist uns Beweis seiner Existenz und eine stete Erinnerung an unser Ziel. In ihr erkennen wir einen Abglanz des Paradieses, des einzig wirklichen Utopias, des Himmelreiches. Die Schönheit der von unseren Händen geschaffenen Werke ist die Bestätigung, daß wir einst wirklich Anteil an Gott haben können. In ihr erkennen wir den festen Glauben, die beständige Hoffnung und die übergreifende Liebe des gefallenen aber nicht liegen gebliebenen Menschengeschlechts.

3.: Schöne Dinge zu schaffen bedeutet zu beten.


Schönheit in einer atheistischen Gesellschaft? Ein Phänomen so wahrscheinlich wie Spitzenfußball in Düsseldorf. Ein Konzept so beruhigend wie die Begegnung mit einer fünffachen Bärenmutter samt Anhang irgendwo in einem weiten, stillen Wald.

Monday, August 18, 2008

Palermos Feuerwehrmänner...

... gehen auch schon mal die ganzen neun Yards, wenn es gilt, Erzbischof Paolo Romeo die Ehre zu erweisen.

Monday, August 11, 2008

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Jetzt ist in Wien schon wieder so eine Stimmung, als hätte die EM nie stattgefunden. Witzig, wie solche Großereignisse das Bild einer Stadt für Wochen prägen und dann plötzlich ganz schnell alles wieder vorbei und verschwunden ist. Keine Maskottchen mehr, keine Buden, keine Leinwände, kein Fiebern mehr vor vermeintlich hochklassigen Partien, keine von Kopf bis Fuß angemalten Fans, keine Gesänge türkischer ("Tür-kie-hä!"), italienischer ("I-tall-ja!") oder deutscher ("Schlaaahnd!") Schlachtenbummler. Naja, lustig war's schon, trotz Platz zwei. Und jetzt können die geneigten Spochtfreunde ja bei Olympia mitfiebern und unserem Turnfloh Bastian die Goldene herbeiwünschen.

Pro

Ich kam vorgestern von einer sehr schönen, sehr ruhigen und sehr kräfteschonenden Woche der Vor-Profess-Exerzitien bei den Redemptoristen in Heilbad Heiligenstadt zurück. Das ist ein schnuckliges kleines Städtchen im Eichfeld, der einzigen katholischen Enklave in der Ex-DDR.

Ich hatte für die stillen Stunden mein Brevier, die Imitatio Christi und etwas Gottestaat dabei. Einen Exerzitienleiter im strengen Sinne hette ich nicht, sondern eher einen Alfonsianer, mit dem ich täglich ein paar Stunden durch die Gegend spaziert bin, um über das Ordens- und Priester-Dasein zu reden. Das war insofern würdig und recht und vor allem hilfreich, als daß dieser Mann aufgrund der Art und Weise wie er über eben sein Ordens- und Priester-Dasein redete, es so präsentierte, als sei es nicht nur für ihn, sondern für jeden gesunden und beherzten Mann das normalste, lohnendste und am wenigsten furchterregende Ding der Welt. Er wirkte dabei kein bißchen unauthentisch oder aufgesetzt. Das fand ich nicht nur schön, sondern auch ermutigend.

Im Eichsfeld ißt man ganz gerne Mettfleisch, welches gar fies gewürzt ist. Das hat mir geschmeckt, vor allem mit einem Humpen Köstritzer Schwarzbier dazu.

In der DDR gab's ja nicht wenig kolchosige Monokultur. Da kann man heute noch Felder sehen, wo vom einem Horizont zum anderen nur eine Getreidesorte draufsteht. Einerseits öde, andererseite aber auch irgendwie imposant.

Der Aufbau Ost scheint übrigens doch stattgefunden zu haben. Vielleicht ist nicht überall gleich viel getan worden, aber ich habe in Heiligenstadt und auch in Orten wie Duderstadt mal "Voher - Nachher"-Bilder gesehen und kann nur sagen: Boah! In zwanzig Jahren von schmuddeligem, tristem Graubraun zu gepflegter, munterer Buntigkeit. Da kann man nicht meckern.

Contra

Bei den Exerzitien hatte ich einen Fernseher auf meinem Zimmer. Daß heißt, daß ich zum ersten mal seit 12 Monaten wieder mal ein wenig ziellos durch 24 Programme zappen konnte. Muß man wirklich nicht haben. Ich vermisse die Glotze hier im Stift eh nicht und wenn ich dann mal im Urlaub irgendwo eine sehe und mich verführen lasse, dann packt mich meist sehr schnell das Grauen.

Neun Live? Ist das eigentlich legal, was die da machen?
    "Welches Streichholz muß verlegt werden, damit die Gleichung stimmt? - Treffen sie im richtigen Moment eine von 20 freigeschalteten Leitungen!"
Die Lösung war nicht unbedingt offensichtlich, aber nach ein wenig Grübeln kam man dann doch schnell drauf. Jedoch: Entweder traf niemand eine freigeschaltete Leitung oder die Leute waren nicht in der Lage die Aufgabe zu lösen. Irgendwo lief eine Uhr von 5 Minuten runter auf Null und ein silikonblondes Talentvakuum japste ständig "Jetzt!" oder "Achtung!" oder "Uuuuuund..." ohne, daß auch nur das geringste geschah. Ich meine, es platzte nicht mal 'ne Naht oder so. Naja, ich also rüber zu den Tagesthemen und circa eine halbe Stunde später wieder zu Neun Live: "Jetzt! - Achtung! - Uuuuund...!"

Hä? Dreißig Minuten später und immer noch keine Lösung? Schlimmer: Immer noch kein Anruf, wie ich dem taurinschwangeren Gekeuche der Quizzo-Domina entnehmen konnte. Hmmm, währscheinlich hat man vergessen den Zuschauern zu sagen, daß es neben den 20 freigeschalteten Leitungen noch 80 blockierte gibt... Komisch nur, daß, wenn es beim Rätsel nix zu holen gibt, weil die Lösungen so außerirdisch unerratbar sind (Wort mit "Schnee..." am Anfang: "Schneekugelfabrikantenvilla"), alle drei Sekunden ein Anruf durchkommt, während bei einer Streichholzaufgabe, für deren Lösung man immerhin 2600 € abgreifen kann, plötzlich niemand die Leitungen trifft. Am schönsten fand ich die kleine, hin und wieder eingeblendete Empfehlung:
    "Achten sie auf ihr Telefonverhalten!"
Pißnelken. Ziehen alten Omis und jungen Naivlingen die Kohle aus der Tasche und machen dann einen auf besorgt. Bäh!

Die Talk- und Gerichts-Shows haben sich ja in den letzten vier Jahren auch ECHT weiterentwickelt. Da teaste Britt dann am Ende einer Show für die nächste: "Flatrate! - Feiern und shoppen bis der Arzt kommt" Soweit nichts Neues, sollte man meinen. Jedoch verriet mir der Gesichtsausdruck der Moderatorin, daß sie entweder schon lange erfolglos ihre Seele sucht, oder daß sie, bevor sie morgens aus dem Haus geht, erst mal von drei bis sechs Selbstmorversuchen abgehalten werden muß. Allmächtiger, war das erschreckend... Dieser eine Moment ließ in mir den Verdacht aufkommen, daß die ganze Talkshow-Industrie mittlerweile überhaupt keine Illusionen mehr hat und nur noch verängstigt ein Monster am Leben erhält, von dem sie befürchtet verschlungen zu werden, wenn ihm nicht regelmäßig geopfert wird. Der Name des Monsters ist natürlich "Bedeutungslosigkeit" oder "Un-Prominenz" oder "Fünf Euro in der Tasche eines Deppen, nach denen wir noch nicht die Krallen ausgestreckt haben".


Schick war die preiswerte und subtile Olympia-Eröffnungfete mit anschließender Feuerwerksfortsetzung auf dem Kaukasus. Ich bin der Letzte, der ständig öffentlich von Hunger und Elend und Krieg heult. Nicht, weil mein realitätsgeschultes Herz mittlerweile schon ach so kalt ist, sondern, weil ich das lieber privat mache. Aber jetzt muß ich doch mal sagen, daß jeder, der in der heutigen Zeit noch aus religiösen, wirtschaftlichen, territorialen oder was-auch-immrigen Gründen einen Krieg beginnt und jeder, der in diesem Krieg auf Seiten des Beginners kämpft, sich so nachhaltig als Oberaffenarsch erster Klasse outet, daß man eigentlich eine internationale Kommission einsetzen sollte, die dazu in der Lage ist, jedem von uns Tierchen mal eben das Prädikat "vernunftbegabt" abzuerkennen. Und ich will jetzt nix hören von wegen "der jahrhundertealte Konflikt zwischen Südossetien und Georgien ist so komplex, daß man gar nicht mehr weiß, wer begonnen hat" oder so. Wer schießt, ohne beschossen worden zu sein; wer "Krieg" ruft, ohne "Krieg" gehört zu haben; wer marschiert, ohne eingeladen worden zu sein, der hat angefangen. Die Oberaffenarschigkeit nimmt übrigens bei stolzbrüstigen Staatschefs, die in Ost oder West auf ihren Nuklearwaffen herumglucken oder bei Terroristen, die jetzt schon wieder den nächsten Anschlag mit 400 toten Zivilisten planen nich ab. Im Gegenteil. Ihr seid alle nicht ganz dicht und ihr werdet es spätestens merken, wenn es zu spät ist. Sorry!

Saturday, July 26, 2008

Obama Obama Obama

Ich werd' noch gaga. Überall und immer Obama. Der Bildtitel mit den obama-morphen deutschen Politikerfressen? Kotz. Selbst in Österreich natürlich kein Entkommen. Retter der Welt, Auserwählter, Herr der Zeit. Schlimm. Der führt sich auf, als sei er schon Präsident. Würde mich nicht wundern, wenn ihn das daheim ein paar Stimmchen kostet.

Naja, da ich meinen Messias ja schon habe, kommentiere ich erstens nicht lange herum und schere mich zweitens nicht um die Frage, ob es Zufall ist oder nicht, daß die Veröffentlichung von Robert Hugh Benson's "Lord of the World" sich heuer zum einhundertsten Mal jährt.

Tuesday, July 15, 2008

Laßt den Kleinen doch ihren Spaß...

Der Papst kommt nach Australien und natürlich formiert sich gleich der Widerstand. Progressive Jungvolkgruppen - unter denen sich wahrscheinich auch nicht wenige finden werden, die sich "katholisch" nennen - wollen gegen die Einstellung der Kirche zur Homosexualität und zur Geburtenkontrolle demonstrieren. Ein Gericht in Sydney hat nun ein Gesetzt zurückgezogen, welches das "Verärgern" von Pilgern durch Protest unter Strafe stellte. Da freuen sich nicht nur die Aktivitsten (die Kondome verteilen und - schauder - provokative T-Shirts tragen werden) sondern da frohlockt auch der Herr Alipius. Denn ich habe mal gehört, daß es für die Entwicklung von Kindern nicht gut ist, wenn man sie in ihrem Spieltrieb hemmt und immer dazwischenfunkt. Man kann ja später, wenn sie heulend ankommen und sich wundern, daß nichts funktioniert, immer noch zeigen, wie es richtig gemacht wird.

Thursday, July 10, 2008

"Und ihr hattet nur das Schlimmste befürchtet... !"

Noch mehr Bilder

Ich war mal wieder mit der Kamera unterwegs und zeige Euch heute ein paar Bilder von den etwas versteckten Ecken des Stifts.


Das hier ist die Einfahrt zum Leopoldihof. Sie liegt gleich neben der nördlichen Stiftspforte. Man kann und darf da zwar als Besucher hin, aber es trauen sich nicht allzu viele Touris hindurch.


Auf dem Leopoldihof selbst sieht man gleich links die ehemalige Markgrafenresidenz, in der heute das Stiftsarchiv seinen Sitz hat.


In der Mitte des Hofes findet man diesen schönen schlichten Brunnen mit einer Staute des Heiligen Leopold.


Ihr seht in der Mitte dieses Gebäudeflügels ein paar Steine rechts und links des gotischen Fensters. Diese zeigen die Breite des ehemaligen, mittelalterlichen Prälatenturmes an. In der Tat war dieser Teil des Gebäudes früher ein Turm, in dem der Propst wohnte. Der Turm wurde dann beim Ausbau des Stiftes einfach integriert.


Durch eine weitere Durchfahrt verlässt man den Leopoldihof...


... geht für wenige Meter wieder im Freien am Gebäude vorbei...


... und gelangt durch eine dritte Durchfahrt in den sogenannten "Apothekergarten". Der ist nur so mittelschmuck, weil er erstens nicht zur "Schauseite" hin liegt, und weil er zweitens als Parkplatz für Chorherren-Boliden dient.


Das war's auch schon.

Dann sollen sie eben Bilder gucken!

In der Nähe des Stephansdoms gibt es einen Nachtclub. Da verkehrt offensichtlich viel Prominenz. Denn in den Schaukästen, die sich über die gesamte Breitseite der Fassade erstrecken, hängen unzählige Fotos, die allesamt während des Club-Betriebs geschossen wurden. Da sieht man dann haufenweise Stars und Sternlein und Sternleinchen und selbstverständlich noch viel mehr dieser glücklich, ja erlöst strahlenden Jubelalraunen, die - wie einem Naturgesetz folgend - ständig um die Promis herumschwirren.

Daß dieser Club ziemlich exklusiv ist, sieht man schon von außen. Da kommen Norbert Normal, Stefanie Standard und Mike Middleoftheroad nicht so ohne weiteres hinein. Was also wollen die hübschen Fotos dem Betrachter sagen? So etwas wie "Mit diesen tollen Typen und heißen Schnittchen könntet ihr Schampus schlürfen, wenn euch denn jemals das Glück zuteil werden sollte, vom Türsteher nicht mit einem trockenen 'Sorry, sind schon zu viele Kerle drin. Kommen nur noch Frauen rein' oder 'Ey, das geht wirklich nicht. Deine Frisur ist ja so was von vor 15 Minuten' returniert werdet"? Oder, kürzer formuliert: "Ihr dürft zwar nicht rein, dafür zeigen wir Euch aber gerne, wie schick es bei uns zugeht"?

Ehrlich, ich habe grundsätzlich nichts gegen einen gewissen Grad der Abgrenzung (wenn er zum Beispiel der Identitätserhaltung dient) oder gegen ein bißchen Elite (wenn dafür auch etwas geboten wird) oder gegen ein paar Privilegien (wenn sie mit einem korrekten Pflichtbewußtsein einhergehen). Aber wenn ich so etwas sehe, schießt mir eigentlich immer nur ein Satz durch den Kopf: "Dafür musste Ludwig der Sechzehnte sterben?"

Uh-oh!

Der Heilige Johannes von Oosterwijk

Jan Lenarts ist einer unserer augustinischen Nischen-Heiligen, die im Grunde kaum einer kennt (noch nicht einmal mein schicker online-Heiligenkalender).

Bei uns im Hause wurde er aber gestern, an seinem Festtage, gebührend geehrt. Er wurde in Oosterwijk in Brabant geboren. Er trat den Augustiner-Chorherren von Ruggen bei, einem Stift der Windesheimer Kongregation. Von dort wurde er später als Spiritual zu den Chorfrauen von Gorkum geschickt. Als die Calvinisten in den Niederlanden an Stärke gewannen, nahm damit auch der gegen die Katholische Religion gerichtete Haß ordentlich zu. Jan - bereits hoch betagt - wurde von dem Wunsch gepackt, als Märtyrer für die Wahrheit zu sterben. In den Gebieten des "neuen Glaubens" gab es in dieser Zeit für diesen Willen tausende von Wegen. Johannes mußte das Martyrium nich teinmal suchen; es kam zu ihm: Das Stift Ruggen wurde von Calvinisten geplündert und verwüstet. Johannes und 18 Gefährten wurden gefangengenommen, eingesperrt, verhöhnt und gefoltert. Trotz Folter war ihnen allerdings keine Absage an ihren Glauben zu entlocken, weder in Fragen der Eucharistie, noch in Fragen des Päpstlichen Primats. So wurden am 9. Juli 1572 alle Männer in einer noch stehengebliebenen Scheune des mittlerweile zerstörten Stiftes aufgeknüpft.

Ich bete für mich und für alle meine Mitbrüder zum HEiligen Johannes, daß auch uns Stärke im Glauben geben wird und daß wir auch in Gefahr und bei messerscharfem Gegenwind Christus als den Herrn und die Kirche als seinen mystischen Leib bekennen.

Deutungsroboter und Meinungsautomaten

Fall 1:
Die Lega Nord will allen Roma in Italien Fingerabdrücke abnehmen und sie katalogisieren. Eine Maßnahme, die nicht nur von der Opposition und den Kirchen, sondern auch von mir als rassistischer Auswuchs betrachtet wird. Dennoch kann ich die in der Ausgabe der Presse vom 5. Juli vertretene Meinung nicht vollkommen unterstützen, daß den Roma in Italien große Vorurteile entgegengebracht werden. Ich lebe seit drei Jahren in Rom, und was ich dort praktisch täglich an Schmierenkomödie, Abzocke, Taschendiebstahl und Kindesmissbrauch nicht nur zu hören, sondern vor allem zu sehen bekomme, rechtfertigt die Einstufung der Roma als Urteil, nicht als Vorurteil. Laut Presse-Bericht kam es im Mai dieses Jahres in und um Neapel zu pogromartigen Ausschreitungen gegen Roma-Siedlungen. Das ist richtig. Es wird aber - sowohl im Bericht, als auch im Kommentar - verschwiegen, warum es zu diesen Ausschreitungen kam: Eine Roma-Jugendliche war bei einer neapolitanischen Familie eingestiegen und wurde von der Mutter überrascht, als sie im Kinderzimmer die einjährige Tochter der Familie auf dem Arm hatte.
Aber: Wenn, wie in einer Umfrage ermittelt, 80 Prozent der Italiener sich für den Fingerabdruck-Gesetzesentwurf aussprechen, irrt hier die Masse ("Das uninformierte Volk ist doch nur aufgestachelt worden").

Fall 2:
Nicht minder detailscheu zeigte sich die Presse zwei Tage zuvor, als sie einen kleinen Bericht über den "Verein zur Wiedergewinnung des historischen Gedächtnisses" in Spanien schrieb. Dieser Verein macht Massengräber der Franco-Zeit ausfindig, exhumiert Überreste und identifiziert Opfer. Die Mitglieder operieren ehrenamtlich und auf der Basis von Spenden, haben aber immerhin dem linken Premier Zapatero und dem Parlament 2003 das "Gesetz des historischen Gedächtnisses" abgerungen. Der Presse-Artikel ist durch zwei Überschriften im Text unterteilt, von denen eine selbstverständlich zu lauten hat: "Priester auf seiten der Henker". Das ist bei korrekter Lesart richtig. Was die Presse daraus macht, ist allerdings grober Unfug:
    "Die katholischen Priester standen im Bürgerkrieg großteils auf der Seite Francos. Hunderte fielen deshalb republikanischen Soldaten zum Opfer."
Die erste Satz stimmt. Der zweite Satz enthält allerdings zwei dicke Patzer: Nicht hunderte sondern Tausende katholischer Priester, Mönche und Nonnen fielen nicht ausschließlich republikanischen Soldaten, sondern oft tollwütigen kommunistischen Horden zum Opfer. Ich glaube nicht, daß republikanische Soldaten zum Beispiel einem Bischof das Geschlechtsteil abgeschnitten und den Mann dann an einen Wagen gebunden durch die Ortschaft geschleift hätten, bis er leergeblutet war. Auch ist die Schlussfolgerung umzukehren: Weil die Katholische Kirche in Spanien nicht erst seit 1936, sondern spätestens seit 1910 in Spanien immer wieder (teils blutigen) Verfolgungen ausgesetzt war, kam ihr Franco als Kreuzzügler und Retter grade Recht. Daß die Kirche in Spanien zum großen Teil immer auf Seiten der Mächtigen stand ist richtig, und natürlich war Anfang des 20. Jahrhunderts in Spanien die Zeit reif für die ein oder andere Reform. Wer aber die Kirche mit Messern und Pistolen reformieren will, muß sich nicht wundern, wenn die Priester die Beschützer in Anspruch nehmen, die die Kirche mit Messern und Pistolen verteidigen. Ergo: Die Überschrift in der Presse hätte ebenso gut lauten können: "Priester als Opfer der Republik".
Aber: Wenn in so kurzer Zeit so viele Priester, Nonnen, Mönche und auch katholische Laien von wildgewordenen "Republikanern" abgemurkst werden, hat hier die Masse natürlich irgendwie Recht ("Die Pfaffen werden schon irgendwas gemacht haben, wenn es soweit kam").


Ich verlange ja gar nicht, daß irgendein Journalist mal die Neugier und Rufschädigungssehnsucht aufbringt, die Schlussfolgerung von Fall 2 auf Fall 1 anzuwenden. Nett wäre es aber, wenn ein Schreiberling mal die Cojones hätte, Fall 2 mit der Schlußfolgerung von Fall 1 zu erklären.

"Wir sind wieder da-ha!"

Aus der Presse vom Montag:
    MADRID... Die regierenden Sozialisten haben bei ihrem Parteitag am Wochenende beschlossen, daß alle religiösen Symbole von öffentlichen Gebäuden entfernt werden sollen. Die PSOE will mit der katholischen Tradition des Landes brechen und Kreuze aus Ämtern und vielleicht sogar aus Schulen entfernen.

    Die stellvertretende Parteichefin der spanischen Sozialisten, Maria Teresa Fernández de la Vega (auf dem Bild neben Parteichef Zapatero), kündigte zudem eine Reform der Abtreibungsbestimmungen an, die sich an den Erfahrungen mit den modernsten Gesetzen in Europa orientieren solle. In Spanien sind bisher Abtreibungen nur nach Vergewaltigungen, bei einer Behinderung des Kindes sowie bei einer Gefahr für das Leben der Mutter erlaubt.
Es ist einerseits bedauerlich und an Hirntod grenzend, andererseits aber auch klar, daß ausgerechnet die Sozialisten diese Beschlüsse gefaßt haben. Das steht bei denen ja sozusagen im ideologischen Handbuch. Mich würde aber die Begründung interessieren. Wenn auch die Sozialisten in Spanien regieren, so sind sie sicherlich nicht an die Macht gelangt, weil eine Mehrheit der Spanier eine Notamputation ihrer Wurzeln wünscht. Die Spanier sind überwiegend religiös, wenn man es auch nicht unbedingt am Kirchenbesuch messen kann. Warum also will man in einem Akt der Minderheiten-Despotie religiöse Symbole (die in Spanien natürlich christlich bzw. katholisch sind) aus öffentlichen Gebäuden entfernen?

Man will die Gefühle von Nichtchristen oder Atheisten nicht verletzten? Blödsinn. Wenn Kruzifixe aus öffentlichen Gebäuden entfernt werden, verletzt man damit schließlich auch Gefühle. Und wenn ein Gesetz eingeführt wird, welches zu erleichterten Abtreibungen führt, verletzt man damit nicht nur die Gefühle von Christen, sondern auch die von z.B. Moslems (mal ganz davon abgesehen, daß man ungeborenes Leben auslöscht und die an diesem Prozeß Beteiligten sich somit einer gehörigen Portion ihrer eigenen Würde als Menschen berauben).

Religion ist Privatsache? Unfug. Das ist doch nur ein massentauglicher Euphemismus, entweder für das sozialistische "Weg mit der Religion oder wenigstens der Kirche" oder das sich an den Erfahrungen mit den modernsten Gesetzen Europas orientierende "Wir wollen aber nicht durch die Präsenz christlicher Symbole ständig daran erinnert werden, wie tief wir schon gesunken sind".

Nein. Das Ganze ist bestenfalls plumpes und tollpatschiges Nasedrehen und Triumphieren gegen die Kirche und das Christentum in Spanien. Schlimmstenfalls sind es hohle Rachegelüste der zu spät Geborenen, die auf Jahrzehnte sowohl der Sozialisten-Verfolgung während der Franco-Diktatur als auch des Katholizismus als Staatesreligion zurückschauen müssen. Realistisch betrachtet ist es wahrscheinlich das Verlangen, ganz Spanien im Eilverfahren so wurzel- und identitätslos wie möglich zu machen, damit keine Tradition, keine Kultur und weder natürliche noch göttliche Wahrheit im Wege stehen, wenn auch in diesem Land der Versuch gestartet wird, den "neuen Menschen" als von seinem Schöpfer und seiner Natur losgelöstes Wesen zu kreieren.


Ende Mai hatte die PSOE noch einen Gesetzesvorschlag zurückgewiesen, der die Benutzung religiöser Symbole bei Vereidungszeremonien abschaffen wollte. Grund: "Maßnahmen gegen die kulturelle Präsenz der Katholischen Kirche in Spanien sollen unüberhastet und mit langsamen Schritten durchgeführt werden."

"Maßnahmen gegen die kulturelle Präsenz der Katholischen Kirche in Spanien...": Mir läuft's jetzt schon kalt den Rücken runter, wenn ich an 1931 denke.

Maul ohne Hirn, Revolte ohne Ziel

Sabina Guzzanti (Bild) ist eine italienische "Komikerin". Am Dienstagabend nahm sie an einer Demonstration auf der Piazza Navona teil. Es sollte eine Demonstration gegen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi werden. Am nächsten Tag war aber nur noch von einer Opposition die Rede, die sich zwischen Angriffen auf die Demokratie, den Präsidenten und den Papst zerstritten hat. Saubere Arbeit, Mädels!

Einen Ehrenplatz in den Schlagzeilen verdiente sich Guzzanti mit folgendem Juwel:
    "Ratzinger ist in zwanzig Jahren tot und wird in der Hölle enden, gefoltert von Schwulen."
Zweitrangig ist hier die Frage, ob Guzzanti ihr Wissen über die Katholische Kirche und Religion ausschließlich oder nur zum großen Teil aus Dan Brown-Verfilmungen, aus drittklassigen "historischen" Romanen, aus antiklerikalen Internetseiten und von der Rückseite von Cornflakes-Packungen bezieht. Interessanter ist die Vorstellung von Schwulen, die jetzt gerne würden, aber nicht dürfen. Denn immerhin hat ja eine Papstkritikerin sie auf "satirische" Weise in die Hölle befördert und das ist dann schon okay. Da muß man rosaseits nun halt warten, bis wieder ein Vertreter der echten dunklen Macht das Wort ergreift und zart auf einen Widerspruch zwischen gelebter Homosexualität und göttlicher bzw. natürlicher Ordnung hinweist, bis man erneut aufgrund bitterster Verfolgung und Unterdrückung in Nonnenkostüme schlüpfen und zum Kirchenbrand aufrufen kann. Ist aber auch manchmal ungerecht, die Welt...

P.S.: Guzzantis offizielle Interntseite ist seit anderthalb Tagen offline...

Tuesday, July 01, 2008

Sommer!

Hallöchen!

Endlich daheim! Seit dem 20. Juni bin ich wieder in vertrauter und geliebter Umgebung. Im Stift ist alles im grünen Bereich. Die Mitbrüder sind gesund und munter. Das Wetter schwankt zwischen flirrender Hitze und spontanen, krawalligen Wolkenbrüchen. Mit Mücken hat keiner meiner Mitbrüder Probleme, denn die sind alle in meinem Zimmer, vor allem nachts.

Hier ein paaar Bilder aus dem Stiftsgarten, der in diesen Tagen ganz besonders schön ist:
















Zum Schluß gibt's ein paar Blümchen fur Euch. Bitte sehr!

Alles Liebe und bis später,
Alipius

Olé! - Ohje!

Olé!
Spanien ist Europameister. Dazu meinen ganz ehrlichen und ungeheuchelten Glückwunsch. Nachdem meine Favoriten bereits früh (Holland) und viel zu früh (Tschechien) ausgeschieden waren, galt meine heimliche Sympathie den Ibero-Kickern (weil sie einen gepflegten Ball schieben und weil ihr Trainer so obercool ist). Ich fand Deutschland auch nur begrenzt meisterhaft. Die einzigen wirklich höherklassigen Partien waren die gegen Portugal und gegen die Türkei. Letztere nicht wegen des Gesamteindrucks sondern wegen der Art, wie man rotzfrech vier Minuten nach der türkischen Führung ausglich und in der Schlußminute durch eine Superkombination den Sieg klarmachte. Auch das muß man erstmal hinkriegen. Das Spiel gegen die Spanier war aber leider zu grottig. Pech, vielleicht klappt's beim nächsten Mal.

Ich habe während dieser Meisterschaft die Spiele ja in Italien und in Österreich gesehen. Das ersparte mir einerseits die weinerlichen deutschen "Asche auf unser Haupt, wir sind so schlecht, Rumpelkick, Weltuntergang, Strick her"-Kommentare bei ZDF und ARD. Andererseits gestattete es einen Einblick in die Bewertung deutschsohliger Partien in anderen Ländern. Die italienischen Kommentatoren waren immer ganz aus dem Häuschen, wenn Deutschland halbwegs anständig spielte. Sie sparten nicht mit Lob und Begeisterung. Nach dem Portugal-Kick wurde Deutschland dann sogar kurzfristig als Favorit #1 gehandelt.

Die Österreicher andererseits... Naja, es ist ja bekannt, daß unter anderem auch im Sport der Blick beider Nationen auf den jeweils Anderen nicht durch überflüssige Harmoniesucht oder Liebesbezeugungen verkleistert wird. Dementsprechend die unverhohlene Freude über das deutsche Beinahe-Aus gegen die Türken und der zungenschnalzende Genuß der fiesen sportlichen Demontage durch die Spanier. Für das österreichische EM-Studio hatten sie irgendwo den Hansi Müller gefunden und vor die Kamera gezerrt. Der Arme hat dann ganz brav versucht, die deutsche Leistung gegen das türkische Team wenigstens ein kleines bißchen aus dem Tümpel zu ziehen, in welchen die beiden österreichischen Studio-Kommentatoren sie drückten. Keine Chance. Als beim Finale das 1:0 für Spanien fiel, wurde in Kloburg und Umgebung gejubelt, als sei bei einem Spiel der österreichischen Mannschaft ein Paß beim Mitspieler angekommen. Naja, Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude.


Ohje!
Immerhin scheint es so, als seien die Österreicher den Spaniern nun auch über den Rasen hinaus zu Dank und Unterstützung verpflichtet: In der heutigen Ausgabe der "Presse" berichtet ein Artikel über die "rote Kirche" in Entrevías, einem Vorort von Madrid. Die Kirche San Carlos Borromeo wird im Volksmund "rot" genannt, weil Pfarrer Javier Baeza ("Javi") Junkies, Häftlinge und illegale Einwanderer betreut, in Jeans zelebriert und statt Hostien Brezeln und Krapfen verteilt. Sprich: Er nimmt eine hervorragende Idee und gibt ihr eine scheußliche Form. Das blieb natürlich auch Antonio María Rouco Varela nicht verborgen. Denn der ist Erzbischof von Madrid und somit Baezas Boss. Es kam also bald zum üblichen Szenario:
    Erzbischof an Pfarre: Talar an, Brezeln weg!
    Antwort der Pfarre: Gar nicht ignorieren.
    Reaktion des Erzbischofs: Licht aus, Kirche zu!
    Reaktion der Spanier: Protest!
Jetzt ist man bei der Presse natürlich nicht so naiv und erklärt den Sachverhalt einfach so, wie er sich kirchenrechtlich präsentiert (Randgruppenbetreuung gut. Kein Talar und keine Hostien ungut). Dann wäre der Artikel erstens bedeutend kürzer, zweitens bedeutend tränentrockener und drittens bedeutend unvoreingenommener. Da es aber gilt, eine durch Publikationen wie "profil" stramm auf das Konsumieren und Abnicken antikirchlicher Beiträge getrimmte Leserschaft dort zu packen, wo es weh tut (also auf Gefühlsebene) wird der Bericht mit ein paar kleinen aber feinen Tricks zu einem tendenziösen Schlachtengemälde des tapferen kleinen iberischen Dorfes mit seinem Helden Baezaix gegen das römische Imperium unter Kaiser Roucus Varelius aufgepeppt.

Schon optisch werden gleich mal klare Fronten geschaffen: Ein großes Bild präsentiert den Pfarrer. Ein sympathisches Pummelchen mit kariertem Hemd vor einer Wand mit Kindergemälden. Erzbischof Rouco Varela ist spaltenbreit abgebildet mit Kasel und Pallium (schauder: Uniform) und gefalteten Händen (grusel: Frömmigkeit). Über dem Foto liest man den Schriftzug: "Der Widersacher". Widersacher? Hä? Da besteht bei einem Pfarrer offenbar Lernbedarf bezüglich der kirchenrechtlich festgelegten Form der Liturgie. Und der Bischof, der diesen Pfarrer aufklärt und - nachdem keine Besserung zu erkennen ist - abstraft, ist der Widersacher? Na servus.

Der Artikel entlarvt sich und Pfarrer Baeza, wenn von den Gründen für die Talarlosigkeit und die breite Unterstützung in der Bevölkerung die Rede ist:
    "Eines Tages sagte ihm [Baeza] eines seiner Problemkinder: 'Ihr mit euren Meßgewändern gehört doch zu den Mächtigen, so wie der Polizist in der Uniform und der Richter im Talar'. Da zog sich Javi die Soutane aus und nie wieder an."

    "... Von da an wurde San Carlos zum Theme in den Hauptabendnachrichten. Tausende strömten jeden Sonntag zur Messe, weit mehr, als in dem Kirchlein Platz finden. Gläubige und Atheisten, linke und rechte Politiker..."
Ein paar Zeilen weiter wird dann ein Ex-Häftling zitiert:
    "Er [Baeza] hat mich fundamentale Werte des Lebens gelehrt, die mir mein Sozialarbeiter nie hätte vermitteln können."
Hier hakt die Geschichte: Wenn Baeza tatsächlich fundamentale Werte vermitteln kann und will, dann gehört er flugs wieder hinein in die Soutane. Denn (scharfe Analysen gesellschaftskritischer Problemkinder hin oder her) nur so kann er einen weiteren fundamentalen Wert glaubhaft vermitteln. Nämlich den, daß bei allen guten Taten es immer auch darauf ankommt, sich nicht eitel und medienwirksam der Welt anzugleichen, sondern gleichzeitig ganz und somit auch äußerlich ein Zeugnis für Christus abzulegen. Und wie kann man das in unserem säkularisierten und entklerikalisierten Europa besser tun, als in der Soutane? Wenn dann zu den sonntäglichen Happenings auch Atheisten aufkreuzen, gerät die Geschichte vollkommen aus den Fugen. Denn dann wird klar, daß es (bei allem guten Willen und all der guten Arbeit von Pfarrer Baeza) zumindest in der Öffentlichkeit um so ziemlich alles geht, nur nicht um die Einheit in Christus.

Die Pfarre ist übrigens vom Kardinal wieder geöffnet worden. Er hat sich dem öffentlichen Druck gebeugt und Baeza zum "Kaplan der Randständigen" ernannt. Schaun wir mal, ob Javi auch so flexibel ist und vielleicht als Zeichen der Versöhnung mal wieder in die Berufskleidung schlüpft und Hostien konsekriert.

Reliquien-Diebstahl in Essen

Gefunden auf Der Westen:
    Essen. Dreiste Diebe haben aus dem Altar des Essener Doms ein mit Gold und Edelsteinen besetztes Reliquienkästchen mit Knochenstücken der drei Bistums-Patrone gestohlen. Das Bistum reagierte empört.

    Das Reliquienkästchen hat einen hohen ideellen Wert», sagte Sprecher Ulrich Lota am Montag. Es sei auch noch ausgerechnet im Jubiläumsjahr zum 50. Geburtstags des Bistum gestohlen worden. Die Polizei hat noch keine Spur.

    Das Reliquienkästchens, das aus dem Essener Dom gestohlen wurde. Die Polizei hat noch keine Spur. (Foto: dpa) (dpa)
    Das Reliquienkästchens, das aus dem Essener Dom gestohlen wurde. Die Polizei hat noch keine Spur. (Foto: dpa)
    Die Diebe müssen am Sonntag zwischen dem Ende der Abendmesse um 20 Uhr und der Abschließzeit des Doms zugeschlagen haben. Um 20.45 Uhr zum Beginn des EM-Endspiels habe der Domsakristan abgeschlossen, sagte Lota. Wie auch die Polizei nach ersten Ermittlungen festgestellt haben, müssen die Diebe ein aus Bronzeengeln bestehendes Gitter am Altar aufgebrochen und das Reliquienkästen aus einer Mulde genommen haben. Am Montagmorgen wurde der Diebstahl entdeckt.

    Den materiellen Wert schätzt das Bistum auf einen fünfstelligen Betrag. Der Deckel des 15 mal 15 Zentimeter großen Kästchens sei mit etwa 50 Edelsteinen wie Topas, Amethyst und Rauch sowie Bergkristallen besetzt. Die Seitenwände zeigen religiöse Abbildungen. Die Reliquien stammen von den frühmittelalterlichen Bischöfen und Patronen Maternus, Liborius und Liudger der drei Mutterbistümer Köln, Paderborn und Münster. (dpa)
Na super. Und da wundern sich manche Besucher der Stiftsbasilika, daß wir das schmiedeeiserne Gitter zwischen Vorraum und Langhaus schließen, wenn keine Führungen sind.

Wer zur Ergreifung der Diebe beiträgt, es mir mitteilt und belegt, für den bete ich einen Monat lang täglich den Rosenkranz.

Säcke!