Monday, August 11, 2008

Pro

Ich kam vorgestern von einer sehr schönen, sehr ruhigen und sehr kräfteschonenden Woche der Vor-Profess-Exerzitien bei den Redemptoristen in Heilbad Heiligenstadt zurück. Das ist ein schnuckliges kleines Städtchen im Eichfeld, der einzigen katholischen Enklave in der Ex-DDR.

Ich hatte für die stillen Stunden mein Brevier, die Imitatio Christi und etwas Gottestaat dabei. Einen Exerzitienleiter im strengen Sinne hette ich nicht, sondern eher einen Alfonsianer, mit dem ich täglich ein paar Stunden durch die Gegend spaziert bin, um über das Ordens- und Priester-Dasein zu reden. Das war insofern würdig und recht und vor allem hilfreich, als daß dieser Mann aufgrund der Art und Weise wie er über eben sein Ordens- und Priester-Dasein redete, es so präsentierte, als sei es nicht nur für ihn, sondern für jeden gesunden und beherzten Mann das normalste, lohnendste und am wenigsten furchterregende Ding der Welt. Er wirkte dabei kein bißchen unauthentisch oder aufgesetzt. Das fand ich nicht nur schön, sondern auch ermutigend.

Im Eichsfeld ißt man ganz gerne Mettfleisch, welches gar fies gewürzt ist. Das hat mir geschmeckt, vor allem mit einem Humpen Köstritzer Schwarzbier dazu.

In der DDR gab's ja nicht wenig kolchosige Monokultur. Da kann man heute noch Felder sehen, wo vom einem Horizont zum anderen nur eine Getreidesorte draufsteht. Einerseits öde, andererseite aber auch irgendwie imposant.

Der Aufbau Ost scheint übrigens doch stattgefunden zu haben. Vielleicht ist nicht überall gleich viel getan worden, aber ich habe in Heiligenstadt und auch in Orten wie Duderstadt mal "Voher - Nachher"-Bilder gesehen und kann nur sagen: Boah! In zwanzig Jahren von schmuddeligem, tristem Graubraun zu gepflegter, munterer Buntigkeit. Da kann man nicht meckern.

4 comments:

Martin said...

Also, Duderstadt war schon immer im Westen, wenn auch nur knapp. Der Grenzübergang war zwischen Gerblingerode und Teistungen. Ich muss das wissen, bin ich doch in Duderstadt geboren und aufgewachsen.

Schön, dass Dir das Mett geschmeckt hat.

Alipius said...

Oops!
Ich war so begeistert, daß ich da gar nicht dran gedacht habe. Aber stimmt: Wir sind ja sogar auf der Fahrt nach Duderstadt am Grenzmuseum vorbeigekommen...
D'oh!

kalliopevorleserin said...

Die von Dir beschriebenen Monokulturen können nur existieren, weil tonnenweis Kunstdünger draufgekippt wird (denn natürlich ist der Boden von dieser Mono-Bebauung völlig ausgelaugt). Mich graust es immer bei solchem Anblick.

Alipius said...

Ich weiß. PC finde ich es auch nicht, aber es sieht halt schon faszinierend aus.