Die Anlage lag südlich der Stadt, gegenüber der Mainmündung, zwischen dem zur Straße ausgebauten Ufer und winigen Weinbergen, zu denen sie sich leicht ansteigend hinzog. Die Steigung wurde in Terrassen verwanddelt, auf denen sich bald so Einiges abspielte.
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Hier einige "Risse" der Favorite von Salomon Kleiner, der die Anlage zwischen August 1723 und Februar 1724 aufnahm:
Ihr habt schon gemerkt, daß ich in der Vergangenheitsform von der Favorite schreibe. Als die französischen Revolutionstruppen Mainz 1792 eroberten, wurden die Bauten der Favorite geplündert und verwüstet. Ein Jahr später wurde die gesamte Anlage radikal zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Mainz war neben Koblenz Hauptaufenthalt der Emigranten gewesen und das Volk wollte wohl, wie im Schloß Schönbornslusst bei Koblenz-Kesselheim, sein Mütchen an den Schauplätzen der Feste der geflohenen Pariser Aristokratie kühlen. Zudem stand die Anlage wohl auch irgendwie der Verteidigung der Stadt im Weg. Schade. Die ebenfalls verschwundenen alten Gärten im Schloß Seehof waren zwar größer und als Gesamtwerk einheitlicher, aber ein so schönes Nebeneinander von Gärten, Wasserspielen und Architektur wie in den beiden unteren Dritteln der Favorite, habe ich noch nicht gesehen. Mann, echt, mußten die denn einfach alles immer kaputtmachen? Wüstlinge!
2 comments:
Vielen Dank von einer durch Charlottenburg und das nahe Potsdam gartenverwöhnten Berlinerin für das Ausgraben dieser Bilder und für dies interessante Stück Gartenhistorie.
Zu Deiner letzten Frage: Naja - fast alles. Und fast immer. Und leider, leider werden im Gedenken an die (oft tatsächlichen, manchmal unterstellten) Untaten großer Herren gerne deren Künstler mitbestraft - Architekten, Bildhauer, Maler, Gartenplaner. Und damit dann alle, die sonst z.B. in einem nun demokratisch offenen Park spazieren gehen könnten.
Der Witz: Das Gelände der Favorite ist heute ein "Volks"-Garten, aber der ist natürlich nicht annähernd so schön und originell.
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