Saturday, March 17, 2007

Bamberger Wochen, Teil 6

Schloß Seehof, etwa 5 km östlich von Bamberg gelegen, ist ein kleines Juwel der spätbarocken Baukunst. Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683-1693) ließ die Anlage ab 1687 von Antonio Petrini als Sommerresidenz und Jagdschloss errichten, weswegen der Bau auch heute noch manchmal "Marquardsburg" genannt wird. Ober-Schönborn Lothar Franz ließ einen herrlichen Barockpark mit Wasserspielen anlegen, Neffe Friedrich Karl vollendete den Garten. Es kamen Orangeriebauten, Wachhäuser und Mauern hinzu. Unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (ein Gartennarr und Jagdfreund, über den ich vielleicht auch mal ein Bamberger-Wochen-Spezial schreiben werde) erlebte Schloß Seehof dann seine kurze aber heftige Blütezeit. Seinsheim zog sich oft nach Seehof zurück, um sich bei Theateraufführungen und Jagden ein wenig vom Bischofs-Job abzulenken. Der Fürstbischof ließ den Park in einen Rokokogarten verwandeln und die Parkfiguren von Ferdinand Tietz zu einer wahren Armee von 400 Exemplaren anwachsen. Von all der Pracht ist heute nur noch wenig erhalten. Seinsheims Nachfolger Erthal, erster "aufgeklärter" Fürstbischof Bambergs, ließ bereits die Hälfte aler Figuren beseitigen. Mit der Säkularisation 1802 und dem Ende der Bischofsherrschaft in Bamberg war dann für Seehof der Weg zum unaufhaltsamen Abstieg frei.

Das Schloß wurde 1842 an einen preußischen Husarenoberst von Zandt verkauft. Dessen Erben hatten dann große finanzielle Schwierigkeiten und verwandelten den größten Teil des Rokokogartens in landwirtschafltiche Nutzfläche. Dies brachte nicht die erwünschte Linderung, so daß es am Schloßgebäude zu Verfallserscheinungen kam. Tiefpunkt waren dann die späten 50er Jahre des 20. Jahrhunderts, in welchen die Familie von Zandt-Hessberg das Original-Mobiliar des Schlosses in ganz großem Stil verhökerte, um nicht komplett zu verarmen. Der Staat Bayern konnte endlich 1975 dank eines neuen Denkmalschutzgesetzes eingreifen und Seehof vor der Pulverisierung retten. Heute ist der Park wieder leidlich betrachtbar und das Schloß füllt sich mit zurückgekauftem Mobiliar oder ansehnlichen Kopien.

Die Anlage ist sicherlich einen Besuch Wert, vor allem wenn man zu einer Zeit kommt, in der die Wasserspiele aktiv sind.

1 comment:

Claudia said...

Ja, Paläste konnten sie im Barock! Auch wenn ich mit den Kirchen der Epoche meine Schwierigkeiten habe - aber diese wunderschöne klare Architektur ist wirklich ein Genuß.