Saturday, October 24, 2009

Sarrazin und kein Ende

Die Wogen glätten sich eher gemächlich.
    "Thilo Sarrazin hat Türken und Araber in Deutschland attackiert. Damit stößt er auf beispiellose Zustimmung. Woher kommt bloß die Wut?"
So fragt die Zeit in ihrer neuen Ausgabe.
    "Die fast schon bis zur Selbstkarikatur übertriebene Intervention des Zentralratssekretärs [Kramer behauptete, Sarrazin habe mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erwiesen] und das verdruckste Powerplay des Bankenchefs [Weber zärtelte sich erst mit Rücktrittsgesuchen heran und entschloß sich dann hinter den Kulissen zu einer Teilentmachtung Sarrazins - ohne die Aussagen des Bankkollegen je offiziell zu erwähnen] haben mancherorts den Eindruck verfestigt, daß man in Deutschland über bestimmte Dinge nicht mehr reden kann, ohne erst in die rechte Ecke gedrängt und dann in den Senkel gestellt zu werden."
So heißt es weiter im Artikel. Okay, aber daß sich dieser Eindruck noch 'verfestigen' ließ, war mir neu. Hallo '68er! Daß man nicht nur in Deutschland sondern in den meisten Ländern Europas bestimmte Themen besser nur nach Schema F andenkt, steht doch wohl schon länger in Stein gemeißelt.

Die positiven, zustimmenden Reaktionen auf Sarrazins Äußerungen gleichen einem Druckausgleich, einem explodierenden Kessel, und sie sind dementsprechend stark von Emotionen getragen, schießen oft am Ziel vorbei oder darüber hinaus und vergreifen sich immer wieder in den Kategorien. Doch dies tut auch der Zeit-Artikel. Wenn Autor Jörg Lau den Wunsch eines Online-Kommentators nach mehr Einwanderern aus katholischen Ländern lapidar mit "Vom schlechten Schulerfolg der italienischen Einwandererkinder hat er offenbar nochnicht gehört" abtut, dann greift er in die falsche Schublade. Denn mehr Katholizismus ist nicht gleichbedeutend mit mehr Bildung oder Elite, sondern mit mehr Identität, mehr Vertrautem, ja - mehr Europa.

Ich kann es nicht oft genug betonen: Es ist egal, was wieviele Einwanderer in welchem Maße bei uns treiben, so lange wir unsere eigene Identität immer mehr verleugnen. Mit plumpem Dagegensein ist kein Blumenpott zu gewinnen. Nur, wenn der ganze Kontinent sich darauf besinnt, daß es höhere, edlere, fruchtbarere Konzepte gibt als einen aus brachial demonstrierter Diversität gewonnenen Stolz, als eine verlogene Attitüde des Marginalisiertseins und als eine schicke aber inhaltslose Suche nach dem "Neuen", die letztlich nur den eigenen Bauch pinselt und einen doch ständig mit Neid auf diejenigen blicken läßt, die im Überlieferten Halt und Trost finden - nur dann dürfen wir überhaupt beginnen, darüber nachzudenken, ob wir Europa als Europa erhalten können, ober ob wir es lieber - selbstverschuldet, denn wir halten es ja momentan auf dem Silbertablett hin, und es ist Idiotie, den Migranten vorzuwerfen, sie nutzten dies aus - zu Eurabien werden lassen wollen.

Herein mit Euch, liebe Migranten! Haltet Euch an die Regeln, und ihr könnt Euch vermehren, bis die "Kopftuchmädchen" sich gegenseitig auf die Zehen treten. Und Ihr, liebe "Europäer", entscheidet Euch! Legt Zeugnis ab, glaubhaft und aufrecht, und vielleicht wird es bald viele Kopftuchmädchen geben, die lieber Klosterhaube tragen.

3 comments:

Conservare said...

Ich denke Sarrazin (ist das nicht auch ein ausländischer Name) spricht aus einer anderen Motivation heraus, als wir Christen.

Er spricht häufig nur unter dem wirtschaftlichen ökonomischen Aspekt. Über den Kosten und Nutzen Faktor und über das Prinzip "Geben und Nehmen", welches ein weltliches Prinzip ist.

Das kann nicht unser Anliegen als Katholiken sein, selbst wenn Christen im Ruf stehen, gut gebildet zu sein. Da sollten wir aufpassen, dass man uns nicht bauchpinselt und wir dem schönen Ehrgefühl nachgeben.

Wir müssen nüchtern bleiben. Sarrazin ist nicht dumm, für welche Seite er arbeitet, ist doch einfach nicht ersichtlich.

Besser ist es wirklich unsere christliche Identität - wie du sagtest - zu bewahren.

Wer dies nicht tut zerstreut und sollte vielleicht darüber nachdenken, seine Lamentos gegen die Muslime einzustellen. Ich finde jemand, der genau weiß, dass Europa auch auf der christlichen Säule steht aber nicht eindeutig dafür eintritt es so zu erhalten, hat sein Recht auf Gejammer über die Moslems verwirkt. Denn was tut er denn dafür, dass aus Europa nicht eines Tages Eurabien wird?


Danke für deinen Artikel!

Maria Magdalena said...

"Eurabien" - Wortschöpfung der Superklasse! Danke dafür!

Alipius said...

Danke! Ist aber nicht von mir... ;-)