Friday, October 09, 2009

Kontinuierlich Katholisch

Ich finde die Hölle als Drohmittel ja doof. So nach dem Motto "Bohr nicht in der Nase, sonst bricht der Finger ab!" Das zieht bei kleinen Kindern ja auch nur, weil sie es irgendwo tief drinnen als eine Möglichkeit betrachten, aber dann irgendwann doch merken, daß man sie verschaukelt hat. Und - schwupps - steckt der Finger wieder in der Nase.

Andererseits finde ich die Hölle als Realität beängstigend genug, um eine gesunde Pflicht zu verspüren, die Menschen darüber zu informieren, daß ein Leben in selbstgewählter Gottesferne sich in der Ewigkeit unendlich fortsetzen läßt. Ich denke schon, daß der Herrgott freundlich genug ist, um die individuelle Entscheidung, mit ihm nichts zu tun haben zu wolen, auch nach dem Tode zu respektieren.

Was das mit mir als künftigem katholischen Priester zu tun hat? Naja, es gibt ja diese "Nö, ich geh nicht in die Kirche, ich mach das mit meinem Gott so zwischen Waldspaziergang, karitativer Tätigkeit und Entspannungsgymnastik aus"-Szene. Deren Mitglieder, wenn sie Gott auch auf eine nebulöse Weise akzeptieren, tasten ja irgendwie auch im Dunkeln, obwohl doch Christus hell und klar und direkt die Kirche angesprochen hat, welche auf dem Felsen gebaut ist und welche die Mächte der Unterwelt nicht überwältigen werden.

Ich treffe immer wieder Leute, die einen ganz zarten Hauch von Interesse sowohl am Christentum als auch am Katholizismus versprühen, aber sich letztlich dann doch immer weigern, Christen oder Katholiken zu werden. Das gilt übrigens nicht selten auch für getaufte Individuen (** grins **). Wenn ich dann nach dem Grund forsche, kommt schnell heraus: Es handelt sich um eine Mischung aus Stolz und Rebellion. Man ist sich zu fein für die ausgelatschten Pfade und außerdem haben das Papi und Opa ja auch schon gemacht, also ist da doch was faul. Ich finde diese Argumentation nicht unverständlich. Schließlich ist es nicht nur reizvoll, sondern auch schmeichelhaft, sich nach neuen Wegen umzusehen und unter Umständen dort sogar ein paar solide Schritte zu tun. Letztlich ist aber eben dieser Selbstschmeichel auch das Verhängnis. Wer "Gott" sagt, der muß auch "geoffenbart" sagen. Von Menschenhand und Menschenhirn geschaffene Götzenbilder, Ersatzreligionen und Pseudogottheiten offenbaren sich nicht. Dies tut nur der Dreieine. Wenn er sich aber offenbart und man seine Existenz eben aufgrund dieser Offenbarung wenigstens als eine Möglichkeit, die es im Leben vielleicht noch näher zu erforschen und besser kennenzulernen gilt, betrachtet, dann kann man ihm und seiner Kirche nicht den Rücken kehren und sagen: "Schön, du bietest mir zwar das Heil in deiner Kirche, aber da ist mir zuviel Muff, zuviel Mann, zuviel Hierarchie, zuviel Glanz, zuviel Gehorsam, zuviel was auch immer". Denn dieses "Zuviel" ist ja nur die Kehrseite des "Zuviel" an Beliebigkeit, Laxheit, Bequemlichkeit, Selbstzufriedenheit welches man auf der anderen Seite findet.

Ich laß mal die Verehrung Gottes und die Ehrfurch vor den Sakramenten, vor allem vor der Eucharistie, außen vor und betrachte sie als gegeben. Dann kann ich krass und auch nicht volkommen korrekt beide "Zuviels" als schnödes Menschenwerk betrachten. Aber grade dann sollte die Entscheidung doch leicht fallen. Habe ich lieber ein individuells "Zuviel", welches sich um sich selbst dreht und jederzeit in sich zusammensacken kann oder ein kollektives "Zuviel" welches sich trotz aller Schwächen und Versäumnisse seit zwei Jahrtausenden hartnäckig hält? Habe ich lieber meine 15 Minuten Ruhm in der überkonfessionellen Begegnungsstätte Wanne-Eickel oder lieber die uralte Kontinuität im Schatten Roms? Beuge ich das Knie lieber vor dem Spiegel oder vor dem, den die apostolische Sukzession als den 265. Nachfolger des Heiligen Petrus ausweist?

Katholizismus gibt Identität, auch denen, die gerne mal hinterfragen (und dabei bescheiden und vernunftgesteuert bleiben können). Woher ich komme, daß sagt mir nicht nur ein Blick auf meine Eltern, sondern auch ein Blick in die Bibel, das Missale, die Liturgischen Bücher, die Geschichtsdokumente. Wohin ich gehe, daß sagen mir unzählige Generationen von hehren Heiligen und simplen Gläubigen, die tapfer und nicht selten unter Bedrägnis lieber an ihrem Glauben und ihrer Kirche festhielten, als sich von den immer der Veränderung unterworfenen Strömungen der Zeit fortspülen zu lassen. Das ist eine Art von Stolz, mit dem ich zu leben gelernt habe. Denn diese Kontinuität ist ja nicht mein Verdienst, sondern der ihre.

6 comments:

Stegi said...

Woraus lässt sich die Notwendigkeit der Verehrung, bzw. der Anspruch Gottes auf selbige ableiten und beweisen?

Alipius said...

- Die ersten drei Gebote
- Das Buch Deuteronomium
- Die Tatsache, daß es im AT für das Volk , "dessen Herz in die Enge" ging, auch immer gleich mal Sanktionen gab
- Auch Jesus hat dem Vater Ehre erwiesen
- Der gesunde Menschenverstand

Die fallen mir grade so aus dem Ärmel ein, aber sicher gibt's noch mehr.

Stegi said...

Ich brauche Argumente aus dem NT!

Wie passt ein sich unterwerfen zur "Du"-Beziehung?

Alipius said...

Jesus ist schon irgendwie NT.

Gott hat uns zuerst erschaffen und dann auch noch erlöst. Das alleine sollte die "Du"-Beziehung ins richtige Licht rücken. Es ist das familiäre "Du", welches die Söhne dem Vater gegenüber anwenden, auch wenn sie sich ihm unterwerfen. Schauen wir auf die Ursache/Wirkung- oder die Herr/Knecht-Ebene, gibt es ohnehin keine Anrede, mit welcher der Mensch seinem Gott gerecht werden könnte.

Conservare said...

Das "Du" ist - meiner Meinung nach - in unserem heutigen Verständnis über die Beziehung zwischen Gott und Mensch ein bisschen missverständlich.

In unserer Gesellschaft setzen wir das "Du" mit "auf gleicher Augenhöhe" gleich. Aber ein Kind kann und wird - selbst mit dem irdischen Vater - nie auf gleicher Augenhöhe stehen. Selbst wenn das Kind eines Tages erwachsen ist und eigene Kinder hat.

Bis vor einiger Zeit galt das "Du" auch noch als unverschämte Anrede älterer oder fremder Menschen. Und vor nicht all zu langer Zeit sagten die Kinder noch zu ihrem Vater "Ihr" und "Euer", was eine Ehrerbietung war. Trotzdem aber war es eben der liebende, der barmherzige (im Idealfall) und auch züchtigende Vater.

Bei Gott muss man freilich viel größer denken (so groß es möglich ist) als bei der irdischen Vater-Kind Beziehung.

Heute ist diese Ehrerbietung ja mancherorts komplett verschwunden. Die Kinder reden ihren Vater oder ihre Mutter mit dem Vornamen an. Wörter wie "Papa" und "Mama" sind auf einem absteigenden Ast.

Anonymous said...

Rebellion gegen Kirche ist doch weiß-Gott nicht mehr Avantgarde, *das* ist ausgelatscht, da ist eh' jedes Tabu gefallen.

Aber sag' mal den säkularen Verwandten und Freunden, dass Du Kirche gut findest... und das dann auch noch nicht mimosenhaft in der Haltung eines Rückzugsgefechts: so wird man Enfant terrible.

Da gab's doch mal so nen Spruch... Man kann die Mutter am besten schockieren, indem man die Röcke der Oma wieder trägt :-)