Wednesday, September 03, 2008

Alipius, der can. reg.

Hallo!

Endlich habe ich mal ein paar Minuten Zeit, mich um meine Leserschaft zu kümmern...

Also, am 28. August habe ich zusammen mit Mitbruder Herr Daniel meine ewigen Ordensgelübde abgelegt. Das war dann also meine Hochzeit mit dem Stift und entsprechend auch der schönste und wichtigste Tag meines Lebens.

Familie und Freunde waren da, haben gratuliert, sich mit mir gefreut und mich durch ihr ganz selbstverständliches Hinnehmen meines neuen Lebenswegs mich erneut in dem bestärkt, was ich tue.

Hier einige wenige Bilder. Ich hoffe noch auf granatenmäßiges Material, das mir aus Deutschland zugeschickt wird. Dann gibts noch ein bißchen mehr Augenfutter.


"Wir bitten, in dieser Gemeinschaft auf Lebenszeit dem Herrn dienen zu dürfen."


Der Herr Prälat legt mir die Mozzetta an.


Fertig sind zwei Klosterneuburger Kapitulare...

Friday, August 22, 2008

Die Mainzer Favorite

Es ist mal wieder Schönborn-Zeit auf am römsten. Und heute stelle ich Euch ein besonderes Schmankerl vor: Die Favorite bei Mainz, der Erholungspark des Lothar Franz von Schönborn, welchen er während seiner Jahre als Kurfürst zuerst anlegen ließ und dann reichlich und gerne nutzte.

Die Anlage lag südlich der Stadt, gegenüber der Mainmündung, zwischen dem zur Straße ausgebauten Ufer und winigen Weinbergen, zu denen sie sich leicht ansteigend hinzog. Die Steigung wurde in Terrassen verwanddelt, auf denen sich bald so Einiges abspielte.


Auf dieser Gesamtansicht sieht man, daß der Garten aus drei Teilen bestand. Der Nördlichste verlief in seiner Gestaltung noch parallel zum Ufer, die beiden Anderen im rechten Winkel dazu. Es gab wohl irgendwann eine Planungsänderung, was mich bei Lothar Franz von Schönborn nicht wundert, griff er als musische Natur doch gerne mal gestaltend in seine Bauvorhaben ein. Das südliche Drittel ist eine kleine Verbeugung vor dem französischen Schlößchen Marly bei Versailles. Über vier Terrassenstufen hinweg sind staffelförmig auseinandergezogen auf drei der Stufen je zwei Pavillons oder "Kavaliershäuser" angeordnet, die den Blick beinahe wie bei einem Bühnenprospekt auf die Orangerie ziehen, welche auf der vierten Stufe steht. Da in einer Orangerie Pflanzen übernachten, mußte für den Kurfürst selbst noch ein Häuschen her, in welchem er sein Haupt betten konnte. Ihr seht es als kleines Winkelschlößchen am südlichen Rand der Anlage.

Hier einige "Risse" der Favorite von Salomon Kleiner, der die Anlage zwischen August 1723 und Februar 1724 aufnahm:









Ihr habt schon gemerkt, daß ich in der Vergangenheitsform von der Favorite schreibe. Als die französischen Revolutionstruppen Mainz 1792 eroberten, wurden die Bauten der Favorite geplündert und verwüstet. Ein Jahr später wurde die gesamte Anlage radikal zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Mainz war neben Koblenz Hauptaufenthalt der Emigranten gewesen und das Volk wollte wohl, wie im Schloß Schönbornslusst bei Koblenz-Kesselheim, sein Mütchen an den Schauplätzen der Feste der geflohenen Pariser Aristokratie kühlen. Zudem stand die Anlage wohl auch irgendwie der Verteidigung der Stadt im Weg. Schade. Die ebenfalls verschwundenen alten Gärten im Schloß Seehof waren zwar größer und als Gesamtwerk einheitlicher, aber ein so schönes Nebeneinander von Gärten, Wasserspielen und Architektur wie in den beiden unteren Dritteln der Favorite, habe ich noch nicht gesehen. Mann, echt, mußten die denn einfach alles immer kaputtmachen? Wüstlinge!

Thursday, August 21, 2008

Mehr Kanoniker-Chic

Mitte Juni hatte ich schon mal auf die farbenfrohen und textilreichen Chortrachten der Spanischen Domkapitel hingewiesen. Jetzt habe ich in Belgien auch noch ein ganz anständiges Modell ausfindig gemacht:

Dort tragen viele Domherren diese schöne Soutane- Rochett- Umhang-Combo mit einem besonders auffälligen, da gestreiften Pelzbesatz. Gefunden wird diese Tracht unter anderem in Gent (Das Bild oben ist aus einem Genter Museum).


Getragen werden diese Gewänder offenbar noch in Namur, wie man auf diesem Gruppenphoto des Domkapitels sieht.


Hier ein Gemälde, welches einen "Kanoniker von St. Niklas" zeigt. Keine Ahnung, wo St. Niklas liegt und ob es eine Kathedrale oder eine Stiftskirche ist. Hat jemand eine Ahnung?

Tuesday, August 19, 2008

Schönheit oder Der Atheist und die Lust am Wegmachen

Michael Newdow, Doktor und Anwalt aus den USA, hat vor einigen Jahren endlich einen Weg aus der Anonymität und Belanglosigkeit hinein in die befriedigende Welt der Blitzlichter und Fernsehkameras gefunden: Atheismus! Sein letzter Coup: Er startete eine Petition, deren Ziel es ist, das "In God We Trust" von den Dollarscheinen zu entfernen. Es gibt sogar eine Internet-Abstimmung bei NBC. Dort stand es gestern noch 52:48 gegen Gott. Heute sind wir bei 59:41 für Gott. Aber selbst, wenn das Ergebnis wieder kippen sollte, darf man eines nicht vergessen: Die NBC-Klientel ist in der Regel ultraliberal, voll mit der Zeit gehend und total aufgeklärt, Du. Sprich: Hier stimmen nicht nur Atheisten für ihre Causa, sondern auch moderne Christen, die glauben, der Aufdruck auf den Geldnoten widerspräche der Trennung von Kirche und Staat.

Wäre ich ein US-Standup-Comedian, setzte ich mein Programm jetzt ungefähr so fort:
    "And... Atheists!"

    [Schmunzeln]

    "You've heard of atheists, right?"

    [Gekicher]

    "Boy, what's up with them?"

    [Gegacker]

    "I mean..."

    [Gebrüll]
Naja, leider hab ich's bei meiner werten Leserschaft nicht ganz so leicht, daher noch einmal eine patentierte Alipius-Breitseite mit offiziellem Torquemada-Gütesiegel auf unsere atheistischen Mitbrüder und Mitschwestern. Thema heute:


Schönheit oder Der Atheist und die Lust am Wegmachen

Bei den Atheisten muß immer irgendetwas wegradiert, fortgekratzt, versteckt, kaputtgemacht oder weggehängt werden. Gottesbezug in Präambeln, Bibeln in Gerichtssälen, Kruzifixe in Klassenräumen, "In God We Trust" auf Banknoten, Kirchliche Feiern auf öffentlichen Plätzen: Wegwegwegwegweg.

Etwas seit Jahrhunderten Bestehendes soll aus dem Weg geräumt werden, weil eine lautstarke Minderheit dieses Bestehende auf Kollisionskurs mit ihrem Programm sieht. Zur Verteidigung heißt es dann oft, daß man schließlich auf ein Utopia hinarbeitet. Gut marxistisch wird argumentiert:
    "Es kann dies natürlich zunächst nur geschehen vermittelst despotischer Eingriffe ..., durch Maßregeln also, die ... unzureichend und unhaltbar erscheinen, die aber im Lauf der Bewegung über sich selbst hinaustreiben und als Mittel zur Umwälzung ... unvermeidlich sind."

    (Manifest der Kommunistischen Partei, II. Proletarier und Kommunisten)
Keine Lust am Aufbau, keine Lust auf Kooperation, keine Lust auf Erhalten, keine Lust auf Toleranz: Das alleine ist natürlich schon verdächtig.


Aber es kommt noch dicker: Warum ist die erhabenste Kunst, die wir im Abendland haben, die Christliche (um nicht zu sagen, die Katholische)? Warum gibt es keine schöneren Gebäude, als romanische Dome, gotische Kathedralen und spätbarocke Wallfahrtskirchen? Warum sind die heiligen Textilien und die Gewänder der Priester so edel und schön? Warum verbreiten die Skulpturen, die Gemälde, die Ornamentik und sogar das Mobiliar der Zeit der Re-Katholisierung Europas einen so unwiderstehlichen Hauch von Lebensbejahung, Feierlichkeit und Optimismus? Warum ist auf allen Heiligenbildern der Mensch als Mensch dargestellt? Sicher, der Katholik als solcher will in der Regel lieber aufbauen als zerstören, sei es als Individuum mit seinen Händen oder sei es als Teil einer Gemeinschaft mit Herz und Seele. Aber es steckt mehr dahinter: Der Katholik liebt sowohl die Vielfalt der Schöpfung als auch die Möglichkeiten der Kunst und des Handwerks. Kurz: Er liebt die Schönheit. Und die Schönheit ist - wie das Gute und das Wahre - von Gott. Nicht nur dies: Die Schönheit ist - wie das Gute und das Wahre - objektiv. Sicher, jeder Mensch hat die Möglichkeit aufgrund eines persönlichen Vorzugs jedes beliebige Ding als schön oder gut oder wahr zu empfinden. Das bedeutet aber nicht, daß es nicht in jedem Ding selbst das Schöne, das Wahre und das Gute gibt. Und dieses Schöne, Wahre und Gute in den von Gott geschöpften Dingen ist mit ihrer Essenz verbunden, mit ihrem So-sein-wie-sie-sind, wenn man so will. Der Mensch ist daher schön, weil er Mensch ist. Und als Mensch ist er geschaffen, ist er ein Kunstwerk. Er ist ein Geschöpf Gottes, welches alleine wegen seines Geschöpfseins schön ist. Was die Akzidenzien betrifft, gibt es natürlich Vorzüge, die in verschiedene Richtungen gehen: Der Eine mag blondes Haar, der Andere schwarzes, der Dritte mag rotes. Der Eine mag blaue Augen, der Andere grüne, der Dritte mag braune. Der Eine mag schmale Nasen, der Andere breite, der Dritte mag gebogene. Der Eine mag zarte Körper, der Andere mag fleischige, der Dritte mag muskulöse. Das alleine beweist, daß nicht eine bestimmte Art von Mensch schön ist, sondern der Mensch als solcher.

1.: Der Mensch als von Gott ex nihilo geschaffen ist schön, wahr und gut. Seine Schönheit, seine Wahrheit und sein Gutsein sind mit seinem Menschsein direkt und intrinsisch verbunden, da Gott nichts schöpfen kann, was nicht schön oder wahr oder gut ist.


Aber ist ein Paar Hosen, ein Stuhl oder ein Gebäude oder irgendein von Menschenhand geschaffenes Ding in seiner Essenz als Hose, Stuhl, Gebäude oder Ding auch sogleich schön? Nicht immer. Dem Menschen fehlt die Perfektion des Schöpfers. Der Mensch muß auf die Essenz des von ihm geschaffenen Gegenstandes achten, um ihm Funktionalität zu verleihen. Er muß auf die Akzidenzien des Gegenstandes achten, um ihn schön zu machen. Schön ist ein filigran gearbeiteter, vergoldeter Armsessel. Schön ist die aus elfenbeinfarbenem Porzellan gefertigte Figur einer Harfe spielenden jungen Dame. Schön ist ein weitläufiger Saal mit spiegelndem Parkett und schimmernden Marmorsäulen. Schön ist ein dunkler, gotischer Kreuzgang mit uralten Epitaphen an den Wänden. Schön sind schwere Vorhänge aus Seidenatlas, die sich bei geöffnetem Fenster leicht im Winde blähen. Schön sind geschliffene Edensteine, in denen sich Kerzenlicht bricht. In unzähligen Geschichten und Gedichten haben über die Jahrtausende hinweg Schreiber all diese Dinge gelobt. Aber: Der eigentlich Poet ist Gott. Wir lesen nur sein Gedicht. Denn alles, was ich soeben beschrieb, geht ja auf Gott zurück. Er hat das eine, große, unvergleichlich schöne Werk geschaffen, aus welchem wir die Grundstoffe für unsere handwerklichen und künstlerischen Aktivitäten beziehen. Wenn wir den Kokon einer Raupe abkochen und dann daraus Seidenfäden gewinnen, dann lesen wir bereits Gottes Gedicht. Die himmelblauen Polsterbezüge, die smaragdgrüne Weste, die scharlachrote Tapete und das senfgelbe Ballkleid, die dann aus der Seide gefertigt werden, sind bereits als unsere unbeholfene Nachahmung des Schöpfungsaktes die hingerissenen Seufzer der Anerkennung von Gottes Werk.

2.: Kunstwerke als vom Menschen aus Gottes Schöpfung fabriziert, sind wahr, weil sie real sind. Sie sind gut, weil sie quasi-schöpferisch sind. Sie sind schön, wenn der Mensch in seinem Schaffen sich seines Geschöpfseins bewußt ist und in kindlicher Naivität den Vater zu imitieren versucht.


Die Schönheit von Gottes Schöpfung ist uns Beweis seiner Existenz und eine stete Erinnerung an unser Ziel. In ihr erkennen wir einen Abglanz des Paradieses, des einzig wirklichen Utopias, des Himmelreiches. Die Schönheit der von unseren Händen geschaffenen Werke ist die Bestätigung, daß wir einst wirklich Anteil an Gott haben können. In ihr erkennen wir den festen Glauben, die beständige Hoffnung und die übergreifende Liebe des gefallenen aber nicht liegen gebliebenen Menschengeschlechts.

3.: Schöne Dinge zu schaffen bedeutet zu beten.


Schönheit in einer atheistischen Gesellschaft? Ein Phänomen so wahrscheinlich wie Spitzenfußball in Düsseldorf. Ein Konzept so beruhigend wie die Begegnung mit einer fünffachen Bärenmutter samt Anhang irgendwo in einem weiten, stillen Wald.

Monday, August 18, 2008

Palermos Feuerwehrmänner...

... gehen auch schon mal die ganzen neun Yards, wenn es gilt, Erzbischof Paolo Romeo die Ehre zu erweisen.

Monday, August 11, 2008

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Jetzt ist in Wien schon wieder so eine Stimmung, als hätte die EM nie stattgefunden. Witzig, wie solche Großereignisse das Bild einer Stadt für Wochen prägen und dann plötzlich ganz schnell alles wieder vorbei und verschwunden ist. Keine Maskottchen mehr, keine Buden, keine Leinwände, kein Fiebern mehr vor vermeintlich hochklassigen Partien, keine von Kopf bis Fuß angemalten Fans, keine Gesänge türkischer ("Tür-kie-hä!"), italienischer ("I-tall-ja!") oder deutscher ("Schlaaahnd!") Schlachtenbummler. Naja, lustig war's schon, trotz Platz zwei. Und jetzt können die geneigten Spochtfreunde ja bei Olympia mitfiebern und unserem Turnfloh Bastian die Goldene herbeiwünschen.

Pro

Ich kam vorgestern von einer sehr schönen, sehr ruhigen und sehr kräfteschonenden Woche der Vor-Profess-Exerzitien bei den Redemptoristen in Heilbad Heiligenstadt zurück. Das ist ein schnuckliges kleines Städtchen im Eichfeld, der einzigen katholischen Enklave in der Ex-DDR.

Ich hatte für die stillen Stunden mein Brevier, die Imitatio Christi und etwas Gottestaat dabei. Einen Exerzitienleiter im strengen Sinne hette ich nicht, sondern eher einen Alfonsianer, mit dem ich täglich ein paar Stunden durch die Gegend spaziert bin, um über das Ordens- und Priester-Dasein zu reden. Das war insofern würdig und recht und vor allem hilfreich, als daß dieser Mann aufgrund der Art und Weise wie er über eben sein Ordens- und Priester-Dasein redete, es so präsentierte, als sei es nicht nur für ihn, sondern für jeden gesunden und beherzten Mann das normalste, lohnendste und am wenigsten furchterregende Ding der Welt. Er wirkte dabei kein bißchen unauthentisch oder aufgesetzt. Das fand ich nicht nur schön, sondern auch ermutigend.

Im Eichsfeld ißt man ganz gerne Mettfleisch, welches gar fies gewürzt ist. Das hat mir geschmeckt, vor allem mit einem Humpen Köstritzer Schwarzbier dazu.

In der DDR gab's ja nicht wenig kolchosige Monokultur. Da kann man heute noch Felder sehen, wo vom einem Horizont zum anderen nur eine Getreidesorte draufsteht. Einerseits öde, andererseite aber auch irgendwie imposant.

Der Aufbau Ost scheint übrigens doch stattgefunden zu haben. Vielleicht ist nicht überall gleich viel getan worden, aber ich habe in Heiligenstadt und auch in Orten wie Duderstadt mal "Voher - Nachher"-Bilder gesehen und kann nur sagen: Boah! In zwanzig Jahren von schmuddeligem, tristem Graubraun zu gepflegter, munterer Buntigkeit. Da kann man nicht meckern.

Contra

Bei den Exerzitien hatte ich einen Fernseher auf meinem Zimmer. Daß heißt, daß ich zum ersten mal seit 12 Monaten wieder mal ein wenig ziellos durch 24 Programme zappen konnte. Muß man wirklich nicht haben. Ich vermisse die Glotze hier im Stift eh nicht und wenn ich dann mal im Urlaub irgendwo eine sehe und mich verführen lasse, dann packt mich meist sehr schnell das Grauen.

Neun Live? Ist das eigentlich legal, was die da machen?
    "Welches Streichholz muß verlegt werden, damit die Gleichung stimmt? - Treffen sie im richtigen Moment eine von 20 freigeschalteten Leitungen!"
Die Lösung war nicht unbedingt offensichtlich, aber nach ein wenig Grübeln kam man dann doch schnell drauf. Jedoch: Entweder traf niemand eine freigeschaltete Leitung oder die Leute waren nicht in der Lage die Aufgabe zu lösen. Irgendwo lief eine Uhr von 5 Minuten runter auf Null und ein silikonblondes Talentvakuum japste ständig "Jetzt!" oder "Achtung!" oder "Uuuuuund..." ohne, daß auch nur das geringste geschah. Ich meine, es platzte nicht mal 'ne Naht oder so. Naja, ich also rüber zu den Tagesthemen und circa eine halbe Stunde später wieder zu Neun Live: "Jetzt! - Achtung! - Uuuuund...!"

Hä? Dreißig Minuten später und immer noch keine Lösung? Schlimmer: Immer noch kein Anruf, wie ich dem taurinschwangeren Gekeuche der Quizzo-Domina entnehmen konnte. Hmmm, währscheinlich hat man vergessen den Zuschauern zu sagen, daß es neben den 20 freigeschalteten Leitungen noch 80 blockierte gibt... Komisch nur, daß, wenn es beim Rätsel nix zu holen gibt, weil die Lösungen so außerirdisch unerratbar sind (Wort mit "Schnee..." am Anfang: "Schneekugelfabrikantenvilla"), alle drei Sekunden ein Anruf durchkommt, während bei einer Streichholzaufgabe, für deren Lösung man immerhin 2600 € abgreifen kann, plötzlich niemand die Leitungen trifft. Am schönsten fand ich die kleine, hin und wieder eingeblendete Empfehlung:
    "Achten sie auf ihr Telefonverhalten!"
Pißnelken. Ziehen alten Omis und jungen Naivlingen die Kohle aus der Tasche und machen dann einen auf besorgt. Bäh!

Die Talk- und Gerichts-Shows haben sich ja in den letzten vier Jahren auch ECHT weiterentwickelt. Da teaste Britt dann am Ende einer Show für die nächste: "Flatrate! - Feiern und shoppen bis der Arzt kommt" Soweit nichts Neues, sollte man meinen. Jedoch verriet mir der Gesichtsausdruck der Moderatorin, daß sie entweder schon lange erfolglos ihre Seele sucht, oder daß sie, bevor sie morgens aus dem Haus geht, erst mal von drei bis sechs Selbstmorversuchen abgehalten werden muß. Allmächtiger, war das erschreckend... Dieser eine Moment ließ in mir den Verdacht aufkommen, daß die ganze Talkshow-Industrie mittlerweile überhaupt keine Illusionen mehr hat und nur noch verängstigt ein Monster am Leben erhält, von dem sie befürchtet verschlungen zu werden, wenn ihm nicht regelmäßig geopfert wird. Der Name des Monsters ist natürlich "Bedeutungslosigkeit" oder "Un-Prominenz" oder "Fünf Euro in der Tasche eines Deppen, nach denen wir noch nicht die Krallen ausgestreckt haben".


Schick war die preiswerte und subtile Olympia-Eröffnungfete mit anschließender Feuerwerksfortsetzung auf dem Kaukasus. Ich bin der Letzte, der ständig öffentlich von Hunger und Elend und Krieg heult. Nicht, weil mein realitätsgeschultes Herz mittlerweile schon ach so kalt ist, sondern, weil ich das lieber privat mache. Aber jetzt muß ich doch mal sagen, daß jeder, der in der heutigen Zeit noch aus religiösen, wirtschaftlichen, territorialen oder was-auch-immrigen Gründen einen Krieg beginnt und jeder, der in diesem Krieg auf Seiten des Beginners kämpft, sich so nachhaltig als Oberaffenarsch erster Klasse outet, daß man eigentlich eine internationale Kommission einsetzen sollte, die dazu in der Lage ist, jedem von uns Tierchen mal eben das Prädikat "vernunftbegabt" abzuerkennen. Und ich will jetzt nix hören von wegen "der jahrhundertealte Konflikt zwischen Südossetien und Georgien ist so komplex, daß man gar nicht mehr weiß, wer begonnen hat" oder so. Wer schießt, ohne beschossen worden zu sein; wer "Krieg" ruft, ohne "Krieg" gehört zu haben; wer marschiert, ohne eingeladen worden zu sein, der hat angefangen. Die Oberaffenarschigkeit nimmt übrigens bei stolzbrüstigen Staatschefs, die in Ost oder West auf ihren Nuklearwaffen herumglucken oder bei Terroristen, die jetzt schon wieder den nächsten Anschlag mit 400 toten Zivilisten planen nich ab. Im Gegenteil. Ihr seid alle nicht ganz dicht und ihr werdet es spätestens merken, wenn es zu spät ist. Sorry!

Saturday, July 26, 2008

Obama Obama Obama

Ich werd' noch gaga. Überall und immer Obama. Der Bildtitel mit den obama-morphen deutschen Politikerfressen? Kotz. Selbst in Österreich natürlich kein Entkommen. Retter der Welt, Auserwählter, Herr der Zeit. Schlimm. Der führt sich auf, als sei er schon Präsident. Würde mich nicht wundern, wenn ihn das daheim ein paar Stimmchen kostet.

Naja, da ich meinen Messias ja schon habe, kommentiere ich erstens nicht lange herum und schere mich zweitens nicht um die Frage, ob es Zufall ist oder nicht, daß die Veröffentlichung von Robert Hugh Benson's "Lord of the World" sich heuer zum einhundertsten Mal jährt.

Tuesday, July 15, 2008

Laßt den Kleinen doch ihren Spaß...

Der Papst kommt nach Australien und natürlich formiert sich gleich der Widerstand. Progressive Jungvolkgruppen - unter denen sich wahrscheinich auch nicht wenige finden werden, die sich "katholisch" nennen - wollen gegen die Einstellung der Kirche zur Homosexualität und zur Geburtenkontrolle demonstrieren. Ein Gericht in Sydney hat nun ein Gesetzt zurückgezogen, welches das "Verärgern" von Pilgern durch Protest unter Strafe stellte. Da freuen sich nicht nur die Aktivitsten (die Kondome verteilen und - schauder - provokative T-Shirts tragen werden) sondern da frohlockt auch der Herr Alipius. Denn ich habe mal gehört, daß es für die Entwicklung von Kindern nicht gut ist, wenn man sie in ihrem Spieltrieb hemmt und immer dazwischenfunkt. Man kann ja später, wenn sie heulend ankommen und sich wundern, daß nichts funktioniert, immer noch zeigen, wie es richtig gemacht wird.

Thursday, July 10, 2008

"Und ihr hattet nur das Schlimmste befürchtet... !"

Noch mehr Bilder

Ich war mal wieder mit der Kamera unterwegs und zeige Euch heute ein paar Bilder von den etwas versteckten Ecken des Stifts.


Das hier ist die Einfahrt zum Leopoldihof. Sie liegt gleich neben der nördlichen Stiftspforte. Man kann und darf da zwar als Besucher hin, aber es trauen sich nicht allzu viele Touris hindurch.


Auf dem Leopoldihof selbst sieht man gleich links die ehemalige Markgrafenresidenz, in der heute das Stiftsarchiv seinen Sitz hat.


In der Mitte des Hofes findet man diesen schönen schlichten Brunnen mit einer Staute des Heiligen Leopold.


Ihr seht in der Mitte dieses Gebäudeflügels ein paar Steine rechts und links des gotischen Fensters. Diese zeigen die Breite des ehemaligen, mittelalterlichen Prälatenturmes an. In der Tat war dieser Teil des Gebäudes früher ein Turm, in dem der Propst wohnte. Der Turm wurde dann beim Ausbau des Stiftes einfach integriert.


Durch eine weitere Durchfahrt verlässt man den Leopoldihof...


... geht für wenige Meter wieder im Freien am Gebäude vorbei...


... und gelangt durch eine dritte Durchfahrt in den sogenannten "Apothekergarten". Der ist nur so mittelschmuck, weil er erstens nicht zur "Schauseite" hin liegt, und weil er zweitens als Parkplatz für Chorherren-Boliden dient.


Das war's auch schon.

Dann sollen sie eben Bilder gucken!

In der Nähe des Stephansdoms gibt es einen Nachtclub. Da verkehrt offensichtlich viel Prominenz. Denn in den Schaukästen, die sich über die gesamte Breitseite der Fassade erstrecken, hängen unzählige Fotos, die allesamt während des Club-Betriebs geschossen wurden. Da sieht man dann haufenweise Stars und Sternlein und Sternleinchen und selbstverständlich noch viel mehr dieser glücklich, ja erlöst strahlenden Jubelalraunen, die - wie einem Naturgesetz folgend - ständig um die Promis herumschwirren.

Daß dieser Club ziemlich exklusiv ist, sieht man schon von außen. Da kommen Norbert Normal, Stefanie Standard und Mike Middleoftheroad nicht so ohne weiteres hinein. Was also wollen die hübschen Fotos dem Betrachter sagen? So etwas wie "Mit diesen tollen Typen und heißen Schnittchen könntet ihr Schampus schlürfen, wenn euch denn jemals das Glück zuteil werden sollte, vom Türsteher nicht mit einem trockenen 'Sorry, sind schon zu viele Kerle drin. Kommen nur noch Frauen rein' oder 'Ey, das geht wirklich nicht. Deine Frisur ist ja so was von vor 15 Minuten' returniert werdet"? Oder, kürzer formuliert: "Ihr dürft zwar nicht rein, dafür zeigen wir Euch aber gerne, wie schick es bei uns zugeht"?

Ehrlich, ich habe grundsätzlich nichts gegen einen gewissen Grad der Abgrenzung (wenn er zum Beispiel der Identitätserhaltung dient) oder gegen ein bißchen Elite (wenn dafür auch etwas geboten wird) oder gegen ein paar Privilegien (wenn sie mit einem korrekten Pflichtbewußtsein einhergehen). Aber wenn ich so etwas sehe, schießt mir eigentlich immer nur ein Satz durch den Kopf: "Dafür musste Ludwig der Sechzehnte sterben?"

Uh-oh!

Der Heilige Johannes von Oosterwijk

Jan Lenarts ist einer unserer augustinischen Nischen-Heiligen, die im Grunde kaum einer kennt (noch nicht einmal mein schicker online-Heiligenkalender).

Bei uns im Hause wurde er aber gestern, an seinem Festtage, gebührend geehrt. Er wurde in Oosterwijk in Brabant geboren. Er trat den Augustiner-Chorherren von Ruggen bei, einem Stift der Windesheimer Kongregation. Von dort wurde er später als Spiritual zu den Chorfrauen von Gorkum geschickt. Als die Calvinisten in den Niederlanden an Stärke gewannen, nahm damit auch der gegen die Katholische Religion gerichtete Haß ordentlich zu. Jan - bereits hoch betagt - wurde von dem Wunsch gepackt, als Märtyrer für die Wahrheit zu sterben. In den Gebieten des "neuen Glaubens" gab es in dieser Zeit für diesen Willen tausende von Wegen. Johannes mußte das Martyrium nich teinmal suchen; es kam zu ihm: Das Stift Ruggen wurde von Calvinisten geplündert und verwüstet. Johannes und 18 Gefährten wurden gefangengenommen, eingesperrt, verhöhnt und gefoltert. Trotz Folter war ihnen allerdings keine Absage an ihren Glauben zu entlocken, weder in Fragen der Eucharistie, noch in Fragen des Päpstlichen Primats. So wurden am 9. Juli 1572 alle Männer in einer noch stehengebliebenen Scheune des mittlerweile zerstörten Stiftes aufgeknüpft.

Ich bete für mich und für alle meine Mitbrüder zum HEiligen Johannes, daß auch uns Stärke im Glauben geben wird und daß wir auch in Gefahr und bei messerscharfem Gegenwind Christus als den Herrn und die Kirche als seinen mystischen Leib bekennen.

Deutungsroboter und Meinungsautomaten

Fall 1:
Die Lega Nord will allen Roma in Italien Fingerabdrücke abnehmen und sie katalogisieren. Eine Maßnahme, die nicht nur von der Opposition und den Kirchen, sondern auch von mir als rassistischer Auswuchs betrachtet wird. Dennoch kann ich die in der Ausgabe der Presse vom 5. Juli vertretene Meinung nicht vollkommen unterstützen, daß den Roma in Italien große Vorurteile entgegengebracht werden. Ich lebe seit drei Jahren in Rom, und was ich dort praktisch täglich an Schmierenkomödie, Abzocke, Taschendiebstahl und Kindesmissbrauch nicht nur zu hören, sondern vor allem zu sehen bekomme, rechtfertigt die Einstufung der Roma als Urteil, nicht als Vorurteil. Laut Presse-Bericht kam es im Mai dieses Jahres in und um Neapel zu pogromartigen Ausschreitungen gegen Roma-Siedlungen. Das ist richtig. Es wird aber - sowohl im Bericht, als auch im Kommentar - verschwiegen, warum es zu diesen Ausschreitungen kam: Eine Roma-Jugendliche war bei einer neapolitanischen Familie eingestiegen und wurde von der Mutter überrascht, als sie im Kinderzimmer die einjährige Tochter der Familie auf dem Arm hatte.
Aber: Wenn, wie in einer Umfrage ermittelt, 80 Prozent der Italiener sich für den Fingerabdruck-Gesetzesentwurf aussprechen, irrt hier die Masse ("Das uninformierte Volk ist doch nur aufgestachelt worden").

Fall 2:
Nicht minder detailscheu zeigte sich die Presse zwei Tage zuvor, als sie einen kleinen Bericht über den "Verein zur Wiedergewinnung des historischen Gedächtnisses" in Spanien schrieb. Dieser Verein macht Massengräber der Franco-Zeit ausfindig, exhumiert Überreste und identifiziert Opfer. Die Mitglieder operieren ehrenamtlich und auf der Basis von Spenden, haben aber immerhin dem linken Premier Zapatero und dem Parlament 2003 das "Gesetz des historischen Gedächtnisses" abgerungen. Der Presse-Artikel ist durch zwei Überschriften im Text unterteilt, von denen eine selbstverständlich zu lauten hat: "Priester auf seiten der Henker". Das ist bei korrekter Lesart richtig. Was die Presse daraus macht, ist allerdings grober Unfug:
    "Die katholischen Priester standen im Bürgerkrieg großteils auf der Seite Francos. Hunderte fielen deshalb republikanischen Soldaten zum Opfer."
Die erste Satz stimmt. Der zweite Satz enthält allerdings zwei dicke Patzer: Nicht hunderte sondern Tausende katholischer Priester, Mönche und Nonnen fielen nicht ausschließlich republikanischen Soldaten, sondern oft tollwütigen kommunistischen Horden zum Opfer. Ich glaube nicht, daß republikanische Soldaten zum Beispiel einem Bischof das Geschlechtsteil abgeschnitten und den Mann dann an einen Wagen gebunden durch die Ortschaft geschleift hätten, bis er leergeblutet war. Auch ist die Schlussfolgerung umzukehren: Weil die Katholische Kirche in Spanien nicht erst seit 1936, sondern spätestens seit 1910 in Spanien immer wieder (teils blutigen) Verfolgungen ausgesetzt war, kam ihr Franco als Kreuzzügler und Retter grade Recht. Daß die Kirche in Spanien zum großen Teil immer auf Seiten der Mächtigen stand ist richtig, und natürlich war Anfang des 20. Jahrhunderts in Spanien die Zeit reif für die ein oder andere Reform. Wer aber die Kirche mit Messern und Pistolen reformieren will, muß sich nicht wundern, wenn die Priester die Beschützer in Anspruch nehmen, die die Kirche mit Messern und Pistolen verteidigen. Ergo: Die Überschrift in der Presse hätte ebenso gut lauten können: "Priester als Opfer der Republik".
Aber: Wenn in so kurzer Zeit so viele Priester, Nonnen, Mönche und auch katholische Laien von wildgewordenen "Republikanern" abgemurkst werden, hat hier die Masse natürlich irgendwie Recht ("Die Pfaffen werden schon irgendwas gemacht haben, wenn es soweit kam").


Ich verlange ja gar nicht, daß irgendein Journalist mal die Neugier und Rufschädigungssehnsucht aufbringt, die Schlussfolgerung von Fall 2 auf Fall 1 anzuwenden. Nett wäre es aber, wenn ein Schreiberling mal die Cojones hätte, Fall 2 mit der Schlußfolgerung von Fall 1 zu erklären.

"Wir sind wieder da-ha!"

Aus der Presse vom Montag:
    MADRID... Die regierenden Sozialisten haben bei ihrem Parteitag am Wochenende beschlossen, daß alle religiösen Symbole von öffentlichen Gebäuden entfernt werden sollen. Die PSOE will mit der katholischen Tradition des Landes brechen und Kreuze aus Ämtern und vielleicht sogar aus Schulen entfernen.

    Die stellvertretende Parteichefin der spanischen Sozialisten, Maria Teresa Fernández de la Vega (auf dem Bild neben Parteichef Zapatero), kündigte zudem eine Reform der Abtreibungsbestimmungen an, die sich an den Erfahrungen mit den modernsten Gesetzen in Europa orientieren solle. In Spanien sind bisher Abtreibungen nur nach Vergewaltigungen, bei einer Behinderung des Kindes sowie bei einer Gefahr für das Leben der Mutter erlaubt.
Es ist einerseits bedauerlich und an Hirntod grenzend, andererseits aber auch klar, daß ausgerechnet die Sozialisten diese Beschlüsse gefaßt haben. Das steht bei denen ja sozusagen im ideologischen Handbuch. Mich würde aber die Begründung interessieren. Wenn auch die Sozialisten in Spanien regieren, so sind sie sicherlich nicht an die Macht gelangt, weil eine Mehrheit der Spanier eine Notamputation ihrer Wurzeln wünscht. Die Spanier sind überwiegend religiös, wenn man es auch nicht unbedingt am Kirchenbesuch messen kann. Warum also will man in einem Akt der Minderheiten-Despotie religiöse Symbole (die in Spanien natürlich christlich bzw. katholisch sind) aus öffentlichen Gebäuden entfernen?

Man will die Gefühle von Nichtchristen oder Atheisten nicht verletzten? Blödsinn. Wenn Kruzifixe aus öffentlichen Gebäuden entfernt werden, verletzt man damit schließlich auch Gefühle. Und wenn ein Gesetz eingeführt wird, welches zu erleichterten Abtreibungen führt, verletzt man damit nicht nur die Gefühle von Christen, sondern auch die von z.B. Moslems (mal ganz davon abgesehen, daß man ungeborenes Leben auslöscht und die an diesem Prozeß Beteiligten sich somit einer gehörigen Portion ihrer eigenen Würde als Menschen berauben).

Religion ist Privatsache? Unfug. Das ist doch nur ein massentauglicher Euphemismus, entweder für das sozialistische "Weg mit der Religion oder wenigstens der Kirche" oder das sich an den Erfahrungen mit den modernsten Gesetzen Europas orientierende "Wir wollen aber nicht durch die Präsenz christlicher Symbole ständig daran erinnert werden, wie tief wir schon gesunken sind".

Nein. Das Ganze ist bestenfalls plumpes und tollpatschiges Nasedrehen und Triumphieren gegen die Kirche und das Christentum in Spanien. Schlimmstenfalls sind es hohle Rachegelüste der zu spät Geborenen, die auf Jahrzehnte sowohl der Sozialisten-Verfolgung während der Franco-Diktatur als auch des Katholizismus als Staatesreligion zurückschauen müssen. Realistisch betrachtet ist es wahrscheinlich das Verlangen, ganz Spanien im Eilverfahren so wurzel- und identitätslos wie möglich zu machen, damit keine Tradition, keine Kultur und weder natürliche noch göttliche Wahrheit im Wege stehen, wenn auch in diesem Land der Versuch gestartet wird, den "neuen Menschen" als von seinem Schöpfer und seiner Natur losgelöstes Wesen zu kreieren.


Ende Mai hatte die PSOE noch einen Gesetzesvorschlag zurückgewiesen, der die Benutzung religiöser Symbole bei Vereidungszeremonien abschaffen wollte. Grund: "Maßnahmen gegen die kulturelle Präsenz der Katholischen Kirche in Spanien sollen unüberhastet und mit langsamen Schritten durchgeführt werden."

"Maßnahmen gegen die kulturelle Präsenz der Katholischen Kirche in Spanien...": Mir läuft's jetzt schon kalt den Rücken runter, wenn ich an 1931 denke.

Maul ohne Hirn, Revolte ohne Ziel

Sabina Guzzanti (Bild) ist eine italienische "Komikerin". Am Dienstagabend nahm sie an einer Demonstration auf der Piazza Navona teil. Es sollte eine Demonstration gegen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi werden. Am nächsten Tag war aber nur noch von einer Opposition die Rede, die sich zwischen Angriffen auf die Demokratie, den Präsidenten und den Papst zerstritten hat. Saubere Arbeit, Mädels!

Einen Ehrenplatz in den Schlagzeilen verdiente sich Guzzanti mit folgendem Juwel:
    "Ratzinger ist in zwanzig Jahren tot und wird in der Hölle enden, gefoltert von Schwulen."
Zweitrangig ist hier die Frage, ob Guzzanti ihr Wissen über die Katholische Kirche und Religion ausschließlich oder nur zum großen Teil aus Dan Brown-Verfilmungen, aus drittklassigen "historischen" Romanen, aus antiklerikalen Internetseiten und von der Rückseite von Cornflakes-Packungen bezieht. Interessanter ist die Vorstellung von Schwulen, die jetzt gerne würden, aber nicht dürfen. Denn immerhin hat ja eine Papstkritikerin sie auf "satirische" Weise in die Hölle befördert und das ist dann schon okay. Da muß man rosaseits nun halt warten, bis wieder ein Vertreter der echten dunklen Macht das Wort ergreift und zart auf einen Widerspruch zwischen gelebter Homosexualität und göttlicher bzw. natürlicher Ordnung hinweist, bis man erneut aufgrund bitterster Verfolgung und Unterdrückung in Nonnenkostüme schlüpfen und zum Kirchenbrand aufrufen kann. Ist aber auch manchmal ungerecht, die Welt...

P.S.: Guzzantis offizielle Interntseite ist seit anderthalb Tagen offline...

Tuesday, July 01, 2008

Sommer!

Hallöchen!

Endlich daheim! Seit dem 20. Juni bin ich wieder in vertrauter und geliebter Umgebung. Im Stift ist alles im grünen Bereich. Die Mitbrüder sind gesund und munter. Das Wetter schwankt zwischen flirrender Hitze und spontanen, krawalligen Wolkenbrüchen. Mit Mücken hat keiner meiner Mitbrüder Probleme, denn die sind alle in meinem Zimmer, vor allem nachts.

Hier ein paaar Bilder aus dem Stiftsgarten, der in diesen Tagen ganz besonders schön ist:
















Zum Schluß gibt's ein paar Blümchen fur Euch. Bitte sehr!

Alles Liebe und bis später,
Alipius

Olé! - Ohje!

Olé!
Spanien ist Europameister. Dazu meinen ganz ehrlichen und ungeheuchelten Glückwunsch. Nachdem meine Favoriten bereits früh (Holland) und viel zu früh (Tschechien) ausgeschieden waren, galt meine heimliche Sympathie den Ibero-Kickern (weil sie einen gepflegten Ball schieben und weil ihr Trainer so obercool ist). Ich fand Deutschland auch nur begrenzt meisterhaft. Die einzigen wirklich höherklassigen Partien waren die gegen Portugal und gegen die Türkei. Letztere nicht wegen des Gesamteindrucks sondern wegen der Art, wie man rotzfrech vier Minuten nach der türkischen Führung ausglich und in der Schlußminute durch eine Superkombination den Sieg klarmachte. Auch das muß man erstmal hinkriegen. Das Spiel gegen die Spanier war aber leider zu grottig. Pech, vielleicht klappt's beim nächsten Mal.

Ich habe während dieser Meisterschaft die Spiele ja in Italien und in Österreich gesehen. Das ersparte mir einerseits die weinerlichen deutschen "Asche auf unser Haupt, wir sind so schlecht, Rumpelkick, Weltuntergang, Strick her"-Kommentare bei ZDF und ARD. Andererseits gestattete es einen Einblick in die Bewertung deutschsohliger Partien in anderen Ländern. Die italienischen Kommentatoren waren immer ganz aus dem Häuschen, wenn Deutschland halbwegs anständig spielte. Sie sparten nicht mit Lob und Begeisterung. Nach dem Portugal-Kick wurde Deutschland dann sogar kurzfristig als Favorit #1 gehandelt.

Die Österreicher andererseits... Naja, es ist ja bekannt, daß unter anderem auch im Sport der Blick beider Nationen auf den jeweils Anderen nicht durch überflüssige Harmoniesucht oder Liebesbezeugungen verkleistert wird. Dementsprechend die unverhohlene Freude über das deutsche Beinahe-Aus gegen die Türken und der zungenschnalzende Genuß der fiesen sportlichen Demontage durch die Spanier. Für das österreichische EM-Studio hatten sie irgendwo den Hansi Müller gefunden und vor die Kamera gezerrt. Der Arme hat dann ganz brav versucht, die deutsche Leistung gegen das türkische Team wenigstens ein kleines bißchen aus dem Tümpel zu ziehen, in welchen die beiden österreichischen Studio-Kommentatoren sie drückten. Keine Chance. Als beim Finale das 1:0 für Spanien fiel, wurde in Kloburg und Umgebung gejubelt, als sei bei einem Spiel der österreichischen Mannschaft ein Paß beim Mitspieler angekommen. Naja, Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude.


Ohje!
Immerhin scheint es so, als seien die Österreicher den Spaniern nun auch über den Rasen hinaus zu Dank und Unterstützung verpflichtet: In der heutigen Ausgabe der "Presse" berichtet ein Artikel über die "rote Kirche" in Entrevías, einem Vorort von Madrid. Die Kirche San Carlos Borromeo wird im Volksmund "rot" genannt, weil Pfarrer Javier Baeza ("Javi") Junkies, Häftlinge und illegale Einwanderer betreut, in Jeans zelebriert und statt Hostien Brezeln und Krapfen verteilt. Sprich: Er nimmt eine hervorragende Idee und gibt ihr eine scheußliche Form. Das blieb natürlich auch Antonio María Rouco Varela nicht verborgen. Denn der ist Erzbischof von Madrid und somit Baezas Boss. Es kam also bald zum üblichen Szenario:
    Erzbischof an Pfarre: Talar an, Brezeln weg!
    Antwort der Pfarre: Gar nicht ignorieren.
    Reaktion des Erzbischofs: Licht aus, Kirche zu!
    Reaktion der Spanier: Protest!
Jetzt ist man bei der Presse natürlich nicht so naiv und erklärt den Sachverhalt einfach so, wie er sich kirchenrechtlich präsentiert (Randgruppenbetreuung gut. Kein Talar und keine Hostien ungut). Dann wäre der Artikel erstens bedeutend kürzer, zweitens bedeutend tränentrockener und drittens bedeutend unvoreingenommener. Da es aber gilt, eine durch Publikationen wie "profil" stramm auf das Konsumieren und Abnicken antikirchlicher Beiträge getrimmte Leserschaft dort zu packen, wo es weh tut (also auf Gefühlsebene) wird der Bericht mit ein paar kleinen aber feinen Tricks zu einem tendenziösen Schlachtengemälde des tapferen kleinen iberischen Dorfes mit seinem Helden Baezaix gegen das römische Imperium unter Kaiser Roucus Varelius aufgepeppt.

Schon optisch werden gleich mal klare Fronten geschaffen: Ein großes Bild präsentiert den Pfarrer. Ein sympathisches Pummelchen mit kariertem Hemd vor einer Wand mit Kindergemälden. Erzbischof Rouco Varela ist spaltenbreit abgebildet mit Kasel und Pallium (schauder: Uniform) und gefalteten Händen (grusel: Frömmigkeit). Über dem Foto liest man den Schriftzug: "Der Widersacher". Widersacher? Hä? Da besteht bei einem Pfarrer offenbar Lernbedarf bezüglich der kirchenrechtlich festgelegten Form der Liturgie. Und der Bischof, der diesen Pfarrer aufklärt und - nachdem keine Besserung zu erkennen ist - abstraft, ist der Widersacher? Na servus.

Der Artikel entlarvt sich und Pfarrer Baeza, wenn von den Gründen für die Talarlosigkeit und die breite Unterstützung in der Bevölkerung die Rede ist:
    "Eines Tages sagte ihm [Baeza] eines seiner Problemkinder: 'Ihr mit euren Meßgewändern gehört doch zu den Mächtigen, so wie der Polizist in der Uniform und der Richter im Talar'. Da zog sich Javi die Soutane aus und nie wieder an."

    "... Von da an wurde San Carlos zum Theme in den Hauptabendnachrichten. Tausende strömten jeden Sonntag zur Messe, weit mehr, als in dem Kirchlein Platz finden. Gläubige und Atheisten, linke und rechte Politiker..."
Ein paar Zeilen weiter wird dann ein Ex-Häftling zitiert:
    "Er [Baeza] hat mich fundamentale Werte des Lebens gelehrt, die mir mein Sozialarbeiter nie hätte vermitteln können."
Hier hakt die Geschichte: Wenn Baeza tatsächlich fundamentale Werte vermitteln kann und will, dann gehört er flugs wieder hinein in die Soutane. Denn (scharfe Analysen gesellschaftskritischer Problemkinder hin oder her) nur so kann er einen weiteren fundamentalen Wert glaubhaft vermitteln. Nämlich den, daß bei allen guten Taten es immer auch darauf ankommt, sich nicht eitel und medienwirksam der Welt anzugleichen, sondern gleichzeitig ganz und somit auch äußerlich ein Zeugnis für Christus abzulegen. Und wie kann man das in unserem säkularisierten und entklerikalisierten Europa besser tun, als in der Soutane? Wenn dann zu den sonntäglichen Happenings auch Atheisten aufkreuzen, gerät die Geschichte vollkommen aus den Fugen. Denn dann wird klar, daß es (bei allem guten Willen und all der guten Arbeit von Pfarrer Baeza) zumindest in der Öffentlichkeit um so ziemlich alles geht, nur nicht um die Einheit in Christus.

Die Pfarre ist übrigens vom Kardinal wieder geöffnet worden. Er hat sich dem öffentlichen Druck gebeugt und Baeza zum "Kaplan der Randständigen" ernannt. Schaun wir mal, ob Javi auch so flexibel ist und vielleicht als Zeichen der Versöhnung mal wieder in die Berufskleidung schlüpft und Hostien konsekriert.

Reliquien-Diebstahl in Essen

Gefunden auf Der Westen:
    Essen. Dreiste Diebe haben aus dem Altar des Essener Doms ein mit Gold und Edelsteinen besetztes Reliquienkästchen mit Knochenstücken der drei Bistums-Patrone gestohlen. Das Bistum reagierte empört.

    Das Reliquienkästchen hat einen hohen ideellen Wert», sagte Sprecher Ulrich Lota am Montag. Es sei auch noch ausgerechnet im Jubiläumsjahr zum 50. Geburtstags des Bistum gestohlen worden. Die Polizei hat noch keine Spur.

    Das Reliquienkästchens, das aus dem Essener Dom gestohlen wurde. Die Polizei hat noch keine Spur. (Foto: dpa) (dpa)
    Das Reliquienkästchens, das aus dem Essener Dom gestohlen wurde. Die Polizei hat noch keine Spur. (Foto: dpa)
    Die Diebe müssen am Sonntag zwischen dem Ende der Abendmesse um 20 Uhr und der Abschließzeit des Doms zugeschlagen haben. Um 20.45 Uhr zum Beginn des EM-Endspiels habe der Domsakristan abgeschlossen, sagte Lota. Wie auch die Polizei nach ersten Ermittlungen festgestellt haben, müssen die Diebe ein aus Bronzeengeln bestehendes Gitter am Altar aufgebrochen und das Reliquienkästen aus einer Mulde genommen haben. Am Montagmorgen wurde der Diebstahl entdeckt.

    Den materiellen Wert schätzt das Bistum auf einen fünfstelligen Betrag. Der Deckel des 15 mal 15 Zentimeter großen Kästchens sei mit etwa 50 Edelsteinen wie Topas, Amethyst und Rauch sowie Bergkristallen besetzt. Die Seitenwände zeigen religiöse Abbildungen. Die Reliquien stammen von den frühmittelalterlichen Bischöfen und Patronen Maternus, Liborius und Liudger der drei Mutterbistümer Köln, Paderborn und Münster. (dpa)
Na super. Und da wundern sich manche Besucher der Stiftsbasilika, daß wir das schmiedeeiserne Gitter zwischen Vorraum und Langhaus schließen, wenn keine Führungen sind.

Wer zur Ergreifung der Diebe beiträgt, es mir mitteilt und belegt, für den bete ich einen Monat lang täglich den Rosenkranz.

Säcke!

Thursday, June 19, 2008

Geschafft!

Und zwar doppelt: Erstens habe ich heute das letzte Examen hinter mich gebracht und zweitens war das Spiel gegen Portugal nicht nur ansehnlich, sondern auch erfolgreich.

Morgen muß ich dann meine Bude schrubben (für die Gäste, die den Sommer über vielleicht hier wohnen werden), packen, überall "Ciao!" sagen und dann geht's ab nach Klosterneuburg. Ich freue mich natürlich schon riesig.

"Am römsten" wird während der nächsten drei Monate auf der üblichen Sommer-Sparflamme laufen. Das kennt Ihr ja schon. Schaut halt ab und an mal vorbei. Möglich, daß sich was tut. Ich werde versuchen, wenigstens nach Augustini ein paar photographische Eindrücke von der Profess zu posten.

Ansonsten wünsche ich Euch allen einen schönen, erholsamen Sommer.

Alles Liebe,
Alipius

Tuesday, June 17, 2008

Mammismo bizarr

Gefunden auf shortnews:
    Italien: Wohnung war dreckig - Mann entführt Ex-Freundin, damit sie putzt

    Im Hafen von Genua kam es zu einer Entführung einer Frau. Die Frau wurde von ihrem Ex-Freund aus einer Kneipe gezogen und mit dem Auto zu dem Haus ihres ehemaligen Freundes gefahren.

    Der 43-jährige Mann sprach gegenüber der Frau Drohungen aus, falls sie nicht das Geschirr abwäscht und die Wäsche bügelt.

    Die Polizei, die von Augenzeugen alarmiert wurde, konnte die Frau befreien und den Mann verhaften.
Tja, laut Statistik leben 8 von 10 Italienern im Alter von 18 bis 30 Jahren bei ihren Eltern. Und wenn sie dann mal ausziehen, scheint es ohne ordnende weibliche Hand wohl auch nicht zu funktionieren.

Monday, June 16, 2008

Papa

Die spanischen Domkapitel

Farbig geht's zu in Spaniens Kathedralen. Die Domherren dort tragen häufig Chortrachten, die schwer altertümlich anmuten und mir natürlich grade deswegen besonders gut gefallen. Variatio delectat.

Hier ein paar Beispiele:


Guadix-Baza


Leon


Segovia: Die schönste Farbe


Orihuela-Alicante: "We're gonna party like it's 1499!"


Pamplona: Mein persönlicher Favorit


Salamanca: Etwas zu schrilles Pink, aber dafür fluffiges Pelzwerk.

Countdown

Servus!

Hab heute das siebte von acht Examen bestanden. Puh! Donnerstang folgt noch Dreifaltigkeitslehre II, und am Freitag geht's dann ab nach Klosterneuburg, wo ich zumindest für die letzten Junitage erstmal GARNIX mache (außer natürlich brav meine Hauspflichten zu erfüllen, was aber weniger Arbeit als Freude ist, also geschenkt).

Joh, das erste Jahr Theologie ist also damit praktisch vorüber. Was haben wir in den letzten neun Monaten gelernt? Das Theologiestudium selbst ist weniger aufreibend als das Philosophiestudium. Dafür ist aber das Lernen für die Examen in Theologie komischerweise anstrengender. Während des Philosophiestudiums geschah es im Grunde fast einmal täglich, daß ich dasaß und mir plötzlich ein Gedanke aus irgendeinem der Kurse durch den Kopf schoß und mich ein wenig beschäftigte:
    Brentano: "Vielmehr scheint die innere Erfahrung unzweifelhaft zu zeigen, daß die Vorstellung des Tones mit der Vorstellung der Vorstellung des Tones in so eigentümlich inniger Weise verbunden ist, daß sie, indem sie besteht, zugleich innerlich zum Sein der anderen beiträgt."

    Alipius: "Ich will hier raus! Und zwar jetzt!"

    Brentano: "Dies deutet auf eine eigentümliche Verwebung des Objekts der inneren Vorstellung mit dieser selbst und auf die Zugehörigkeit beider zu ein und demselben psychischen Akte hin."

    Alipius: "Ach so. Sag das doch gleich!"
Sprich: Die Materie war irgendwie ständig präsent. Und es war alles so neu. Da war es einfach, den Kram zu nehmen und ihn gemäß der diversen Outlines der Professoren im Hirn zu ordnen, zu examinieren, zu verstehen und wieder auszuspucken. In der Theologie sieht es so aus, daß ich mit vielen Dingen schon hauchzart vertraut bin und daher Themen wie Liturgie, Exegese, Moral, Fundamentaltheologie oder auch Eschatologie sich nicht wie von selbst auf ein leeres Blatt in meinem Hirn schreiben, sondern irgendwie zwischen meinen eigenen Konzepten Platz finden und mit ihnen ein friedliches Nebeneinander arrangieren müssen. Sprich: Ich komme mir da beim Studium und speziell beim Pauken für die Examen manchmal ganz schön selbst in die Quere. Naja, bis jetzt ist alles gut verlaufen.

Ciao,
Alipius

Friday, June 13, 2008

Oranje-Power

Whoa! Momentchen mal!

3:0 gegen Italien! 4:1 gegen Frankreich!

Ich würde ja jetzt gerne Waldi- oder Heribert-mäßig sowas sagen wie "Der Weg zum EM-Sieg in diesem Turnier führt ganz klar über Holland!"

Aber es ist wohl eher so, daß Hollands EM-Sieg in diesem Turnier über die Trümmer der anderen Mannschaften führt. Wer soll diese Jungs denn bitteschön schlagen?

Aber (ganz ehrlich jetzt): Ich würde es ihnen gönnen und mich - glaube ich - sogar ein ganz klitzekleines bißchen mit ihnen freuen.

Denn sie haben es sich verdient! Warum? Darum:

Einem Land, das so etwas produziert, gebührt höchste Ehre, und sei es nur auf dem Rasen.

Thursday, June 12, 2008

Das ist einigermaßen verstörend

Klar, diese "Der Papst ist der Antichrist" oder "Rom ist die babylonische Hure"-Evangelisten haben in der Regel nicht alle Löffel in der Besteckschublade. Wer's nicht glaubt, war noch nie auf einer ihrer Webseiten. Für einen Katholiken (und jeden anderen Menschen, der sich ernsthaft als Christ bezeichnet) sind diese Haßschleudern ungefähr so interessant und relevant wie die Sedis.

Ich bin von diesen Freaks einiges gewöhnt, aber dieses Fundstück von der Seite "Remnant of God" hat mich dann doch überrascht:

Bildunterschrift: "Der junge Josef Ratzinger grüßt Adolf Hitler."

Gefunden habe ich dieses Bild nicht auf der Seite selbst, sondern auf einem englischsprachigen Atheisten-Blog, der natürlich unter anderem für sich beansprucht, mindestens doppelt so vernünftig zu sein wie jeder Anhänger welcher Religion auch immer, ohne dabei auch nur ansatzweise von Haß, Bigotterie oder Voreingenommenheit erfüllt zu sein.

Ein kurzer, scharfer Blick auf das Bild, Google-Suche: "Ratzinger Primiz Segen" und schon hatte ich, wonach ich suchte:

Die Gebrüder Ratzinger spenden während ihrer Primiz den Segen.

Dem "Remnant" mache ich keinen Vorwurf. Wer so kaputt ist, daß er in der Tat solchen Müll wie "Papst = Antichrist" glaubt, der schreckt natürlich auch vor (Selbst-)Betrug und Bildverfälschung nicht zurück, wenn es gilt, sich selbst das Gefühl zu geben, daß am eigenen "Glauben" vielleicht tatsächlich etwas dran sein könnte.

Ich wundere mich nur ein wenig über die rekordverdächtig vernunftbegabten Atheisten. Nicht mal ein kleines bißchen Recherche auf eigene Faust? Kein Hinterfragen des Motivs? Ich kann die Angst fast bis hierhin spüren: "Es könnte vielleicht nicht stimmen! Aber woher nehme ich dann meine moralische Überlegenheit, meinen so malerisch erhobenen Zeigefinger, meine hehre Entflammung?"

Ich hör schon die Zwischenrufe der entrüsteten Berufs-Atheisten: "Aber nicht alle Atheisten sind so!"

D'oh! Natürlich sind nicht alle Atheisten so. Ebenso wie nicht alle, die sich Christen nennen, gute Menschen sind. Ich habe das bereits erkannt. Habt Ihr denn Lust, auch mal irgendwann die Augen zu öffnen, den Elfenbeinturm zu verlassen und vielleicht nicht unbedingt mit den Anhängern verschiedener Religionen gemeinsam, aber wenigstens parallel zu ihnen und nicht gegen sie für eine gute Welt zu arbeiten? Ich hoffe doch.

Bis es soweit ist, gibt es einen kleinen Rat: Macht wenigstens Eure Hausaufgaben, bevor Ihr in den Ring steigt.

Und ich sach noch...

    "Naja, wenigstens spielt Deutschland diesmal nicht in einer K.O.-Begegnung gegen Kroatien, sonst wär da vielleicht schon Schluß."
Aber läßt das Team sich das eine Warnung sein? Nöö, die verzocken mal eben den Gruppensieg.

Super, die Weichen für "Cordoba II" sind also gestellt.

Monday, June 09, 2008

Nerv!

Gerd Lüdemann ist evangelischer Theologe. Gerd Lüdemann bezeichnet sich selbst nicht mehr als Christ, ist aber "aus beruflichen Gründen" ($ € klingel € $) immer noch Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche. Gerd Lüdemann stürmt in diesen Tagen durch diverse Weblogs. Denn Gerd Lüdemann weiß: " Das Grab des Gekreuzigten war nicht leer."

Schön.

Die Argumentation geht ungefähr so: Paulus schrieb 1 Kor circa 55. Das erste Evangelium (Markus, wie die Gelehrten mittlerweile bestimmt haben) stammt ungefähr aus dem Jahr 70. Paulus zitiert in 1 Kor 15:3-8 eine Bekenntnisformel:
    "Vor allem habe ich euch überliefert, was ich selbst empfangen habe. Christus ist der Schrift gemäß für unsere Sünden gestorben. Er wurde begraben und ist der Schrift gemäß am dritten Tage auferstanden. Er ist dem Kephas erschienen, dann den Zwölfen, hierauf fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch am Leben sind. Einige davon sind entschlafen. Sodann ist er Jakobus und darauf sämtlichen Aposteln erschienen. Zu allerletzt ist er auch mir erschienen, der ich doch gleichsam eine Mißgeburt war."
Das Erscheinen Jesu war aber nur eine Vision. Jetzt war für den ersten Evangelisten - 15 Jahre nach Verfassung des Korintherbriefes - guter Rat teuer, als es um die Frage ging, wie Christus denn den Leuten erscheinen konnte.
    "Ach, komm, was soll's. Ich schreib einfach, daß das Grab leer war!"
Ergo: Der Auferstehungsglaube wurzelt in einer Vision, nicht in der Entdeckung eines leeren Grabes und schon gar nicht in der Begegnung mit einem wieder zum Leben erstandenen Leichnam.

Ich gestehe, daß ich trotz begonnenem Studium natürlich immer noch ein theologischer Waisenknabe bin. Trotzdem grübele ich halt mal ein wenig herum.

Erstens paßt mir folgender Satz aus dem Lüdemann-Artikel überhaupt nicht:
    "Diese von Paulus zitierte Bekenntnisformel, die in die allererste Zeit der Urkirche hinabreicht, liefert eine wichtige Einsicht: Auslöser des Auferstehungsglaubens war eine Erscheinung, ein "Sichtbar-Werden" Jesu vor Kephas. Das heißt: Kephas hat Jesus in einer Vision gesehen. Eine Vision ist ein Vorgang im menschlichen Geist und Produkt der eigenen Vorstellungskraft, obwohl Visionäre es regelmäßig anders einschätzen. Sie empfangen von außen Bilder, die Vision wirkt auf sie mit der vollen Kraft einer objektiven Tatsache."
Bull! Wenn ein Flugzeug durch die Wolkendecke bricht, wird es vor meinen Augen sichtbar, und mein Verstand sagt "Hey! Guck mal! Flugzeug!". Wenn meine Vorstellungskraft als Produkt ein durch die Wolken brechendes Flugzeug liefert, wird mein Verstand ebenfalls sagen "Flugzeug!" Wieso sollte die Erscheinung Jesu als Auferstandener in die Kategorie "Produkt der Vorstellungskraft" und nicht in die Kategorie "Realität" gehören? Das ist doch nur die Meinung des Autors, die hier ohne weiteren argumentativen Unterbau serviert wird.

Plus: Nur weil nicht sofort alle Welt sich an die Griffel stürzte und das Evangelium von Leben, Leiden, Tod und Auferstehung Christi niederschrieb, muß das noch lange nicht heißen, daß die leibliche Auferstehung nicht stattgefunden hat. Vielleicht ging es den Aposteln und den ersten Christen zuerst einmal um das Verbreiten des Wortes. Mensch, die Jungs und Mädels mußten damals doch praktisch aus dem Häuschen gewesen sein. Da lief doch garantiert 99% der Geschichte auf "Haste schon gehört"-Basis. Angesichts der erwarteten unmittelbaren Parusie war es außerdem sicherlich zielführender, herumzureisen und anweisende und ermunternde Briefe zu schreiben, als Evangelien zu verfassen. Als dann mit Parusie irgendwie doch nichts gebacken war, mußten selbstverständlich die Ereignisse schriftlich festgehalten werden. Kurzer Check bei der mündlichen Tradition: "Wie war das mit der Auferstehung? Wieso konnte Christus den Leuten erscheinen? Ach, klar: Das Grab war leer."

Jetzt sitzt da ein knurriger Theologe herum und ist angefressen, weil nicht irgendjemand so nett war, die leibliche Aufertehung unseres Herrn zu einem gefälligst opportunen Zeitpunkt schriftlich festzuhalten. Doof.

Mußte das Grab leer sein, damit Paulus glaubwürdig erscheint oder erschien Christus dem Petrus, den Zwölfen, 500 Brüdern, Jakobus und Paulus, weil das Grab leer war? Mußte das Grab leer sein, weil man doch sooo sehr auf das Reich Gottes gehofft hatte und nach der Kreuzigung einfach nicht klein beigeben wollte, oder legte Thomas seine Hand in die Wunde, weil das Grab leer war?

"Weißt" du noch, oder glaubst Du schon?

Saturday, June 07, 2008

Halbzeit!

Tach!

So, vier von acht Examen sind erstmal überstanden (Eine 15-Seiten Arbeit für "Die großen Religionen der Welt", eine schriftliche Prüfung in Moraltheologie und zwei mündliche Prüfungen: Die Synoptiker und Eschatologie). Zwar steht noch keine Note fest, aber ich habe alle Arbeiten bestanden (sagt mir zumindest mein Gefühl).

Ergo steht der heutige Samstagnachmittag ganz im Zeichen der hochgelegten Füße und der halbgeschlossenen Augen. Einzig für die treue "am römsten"-Leserschaft mach ich jetzt mal fix ein wenig Energie locker.

Gestern habe ich einen kleinen Erholungsspaziergang durch Trastevere gemacht. Normalerweise habe ich bei solchen Touren immer meine Kamera dabei. Gestern hatte ich sie vergessen und - logo - ich sah eine der bisher abgefahrensten Sachen in Rom: Einen Kerl, der ein kleines Kaninchen an der Leine spazieren führte. Keine Ahnung, was der tiefere Sinn dahinter ist, aber dem hoppelnden Knäuel gefiel es offensichtlich. Es spurtete von Grünstelle zu Grünstelle und fraß sich durch das Grasmenü. Ein ziemlich großer und nicht angeleinter Hund (etwa Dobermann-Größe aber undefinierbar) kam vorbei und ich schnatterte schon in Erwartung des anstehenden Blutbades. Jedoch blickte der Hund nur mal kurz in Richtung Kaninchen und trottete dann weiter. Puh!

Ich ließ mich dann in der Kirche Santa Maria in Trastevere nieder, um in der Sakramentskapelle mal fix ein paar Extra-Gnaden für das nächste Examen einzufahren. Hallöchen, liebe Touris aus Deutschland! Da saß ein ganzes Rudel von Augsburgern herum und ließ sich von einem Tourleiter (der offensichtlich selbst zur Gruppe gehörte, denn er sprach Süddeutsch und redete die Leute mit "Ihr" an) das Bildprogramm der Kapelle erklären. Der gute Mann scheint nur eine "draußen"-Stimme zu besitzen, denn wenn er redete, vibrierten in meiner Hand die Rosenkranzperlen. Macht ja nix, daß etwas entlegene, mit einem Ewigen Licht ausgestattete Kapellen in der Regel für das stille Gebet gedacht sind. Ich lauschte dann ein wenig den Ausführungen des Nebelhorns und war ganz amüsiert, als er ein kleines bißchen Abneigung gegen den Herrn Luther durchblicken ließ. Hähä, da hab ich ihm das Brüllen gleich verziehen.


Sonst noch was? Nö.., ach, doch!

Ihr erinnert Euch vielleicht, daß ich vor längerer Zeit mal über einen anderen Alipius berichtete, nämlich über James Alipius Goold, den ersten Bischof von Melbourne. Damals fand ich irgendwie so gar kein Bildmaterial, welches ihn halbwegs unvernebelt zeigte. Jetzt habe ich neulich im Online-Archiv der "State Library of Victoria" doch tatsächlich zwei prima Photographien gefunden, die ich Euch jetzt mal präsentiere:



Sieht ein bißchen knurrig aus, der Herr Bischof. Dafür hat er aber einen granatenmäßigen Rauchmantel!


Oh, hey! Momentchen mal! In einer Stunde fängt ja die Euro 2008 an! Schweiz - Tschechische Republik, wenn ich mich recht entsinne.

Und morgen dann Deutschland - Polen. Hatten wir doch vor zwei Jahren auch schon. Naja, wenigstens spielt Deutschland diesmal nicht in einer K.O.-Begegnung gegen Kroatien, sonst wär da vielleicht schon Schluß. Am 16. dann die "Das machen wir aber nicht nochmal"-Partie gegen Österreich. Grnfzt. Ich bin ja jetzt Quasi-Österreicher und habe bei Turnieren auch immer ein Herz für die Underdogs. Aber am 16. setzt ich die Schwarz-Rot-Gold-Brille auf (und drück eine gepflegte Weizenkaltschale aus der Heimat weg, denn wir haben hier einen Laden entdeckt, wo's Weißbier gibt).

Okay, genug geschwatzt. Wir sehen uns nächste Woche wieder.

Alles Liebe,
Alipius

P.S.: Rekord! Das ist dar Beitrag mit den bisher meisten Labels auf "am römsten"!

Wednesday, June 04, 2008

Ein kleines Lebenszeichen

Damit Ihr nicht denkt, ich sei mittlerweile unter Bergen von Büchern begraben oder von entsetzten Professoren verhaftet worden, gibt's hier ein fixes "Hallo!".

Josef ist grade in Rom. Heute morgen sind er, Gabriel und ich zum Vatikan spaziert. Da habe ich gleich mal ein Photo gemacht:



Diesen witzigen Drachen-Brunnen auf der Via della Conciliazione mußte ich natürlich auch knipsen:



Naja, zurück an die Arbeit...

Monday, June 02, 2008

Und noch ein schönes Papst-Photo

Tag der Republik

Heute feierten die Italiener den "Tag der Republik". Da ich schwer zu büffeln hatte, ging ich nicht auf die Straße, um mich unter die Feiernden zu mischen. Ich schoß allerdings dieses Photo, kurz nachdem ich gewaltiges Düsenjäger-Brausen gehört hatte:

Hach, diese Italiener! Trotz Chaos, Dreck und "Nicht mein Job"-Attitüde sind mir ja doch irgendwie sympathisch.

Weiterschlafen!

Aus der heutigen Ausgabe des Telegraph (Übersetzung meine):
    Christliche Prediger sehen sich Verhaftung gegenüber.

    Ein Polizist befahl zwei Christlichen Predigern, das Aushändingen von Evangelien-Flugblättern in einer überwiegend von Moslems bewohnten Gegend von Birmingham einzustellen.

    Die Evangelisten sagten sie seien für das Verüben eines "Hate Crimes" mit Arrest bedroht worden. Ihnen wurde gesagt, sie riskierten außerdem, verprügelt zu werden, falls sie zurückkommen sollten. Der Vorfall wird die Befürchtungen verstärken, daß es in Englischen Städten "No-go"-Zonen für Christien gibt, wie der Bischof von Rochester vor kurzem im Telegraph befürchtete.
Dafür gab's von moslemischer Seite natürlich Todesdrohungen (nur um den Begriff "Hate Crimes" ein bißchen ins rechte Licht zu rücken).
    ...

    Die Prediger händigten im Februar Flugblätter in der Alum Rock Road aus, wo sie mit vier Asiatischen Jugendlichen ins Gespräch kamen. Der Polizist unterbrach das Gespräch und befragte die Evangelisten über ihren Glauben. Die Prediger sagten, daß der Officer Tiraden gegen Präsident Bush und die Kriege in Afghanistan und im Irak abfeuerte, als er herausfand, daß beide Männer Amerikaner sind.

    Mr Cunningham - einer der beiden seit vielen Jahren in England lebenden Prediger - sagte: "Ich erklärte ihm, daß dies nichts mit der Botschaft zu tun hat, die wir predigen, doch er wurde agressiv. Er sagte, wir seien in einer moslemischen Gegend und es sei uns nicht gestattet unsere Christliche Nachricht zu verbreiten. Er behauptete, wir würden ein "Hate Crime" begehen, indem wir den Jugendlichen sagen, sie sollen den Islam verlassen. Er sagte auch, daß er uns zur Polizeistation mitnehmen wolle."

    Die Prediger weigerten sich, dem Officer ihre Adressen zu geben, weil sie sein Verhalten als bedrohlich und einschüchternd empfanden. Sie sagen weiterhin, der Polizist habe sie gewarnt, nicht wiederzukommen: "Sie sind gewarnt worden. Wenn sie hierher zurückkommen und verprügelt werden..."

    Die West Midland Police weigerte sich, eine Entschuldigung auszusprechen. Sie sagen, der Vorfall sei untersucht worden und der Officer bekäme nun Training im Verstehen von "Hate Crimes" und Kommunikation.
Das Traurigste an der Geschichte ist, daß man in England offenbar die "No-Go-Zones" mittlerweile als Tatsache hinnimmt und ihnen gegenüber resigniert. Schön ins Bild paßt hier der Verbot von Gülsen Celebis Buch über Ehrenmorde in Deutschland (Offiziell wegen einer zu privaten Passage über eine Vergewaltigung. Mal schauen, ob das Buch nach Überabeitung Freigabe kriegt). Zur momentanen Situation sagt Anwältin Celebi in einem Interview:
    "In Deutschland findet in der türkischen Gemeinschaft eine Re-Islamisierung statt. Das Wort Integration ist bei diesen Menschen nicht angekommen"
Das Erschießen, Erstechen, Erwürgen oder Überfahren der eigenen Tochter oder Schwester erfolgt im Namen der Ehre, und das Verprügeln Ungläubiger geschieht im Namen Gottes. Klar, daß da für das Verteilen von Flugblättern nur der Haß als Motivation bleibt.

Berlinstanbul...

Mohamsterdam...

Birmingistan...

Bitte weiterschlafen, Europa.

Sunday, June 01, 2008