Tuesday, October 10, 2006

Ein neues Jahr...

So, der zweite Studientag ist vorbei und ich kann nur sagen: Das wird kein Zuckerschlecken in diesem Jahr! Erstens muß ich mich mit den Lehren der modernen und zeitgenössischen Philosophen bekannt machen, die ja nicht immer so leicht verdaulich sind. Zweitens steht mit Ontologie ein ganz ganz fetter Brocken auf der Matte. Andererseits sind die beiden neuen Profs, die ich in diesem Semester habe, ziemlich profunde und pädagogisch gewiefte Männer, die uns den Stoff schon irgendwie eintüten werden. Die anderen Lehrkräfte sind mir ja bereits aus dem vergangenen Jahr bekannt und mit denen habe ich durch die Bank gute Erfahrungen gemacht.

Eigenartig: Kaum machte ich mich gestern auf den Weg zum ersten Tag am Angelicum, da hatte ich plötzlich das Gefühl, überhaupt nicht weg gewesen zu sein. Rom ist immer noch die Alte. Verkehr bis der Arzt kommt, nichts funktioniert, niemand macht seinen Job, aber trotzdem wurschtelt die Stadt doch irgendwie weiter. Touristenmäßig ist Rom mittlerweile ganz fest in der Hand der Deutschen. Keine zwei Schritte kann ich tun, und schon werde ich mit Händen und Füßen und bröckchenhaftem Italienisch nach dem Weg gefragt. Der Ausdruck der Erleichterung auf den Mienen meiner Landsleute, wenn ich mich ihnen als der deutschen Sprache mächtig zu erkenen gebe, ist Gold wert.

Ich war während der letzten Tage auch schon in meinem Stammcafe und meinem Stammrestaurant und es schallten mir fröhliche "Buon giorno, Padre!" und "Tutto bene?" und "Come ha passato le vacanze?" entgegen.

Alles in allem geht's mir momentan wirklich gut. Meinem Professor Bagood übrigens nicht. Das ist der coole Wissenschftsfreak, bei dem ich im letzten Jahr drei Kurse hatte und der eigentlich auch in diesem Semester uns hübsch was beibringen sollte. Der Arme liegt mit Meningitis in der Klinik, wiegt nur noch soviel wie meine rechte Hand und wird von den Ärzten auch erstmal nicht rausgegeben. Sie meinen aber, daß sie ihn wieder hinkriegen. Ich bete darum, denn er ist wirklich ein toller Lehrer, ein prima Kerl und außerdem auch noch viel zu jung für solche Klinik-Marathons. Schwester Furgalska, die unerbittlich durch die Pausen durchreferierende Polin ("Wenn im Winter die Heizungen an und die Fenster zu sind, der Sauerstoff knapp wird und die ersten Köpfe auf die Tische knallen, dann laß ich euch auch mal in der Pause raus"), hat Bagoods Kurs in philosophischer Anthropologie übernommen, was eine gute Nachricht ist. Denn ich kenne auch sie bereits aus vier Kursen im letzten Jahr und bin mit ihrer Lehrmethode nicht nur vertraut, sondern auch ausgesprochen einverstanden.

Okay, soweit die neuesten Neuigkeiten aus der Ewigen Stadt.


Alles Liebe,
Alipius

Entwarnung!

Der (kürzlich um einen Beitrag erweiterte) Zweitblog cor inquietum wurde auf Kundenwunsch optisch etwas entschärft. Ich war anfangs im Styling-Taumel und hab im Template rumgewurschtelt. Jetzt kam die erste Mail, die darauf hinwies, daß man Gelb auf Grau grade bei längeren Texte nicht unbedingt gut lesen kann. Also gibt's jetzt das konservative und augenfreundliche Schwarz auf Weiß. Viel Spaß beim schmerzfreien Lesen!

Sunday, October 08, 2006

So...

... die Exerzitien sind vorbei. Es war schön entspannend. Schließlich geht's bei Schweige-Exerzitien ja nicht nur darum, die Klappe zu halten. Es gilt, auch andere störende Einflüsse außer den menschlichen Stimmen fernzuhalten. Glotze aus, Schundliteratur weg, Punkrock verbannen und alle Sinne ganz auf Gott richten. Das klappt natürlich auch während der Exerzitien nur zum Teil, aber wenn es klappt, dann klappt es richtig! Ich saß täglich so ungefähr drei Stunden auf dem Balkon in der Sonne, hab in der Heiligen Schrift gelesen, Rosenkranz gebetet, meditiert und so weiter. Ich hatte einen vehementen Franziskus-Moment, als ein kleiner Spatz sich den unbeweglichen Hernn Alipius etwas genauer angucken wollte und ziemlich nahe rankam. Da war ich natürlich gleich mal aus dem Häuschen. Ihr wißt ja: Kleine Piepmätze und ich...

Naja, insgesamt sehr fruchtbare Exerzitien. Der neue Spitirual im Kolleg scheint auch ein profunder Kerl zu sein, also alles im grünen Bereich.

Morgen ist der erste Studientag. Mein Stundenplan sieht ganz zivil aus. Wenn ich mich nicht verguckt habe, dann habe ich im zweiten Semester donnerstags sogar vorlesungsfrei. Yeah! Weiterer Pluspunkt: Von den sechs Profs, die ich in diesem Jahr habe, kenne ich bereits vier. Und diese vier sind richtig gut. Also werd ich auch im zweiten Jahr Spaß kriegen. Hoffentlich auch wieder gute Noten...

Gut, ich bin dann erstmal wieder weg.

Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, October 04, 2006

Kurze Pause

Wir sind bis Samstag auf (Schweige-)Exerzitien.

So krank kann tatsächlich nur die Realität sein

Ich hatte das überhaupt nicht mitbekommen: Im August bekam der Torhüter von Celtic Glasgow (traditionell der katholische Verein in Glasgow) eine Verwarnung, weil er sich während eines Spiels gegen die Rangers (die anderen halt) bekreuzigt hatte. Man legte das als einen Versuch des "Waffenstillstandbruches" aus. In Schottland gibt es ein Gesetz gegen "Sectarianism", was ins Deutsche übersetzt soviel heißt wie: Das strikte Anhängen an eine und nur diese eine Religion. In konfessionell so stark getrennten Ländern wie Schottland kann das hin und wieder mal zu Problemen und auch zu Gewalt führen. Nun ist es aber so, daß in Schottland die Katholiken sechmal so häufig Opfer des "Sectarianism" werden wie Angehörige anderer Religionen. Es gibt starke protestantische Lobbies und Pressure-Groups, die zum Beispiel dafür sogen, daß jährlich während des Onranje-Marsches rotzbesoffene Prots sich auf übelste Weise grölend über den Papst und die Kirche äußern dürfen, anderersiets aber bis zum heutigen Tage am Todesort von John Ogilvie nicht mal eine Gedenkplakette angebracht werden durfte. John Ogilvie beging das unvorstellbare Verbrechen, sich als Katholischer Priester im Jahre 1613 auf schottischen Boden begeben zu haben. Nach langer Haft und Folter wurde er 1615 von den Protestanten hingerichtet. Naja, auf jeden Fall soll jetzt in Schottland das "Sich öffentlich Bekreuzigen" eine Art Straftat darstellen. Macht eigentlich auch Sinn, denn offenbar sind die Protestanten in Schottland mittlerweile soweit vom Wege abgekommen, daß man wirklich nicht befürchten muß, daß einer von denen sich in der Öffentlichkeit bekreuzigt. Ergo: Die Tritte kriegen nur die Katholiken (Sprich: Diejenigen, die sich noch trauen, ihren Glauben öffentlich zu bekennen) ab.

Klasse: Zuerst sagt man sich von der einen Kirche los und dann sorgt man dafür, daß endgültig alle Überreste unserer christlichen Kultur aus dem öffentlichen Raum verschwinden. In den Augen dieser Leute soll die Kirche in Zukunft wohl so etwas sein, wie ein politisch korrekter, sozial engagierter Blümchenpflückerverin. Wehe, sie hat irgendetwas mit Ehrfurcht vor unserem Schöpfer und Heiland und dem Ihm geschuldeten Lob und Dank zu tun. Hmm, laß mich mal überlegen, wen das besonders freut (Tip: Es sind die Leute, die ihren Willen zu Demokratie, Frieden, Toleranz und Dialog unlängst mit dem Abfackeln christlicher Kirchen bekundeten).

Es gab mal eine Zeit, da dachte ich, Leute wie die schottischen Politiker, die sich diese Hirnfürze einfallen ließen, hätten keinen Mumm. Jetzt weiß ich, daß sie schlicht und ergreifend dumm sind. Daß ich trotzdem für sie bete, versteht sich von selbst.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, October 02, 2006

Musik!

Es ist mal wieder Zeit für einen kleinen CD-Tip. 1993 veröffentlichten The Breeders ihr zweites Album mit dem Titel Last Splash. Klangen beim ersten Longplayer Pod hier und da noch gewaltig die Pixies durch, so haben sich die Deal-Schwestern und ihre Rhythmus-Sektion auf Last Splash doch ziemlich selbständig gemacht und ein echte Alternativ-Rock-Juwel abgeliefert. Mehr oder weniger bekannt sein dürfte die Hit-Single und der amtliche Breeders Erkennungs-Tune Cannonball. Klar, die Bass-Line kriegt man ja auch kaum wieder aus dem Ohr. Aber - stellt's euch vor - auf dem Album gibt es zwölf weitere Tracks, die allesamt hörenswert sind. Gleich der Opener New Year zeigt an, wo es langgeht: Stadion-Rock-würdiges Intro mit schweren Gitarren und Drums und dann plötzlich die Wende zu fies schmackhaftem Alternativ-Geschraddele. Und das alles in 1:55 Minuten. Nach dem bereits gelobten Cannonball folgt The Invisible Man, auf dem die Breeders zum ersten Mal ihre poppige Seite zeigen, ohne abzuflachen. Saftige Keyboards streiten mit verfuzzten Gitarren, aber es gewinnt Kim Deal's Stimme, die sanft schnurrend zur Suche nach eben dem Unsichtbaren aufruft. Dann kommt No Aloha, einer meiner Lieblingssongs. Zu Beginn ruhig, mit stakkato-artigen Gitarrenakkorden, leichtem Hawaii-Jammern, und sehr feinem Gesang, kloppen plötzlich die Drums los und der ganze Song wird mit Sturm und Drang heimgefahren. Beim nächsten Song, Roi, wird es dann hypnotisch und geisterhaft. Eine eigenwillige Songstruktur, fast instrumental, in der manchmal beinahe komplette Stille herrscht und nur am Anfang und am Ende diese eine Textzeile geseufzt wird. Mumpfig produziert, mit feinen, kleinen Effekten. Do you love me now, ein Remake des Safari-Tracks war vielleicht nicht unbedingt nötig, ist aber trotzdem nett anzuhören. Flipside zeigt dann, daß die Breeders es auch instrumental können. Zwei moshpittige Minuten mit scheppernden Becken, rotzigen Riffs und lustigem Gegröle im Hintergrund. Es folgt I just wanna get along, daß zwischen simplem Pop in der Strophe und schön krachenden Drums und knarzenden Klampfen im Refrain gut abgeht. Mad Lucas nimmt dann jede Menge Tempo raus, mit gespenstischem Gesang, leisen Gitarren, hin und wieder Mal einer gezupften Bass-Saite und fast nicht stattfindenden Drums. Trotzdem ein sehr schöner, eigenwilliger Song. Auf Divine Hammer zeigt sich dann, daß selbst die abgegriffenste Harmoniefolge in den Händen einer Band, die Spaß hat, noch zu einem knüffigen Pop-Juwel mutieren kann. S.O.S. ist das zweite Instrumental-Stück und reißt ebenso mit wie Flipside. Nach dem abhebenden Hag mit seinem Klasse-Refrain kommt dann mit Saints die Mutter aller Alternative-Rock-Hitsingles. Hier stimmt vom zweisekündigen Gitarren-Intro über den treibenden Bass, die melodiösen Riffs bis hin zu den schleppenden Drums einfach alles. Am meisten natürlich die nette Aussage von Kim: "Der Sommer ist bereit, wenn du es bist." Bei Driving on 9 denkt man dann erstmal, man ist auf der falschen Platte. Mit Geige, Banjo, Tanzmucker-Bass und runtergemumpften Drums wird ein folkig-countryesques Perlchen serviert, welches spätestens beim "plim, plim-pi-dim, plim-pi-dim-pi-dim" des Banjo im Refrain sich in die Erinnerung frißt wie der Rost in den Kotflügel eines 1985er Renault 5. Zum guten Schluß dann nochmal 40 Sekunden Roi-Reprise und fertig ist eine der wirklich coolsten Alternativ-Scheiben. Ungewöhnlich, beim ersten Hören wahrscheinlicht noch zu zickig und fremd, wird die Platte mit der Zeit ein richtig guter Freund, der auch nach 13 Jahren noch für einen da ist.

Sunday, October 01, 2006

Wie schon Udo Jürgens im Jahre 1972 sagte:

"Ich bin wieder da!"


Gestern sind Max und ich in Rom eingeflogen. Es ist warm und sonnig. Die Jungs im Kolleg sind alle wohlauf und wir gewöhnen uns langsam aber sicher an den Gedanken, daß nach der Sommerpause nun bald wieder das Schwitzen an der Uni losgeht.


Ich habe grade nicht so wahnsinnig viel Zeit, daher gibt's jetzt nur zwei Photos aus dem Stift mit Vorstellung der neuen Novizen und unserem Josef als Diakon:




Die Hauptpersonen dieses Sommers: Die vier Violetten in der ersten Reihe sind (v.l.n.r.): Josef, Elias, Prälat Bernhard und Clemens. Josef, Elias und Clemens seht ihr nach Ablegen ihrer Ewigen Profeß mit der violetten Chorherren-Mozzetta. In der zweiten Reihen stehen, ebenfalls von links, Albert und Meinrad, die die kleine Profeß ablegten, und dann die sechs neuen Novizen mit dem Novizenmeister Anton: Ambros, Benedict, Gabriel, Quirinus, Anton, Hartmann und Sebastian. Jawoll! Sechs neue Novizen. Es brummt in Klosterneuburg und ich freue mich sehr und bin dankbar, daß der Heilige Leopold über seine Stiftungen so sorgfältig wacht, denn auch Heiligenkreuz hat in diesem Jahr schwer Zuwachs bekommen: Sieben an der Zahl!




Auf diesem Bild seht Ihr Josef kurz nach seiner Weihe zum Diakon und mit ihm das Juniorat unseres Stiftes. Der junge Mann mit dem schwarzen Cape ist Allan, der bei uns im Haus das Noviziat für die Kongregation der Unbefleckten Empfängnis in England macht.


Tja, eine Diakonweihe, drei ewige Professen, zwei zeitliche Professen und sechs Novizen: Ihr könnt Euch vorstellen, daß das Haus vor lauter Gästen aus allen Nähten platzte. Wer mehr Photos sehen möchte, der sollte bei unserer englischsprachigen Seite unter "What's new" nachschauen. Wenn dort die Augustini-Photos mittlerweile durch neuere ersetzt worden sind, dann müßt ihr unten auf derselben Seite im Archiv auf "Augustini 2006" klicken.

Das war's erstmal. Jetzt, wo ich wieder in Rom bin, geht es dann natürlich auf "Rom, römer, am römsten" auch wieder richtig los. Drückt mir die Daumen für das Studium, oder - besser noch - sprecht mal ein Vaterunser für den Herrn Alipius und zündet ein Kerzchen an.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, September 18, 2006

Letzte Nacht hatte ich einen ganz seltsamen Traum

Ich sah die Leiche einer italienischen Ordensschwester in Somalia, auf deren Talar mit Blut geschrieben stand: „In Mohammeds Lehre gibt es nichts Böses und Gewalttätiges.“

Ich sah die rauchenden Trümmer eines Christlichen Gotteshauses in Westbank, an dessen noch stehender Apsis ich in weißer Farbe die Worte lesen konnte: „Es ist nicht wahr, daß der Islam seinen Glauben mit dem Schwert verbreitet.“

Ich sah in Nigeria eine gesteinigte Ehebrecherin neben einem totgeprügelten Schwulen liegen. Beide trugen Schilder um den Hals auf denen geschrieben stand: „Der Papst hat eine dunkle und mittelalterliche Mentalität und hat am Reformgeist der Christlichen Welt keinen Anteil.“

Ich las im Internet den Aufruf der Al Qaida, in dem man zum Mord am Papst und zur Zerstörung Roms aufruft. Ich sah tausende von Moslems bei einem Protestmarsch durch London mit Plakaten, die allen, die den Islam beleidigen, den Tod versprechen. Und ich hörte eine beruhigende Stimme flüstern: „Keine Bange. Die zivilisierte Welt befindet sich nicht in Geiselhaft.“

Ich las in einer Zeitung, daß nur ein verschwindend geringer Anteil der Moslems radikal und gewaltbereit sei und daß die friedliebende Mehreit nicht etwa schweigt, weil sie sich vom Verhalten ihrer bombenwerfenden und haßpredigenden Glaubensgenossen einen taktischen Vorteil erhoffe, sondern weil sie grade an einer ganz ausgefeilten Liebeserklärung zur westlichen Welt und zu demokratischen Werten arbeite und deswegen keine Zeit habe, zu aktuellen Ereignissen Stellung zu nehmen.


Und jetzt die Witze-Abteilung:
Auf der Leserbriefseite der neuen österreichischen Tageszeitung „Österreich“ las ich dies:
    „Ich frage mich, was der Vatikan dazu sagen würde, wenn man den Christen die Hexenverbrennungen vorhalten würde, die vor einigen Jahrhunderten stattgefunden haben. Die Ausrede es anders gemeint zu haben als es gesagt wurde, halte ich für widersprüchlich zur Intelligenz des Papstes. Aber wie man es gewohnt ist: Wasser predigen und Wein trinken.“
Ich schwöre, ich habe mir das nicht ausgedacht. Es stand wörtlich so dort geschrieben.


Betet für den Papst; für die Bischöfe, die Priester, die Diakone; für alle Ordensleute; für alle, die sich anschicken ihrer Berufung zum Dienst in der Kirche zu folgen; für alle katholischen Gläubigen überall auf der Welt.


Alles Liebe,
Alipius

Friday, July 21, 2006

P.S.:

Der Zweitblog cor inquietum bleibt bis Anfang Oktober geschlossen.

Da konnte ich natürlich nicht dran vorbeigehen:

Aus einem Kommentar zu Reinhard Fendrich's Rehabilitationsvorhaben, als Anti-Drogen-Hansele in Schulen aufzutreten, geschrieben von Doris Knecht, Journalistin in Wien und Zürich, in der Presse:
    „Denn daß Problem ist ja nicht, daß Jugendliche Drogen probieren. Das Problem ist, daß sie manchmal darauf hängen bleiben, daß sie manchmal schlechte Drogen erwischen und daß sie manchmal an einer Überdosis sterben.“
Ja, aber warum bleiben Jugendliche denn auf Drogen hängen? Warum erwischen sie manchmal schlechte Drogen? Warum sterben sie manchmal an einer Überdosis? Hey! Wer hat da gerufen „Weil sie Drogen probieren“? In die Ecke und schäm dich! Niemand mag neunmalkluge Vorwitznasen! Im Kommentar heißt es dann weiter:
    „Keineswegs immer; nur werden, um die Tragik jeden individuellen „Manchmals“ zu verhindern,
(fragt nicht)
    Drogen noch immer generell dämonisiert. Auch wenn sich die Aufklärung in den letzten Jahren zusehends differenzierter gestaltet und sich immer mehr an den realen Lebensmustern von Heranwachsenden orientiert, wie etwa die Initiative „ChEck IT“ zeigt. Von der Wiener Drogenkoordination initiiert, bietet „ChEck IT“ Jugendlichen auf Parties an, ihre Ecstasy-Tabletten - wenn sie schon unbedingt welche nehmen wollen - von Experten auf gefährliche und akut gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe untersuchen zu lassen. Das Aufklärungsgespräch findet dabei sozusagen ganz von selber und nebenbei statt.“
Übersetzung gefällig? Weil Papa und Mama weder erziehen noch „nein“ sagen können (oder wollen), gibt’s für die Kommunen eine prima Methode um Steuergelder zu verbraten.

„Aufklärungsgespräch“? „Wow! Deine E’s sind astrein! Wo hast du die denn her? Hast Du da mal ’ne Adresse oder Handy-Nummer? Und wieviel kosten die?“.

„Reale Lebensmuster“? Ich strecke die Waffen. Mir bleibt immerhin noch die Kraft, um ein schlichtes „Laßt einfach die Flossen von dem Zeugs!“ zu tippen.


Und wo wir grade bei Vernunft sind: US-Präsident Bush war ja neulich in Wien. Völlig unerwartet entschlossen sich die üblichen Verdächtigen dazu, eine Demo zu organisieren. Ich war an diesem Tag in Wien, weil ich vor dem Schottland-Trip noch ein paar Besorgungen machen mußte. Ich trudelte kurz nach Ende der Demo ein, und auf der Maria-Hilfer-Straße rannten mir überall Punks und Freaks über den Weg, dick bewaffnet mit „Och menno, der Bush ist so doof“-Plakaten. Einen fand ich ganz besonders herzig. Ein junger Mann mit talgigen Dreadlock-Würsten und militantem „Drogen? Ja, bitte!“-Look trug ein Plakat auf welchem geschrieben stand „Ein Massenmörder kommt nach Wien!“ Der Kerl trug zudem noch einen Mao-Sticker und eine Hammer und Sichel-Nadel.

Gut, soviel zu „Wien okay, aber welcher Planet?“ (Dieter Nuhr wird’s mir hoffentlich verzeihen)


Jetzt ist erstmal wieder etwas Sendepause. Wahrscheinlichster Termin der Wiederaufnahme der Blog-Aktivitäten: 1. September

Bis dahin:

Alles Liebe,
Alipius

Ein kurzes "Hallo!"

Seid gegrüßt, alle miteinander!

Nachdem sich nun einen Monat lang auf diesem Blog nichts getan hat, wollt ich mich mal kurz aus Klosterneuburg melden. Ich habe mich natürlich schon längst wieder eingelebt und bin voll in die üblichen Hauspflichten eingebunden. Die Mitbrüder sind alle wohlauf und kommen und gehen aus dem Urlaub und in den Urlaub, so daß die Zahl der Köpfe im Chor irgendwie immer konstant ist, man aber immer andere Gesichter sieht. Ich wollte ja jetzt eigentlich stöhnen und lamentieren, daß es hier in und um Klosterneuburg wahnsinnig heiß ist. Aber ich habe heute morgen in der Zeitung gelesen, daß es bei Euch noch viel wärmer ist. Also nehm ich die Hitze wie'n Kerl und wünsch Euch nur, daß Ihr nicht dehydriert.

Ich war vom 29. Juni bis zum 5. Juli in Schottland. Gerald und Anthony wurden zu Priestern geweiht und beide haben Josef, Max und mich eingelanden, an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Es war ein wenig anders, als erwartet, denn obwohl beide für Glasgow geweiht wurden, gab es nicht eine Weihe in der Kathedrale, sondern zwei Weihen, jeweils in der Heimatpfarre. Somit hatten wir also in fünf Tagen zwei Priesterweihen und zwei Primizmessen. Fettes Programm.

Was gibt’s über Schottland zu sagen? Es ist ein sehr anderes aber auch sehr angenehmes Land. Der wohl größte Unterschied zu Deutschland oder Österreich oder Italien ist, daß - speziell in Glasgow - die Protestanten einen gewaltigen Hang zu streckenweise rabiatem Anti-Katholizismus haben. Am ersten Juli hielten die Prots einen traditionellen „Orange“-Marsch durch die Glasgower Innenstadt, bei dem sie jährlich den Katholiken aufs Brot schmmieren, was das Land mal war (nämlich katholisch) und was es heute ist (nämlich das, was es heute ist). Andererseits haben die Katholiken bis zum heutigen Tag an der Stelle in Glasgow, an der einst John Ogilvie hingerichtet wurde, weil er es gewagt hatte, als Jesuit einen Fuß in sein Heimatland zu setzten, noch keine Gedenkplakette angebracht (oder anbringen dürfen). Während der Parade am ersten Juli fuhren wir früh morgens durch die Stadt und für mich sah es erst einmal so aus, als sei dieser Tag für die Protestanten nur eine nette Gelegenheit, ihre Ranger-Trikots zu tragen, um halbzehn schon rotzbesoffen durch die Gegend zu torkeln und „(zensiert) the Pope!“ zu rufen. Während der nachmittäglichen Parade schlichen sich dann tatsächlich vereinzelte Zivilisations-Indizien ein, aber auch dort gab es insgesamt sechzehn gewaltsame Übergriffe und haufenweise glasige Augen und windschiefe Haltungen. Naja, wir fuhren dann zu Gerald’s Primiz und hatten einen sehr schönen Abend.

Landschaftlich ist Schottland wahrscheinlich das interessanteste Land, das ich bisher besucht habe. Die Lochs und die sie umgebenden grünen Hügel und Berge mit vereinzelten Schafstupfern drauf sind so etwas von schluchzschön und malerisch, daß ich gerne ein paar Hektar Land mitgenommen hätte, um sie irgendwo in Franken abzusetzen und somit das wunderbarste Fleckchen Erde zu schaffen.

Anthony und ich standen irgendwann mal beim Mitnehm-Chinesen und warteten auf unsere Bestellung. Auf einer Bank saß ein etwas verlebt dreinschauendes Blondchen mit zwei Kerlen im Blues-Brothers-Look. Die Dame sprach Anthony dann an und die Beiden unterhielten sich für ein paar Minuten. Es klang so, als seien sie alte Bekannte. Aber als ich Anthony dann draußen fragte, wer die Lady war meinte er, er hätte keine Ahnung. „In Schottland quatschen die Leute einander einfach an und tratschen ein wenig rum, wenn sie auf den Bus oder das Essen oder ähnliches warten.“ Das finde ich ziemlich nett.

Wenn man in Glasgow mit Kleriker-Outfit über die Straße geht, dann spuckt die Hälfte der Leute einem vor die Füße und die andere Hälfte legt ihre Jackets in Pfützen, damit man trockenen Fußes über die Straßen kommt. Okay, nicht ganz, aber fast.

Während des Halbfinalspiels zwischen Deutschland und Italien hatte Anthony seine Primizmesse mit einer anschließenden Feier. Wir verließen die Feier, als die offizielle Spielzeit zu Ende war. Im Auto machten wir das Radio an und gaben Gas, um noch den Rest der Verlängerung und das sich abzeichnende Elfmeterschießen sehen zu können. Wir parkten den Wagen kurz vor Ende der Verlängerung und sprinteten vor die Glotzte. Ich kam grad noch rechtzeitig, um die beiden (zugegebenermaßen ziemlich coolen) Tore der Italiener zu sehen. Kacke. Aber klar: Wäre ich ein internationales Team, dem ein Elfmeterschießen gegen Deutschland droht, dann würde ich auch in der Verlängerung noch ganz fix ein Törchen schießen. Naja, immerhin Dritter.

Okay, ich bin weg!

Alles Liebe,
Alipius

Tuesday, June 20, 2006

Tschö!

Ich bin ab morgen früh in der Sommerpause. Daß muß nicht unbedingt bedeuten, daß sich auf "am römsten" für die nächsten drei Monate gar nichts mehr tut. Aber die Beiträge werden sicherlich etwas dünner gesät sein. Voll auf Sendung bin ich dann wieder ab Anfang/Mitte Oktober. Ich wünsche Euch allen eine schöne Zeit, Gottes Segen und vor allem einen Spitzen-Sommer. Bleibt gesund und schaut ab und zu mal rein!

Alles Liebe,
Alipius

Monday, June 19, 2006

"Warner Brothers' fette Männer"

Oder auf englisch "Warner Brothers' Fat Men" ist der Titel eines Essays, in dem Dana Gioia sich Gedanken über die Zeit macht, in der übergewichtige Schauspieler mit ihren Pfunden auf eine Art wucherten, die einen glauben machte, daß Fettleibigkeit keine Schwäche sondern eine Leistung ist. Gioia beklagt im allgemeinen, daß - mit der Ausnahme von John Goodman - heutzutage die etwas solider gebauten Darsteller entweder so spielen, als fühlten sie sich in ihren Köpern nicht wohl oder aber als Clowns oder Comic Relief auftreten.

Gioia konzentriert sich im Essay dann exemplarisch auf zwei Schauspieler: Sydney Greenstreet und Eugene Pallette. Greenstreet ist heute bekannter, weil er in zwei der größten Warner-Hits mitspielte: Der Malteser Falke und Casablanca. Bei Eugene Pallette sagt man erstmal "Hä? Nie gehört!". Von wegen: Jeder hat den 1938er Robin Hood mit Errol Flynn gesehen. Und in diesem Film spielt Pallette Friar Tuck. "Ach der!" Genau. Eugene Pallette ist mir unvergeßlich, weil er in einer meiner absoluten Lieblingskomödien in einer seiner Parade-Rollen auftritt: In Mein Mann Godfrey spielt er Alexander Bullock, einen Selfmade-Millionär, der von einer vollkommen durchgeknallten Familie umgeben ist, die auch nicht für eine Sekunde dazu bereit ist, ihm zuzuhören, wenn es nicht um "Wer bringt das witzigste Ding von der Straße mit"-Parties, um Pferde in der Bibliothek oder um Martinis geht. Diesen Typen hat er dermaßen perfektioniert, daß er ihn in diversen Streifen immer wieder verkörperte.

Schwer zu glauben, daß Palette, der einzige schauspielende Globus in der Geschichte, mal als Jockey arbeitete, weil er so leicht war. Aber es stimmt. Er begann seine Leinwandkarriere auch zu Stummfilmzeiten als Leading Man, der eventuell auch am Ende mal die Braut abbekam. Dann kam der erste Weltkrieg (nach welchem Pallette relativ zügig zu Hollywoods Fesselballon numero uno mutierte) und - schlimmer noch: Der Tonfilm! Denn dieser enthüllte, daß Palette die Stimme eines ausgewachsenen Ochsenfrosches besaß. Ich selbst hörte ihn einmal im Original und es ist wahr: Selbst wenn sein erstaunlicher Leib mal im Gewühl verschwindet, ist er dennoch immer auszumachen, da er mindestens eine halbe Oktave tiefer spricht, als der Rest des Ensembles, wie auch Gioia in seinem Essay vermerkt. Das tolle an der Geschichte ist für mich, daß Pallette (und wie er viele andere Schauspieler in dieser Zeit), die Faktoren, die sein Leinwanddasein als junger Liebhaber ruinierten, packte und sie - häufig erst im zweiten oder dritten Anlauf - zu einer bemerkenswerten, wenn nicht unvergeßlichen Persönlichkeit formte. Und all die kugelrunden Millionäre, Mönche, Politiker, Schurken, Detektive, Handlanger usw. stellt Pallette mit solchem Selbstbewußtsein dar, daß man sich, wenn er als Friar Tuck munter bei jedem Gerangel mitmischt oder als Alexander Bullock gleich seinen ganzen Körper als Rumschubs-Waffe einsetzt, gar nicht darüber wundert, sondern es eher als Bestätigung empfindet. Ein ganzer Kerl, trotz Wampe. Wenn Brad Pitt morgen mit 150 Kilogramm Lebendgewicht aufwacht, wird er entweder Alkoholiker oder Selbstmörder (und ganz schnell auch Ex-Ehemann von Angelina Jolie). Dies groteskerweise in einer Zeit, in der der durchschnittliche Filmkonsument mehr wiegt, als je zuvor.

Deswegen schraddele ich auch all dies hier in meien Weblog. Ich möchte gemeinsam mit Gioia Protest einlegen gegen übertriebenen Schlankheitswahn, sowohl bei Männern, als auch bei den Frauen. Niemand soll sich zu Tode fressen, das ist klar. Aber bittebittebitte, liebe übergewichtige Damen und Herren, laßt Euch nicht einreden, Ihr wärt weniger Wert als die Spindeln, die beim Duschen hin und her hüpfen müssen, um naß zu werden. Euer Körper lechzt von Natur aus nach ein paar Extra-Pfunden? Hört auf ihn! Jedesmal, wenn Ihr Euch an den Strand legt, kommt die Flut? Und wenn schon! Überlegt mal, wer diesen übertriebenen Ideal-Körperkult wirklich nötig hat: Diejenigen, die sonst nichts vorzuweisen haben, oder diejenigen, die es ihrem Körper gestatten können, sich ihrer Persönlichkeit anzugleichen. Ein wenig größer als auf der Slimfast-Packung darf es grade in der heutigen, farblosen, alles gleich machenden Zeit gerne sein.

Ich könnte es auch mit Little John sagen: Als Robin Hood mit Friar Tuck bei seinen Leuten aufkreuzt, ist die Skepsis groß, da es ja immerhin ein Mönch ist, dem hier Zugeng zum Räuberlager gestattet wird. Robin Hood erklärt beruhigend: "Keine Angst! Das ist einer von uns!" Daraufhin Little John: "Sieht eher aus wie drei von uns!" Was ist angenehner: Ein Mensch, der einen Körper für zwei hat, oder ein Mensch, der in seinem Inneren zwei Personen mit sich herumschleppt: Eine dicke und eine dünne, die sich ständig in den Haaren liegen?

Eine schöne Geschichte, die traurig macht

Alec Guinness drehte 1954 in Frankreich den "Pater Brown"-Film. Eines Tages ging er nach Einbruch der Dämmerung, gleich nach dem Dreh, in einem Städtchen spazieren und trug währenddessen immer noch die Soutane. Da kam ein kleiner Junge, den er vorher nie gesehen hatte, nahm ihn schweigend bei der Hand und ging mit ihm, bis er - der Knirps - sein Ziel erreicht hatte und in ein Haus lief. Dies war nicht DER Grund, aber einer der Gründe, warum Guinness zwei Jahre später mit siner Frau zum Katholizismus konvertierte. Guinness sagte, daß ihm diese Momente die Augen dafür geöffnet hatten, daß der katholische Glaube etwas Dauerhaftes und Heiliges sei.

Was mich an den Mißbrauchs-Skandalen in der Kirche am meisten anwidert (abgesehen davon, daß das schamlose Ausnutzen des Vertrauens eines Minderjährigen ausgerechnet durch einen Priester in der Tat nach Schwefel stinkt), ist die Tatsache, daß aufgrund dieser Geschichten die Lütten heutzutage, sollte ein Priester ihnen die Hand hinhalten, eher "Flossen weg, Pervo!" rufen, als daß sie vertrauensvoll zugreifen. Dies allerdings nicht, weil eine empirische Erhebung zu solcherlei Vorsicht rät (sonst dürften die Kinder sich auch nicht von Lehrern, Ärzten oder Mami's neuem Freund anfassen lassen), sondern weil bei allem Skandalgebrüll - verständlicherweise - die gute Seite zugekleistert wird. Da wird's wohl noch jede Menge Arbeit geben. Ich hoffe, daß es eines Tages dahin kommt, daß die Krankheit sowohl aus den Taten der Priester als auch aus der Phantasie der Menschen getilgt wird. Wichtigster und schwierigster Schritt in diese Richtung: Die Priester müssen - ungeachtet dessen, was die Welt ihnen zuruft - tatsächlich wieder heiligmäßig werden, müssen sich sekündlich vor Augen rufen, wem sie dienen, warum sie es tun und was sie Ihm schulden. Und wenn das nicht funktioniert und es zu verabscheuungswürdigen Taten kommt, dann müssen die halt Bischöfe auch mal dreinschlagen, daß es raucht. Lieber noch weniger Priester, als Kinderschänder.

Erst, wenn man einer Versuchung regelmäßig widersteht, wenn man das Widerstehen zur Gewohnheit macht, dann merkt man, daß die Versuchung nachläßt. Abtötung des Fleisches mag heutzutage nach übertriebener Selbstgeißelung und Mittelalter klingen. Wenn andererseits aber Selbstverwirklichung und 21stes Jahrhundert zerstörte Kinderseelen zurücklassen, dann sollte es doch wenigstens für einen Priester keine Frage sein, welchen Weg er geht.

Nur noch vier!

Ja, es ist vollbracht!

Das erste akademische Jahr liegt hinter mir, somit muß ich nur noch vier weitere überstehen. Heute morgen hatte ich mein letztes Examen (Geschichte der mittelalterlichen Philosphie). Es ist wider Erwarten super-erfolgreich verlaufen, also gehe ich auch noch mit einem Extra-Bonus-Glücksgefühl in die lange Sommerpause. Fazit nach dem ersten Jahr: Der alte Sack Alipius kann auch mit 37 Jahren noch lernen und seinen Schädel mit Informationen füllen.

Witzig: Da ich dreizehn Jahre lang am Computer nicht nur gegrafikt sondern auch geschrieben habe, bin ich ein fies schneller Tipper. Das macht sich besonders bei den Professoren bezahlt, die in den Klassenraum kommen, einmal tief Luft holen und dann 45 Minuten lang wie von der Tarantel gestochen drauflosreden. Da schalte ich dann auf Durchzug, tippe einfach nur, was ich höre und lese das Zeugs dann zu Hause. Wenn ich gleichzeitig tippe und mich auf das Gesagte/Geschriebene konzentriere, läuft es irgendwie nicht so rund. Naja, jedenfalls haben unsere afrikanischen/indischen/sonstwoherigen Schwestern ganz fix geschnallt, daß der Herr Alipius wortgetreue Niederschriften der Vorlesungen auf seinem Laptop anfertigt. Also habe ich nach so manch einer Vorlesung eine Schlange von jungen Damen neben mir stehen, die mir brav lächenld kleine Zettelchen mit e-Mail-Adressen auf den Tisch legen und "Pleaseyournotesplease!" fiepsen. Ich laß mich natürlich nicht lumpen und teile gerne. Und vor zwei Wochen habe ich plötzlich eine von allen Schwestern unterschriebene "Danke"-Karte auf meinem Platz gefunden. Das fand ich mal ziemlich rührend.

Saturday, June 17, 2006

Lebenszeichen

Ein herzliches "Hallo" an alle regelmäßigen und gelegentlichen und zufälligen "am römsten"-Leser!

Ich habe mittlerweile sechs von sieben Examen hinter mir. Am Montag steht noch "Geschichte der mittelalterlichen Philosophie" an. Das wird ein echter Knüller. Der Prof ist ein deutscher Dominikaner, und der Kurs am Angelicum in diesem Semester ist sein erster Lehrer-Job. Er macht seine Sache aber wirklich klasse. Er ist einer von diesen endlos geduldigen Typen, die gerne jede Frage beantworten und nicht eher Ruhe geben, bis jedermann es verstanden hat. Außerdem ist er auch ganz humorvoll. Problem: Wir haben nur einen Semester lang mittelalterliche Geschichte. Das heißt, daß von den Apologeten bis hin zur Spätscholastik mal eben alles in 13 Wochen abgehandelt werden muß. Dementsprechend umfangreich ist das Material, daß ich zu lernen habe. Am Montag ist das Examen und so richtig sattelfest fühle ich mich ehrlich gesagt nicht. Aber jetzt ist Samstag Abend (Nacht) und mir platzt die Birne, also suche ich ein wenig Entspannung und kümmere mich mal wieder ein wenig um meine Leser.

Die letzten Tage verliefen eigentlich immer nach dem gleichen Muster: Lernen und live ein paar Schwalben, Blutgrätschen und Tore angucken. War das mal eine sportliche Geste von Neuville, daß er die Murmel in der 92. Minute noch über die Linie gedrückt hat? Jetzt muß Deutschland nur noch gegen Equador verlieren, dann können sie die Tommys diesmal schon im Achtelfinale beim Elfmeterschießen rauswerfen. Italiens Trainer Lippi ist übrigens sozusagen ein Nachbar. Er wohnt ein paar Minuten vom Kolleg entfernt.


Okay, zum Schluß noch ein paar Bilder vom Leben im Kolleg:



1.) Das ist unsere Kapelle. Zugegeben, die Anordnung der Sitze ist etwas wild, aber ich habe mich schon daran gewöhnt. Rechts außerhalb des Bildes ist der Altar zu finden, also gegenüber vom Ambo, was auch irgendwie extraterrestrisch ist. Naja...



2.) Wenn man bedenkt, daß diese Glasfenster aus dem Jahr 2000 sind, dann sind sie eigentlich gar nicht mal so scheußlich. Ich finde sie sogar richtig prima. Man sollte sie aber in natura sehen, um sie richtig schätzen zu können.



3.) Chris (vorne) und Anthony: "Mama! Hol uns hier raus!"



4.) Körperliche Ertüchtigung auf dem Fußballfeld. Alle toben rum, nur der Herr Alipius drückt sich und tut nichts für die Fitness!?!?!



5.) Von wegen! Habt Ihr eine Ahnung, was so ein Gin-Tonic-Glas wiegt? Das ist eine alte Sonntags-Tradition im Schotten-Kolleg: Aperitiv vor dem Mittagessen. Im Hintergrund seht ihr Didier aus dem Kongo (der übrigens ein ganz anständiges Deutsch spricht) und Paul, das wandelnde James-Bond-Lexikon und der Jüngste in unserer Mitte.

Thursday, June 08, 2006

Bin wieder da!

Ich sitz hier vor meinem Computer und mir kommen die axiomatischen Systeme, die glocenischen Sorites und die propter-quid-Demonstrationen schon aus den Ohren. Richtig geraten: Ich hatte heute mein Logik-Examen. Es ist gut gelaufen, aber auf die definitive Note muß ich noch warten.

Nach dem Examen liefen mir bei der Gregoriana Anthony und Chris, zwei Jungs aus dem Kolleg, über den Weg. Wir waren dann bei Abruzzis zu Mittag essen und haben auch ein wenig Wein und Limoncello getrunken und so. Naja, ich war dann gegen halb vier zu Hause und legte mich für ein Nickerchen hin und hab natürlich prompt vergessen den Wecker zu stellen. Also habe ich mal eben das WM-Eröffnungsspiel verpennt. Und das soll gar nicht mal langweilig gewesen sein, wie mir die Jungs, die es gesehen haben, versicherten. Grnft!


Also bin ich so richtig in der Stimmung um ein wenig zu meckern und Dampf abzulassen. Da trifft es sich natürlich prächtig, daß ich unlängst im Netz auf eine wahre Schatztruhe von photographischen Dokumentationen liturgischer Thermonuklearbomben (traurigerweise größtenteils aus dem deutschsprachigen Raum) gestoßen bin, die ich jetzt mal teilweise hier zum Besten gebe:

Den Anfang macht der allseits beliebte "Liturgische Tanz" bzw. die "Sakropantomime":



Jawoll! Schwing die Peitsche, Baby, und schüttel, was deine Mama dir gegeben hat!



Muß man ein autoritärer, konservativer, intoleranter Sack sein wie ich, um so etwas grauenvoll zu finden, oder gibt's da draußen auch ganz normale BürgerInnnen (wie gefällt Euch meine inklusive Sprache, très chique, non?), denen sich in diesem Moment die Haare sträuben?



Heilige Maria, Mutter Gottes! Bitte: Mach, daß es aufhört!


Auch die Priester lassen sich nicht lumpen:



Rechts: "Sorry! Verschlafen! Keine Zeit gehabt, aus dem Pyjama zu schlüpfen!" Zweiter von rechts: "Ja, ich auch!"



"Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse..."



Angriff der Killer-Tomaten! Diese neue Spezies überträgt mit dem ersten Biss in die Nase ein euphorisierendes Grins-Hormon, dem sowohl der Zelebrant als auch der Was-auch-immer neben ihm bereits zum Opfer gefallen sind.


Und hier zwei Highlights aus der Abteilung "Wo zwei oder drei in meinen Namen versammelt sind, da ist alles zu entschuldigen":



"Ey, wart mal 'nen Moment! Meine Kippen liegen hier noch irgendwo 'rum."



Ohne Worte (da sie mir fehlen)


Mein persönlicher Favorit:



"Uuuuuuuuuuuuuuuuund..."



"ACTION!"
Ich bekomme immer Bauchweh, wenn ich mir vorstelle, wie beim Brechen dieser Mega-Hostien der Heiland in kleinen Krümeln kreuz und quer durch die Gegend fliegt.


Zum Schluß ein Beispiel für modernen Kirchenbau. Die Kathedrale in Liverpool aus den Sechzigern:



"Forschungsschiff an Heimatplaneten. Sind gelandet. Tarnen uns als moderne Sakralarchitektur. Erwarten weitere Instruktionen."



Okay, genug davon. Ich hab ja noch Glück: Sowohl hier bei den Schotten als auch daheim im Stift bleiben mir solche Spirenzchen erspart.

Ich bin jetzt wieder für ein paar Tage weg, weil ich mich auf zwei Examen vorbereiten muß: Politische Ethik am 14. und Naturphilosophie am 15. Juni.


Alles Liebe,
Alipius

Friday, June 02, 2006

Sarockevolution

Tach!

Dieser kleine Chorherr wird Euch jetzt mal zeigen, wie das Rochett zum Sarockel mutierte. Wie Ihr seht, war am Anfang noch alles im grünen Bereich: Talar (der übrigens bei den Augistiner-Chorherren in ganz grauer Vorzeit weiß war) und darüber ein ganzes Rochett.



Im Laufe der Jahrhunderte wurde dann ein wenig herumgekürzt. Schwupp, weg waren die Ärmel.



Und irgendwann kam es dann zu diesem bizarren Zwischenstadium.



Endlich kam man dann auf diesen Entwurf, der bis heute jedermann in den Bann schlägt.


Jo, das war's dann auch schon für heute.

Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, May 31, 2006

Feierliche Eröffnung!



Schaut mal hier nach.

Der gehorsame Bruder...

Okay!

Angeregt von meinem Schwesterherz (Huhu! Grüße! Winkewinke!), werde ich nun mal die Besten Filme aller Zeiten bekanntgeben. Okay, okay, okay: Die meiner Meinung nach echt sehenswerten und coolen Streifen. Ich habe blöderweise in meinem Leben einen Riesenhaufen von Filmen gesehen, also werde ich echte Schwierigkeiten haben, mich zu entscheiden, bzw. grade jetzt an die wichtigen und richtigen Filme zu denken. Aber was soll's. Weil's so viele sind, werde ich die Filme nach Genres aufteilen und über einige Tage oder Wochen verstreut veröffentlichen. Fertig? Also, ab gehts:


Kommödien
Zum Aufwärmen erstmal die Lacher. Da gibts natürlich schon echte Probleme. Aber als Verbeugung vor der indirekten Initiatorin dieser Listen, müssen vier Streifen unbedingt hierher:
"Eins, zwei, drei...": "SCHLEMMER!" Die Tatsache, daß während der Dreharbeiten zu diesem Ost-West/Kapitalismus-Kommunismus-Brüller die Berliner Mauer errichtet wurde, sorgte zusammen mit einigen kleinen Anspielungen auf die braune Vergangenheit Deutschlands dafür, daß der Film im Dezember 1961 beim Start in den bundesdeutschen Kinos einen Reinfall biblischen Ausmaßes erlebte. 1985 gab's dann einen Neustart. Und ich kann nur sagen: Ich hab mich weggeschmissen. Hier haben ein paar ganz wache Filmemacher genau zum richtigen Zeitpunkt erkannt, daß die Realität manchmal einfach zu bitter ist, um ernst abgehandelt zu werden.
Hairspray: Trash-Papst John Waters läßt es in diesem Film vergleichsweise geschmackvoll zugehen. Und er bringt es zudem fertig, mit seiner schreiend komischen Hommage an die Sixties-Danceshows ein gepfeffertes Statement in Richtung Minderheitenselbstbewußtsein abzugeben. Denn während die hübschen, weißen Snobs einfach nur verkrampft und vorurteilsverseucht auftreten, sind die Fetten und die Schwatten mit sich voll im Einklang. So was kann schnell zu einer Parade erhobener Zeigefinger mit viel Toleranzschmalz verkommen, aber Waters liefert es als lupenreine Kommödie ab, die einfach auch ein wenig Nachdenken erlaubt. Und - bitte - Debbie Harry mit Zeitbombe im Biehnenkorb? Ich hab heute noch Seitenstiche.
Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluß: "Wo ist dein Bruder?" - "Er sitzt mit seien Freunden in der Garage und schnüffelt Klebstoff." Mehr muß ich, glaub ich, gar nicht mehr sagen. Außer vielleicht, daß "Toc-Toc" einer der coolsten Kindernamen der Filmgeschichte ist.
Verrückt nach Mary: Ich hab in Kinos häufig bei Kommödien den nächsten Satz nicht mitgekriegt, weil die Leute so laut und so lange gelacht habe. Als ich diesen Film zum ersten Mal sah, gingen so ziemlich 70% der Dialoge flöten. Ich weiß, der Humor ist nicht immer stubenrein oder geschmackvoll. Aber wenn ich mich daran erinnere, wie im Mittelgang die Leute auf dem Boden lagen, weil sie einfach nicht mehr Sitzen konnten, oder wie meine Schwester zu meiner Rechten kaum noch Luft bekam, dann fange ich jetzt schon wieder zu kichern an.
Lobende Erwähnungen: Clerks, Dr. Strangelove, Der rosarote Panther (Sellers, versteht sich), Arizona Junior


Kostümschinken
Les Liaisons Dangereuses: Ich werde nie verstehen, warum John Malkovich den Oscar nicht nur nicht bekam, sondern noch nicht einmal nominiert war. Denn er trägt seinen Vicomte de Valmont so grandios, so lässig und so echt durch die Paläste und Gärten des vorrevolutionären Frankreichs, daß man auf der einen Seite sofort versteht, warum die Köppe damals runter mußten und auf der anderen Seite dieser Zeit ewig nachweint. Okay, ein paar Tränen sind wohl auch der Musik, den Interieurs und den Kostümen (hier gab's den Oscar) zuzuschreiben.
Ridicule: Wieder Frankreich, wieder wenige Jahre vor der Revolution. Hier aber geht es mehr um das geschliffene Wort (den Esprit), als um Liebesreigen. Der Film bietet prima Darsteller, schicke Kostüme und eine aufregende Geschichte. Und er schafft es - meiner Meinung nach - eine richtig düstere Vorahnung aufkommen zu lassen. Wenn man den selbstverliebten adligen Wortkünstlern so zusieht und zuhört und dann König Ludwig den Sechzehnten als knüffig-einfältige Kleiderpuppe durch die Gegend stolpern sieht, dann weiß man schnell, wer bei Hofe regiert, bzw. es nicht tut, und man ahnt schon, wie das wohl enden muß.
Amadeus: Okay, mittlerweile hat es jeder geschnallt: Das 18. Jahrhundert hat es mir angetan. Und muß ich zu diesem Augen- und Ohrenschmaus wirklich noch viel sagen?
Ein Mann zu jeder Jahreszeit: Diese filmische Umsetzung von Robert Bolts' Theaterstück über die Auseinandersetzung zwischen Heinrich dem Achten und Thomas More war seinerzeit ein echter Überraschungserfolg, der ganz schwer Oskars eintütete. Es ist aber auch ein starker Film. Kein Augenfutter, keine große Aufregung, sondern ein dialoglastiges Forschen nach Ethik und Moral auf hohem Niveau. Dazu Orson Welles als bester Kardinal Wolsey der Filmgeschichte.
Napoleon: Hier meine ich keineswegs die 2002er TV-Euro-Koproduktions-Schnarchnummer, sondern das dreieinhalbstündige Monster-Stummfilmwunder von Abel Gance aus dem Jahre 1927. Gedreht wurde der Film als Tryptichon, so daß auf drei separaten Leinwänden entweder die Massenszenen als Breitbild laufen konnten, oder die auf der Mittelleinwand sich abspielende Haupthandlung rechts und links mit anderen Bildern untermalt oder komentiert werden konnte. Dieser Film erfordert Sitzfleisch, aber man sollte ihn wirklich einmal gesehen haben.
Lobende Erwähnungen: Der Löwe im Winter (von 1968, nicht das Remake), Der Name der Rose, Krieg und Frieden


Das war's erstmal. Ich weiß, ich habe tausend Filme vergessen, die es ebenfalls verdient hätten, in die Listen aufgenommen zu werden und ich entschuldige mich hier und jetzt vorbehaltlos.

    "Ich liebe diese Listen-Erstell-Anlässe, wenn ich auch weiß, daß wir uns alle schämen sollten, solche Dinge öffentlich zu tun."

    Richard T. Jameson, Herausgeber von Film Comment


Alles Liebe,
Alipius

Geschafft!

Heute war der letzte Vorlesungstag!

Jetzt muß ich mich nur noch durch sechs Examen durchwuseln und dann ist das erste Studienjahr auch schon vorbei. Schnell its's gegangen.

Hach, ich fühle mich wieder wie ein kleiner Bub! Es ist wirklich genauso, wie in der Schule. Okay, ich habe zwar jetzt eine gewisse Reife erlangt, habe geschnallt, daß die Lehrer nicht prinzipiell und essentiell böse sind und daß der Weg zum Erfolg an einer Institution wie Schule oder Uni über den persönlichen Einsatz geht (Erzähl das mal einem Zehn- bis Sechzehnjährigen!). Aber ansonsten ist es wie früher: Je näher der Sommer und die Freien kommen, desto geringer ist meine Bereitschaft/Fähigkeit zu lernen und mich zu konzentrieren.

Die Vögel am Angelicum (besonders die Sperlinge) sind ja so was von abgebrüht: Die kommen während der Vorlesungen durch die im Sommer immer offenstehenden Türen und Fenster in die Klassenzimmer geflogen und schaun mal, ob auf dem Boden irgendwas Aufpickbares rumliegt. Und die fliegen wirklich mit einem Affenzahn auch noch durch den kleinsten Fensterspalt durch, als gäben sie eine Vorführung. Wer weiß, vielleicht tun sie es ja.

Daß wir hier im Schottenkolleg einen Swimmingpool haben, macht sich übrigens in diesen Tagen echt bezahlt.

Alles Liebe,
Alipius

Tuesday, May 30, 2006

Fürchterlich


Diese entzückende Katikatur fand ich auf einer portugiesischen Seite, die sich als links-liberal-laizistische Graswurzelorganisation oder so ähnlich outet. Im Artikel, zu dem die Karikatur gehört, wurde die ahnungslose Öffentlichkeit über die entsetzliche Vergangenheit des Heiligen Vaters informiert, der es doch tatsächlich gewagt hatte, im Alter von 14 Jahren Mitglied der Hitlerjugend zu werden. Titel des Artikels: "Der schlimmste Papst aller Zeiten!"

Mir graust es jetzt schon bei der Vorstellung, daß ein großer Teil meiner künftigen Arbeit darin bestehen wird, Leute wie diesen Karikaturisten aus ihrem Tiefschlaf zu wecken und sie dazu anzuregen, sich mal mit der Realität auseinanderzusetzen.

Aber heute lasse ich einfach mal zwei Bilder sprechen:


Papst Benedikt XVI während seines Polenbesuches in Auschwitz




Gestatten: Der schlimmste Papst aller Zeiten


Meinungsfreiheit schön und gut. Aber wie soll die Meinung frei sein, wenn der Geist in so schweren Ketten liegt, wie bei unserem Schmierfinkchen aus Portugal?

Sunday, May 28, 2006

Schlaflos in Rom

Überall auf der Welt
sagt man vom Mond
er gehe auf und unter.


An meinem Fenster ...

... geht er vorbei.

Saturday, May 27, 2006

Das haben wir natürlich besonders gerne:

Im Stift tagen und dann beim Gottesbezug in der EU-Verfassung rumzicken!


Unser altehrwürdiges Haus wird an diesem Wochenende von den EU-Außenministern heimgesucht. Sicherheitskräfte noch und nöcher, Kabelsalat, Menschenmassen und so weiter und so fort. Was ein Glück, daß ich nicht da bin. Reinhard war so nett, mir ein paar photographische Eindrücke zu mailen. Die teile ich jetzt ganz brav mit Euch:






Ja, so sieht's in den Kaiserzimmern aus. Wie ich unsere Herren kenne, werden sich die Minister sicherlich sehr willkommen fühlen.

Thursday, May 25, 2006

Schwitz!

Salve!

In Rom haben die Temperaturen sowohl am Tage als auch bei Nacht mächtig zugelegt. Ich kann so grade noch damit leben, aber sehr viel heißer darf es wirklich nicht mehr werden. Unsere afrikanischen Schwestern am Angelicum sind - was die Hitze betrifft - ja etwas unempfindlicher. Die sitzen jetzt immer noch in Pulli und Jacke rum und meckern, daß es so kalt ist. Völlig süß.

Und sagt mal, Ihr Lieben daheim: Ist noch irgendwer in Deutschland? Oder sind jetzt endlich ALLE hier in Rom? Ich höre wirklich nur noch meine Muttersprache. Das erleichtert mir die Ausübung meines neuen Hobby's natürlich ungemein. Wenn ich auf eine größere Gruppe zuschlendere und auf einige Entfernung erkennen kann, daß der Sarockel-Schock schon wirkt und mit vorsichtig deutenden Fingern in meine Richtung gerätselt wird, dann mustere ich beim Vorbeigehen mal so die Halsriemen, an denen die Digitalkameras hängen. Wenn dann da sowas draufsteht wie "125 Jahre Raiffeisenbank Buxtehude", dann lasse ich immer ein ganz liebes "Grüß Gott"> fallen. Die "Oh Mist! Sehen wir wirklich so nach deutschen Touristen aus?"-Blicke, die ich dann ernte, sind schon den Eintritt wert.

Heute habe ich mit Chase Hasenoehrl bei Abruzzi's zu Mittag gegessen. Chase ist Ami und studiert am North American College (NAC) in Rom. Er hat uns Weihnachten/Neujahr mit noch einem anderen NACker im Stift besucht. Jetzt sehen wir uns hin und wieder mal zum Essen. Chase's Dad war über Ostern in Rom und die Beiden haben sich einen Wagen gemietet, um zwei Wochen durch Süddeutschland zu fahren und sich ein bißchen was anzuschauen. Chase wollte damals ein paar Tips. Da habe ich ihm natürlich gleich mal Bamberg empfohlen (um nicht zu sagen "befohlen"): Er kam dann auch ganz entzückt zurück und berichtete von dem Hotel, in dem sie nicht nur übernachtet, sondern auch vorzüglichst getafelt hatten: St. Nepomuk! Da konnt' ich natürlich nur breit grinsen. (Für diejenigen, die noch nicht unter meiner Franken- (im allgemeinen) und Bamberg- (im besonderen) Begeisterung zu leiden hatten will ich es mal so formulieren: Bamberg ist meine Mutter (im kulturell/historischen Sinne). Und das Hotel St. Nepomuk ist meine Wahlherberge, wenn ich mal in der Stadt bin.) Ach ja: Abruzzi ist ein Restaurant in der Nähe der Gregoriana. Wer mal nach Rom kommt, der sollte sich die Carbonara dort nicht entgehen lassen. Denn so ziemlich alle Leute, die ich kenne (und ich selbst auch) sind der Meinung: Besser geht es einfach nicht.

Es könnte sein, daß ich diesen Blog in den nächsten Wochen ein kleines bißchen vernachlässigen werde. Die Examen stehen an, und das zweite Semester ist gleich mal ein ganzes Stückchen anspruchsvoller als das erste. Daher werde ich meine Nase verstärkt in Bücher und Unterrichtsnotizen stecken müssen, um wenigstens ansatzweise so anständig abzuschneiden wie im Januar. Aber keine Panik: "Rom, Römer, am römsten" wird nicht zur Wüste.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, May 22, 2006

Die Welt ist klein (Teil II)

Da guckste!

Ich schlendere heute nichtsahnend über die Via del Babuino der Piazz del Popolo entgegen, als ich auf der anderen Straßenseite ein bekanntes Gesicht erblickte. Ich versuchte noch, den Herrn einzusortieren, da bemerkte ich, daß seine Begleiterin ganz interessiert mein Sarockel musterte (das Ding ist scheinbar nicht zu toppen). Ich schlug aus dem Blickkontakt Kapital und überquerte einfach mal die Straße. Und dann dämmerte es auch schon: Vor mir stand HA Schult, Aktionskünstler aus Köln. Das ist insofern interessant, als daß ich Schult im Vergleich zu anderen Aktionskünstlern irgendwie immer mochte. Sein geflügeltes goldenes Auto zum Beispiel fand ich als Beitrag zum Thema "Fetisch Auto" klasse. Seine Müllmenschen sind vielleicht nicht grade schön, aber die schiere Anzahl ist beeindruckend. Und vor allem fand ich "Hotel Europa" umwerfend. Weiß gar nicht, ob das noch existiert.

Naja, jedenfalls gab's dann eine freundliche Begrüßung, und nachdem die Sarockelfrage geklärt war erfuhr ich dann, daß im Oktober die Müllmenschen nach Rom kommen. Das fand ich schon stark, aber noch stärker war, daß HA Schult mir dann seine Visitenkarte gab und mich zur Vernissage einlud.

Na bitte, geht doch! Soll noch mal einer sagen, Kunst und Kirche können nicht mehr miteinander (Naja, irgendwie können sie ja wirklich nicht mehr so richtig, wenn ich mir die Scheußlichkeiten angucke, die einem heute in manchen Sakralbauten so als "Kunst" untergejubelt werden). Hmm... Hat Schult eigentlich schon mal was für die Kirche gemacht? Das wär mal interessant. Ich meine, der wird es sicherlich schaffen, etwas Anständiges zu kreieren, ohne dabei kübelweise Blut über Paramente zu gießen und Barockkirchen in Schlachthäuser zu verwandeln.

Tschö!

Ausflug nach Siena

Grüß Gott!

Heute gibt's mal wieder ein paar Photos. Am Samstag haben wir mit dem Kolleg einen Tagesausflug nach Siena gemacht. Und ich muß schon sagen: Das ist ein schwer hübsches Städtchen! Vor allem die gigantische Piazza in der Stadtmitte, auf der jedes Jahr der berühmte Palio stattfindet, ist beeindruckend. Und auch der Dom ist sowohl von außen als auch von innen einmalig.

Und jetzt kommen ein paar Photos:


1.) Ich wußte nicht, daß es ein Ziviklamotten-Ausflug war. Aber so kamen dann wenigstens auch die Sieneser mal in den Genuß eines Sarockels.



2.) Und außerdem waren unsere Schwestern dann nicht alleine im Habit unterwegs. Das hier ist Schwester Marie-Angela. Sie stammt aus Kroatien und ist dann über Deutschland nach Italien gelangt. Jetzt kocht sie uns alle kugelrund. Und sie ist keineswegs so schüchtern und furchtsam, wie es hier auf dem Foto scheint. Warum ich so ein blödes Gesicht mache? Wüßt ich auch gern.



3.) Schotten-Power! Von links: Kevin, der neulich zum Diakon geweiht wurde; Liam, der an Heuschnupfen/-husten leidet und sich hier grade mal wieder austobt; Gerard, der schon Priester ist; Ross, über den ich jetzt grad nix Schlaues zu berichten weiß; Paul, das Nesthäkchen; Domenico, der bereits 39 Jahre alt ist und ein Italienisch-Studium hinter sich hat, was natürlich das In-Rom-Studieren nur unwesentlich erleichtert und last but not least Michael, der Zweitjüngste.



4.) Das ist Anthony Gallagher, einer von Schottlands nächsten Priestern und ein richtig feiner Kerl. Er wird am 3. Juli geweiht und er hat uns Kloburger eingeladen, dabeizusein. Dann werde ich zum ersten Mal nach Schottland reisen, worauf ich mich schon ziemlich freue.


Oaky, soweit zu den photographischen Eindrücken aus Siena.

Alles Liebe,
Alipius

Sunday, May 21, 2006

Anschnallen!

Hi!

Ich bin zu faul, in meiner Link-Leiste extra eine Rubrik namens "Psychopathen" zu eröffnen. Deswegen werde ich auch den Theologen einfach nur zu den Satireseiten zählen.

Die Jungs vom Theologen (ein ehemaliger evangelischer Pfarrer, einige ehemalige katholische Pfarrer und ein ehemaliger katholischer Religionslehrer) haben es schon so richtig verstanden. Von "Jesus und die ersten Christen waren Vegetarier"über "Die Kirchen wiegeln den Staat auf, Glaubensgemeinschaften zu bekämpfen, die ihnen ein Dorn im Auge sind" und "Reinkarnation - Urwissen der Menschheit und urchristlicher Glaube" bis hin zum unsterblichen Klassiker "Der Theologe zeigt den Verrat der Kirchen an der Botschaft von Jesus auf und gibt Hinweise, wie jemand den christlichen Weg zu Gott finden kann." ist einfach jeder Brüller dabei, der einem einen langweiligen, verregneten Nachmittag versüßt.

Besonders pikant: Dieter Potzl, Herausgeber des Theologen lieferte am 25. April letzten Jahres bei einer Podiumsdiskussion einen Redebeitrag (Titel: "Reigerung und Volk: Spart euch die Kirche") ab. Veranstalter der Podiumsdiskussion war die Initiative "Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche", die von der Sekte "Universelles Leben" gedankenkontrolliert und gehirngewaschen wird.

Zu schön.

Friday, May 19, 2006

Schau an, schau an!

Die Abzocker entwickeln sich offenbar weiter:

Ihr erinnert Euch vielleicht dunkel daran, daß ich Ende März eine dieser Schwindel-eMails gepostet und ein wenig analysiert habe.

Heute fand ich dann wieder so ein Teil in meiner Mail. Absender war diesmal nicht der Herr Jones Iloba, sondern der Doktor John Bakele (zumindest laut Absender-Information). In freudiger Erwartung weiterer dadaistischer Sprachexperimente und dekonstruktivistischer Satzbauten klickte ich das Teil dann auch gleich mal an. Jedoch: Die Jungs haben mittlerweile dazugelernt. Das Deutsch war vergleichsweise verständlich. Der Schmunzelfaktor war dennoch hoch, da die Mail gleich mal mit
    Sehr geehrter
beginnt, ohne daß dem ein Titel oder ein Name folgt. Ich will nicht kleinlich sein, aber sollte es nicht - wenn man schon auf Anonymität Wert legt - "geehrte(r)" heißen, damit sich auch die Ladies erstens angesprochen und zweitens nicht von der patriarchalischen Dampfwalze an den Rand der Gesellschaft gedrückt fühlen?

Naja, jedenfalls stellt sich der in der Absenderleiste noch "Dr. John Bakele" heißende Herr dann vor:
    Ich bin Dr. John Radebe...
Ich stelle mir die Gauner grad so vor, wie sie in ihrem Kämmerlein sitzen und eMails texten.
    "Hey, Cheech! Auf welchen Absendernamen läuft nochmal das eMail-Konto für die Südafrika-Nummer?"

    "Ähhh... Hab ich vergessen, Chong. Doktor und John und dann irgendwas Sechsbuchstabiges, das nach Afrika klingt."
Dann folgt der übliche Kram:
    ...und ich bin der Leiter des Research Department Committee in der Standard Bank in Südafrika. Zur Zeit halte ich mich in den Niederlanden zu einer Fortbildung auf.

    Ich kontaktiere Sie bezüglich des Transfers einer sehr großen Summe Geldes vom Konto eines Verstorbenen. Ich weiß, daß eine Transaktion dieser Größenordnung zunächst bei jedem Besorgnis erregen wird und versichere ich Ihnen, daß sich um alles gekümmert wird. Aufgrund der Dringlichkeit der Angelegenheit habe ich mich entschlossen, Sie zu kontaktieren.
Blah blah blah. Aber, wie gesagt: Sprachlich eindeutig hochwertiger als die "Das ist auf Grund seiner lage, als das sein total VERTRAULICH und Geheimnisvoll."-Nummer vom März. Es geht dann mit der schon bekannten "Reicher Kerl verunglückt bei Flugzeugabsturz und hinterläßt keine Erben, also seien Sie doch bitte so nett und springen ein, damit das schöne Geld nicht in die falschen Händ gerät"-Geschichte weiter.

Zum Schluß wird's dann noch mal lustig:
    Wir bitten Sie, unseren Vorschlag anzunehmen und versichern Ihnen, daß alles absolut risikofrei für Sie ablaufen wird. Wir werden Sie mit 25% an der Transaktion beteiligen, den restlichen Betrag werden meine Kollegen und ich für.
Kein Scherz. Der Satz hört wirklich hier auf. Da läuft die Phantasie natürlich Amok.
    ... flotte Bienen, Koks und Blattgold-Pizza aus dem Fenster werfen.
drängt sich zum Beispiel auf.

Ach ja: Natürlich werde ich eindringlich darum gebeten, die Angelegenheit vertraulich zu behandeln. Sorry Jungs, aber wenn Ihr soviel Unterhaltungspotential besitzt, dann muß ich die Leutchen einfach daran teilhaben lassen.

Bis zur nächsten Spaß-Mail!

Gute Neuigkeiten!

Hallo zusammen!


Gestern wurden in Klosterneuburg Josef, Clemens und Elias zur ewigen Profess zugelassen. Das bedeutet, daß nun erstmals US-Amerikaner im Stiftskapitel von Klosterneuburg sitzen werden, und zwar gleich drei. Mich persönlich freut's ungemein, nicht nur, weil ich die Drei sehr schätze, sondern auch, weil jetzt irgendwie die Weichen so richtig in Richtung Zukunft gestellt sind. Es ist gut zu wissen, daß ich in einem Haus lebe, wo die Nationalität keine große Rolle spielt, solange die Leut anständig katholisch sind! Josef kam gestern spät am Abend ziemlich schachmatt aus Klosterneuburg zurück. Wir haben natürlich trotzdem noch ein Fäßchen aufgemacht und auf ihn und die Anderen angestoßen.

Außerdem wurden beide Novizen - Meinrad und Albert - zur einfachen Profess zugelassen.

Und wir werden auch in diesem Jahr wieder kräftig Zuwachs zu verzeichnen haben.

Also, Ihr Lieben: Ihr seht, daß Eure Gebete Früchte tragen. Vielen Dank dafür und laßt ja nicht locker!


Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, May 17, 2006

Schon gehört?

Lloyd Cole war immer einer meiner ganz großen Favoriten. Mit den Commotions hat er drei Alben abgeliefert, von denen "Rattlesnakes" mit Sicherheit zu den Pop-Klassikern gezählt werden darf. Nach der Bandauflösung startete Cole eine Solo-Karriere. Das zweite Album dieser Phase trägt den netten Titel "Don't get weird on me, Babe" (1991). Hier findet man Lloyd Cole so ziemlich auf dem Höhepunkt seiner Kreativität.

Das Album ist zweigeteilt. Die ersten sechs Songs auf der CD sind mit satter Orchestrierung eingespielt. Der Opener "Butterfly" weist gleich mal ein ganzes Pfund Streicher und Pauken auf und erweist sich als ziemlich hartnäckiger Ohrwurm. "There for her" ist eine ganz klassische Lloyd-hat-Liebskummer-Nummer, die sanft einherplätschert und in der Mitte einen fies-leckeren Instrumental-Part hat. Bei "Margo's Waltz" glaubt man dann streckenweise schon, man hätte aus Versehen Papis "Best of Burt Bacharach"-Scheibe eingelegt, so elegant und Cocktailbar-mäßig geht's zur Sache. Der Siebenminüter "Half of everything" ist dann der erste Höhepunkt der Platte. Wieder geht's um Beziehungs-Unregelmäßigkeiten, serviert in einem klasse Popsong mit Background-Gesang und zwei Gitarrensoli. "Man enough", Titel Nummer 5, ist dann einer der beiden heimlichen Stars des Albums. Vier Minuten grenzenloser Percussion- und Akkordeon-Lässigkeit, garniert mit achttausend Hooklines und einem Spitzen-Chorus. Das sanfte und schöne "What he doesn't know" beendet dann den ersten Teil der Scheibe und "Tell your Sister" zeigt an, in welches Richtung es nun geht: Cole-Pop-Rock vom Feinsten. Streicher raus, Gitarre und Drums rein und ab die Post. Weiter geht's einmal country-mäßig in "Weeping Wine", rockig in "To the Lions" und cool in "Pray for it". Dann folgt mit "The one you never had" der zweite heimliche Star der Platte. Der Song dauert nur zweieinhalb Minuten, hat aber alles: Eine granatenmäßig-simple Hookline zu Beginn, eine eingängige Strophe und einen kurzen, aber feinen Chorus. Zu guter Letzt wird dann auf "She's a Girl and I'm a Man" noch mal ein wenig abgerockt.

Kurzweilig, vielfältig, gut. Ein Album, an dem man lange seine Freude hat.

Ich versteh' die Vögel nicht!

Das ist doch totaler Humbug:

Da sitzen Krähen, Tauben, Spatzen, Meisen und all das andere gefiederte Getier seelenruhig am Straßenrand und trinken aus Pfützen, während an ihnen die Autos und die Busse vorbeibrausen. Komm' ich aber näher, dann heißt es plötzlich 'nichts wie weg'. Dabei bin ich wirklich ein Vogelfreund und würde keinem Piepmatz jemals etwas antun (außer vielleicht dem Roadrunner aus den Warner-Cartoons, weil der dem armen Coyoten immer eins auswischt und dabei so arrogant wirkt). Aber so ein krachender, stinkender Bus, der sich nun wirklich rein gar nichts aus Vögeln macht, der darf an ihnen vorbeizischen, daß die Federn wackeln. Doofes Pack!

Trotzdem: Ich mag Vögel.

Monday, May 15, 2006

Keine Ahnung...

... wer das ist.


Aber als ich dieses Gemälde neulich im Internet fand, da mußte ich einfach grinsen. Und muß es seitdem jedesmal, wenn ich es mir ansehe. Einerseits ist der Gesamteindruck vom Scheitel bis zur Sohle an Theatralik und Pompösität nicht zu überbieten. Aber andererseits macht dieser edle Herr mit einem winzigen Lächeln und zwei leicht angehobenen Augenbrauen ein für alle mal mit dem ermüdenden Oxymoron "weniger ist mehr" Schluß.

Danke dafür!

Touristen-Schocken...

... ist mein neuestes Hobby.


Es ist schon witzig, daß Touristen in Rom automatisch davon ausgehen, daß niemand ihre Sprache versteht oder spricht.

Neulich stand ich bei großzügig plätscherndem Sommerregen in Kutte an einer Ampel. Neben mir standen zwei männliche und zwei weibliche Touristen aus Deutschland. "Frag doch mal den jungen Mann da, ob er bei seinem Chef ein Wörtchen für uns einlegt und für's Wochenende Sonne bestellt!" kicherte eine der Damen ihren Belgeiter an.

"Sie können mich auch gerne direkt fragen," schlug ich vor und erntete ein hübsches Erröten.



Heute stand ich nichtsahnend auf dem Corso an einem Bancomat und zog mir ein wenig Bargeld.

"Höhö, kumma, höhö. Der hat seine Krawatte falsch rum an, höhöhö!" Eine Stimme hinter mir. Männlich, bayrisch, körperchemisch modifiziert.

"Das ist keine Krawatte, sondern ein Sarozium und Teil meiner Ordenstracht," sagte ich, ohne mich umzudrehen, worauf das Gekichere zu Gegröhle anwuchs, welches nicht mehr mir, sondern dem Witzbold galt, der sich nun von seinen Saufkumpanen ganz schön was anhören durfte.



Das Schärfste waren aber die beiden Niederländer, die mich letzte Woche an der Fontana di Trevi schon aus hundert Meter Entfernung anstarrten, als säße mir ein Rauhaardackel auf dem Kopf. Die wußten sich ganz offensichtlich auch keinen Reim auf meine "Krawatte" zu machen. Als ich dann an ihnen vorbeiging, hörte ich den einen mit todernster Stimme so etwas sagen wie: "Das ist wahrscheinlich ein Kardinal." Die Antwort des Anderen ging in die Richtung von: "Aber der hat ja nirgendwo rot!", woraufhin der erste mit noch ernsterer Stimme sagte: "Klar, der ist inkognito!"

Da fiel dann selbst mir nix mehr ein.

Stecknadel im Heuhaufen?

Die Welt ist klein!

Da schlendere ich am Freitag so gegen 14:00 Uhr an der Kirche S. Lorenzo in Lucina vorbei auf den Campo Marzio zu und sehe in gut fünfzig Meter Entfernung eine vor einem Cafe sitzende Dame in meine Richtung winken.

"Na, da hat aber mal jemand einen Bekannten entdeckt!" dachte ich mir ganz unschuldig und blickte über beide Schultern. Da war aber niemand zu sehen.

Als dem Winken dann ein ziemlich exakt auf meine Person weisender Finger folgte und die Dame sich erhob, drängte sich eine gewisse Vermutung auf. Ich ging dann mal unverbindlich in die Richtung der Deutenden, die schon mit hocherstaunter Miene "Hach, ich komm nicht auf den Namen... Biehne, Biehne..." rief.

Für diejenigen, die mit meiner Vergangenheit weniger vertraut sind: Biehne Visuelle Kommunikation GmbH ist der Name meines ehemaligen Arbeitgebers. Das ist ein kleiner aber feiner Laden in Düsseldorf, der jede Menge hübscher Businessgrafiken produziert und dabei vor so ziemlich keinem Kundenwunsch zurückschreckt. Unser größter Kunde waren (und sind wohl immer noch) Management Engineers, eine der größten Unternehmensberatungen in Deutschland. Es blieb in meinen 13 Biehnejahren nicht aus, daß ich hin und wieder auch mal Kunden persönlich traf, sei es rein geschäftlich oder eher auf gesellschaftlicher Ebene.

Zurück zur winkenden Dame in Rom: Da stand vor mir die gute Frau Wendler, Assistentin bei Management Engineers. Der "Herr Müller!"-Groschen fiel dann auch recht zügig und wir beide lachten uns erst mal schlapp, weil es ja wirklich nicht sekündlich passiert, daß man nach Rom fährt und da ein bekanntes Gesicht aus der Heimat trifft.

Naja, ich setzte mich dann zu Frau Wendler und ihrer Freundin, die mit ihr durch Rom tourte und ließ mal ein wenig aus meinem neuen Leben hören.

Von hier aus schöne Grüße an alle ME'ler, die mich noch in guter bis wenigstens mäßiger Erinnerung haben.

Entwarnung

Keine Panik!

Ich habe mich nicht auf einen unangemeldeten Urlaub begeben. Wir hatten von Donnerstag bis heute einen Internt-Ausfall hier im Kolleg. Daher der trostlose Zustand von Rom, Römer, am Römsten.

Jetzt sind wir wieder drin und hier kann's weitergehen!

Monday, May 08, 2006

Oh nein!


Das hab ich ja total vergessen!

Lieber Max!

Ich hab gestern noch ganz spät bei Euch angerufen, aber da warst Du schon im Bett. Also muß ich es dir jetzt auf diesem Weg sagen:




Im August komme ich nach Deutschland. Dann sehen wir uns wieder. Bis dahin alles Liebe!

Dein Onkel Claus!

Sunday, May 07, 2006

Es wird mal wieder Zeit...

... für einen Psalm.

Heute: #1


Der rechte und der falsche Weg

Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt,
nicht auf dem Weg der Sünder geht,
nicht im Kreis der Spötter sitzt,

sondern Freude hat an der Weisung des Herrn,
über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.

Er ist wie ein Baum,
der an Wasserbächen gepflanzt ist,

der zur rechten Zeit seine Frucht bringt
und dessen Blüten nicht welken.

Alles, was er tut,
wird ihm gut gelingen.

Nicht so die Frevler:
Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.

Darum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen
noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten,
der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund.



Alles klar, oder?

Friday, May 05, 2006

Das Ende der Renaissance in Rom

Heute jährt sich zum 479sten Mal einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Stadt Rom: Der Beginn des „Sacco di Roma“, jenes Ereignisses, welches innerhalb weniger Tage das sonnenumglänzte, prunkvolle Rom der Hochrenaissance mit seinen zu sehr auf Selbstvergötterung bedachten Päpsten und Prälaten einem blutigen und trümmerreichen Untergang zuführte.

Kaiser Karl V. und der französische König Franz I. führten von 1521 bis 1525 Krieg über die Vorherrschaft in Norditalien. 1525 nahm der Kaiser den König gefangen und zwang ihn zur Unterzeichnung des Vertrags von Madrid, in dem Frankreich auf alle Ansprüche in Norditalien verzichtete. Nach seiner Freilassung brach Franz den Vertrag und es gab ein Rematch. Nun wurde auch der Kirchenstaat in die wüste Welt der Allianzpolitik und Diplomatie hineingezogen. Papst Clemens VII trat 1526 der „Heiligen Liga von Cognac“ bei, stellte sich somit an die Seite von Frankreich, Mailand, Florenz und Venedig und gegen den Kaiser.

Ein 20.000 Mann starkes Heer, bestehend aus spanischen und italienischen Söldnern und deutschen Landsknechten, stand dann am 5. Mai 1527 vor den Toren der Ewigen Stadt. Dieses Heer war allerdings nicht irgendein Heer. Man war nach der erfolglosen Belagerung von Florenz gegen Rom gezogen, weil man keinen Sold mehr hatte und weil die Nahrung ausging. Und die Deutschen waren größtenteils Lutheraner. Sie hatten Jahre zuvor wahrscheinlich Luther-Sätze wie
    "...warum greifen wir nicht viel mehr an diese schädlichen Lehrer des Verderbens als Päpste, Kardinäle, Bischöfe und das ganze Geschwür der Römischen Sodoma mit allerlei Waffen und waschen unsere Hände in ihrem Blut ...?"

    oder

    "Der Papst ist der Teufel; könnte ich den Teufel umbringen, warum wollte ich's nicht tun?"

    (in "Zwo harte ernstliche Schriften", 1518, Tomos I, Punkt II, 24 und 24b)
zugeraunt bekommen. Vor den Toren der damals drittreichsten Stadt Italiens stand also eine Meute beutegieriger, ausgehungerter und zum Teil tollwütig papstfeindlicher Söldner und Landsknechte.

Wer genügend Phantasie besitzt, der kann sich nun selbst ausmalen, wie es zuging, als am Morgen des 6. Mai dieser (zu diesem Zeitpunkt führerlose und jeglicher Disziplin verlustige) Haufen sich in die Stadt ergoß. Diese Kerle waren zum Plündern nicht nur bereit, sondern nach ihrem Selbstverständnis auch berechtigt. Und sie standen nun in der Stadt des Papstes (ergo des Teufels), in der Stadt der von verfeinerten, verwöhnten, prunkliebenden Prälaten (ergo dem Geschwür der Römischen Sodoma) bewohnten Paläste. Sie fanden sich inmitten der aus allen Ländern der Christenheit zusammenfließenden Reichtümer und Schätze (ergo dem unrechtmäßigen Besitz des Antichristen). Und all dies wurde ihnen auf dem Silbertablett hingehalten, denn Stadtmiliz und Schweizargerde waren auf schon beinahe anrührende Art zahlenmäßig unterlegen. Es ist heute wahrscheinlich komplizierter und gefährlicher, einem Jugendlichen einen iPod wegzunehmen, als damals den Kardinälen ihre Schätze zu rauben. Da es aber teilweise scharfgemachte Lutheraner waren, die sich an Papst, Kurie und Kirche vergriffen, kam es nicht zu simplem Raub, sondern zu den raffiniertesten Gräueln und zu Kunstzerstörungen, die so hemmungslos wie sinnlos waren.

Im ersten Sturm wurde erst einmal alles niedergemacht, was sich noch auf der Straße fand, seien es Männer oder Frauen oder Kinder oder Greise. Dann ging es in die Paläste und Villen der Kardinäle, Bischöfe, Adligen, Bankiers und Kaufleute. Der deutsche Landsknecht und Augenzeuge Sebastian Schertlin von Burtenbach berichtet in seiner Autobiographie über den ersten Tag des Sacco:
    "Den 6. Tag im Mai haben wir Rom mit dem Sturm gewunnen, ob 6000 Mann darin zutot geschlagen und die ganze Stadt geplündert; haben in allen Kirchen und ob der Erd genommen, was wir gefunden, einen guten Teil der Stadt abgebrannt..."

Beim florentinischen Chronisten Guicciardini, in Pastors Papstgeschichte und in der Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter von Gregorovius kann man in streckenweise mehr als unappetitlichen Details nachlesen, was damals zuerst die Reichen und Vornehmen Roms, bald aber so ziemlich jeder Bürger mit Hab und Gut zu erleiden hatte. Raub, Zerstörung, Brandschatzung, Vergewaltigung, Folter, Verstümmelung und Mord bis hinein in die Klöster und Krankenhäuser zusammen mit den besonders für Prälaten reservierten Demütigungen verwandelten die Stadt erst durch das Eintreffen der deutschen Landsknechte in das, was diese dort vorzufinden behaupteten: Die Hölle.

Gregorovius schreibt:
    "Der Morgen des 7. Mai enthüllte einen Anblick zu furchtbar für jedes Wort: die Straßen bedeckt mit Trümmern, mit Toten und Sterbenden; brennende Häuser und Kirchen, widerhallend von Geschrei; ein gräßliches Gewühl von Raub und Flucht; trunkene Kriegsknechte belastet mit Beute oder fortschleppend Gefangene. ... Geräte, Gewänder, Tapeten, Bilder, eine ganze Welt von Kunstwerken der Renaissance, wurden wie Plunder aufgehäuft und so auch behandelt. Spanier und Landsknechte teilten sich Perlen mit Schaufeln zu; der elendeste Knecht besaß 3-4.000 Dukaten. ... Auf zwanzig Millionen Goldgulden schätzte man die Beute der Stadt. ... Kardinal Caetanus ... wurde von Landsknechten durch Rom geschleppt, bald mit Fußtritten fortgestoßen, bald herumgetragen, eine Sackträgermütze auf dem Kopf. So zerrte man ihn fort zu Wechslern oder Freunden, sein Lösegeld aufzubringen. ... Auch der alte kaiserlich gesinnte Kardinal Ponzetta von S. Pancrazio wurde erst seiner 20.000 verscharrten Dukaten beraubt, dann mit auf den Rücken gebundenen Händen durch Rom geschleppt. Nach vier Monaten starb er elend in seinem leeren Hause. Cristoforo Numalio, der Franziskaner-Kardinal, wurde aus seinem Bett gerissen, auf eine Totenbahre gelegt und in Prozession fortgetragen. Die Landsknechte sangen ihm dabei, Kerzen in den Händen, possenhaft die Exequien. So brachten sie ihn nach Aracoeli, wo sie ihn niedersetzten und ihm die Leichenrede hielten. Sie öffneten ein Grab, in welches sie ihn zu versenken drohten, wenn er nicht das Verlangte zahlte. Der Kardinal bot seine ganze Habe; die Peiniger trugen ihn in sein Haus zurück, um ihn dann wieder zu allen denen umherzuschleppen, von welchen er Geld aufzunehmen hoffen konnte.

Das Schicksal der vornehmen Damen und der Nonnen male sich bitte jeder selbst aus.

Es genügte selbstverständlich nicht, die Großen der Kirche zu berauben, zu demütigen, zu verletzen oder gar zu töten. Man wollte, so gut es eben ging, die Kirche selbst schädigen und legte insgesamt ein Verhalten an den Tag, welches den Papst dazu verleitete, die Deutschen zu bitten „das Licht der Kirche nicht auszulöschen“. Denn die Schändungen, Verwüstungen und Zerstörungen der Gotteshäuser und der in ihnen aufbewahrten Heiligtümer, Reliquien und Schätze nahmen streckenweise so groteske und fiese Ausmaße an, daß die Landsknechte von ihren spanischen Mitplünderern mit Waffengewalt von ihrem Treiben abgehalten werden mußten. Die Deutschen verlegten sich dann auf den Hohn, kleideten sich in Kardinals- und Papstroben und ritten in Spottprozessionen bis vor die Engelsburg, in die der Papst sich geflüchtet hatte. Dort rief man Luther zum Papst aus und präsentierte die Stricke, an denen man die Kardinäle aufknüpfen wollte. Ein Strick war aus Seide. Er war für den Papst gedacht.

Auch der Verlust an Quellenmaterial ist unermeßlich: Bücher, Bullen, Akten, Dokumente aus der Buchhaltung der Apostolischen Kammer und der Vatikanischen Bibliothek wurden zerfetzt und in der Sixtinischen Kapelle, die während des Sacco als Pferdestall diente, als Streu verwendet.

Wie hoffnungslos die Lage für Rom war, wird deutlich, wenn man liest, daß die Plünderer erst Anfang Juli 1527, als wegen tausender unbegrabener Leichen die Pest ausbrach, die Stadt verließen und dann Ende September wieder zurückkehrten und ungestört ihr Treiben wieder aufnahmen, Quellen zufolge noch furchtbarer als zuvor, da man nun schon zu jedem nur erdenklichen Mittel greifen musste, um überhaupt noch Beute machen zu können. Endlich wurde am 6. Dezember ein Kapitulationsvertrag ausgehandelt. Am 17. Februar 1528 verließen die kaiserlichen Soldaten Rom, nachdem sie die Ewige Stadt in eine mit Trümmern und Leichen übersäte, rußgeschwärzte Schutthalde verwandelt hatten.

Noch einmal Gregorovius:
    "In der menschlichen Geschichte gibt es kaum ein gleich furchtbares Schauspiel vom Wechsel des Glücks als dieses im Sacco Roms. ... Es verwandelte sich plötzlich übervolles Glück in jammervolles Elend, zerlumpte Armut in prangenden Reichtum. Jene Krieger Frundsbergs und Bourbons, welche wie hungernde Wölfe bei Regen und Sturm durch die Provinzen Italiens gewandert waren, zogen jetzt in Rom einher in Purpurkleidern, die Taschen gefüllt mit Edelsteinen, funkelnde Bänder um die nervigen Arme, den Hals umwunden mit dem goldenen Schmuck edler Frauen oder heiliger Madonnen. Man sah Landsknechte, welche die kostbarsten Perlen in ihre Schnurrbärte eingeflochten hatten. Sie tafelten in Prachtpalästen vom Gold und Silber der Kardinäle, bedient von zitternden Großen. In einer einzigen Nacht war die glänzende Hülle von Rom gefallen."

Es scheint unter Historikern abgemacht, daß zur Zeit des Sacco
    „diese Schwärme von Pharisäern und Höflingen, Kardinäle, Bischöfe, Monsignoren, Protonotare, Ordensgenerale, Richter, Barone und Signoren, alle diese im Pomp der Etikette mit Protektormienen einherwandelnden Herren und Herrendiener, welche gewohnt gewesen, sich für die Blüte der Welt zu halten und auf Nichtrömer mit Geringschätzung herabzusehen“,
ein wenig zu sehr dem irdischen Glück und dem materiellen Besitz nacheiferten. Dennoch brachte der Sacco das katastrophale Ende einer glänzenden Epoche, von der Ranke schreibt, sie sei trotz ihrer Laster
    „nicht minder von edlem Bestreben, Geist und Bildung, produktiv geschmückt mit unübertrefflichen Kunstwerken, wie sie die Welt nicht wieder hervorgebracht, einem Reichtum, durch das Gepräge des Geistes geadelt und von lebendiger Fortwirkung.“
Und mir fällt es wirklich schwer, kein Mitleid mit denen zu empfinden, die nach Meinung vieler „selbst Schuld“ waren. Wenn ich mir so vorstelle, wie ein an Sicherheit, Wohlleben und Überfluß gewöhnter Prälat sich plötzlich auf der Folter wiederfindet, oder wie er grün und blau geprügelt wird, oder wie er rückwärts auf einem Esel sitzend gefesselt unter Hohnrufen und durch die Stadt geführt wird, oder wie er mit seiner Amtstracht bekleidet in eine Kotgrube gestoßen wird, um dort nach vielleicht verborgenen Schätzen zu suchen, oder wie er in seinem eigenen verwüsteten und geplünderten Palast in Lumpen gehüllt rohem Kriegsvolk als Stallknecht oder Wasserträger dient, dann wird mir nicht grade warm ums Herz.

Mit dem Rom der Renaissance war es jedenfalls aus und vorbei und die Stadt hat sich erst mit der Gegenreformation wieder erholt. Papst Clemens VII ließ sich als Antwort auf den Ruin einen Büßerbart stehen, den er für den Rest seines Lebens trug.

Insgesamt geht man davon aus, daß im Sacco 30.000 Römer starben, daß eine Beute von 10 Millionen Golddukaten entstand (nach einer Umrechnungstabelle, die den Wert des Dukaten im Jahre 1700 berücksichtigt, sind dies - wenn man es denn glauben kann - 3 Milliarden Euro) und daß 90% der Kunstschätze Roms verlorengingen.

Die Schweizergarde hat den 6. Mai, den Tag, an dem fast die ganze Truppe in Erfüllung ihres Auftrages gefallen war, als hohen Gedenktag beibehalten. Auch heute noch werden im Gedenken an den Sacco di Roma jedes Jahr am 6. Mai die neuen Rekruten in Rom vereidigt.

Oh no!

Ich weiß ja nicht, wie es in Deutschland ausschaut, aber wenn ich mir die gepflegte Skater-/Hip-Hop-Jugend Roms so anschaue, dann drängt sich eine Erkenntnis auf: Vokuhila ist wieder da!

Und dies in einer besonders offensiv-scheußlichen Subspezies: Der 2002'er-Beckham-Mohawk (links) wird oben einfach stark aufgegelt und hinten länger gelassen. Dazu dann engst sitzende T-Shirts, die obligatorischen, sackförmigen Jeans mit Schlüsselkette und klobige Sport-Treter. Wenn man sich vorsichtig einem Urteil über die Zeit, in der wir leben, nähern möchte, dann sollte man nicht vergessen, daß Unterhosendesigner sich heutzutage ganz schön den Kopf darüber zerbrechen müssen, wie sie ihre Bündchen stylen, um bei den Jugendlichen gut anzukommen. Denn deren Jeans hängen ständig überall, nur nicht in der Taille.

Da ich aber selbst mal ein Teenie war (dochdoch, stimmt schon, war ich mal) und daher aus eigener Erfahrung weiß, mit welcher Engelsgeduld und Überzeugung man in diesem Alter die beklopptesten Dinge nicht nur tut sondern vor allem auch trägt, drücke ich hier beide Augen zu und vertraue darauf, daß sich all diese Labbesse mal irgendwann anständig entwickeln werden.

Wednesday, May 03, 2006

Hoppla!



Gar nicht so einfach, mit Soutane aus einem Wagen zu steigen. Dafür sieht man aber, daß Seine Exzellenz sich an Regel #1 hält: Unter dem Talar bitte keine Hose!

Diesen hübschen Schnappschuß fand ich im Catalogus des Katholiek Documentatie Centrum, einer Seite, die einem so ziemlich alles über den Niederländischen Katholizismus verklickert, was man wissen möchte. Wer sich vor der Sprache nicht fürchtet, dem sei ein Besuch ans Herz gelegt.

Stöhn!

Heute abend findet im Olympiastadion in Rom das Finale des Italienischen Pokals zwischen AS Rom und Inter Mailand statt. Das bedeutet, daß auf den Straßen der Ewigen Stadt Fußballfans unterwegs sind. Und zwar nicht ein paar Dutzende, oder Hunderte, oder Tausende, sondern ALLE! Fast zwei Stunden habe ich vom Angelicum bis ins Schotten-Kolleg gebraucht. Wenigstens ging's auf den Straßen noch friedlich zu. Ich freue mich schon auf die erste Begenung zwischen Lazio und Roma, die ich hier miterleben darf. Dann brennen die Fäuste und die Autos fliegen (oder war's anders herum?).

Tuesday, May 02, 2006

Ich weiß, ich weiß...

... man soll sich ja nicht über die Leut lustig machen. Aber mal ehrlich: Wenn sich ein Club Bund gegen Anpassung nennt und dann im Meta-Text mit den drei Programmpunkten "Geburtenkontrolle, Arbeitszeitverkürzung und Gleichheit weltweit" wirbt, dann grinst man doch schon, bevor man die Seite geöffnet hat.

'Egal,' dacht ich mir. 'Das könnte ja ganz unterhaltsam werden.'

Und in der Tat: Die "ehemals Marxistisch-Reichistische Initiative" bietet alles auf, was man von den Ewiggestrigen aus der ganz linken Ecke so erwarten darf. Sie enthüllen die "ganz gefährlichen" Wahrheiten, wie z.B. daß Deutschland ein Raubstaat ist, daß wir in einer Welt der Täuschungen und Lügen leben, daß die Kirche alles puttmachen will, was wir uns seit 1789 so alles an schicken Rechten angeeignet haben.

Sie behaupten, wir hätten dem Revolutionär Jacques-René Hébert, einem blutrünstigen Psychopathen, die authentischen Menschenrechte zu verdanken.

Sie sehen die erträgliche Obergrenze der Weltbevölkerung bei einer Milliarde. Das macht Sinn, denn je weniger Menschen man das Gehirn waschen muß, desto schneller kann man seine wahnwitzigen Wünsche in die Tat umsetzen.

Sie wollen Gleichheit weltweit und fahren fort:
    "Warum weltweit? Weil jede Insel im gegenwärtigen Meer von Zwang, Dummheit und gesellschaftlicher Ungleichheit im Hagel der US-Bomben zerfetzt würde."

Die Sprache, derer sich die Unangepaßten dabei bedienen, ist grob, beleidigend und gossenhaft. Alles ist Verschwörung, Volksverdummung, Scheiße, Gepfaff, Niedertracht, Hinterlist, Betrug und Täuschung. Die Welt besteht nur aus Mächtigen und Dummen und aus den paar erleuchteten Individuen des Bundes gegen Anpassung. Und die wissen schließllich ganz genau, wie es zu laufen hat:
    "Um die Durchführung unseres Programms eines Tages erzwingen zu können, bedienen wir uns grundsätzlich jeder wissenschaftlichen Erkenntnis; für besonders geeignet und ergiebig halten wir diejenigen von Marx, Engels, Lenin und Trotzki im Verbund mit denjenigen Freuds und seiner authentischen Schüler, aber auch die moderne Biologie gibt manches her und bewahrt vor historischen und intellektuellen Irrwegen."

Niedlich, oder?

Monday, May 01, 2006

Simpsons-Fans, aufgepaßt!

Das (englischsprachige) Simpsons Archive informiert Euch über mehr, als Ihr jemals wissen wolltet. Jeder Couch-Gag, jeder Tafel-Spruch, Texte zu allen Songs, jeder Scherz-Anruf bei Moe, alle D'oh's, alles, einfach alles ist dort aufgezeichnet. Die Seite ist weitgehend Grafik-frei, was den angenehmen Effekt hat, daß die streckenweise langen Listen flott laden. Also, wenn Ihr immer schon mal irgendetwas über die Simpsons wissen wolltet, dann seid ihr im Archiv genau richtig!