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Sunday, May 16, 2010

Viel zu niedlich für Häresien!

Hier - wie versprochen - noch ein weiterer Beitrag mit Bildern, die Gregor mir von seinem Besuch im ehemaligen Prämonstratenserstift Schussenried zugeschickt hat. Die Photos wurden alle im Bibliothekssaal gemacht, welcher das Schmuck- bzw. Prunkstück des Stiftes ist.

Hier erstmal zwei Bilder, auf denen Ihr einen Gesamteindruck erhaltet:




Prämonstratensisch Weiß-Blau (auch der Bayer wird sich freuen), lichtdurchflutet, prachtvoll und wegen des fehlenden Goldes dennoch nicht zu brutal. Ein wunderschöner Raum, indem es übrigens auch - wie Ihr auf dem zweiten Bild seht - eine Orgel zu geben scheint (Gregor? Sehe ich das richtig oder wirkt das nur so?).

Okay, aber jetzt zur Attraktion!

In dem Bibliothekssaal findet man auch Häresien - dargestellt von Putten! Wo gibt's denn sowas (wenn nicht im Barock und bei den Katholiken)?



Die Aufklärer, mit Allongeperücke und Zopf



Lutheraner und Calvinisten, vor der Wahrheit zurückschreckend. Man beachte die Halskrausen!



Das sollen Nestorianer und/oder Arianer sein



Besonders wild: Die Pneumatomachen (oder Makedonianer), die der Glorie des Heiligen Geistes die Strahlen abbrechen (Lümmel! Finger weg!)



Meine Favoriten: Die Utraquisten (oder Kalixtiner), die frech aus dem Kelche zechen bzw. den geleerten Kelch zeigen.


Ich bin natürlich hin und her gerissen. Einerseits finde ich die Darstellungen ganz allerliebst. Andererseits bedaure ich, daß die kleinen Putten für so etwas herhalten mußten.

Jedenfalls nochmals ein herzliches "Danke!" an Gregor, auch im Namen meiner Leser, sofern sie sich für solch barocke Spielereien erwärmen können.

Sunday, February 28, 2010

Hilfe!

Noch mal kurz zurück zum Thema Barock/Rokoko: Ich habe ja schon so einiges gesehen, was die etwas abgefahrene Damenmode bei Hofe in dieser Zeit betrifft.



Aber was ist denn das hier rechts im Bild? Ist das eine gekenterte Galeere, die man mit Stoff überzogen hat? Oder eine Hausbar zum Mitnehmen mit mittig eingebautem Barkeeper-Halter? Oder ist es wirklich nur ein Kleid? Wenn ja: Konnte man diese Dinger irgendwie einfahren oder um 90 Gad drehen oder waren damals wirklich alle Türen so breit? Also, wenn das Kleid sich nicht verkleinern oder drehen läßt, dann stünde die Trägerin selbt in einem so beachtlichen Schloßbau wie z.B. Pommersfelden nach dem durchschreiten bestimmter Türen - nun ja - entweder leicht verwüstet oder halb entkleidet da.

Oder haben am Ende damals gar die Damen selbst eine 90-Grad-Drehung vollzogen und sind seitwärts durch die Türen getrippelt?

Grübel...

Friday, February 26, 2010

Ihr ahntet es schon...

... aber an einem Barocktag darf ich natürlich weder mein heiß geliebtes Bamberg noch meine bauwütigen Grafen von Schönborn vernachlässigen.

Was Bamberg betrifft, so kann ich momentan natürlich leider nicht mit neuen Bildern prunken; ich kann Euch aber immerhin zwei der bizarrsten Kontexte präsentieren, in welchen ich die Begriffe "Bamberg" und "Barock" bisher vorfand:Beim Bier ist man sich immerhin einig. Ergibt ja auch einen Sinn, schließlich ist Bamberg ja für sein Rauchbier bekannt. Mir fiele als drittes "B" wahrscheinlich eher "Bischöfe" ein, womit wir dann auch schon bei den Grafen von Schönborn wären:



Ich weiß nicht, ob ich Euch dieses Altarbild der Pfarrkirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Gaibach schon einmal zeigte. Die Kirche ist ein Spätwerk von Balthasar Neumann und entstand in den Jahren 1743–45; sie ist eine Stiftung des Würzburger Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn.

Blickfang und Besonderheit in der Kirche ist eben dieses Altarbild von Franz Lippold, auf wlechem man drei Generationen von Schönborn-Herren in Anbetung der Heiligen Dreifaltigkeit sieht.

Knüller: Ich wollte jetzt groß rumsuchen und schauen, wer von den weltlichen Herren eigentlich wer ist (da ich mich im Hause Schönborn nur bei den Kirchenfürsten auskenne - ** schäm **), aber da fand ich zum Glück auf Wikipedia schon alles erklärt. Danke!

Also: Ganz klar, der Kardinal Damian Hugo gehört zwar erst der dritten Generation an, muß aber natürlich in die Mitte. In der ersten Reihe seht ihr knieend von links nach rechts: Friedrich Karl (Fürstbischof von Bamberg und Würzburg, wie gesagt Stifter der Kirche, dritte Generation), Johann Phillip (Kurfürst von Mainz, Fürstbischof von Würzburg und Worms, erste Generation) und Philipp Erwein (Mainzer Oberamtmann, erste Generation). Hinter Philipp Erwein steht sein Sohn Melchior Friedrich (Mainzer Obermarschall und Vizedom von Aschaffenburg) und somit ein Vertreter der zweiten Generation. In der Reihe hinten stehen von links nach rechts: Johann Philipp Franz (Fürstbischof von Würzburg, dritte Generation), daneben schaut der wildeste der Wilden (was die Bauvorhaben betrifft) und somit mein Lieblings-Schönborn, Lothar Franz, etwas skeptisch aus dem Hermelin. Er war Bischof von Bamberg und Erzbischof von Mainz und gehört als Sohn des Philipp Erwein ebenfalls der zweiten Generation an. Die letzten Herren stammen alle aus der dritten Generation: Rechts von Lothar Franz steht Franz Georg (Kurfürst von Trier, Fürstbischof von Worms). In der Bildmitte wie gesagt Kardinal Damian Hugo (Fürstbischof von Speyer und Konstanz), dann Marquard Wilhelm (Dompropst von Bamberg und Eichstätt), Rudolf Franz Erwein (Mainzer Vizedom, mit dem Orden vom Goldenen Vlies dargestellt) und Anselm Franz (ganz rechts hinten, kaiserlicher General).

Uffza! Ich hoffe, daß ich hier jetzt nichts durcheinandergebracht habe.

Okay, somit neigt sich der Barock-Tag auf am römsten auch schon wieder seinem Ende zu. Wir sehen bzw. lesen uns dann morgen wieder!

Oder auch nicht...

    "Ich habe folgende Erkenntnis gefunden und der Welt geschenkt: Evolution der Kultur ist gleichbedeutend mit dem Entfernen des Ornamentes aus dem Gebrauchsgegenstande." [Adolf Loos, Ornament und Verbrechen, 1908]





Hmm...

Lach!


[Quelle]

Heute ist Barock-Tag

Ich hab' heute keinen Bock auf Presseschau, auf Kindesmißhandlung, Schnarre, Küng, Tante Uta und wie sie alle heißen.

Daher ist heute auf am römstsen Barocktag!

Nach dem bereits vorgestellten Giuseppe Vasi präsentiere ich gleich noch einen Künstler des 18. Jahrhunderts, der es mit sehr angetan hat: Pompeo Girolamo Batoni (manchmal auch Battoni; 1708-1787).

Der war zu seiner Zeit hochgeschätzt und ist auch heute noch beliebt. Ich beschränke mich mal auf seine Protraits, die ich allesamt sehr gelungen finde.



Er durfte holde Damen malen, wie z.B. die Fürstin Giacinta Orsini Buoncampagni Ludovisi.


Er schien ein entschiedener Verfechter der Beinarbeit gewesen zu sein, sei es lässig, wie hier beim Engländer Charles Crowle...


... oder ausschweifend, wie hier bei Colonel William Gordon.


Auch den Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz hat Batoni portraitiert. Der sieht hier aber grummlig aus.


Päpste gehörten ebenfalls zu Batonis Kunden. Hier seht ihr den rotwangigen Klemens XIII von edlem Brokat-Hintergrund...


... und hier Pius VI in verhältnismäßig jungen Jahren (57), also 23 Jahre bevor der Blitzschlag der Revolution den dann 80-jähirgen Greis vom Thron und in französische Gefangenschaft fegte.


Besonders gut gefallen mir Batonis Kardinäle, denn die werden einfach immer beim Lesen gestört! Etienne-Rene Kardinal Potier de Gesvres trägt's mit Fassung.


Dieser Kardinal, den ich leider nicht identifizieren konnte, scheint eher unamüsiert.


Prospero Kardinal Colonna di Sciarra wirkt da schon zahmer, was aber sicherlich auch an den aufs barockste überdramatisierten Bambi-Augen liegen kann. Und jetzt schaut euch mal die untere Hälfte dieses Gemäldes an! Wie kann man nur so malen? Das ist doch beinahe wie ein Photo!

Das barocke Rom

Ich wollte Euch diese Seite eigentlich schon seit Jharhunderten einmal vorstellen, hab's aber immer wieder vergessen. Rome in the footsteps of an XVIIIth century traveller bietet einen ziemlich genialen Einblich in das Rom des 18. Jahrhunderts. Denn dort kann man die Grafiken von Giuseppe Vasi (1710-1782) entweder nach Bauwerken sortiert oder anhand von acht Spaziergängen bestaunen. Zusätzlich gibt's eine Stadtkarte von Rom aus dem Jahre 1781, Barockskulpturen, Informationen über die Regionen Roms, über die Umgebung der Stadt, über päpstliche Wappen. Auch Geschichten und Geschichtchen kann man nachlesen.

Hier einige wenige Beispiele von Vasis Kunst:






Die Seite ist eine echte Fundgrube für Rom-Liebhaber! Leider in der Gestaltung etwas "buntig" und mit nicht immer super-durchschaubarer Navigation, aber dafür gibt's halt milliausend schöner Stiche und Grafiken und Photos zu sehen!

Sunday, January 10, 2010

Wenn Ihr Barock mögt...

... dann klickt bitte hier!

Gregor hat aus Grüßau (von wo er mir ja vorab schon mal diesen herzigen Putto geschickt hat) eine schier endlose Bilderstrecke mitgebracht und auf NLM gepostet.

Hier als Teaser ein Bild aus der Josefskirche:


Thursday, January 07, 2010

Jauchz!

Gregor (of NLM fame) war bei der Muttergottes von Grüssau und hat mir von dort diesen wunderbaren Putto geschickt:


Der Knabe hat nicht nur die pausbäckigsten Pausbacken, sondern wirkt mit der moosig-grünen Schicht und dem weiß verschneiten Auge auch ein klein wenig gespenstisch. Ist er aber natürlich nicht wirklich. Ist ja ein Putto.

Danke, Gregor!

Tuesday, December 15, 2009

Bücher, die glücklich machen

Auf die Idee gebracht hat mich scipio mittels eines Kehlmann-Zitates, welches P. G. Wodehouse gebührend würdigt.

Die Heilige Schrift, allen voran die Evangelien und die Psalmen, bleiben hier mal außen vor. Für die kann man ja nicht mal eine Sonderkategorie einrichten. Nicht umsonst nennt man die Bibel das Buch der Bücher (und, nee, ich will jetzt nix hören von wegen "Die Bibel heißt ja nur so, weil sie ein Buch mit vielen Büchern ist!").

Mein Glücklichmach-Buch ist ohne jeden Zweifel Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien (in anderen Übersetzungen auch Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien) von Laurence Sterne (1713-1768). Der hatte bereits mit seinem "Tristram Shandy" einen ziemlichen Hit gelandet (Goethe war Abonnent des ursprünglich in neun Teilen veröffentlichten Werkes). Die empfindsame Reise blieb leider unvollendet, da Sterne kurz nach Beendigung des Frankreich-Teils starb. Aber was ist das für ein Fragment!

Das Buch ist so geistreich, so charmant beobachtend, so leichtfüßig, so versöhnlich, so komisch und - ja - auch so empfindsam, wie kein Anderes, welches ich bisher las. Ich habe immer das Gefühl, auf Wölkchen zu gehen, wenn ich ein paar Seiten lese. Und wenn ich das Buch dann aus der Hand lege, dann geht's mir gut, beziehungsweise besser, denn gut geht's mir im Normalfall eh schon meistens. Will sagen: Dies ist kein Antidepressivum, sondern ein Buch, welches die Fenster noch ein wenig weiter aufmacht, die Vögel noch ein wenig lauter zwitschern, die Blumen noch ein wenig verlockender duften, die Sonne ein wenig heller strahlen, das Essen ein wenig köstlicher schmecken, den Mensch noch ein wenig besser erscheinen und die Kleidung mindestens drei Tage länger sauber ausschauen läßt.

Sterne (ein anglikanischer Landpfarrer) schlüpft in dem Roman in die Haut seines alter ego Yorick und ist schon hin und wieder auch mal schürzenjagend unterwegs. Aber alles spielt sich diesseits der Schamesgrenze ab.

Um Euch ein wenig zu teasen, gibt's hier mal den Anfang des Romans, der schon mit einer ganz wunderbaren Pointe endet. Die Übersetzung ist von Karl Eitner aus dem Jahre 1868, und den Rest findet Ihr, wenn Ihr denn wollt, beim Projekt Gutenberg.
    – »In Frankreich stellen sie das besser an.«

    – »Sie waren in Frankreich?« fragte der Herr, indem er sich mit der höflichsten, aber siegfrohesten Miene von der Welt gegen mich wandte.

    »Seltsam!« sagte ich, als ich die Sache bei mir überlegte, »daß einundzwanzig Meilen zu Schiffe – denn weiter ist es nicht einen Schritt von Dover bis Calais – einem Menschen solche Zuversicht geben soll! – Ich will mich doch selbst überzeugen.« – Damit gab ich die Behauptung auf, ging stracks in meine Wohnung, packte ein halb Dutzend Hemden und ein Paar schwarzseidne Beinkleider ein –»der Rock, den ich anhabe«, sagte ich, indem ich den Aermel betrachtete, »ist noch ganz erträglich« – nahm einen Platz in der Postkutsche nach Dover, und da das Packetboot um neun Uhr des Morgens abging: so saß ich um drei Uhr an der Mittagstafel bei einem fricassirten Huhn so unzweifelhaft in Frankreich, daß, wäre ich in der Nacht an einer Indigestion gestorben, die ganze Welt nicht die Vollziehung des droit d'aubaine* hätte verhindern können – Meine Hemden und schwarzseidenen Beinkleider – mein Mantelsack und Alles darin wäre dem Könige von Frankreich anheimgefallen – sogar das kleine Bild, das ich so lange mit mir herumgetragen habe, und das ich, wie ich Dir, Elisa, so oft gesagt, mit mir ins Grab nehmen wollte, würde mir vom Halse genommen worden sein. – Wie ungroßmüthig! – sich der Trümmer eines arglosen Reisenden zu bemächtigen, den Ihre Unterthanen an ihre Küsten hingelockt haben. – Beim Himmel, Sire, das ist nicht wohlgethan! Und es thut mir sehr leid, daß es der Beherrscher eines so gebildeten und höflichen und wegen seiner feinen Beurtheilung und Empfindung so berühmten Volkes ist, mit dem ich rechten muß –

    Doch ich habe ja kaum den Fuß in Ihr Gebiet gesetzt. –


    Calais

    Als ich meine Mahlzeit beendet und auf die Gesundheit des Königs von Frankreich getrunken hatte, um meiner Empfindung zu genügen, daß ich keinen Groll gegen ihn hegte, sondern im Gegentheil ihn wegen seines menschenliebenden Sinnes hoch schätzte – fühlte ich mich infolge dieser Mäßigung beim Aufstehen um einen Zoll höher.

    »Nein«, sagte ich, »die Bourbons sind durchaus kein grausames Geschlecht. Sie können, gleich andern Menschen, mißleitet werden; aber es liegt eine gewisse Sanftheit in ihrem Blute.« – Indem ich dies anerkannte, fühlte ich ein Erröthen auf meiner Wange, das von edlerer Art – wärmer und menschenfreundlicher war, als daß der Burgunder (wenigstens der nicht, die Flasche zu zwei Livres, den ich soeben getrunken) die Ursache davon hätte sein können.

    »Gerechter Gott!« rief ich aus, indem ich meinen Mantelsack mit der Fußspitze beiseite stieß, – »was liegt denn an den Gütern dieser Welt, daß sie unser Gemüth verbittern und so manchen Gutherzigen von uns Menschenbrüdern zu so grausamen Beschwerden reizen sollten, wie wohl zu Zeiten geschieht?«

    Wenn der Mensch mit den Menschen in Frieden lebt, wie viel leichter als eine Feder ist dann das schwerste der Metalle in seiner Hand! Er zieht seine Börse, hält sie leicht und unbekümmert empor und blickt umher, als wenn er sich nach jemandem umsähe, mit dem er sie theilen könnte. – Indem ich dies that, fühlte ich, wie jede Ader meines Leibes sich schwellte – die Arterien pulsirten alle freudig und harmonisch, und jede Kraft, die das Leben fördert, vollzog dies mit so geringer Reibung, daß es die physikalisch gelehrteste Zierpuppe in Frankreich in Verwirrung gebracht hätte: bei all ihrem Materialismus hätte sie mich schwerlich eine Maschine nennen können. –

    »Ich bin fest überzeugt«, sagte ich bei mir selbst, »ich würde ihre Zuversicht erschüttert haben.«

    Das Verfolgen dieses Gedankens führte im Augenblick meine Natur auf eine solche Höhe, als sie irgend erreichen konnte. Mit der Welt war ich schon vorher in Frieden – und dies brachte die Unterhandlung mit mir selbst zum Schluß. –

    »Wäre ich jetzt König von Frankreich«, rief ich aus – »welch ein Augenblick für eine Waise, die mich um ihres Vaters Mantelsack anspräche!«
Ist doch toll, oder?


[* in Kraft dieses »Heimfallrechtes« wird auf alle Effecten der Reisenden (die von Schweizern und Schotten ausgenommen), welche in Frankreich sterben, Beschlag gelegt, und wenn der Erbe selbst zur Stelle wäre; und Herausgabe findet um so weniger statt, da diese zufälligen Einkünfte verpachtet sind]

Saturday, December 05, 2009

Es ist mal wieder Schönborn-Zeit

Ich habe lang nichts mehr von meinen Lieblings-Barockfürsten geschrieben. Es ist also an der Zeit, mal wieder einen Schönborn ans Licht zu ziehen. Heute ist es Franz Georg von Schönborn (1682-1756), jüngster unter den vier bekannteren der Lothar-Franz-Neffen. Ihr seht ihn links auf dem leicht windschiefen Photo im Kurfürstenmantel. Franz Georg war ab 1729 Kurfürst und Erzbischof von Trier, ab 1732 Fürstbischof von Worms und Fürstpropst von Ellwangen und behielt alle drei Ämter bis zu seinem Tod inne. Er empfing bereits im Alter von 13 Jahren die Tonsur und stolperte dann munter die Karriereleiter empor: Domherr in Trier, Dompropst in Augsburg, kurmainzischer Gesandter beim Vatikan, kaiserlicher Kammerherr, Reichshofrat, kaiserlicher Geheimrat und letztlich dann Bischof. Gebaut hat Franz Georg auch, schließlich war er ein Schönborn. Heute noch zu sehen sind der Dikasterialbau in Ehrenbreitstein (was heute zu Koblenz gehört), die Laurentiuskirche in Dirmstein, auch als "Zweikirche" bekannt, weil Katholiken und Protestanten sie sich teilten - und zwar räumlich (mehr dazu bei Wiki und die Stadt Ellwangen, die unter Schönborn und seinem Vorgänger Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg zu einer barocken Residenzstadt ausgebaut wurde.

Von dem Gebäude, das ich hier vorstellen möchte, sieht man heute leider nichts mehr, bzw nur noch zwei mickrige Wirtschaftshäuschen, die bis zur Unkenntlichkeit renoviert und modernisiert wurden. Es handelt sich um das Schloß Schönbornslust (Was'n Name!), welches im Koblenzer Stadteil Kesselheim zwischen 1748 und 1752 errichtet wurde. Ihm war nur eine (für ein Schloß) extrem kurze Lebenszeit vergönnt, verschwand es doch zwischen 1794 und 1806 sukzessive von der Landkarte.

Hier ein Text über das Schloß, der im Jahre 1966 anläßlich der 1000-Jahr-Feier der Gemeinde Kesselheim verfaßt wurde (Quelle):
    Im äußersten Südwesten der Kesselheimer Gemarkung erheben sich, imponierend in ihrer Geschlossenheit und Wucht, die Klostergebäude von "Maria Trost". [Nicht mehr. Das Kloster wurde mittlerweile auch eingeebnet.]

    Viele unserer Mitbürger, die in den letzten Jahrzehnten zu uns gekommen sind, werden nicht wissen, daß an der gleichen Stelle vor 200 Jahren ein kurfürstliches Jagdschloß stand. Wer vermöchte auch zu ahnen, daß diese Stätte weltabgewandter Genügsamkeit, dieser Ort des Ernstes, der Zurückhaltung und Andacht einst strahlender Mittelpunkt höfischen Lebens war.

    Anno domini 1734. Kurfürst Franz Georg von Trier aus dem Hause der Grafen von Schönborn steht im 5. Jahr seiner Herrschaft, als er vom Grafen Metternich das in der Nähe von Coblenz gelegene Gut Marienfelder Hof mit ca. 200 Morgen Land erwirbt. Auf dem in der Kesselheimer Gemarkung gelegenen Teil der Ländereien entsteht bald ein Jagdschlößchen mit einer Fasanerie. Hier weilt der Kurfürst mit Freude, um dem Waidwerk [Wir sollten eine Unterschriftenaktion starten zur Wiedereinführung bestimmter Worte. "Waidwerk"... Klingt im Vergliech zu "Jagd" irgendwie so Cosmopolitan...] nachzugehen und Erholung von den anstrengenden Regierungsgeschäften zu suchen. Die weit und eben sich hinziehenden Felder, durchsetzt mit Hecken und kleinen Waldstöckchen, und das Sumpfgelände des Bubenheimer Bachs bieten ideale Möglichkeiten zur Hasen-, Hühner- und Fasanenjagd. Graf Schönborn liebt dieses Land. Seine Liebe zu diesem Ort wird zum Entschluß, im Sommer dem Treiben der Residenzstadt Coblenz zu entfliehen und hier zu wohnen.

    So entsteht eine reife und prächtige Schöpfung barocker Baukunst. Balthasar Neumann baut dem Kurfürsten ein Lustschloß [Neumanns letzter großer Schloßbau, was den Verlust nicht unbedingt erträglicher macht...], das in seiner wundervollen Linienführung, dem Verhältnis der Maße zueinander, eingebettet in die Unberührtheit der ländlichen Umgebung, ein Bild vollendeter Harmonie bietet. Der aus rotem Sandstein geformte Mittelbau steht in wirkungsvollem Kontrast zu der gelben Fassade der Flügel [Also, das hätte ich wirklich gerne gesehen]. Neumanns Schüler Seiz entwirft die Innendekoration und die Bildhauer Ferdinand Tietz und Johann Güntermann wetteifern in der Schaffung des reichen Innen- und Außenschmuckes [Das hätte ich noch lieber gesehen!]. Nach Nordwesten umschirmt ein Wäldchen den Schloßbau. Ein gepflegter Rokokopark mit Wasserkünsten lädt zum Verweilen, Beschauen und Staunen ein. Die Orangerie und eine Gartenterrasse runden das Bild ab [** seufz ** (amliebstengesehenhätt)].

    Im Jahre 1752 zieht Graf Schönborn ein. Dem mit einem Aufwand von 100.000 Talern errichteten Schloß gibt er in freudigem Stolz den Namen "Schönbornslust" [Ich seh ihn richtig vor mir, vor dem Mittelbau stehend, mit der ans Herz gelegten Rechten, der ausgestreckten Linken, schief gelegtem Haupt, leicht versetzt stehenden Füßen und rausgestrecktem Bauch: "Dein Name sei 'Schönbornslust'!"].

    Dem Kurfürsten ist es nur vier Jahre vergönnt, den Sommer hier zu verbringen. Nach seinem Tod folgen Johann Philipp von Walderdorff und 1768 Clemens Wenzeslaus auf den Sitz des geistlichen und weltlichen Herrschers Kurtriers. Er wird der letzte sein.

    Im Jahre 1789 bricht in Frankreich die Revolution aus. Die führende Adelsschicht, verhaßt und verfolgt, wird zum Freiwild des Pöbels. Die Unschuldigen trifft es mit den Schuldigen. Was dem rasenden Volk entgeht, flüchtet in die friedlichen Gebiete der Nachbarstaaten [Da war aber jemand gar nicht gut auf den Mob zu sprechen...]. Clemens Wenzeslaus, der Oheim Ludwig XVI, nimmt die Brüder des Königs, den Comte de Provence und den Comte Artois, auf, die mit anderen Emigranten, darunter Minister und Marschälle, und einem Tross von Dienern, Köchen, Jägern und Frauen gepäckbeladen in kostbaren Karossen eintreffen. Der Kurfürst weist ihnen Schönbornslust als Wohnsitz an.

    Solchen Glanz hat das Schloß noch nicht erlebt. Man fühlt sich an den Hof von Versailles versetzt. Zwanzig Köche versorgen die Gesellschaft mit den raffiniertesten Gerichten französischer Küche. Das Geräusch zechender Gesellschaften und das Lachen eleganter Frauen dringen über Schloß und Park hinaus [Hier sollte man fairerweise einfügen, daß die Emigranten nicht nur ihren titelseitentauglichen Lebensstil sondern zum Teil auch ihre Hochnäsigkeit mitbrachten, was nur bedingt gut rüberkam].

    Im Juli 1792 - die französischen Emigranten haben Schönbornslust bereits verlassen - trifft König Friedrich Wilhelm II. von Preußen ein, um einige Tage hier zu wohnen. Kurze Zeit darauf - das Schloß ist zum Lazarett geworden - hallt in den ausgedehnten Räumen dann das Stöhnen und Klagen verwundeter österreichischer Soldaten wider, ehe sich das Schicksal des Schlosses erfüllt.

    Die französische Revolutionsarmee, nach ihrem Sieg bei Fleurus zum Rhein vorgedrungen, greift Coblenz an. Von Weißenthurm kommend, erreichen die Truppen nach Vorhutgefechten am Bubenheimer Berg den Südteil des Coblenz-Neuwieder-Beckens. Schönbornlust liegt einsam und schutzlos. Kein Schuß hemmt die stürmenden Soldaten, die durch den Park in das Schloß eindringen [Auch das sehe ich vor meinem inneren Auge wie eine Mischung aus Abel-Gance-Stummfilszenen und Cruikshank-Katikaturen].

    Was die verrohten Revolutionstruppen nicht mitnehmen, was der Zerschlagung und Demolierung entgeht, verbrennt in den lodernden Flammen des stolzen Schloßbaues [Pfui! Nein: Oberpfui!]. Im Taumel der Zerstörungssucht werden selbst der Ehrenhof mit wertvollen Plastiken, die Orangerie und die Wasserkünste des Parks ein Opfer des siegreichen Heeres [Total unsportlich. Was können die denn für irgendwas?].

    Die Ruinen sind Eigentum des französischen Staates geworden. Nachdem die Bewohner der umliegenden Dörfer sich des noch Brauchbaren bemächtigt haben, wird der Rest abgerissen und eingeebnet. Nur die Stallgebäude stehen zusammenhanglos und ihres Konnexes mit der Umwelt beraubt verlassen in der Nähe des Parks. Am 15. Missiodor XIII [4. Juli 1800] verpachtet der napoleonische Staat die Domäne, bestehend aus den umgebauten Wirtschaftsgebäuden, Gutsbesitz und Garten, an Johann Peter Mänzel, der die Hälfte des Gutes im Jahre 1806 für 43 500 Franken als Eigentum erwirbt. Die andere Hälfte übernimmt Notar Laymann aus Ehrenbreitstein. Später gehen die Grundstücke und Gebäude dann an den Orden der Schwestern vom Guten Hirten über.
Da das Schloß nur so kurze Zeit stand, gibt es leider so gut wie kein Bildmaterial. Ich habe irgendwo im Stift in einem Buch einen Stich, auf dem man das Schloß in die Landschaft eingebettet sieht. Muß schon ein Zuckerl gewesen sein...

Immerhin konnte ich ein Bild des heute - wie gesagt - ebenfalls verschwundenen Klosters "Maria Trost" der Schwestern vom Guten Hirten finden:



Und weil ein Schönborn-Posting so ganz ohne barockes Augenfutter natürlich nicht geht, zeige ich Euch wenigstens noch den Auferstehungsaltar aus dem Trierer Dom. Der ist nämlich gleichzeitig auch der Grabaltar des Franz Georg von Schönborn, der mit Mitra und Stab schön hingegossen zu Füßen des Auferstandenen sitzt oder liegt oder so:

Sunday, November 01, 2009

Die Villa Albani

Heute, am Hochfest Allerheiligen, habe ich mich bei Allerheiligen-Wetter (azurne Wolkenlosigkeit) auf den Weg zur Villa Albani gemacht. Diese wurde zwischen 1745 und 1763 von Alessandro Albani, Kardinal und Neffe Papst Klemens XI., erbaut. Also nicht von ihm persönlich, sondern vom Architekten Carlo Marchionni und einem Haufen von Arbeitern. Alessandro Albani stand am Anfang einer militärischen Karriere, als sein Onkel ihm nahelegte, wegen seiner Sehschwäche (welche im Alter dann beinahe zur Blindheit führte) doch lieber Kardinal zu werden. Und wenn der Onkel Papst ist und sagt "Komm, werd' doch Kardinal!", wer sagt da schon "Och, nö Du. Laß' mal!" (vor allem, wenn wir uns im 18. Jahrhundert befinden). Also empfing Alessandro im zarten Alter von 29 Jahren den roten Hut, was ihm eines der Rekord-Kardinalate in der Geschichte einbrachte: 58 Jahre!

Weltlich war er wohl, der Alessandro, allerdinge auch ein anständiger Diplomat und vor allem einer der scharfsinnigsten Antiquitäten-Kenner seiner Zeit. Er war außerdem ein schönes Beispiel dafür, daß es nicht immer um das tumbe "Haben" sondern oft eher um das geschickte "Erlangen, Bewundern und Weiterreichen" ging, fand seine gewaltige Antikensammlung sich doch steter Veränderung unterworfen, da der Kardinal mal besonders schöne Stücke als Geschenk springen ließ oder sie auch mal verkaufte, um Geld für Neuerwerbungen zu haben, die dann wieder für geraume Zeit bewundert wurden, bis sie einen anderen dankbaren Empfänger fanden. Jedenfalls mußte irgendwann ein Bau her, der die nicht eben ungewaltige Sammlung des Kardinals aufnehmen konnte. So entstand also die Villa Albani (zu deren Geschichte es gleich noch ein paar Zeilen gibt).

Ich wollte mir dieses sagenumwobene Prachtstück schon lange einmal von Nahem betrachten und wünsche mir nun, ich hätte mich vorher ein wenig mehr über ihren heutigen Status informiert. Denn wie es scheint ist die Villa immer noch in Privatbesitz und daher nicht zugänglich. Nach dem Franzosensturm fiel die Villa erst an die Chigi und dann an die Torlonia, eine Bankiers-Sippe, welche im 19. Jahrhundert offenbar alle anderen römischen Familien in puncto Reichtum in den Schatten stellte. Denen gehört die Villa auch heute noch.

Also sitzt der Herr Alipius jetzt 3 Stunden, 3 Doppio Macchiato und gefühlte 80 Kilometer später vor seinem Laptop und kann so gar nicht mit schicken Photos protzen. Es gibt daher jetzt leider nur die Appetit-Häppchen, die ich durch diverse Gitter oder aus einiger Entfernung aufnehmen konnte:

Dies ist eines der diversen Tore, welche auf das Grundstück der Villa Albani führen. Es liegt an der Ecke der Via Salaria und der Via di Villa Albani. Wie man sieht, macht die sprühende Gosse Roms auch vor Monumenten dieser Art nicht halt. Wer auch immer der Meinung war, diese Graffiti werten den Anblick irgendwie auf, tickt sehr verkehrt.


Dies ist ein kleines, am Anfang des Parkes der Villa gegenüberliegendes Gebäude. Wahrscheinlich war es gleichzeitig Hausmeisterei, Paßkontrolle und Besucherempfang (oder auch nichts von all dem).


Hier ist dasselbe Gebäude von vorne zu sehen. Man erkennt hier einigermaßen, wie sich der Großstadt-Moloch im Laufe der Jahrhunderte an die einst eher außerstädtisch gelegene Villa herangewuchert hat.


Ich habe dieses Photo durch ein Gitter hindurch geschossen. Hier gab's mahr zu Hören als zu Sehen, zwitscherten mir doch aus den Bäumen gut ein halbes Dutzend verschiedenster Vogelstimmen entgegen.


Ein Photo von der Rückseite des Parks. Dies könnte die eigentliche Villa sein, wenn meine Straßenkarte einigermaßen stimmt. Mehr als das war aber von dem Bau tatsächlich während der Runde, welche ich um den Park drehte, nicht zu sehen. Schade.


Heute ist die Villa wie gesagt in Privatbesitz, was ich ja eigentlich nicht so schlecht finde. Mich wurmt's immer ein wenig, wenn in Bauten, die eigentlich einer einzigen Familie reichlich Auslauf bieten sollten, plötzlich - wie im Zentrum Roms - tausende von Büros oder gar Geschäften untergebracht sind, oder wenn Turisten-Tsunamis durch die zu Museums-Stückchen degradierten Gemächer spülen. Da ist's mir persönlich lieber, ich bekomme nichts zu sehen und stelle mir einfach alles vor, als daß ich mit einer Menschenmenge durchgeschleust werde und mir irgendwie so beobachtet und fast wie ein Eindringlich vorkomme.

Noch fix ein paar Worte zur Geschichte der Villa (welche unter anderem zeigen, daß es da drinnen eh nicht mehr so schön ist, wie zur Zeit des Kardinals):

Die in der Villa aufbewahrte Sammlung wurde vom Sekretär des Kardinals, Johann Joachim Winckelmann, katalogisiert. Winkelmann war ein deutscher Archäologe, Antiquar und Kunstschriftsteller und gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und der Kunstgeschichte. Außerdem war er gemeinsam mit Anton Raphael Mengs für die künstlerische Gestaltung der Villa Albani verantwortlich.

Alessandro Albani starb im Jahre 1779. Die Villa ging an seinen Neffen, Gian Francesco Albani, ebenfalls Kardinal. Als dieser nach einem arbeitsreichen und persönlich eher anspruchslosen Leben sich im Alter auf seine Villa zurückzog, stellte er sich wohl eher so etwas wie einen ruhigen Lebensabend vor. Allerdings machten ihm da die Franzosen einen Strich durch die Rechnung. Gian Francesco war kein besonders großer Anhänger der Revolution bzw. der Auswirkungen, welche diese auf die Kirche in Frankreich hatte. Also schmiegte er sich politisch ein wenig an Österreich an. Als die Franzosen 1798 Rom einnahmen, kam es also, wie es kommen mußte. In einer Instruktion, welche Bonaparte Ende Januar 1798 an General Berthier richtete, heißt es:
    "Das Ziel des Generalissimus der Armee in Italien wird sein, mit allem Nachdruck die Verbrechen [Ich nehme an, hier sind die während der September-Massaker massakrieterten Priester gemeint. Vielleicht bezieht Bonaparte sich auch auf die Ausbeute der eingezogenen Kirchengüter in Frankreich, welche seiner Meinung nach zu niedrig war] zu rächen, deren sich der Römische Hof gegen die Französische Republik schuldig gemacht hat. Diese Rache wird ihren Ausdruck finden in der Vernichtung des päpstlichen Regiments und in der Aufrichtung einer neuen und freien Regierung. Das Asylrecht der Kirchen und der Gesandtschaften ist aufzuheben. Kontributionen sind zu erheben, um die Französische Republik zu entschädigen [... für die Mühen und die Kosten, welche das Niederreißen der Kathedralen und Klöster in Frankreich verursachte, nehme ich an. Vielleicht auch für den Streß, den das durch die Zivilkonstitution des Klerus erzwungene Schisma einbrachte], besondere Kontributionen werden außerdem von den 50 reichsten Familien erhoben werden. Die Güter des Papstes, seiner Familie und des Hauses Albani werden eingezogen werden."
Für Kardinal Gian Francesco bzw. für seine Villa bedeutete dies...
    "Am folgenden Tage gewann ich es über mich, die entweihte, ausgeplünderte Villa Albani, Winckelmanns Tempel zu besuchen. Nirgends in Rom haben die Franzosen so gefrevelt. Der fromme Fürst Albani hatte sich immer mutig gegen sie und ihre Tod und Verderben bringenden Grundsätze erklärt. Sie rächten sich am Heiligtum der Kunst am Gemeingute der Menschheit. Daß die Kolossalbüste der Pallas, das Hauptrelief des Antinoos, die Statue der Leukothea und andere Hauptstücke der Sammlung weggenommen wurden, war ungerecht; daß die Basreliefs aus den Wänden, die herrlichen antiken kolossalen Masken aus der wunderschönen Vorhalle gerissen und entführt wurden, war gewöhnlicher Raub. Allein daß Statuen, die man nicht mitnehmen wollte und konnte, verstümmelt, die Säule aus Verd’Antico angehauen, dem prachtvollen Becken von rotem afrikanischem Marmor der Rand mutwillig ausgebrochen, zart ausgeführten Marmorbasreliefs kleine Teile mit mühsamer Bosheit abgebrochen wurden, sind Züge von jenem pöbelhaften Frevel, den dies gebildetste Volk der Erde – wie es von seinen Schmeichlern, den Demagogen aller Nationen genannt wird – sich so häufig zu schulden kommen ließ." (Friederike Brun, geb. Münter, Römisches Leben, Leipzig 1833, II, S. 10)
Richard Duppa malt ein nicht weniger tristes Bild (Übersetzung meine):
    "Wegen meines Interesses für die shcönen Künste und wegen meiner natürlichen Anhänglichkeit an die Bildung kann ich nur tiefstes Bedauern empfinden wegen der Zerstörungen in der Villa Albani, jener Villa, die wegen ihrer Lage, ihrer Eleganz, ihrer Gelehrsamkeit und ihrer ausgezeichneten Kunstwerke, als weltweit einzigartig betrachtet wurde. Die Anlage, welche noch nicht dem Erdboden gleichgemacht und die Villa, die noch kein kompletter Schutthaufen ist, bleiben nun und für immer ein melancholisches Monument des Vandalismus des achtzehnten Jahrhunderts. Jede Status, jede Büste, jede Säule, jeder Kaminsims, jedes Stück Marmor wurde von seinem Platz gerissen und nach Paris geschickt, wenn es nicht zum Nebenerwerb gewisser Agenten des Direktiriums wurde, welche dafür zu sorgen hatten, daß nicht zurückblieb, was man noch verderben konnte. Ja, selbst die Sträucher der Gartenanlage wurden entwurzelt und zum Verkauf angeboten. Um ein solches Werk zu vollbringen bedarf es entweder der verderbtesten Verachtung jeglichen kultivierten Gefühls oder einer unersättlichen Barbarei..." (R. Duppa, A brief account of the subversion of the papal government: 1798, London, 1799)
Gian Francesco Albani floh vor den Franzosen nach Neapel, nahm später am Konklave in Venedig Teil und kehrte nach Rom zurück, wo er 1803 im Alter von 83 Jahren verstarb. Seine verwüstete Villa wollte er nicht mehr aufsuchen, da er im Exil ohnehin im Geiste von ihr Abschied genommen hatte und sie im geschändeten Zustand nicht wiedersehen wollte. Tja, der Glanz der Welt... Ich zumindest hoffe und bete, daß beide Kardinäle nebenher noch genug Zeit und Energie fanden, sich auch Schätze im Himmel zu sammeln.

Thursday, October 15, 2009

Barocke Sammlerfreude

Ich habe ein hochauflösendes Bild des Gemäldes "Innenansicht einer Bildergalerie mit der Sammlung des Kardinals Gonzaga" von Giovanni Paolo Panini gefunden [Obacht! Riesen-Datei!].



Erstens sieht man schön, wie damals die Gemälde wirklich Rahmen an Rahmen zu hängen hatten. Zweitens sind Tausende von Details erkennbar. Und es tut sich auch Neues auf: Dieses mikroskopische menschliche Wesen in rotem Rock, welches zur Rechten des Kardinals ungefähr 3 Meter von ihm entfernt über ein aufgeschlagenes Buch gebeugt steht, habe ich vorher noch nie bemerkt. Ob das ein Großneffe seiner Eminenz ist? Oder ein Hof-Belustingungs-Zwerg? Keine Ahnung. Sieht auf jeden Fall knüffig aus, so ein Winzling in Edelmanns-Klamotten.

Sunday, October 11, 2009

Die Damiansburg in Bruchsal entsteht...

Dieses Photo von einem Wandgemälde im Rathaus zu Bruchsal habe ich eben im Internet gefunden. Es zeigt Damian Hugo Kardinal von Schönborn (Fürstbischof von Speyer 1719-1743 und Fürstbischof von Konstanz 1740-1743), Balthasar Neumann und Maximilian von Welsch, zwei der Haus- und Hof-Architekten der Schönborn. Inwieweit die Personen einigermaßen genau dargestellt sind, kann ich nicht sagen. Von Welsch dreht dem Betrachter praktischerweise den Rücken zu, Neumann hat immerhin ein Kanonenrohr auf der Jackentasche, und beim Kardinal dachte man sich wohl "Okay, er ist ein Schönborn, also kriegt er runde Wangen, daß paßt dann schon". Paßt ja auch wirklich.



Die Architekten präsentieren dem Fürsten soeben den "Generalplan der Damiansburg, 1723". Besonders schön finde ich Neumanns Gestik, der entweder zu sagen scheint "Das wird wirklich 'ne piekfeine Bude!", oder der den Bischof davon zu überzeugen versucht, daß das Projekt vielleicht ein "klitzekleines bißchen kostspieliger" wird als erwartet. Schön auch die Details beim Kardinal: Das Sehglas, die roten Absätze, das Kissen unter den Füßen. Fehlt eigentlich nur noch ein Tischlein mit einer Tasse warmer Schokolade und etwas Gebäck.

Friday, August 07, 2009

Photos von der Rückreise

Rückreise-Tge sind immer so ein wenig Knütter-Tage, wenn es eine Rückreise von Bamberg ist. Um mir den Abschied zu versüßen (oder weniger schwer zu machen), halte ich in der Regel fünfzigtausend Mal an anderen interessanten Orten an.


Weil es Bamberg so schön nahe liegt und weil ich dann wohl irgendwie doch keinen Franken-Urlaub ohne wenigstens eine Messerspitze "Grafen von Schönborn" durchziehen kann, bin ich erst mal zu meinem Schloß gefahren: Weißenstein ob Pommersfelden.


Und siehe da: Ich wurde für meine Treue belohnt. In der Schloßkapelle, die nur zu den Messen geöffnet ist, und die ich daher bisher noch nie von innen gesehen hatte (ähh... das klang jetzt grad natürlich sehr elegant, aber - Ihr werdet es erraten haben - es war natürlich nicht SO gemeint), wurde grade ein wenig Staub gewischt. Ich fragte die Dame, ob ich mal dürfe und sie meinte 'na klar'.


In dem kleinen Kapellchen gibt's alles: Hochaltärchen,...


Örgelchen,...


Empörchen...


und Deckenfresköchen.


Das hier sieht auch so ein wenig wie ein Schloß aus, ist aber ein Kloster, nämlich die ehemalige Zisterzienser-Abtei Ebrach, gelegen an der Landstraße von Bamberg nach Würzburg.


"Ehemalige" klingt natürlich gar nicht gut, und wer eben schon "uh-oh!" dachte, der hatte Recht: Nach der Säkularisation hat sich um das einsam gelegene Stift ein Dörfchen angesiedelt und die enteigeneten Gebäude dienen heute als Postamt und Justizvollzugsanstalt (röchel). Immerhin hat man im Hauptgebäude des Klosters das barocke Treppenhaus und die Paraderäume erhalten können.


Wenn Ihr jetzt anfangt, so gewisse Ähnlichkeiten zwischen den verschiedenen Architekturperlen zu entdecken, so liegt Ihr nicht ganz falsch. Das Kloster Ebrach in seiner barocken Gestalt haben wir größten teils Leonhard Dientzenhofer zu verdanken, welcher ein Bruder des Johann Dientzenhofer war, Dieser wiederung hat nicht nur an Schloß Pommersfelden entscheidend mitgewirkt, sondern zum Beispiel auch das Böttingerhaus in Bamberg geschaffen.


Netter Erker


Mittel-netter Gargyl, aber prima Himmel


Die Kirche des Klosters ist noch vor 1700 barockisiert worden, weißt heute auber komischerweise auch so empiresques Zeugs auf. Schön ist sie natürlich trotzdem: Einmal hin....


... und wieder zurück.


Der Heilige Nepomuk, heftigst umschwirrt von einigen Engelchen.


Das Jesuskind, brav umrundet von den vierzehn Nothelfern (leider unscharf, sorry!).


Dann war ich auch noch in Würzburg, wo ich dieses witzige Schild fand: Erwachsene nur in Begleitung von Kindern! Das wünschen die Lütten sich wohl öfters...


Tja, und dann war noch Platz für ein Photo von der nicht untraumhaften und wieder einigermaßen zusammengeflickten ehemaligen fürstbischöflichen Residenz, und dann meinte die Digicam so "Och nö, du, ich bin jetzt dann mal voll und hab keinen Speicher mehr und du könntest dich jetzt eh mal langsam auf die Heimreise machen!" Seufz! Okay, dann halt ins Auto und 'Tschüß, Frankenland!' Aber so Gott will komme ich natürlich wieder!

Euch alles Liebe und ein schönes Wochenende!