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Thursday, June 17, 2010

Lady Gähn-Ga

Lady Gaga's neues Video zum Song Alejandro sorgt ja für einiges Aufsehen (zumindest in den USA).

Catholic League President Bill Donohue hat natürlich geschimpft und Gaga als Möchtegern-Madonna bezeichnet. Das ist ziemlich dreist. Ich mag Madonna nicht besonders, hab sie auch noch nie besonders gemocht. Ihre religiösen Forschungs-Feldzüge sind ihre Sache und wenn sie meint, mit katholischen Symbolen lassen sich ein paar Tausend Dollar mehr verdienen, dann kann einen das aufregen, aber verbieten kann man es ihr nicht. Aber: Sie hat die Pop-Welt um zwei bis drei absolute Klassiker bereichert, die im Vergleich zu dem monotonen Disco-Getrashe von Lady Gaga ganz hohe Kunst sind.

Bei Fox-News gibt es einen längeren Artikel, in welchem das Video im Kontext des Hollywood-Krieges gegen die Religion betrachtet wird. Das ist natürlich grober Unfug. Es handelt sich um einen Krieg gegen den Katholizismus. Andere Religionen sind zu gewalttätig oder zu langweilig. Das hat Hollywod längst erkannt. Nimmt man dazu noch die katholische Lehre, welche den Ansichten und natürlich auch der Praxis der "kulturellen Elite" so drastisch widerspricht (dazu aber auch plausibel ist), dann läßt sich leicht eins und eins zusammenzählen.

Dabei ist Katholiken-Shocking eigentlich gar nicht sooooo schlimm. Gaga liegt irgendwann in einem roten Latex-Nonnenostüm auf einem schwarzen Bett und stopft sich einen Rosenkranz in den Mund. Nicht, daß das irgendwie lustig oder toll oder sinnvoll ist. Aber ich habe schon bedeutend schlimmeres anti-katholisches Zeugs gesehen. Das eigentliche Verbrechen ist, daß sowohl Video als auch Song ein einziges Gähn-Fest sind. Die Musik hätten Ace of Base noch nicht mal als Lückenfüller auf einer Maxi-CD verwendet. Und das Filmchen ist spießiges, kleinbürgerliches Pseudo-Sex-Geschocke. Grade noch bekleidete Sixpacks mit Moe Howard-Frisur und Stöckelschuhen wälzen sich mal lasziv lockend auf Betten herum oder zelebrieren dance-fightend ihre hengstigen Leiber. Dazwischen Gaga in tausend verschiedenen Kostümen, von denen in der Tat eines schlechter bei Madonna abgeguckt ist als das andere.

Diese miese Qualität macht die Sache auch problematisch. Man könnte jetzt ja einfach sagen: Wenn Ihr blöden Katholiken Euch nicht darüber aufregt, dann schauen sich auch nur halb soviele Leute das Video an. Aber genau das ist der Punkt: Die Leute wissen doch heutzutage, daß sie, wenn sie kein Talent haben, nur irgendwo ein Kruzifix oder eine Madonnenstatue oder einen Rosenkranz auf nicht ordnungsgemäße Art verwenden müssen. Schon ist ihnen Aufmerksamkeit sicher. Denn die Ersten, die's aufpicken und multiplizieren, sind die Medien. Dadurch werden dann die leicht verdutzten Gläubigen informiert und mobilisiert und plötzlich wird ein Liter Schweinejauche zum Preis eines Brillant-Armbandes gehandelt. Und diese Faulheit, dieser Mangel an Kreativität, diese Berechnung ist es, die mich aufregt.

Mach doch mal irgendein Nichtskönner 'was originelles, bitte!

Wednesday, May 05, 2010

Mal was zur Ehrenrettung...

... der sogenannten "Neuen Deutschen Welle"

Ich glaube, der erste amtliche NDW-Song, den ich in meinem Leben hörte, war Berlin von Ideal. Und zwar hatte ich in der Schule einen Kumpel, der hatte einen älteren Bruder, und der hatte immer das ganze heiße neue Zeugs auf Walkman mit dabei.

Ich muß dazusagen, daß ich mich in dieser Zeit grade erst von ABBA entwöhnte. Es muß Mitte/Ende 1981 gewesen sein. Ideals erste LP war schon draußen, aber "Speak and Spell" von Depeche Mode war in Deutschland noch nicht erschienen, das weiß ich noch. Naja, jedenfalls setzte mein Kumpel mir die Hörer auf, meinte nur "Zieh' dir das rein!" und drückte PLAY. Mir sind fast die Ohren weggeflogen. Ich dachte irgendwie so etwas wie 'Boah! Mucke aus Deutschland, die gut ist? Die abgeht wie Schmitz' Katze? Für die man sich nicht schämen muß?'

Wenige Wochen später waren nicht nur Ideal bei uns allen ganz groß angesagt, sondern auch andere Deutsche Acts. Rheingold und Der Plan fallen mir spontan ein, an denen für uns als Düsseldorfer ja eh kein Weg vorbeiging. Die eigentlich viel älteren DAF und Fehlfarben wurden plötzlich auch gehört. Extrabreit war dabei. Ein paar ganz Coole zogen sich Krupps oder Einstürzende Neubauten rein.

Wir waren jung, wir waren wild und wir waren stolz auf unsere Mucke, weil wir tatsächlich jedes Wort mitsingen konnten und nicht zu englischen Texten rumnuschelten. Es war unsre Musik und wehe demjenigen, der sie uns madig machen wollte. Doch madig wurde es schnell, als unter dem Label NDW von profitwitternden Plattenfirmen plötzlich ein One-Hit-Wonder nach dem anderen ins Rennen um die vorderen Chartplätze geschickt wurde.

Als Fräulein Menke, Ixi, KIZ und wie sie alle hießen auftauchten und selbst unsre Lehrer bei bestimmten Songs mitsingen konnten, da fanden wir das plötzilch gar nicht mehr so witzig und folgten der Szene mit eher gemischten Gefühlen.

Immerhin blieben wir alle noch lange genug am Ball, um 1982 das zweite Ideal-Album Der Ernst des Lebens bejubeln zu können. Das war so ungefähr der Höhepunkt der Bewegung. Danach ging's bergab und NDW wurde ziemlich flott zum Un-Wort.

Jetzt sah ich grade auf Youtube eine Live-Version von Eiszeit. Woah! Erstmal: Zeitreise! Und dann: Wie groß waren die denn!? Eiszeit war einer der ersten Songs - wenn nicht der Erste - bei denen ich damals als 13,5-jähriger Pimpf und totaler Musik-Nicht-Fachmann nur aufgrund der Drums völlig ausgerastet bin. Die kurzen Breaks und auch der Wieder-Einstiegs-Break nach dem Chorus und nicht zuletzt die Hi-Hat haben mich fix und alle gemacht vor Vergnügen. Ich kenne heute noch (ohne bei Wiki nachzuschauen) den Namen des Drummers: Hansi Behrendt.

Ja, jetzt saß ich da und starrte auf die Eiszeit und dachte mir, daß das damals schon eine große Zeit war, und daß es damals auch einige oberanständige Bands gab. Man verzeihe mir altem Sack die rückblickende Wehmut, aber für mich gab's nach den Urschrei der NDW Musik in dieser Vielfalt und Güte aus deutschen Landen eigentlich nichts Vergleichbares mehr.

Genug gequasselt. Hier sind Ideal mit Eiszeit. Aufdrehen und genießen. Laßt Euch von den ersten 20 Sekunden nicht irritieren. Da hat der Uploader irgendsoein Zeugs vorgeschnitten.

Wednesday, April 28, 2010

In Würde altern...

Die Schmitzens waren für die gesamte Dauer ihrer Existenz (1984 - 1987) eine meiner unantastbaren Lieblingsbands.

Und "Headmaster Ritual" ist, seit ich den Song zum erten Mal auf "Meat is Murder" hörte, nicht nur eines meiner "Einsame Insel"-Lieblingslieder, sondern auch einer der Songs, die für mich The Smiths definieren.

Jetzt fand ich eine ganz passable Live-Version des Liedes aus dem Jahre 1985. Die könnt Ihr Euch jetzt erstmal reinziehen. Achtet auf Morrisey - ganz unverstandener, gequälter, 26-jähriger Soft-Rebel, der sich an die finsteren Zeiten an einer staatlichen Erziehungsanstalt erinnert:
    "Belligerent ghouls run Manchester schools
    Spineless swines, cemented minds
    Sir leads the troops, jealous of youth
    Same old suit since 1962
    He does the military two-step
    Down the nape of my neck

    I wanna go home, I don't wanna stay
    Give up education ss a bad mistake"




Und dann lösten The Smiths sich auf und Morrisey machte alleine weiter und weiter und weiter. Mittlerweile ist er 51 Jahre alt und aus dem verletzlichen Bub im Flatterhemd ist ein suave-knurriger Entertainer geworden, der immer noch grob textet, wie man im Video zu "Irish Blood, English Heart" hören kann:
    "Irish blood, English heart, this I'm made of
    There is no-one on earth I'm afraid of
    And I will die with both my hands untied

    I've been dreaming of a time when
    The English are sick to death of Labour
    And Tories, and spit upon the name of Oliver Cromwell
    And denounce this royal line that still salute him
    And will salute him forever"



Man mag vom den Kerl ja halten, was man will, aber ich finde, daß er im "Alter" (ziemlich relativ... 51 bedeutet für Pop- und Rock-Musiker ja heute eigentlich auch nichts mehr - siehe Stones) nicht unbedingt schlechter wird. Mann, wenn Johnny Marr und der sich nochmal zusammentäten, stünde einer Welteroberung nichts mehr im Wege.

Friday, March 19, 2010

Das ist sooooooooo witzig!

Ich kann wirklich nicht behaupten, daß ich ein Bon Jovi-Fan bin. Aber wenn ich die Wahl zwischen den Traditions-Rockern und einer Retorten-Barbie wie Miley Cyrus habe, dann muß ich aber noch nicht mal eine Sekunde überlegen.

Ähnlich scheint es der jungen Dame in diesem Video zu ergehen. Enjoy!


Beweis: Geschmack läßt sich nicht erlernen. Mit Geschmack wird man geboren.

Friday, March 12, 2010

Ogilvie an Ogilvie

Thomas schickte aus dem Abendland eine Bitte nach den Noten der Ogilvie-Hymne, deren Refrain ich hier wiedergab.

Ich fand im Internet einen Scan, den ich hier einstelle, weil's vielleicht auch noch andere Interessenten gibt.




Und hier ist der Text der Hymne:
    On the battlefields of Scotland in the hour of victory,
    There was heard the cry of heroes, “Ogilvie, an Ogilvie.”
    Gallant son of gallant fathers, it was thine as theirs to fight,
    But with gates of hell contending, thou didst die for truth and right.

    Blessed martyr, thy example will our strength in weakness be,
    Hear our cry in times of peril: ‘Ogilvie an Ogilvie.’

    By the scaffold all undaunted, strong in grace we see thee still,
    Looking up, serene and smiling, with a firm, unconquered will.
    It is thy bright hour of triumph, like Our Lord on Calvary’s cross,
    Victory is thine in dying, endless gain in seeming loss.

    Blessed martyr, thy example will our strength in weakness be,
    Hear our cry in times of peril: ‘Ogilvie an Ogilvie.’

    Blessed Martyr, hear thy children, be our guide and show the way.
    Make us strong and keep us steadfast in the warfare of today.
    Looking down from heights of glory, see in us thy kith and kin.
    Teach us thy strong trust in Jesus, that we too may victory win.

    Blessed martyr, thy example will our strength in weakness be,
    Hear our cry in times of peril: ‘Ogilvie an Ogilvie.’
Ballsy!

Saturday, March 06, 2010

Es gibt kein falsches Alter...

... es gibt nur die richtigen Hüte!



Zum ersten Mal seit 1983 waren die Ex-Clash-Legenden Paul Simonon (links) und Mick Jones wieder gemeinsam im Studio. Wer brachte sie zusammen? Damon "Blur" Albarn, bzw. sein virtuelles Mucke-Projekt: Die nicht uncoolen (trotz des "z" am Ende) Gorillaz.



Bildmaterial der Gorillaz gibt's nur in Form von animierten Videos und Illustrationen des Tank Girl Mit-Schöpfers Jamie Hewlett, der mit Albarn gemeinsam die Gorillaz startete. Auf dem Bild seht Ihr die fiktiven Mitglieder der Band vlnr: Russel (drums, hinten), Noodle (vocals, guitar), 2D (vocals, keyboards) und Murdoc (bass). Keine Bange: So gespenstisch und verludert, wie sie hier aussehen, klingt die Musik nicht. Den ersten Hit Clint Eastwood (und das witzige Thriller-ripoff Video) kennt wahrscheinlich jeder.

In diesen Tagen erscheint das neue Gorillaz-Album in den Läden. Und an diesem haben eben auch Jones und Simonon mitgearbeitet. Aber nicht nur: Auch Leute wie Snoop Dogg, Lou Reed, Mos Def, Bobby Womack, Gruff Rhys und Mark E. Smith konnte Albarn mobilisieren. Das liest sich schon ziemlich gut. Vor allem scheint Albarn ein Gespür für die Namen zu haben, bei denen man sich automatisch fragt "Was macht der eigentlich heutzutage...? Ab jetzt lautet die Antwort: Es war mit den Gorillaz im Studio!

Tuesday, February 16, 2010

Es gibt so Lieder...

... bei denen stellt sich einfach immer gute Laune ein.

Heute ist ein grauer, kalter, regnerischer Tag. So richtiges Frustwetter.

Mein Tip gegen solche Tage lautet momentan Too Young von Phoenix. Das ist eine Alternative Rock-Combo aus Fronkraisch, die wirklich gute Musik macht. Bekannt sein dürfte ihr Ohrwurm Everything is Everything aus dem Jahre 2004.

Aber schon im Jahr 2000 nahmen die Jungs Too Young auf. Dieser Song gehört mit zum Soundtrack der Komödie Shallow Hal (Schwer verliebt - Gwyneth Paltrow, Jack Black) und ist somit der einzige Grund, warum man sich den Film ansehen kann. Okay, Joe Viterellis Gefluche mit irischem Akzent (im Original) ist auch noch ein Grund, geb ich ja zu.

Anyway: Wenn Ihr ein Mittel gegen schlechte Laune sucht, dann klickt mal hier. EMI erlaubt keine Video-Einbindung, daher der Link. Die Musik alleine funktioniert zwar auch bestens, andererseits sollte man den aus der Gitarre schießenden Regenbogen, die dazu passende 70er-Jahre Glitter-Hose und die mit Hafenarbeiter-Overall und Schutzhandschuhen bekleideten Background-Tänzer schon gesehen haben.

Cooler Song, sympathisches Video.

Sunday, January 24, 2010

Zum Miauen... ähhh... Wiehern!

Die "Petits Chanteurs à la Croix de Bois", ein kirchlicher Knabenchor aus Frankreich, gaben während eines Auftritts in Seoul Rossini's Duetto buffo di due gatti zum Besten. Ich sage mal vorweg nix, außer, daß die Coolness der beiden Sänger fast noch bewundernswerter ist als ihre Stimmen. Ich wäre nach einer halben Minute kreuz und quer über die Bühne gerollt.


[Tiefe Verneigung und Hat-Tip an Raphaela, die mich auf dieses Schmankerl aufmerksam machte]

Tuesday, January 19, 2010

Eine American Idol Pro-Life-Story



Maddie Curtis hat eine prima Stimme (sie singt später im Video Leonard Cohens Hallelujah). Sie hat außerdem 11 Geschwister, davon 4 mit Down Syndrom (davon wiederum 3 adoptiert). Vor zwei Jahren wurde Familie Curtis geschlossen in die Katholische Kirche aufgenommen. Sorry, das Video ist auf englisch!

[Hat-tip: creative minority report]

Friday, November 27, 2009

Ich schmeiß mich weg!

Tausend Dank an Raphaela, die mir - sozusagen als Rache für den durch die neulich gepostete Literal Video Version von Total Eclipse of the Heart verursachten Ohrwurm - einen Link zur Bethlehemian Rhapsody von den Apologetix zugeschickt hat. Ich habe mich köstlich amüsiert.




Is this a real guy? Is he just fantasy?
‘Cause of his grand size, no one’s safe from fatality
Open your eyes, look up at Goliath, and see:

GOLIATH
I’m dressed for war boys, I need no infantry
Because I’ll meet the one you propose
Israelites, pick my foe
Anyway, I’ll win, so it doesn’t really matter to me

DAVID
Mama, there’s still no man who can come against this threat
You might figure now we’re dead
Mama, Goliath is testing us
And know he’s gonna know they’re all afraid
Mama, he’s a mean and crazy guy
He’ll come right back again this time tomorrow
Daring us, Scaring us- cause he wants to meet in battle
Hooray! My time has come
Been a shepherd all my life-but I’m taking on this giant
Goodbye, everybody – but not for long
God will lead me all the while I face this brute
C’mon...

CHOR
(David you’re a whimp though)

DAVID
I’m not gonna die
The One who wins my battle is Lord over all

GOLIATH
I see a little silly shepherd, not a man
What are you trying to prove? You’ll be chewed up and mangled!
Send a boy to fight me? A very very tiny flea!

DAVID
Gol-la-liath! Gol-la-liath! Gonna die you big galoot!
I’ll kick your butt!
I trust the Lord but nobody trusts me

CHOR
He trusts the Lord but suffers from insanity
Daring to fight ‘gaist this monstrosity

DAVID
Evil comes, evil goes- you will get deposed

GOLIATH
I will not, no! I will not get deposed

DAVID
Yes, you will (repeat) Your head will rol

GOLIATH
No, no, no, no, no, no, no!
Come-to-me-a! Come-to-me-a! Let the eagles pick your bones
Beelzebub and his devils gonna fight for me for me for me

DAVID
So you think you can scorn me and spit on my tribe?
So you think you’re above me just based on your size?
Oh, baby…. you ain’t just duelin’ David
You’e gonna get it now- cause God’ll win my battle here

CROWD
Oh yeah! Oh yeah! Oh yeah!

DAVID
Guys I’m really flattered-yet it wasn’t me
God wins every battle- God wins every battle for me

STIMME
David will be king soon

Tuesday, November 17, 2009

Klassiker einmal anders

Die Literal Video Version-Masche ist ja eigentlich auch schon wieder so was von gestern, aber bei dem Remake von Bonnie Tyler's "Total Eclipse of the Heart" lach ich mich immer wieder breit. Wer's noch nicht kennt, kann's jetzt hier sehen:



Eine Literal Video Version ist ein klassisches Pop-Video, das einen neu geschriebenen (und auch gesungenen!) Text verpaßt bekommt, der einfach nur beschreibt, was in dem Video passiert, dies möglichst witzig.

Friday, September 25, 2009

Rock-Nostalgie

Ich habe mir so gegen 9:30 einen Zweit-Kaffee geholt. Dazu gehe ich in einen kleinen Raum, welcher direkt an das Refektorium anschließt. In früheren Zeiten war dieser Bereich Teil des Refektoriums, bis dann - ich glaube nach dem Zweiten Weltkrieg - eine Wand eingezogen wurde und so ein Raum entstand, in dem zwei Stifts-Angestellte die aus der Küche im Lastenaufzug hochgebeamten Speisen auf Rollwagen stellen und dann zum Auftischen ins Refektorium fahren. Zudem gibt's dort Kühlschränke, aus denen man sich Joghurts und Milchreis und Actimel und kaltes Mineralwasser etc besorgen kann, eine Espresso-Maschine und auch einen Tisch, um den sich immer wieder mal ganz gemischtes Volk versammelt. Der Raum heißt - politisch ebenso unkorrekt wie phänomenologisch stimmig - "Dienerkammer". Dort steht auch ein kleines Radio, aus dem manchmal unerwartete Stücke erschallen. Zum Beispiel heute: Während ich meinen Espresso zapfte, wippte mein linker Fuß plötzlich im Takt zu Twilight vom Electric Light Orchestra, kurz ELO.

Von der Sexta bis zur Untertertia gab es auf dem Gymnasium eine Phase, in der das ELO der kleinste gemeinsame Nenner war, bevor die Wege sich dann trennten in Richtung Hardrock der Geschmacksrichtungen Whitesnake, Scorps, Deep Purple und Rainbow (ein nicht kleiner Haufen von Klassenkameraden hielt Ritchie Blackmore für Gott), (Post-)Punk (Siouxsie und The Cure ließen die ganz Mutigen schon im Alter von 13 Jahren mit Schwarz liebäugeln) und New Wave (Depeche Mode, OMD, B 52s, Human League, Devo und wie sie nicht alle heißen und hießen). Ich fuhr so ein wenig Zweigleisig auf den Postpunk und Wave-Schienen, war aber vorher auch ein unerbittlicher ELO-Fan. Das war mir dann später eine Zeit lang peinlich. Heute steh ich wieder mit stolzgeschwellter Brust zum Orchestra und werde mir nun, wo das Alter schwer wiegt und die Jugenderinnerungen immer kostbarer werden ☺, auch entweder eine Compilation oder wenigstens A New World Record, Out of the Blue und Discovery zulegen.

Ich folge dabei nicht dem schon Mitte der 80er eigentlich ausgelutschten und langweiligen "uncool ist cool"-Prinzip, welches Schlaghosen, Plateauschuhen, Afros, Flokati-Westen und der Farbe Orange ein erschreckendes Comeback ermöglichte und somit Netzhautpeitschen wie dem gesamten Emsemble von Lenny Kravitz' 1995er-Tour zu Stil-Ikonen-Status verhalf, sondern stützte mich schlicht und einfach auf die Qualitäts-Frage. Und da komme ich nüchtern zu dem Schluß, daß Alben wie Out of the Blue oder A New World Record einfach Pflicht sind. Es mag Leute geben, die bei Tunes wie Mr. Blue Sky, Turn to Stone, Livin' Thing, Jungle oder Sweet Talkin' Woman nicht mitsummen und mitwippen müssen. Aber die gehen sicherlich zum Grinsen auch in den Keller. Selbst auf dem von der Kritik schon wieder übersehenen Discovery (wegen dem nicht zu überhörenden Disco-Einfluß von Keyboarder Richard Tandy scherzhaft "Disco? Very!" genannt) gibt es Perlen wie Shine a Little Love, Confusion, The Diary of Horace Wimp und natürlich den ELO-Erkennungstune Don't Bring Me down.

Ich habe mir im ELO-Rausch als Pimpf dann natürlich auch noch Time zugelegt und fand das Album wegen seiner New-Wave-Anbiederung anfangs rasend cool, verlor aber ebenso schnell wieder das Interesse an den Songs, weil sie irgendwie nicht Vintage ELO waren und weil der New Wave nun mal anderen Bands gehörte. Als 1983 Secret Messages erschien, mußte ich der Beziehung dann ein Ende setzen, weil die ELO-Jungs irgendwie im Nebel herumspielten und weil mittlerweile auch ganz andere Bands sich in mein Herz geschlichen hatten. Heute, als weiser Pop-Greis, lerne ich die ELO-Songs wieder zu schätzen. Die simplen, aber effektiven Rock-Nummern - mal schnell, vergnügt stampfend und tanzbar, mal langsam, melancholisch und schluchzend - die sich entweder durch Streicher-Suppen oder durch Keyboard-Schwaden hindurchkämpfen müssen, haben es mir irgendwie angetan und klingen im Jahr 2009 plötzlich wieder urst originell.

Das Electric Light Orchestra ist ja nun eher eine der bekannteren Bands der Rockgeschichte, also muß ich Empfehlungen oder Warnungen wahrscheinlich nicht aussprechen. Wer ELO liebt, der weiß warum. Ebenso wie diejenigen, die um das Orchestra eher einen großen Bogen machen. Sollte es jüngere Leser geben, die sich grade denken 'Wovon faselt der Opi da eigentlich?', denen sei als Reinhörtip das Doppelalbum Out of the Blue empfohlen, welches die Band auf dem Höhepunkt ihres kreativen Schaffens zeigt. Die dritte Seite der Doppel-LP ist gar ein "Concerto for a rainy day", sprich eine Konzept-Seite, die sich mit miesem Wetter befasst und mit dem irre guten Mr Blue Sky einen zapplig-vergnügten und versöhnlichen Abschluß findet.

Party-Fact: Die Vocoder-Stimme am Ende von Mr. Blue Sky sagt nicht etwa "Mr. Blue Sky, why?" wie immer wieder fehlgehört wird, sondern "Please turn me o-ver", eine Bitte an die Hörer des Vinyl-Albums, die Scheibe doch bitte umzudrehen.

Saturday, June 27, 2009

Don't stop til you get enough...

Ich sitze grade bei uns im Computer-Zimmer und nebenan schaut sich Ignatius ein wenig das MTV Michael-Jackson-Tschüss-Special an. Jetzt laufen die ganzen Singles und ich muß mal eben offiziell klären, daß ich es schade finde, daß Michael Jackson tot ist. Arme Seele.

Ich war nie ein Super-Riesen-Fan von seiner Musik (und schon gar nicht von seinem Privatleben), aber ich finde andererseits, daß Songs wie "Don't Stop til you got enough", "Billie Jean" oder "Smooth Criminal" einfach rabenstark sind und verdientermaßen Evergreens sind. Vor allem "Billie Jean" (1983) hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr gehört. Als es eben im Fernsehen lief, gab's erstmal den Expresszug entlang der Erinnerungsstraße in die Jugend. Irgendwie hat er uns ja doch alle erreicht, ob wir wollten oder nicht. Wer kennt nicht "Bad", "Thriller" oder "Beat it" (inkl. der Videos)?

Blöd, daß er so ein Alien war. Andererseits natürlich ideal zur Legendenbildung, die jetzt bestimmt ganz fett abheben wird.

Ich hatte in den letzten Jahren immer so ein wenig gewartet und auch gehofft, daß er nochmal aus der Hüfte kommt und mit einem richtig geilen Song aufwartet. Naja, jetzt hat er aufgehört, obwohl er sich ja eigentlich für eine neue Tour fitmedikamentieren wollte.

Monday, June 01, 2009

Da ja jetzt Examenszeit ist...

... geht meine gesamte Geisteskraft grade direkt ins Pauken. Also regiert auf am römsten für die nächsten 3 Wochen der gepflegte Unsinn bzw. die anspruchslose Unterhaltung. Bitte vorab um Entschuldigung und biete auch gleich etwas zur Wiedergutmachung an!

Ich mache Euch jetzt alle mit einem Album bekannt, welches so gut ist, daß ich es bisher immer verdrängt habe, wohl in dem Wissen, daß ich ihm mit keiner der handelsüblichen Alipius-Rezensionen gerecht werden kann. Heute ist mir das zum Glück egal. Ich habe meinen Kopf den ganzen Tag lang für das anstehende Geschichts-Examen mit Daten, Namen und Ereignissen vollgepfropft, und jetzt brauche ich einfach Abwechslung.


Sehr verehrte Damen und Herren: Ich präsentiere Danny Wilson mit ihrem Debut-Album Meet Danny Wilson. Das Wundertrio aus Schottland war kurzlebig. Gegründet im jahre 1984 unter dem Namen "Spencer Tracy" benannte man sich nach dem Bogart-Film "Meet Danny Wilson" und gab praktischerweise auch gleich dem 1987 erschienenen Debutalbum den Filmtitel. Leider lösten die Jungs sich schon 1991 nach dem dritten Longplayer wieder auf.

Jeder kennt natürlich Mary's Prayer, auch wenn viele glauben, der Titel des Songs sei "Save me". Und so ziemlich jeder mag auch dieses Lied. Nun stellt Euch vor, daß es eine Scheibe gibt, auf der noch 14 andere Stücke zu finden sind, die fast alle diese Qualität haben, wenn nicht gar noch töfter sind. Stylischer Erwachsenen-Pop mit wunderbarer Instrumentierung, unvergeßlichen Melodien und großen Gefühlen. Steely Dan wird häufig als Vergleich rangezogen. Stimmlich gibt es durchaus Ähnlichkeiten, und auch die gewisse Coolness des Altmeisters scheint bei Danny Wilson manchmal durch. Dennoch sind die Schotten eigentlich auch ohne "Hey, die klingen wie..." erkennbar und eigenständig.

Ich bin jetzt zu morsch, um zu jedem Song etwas zu schreiben. Laßt Euch nur gesagt sein, daß wir es hier mit einer Platte zu tun haben, der man wenigstens einmal eine Chance gegeben haben muß. Es sind so viele wunderschöne Lieder drauf!

Wenn ich irgendwo bin und irgendwas mache und plötzlich von irgendwoher "Mary's Prayer" oder "Davy" oder "Steamtrains to the Milky Way" zu hören sind, dann lasse ich alles liegen, lehne mich zurück und höre zu, bis die letzte Note verklungen ist. Und das will bei Mister Multitasking echt was heißen.

Intelligenter Pop mit Piano, Bläsern, Xylophon, fitten Instrumentalisten, einer schönen Stimme und rasend guten Kompositionen. Wollt Ihr dazu wirklich "Nö!" sagen?

Sunday, May 31, 2009

Die edelsten Niederländer aller Zeiten

Während Elsa noch im tridentinischen Himmel schwebt, mache ich mal ganz heimlich einen Aufschlag.

Die Jungs von NITS, einer langlebigen (seit 1974), kriminell übersehenen und anspruchsvoll-humorigen Band aus den Niederlanden, bereiten mir, seit ich sie 1987 kennenlernte, immer wieder grenzenloses Vergnügen. Sie haben vom frühen New-Wave über den NITS-typischen Avantgarde-Stil, die satie-esquen Piano-Träumereien und die Jazz-Anleihen bis zum immer grade noch independent genug bleibenden Pop so viele schöne Songs geschrieben, daß sie sich bei mir für immer einen Platz ganz oben gesichert haben.

Ich habe mich für J.O.S. Days (J.O.S. = Jeugd Organisatie Sport = Jugend-Sportclub) aus dem Jahre 1987 entschieden. Selten gab's bei Anti-Kriegsliedern so viel zu lachen. Typisch NITS, mit einem Augenzwinkern anzuklagen.



"It's a family tradition
to play in a football team.
I have nephews, dumb but tall,
who - still fetus - kicked the ball.

I got flat feet and
my knees are weak.

They all thought it was time to start my
J.O.S. days"



P.S.: Falls jetzt jemand sagt "Hey, momentchen Mal! Die Jungs sind aber nicht typisch 80er!" so gehe er bitte zu youtube und schaue sich das Video zu Nescio an.

P.P.S.: Wem NITS so rein gar nichts sagen will, der gucke hier. Diesen Song kennt - glaube ich - so ziemlich jeder.

Friday, May 29, 2009

Pong!

Elsa hat mit ihrem Dead or Alive-Ping ziemlich tiefgestapelt. Das ist weit mehr, als ein hilfloser Versuch, den Kopf wieder hoch zu tragen, nachdem mein Sigue Sigue Sputnik-Return als fieser Volley-Stop gleich hinter dem Netz unerreichbar wie ein Sack Zement auf die Platte fiel.

Die Kategorie "Androgyne 80er" ist nämlich gar nicht so einfach! Boy George ist viel zu leicht. Annie Lennox ist viel zu erhaben. Queen hatten mit "I want to break free" nur einen kurzen Flirt mit dem Phänomen. Divine war schon Drag bevor er Pop wurde (und ist außerdem irgendwie zu tortig). Was bleibt denn da noch übrig?

Hmm... Vielleicht sollte ich erst einmal auf Zeit spielen und Elsa zeigen, daß ihre Intuition, beim Video die Typen nicht unbedingt anschauen zu wollen, nicht ganz falsch war. Denn Pete Burns, der Sänger von Dead or Alive, ...

... den ihr in diesem Photo quasi noch als butchen Oberkerl seht...


... hat sich im Laufe der Jahre in das hier verwandelt.


Wozu mir wiederum nur das hier einfällt...


So, Pong-mäßig ist der Groschen jetzt endlich gefallen:


Marilyn: Caling your Name aus dem Jahre 1984.

Marilyn und Boy George waren Roommates, lange bevor der Erfolg kam. Da Culture Club zuerst in die Charts kamen und somit Boy George zuerst in den Schlagzeilen auftauchte, konnte Marily nie mehr werden, als ein von den Medien belächelter Boy-George-Abklatsch.

Monday, May 25, 2009

Doppel-Pong!

Elsa hat gleich zweimal das Spiel eröffnet: Dem kräftigen Adam and the Ants-Service folgte gleich noch ein Stephen 'TinTin' Duffy-Aufschlag mit viel Topspin. Die Dinger sind schwer wieder ins Feld zurückzubringen, aber ich werd's mal versuchen.

Zum Thema "Kostümverleih-Pop ohne Frisurenschranken oder Geschlechterzwang" fiel mir zuerst der Ants-Ableger Bow-Wow-Wow ein. Auch Haysi Fantayzee (Kennt die noch jemand?) und sogar Visage kamen in die engere Auswahl. Aber irgendwie lungerte da im Hinterkopf immer noch etwas herum. Und dann fiel endlich der Groschen: Sigue Sigue Sputnik, die ziemlich langweiligen Oberposer aus England, die nur deswegen im kollektiven Kulturgedächtnis fortleben dürfen, weil die Briten eben doch Sinn für Humor haben. Ihre erste Single Love Missile F1-11 sorgte 1986 für Furore und war nicht unerfolgreich. Der Erfolg mußte aber auch kommen, waren an der Geburt des Sputnik Babies doch Leute wie Tony James (Generation X), Mick James (The Clash), Malcolm McLaren (Sex Pistols) oder Giorgio Moroder beteiligt. Naja, hier ist das Video. Wenn Ihr nach einer Minute denkt "Hey, tut sich da auch nochmal was?", so verrate ich Euch gleich, daß die Antwort "Nö!" lautet. Ihr könnt getrost das Viedo stoppen und zum nächsten weiterziehen.


Wir nannten dieses Video früher immer "Spray it up!", oder länger "The video that took 17 gallons of hairspray in the making!" Und warum die zwei Drummer brauchen, das muß mir auch erstmal jemand erklären.


Zur Kategorie "Gründungsmitglieder, die den Erfolg verpaßten..." (Stephen Duffy gründete einst mit John Taylor und Nick Rhodes Duran Duran, stieg aber noch vor dem ersten Plattenvertrag aus) "... aber später mit weniger bekannten Bands astreinen Pop fabrizierten" fiel mir nach etwas Grübeln Michael Dempsey ein. Der zupfte nämlich auf dem ersten Cure-Album Three Imaginary Boys den Bass. Dann verließ er die Band (Jahre, bevor Bob Smith und Konsorten begannen, Stadien zu füllen), spielte vier Jahre mit den Associates, flirtete eine Single (Avalon) und eine Tour lang mit Roxy Music und stieg dann bei den Lotus Eaters ein. Deren 1984er-Debutalbum No Sense of Sin war eigentlich so etwas wie eine mittelschwere Offenbarung. Aber der Erfolg blieb aus und die Band zerfiel. Erst im Jahr 2002 gab es ein zweites Album. Da war Dempsey aber schon weitergezogen zu diversen anderen Projekten. Vom Album No Sense of Sin gibt's jetzt die Single The first Picture of you


Rein ins Cabrio, drauf auf die Landstraße und mit gemächlicher Geschwindigkeit an schäfchenstrotzenden Wiesen und malerischen Dörfern vorbeiziehen. Schöner wurde selten gesommerhittet. Vor allem beim Instrumental-Chorus ab 4:12 weht mir der Wind durch die Haare, selbst wenn ich jetzt nur hier am Computer sitze.

Friday, May 22, 2009

Ping!

[Obacht: Die Warner Music Group zieht offenbar schon seit Dezember vergangenen Jahres zunehmend ihr Songs von Youtube ab. Videos gibt's daher entweder gar nicht mehr oder nur als Live-Version (mit entsprechend lausiger Qualität) oder nur im Bild (ohne die dazugehörige Mucke) oder mit Musik, dann aber nur mit von Fans selbstgebastelten Videos, welche meistens nur aus faden Stills bestehen, so wie beim zweiten hier eingebundenen Video :-(. Dies bedeutet, daß Elsas und meine 80er-Schlachten künftig etwas öder ausfallen könnten.]


Daß obskure 80er-Bands nicht immer aus der gotischen Ecke kommen müssen, sondern manchmal auch ganz edlen Pop fabrizieren, wo einem beim Erklingen des Chorus auch nach 25 Jahren und 83.461-maligem hören immer noch am Unterarm plötzlich die Härchen aufstehen, daß sei mit diesen beiden Videos bewiesen:



The Icicle Works: Birds fly (Whisper to a Scream)



The Icicle Works: Love is a wonderful Color

Die zweite und die dritte Single der Liverpooler aus dem Jahr 1984. Ihr Debut-Album (praktischerweise schlicht "The Icicle Works" betitelt) ist eines DER 80er-Meisterwerke. Eingängige Melodien bis zum Abwinken, entweder in Form von derb-kräftigen Zappel-Nummern (As the Dragonfly flies, A Factory in the Desert) oder unsterblich schönen Balladen (Reaping the rich Harvest, Out of Season). Jeder Song ein Hit, ich schwör's!

Sunday, May 17, 2009

80ies Ping Pong

Elsa beschreibt zum eingestellten Depeche Mode-Clip Tora! Tora! Tora! typische 80er Tanzbewegungen. Als ich das las, fiel mir spontan eigentlich nur eines ein:



Oooh yeah, Baby! Das sind die 80er, wie ich sie damals kannte und heute noch liebe!

Natürlich hatte ich zwischen 14 und 17 selbst immer 'ne halbe Kanne 3-Wetter-Taft (ultra-strong) im damals noch vollen Haar. Natürlich verlief bei mir nach 30 Minuten Vor- und Zurück mit Armwedeln der Kajal. Natürlich trug ich nur Schwarz, Übergrößen, spitze Schnallenschuhe etc. Natürlich stand in meinem Personalausweis Claus "Robert Smith" Müller.

Später dann, als ich für zwei Jahre in Freiburg wohnte und der dortige damalige Indie-Club #1 (das "Crash"; Volksmund "das Loch") von Freitag 22:00 bis Sonntag 4:00 mein Wohnzimmer war, blickten wir "Erwachsenen" (18-20) mitleidig auf den Goth-Nachwuchs hinab und nannten ihn spöttisch "Fraggles", was den von Elsa beschriebenen Tanzstil bald zum "Fraggeln" werden ließ.

Okay, soviel zur Geschichtsstunde. Jetzt zieht Euch aber endlich "Los Niños en el parque", diese 80er-Perle der "Liaisons Dangereuses", rein. Deutsche Band übrigens mit illustrer Besetzung, u.a. Beate Bartel (Neubauten-Gründungsmitglied) und Chris Haslo (DAF).

Die Mucke wird Vielen zu monoton klingen und Fragen wie "Wat? 'S'n das? Dafür so'n Aufwand?" auslösen. Zu Ehrenrettung der Liaisons ein Auszug aus dem Wiki-Eintrag:
    So schmal das Werk der Liaisons Dangereuses auch ist, umso gewichtiger war sein Einfluss. Die kurze Zusammenarbeit der beiden Pioniere der deutschen elektronischen Musik nahm teilweise EBM und Techno vorweg und prägte diese Stile erheblich. Ihr Einfluss wird häufig mit dem von Kraftwerk und der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft verglichen.

P.S.: Liebe Elsa, jedes von Dir künftig veröffentlichte 80er-Video, wird - sofern es Assoziationen wachruft - nicht unbeantwortet bleiben. Daher auch der Titel dieses Eintrags und das neue Label

Monday, April 20, 2009

Gänsehaut

Eurythmics: Here comes the rain again, live von der 1987er "Revenge"-Tour



Ich habe genau diese Tour damals in Düsseldorf in der Philipshalle gesehen und ich habe Tränen geschwitzt. Mit Abstand das beste Konzert, das ich jemals gesehen habe. Der Abend ging schon gut los. Hipsway waren damals Vorgruppe und haben ein supersolides Set hingelegt, das die Menge genau bis an den Rand der Kernschmelze, aber keinen Schritt weiter, gebracht hat. Den Rest erledigten dann Eurythmics.

Eurythmics war nie eine meiner absoluten Lieblingsbands. Sweet Dreams und das bei einigen Fans und Kritikern nicht so gut angekommene 1984 sind meine Lieblingsalben. Ansonsten gab es auf jedem Longplayer immer so drei bis vier Songs, die mich ziemlich mitrissen, der Rest war dann nur noch okay. Aber an diesem Abend haben Annie Lennox und Dave Steward sich zusammen mit ihren Bühnenmuckern in den Olymp gespielt.

Heimliche Stars des Gigs waren Jimmy "Z" Zavala am Saxophon und an der Hamonika (nach There must be an Angel mußten sowohl er als auch das Publikum erstmal durchatmen) und Blondie's Clem Burke an den Drums. Burke ist vielleicht keiner der ganz großen Schlagzeughelden. Aber wenn ich daran denke, wie er die Band an diesem Abend antrieb, wie supergenau die Breaks saßen und wie unglaublich tight sein Spiel war, dann kriege ich jetzt noch Haarspitzenkatharr. Und - meine Fresse - was ist die Annie Lennox schön!

Höhepunkte des Abends waren für mich das schon angesprochene There must be an angel, der Opener Sex Crime, zu dessen aus der Dose kommenden Anfangsklängen der Riesenreißverschluß, der den schwarzen Bühnenvorhang in der Mitte zusammenhielt, aufreizend langsam hinunterfuhr, bevor dann die Vorhanghälften wegflogen und die Band mit dreifacher Normalgeschindigkeit in den Song reinpreschte, die Pop-Hymne When tomorrow comes und eben Here comes the Rain again welches ich hier präsentiere.