Unter diesem Titel hat
Josef Bordat einen sehr interessanten Artikel gepostet, der anhand des empirischen Materials aus einer Studie den Zusammenhang zwischen überzeugtem Christsein und Toleranz untersucht.
Grob zusammengefaßt sieht es so aus, daß überzeugte Christen bedeutend weniger Probleme mit Gläubigen anderer Religionen als Nachbarn haben, als überzeugte Konfessionslose. Einen Vorsprung bzgl. der Ablehnung haben die Christen bei Rechts- bzw. Linksextremisten, Trinkern, Drogenabhängigen und AIDS-Kranken.
Josef Bordat dazu:
"... werden von den Christen/Kirchgängern Menschen tendentiell eher für ihr Tun kritisch beäugt als für ihr Sein. Bei den Konfessionslosen/Nicht-Kirchgängern ist das umgekehrt: Hier ist das Sein als Moslem, Jude oder Schwarzer eher „Grund“ für die Ablehnung. „Bestraft“ der Christ also die unangenehmen Eigenschaften bei größerer Vorbehaltlosigkeit gegenüber dem Wesen des Menschen, ist das bei Konfessionslosen gerade anders herum.
Es geht sicher zu weit, wenn ich nun folgere: Der Christ liebt den Menschen und hasst die Sünde, beim Konfessionslosen ist das umgekehrt."
Wir haben bei uns am Angelicum den Spruch:
"Liebt den Sünder, haßt die Sünde" eingebläut bekommen. Wenn man nun bedenkt, daß ja jeder Mensch ein Sünder ist, ließe sich dies in der Tat übersetzen in
"Der Christ liebt den Menschen und haßt die Sünde".
Andererseits: Sollten die Christen (gemäß dem Spruch
"Liebt den Sünder, haßt die Sünde") nicht noch lieber neben Säufern, Fixern, Zockern und Huren wohnen wollen? Denn dies sind doch die Sünder, die zu lieben wir aufgerufen sind. Wurde in der Frage nach den Menschen anderer Religionen vielleicht so etwas impliziert wie ein anständiger, teilweise mit der christlichen Lehre kompatibler Lebensstil, was dann Christen eher sympathisch erscheint als Konfessionslosen, die möglicherweise schon bei der Erwähnung von Religion und Glauben entnervt abwinken?
Das sind nur ein paar Überlegungen, die mir durch den Kopf schossen, als ich den Artikel las. Was mein Ihr?