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Friday, June 18, 2010

Was noch erschwerend hinzukommt...

Egal, wie sehr sich mancher Priester oder Bischof, der in diesen Tagen in den Medien ein wenig in richtung Bischof Mixa nachtritt, einredet, er tue etwas Gutes oder gar Notwendiges, um der Kirche aus dem Schlammassel zu helfen: Nicht nur viele Blogger, auch die Medien werden in erster Linie eines sehen...

[Hier sollte man jetzt eigentlich eine Karikatur sehen, auf welcher ein am Boden liegender und mit Schlamm besudelter Bischof Mixa von Journalisten repräsentierenden, kleinen grünen Männchen gefilmt wird, während daneben eine Riege anderer Bischöfe mit Heiligenscheinen steht - die für den nächsten Wurf schon schalmmgefüllten Hände hinter dem Rücken versteckend - und unisono verkündet: "So gestürtzt kann er sich in unsrem Amt nicht mehr blicken lassen. Offenbar hat Bruder Mixa Gleichgewichtsprobleme... oder gar psychische Störungen? Trinkt er eigentlich?" Unter der Karikatur steht: Bleib liegen, Buder - es könnte noch mehr Dreck bei Dir gefunden werden.

Jetzt habe ich aber grade erfahren, daß der Zeichner dieser Karikatur für eine Veröffentlichung 75,- Flocken abgreifen will. Das ist mir dann doch ein etwas zu teurer Spaß.]

Brauchen wir das wirklich?

Thursday, June 17, 2010

Na gut...

Ich gehe natürlich nicht davon aus, daß all jene, an die ich mich in meinem Blog manchmal richte, die Beiträge auch lesen.

Daher paßt es natürlich wie der Dolch in den Rücken, wenn der frühere Redaktionsleiter von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, im ZDF-"Morgenmagazin" sagt (die WELT berichtet):
    "Bischof Mixa müsste zur Wirklichkeit zurückfinden. Er ist auch ein kranker Mann, und deswegen ist es eigentlich blöde, wenn man so viel Lärm um ihn macht."

    ...

    "Er hat einen Wirklichkeitsverlust, und darüber muss er hinweg. Es ist schwer für ihn. Er bräuchte jetzt vor allem Freunde, die ihn an der Hand nehmen und sagen, so geht es nicht."
Zwei Möglichkeiten: Entweder, das alles ist nur dahergeschwafelt und entbehrt jeglicher Grundlage. Dann hat Pater von Gemmingen Schuld auf sich geladen, indem er den Bischof verunglimpfte. Oder es stimmt alles so, wie der Pater es sagt. Dann hat er Schuld auf sich geladen, indem er diese Dinge hinausposaunt anstatt dafür zu sorgen, daß der Bischof schnellstmöglich die Hilfe bekommt, die er nach des Paters Meinung ganz offensichtich benötigt.

Nur weiter so, Leute! Die Rechnung wird länger und länger...

Tuesday, June 15, 2010

Pfingstbewegte Puppenkiste

Das Maß ist voll!
    ...

    Die Veranstaltung begann mit einem Paukenschlag, als Pfarrer Mayr, der im Internet verantwortlich für die Pfingsterklärung zeichnet, Bischof Mixa erneut mit dem Verdacht eines möglichen sexuellen Missbrauchs in Verbindung brachte und Richtung Mixa ausrief: "Solche Leute trifft der Zorn Gottes!" Mixa könne "unmöglich zurückkehren", weil es "möglicherweise" sein könne, dass er sexuell übergriffig geworden sei [Bis hierhin alles comme il faut. Einem Pfingstbewegten darf man es nicht verübeln, daß jemand, der möglicherweise etwas getan hat, in seinen Augen bereits den Zorn Gottes verdient. Daß die Vorwürfe des sexuellen Übergriffes mittlerweile vom Tisch sind, ist da auch nicht relevant, da der Heilige Geist schließlich nicht überall weht und bevorzugt jene erleuchtet, die seinen Namen shanghaien und ihn sich vor den Karren spannen. Aber was jetzt folgt, daß ist schon eine ganz neue Qualität von "wie jetzt?"]. Dem widersprach der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen heftig. Ein solcher erneuter Verdacht würde all jenen in die Hände spielen, die behaupteten, Mixa sei Opfer der Medien geworden [Ah, okay! Wir lassen also nicht von der Praxis des Rufmordes ab, weil es eine Sünde ist, die den Anderen massiv in seiner Würde verletzt, sondern weil es den falschen Leuten in die Hände spielt WOW!]. Ihm zufolge habe nicht der unzutreffende Verdacht des sexuellen Missbrauchs, sondern die "lange Kette von Verfehlungen" zum Fall Mixas geführt: die Unwahrheit in der Frage, ob er Kinder geschlagen habe, die Probleme in der Lebensführung, dass er also Kunstgegenstände für haarsträubende Preise aus Geldern der Waisenhausstiftung bezahlt habe [Gibt es hierzu bereits irgendwelche klaren Aussagen? Immerhin steht in der Augsburger Allgemeinen vom 17.4.: "Mixa hat das Geld zurückgezahlt und sich nicht bereichert"], dass er sich in Widersprüche verstrickt habe, dass er die Opfer mit juristischen Schritten bedroht habe [Hoffentich bedroht er dieses Mal die Täter, nämlich all jene, die ihm immer noch sexuellen Mißbrauch anhängen], sowie die vielen Kirchenaustritte [... bzw. Erpressungsversuche] und die Frustration über all das selbst von bischofstreuen Pfarrern.

    Pfarrer Mayr unterstellte, der Papst habe bisher "das Böse" in der 68er Generation und im Konzil gesehen [WTF?], habe aber jetzt erklärt, dass "das Böse" aus der Mitte der Kirche komme [Hier ist mal ein Pfarrer, der sich so richtig mit "dem Bösen" beschäftigt hat. Wir sind alle dazu berufen, das Böse zu unterlassen und das Gute zu tun. Aber wir sind eben Menschen und als solche einer Unzahl von Verführungen ausgesetzt, die uns immer wieder dazu verleiten, etwas Böses zu tun. Vielleicht muß man ein abgehobener Pfingstbewegter sein, um sich "das Böse" so sehr aus der Distanz anschauen zu können, aber die Rufmord-Nummer weiter oben läßt da Zweifel aufkommen].

    ...

    [Es folgt ein weiterer, glänzender FAIL der Augsburger Allgemeinen, dieses Mal präsentiert vom Moderator der Podiumsdiskussion, Alois Knoller] Als vorrangiges Problem betrachtet der frühere Regionaldekan, dass "Mixa mit seinen Freunden in unserer Kirche immer noch gegenwärtig ist"; jene hätten eine Hoffnung auf Wiederherstellung der alten Zustände, und dies blockiere die Diözesanleitung. Diesen "bestimmten Freunden aus der näheren Umgebung von Mixa" empfehle er, dass sie sich "entweder von Mixa distanzieren oder freiwillig zurücktreten". Hierauf warf der Moderator ein, man könne ja nicht, wie in der Reformation, den, den man für ungläubig oder irrgläubig halte, erschlagen, dies seien "zu viele" [Ooohhh-kay! Wir erschlagen sie nicht, weil es Mord ist, sondern weil es zu viele sind]. Auch in der Ökumene, so Mayr, habe Mixa Schaden angerichtet; dessen Buch „Selbstverständlich katholisch!“ hätten gewiss nur „seine Freunde“ gelesen. „Tiefe Verwundungen“ seien nicht nur von Bischof Mixa, sondern „auch von seinen Freunden, die überall in den Pfarrgemeinden verteilt sind“, ausgegangen. Hier müsse eine Art „Versöhnungskommission“ nach dem Vorbild Südafrikas [Sach ma, träum' ich eigentlich oder was ist hier los? Jetzt herrschen in der Diözese Augsburg also schon Zustände, die nach Lösungen aus dem Kampf gegen die Apartheid rufen lassen?] die Heilung befördern. Eine der ersten Maßnahmen müsse auch sein, wieder eine Frau in die Ordinariatssitzung zu entsenden; schließlich sei ja eine Frau "erstes Opfer" von Mixa geworden.

    Die Augsburger "Pfingsterklärung" sei keine "Kirchenvolkserklärung", sondern eine "Gottesvolkserklärung", bemühte sich Mayr, der umstrittenen Erklärung eine theologische Dignität zu verleihen. Sie enthalte die Verpflichtung zu neuem Anfang und zu innerer Heilung. Versöhnlich meinte Mayr zum Schluss, man solle nach dem Wort handeln: ... "Im Notwendigen Einigkeit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem aber die Liebe". Allerdings unterteilte Mayr zuvor die beiden sich gegenüberstehenden Lager in solche, die "das Heil im Rückwärtsgang" suchten, und solche, die "das Heil vom Herrn" ersehnten – letztere hätten "Visionen", erstere hingegen "Revisionen" [Gut, nur so zum Spaß akzeptiere ich mal die Prämisse: Es gibt zwei sich gegenüberstehende Lager, von denen das Eine das Heil im Rückwärtsgang sucht und das Andere das Heil vom Herrn ersehnt. Und jetzt - und diesmal im Ernst - erkläre ich das für groben Unfug. Hier erst einmal die korrekte Formulierung der einen Seite (das "Rückwärtsgang"-Lager): Diese Leute schauen auf die Veränderungen, die stattgefunden haben, schauen auf das was ist und auf das was sein mag und sehen dann zu, daß sie das, was zu behalten sich lohnt, nicht verlieren. Eine Definition des "Heil vom Herrn"-Lagers spare ich mir und frage stattdessen, wie um alles in der Welt man glauben kann, daß sich im ersten Lager nicht haufenweise Leute finden, die ebenso ihr Heil vom Herrn erhoffen? So, wie Mayr das darlegt, beschreibt er zwei getrennte Hälften. Und das ist einfach nicht der Fall. Für mich ist allerdings nicht unwahrscheinlich, daß sich auf der "Heil im Herrn"-Seite nicht wenige Leute finden, die man vielleicht besser in die "Heil in der Selbstbestätigung/in der Medienpräsenz/im Opferstatus/in der Selbstgerechtigkeit/in der Verwirklichung der eigenen Projekte um jeden Preis"-Schublade stecken sollte]. Ein künftiger Bischof, der "eine Autorität" sein solle, müsse einfordern, "dass wir auf der Linie des Zweiten Vatikanischen Konzils eins sind" [So etwas kann man nicht erfinden. Das ist real Leute! Das ist keine Übung!]. Denn in der Zeit zwischen zwei Konzilien hätten wir nichts anderes. Den Rat aus dem Publikum, einen Bischof von einer Wahlversammlung wählen zu lassen, hielt Mayr für einen guten Vorschlag für die Zukunft [Die Wahlkampf-Plakate für seinen Wunschkandidaten liegen wahrscheinlich schon gedruckt bei ihm zu Hause].

    Die Grünenpolitikerin Ulrike Gote sah die Ursache für sexuellen Missbrauch im kirchlichen Tabu der Sexualität inklusive des Zölibates, im Zwang zu einer falsch verstandenen Loyalität, in der kirchlichen Männergesellschaft und letztlich in der Struktur der katholischen Kirche als solcher. Kirche müsse sich öffnen, transpartenter und demokratischer werden. Für die katholische Politikerin reicht es nicht, dass man die Priesterausbildung verbessert; ihre Forderung nach Frauenordination wurde mit großem Applaus des Publikums quittiert [Ich sehe mich grade vor meinem inneren Auge bei dieser Podiums-Diskussion. Auf meinen Knien ein kleines Zettelchen mit acht mal acht Kästchen. In jedem Kästchen ein Schlagwort aus dem Repertoire der linkskatholischen Reinigungstruppe, die den mystischen Leib unseres Herrn von unten säubern will: "Hmm... 'Zölibat': Check!... 'Männergesellschaft': Ah, Mist! Bei mir steht 'Männerverein'!... 'Struktur': Check!... 'Transparent': Check!... 'Demokratisch': Check!... Komm schon! Los, nur noch eins!... 'Frauenordination': Check!... BINGO!"].

    ...

    Primäre Aufgabe der Kirche sei für Gote soziale Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, verantworteter Umgang mit Biotechnik und Atomenergie und dergleichen [Und schon ist alles klar: Die Kirche als ein kuscheliger Feel-good Sozialverein. Kein Wort von Christus, kein Wort von Erlösung, kein Wort von Umkehr. "Heil vom Herrn"? Ja, klar...].
Es geht dann noch weiter mit mehr Frauenordination, mit ein paar Einwürfen von protestantischer Seite, mit Krisengeheul, mit Kotaus vor den Medien, mit Neuanfang usw. Markus Günther war immerhin katholisch genug, sich ein wenig unbeliebt zu machen:
    Der dem Publikum aber offenbar zu lehramtstreu denkende Spitzenjournalist erregte mit seinem Bekenntnis dazu, dass katholische Bischöfe eben nicht durch das Volk oder das Bistum, sondern durch den Heiligen Stuhl ernannt würden, deutlichen Unmut bei den Teilnehmern [Ja, da haben die Türsteher wohl nicht aufgepaßt]. Auch oblag es ihm, die Zuhörer daran zu erinnern, dass die Kirche kein Verein, sondern von Jesus Christus gestiftet worden sei.
Okay! Danke, liebe Augsburger Puppenkiste! Jetzt aber dann bitte den Vorhang!

Monday, June 14, 2010

Lacher der Woche!

Titelt die Süddeutsche heute: "Mixa lebt in einer Phantasiewelt"

Gaaaaaaaaaaanz genau, lieber Herr Helmut Mangold, Vorsitzender des Augsburger Diözesanrates (von welchem dieser Spruch stammt). Denn Bischof Walter Mixa war es, der in völlig verwirrtem Zustand - ganz versunken in seine Phantasien - auf dem Weg zur Staatsanwaltschaft war, um sich dort selbst des sexuellen Mißbrauchs anzuklagen. Nur durch die heldenhafte Unterstützung seiner Amtsbrüder und den unermüdlichen Einsatz der Mainstream-Medien gelang es, den Ärmsten gerade noch abzufangen und ihm einen Maulkorb zu verpassen. Wußte doch von Anfang an jeder, daß der gute Bischof sich nie und nimmer an Kindern vergreifen würde und daß so eine Selbstanklage seinem Ruf doch irgendwie arg schaden könnte. Schlimm, wenn jemand so den Bezug zur Realität verliert...

Was ist geschehen? Bischof Mixa ist wieder in das Bischofpalais in Augsburg eingezogen. Nicht mit der Brechstange, sondern gemäß dem Kirchenrecht (CIC 402). Das wurmt natürlich nicht wenige. Vor allem den Pfingstbewegten dürften die Feuerzungen nur so aus den Nasen und Ohren schießen.

Naja, die Süddeutsche ist ja auch nur halbdoof und weiß, daß so ein Einzug ins Palais alleien noch nicht so richtig zieht. Daher wird nicht nur die ganze Geschichte um Veruntreuungs- und Prügelvorwürfe nochmals aufgekocht, es kommt auch noch Alkoholismus in den Mix, ein "'offenes Geheimnis', von dem auch andere Bischöfe wüssten."

Bilde ich mir das nur ein, oder ist Journalismus schon seit Jahren nur noch daß, wovon "die Rede ist", was "man empfindet", was "vorgeworfen wird", was "angeblich, mutmaßlich, womöglich" ist?

Was ist eigentlich so schrecklich an Fakten? Das Warten? Der mangelnde Kick? Die mageren Verkaufszahlen? Das Risiko, sich nur in begrenztem Maße selbstgerecht bis höhnisch äußern zu können, wenn es am Ende nicht so dicke kommt, wie erhofft?

Wenn Süddeutsche und Co. jetzt auf dem Weg sind, der BILD den Platz streitig zu machen, wohin verzieht die sich dann? Und wird irgendwann in den Medien mal jemand auf die ganz abgefahrene Idee kommen, es mit Seriosität zu versuchen?

Saturday, June 12, 2010

Langsam fallen die Masken...

Vor drei Wochen nahm ich die Augsburger Pfinsterklärung mal ein wenig unter die Lupe. Das eine positive Statement, welches ich mir im Fazit entlocken konnte, war: "Noch wird in der Pfingsterklärung "erwartet" und nicht gefordert". Ich hätte es natürlich besser wissen müssen (und tat es auch; ich hab nur darauf gewartet, daß die Realität nachzieht).

Jetzt ist es soweit: Kath.net brachte gestern dies: Augsburger Moraltheologe meint: Römische Kurie ist völlig untauglich

Logo: Dieser Moraltheologe namens Klaus Arntz ist "Pfingsterklärer". Er trat im Rahmen einer Veranstaltung des Presseclubs Augsburg auf, zusammen mit Pfarrer und Co-Pfingsterklärer Dekan Helmut Haug.

Und was hatten die Herren so zu bieten? Nach den üblichen Vorwürfen ("vordemokratisches Verhalten") und Befehlen ("...den Worten müssen Taten folgen", "Überhaupt müssten sich sämtliche kirchlichen Mitarbeiter, die an der bisherigen Mixa-Linie mitgewirkt hätten, von ihren bisherigen Praktiken distanzieren. Es müsse eine Umkehrbewegung von ihnen verlangt werden, damit man mit ihnen weiterarbeiten könne.") kommen dann einige schön entlarvende Zeilen:
    Die „Pfingsterklärung“ hätten viele als befreiend empfunden: die „stickige Luft“ sei heraus, man könne wieder atmen [Okay, ich habe ja auch nie behauptet, mit Gemeinplätzen sein kein Eindruck zu schinden]. Jetzt müsse man „das Eisen schmieden, solange es heiß ist“ [ÜS: Schnell noch unsere Nasen in die Kameras hängen, bevor schon wieder kein Hahn mehr nach uns kräht]. In der Kirche, die unter einem evidenten Demokratiemangel leide, müsse man Konsultationsprozesse erzwingen [Denn merke: Nur, wo erzwungen wird, dort ist Demokratie!].

    Auch auf weltkirchlicher Ebene sieht Arntz Reformbedarf: „Die römische Kurie ist für das 21. Jahrhundert völlig untauglich“. Das römische Kriterium für einen Bischofskandidaten, stets Priesterkleidung zu tragen, bezeichnete Arntz als lächerlich [Dieses "Kriterium" entspringt wohl eher der Phantasie eines notorischen Priesterkleidungs-Verweigerers, der sich eine Rechtfertigung zurechtbastelt, welche immerhin bei Seinesgleichen ziehen mag. In der Realität gibt es genügend Bischöfe, die dieses "Kriterium" als ein Hirngespinst entlarven].

    In der Priesterausbildung müssten ganz neue Wege gegangen werden; sie dürfe nicht exklusiv bei Regens, Subregens und Spiritual liegen, sondern müsse unter Mitwirkung von Laien, auch von Frauen, erfolgen. Es gehe auch darum, diese „männerbündnerischen Systeme“ zu irritieren [Oh, hell no! Diese kecke Rebellen-Lingo ("irritieren") reicht ja schon, um mich abwinken zu lassen. Schöner Trick. Denn beinahe hätte ich vergessen, das Vorangehende zu würdigen. Hier zeigt sich ziemlich deutlich, welches Bild von der Kirche dieser Moraltheologe hat. Wer künftige Priester nicht von Regens, Subregens und Spiritual ausbilden lassen will, sondern auch von Laien und Frauen, der versteht einfach nicht, worum es bei diesem Beruf geht. Nein: Der versteht nicht einmal, worum es bei der Kirche geht. Wer im Jahre 2010 immer noch nicht verstanden hat, was es mit dem Reich, welches nicht von dieser Welt ist, auf sich hat, der nimmt den Mund ganz schön voll, wenn er die römische Kurie als untauglich für das 21ste Jahrhundert erklärt].

    Arntz betonte vor allem die Bedeutung der Medien beim Sturz Mixas. Wenn er Bischof von Augsburg wäre, würde er der Süddeutschen Zeitung und ihren Redakteuren die „Ulrichsmedaille“, die Ehrenplakette des Bistums Augsburg, verleihen. Man könne der Presse dankbar sein, denn „wir wären nicht in der Lage gewesen, diesen Druck aufbringen zu können“. [Das spare ich mir mal jeden Kommentar...] Vom Domkapitel erhofft sich Arntz eine Umkehr und Distanzierung; hier gebe es bereits hoffnungsvolle Gespräche [Uäh! Muß ich mir jetzt Sorgen machen, oder beschwindelt Arntz sich hier nur selbst?].
Dekan Haug setzt dann noch einen drauf:
    Er selbst trage keine Priesterkleidung, weil sie für ihn nicht passe, wie er Kirche verstehe [Ich! Ich! Ich!]. Eine Beamtenkleidung schaffe Distanz und gebe vor, dass jemand etwas ist [Wow! Dieser Mann hat in der Weihe den unauslöschlichen Charakter des Sakraments empfangen und muß seine "Identität" daran aufhängen, daß er keine Priesterkleidung trägt? Unglaublich...]; wir sollten aber als Menschen Menschen begegnen [Ja, denn es bringt dem spirituell dürstenden Europa unendlich viele Vorteile, wenn die Wenigen, die noch mit Spaß ihrer Arbeit nachgehen und tatsächlich gerne im Gewerbe sind, ihre Priesterkleidung ablegen. Ich will als Priester Menschen begegnen, denn - ob man es glauben mag oder nicht - auch ein Priester ist ein Mensch, womit die Anforderung des Dekans auch dann erfüllt wird, wenn ich nicht mit Jeans und T-Shirt durch die Gegend gurke]. Auch die leutselige Art Mixas, Seminaristen um sich herum zu scharen, kritisierte Haug [Denn das war ja ein Bischof unter Seminaristen, nicht etwa ein Mensch unter Menschen. Also: Wenn man als Zivilkleidung tragender Priester loszieht, dann ist man Mensch unter Mensch. Wenn man als Bischof einen guten Draht zu seinen Seminaristen pflegt, dann ist man was? Jäger unter Opfern? König unter Schleimern? Herr unter Knechten? Es drängt sich das Gefühl auf, daß Leute wie der Dekan schlicht nicht dazu in der Lage sind zu verkraften, daß irgendwer irgendetwas ist, am wenigsten sie selbst. Solche dünnhäutigen Flimmflämmchen als Priester haben wir in der heutigen Zeit natürlich dringend nötig. Nebenbei: Gab es da nicht diese Geschichten, Mixa sei mit den Seminaristen auch mal in die Sauna gegangen? Da sollte aber ganz fix das Herz bei Dekan Haug höher schlagen, denn noch weniger Priesterkleidung bzw noch mehr "Mensch unter Menschen" geht ja nun kaum]. Es bestehe die Gefahr, Menschen an sich und seine Person zu binden [Klar, und hätte Bischof Mixa sich nicht regelmäßig um seine Seminaristen gekümmert, dann hieße es jetzt, er sei ein kühler, distanzierter Kirchenfürst gewesen]. Den Zuhörerinnen und Zuhörern schlug Haug im Übrigen den „zivilen Ungehorsam“ vor [Schönen Dank auch! Egal, wie viel der Papst tut, um die Chriten enger aneinander zu binden und Türen zu öffnen: Er kann sicher sein, daß irgendwelche mediengeilen Nasen in deutschsprachigen Ländern munter für weitere Spaltungen sorgen werden].
Pfingsterkärung my ass!

Friday, June 04, 2010

Falls Ihr's nicht eh schon gesehen habt...

Im Kommentarbereich dieses Artikels gab es einige Fragen bzgl. des Status des Priorats Birnau. Auf kath.net gibt's nun eine Erklärung des Abtes der Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau, Anselm van der Linde, die etwas Licht ins Dunkel bringt.

Hier eine kleine Linkrutsche zu Stellungnahmen der Erzdiözese Freiburg: Erstens, zweitens und drittens.

Angesichts der Sachlage sieht nicht so aus, als stecke hinter den Vorwürfen gegen Erzbischof Zollitsch ("Beihilfe zum sexuellen Missbrauch") etwas anderes als Sensationsgier und der Versuch, die Verkaufszahlen oben zu halten.

Saturday, May 29, 2010

Stilvoll!

Ulrich hat's aufgepickt (Danke!) und ich kann mich natürlich eines klitzekleinen Kommentars nicht enthalten. Hier erst einmal die Stichworte:
    Interview... des Nachrichtenmagazins "profil"... Küng... Papst Johannes Paul II als Hauptschuldigen... auch Papst Benedikt XVI... Mitschuld... Missbrauchsopfer... diffamierende Äußerung Sodanos... mit dem Papst abgesprochen... Missbrauchsfälle unter das Secretum Pontificium gestellt... 82-jährige Schweizer Theologe bezweifelt... Kardinal Schönborn... Reformen... Kurie... "...nicht vergessen, dass er es war, der... stockkonservativen Weltkatechismus... bearbeitet und redigiert hat... Gläubigen erwarten... reformerische Taten."
Boah! So viel Maulsperre von so wenigen Zeilen! Glückwunsch, Herr Professor!

Also, wie genau läuft das jetzt? Wenn an dem aktuellen Heiligen Vater der Dreck nur so mittelmäßig überzeugend hängenbleibt, dann versucht man es halt entweder eine Etage tiefer und hofft, daß genügend medial ferngesteuerte, aufklärungsresistente Marionetten die Mär von den die Mißbrauchsopfer diffamierenden Äußerungen fressen (Hier wäre es so unendlich hilfreich gewesen, hätte Küng kapiert, daß die Formulierung "Geschwätz des Augenblicks" keineswegs den Mißbrauchsopfern, sondern z.B. Leuten wie ihm galt). Oder man stürzt sich auf einen Toten und schändet ein wenig dessen Andenken? Hmm...? Wie genau lauten denn die neuen Spielregeln, Herr Professor?

Weltethos, ick hör Dir trapsen!

Friday, May 21, 2010

Extrem und Extrem

Was Richard Williamson mit Herbert Kohlmaier verbindet
    Ähnlich wie seine liberalen Gegenüber lässt auch der umstrittene Piusbruderschaftsbischof Richard Williamson wieder eine Breitseite auf Rom los: Die Römer haben die Wahrheit ermordet
Williamson wollte nie die Versöhnung zwischen der Piusbrurderschaft und Rom. Wie "zufällig" die Plazierung seines Holocaust-Interviews da war, möge jeder selbst beurteilen.

Thursday, May 20, 2010

"Und wie ist Deiner so als Pantomine...?"

Die Internetseite der österreichischen Laieninitiative glänzt nicht nur mit solchen Behauptungen...
    Die Enquete "Kirchenreform und Menschenrechte" der Reformbewegungen in der Österreichischen Katholischen Kirche am 20. November 2009 in Wien hat den Nachweis der Unhaltbarkeit des römisch-katholischen Kirchenrechts (Codex Juris Canonici 1983) erbracht
... sondern bietet dem interessierten Verbraucher auch gleich einen "Bischofsbeurteilungsbogen" an. Dieser sieht so aus:



Anderswo auf der Seite heißt es:
    Symptome der Krise sind die schwindende Bedeutung für das Leben der Menschen, erhebliche Glaubensverluste in der Gesellschaft und dramatische Einbußen an Mitgliedern und Seelsorgern. Diese Krise ist nicht auf Österreich und Europa beschränkt, tritt aber hier früher und besonders deutlich in Erscheinung.

    In einer pluralistischen Gesellschaft kann sich die Kirche nicht mehr auf herkömmliche Strukturen stützen. Sie ist darauf angewiesen, ihre Akzeptanz durch Glaubwürdigkeit in ihrer Verkündigung und in ihrem Handeln zu sichern. Kirchliche Kritik an der Gesellschaft ist nur berechtigt, wenn sie selbst dem heutigen Wissensstand und den humanen Standards der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung Rechnung trägt.
Es könnte ja sein, daß ich irgendwann einmal ganz lange geschlafen habe und den Wechsel nicht mitbekam, aber ich dachte und denke immer noch, daß doch eigentlich Gott Motiv und Objekt unseres Glaubens ist. Auch dachte ich immer, daß der Inhalt der göttlichen Offenbarung, so wie sie vom Lehramt bewahrt und weitergereicht wird, nicht den "Standards der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung" unterworfen ist. Schaue ich mir dann die Punkte an, anhand derer die Bischöfe beurteilt werden sollen, dann frage ich mich schon, ob an dem "erheblichen Glaubensverlust" in unserer Gesellschaft ausschließlich die Hierarchie oder der vermeintliche Klerikalismus Schuld sind.

Die Cafeteria scheint wieder eröffnet zu sein...

Das wird wohl niemals aufhören...

Wörtlich sagte Hurka, angesprochen auf die Anti-Rom-Äußerungen des Eisenstädter Bischofs Paul Iby (Für Frauenpriestertum): "Seine Äußerungen zeigen für mich aber zwei Dinge: Erstens, die Bischöfe denken so wie wir. Und zweitens: Sie dürfen das nicht äußern. Da denk ich mir, das ist doch fatal, wenn eine solche Diktatur ihren Führungskräften die freie Meinung verbietet."

DIE Bischöfe denken so wie Hurka (WsK)?

DIE Bischöfe dürfen das nicht äußern?

Klar! So macht's Sinn: EIN Bischof, der zaghaft das sentire cum haereses probt, reicht als Beweis, daß DIE Bischöfe so denke wie WsK. Denn all die schweigenden Bischöfe sind nur Beweis dafür, daß sie noch zu furchtsam sind, ihre wahren, anti-römischen Gedanken in Worte zu fassen. Und die Bischöfe, die sich tatsächlich an die Seite des Papstes stellen, sind einfach nur traumatisiert aufgrund jahrzehntelangen Leids in der Diktatur.

Und jetzt alle:

Ihr...

könnt...

nach...

Hause gehen, ihr könnt nach Hause gehn, ihr-könnt-ihr-könnt, ihr könnt nach Hause gehn!

Wednesday, May 19, 2010

Drewerhüttl - Hasenmann

"Keiner hat das Recht zu gehrochen!" (Hanna Arendt)

In diesem Satz fehlt die Fortsetzung "..., wenn...".

Und genau dies macht es Gotthold Hasenhüttl leicht, solche Gemeinplätze zu formulieren:
    Eine katholische Hierarchie heute ist korrupt, wenn sie die Eucharistie, die Symbol der Liebe Christi ist, missbraucht, um andere Menschen, etwa evangelische Christen, auszuschließen.

    Alle Gesetze, Gebote und Institutionen, für so »heilig« man sie halten mag, haben nur Sinn, wenn sie für den Menschen da sind und solidarische Gemeinschaft fördern.

    Nicht der Gehorsam, sondern der zivile Ungehorsam kann heilen, denn es ist besser, ein Gesetz zu brechen als ein Herz.
So erschienen heute in der ZEIT, jeder Wochenzeitschrift, über deren aktuelle (12. Mai) Printausgabe heute bereits berichtet wurde. In eben dieser Printausgabe findet sich übrigens auch eine Werbe-Anzeige für Hasenhüttls Buch "Christen gegen Christen". Versteht mich nicht falsch: Es ist in der heutigen Zeit wohl ein nicht mehr wegzudenkendes Phänomen, daß der Entzug der Lehrerlaubnis automatisch den Freifahrtschein für kuschelige Betroffenheitsprosa bedeutet. Aber sollte man den Werken nicht wenigstens ehrliche Titel geben?

"Ich gegen die Kirche"

"Was würde Jesus sagen? Die Antwort darauf gibt's nur hier!"

"Mein persönlicher Angriff auf das Magisterium (mit Rückendeckung der durch die MSM weichgeschossenen Öffentlichkeit)"

"Drewemann hat sich mit so etwas 'ne goldene Nase verdient! Ich probier' das jetzt auch mal!"

"Wohlfühl-Hier-und-Jetzt statt Himmelreich"

"Gehorcht wird hier nur Einem: Mir!"

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, aber ich denke, Ihr wißt, was ich meine (und habt vielleicht sogar noch besser Ideen für einen alternativen Titel?).

Man könnte es sich nicht ausdenken...

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT darf Danny Le Rouge gleich auf Seite 4 verkünden, warum Rot-Grün eine Koalition mit der Linken eingehen sollte.

Auf Seite 12 weiß dann Thomas de Maizière: "Der Zölibat ist falsch". Diese Aussage darf praktischerweise auch gleich als Überschrift des gesamten Interviews mit ihm und Annette Schavan herhalten.

'Hmmm... fehlt eigentlich nur noch ein kräftiges Nachtreten in Richtung Bischof Mixa...' dachte ich mir. Und - siehe da - die ZEIT ist überaus großzügig. Ja, sie hört einfach nicht auf, zu geben: Gleich auf der ersten Seite des Feuilleton findet sich in der rechten Spalte ein Artikel mit der seltsamen Überschrift "Huhu!". Auf halber Höhe des Artikels ein Bild von Bischof Mixa mit Sonnenbrille. Was einen ansonsten erwartet, ahnt man, wenn man den Teaser liest:
    Diese Sonnenbrille: Bischof Mixa spielt Max Frischs "Brandstifter"
Eher amüsiert ('Wie verdreht muß man denn denken, um zu dem Schluß zu kommen? Das wird ja interessant!') als entrüstet warf ich mich ins Vergnügen...
    Im Grunde hätte man alles wissen können. Welcher Bischof trägt schon solche Sonnenbrillen, mal blau getönt, bald rosarot verlaufend, und wenn, warum [Dieses 'warum?' sollte man sich merken...]? Und wie kam Walter Mixa zu der merkwürdigen Aussage, daß an dem Sittenverfall in der katholischen Kirche ausgerechnet die Libertinage der Achtundsechziger Schuld trage [Was hat der Bischof denn außerdem noch gesagt? Schaun wir mal: "Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt. Besonders progressive Moralkritiker..." hätten sogar eine Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert. Ja, lieber Autor, ihr hattet den Cohn-Bendit doch in der Hütte! Wenn ihr euch wirkich so sehr dafür interessiert, wie der Herr Bischof zu seiner 'merkwürdigen' Aussage kam, hättet ihr doch nur beim Roten Danny ein wenig nachbohren müssen...]?

    Mit dem Fall des Augsburger Bischofs Walter Mixa verhält es sich wie mit der Fabel, die Max Frisch in seinem Theaterstück Biedermann und die Brandstifter erzählt. Dort warnen die Brandstifter unablässig vor sich selbst, nur der Biedermann möchte nichts hören und sich partout als vorurteilsfreier und vorbildlicher Zeitgenosse [!] profilieren. Dieser Bidermann waren wir [Genau! Denn wenn es einen Bereich gab, der in den vergangenen Wochen dadurch positiv auffiel, daß er absolut vorurteilsfrei und vorbildlich ist, dann waren es die Mainstream-Medien und die von ihr ferngesteuerte Öffentlichkeit]. Auch unsere vorbildliche liberale Öffentlichkeit [LOL! Wie gesagt: Die ZEIT hört einfach nicht auf, zu geben und zu geben und zu geben...] wollte sich auf keinen Fall von dem Auftreten des Bischofs verschrecken lassen. Genauer gesagt und näher noch an dem Theaterstück: Die Öffentlichkeit hat sich erschreckt, wollte ihrem Reflex aber nicht nachgeben, sondern den Bischof lieber als reaktionär verbockte Figur sehen, die sich vielleicht sogar schlechter machte, als sie war [.. und nicht etwa durch MSM-Hysterie schlechter gemacht wurde]. Erst heute, da Details seines Privatlebens bekannt werden, beginnen wir zu ahnen, daß er die satanische Wirkung der sexuellen Emanzipation mutmaßlich an sich selbst beobachten mußte [Zwei Worte in diesem Gefasel sind wahr: "Satanische Wirkung". Beim Rest hilft nicht mal mehr der Alkohl. Die Presse bläst - nicht erst seit Losbrechen der Mißbrauch-Lawine - Bischof Mixa in verzerrenden Berichterstattungen und halben Zitaten zum Monster auf, die dankbar nickende, 'liberale' Öffentlichkeit speit ihren Haß und ihre Ignoranz in die Kommentarbereiche von Online-Nachrichten und die Leserbrief-Spalten von Print-Produkten... Aber wir wollten ihn doch eigentlich nur als reaktionären Sündenbock haben. Und jetzt gibt es Vorwürfe wegen sexuellen Kindesmißbrauchs? Ja mei! Was ist da nur schief gelaufen...:].

    Wahrscheinich wollte er immer nur sagen, schaut mich an, wenn ihr über den Sittenverfall in der Kirche klagt. Aber wir haben ihn nicht angeschaut. Wir wollten die Kirche lieber reaktionär als verdorben. Wir haben nicht einmal die Sonnenbrillen zur Kenntnis genommen, die sont nur von Boutiquenbesitzerinnen in der Provinz getragen werden. Wir haben glaubwürdig demonstriert, dass wir keine Vorurteile kennen, nicht einmal gegen Moden in der Augsburger Provinz. Was sollte der arme Mann, der unablässig auf sich aufmerksam machte, da noch machen? Es blieb ihm nichts anderes übrig, als das ganze Gebäude der Kirche anzustecken, wie es Max Frischs Brandstifter mit dem Haus ihres Gastgebers tun, damit der Biedermann endlich einsieht, wen er, vorbildlich tolerant und vorurteilsfrei, bei sich zu Gast hatte [Zurück zum "warum?". Der völlig vorurteilsfreie Autor möchte uns also sagen, daß wir die Leute besser anhand der von ihnen getragenen Sonnenbrillen einschätzen sollen, anstatt auf andere Realitäten (oder auch mal DIE Realität) zu achten. Und er erklärt uns auch gleich, warum Leute wie Bischof Mixa solche Sonnenbrillen tragen. Die Ausgabe der Zeit ist vom 12. Mai. Von den Mißbrauchsvorwürfen gegen Bischof Mixa ist nicht mehr viel übrig. Seine Sonnenbrillen trägt er sicherlich noch immer. Mal schaun, welchen Strick man ihm aus dieser Tatsache als nächstes drehen will].
Danke, liebe ZEIT! Selten ist es einem vergönnt, einen Text zu lesen, der so vorurteilsfrei daherkommt und einen zudem noch mit den ganz einfachen Lösungen versorgt, die wir alle die ganze Zeit übersehen haben: Es liegt alles an der Sonnenbrille!

Hey! Liebe vorurteilsfreie Journalisten! Ihr habt doch hoffentlich nicht vergessen, daß der Papst rote Schuhe trägt, oder? Da tun sich doch ungeahnte Möglichkeiten auf...

Tuesday, May 18, 2010

Forderungen an den Papst

Auf der linkst-katholischen Seite Open Tabernacle stellt William Lindsey zehn Forderungen (und zwar wirklich "Forderungen" - der Tonfall ist mehr als arrogant und dreist) an den Heiligen Vater. Hier die Highlights (Übersetzung meine):
  1. Entschuldigung bei und Rehabilitation von mehr als 100 Theologen, die Benedikt selbst zum Schweigen brachte, als er dem Heiligen Offizium vorstand [Scherz... Da steht natürlich "der Kongregation für die Glaubenslehre"]. Eingeständnis, daß der Vatikan ungerecht und grausam war gegenüber Theologen, welche zum Schweigen gebracht wurden, denen man das Lehren verbat und denen man im Verlauf dieser Handlungen eine gerechte, offene Anhörung verweigerte [Benedikt XVI, weltweit als Kindergarten-Theologe bekannt, hatte als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre natürlich nicht den geringsten Schimmer von der Materie und hat in der Regel Theologen die Lehrerlaubnis entzogen, weil ihm der Schnitt ihrer Anzüge nicht gefiel].

  2. Wiedergewinnung der Arbeitskraft und des Talents dieser vom Geist geführten [Von welchem Geist genau, wird leider verschiwegen...] Individuen, deren Gaben von der heutigen Kirche besonders gebraucht werden, wenn sie ihre momentane Krise erfolgreich überwinden will und kreativ [röchel...], fruchtbar - mit evangelischer Absicht - der Postmoderne begegnen will.

  3. Eine besondere Entschuldigung für die hinterhältigen Attacken auf die Befreiungstheologie, welche diese notwendige Bewegung in den Glaubensgmeinschaften der Entwicklungsländer dezimiert haben. Rehabilitation besonders jener Theologen, deren prophetisches Zeugnis auch von westlichen Theologen mit ihrem Mangel an Aufmerksamkeit für strukturelle Ungerechtigkeit und ihrer Fixierung auf Themen wie Abtreibung und Homosexulität dringend benötigt wird

  4. Wiedereröffnung der Debatte über Frauenordination [** gähn ** ... Hmm...? Was...?].

  5. Wiedereröffnung der Debatte über Sexualethik [** schnarch ** ... Echt...? Zur Abwechslung mal...?].

  6. Abschaffung des vor-modernen, undemokratischen Prozesses, mit welchem in Rom die Arbeit von Theologen überprüft wird. Abschaffung des Prozesses der Entgegennahme geheimer Berichte über "unorthodoxe" Theologen, die darauf nach Rom gerufen werden, um auf geheime Anklagepunkte [Wir klagen dich jetzt an, aber die Punkte sind geheim...] zu antworten, von denen sie vor ihrer Anhörung nichts wußten. Öffnen der Anhörungen für die Öffentlichkeit und Erlaubnis der Angeklagten, einen Anwalt zu den Anhörungen mitzubringen - fells diese überhaupt weiterbestehen [Übersetzung: Die Theologen können nicht so ahnungslos sein, daß sie von einer Einladung in den Vatikan total überrascht sind. Es fehlt ihnen aber die Zeit, die larmoyanten WsK-Massen zu mobilisieren und sie zahlreich vor Ort als 'Zeugen des Geistes' auftreten zu lassen. Mit den gestellten Forderungen wird sich das schnell ändern, so daß nüchterne, theologische Eröterungen sich bald in einen emotional überfrachteten Zirkus verwandeln werden, in denen ganz viel Betroffenheit und ganz wenig Ahnung herrscht].

  7. Aussendung eines starken Signals, daß die Länge der Cappa Magna eines Hierarchen kein offensichtliches Zeugnis für dessen Tugend, dessen theologischen Scharfsinn oder dessen Eignung für ein hohes Amt in der Kirche ist. Wenn Benedikt XVI Kardinal Pell zum Haupt der Bischöfe weltweit [Das steht da so, kann ich nix für] macht, wie glaubwürdige Berichte aus Rom bestätigen, sendet er der Kirche und dem Klerikern die Botschaft, daß seine Worte in Portugal nur nette Worte waren aber nicht mehr. Pell ist ganz besonders unqualifiziert - ganz besonders falsch - für diese Position [Wie kommt der Autor nur zu diesem Schluß...?]. Er hat den Weg vorgegeben in der Prozession immer länger werdender Cappae Magnae [Say what now? Pell läßt sich zwei- oder dreimal mit der Cappa erwischen, und schon weiß unser theologisch hochgebildeter Autor, daß da pastoral etwas ganz im Argen liegen muß? So erheiternd das ist: Aber da muß doch noch etwas mit Substanz kommen, um das Prädikat "besonders unqualifiziert" zu rechtfertigen...]. Seine Weigerung, sich mit seiner lesbischen Cousine - einer ehemaligen Nonne - zu treffen, oder wenigstens den [offenen] Brief, in welchem sie ihn vor Jahren um einen Dialog über die kirchliche Unterdrückung von Schwulen und Lesben bat, zu beantworten, untergräbt seine Glaubwürdigkeit als Führer der Bischöfe weltweit im 21. Jahrhundert total [Es gab eine Antwort auf den Brief: Kardinal Pell gab ein Statement ab, in welchem er erklärte, daß er die Lehre der Kirche unterstützt. Er würdigte den Diskussionsbeitrag siner Cousine, bedauerte aber den Weg, den sie eingeschlagen hat. Die Anklage soll hier also nicht das Ausbleiben einer Antwort sein, sondern das Geben einer falschen Antwort].

  8. Zugänglich werden für das Volk Gottes. Mit ihnen gehen. Ihnen zuhören. Und das ohne etepetete Fummel und Würde. Hirte sein. Jesus, den guten Hirten, als persönliches Vorbild nehmen [Uff! Danke für diesen wertvollen Rat! Da wäre Papst Benedikt XVI niemals drauf gekommen!].

  9. Von jedem Bischof in der Welt verlangen, daß er sich ebenso verhält.

  10. Umwandlung der Kälte in den theologischen Abteilungen katholischer Universitäten und Eingeständnis, daß es ein Akt gravierenden Übels [Im Original steht dort "act of grave evil"] war, auf den Gaben herumzutrampeln, die der Kirche von vielen Laien angeboten wurden, die nach dem Konzil den theologischen Studienprogrammen zuströmten, mit Enthusiasmus und der großen Hoffnung, der Kirche im theologischen Amt dienen zu können. Doch dann fanden sie sich während des Pontifikats Johannes Paul des Zweiten - mit Benedikt als theologischem Wachhund - negativer Kontrolle und Bedrohungen ausgesetzt, als sie ihrer Berufung als Theologen folgten. Die Folgen dieser Säuberungsaktion [Extra-Punkte für Fingerspitzengefühl in der Wortwahl] waren für die Kirche extrem schädlich. Diese Verkühlung umzukehren könnte viel dazu beitragen, den Prozeß, in welchem man die Kern-Probleme im Herzen der Mißbrauchs-Krise ansprechen will, in Gang zu bringen - ehrlich und transparent.
Kann man eigentlich kaum noch etwas zu sagen. Aber - um ein altes, aber meiner Meinung nach schönes Mem mal wieder zu Ehren kommen zu lassen - hier ist mein Gegenargument, ganz nah am Niveau und an der Logik der Forderungen:

Saturday, May 15, 2010

Ich, der selbstherrliche Brutalo

Schreibt die Süddeutsche gestern:
    Juristisch wird der Fall Mixa wohl ungeahndet bleiben: Straftaten aus seiner Zeit als Schrobenhauser Stadtpfarrer sind verjährt.

    Sie illustrieren jedoch, wie selbstherrlich und brutal die katholische Kirche bis in die jüngste Vergangenheit mit Schutzbefohlenen umgesprungen ist.
Denk ich mir zuerst: "Komm, Alter... Laß gut sein! Ist halt die Süddeutsche..."

Dann les ich's nochmal; einmal, um zu gucken, ob das wirkich da steht, dann aber auch, weil mich eine ganz neue Qualität des Angepißtseins befällt.

Einen schönen Maßstab hat sie da gesetzt, die Süddeutsche. So knapp unter dem Niveau des National "Catholic" Reporter" dürfte sie sich jetzt befinden. Beim NCR ist man immerhin schon soweit, die Anklage nicht an die "Katholische Kirche" zu richten sondern nur an alles, was sich in der Hierarchie überhalb eines clownnasentragenden, woodstock-affinen Hanfpfarrers oder einer habit-verweigernden, streetworkenden Nonne befindet und was innerhalb des Kirchenvolks durch eine wie sanft auch immer ausgeprägte Anhänglichkeit an katholische Glaubensinhalte unangenehm auffällt.

Die Argumentation der Süddeutschen hingegen ist neu: Wo auch immer es zu Fällen von sexuellem Mißbrauch oder körperlicher Gewalt und damit zusammenhängenden Vertuschungsversuchen innerhalb der Kirche kommt, dort wird illustriert, wie selbstherrlich und brutal die katholische Kirche ist. Denn wie wir ja alle wissen, werden regelmäßig anhand repräsentativer Umfragen unter Klerus und Kirchenvolk Leitlinien für ein genaues Vorgehen in ganz spezifischen Fällen innerhalb der katholischen Kirche erarbeitet.

Beispiel-Szenarien sind unter anderem:
    A.) Ein pädophil (oder auch/eher ephebophil) veranlagter Priester stellt fest, daß er mit einem Ministranten ganz alleine in der Sakristei ist. Der Bub ist ein wenig traurig, weil seine Eltern sich gestritten haben. Der Priester tröstet ihn und legt ihm den Arm um die Schulter. Der Junge lächelt dankbar. Wie soll der Priester Ihrer Meinung nach weiter vorgehen (2 Antworten gleichzeitig sind gestattet)?

    1. Er gibt dem Jungen einen Klaps auf den Hinterkopf und sagt "Also, Kopf hoch! Ich werde mit deinen Eltern reden. Das kriegen wir schon wieder hin!"

    2. Er schickt ein Stoßgebet zum Himmel, unterdrückt alle schadhaften Triebe und schickt den Buben nach Hause

    3. Er zieht ganz schnell und ganz verschämt mit hochrotem Kopf den Arm zurück und sucht fluchtartig das Weite

    4. Er begrapscht den Buben

    B.) Ein katholischer Priester, der an einer Grundschule Religion unterrichtet, hat zwei rüpelhafte Knaben in der Klasse, die ständig den Ablauf des Unterrichts stören. Wie muß er reagieren, wenn die Störungen Überhand nehmen?

    1. Er besucht die Eltern der Jungen und spricht sie auf die Probleme an

    2. Er bittet die Jungen immer wieder sanft um Stille

    3. Er wendert sich an die Schulleitung

    4. Er ruft seinen Fanclub gewaltbereiter Ordensschwestern herbei und zerbricht jeweils ein Holzlineal auf einem der Sturköppe, während er von den Nonnen mit Schlachtgesängen angefeuert wird
Ja, liebe Süddeutsche. Ihr habt uns durchschaut! Wir haben natürlich alle bei beiden Fragen Antwort 4 angekreuzt. Das ist die selbstherrliche und brutale katholische Kirche. Wir stehen ALLE voll hinter Phänomenen wie Kindesmißbrauch, Vertuschung, schleppender Aufarbeitung von bekannt gewordenen Fällen, Selbstherrlichkeit und Gewalt. Daher sind wir auch alle so schlecht zu sprechen auf die Mainstream-Medien. Wie können die es wagen, durch ihre unschätzbare Aufklärungsarbeit, uns - die katholische Kirche - so bloß zu stellen?

Andererseits könnte es noch schlimmer kommen! Denn man stelle sich mal vor, eine Süddeutsche geht hin und berichtet über katholische karitative Einrichtungen in Ländern, in denen die Kirche - manchmal bis aufs Blut - verfolgt wird und in denen sie trotzdem (nicht nur "in jüngster Vergangenheit" sondern in diesen Minuten) jederman Hilfe leistet, wenn die Situaiton es erfordert! Das alleine wäre schon übel genug. Aber es könnte so auch offenbar werden, daß all die Leute, die so aufopferungsvoll ihre Arbeit verrichten, dies nur tun können, weil die katholische Kirche so straff, hierarchisch und weltweit organisiert ist. Wäre das peinlich, wenn die Leute plötzlich denken, wir wären ein Haufen popoputzender Gutmenschen. Nee, dann doch lieber das cool-distanzierte Image selbstherrlicher Schläger. Es ist also dringend nötig, den Mainstream-Medien weiterhin vorzugaukeln, daß all das Gute, was im Namen des katholischen Glaubens mit dem Wissen und der Unterstützung der Kirchenleitung geschieht, ganz und gar nichts mit der "katholischen Kirche" zu tun hat, sondern nur ein zufälliges, ungewünschtes Abfallprodukt unserer tiefen Verachtung für alles Menschliche oder gar (** gasp **) alles Christliche ist.

Bittt-bitte-bitte, liebe Süddeutsche (und Konsorten): Halte weiterhin die Augen so brav geschlossen und den Verstand genau auf Linie!

Friday, May 14, 2010

Armer Bischof Mixa

Ich war ja gar nicht so naiv und blöd, anzunehmen, daß man - nachdem der Verdacht des sexuellen Missbrauchs gegen den zurückgetretenen Augsburger Bischof sich nicht erhärtet hat - in den Mainstream-Medien wenigstens mal öffentlich ein wenig über die eigene Rolle und Macht nachdenkt (von einer Entschuldigung mal ganz zu schweigen).

Nein, so etwas kann es nicht geben, weil es so etwas nicht geben darf. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Information und wo, wenn nicht in einem virtuellen 08/15-Fishwrap deutscher Provenienz könnte der des Lesens mächtige Bürger sich über das Sündenregister eines Kirchenfürsten schlau machen?

Nein, anders muß es laufen. Wenn es mit dem Mißbrauch schon nichts war, wenn ein Saunabesuch mit erwachsenen Seminaristen irgendwie auch nur als schlüpfriger Rohrkrepierer am Stammtisch ein Schattendasein fristet, wenn der Alkoholismusvorwurf lediglich als hartnäckiges Gerücht die Runde macht, dann muß eben bei der Gewalt noch ein Klafter nachgelegt werden:
    Er sagte oft Sätze wie: 'In Dir ist der Satan, den werde ich Dir schon austreiben'“, zitierte Knott einen ehemaligen Heimjungen. Die dort beschäftigten Nonnen hätten Mixa oft mit den Worten "Hau nei...hau nei...“ angestachelt."
Wenn's stimmt, dann haben Sie, verehrte Kunden, es hier zuerst gelesen. Danke und beehren Sie uns bald wieder!

Wenn's nicht stimmt, dann seien Sie halt dankbar für die Extraportion moralischer Entflammung, die Sie frei Haus geliefert bekamen. Und beim nächsten Mal wird sicherlich etwas hängenbleiben. Versprochen!

Heilbar?

Die taz berichtet über eine Demonstration von Kirchenkritikern für ein "Leben ohne Kirche" in München.

Veranstalter war der "Bund für Geistesfreiheit"; Teilnehmer waren Atheisten, Konfessionslose und Kirchenkritiker; Thema Nummer eins war der Mißbrauch.

Die taz ist der Meinung, daß während der Dmonstration weder an sachlicher, noch an polemische Kritik gespart wurde.

Blickfang der Aktion war ein aus überdimensionalen Penissen zusammengestecktes Kruzifix.

Der "Heidenspaß" sollte beweisen, daß ein "fröhliches Leben" unabhängig von Religion und Kirche möglich ist.

Stimmt irgendwie: Ein Leben unabhängig von Religion und Kirche ist in diesem Falle nicht nur möglich, sondern Voraussetzung dafür, daß sich diese Form der "Fröhlichkeit" manifestieren kann.

Hier ein paar der Forderungen des lustigen, fröhlichen, befreiten Häufleins:
    Wie weitreichend der BfG diese Regel aber gerne umgesetzt hätte, wird auch an einem Manifest zum Kirchentag deutlich, das während der Demo verteilt wird. Darin wird gefordert, dass sowohl der Religionsunterricht als auch kirchliche Feiertage vollständig abgeschafft werden. Die „Zwangstaufe“ solle als „Form der spirituellen Vergewaltigung [!]“ unter Strafe [!!] gestellt werden. Religiöse Betätigung soll nach dem Willen der Verfasser nur noch in Vereinen [!!!] stattfinden, die allerdings „zum Schutz der Jugend vor Verführung“ nur Volljährigen offen stehen[!!!!] sollen.

    In der Demo-Ankündigung hieß es im Hinblick auf das Christentum: „2000 Jahre Verdummung und Bevormundung sind genug“. Die Rede ist von „klerikalem Muff“ und „weihrauchvernebelter Doppelmoral [!!!!!!!!!!!!]“. Tammelleo betont, man wolle niemanden missionieren und auch niemanden in seinem Glauben angreifen ["Glaube ist heilbar" war unter anderem auf einem der Plakate zu lesen...]. Dass manche aus dem Spektrum das doch täten, stimme natürlich. Man dürfe dabei nicht vergessen, dass viele Menschen unter einem „Glaubenszwang“ gelitten hätten.
Die Armen! So verstört, daß sie nur mit Penis-Kruzifixen, prügelnden Pappmaché-Nonnen und beleidigenden Slogans reagieren können...

Überhaupt: Diese Leute demonstrieren ja nicht FÜR ein Leben ohne Kirche, sie demonstrieren (ungefragt - und daher fast schon so skandalös wie eine Fronleichnamsprozesion) IHR Leben ohne Kirche.

Und sie sind auch nicht damit zufrieden, zu zeigen daß es möglich ist. Sie wollen so lange mit bigottischen Platitüden, persönlichen Rührstückchen und offensiver Demonstration der augenscheinlich äußerst heilsamen Folgen ungehemmter Sexualität dreinschlagen, bis - ganz im Sinne des neuen Verständnisses von Religionsfreiheit - endich überall Freiheit von Religion herrscht.

Ich behauptete jetzt natürlich schon gerne, daß diese Leute heilbar sind. Immerhin kann ich aber beruhigt darauf verweisen, daß es eine Alternative zu dieser aus dem Schritt kommenden Pseudo-Moral weinerlicher Pfauen gibt.

Wednesday, May 12, 2010

Man muß kein Feind der Aufklärung sein...

... um in diesen Zeiten bei Verstand zu bleiben. Aber es hilft.

Denn:
  • Wer sich beständig weigert, aus dem Tümpel der Berichterstattung über die Katholische Kirche die anderthalb Körnchen Wahrheit herauszufischen, die eine Aktivierung der grauen Zellen rechtfertigen...

  • Wer jede gegen einen katholischen Prieter oder Bischof gerichtete Anschuldigung bereits als eine Verurteilung betrachtet und die gesamte Strecke, welche normalerweise zwischen diesen beiden Punkten liegt, aus der Realität ausklammert...

  • Wer nach Schlagzeilen wie "Homosexualität, Alkohol und Gewalt: Rom lässt Mixa fallen" sich schon gar nicht mehr dafür interessiert, auf welch groteske Art hier die Übereinstimmung des Verstandes mit der Sache erzwungen werden muß...

  • Wer von des Papstes gefrorener Seele spricht und gleichzeitig definieren will, wer hier dem Herzen der Kirche näher ist...

  • Wer meint, sich noch auf dem rechten Weg hin zu einer "zukunftsfähigen Kirche" zu befinden, nachdem er Konzepte wie mitbrüderliches Denken und Handeln, Großmut, Geduld, Fairness und Standhaftigkeit gegenüber dem Widersacher über Bord geworfen hat...

  • Wer sich erlöst glaubt, weil endlich der Sündenbock gefunden ist, den man zur Vergebung der eigenen Sünden und zur Erlangung der eigenen Erlösung genüßlich von der hohen Warte der eigenen, selbstgemachten Moral kreuzigen kann...

  • Wer meint, die Papstworte "Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von äußeren Feinden. Sie wurde von den Sünden innerhalb der Kirche geboren" bedeuten, daß es keine höchstinteressierten Kreise gibt, welche die Mißbrauchsfälle instrumentalisieren...

  • Wer die finstere Realität der Sünde innerhalb der Kirche schon beinahe zelebriert, während er sich jeden Hinweis darauf verbittet, daß auch nur der Begriff der Sünde oder gar die Realität von Beichte und Vergebung auf irgendeine Weise für sein Denken, Reden und Handeln relevant ist...

  • Wer freudig auf Seite Eins in haushohen Lettern anklagt und verschämt auf Seite Dreitausend bekannt gibt, daß es dann wohl doch nicht so war...
... der ist gut beraten, keine Fragen zu stellen und gewissen Tatsachen den Zugang zu seinem Vertand zu verwehren. Solche Leute könnte eine tatsächliche Aufklärung kirre machen.

Monday, May 10, 2010

Tagespost-Interview mit Raphael Bonelli

Was der Wiener Psychiater und Psychotherapeut zu sagen hat, könnt Ihr bei kath.net nachlesen.
    "Die Kirche hatte immer zu zeigen, was der Weg zu einer glücklich gelebten Sexualität ist, nämlich eine intensive Du-Beziehung im Rahmen einer stabilen Partnerschaft. Wenn vor allem die eigene sexuelle Lust intendiert ist, dann macht das unglücklich. Als Psychiater beeindruckt mich da die katholische Lehre, die das aus ihrer Sicht auf den Punkt bringt: Die Geschlechtslust ist dann ungeordnet, wenn sie um ihrer selbst willen angestrebt und von der liebenden Vereinigung losgelöst wird."
Ein recht lesenswertes Interview, welches allerdings am Anfang bei mir zwar keinen direkten Widerspruch aber zumindest ein leichtes "Momentchen mal..." verursachte:
    Die Kirche ist seit Monaten im Mittelpunkt der Missbrauchs-Debatte. Warum fokussiert sich die Diskussion so sehr auf die Kirche und ihr Personal?

    Weil scheinbar das Gute als schlecht entlarvt wurde. Die, die Gott bringen hätten sollen haben sich vergangen. Corruptio optimi pessima. Das schockiert und paralysiert - oder macht wütend. Da hilft es nicht, wenn uns der Kopf sagt, dass Pädophilie-Täter nur einen verschwindend geringen Anteil des Klerus ausmachen, und dass Priester eine zigfach geringere Wahrscheinlichkeit haben, pädophil zu sein: das Gefühl bleibt. Irgendwie weiß man schon, zu welchen Scheußlichkeiten der Mensch fähig ist; aber dass auch der Priester diesen menschlichen Abgrund in sich trägt ist offensichtlich schwer verkraftbar. Dass jemand auf die schöne menschliche Liebe verzichtet und dann in solche Perversionen verfällt, ist ja ein menschliches Scheitern das sprachlos macht, das erschüttert. Wenn irgendein Pädophiler aufgedeckt wird, ist das eine Einzelperson. Aber wenn es ein katholischer Priester ist, dann steckt die Kirche mit drinnen. Für viele Menschen ist das zudem sehr emotional besetzt, weil die Kirche in ihren Augen für „Sexualrepression“ steht. Deshalb erleben sie es als extrem scheinheilig, wenn ihre Amtsträger so etwas machen. Die Kirche steht hier psychodynamisch für den strengen Vater, der autoritär Sexualität verbietet. Da mischt sich dann die Enttäuschung über den gefallenen Vater mit der lange aufgestauten Wut, die seine Zurechtweisung verursacht hat.
Ist das wirklich ganz genau so? Sind all die Journalisten, Moderatorenfratzen und Talk-Dompteure mitsamt ihren Lesern, Zuschauern und Mitbrüllern tatsächlich einfach nur schockiert oder wütend oder paralysiert, weil hier das Idealbild eines ganzen Berufsstandes zusammenbrach? Und erleben die sexuell noch ein wenig un-repressierter sein Wollenden es tatsächlich nur als scheinheilig, wenn ein kinderschändender Priester entdeckt wird?

Wenn ich mir die Berichterstattungen und Reaktionen anschaue, liege ich dann völlig falsch, wenn ich auch eine gehörige Portion Schadenfreude erkenne? Und einen 'legitimen' Grund, den "strengen Vater" endlich auf einen negativen Aspekt reduzieren zu können, um so protzend die eigene moralische Überlegenheit zu demonstrieren, bevor man Lebewohl sagt?

Ich kenne viele nicht unanständige Katholiken, die schockiert sind wegen der Mißbrauchsskandale. Aber die kämen nie auf die Idee, von Scheinheiligkeit zu sprechen, da sie sehr wohl unterscheiden können zwischen kirchlicher Lehre und individuellem Fehlverhalten. Auch wissen sie, daß es einen Unterschied gibt zwischen einem Magisterium, welches Schrift und Tradition zu einem gültigen Ganzen zusammenschweißt, auf daß der Mensch auch in der heutigen Zeit wenigstens noch eine vage Vorstellung von dem Weg hat, der ihn seinem Schöpfer wieder zuführt und um den Ruf der Kirche (und auch ihren eigenen) besorgte Bischöfe, die - nicht ganz realitätsnah - glaubten, man müsse einen bekannten Mißbrauchs-Täter nur in die nächste Gemeinde versetzen und alles wird gut.

Diese Leute leiden unter den Mißbrauchsfällen. Sie leiden aber auch unter der Berichterstattung, dem Generalverdacht, dem ständigen Schmeißen mit Dreck (bis ENDLICH an irgendeinem großen Namen irgendetwas hängenbleibt) und den plakativen Schlagzeilen. Ein Beispiel für Letztere gefällig? n-tv: "Homosexualität, Alkohol und Gewalt: Rom lässt Mixa fallen" - Klar, weil Bischof Mixa bereits in allen drei Anklagepunkten schuldig gesprochen wurde. Das ist keine Schlagzeile, das ist eine Prügelzeile für Sofa-Kartoffeln, die nur zufällig auf n-tv hängengeblieben sind, weil sie dachten, es sei eine Call-in-Show.

Hier sehe ich keinen Schock, keine Lähmung, nicht einmal Wut. Hier sehe ich nur Marktschreierei kirchenfeindlicher Kreise, welche die Menschen noch weiter weg holen wollen von der einzigen Institution, die ihnen aufgrund ihrer Botschaft gefährlich werden kann.

Die Katholiken (also alle die, die jetzt noch in der Kirche sind und nicht mit dem Gedanken spielen, auszutreten) leiden unter den Mißbrauchsfällen. Sie leiden aber auch unter den streckenweise haarsträubenden, in ihrer Intensität fast hysterisch scheinenden Versuchen gewisser Meinungshoheitler, der Kirche schnell noch einen Extra-Skandal mehr reinzuwürgen. Diese Leute haben Recht, wenn sie mich traurig anschauen, seufzen und sagen: "Es ist ja in Ordnung, wenn die keine Ahnung von der Kirche und keine Beziehung zu Gott haben. Dann wundert es auch nicht, daß die solchen Mist schreiben. Aber dann sollen sie ihre Ignoranz nicht hinter dem Argument verstecken, die Öffentichkeit habe ein Recht auf Information."

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

"Die... (** kicher **)... die... (** heh-heh **)...

... die Wahr... (** prust **)... Die WAHRHEIT...
(** nachluftschnapp **)... ???

Niemand wagte zu sagen, dass der Kaiser in Wahrheit gar keine Kleider trug. Noch heute feiern ihn Rechtskatholiken und Weihrauchnostalgiker als "Märtyrer" und wollen die Wahrheit nicht wissen, nur "zur Kirche halten".

Das fällt Peter Wensierski zum Thema Bischof Mixa ein.

"... wollen die Wahrheit nicht wissen".

Das muß selbst ich alter Rechtskatholik und Weihrauchnostalgiker unkommentiert stehen lassen, da man einen solchen Satz, aus den Reihen des SPIEGEL's kommend, nicht mehr ironischer darstellen kann.

Siegeszug der Gegen-das-Baby-Pille

Bevor ich zum Mittagessen mit meinen sympathischen maxikanischen Mitbewohnern (oder auch vorübergehenden Mitbrüdern, was der Sache eigentlich näher kommt) gehe, tippe ich Euch noch schnell diese Sätze aus dem Editorial der aktuellen Ausgabe des Stern herunter:
    Ohne die Pille wären die sexuelle Revolution und auch die Emanzipation der Frau kaum vorstellbar gewesen. Ihren weltweiten Erfolg - heute nehmen über 100 Millionen Frauen regelmäßig die Pille ein - vermochte auch die katholische Kirche nicht zu verhindern. In seiner realitätsfremden Enzyklika "Humanae Vitae" wollte Papst Paul VI im Jahr 1968 den Gläubigen allen Ernstes vorschreiben, "daß jeder einzelne eheliche Akt nur dann sittlich gut ist, wenn er für die Weitergabe des Lebens offen bleibt".
"Realitätsfremd" ja. Aber welches ist die Realität, die der Kirche fremd ist? Und welches ist die Realität, die die Kirche lehrt und vertritt?

Reicht es hier, auf das "Naja, sie ist halt nicht von dieser Welt und kann und darf sich der Welt daher nicht angleichen..." hinzuweisen, oder muß man nun endlich auch den nächsten Schritt machen und eine unangenehme Wahrheit nicht beim Namen nennen sondern geradezu herausposaunen: Wenn der Mensch vergißt, daß er nach Gottes Ebenbild geschaffen ist, dann vergißt er als Folge davon auch seine Natur und korrumpiert seine Würde.

Dann richtet man sich in Fragen der Moral und Ethik nicht mehr nach der höchsten Autorität, sondern nach dem, was für den Moment ein leichteres Kreuz und eine schnelle Lösung der Probleme verspricht.

Scheidung, Kinderlosigkeit, Euthanasie, Abtreibung, Geschlechtsumwandlungen, Auflösung des Ehe-Begriffs etc: Die Quick-and-dirty Lösungen für eine sich "Gesellschaft" nennende Ansammlung von Individuen, welche nur noch abseits göttlicher Gesetze an ihrer Natur herumdoktern und entsprechend im Leben einzig Dinge ausprobieren wollen, aber keine Verantwortung außerhalb festgesteckter, politisch-korrekter oder gesellschaftlich größtenteils (stillschweigend) akzeptierter Grenzen mehr übernehmen möchten (und bald wahrscheinlich auch nicht mehr können, ist dies doch auch ein Lernprozeß, welcher nicht zuletzt innerhalb der Familie stattfindet).