Momentan kircht es ja wieder einmal von unten, daß einem Hören und Sehen vergeht.
Die Laieninitiative, die Pfingsterklärung, der Ökumenische Kirchentag, die Herren Hasenhüttl und Bittlinger, Margot
"Comeback des Jahres" Käßmann und auch die große alte Dame des Aufbegehrens,
"Wir sind Kirche", wissen alle ganz genau, woran es vor allem (um nicht zu sagen "einzig") der katholischen Kirche fehlt und wie man das alles wieder hinbiegt.
Zwischen den Zeilen liest man bei den in
"heiterer Umsturzlaune" [DIE ZEIT vom 20.5. (No. 21)] Versammelten, welches
"rebellische Einverständnis" [ibid] sie zusammenschweißt:
"Wir pfeifen auf amtskirchliche Vorschriften! Wir denken unabhängig von Rom!" [ibid]
Dies alleine macht schon schauern. Erstens sehe ich hier in der Tat
"Unabhängigkeit" von Rom. Ob diese aber tatsächlich Produkt eines genuinen, ehrlichen Denkprozesses ist und nicht eine Reaktion auf den vermeintlich süßeren Flötenklang, wage ich zu bezweifeln. Zweitens enthüllt sich hier eine Vorstellung von
"Ökumene" oder auch
"Reform", die weniger ein Zusammenführen der getrennten Brüder und Schwestern zum Ziel hat, sondern eher eine weitere Spaltung, ein Sich-Profilieren, ein Sich-Anbiedern, ein Heischen zustimmender Blicke und anerkennenden Raunens, einen Sonnenbrand hervorgerufen von Scheinwerfer-Dauerbestrahlung.
Aber wie kommt z.B. ein Herbert Kohlmaier (
Laieninitiative) dazu, solche Sätze zu schreiben:
"Die Männer, die prachtvoll in Rom residieren, begehen Verrat an Jesus. Die Kirche erlag der Versuchung rücksichtsloser Macht und begründet sie wahrheitswidrig: Der einfache Fischer Petrus sei der "erste Papst" gewesen und durch seine "Einsetzung" die Kirche samt Ämtern und Vorrechten zur alleinigen Stellvertretung des Herrn befugt. Widerspruch sei Ungehorsam gegenüber Gott selbst – welch ungeheuerliche Anmaßung!"
Da die schäbige Standeskrieg-Keule (
"... die prachtvoll in Rom residieren,...") ebensogut Ausdruck von Neid sein kann, wie ein ernst gemeintes und ernstzunehmendes Statement zur Güterverteilung in unserer Welt, lasse ich sie mal außen vor. Auch den Nachweis, daß sie weniger
"Verrat an Jesus" üben (
"... daß ale Eins seien: so wie du, Vater, in mir bist un ich in dir bin, daß sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast." (Johannes 17;21)) als der Vatikan, bleiben die Leute von der Laieninitiative schuldig.
Wie aber steht es mit der wahrheitswidrigen Begründung des Petrusamtes?
Matthäus 16;18.19:
"Ich sage dir: Du bist Petrus; auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was immer du auf Erden binden wirst, das wird auch in den Himmeln gebunden sein, was immer du auf Erden lösen wirst, das wird auch in den Himmeln gelöst sein."Johannes 21;17:
Er fragte ihn noch ein drittes Mal: "Simon, des Johannes Sohn, liebst du mich?" Da wurde Petrus traurig, daß er zum dritten Mal ihn fragte: "Liebst du mich?" Er sprach zu ihm: "Herr, du weißt alles, du weißt auch, daß ich dich liebe." Und Jesus prach zu ihm: "Weide meine Schafe!"Petrus wird von Christus mit Vollmachten ausgestattet: Er kann binden und lösen. Er wird auch beauftragt: Weide meine Schafe!
Dort, wo Schafe geweidet werden, ist der Weidende üblicherweise ein Hirte. Eine Schafsherde verschwindet nicht einfach über Nacht. Alte Schafe sterben, kleine Lämmer werden geboren. Die Herde besteht. Was geschieht, wenn der Hirte das Alter spürt und den Tod ahnt? Setzt er sich hin und überläßt die Herde dem nächstbesten Interessierten, der vorbeikommt und wahrscheinlich nicht die geringste Ahnung von der Arbeit eines Schäfers hat? Oder zieht er sich zurück, auf daß die Wölfe unter den Schafen ihr Unwesen treiben können? Nein. Er bestellt einen Nachfolger, der die Arbeit weiterführt. Er gibt ihm ein paar Ratschläge, bringt ihm die wichtigsten Dinge bei und schwört ihn darauf ein, immer ein wachsames Auge auf die Herde zu haben, sie sicher zu leiten und Gefahren von ihr fernzuhalten.
Wie sieht nach Meinung von Leuten wie Kohlmaier die ideale frühe Kirche aus? Genau so, wie die Kirche, die sie nun zu schaffen versuchen: Sie hat keinen Hirten, sondern nur Schafe. Unter diesen gibt es einige besonders Kühne, die sich auf die Hinterläufe stellen und mit den Vorderläufen den Hirtenstab zu halten versuchen. Und im Gebüsch hockt bereits das Wolfspack, lacht sich scheckig und bindet sich die Servietten um die Hälse.
"Verrat an Jesus"?
Möglicherweise.
Denn ich kann mir nicht vorstellen, daß unser Herr, der mit Worten nun nicht eben ungeschickt umging, sich wünschte, daß seine Herde aus Tausenden von vermeintlichen Hirten besteht und Millionen von Schafen, die unsicher und verwirrt zwischen diesen hin und her eilen, weil sie nicht wissen, welche der sie beständig lockenden Stimmen eigentlich noch die Inhalte des Herrn transportiert, der einst den ersten Hirten einsetzte.
Ich setzte alles auf Petrus und seine Nachfolger. Wer noch?