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Monday, February 15, 2010

Seingalt-Sein...

... oder: Am richtigen Ort zur falschen Zeit



Beim Anblick dieses wehmütigen alten Herrn schossen mir spontan ein paar Gedanken durch den Kopf...
    Giacomo, ach Giacomo!
    Wär ich doch nur
    in deinen Schuhen wieder jung und froh!

    Früh aus der Soutane hüpfen,
    um ins nächste Bett zu schlüpfen.
    Alles einmal ausprobieren
    und doch schnell die Lust verlieren.
    Geld verspielen, Leben retten,
    reisen, schwindeln, fliehen, wetten.

    Giacomo, ach Giacomo!
    Was wäre ich
    in deinen Schuhen jung und froh!

    Schürzen jagen, Röcke scheuchen,
    etwas wagen und entfleuchen,
    Immer tasten, niemals binden,
    Herzen brechen und verschwinden,
    Fürsten schmeicheln, Freunde machen,
    essen, trinken, lieben, lachen.

    Giacomo, ach Giacomo!
    Könnt ich vergessen
    die Sünden, in die ich vor mir selber floh?

    Freimaurer und Okkultismus,
    Lotterie und Alchemismus,
    Große Namen, kleine Herzen,
    Liebessport und Rückenschmerzen,
    um am Ende zuzusehen
    meiner Welt beim Untergehen.

    Giacomo, ach Giacomo!
    Tausende Seiten,
    und letztlich warst du doch nicht froh!

Wednesday, February 03, 2010

In den Augen der Fremden

Inmitten
unbeholfener Routinen
imitierender Schritte
und gehemmter Gedanken
eine Erinnerung an

ein Stückchen Schokolade
ein Schaukeln auf den Knien
eine Gutenachtgeschichte
eine Geborgenheit

und die Welt
wie ich sie endlich wieder kenne
spuckt aus
eine zufällige Anmut
eine unbeabsichtigte Choreographie

einen Weg nach Hause

Thursday, November 01, 2007

November

Der Himmel hängt
tief und grau
wie ein Meer von Tauben.

Die Luft ist mit
silbernen Fäden durchwirkt.

Das Gespräch zweier Krähen
schwebt den Wind hinab,
ruht für einen Augenblick
auf meiner Schulter,
gleitet zu Boden
und verliert sich im Laub.

Brillanten tropfen
von den Zweigen kahler Pappeln.

Der vernebelte Tag überreicht seine Stille
dem herbeieilenden Abend.

Tuesday, May 15, 2007

Der Priester

Der alte Bau
der ewig jungen Braut
war ihm ein Zuhause bis zum Ende.

Dort glaubte er, dort hoffte er, dort liebte er.
Er, der niemandem etwas sein wollte,
außer ihnen kein Hindernis und
Ihm ein Diener.

Wenn er sprach, dann hörten sie
nicht auf zu hören.

Wenn er Gesten streute und Blicke verlor
und seine alten Lieder sang,
dann saß manch Einer unruhig, aber dachte
tief und fern und schön.

Wenn er herabrief, pries und gedachte
und mit geschlossenen Augen
den heiligen Engel,
den himmlischen Altar,
die göttliche Herrlichkeit,
den heiligen Leib,
alle Gnade,
allen Segen...

Dort glaubte er, dort hoffte er, dort liebte er.
Denn es war ihm ein Zuhause bis zum Ende.

Monday, April 30, 2007

The House of the Heart



You stand beneath a racing sky
You don't know why you came to
The house of the heart

You sit amongst the whitered flowers
By the dry fountains
You look at the barren world around
The house of the heart

The lichen covered courtyard lions
Stand restlessly beside you
The great door it swings
The house of the heart

Remote and scarlet
Say the clouds
Vivid visions shatter down the spiral stairs
Promises and perfection
Solitude and despair

You hear the tempest beauty sigh
You don't know how you came to
The house of the heart

Simon Huw Jones

Thursday, March 08, 2007

Ich lebe in einem Wunschbrunnen

Ich lebe in einem Wunschbrunnen,
eine Handbreit über dem Grund.
Ich lasse Luftbläschen steigen
und blinzle zur Sonne hinauf.

Ich lebe in einem Wunschbrunnen.
Eine zitternde, wackelnde Welt
wirf nach mir mit Wechselgeld
und stets denselben Sätzen.

Ich lebe in einem Wunschbrunnen.
Ein kleines Heim, aber mein.
Um mich herum regnet’s Kupfer und Nickel.
Tag für Tag, immer mehr und mehr.

Ich lebe in einem Wunschbrunnen.
Hier unten wird’s langsam eng.
Ich hoffe, bald sind alle Menschen
ewig jung, gesund, reich und schön.

Saturday, February 17, 2007

Langeweile

Ich küsse behutsam Euterpe wach
und schreibe ihr süffige Zeilen.
Ich mache vor Jericho etwas Krach
und lerne die Sehnsucht zu heilen.

Ich schicke Picasso fünf nackte Mädchen,
doch kann er sie nicht malen.
Ich trinke Kaffee mit Faust und Gretchen
und laß sie die Rechnung bezahlen.

Ich schlaf unter eines Königs Bett,
tret einem Kardinal auf die Schleppe,
klaue Shakespeare das erste Sonett,
baue Sysiphos eine Treppe.

Ich trink mit der Pompadour einen Ouzo.
Ich knüpfe den gordischen Knoten.
Ich lausche einem verschnupften Caruso.
Ich haue Shir-Khan auf die Pfoten.

Die Geister, die ich rief, werde ich wieder los,
zu einem vernünftigen Preis.
Ich mache Rast in Abrahams Schoß,
treib Spott auf dünnem Eis.

Ich gähne in Kirchen und schlafe auf Festen,
leide Hunger an vollen Töpfen.
Ich wähne das Paradies im Westen
und gleit aus auf rollenden Köpfen.

Friday, February 02, 2007

Spätbarocker Hochsommer

Ein schwerer Körper schreitet
durch einen großen Raum.
Gravität und Fieber,
Gegenwart und Flucht.
Streifen milchigen Lichtes
gleiten, tasten und streicheln.
Zwei Füße berühren
berühren nicht
berühren
den Boden.

Die Sonne betrachtet Häuser und Kirchen,
wärmt Sandstein, Kupfer und Holz.

Die langsame Welt duftet und lauscht
den Stimmen kleiner Tiere.

Ein Apfel fällt und
wird gefangen.

Türen stehen offen.

Tuesday, December 12, 2006

Der Schläfer

Der Schläfer liegt auf dunkelgrünem Gras,
ruht im Schatten eines Baumes.
Er bläst unsichtbare Ranken
hoch zum Laub empor.

Brust und Bauch
steigen und fallen.
Gezeiten des Körpers,
des Körpers im Schlaf.

Es fällt eine Raupe vom Baum.
Sie landet lautlos und weich
auf des Schläfers Bauch.

Der Schläfer lächelt im Traum.
Die Luft ist warm und reich.
Die Raupe schläft auch.

Sunday, May 28, 2006

Schlaflos in Rom

Überall auf der Welt
sagt man vom Mond
er gehe auf und unter.


An meinem Fenster ...

... geht er vorbei.